Sonntag, 7. Januar 2018

Vorhang auf für das neue Jahr


Letztes Jahr habe ich als Krönung meines Umzugs meine Vorhänge bekommen. Das war wirklich der krönende Abschluss, und die Vorhänge sind wunderschön. Sie sind in dunklem orange gehalten und gehen von der Decke bis zum Boden. Ich habe 3 m hohe Decken. Ich wollte Vorhänge, die ganz zu zuziehen sind und keine Schals. Denn im Sommer, wenn Sehende bei mir sind und einmal fernsehen möchten, können Sie einfach den Vorhang zu ziehen. Im Winter empfiehlt sich dies nicht, denn dann würde man die Heizung verdecken. Daher habe ich meinem Besuch immer eingeschärft, erst dann die Vorhänge zu zuziehen, wenn man nach Mitternacht ins Bett geht, denn da schaltet die Heizung herunter. Dann muss man auch nicht mehr an die Rollläden, das ist wesentlich einfacher. Da der Fernseher über Eck steht, kommt man nicht direkt an den Vorhang, sodass wir Schleuderstäbe kaufen mussten. Ich wollte Geld sparen, und da ich im Baumarkt sowieso noch einige Dinge brauchte, fuhren wir dorthin. Dort hatten sie nur Schleuderstäbe von 1 m 25. Ich dachte, wenn die Decken 3 m hoch sind, müsste ich bis auf 1,75 m greifen können, um die Vorhänge zu schließen oder zu öffnen. Somit fuhren wir in ein Gardinengeschäft in der Hoffnung, dort hätten sie vielleicht längere Modelle. Genau das Gegenteil war der Fall, dort hatten sie nur noch kürzere. Da ich noch etwas im Baumarkt vergessen hatte, fuhren wir noch einmal zum Baumarkt zurück, um dann diese Schleuderstangen zu kaufen. Wir waren überrascht, dass die Schleuderstäbe von 1,25 m doch niedrig genug waren, dass ich sie mit meinen 1,56 m leicht erreichen kann. Die Gardinen haben ebenfalls Schleuderstäbe, denn auf einer Seite möchte ich lüften können. Da möchte ich schon die Gardine zurückziehen, damit sie sich beim Öffnen und Schließen des Fensters nicht jedes Mal ein zwickt. Das Fenster kann ich nur bis zum Fernseher öffnen, und wenn der Wind geht, würde der Flügel des Fensters dauernd gegen den Fernseher schlagen. In der Mitte der beiden Fenster habe ich bewusst keinen Vorhang gemacht, denn das würde das Zimmer erdrücken, und so wirkt es, als sei es ein einziges großes breites Fenster. Hätte man in die Mitte noch einen Vorhang gemacht, würden sich beide Fenster lang und schmal in die Höhe ziehen. Auf der anderen Seite habe ich nur Pflanzen, da habe ich bewusst verhindert, dass man den Fensterflügel öffnen kann, denn bei geöffnetem Fenster würde ich mich laufend stoßen oder gar aus dem Fenster fallen. Nun haben wir beschlossen, dass ich eine Wandhalterung für den Fernseher brauche, damit ich ihn, wenn ich das Fenster öffne, bequem zurückschieben kann. Allerdings befürworte ich eher eine Halterung, die man an das Tischchen des Fernsehers montieren kann, so das ich den Tisch ganz und gar in die Ecke schiebe, und bei Bedarf nur den Fernseher vorziehe, der an einer Halterung an einem Schwenkarm angebracht ist. Ich habe ihn schon einmal fast hinuntergeworfen, als ich einen kleinen Wagen mit Blumen beiseite schob, und sich dieser im Fernseher verhakt hatte. Dann fiel beinahe der Fernseher herunter, und als ich den gerade noch gerettet hatte, krachte fast das Wägelchen mit den Blumen zusammen, sodass ich den großen Blumentopf mit der Yucca Palme gerade noch festhalten und auf den Boden stellen konnte. Das war, kurz bevor ich fortgehen wollte und noch einmal die Fenster zum Lüften öffnen musste. Es kam mir vor, als sei ein Poltergeist in der Wohnung, da eines nach dem anderen zusammenfiel. Leider sind ja meine Wände aus Sandstein, so das eine Wandhalterung eines Fernsehers nicht möglich ist. Aber wir können ihn entweder an dem Fernsehtischchen befestigen oder an einem Brett an einem Regal. Zumindest sieht es jetzt wunderschön aus, und es halt auch nicht mehr so, auch die Stereoanlage und der Fernseher haben einen wesentlich besseren Klang. Insgesamt fühlt es sich jetzt viel gemütlicher an. Da das ganze Zimmer in Erdtönen gehalten ist, passen die Vorhänge wunderbar dazu. Schade, dass ich durch das Augenflimmern oft Farbschleier vor den Augen habe und daher die schönen Vorhänge gar nicht immer wirklich sehen kann. Aber ich bin gut beraten worden. Wir waren gerade dabei, die zweite Sorte Plätzchen zu backen, als der Mann kam, der sie montierte. Die ganze Angelegenheit war nicht billig, denn wir mussten noch eine zweiläufige Schiene an der Decke anbringen lassen, die Gardinen und die Vorhänge, deren Stoff natürlich auch nicht gerade günstig war, mussten ja genäht werden, und es wurde schließlich  auch viel Material gebraucht, da ja die Übervorhänge sehr lang sind. Die Gardinen wollte ich nur bis über die Fensterbank haben und nicht bis zum Boden. Das hätte nicht gut ausgesehen, da dahinter genau die Heizkörper sind.

 

So schön wie das alte Jahr aufgehört hatte, so blöd fing das neue Jahr an. Wir waren auf einem Festival und mussten von einer Spielstätte zu anderen Rennen, da wir den Weg nicht wussten und uns erst einmal durch fragen mussten, bis wir die verschiedenen Veranstaltungen besuchen konnten. Mein Bekannter hatte kein Geld dabei, und ich hatte gerade noch zehn Euro, da ich immer noch viel in der Wohnung machen muss und daher sparen muss. Somit konnten wir nicht mal einen Sekt kaufen, und wir saßen irgendwo und warteten auf den Beginn eines Konzerts, da die Dachterrasse schon überfüllt war, und der Sicherheitsdienst keinen mehr rauf ließ. Als das neue Jahr anfing, gab mir mein Bekannter lediglich förmlich die Hand und meinte, ich wünsche Dir alles, was Du Dir selbst wünscht. Ich hätte mir den Beginn des neuen Jahres wirklich etwas herzlicher vorgestellt. Danach sind wir dann nach Hause gelaufen, das war ein schöner Spaziergang.

 

Am 2. Januar ging der Ärger schon los, besser gesagt am ersten, um eine Assistenz zu finden, die mit mir am zweiten einkauft, und dann musste ich ja, wie in dem anderen Blogeintrag bereits beschrieben, diese ganzen Angelegenheiten mit Überweisungen und Rezepten regeln.

 

Das ging dann gerade so weiter, denn ich bekam zwar beim Nierenarzt mein Rezept für das Medikament, aber für die Ergotherapie und Physiotherapie, deren Rezepte an das Behandlungszentrum gefaxt wurden, hieß es, das Kontingent sei ausgeschöpft, ich müsste eine Pause machen, die Ärzte hätten ein Kreuzchen bei dem Vermerk außerhalb des Regel falls machen müssen. Jetzt müssen wir hier noch einmal zur Ärztin laufen und alles klären. Es hört einfach nicht auf.

 

Dann hatte ich noch Ärger mit einem Bekannten, der sich fürchterlich aufgeregt hat, weil ich ihm eine Fernsehsendung nicht aufgenommen hatte. Denn sein Gastgeber bekommt bestimmte Programme nicht, und ich wusste nicht, dass dies bedeutet, dass ich das aufzunehmen habe. Nun würde er drei Jahre warten müssen, bis diese Sendung wiederholt wird, und bis dahin würde er doch gar nicht mehr leben. Ich sei seine letzte Hoffnung gewesen, nachdem ein anderer die Aufnahme schon  verpeilt hätte. Ich dachte schon, es ginge um eine Knochenmarkspende oder um  eine Herztransplantation. So eine Szene hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal, als ich eine Aufnahme versehentlich gelöscht hatte, die er unbedingt haben wollte, und er fürchterlich am Telefon getobt hatte. Ich dachte, dieses Jahr fängt wirklich gut an. Mittlerweile habe ich aber einen Link zu einer allgemeinen Mediathek gefunden, wo selbst ich bequem eine Sendung nach hören kann, wenn ich sie wirklich einmal verpasst habe. Diesen habe ich jetzt auch an meinen Bekannten weitergegeben, damit ist jetzt sein Leben gerettet.

 

Zu allem Überfluss wollte dann auch noch meine Stereoanlage den Geist aufgeben.

 Während des Umzugs ist sie heruntergefallen. Über diesen turbulenten Umzug hatte ich ja berichtet, wir wollten eigentlich genau dies vermeiden, daher hatten wir die Stereoanlage selbst rüber gebracht und in der Umzugskiste ins Regal gestellt. Sie rutschte aber immer weiter nach vorn, und ich reagierte zu spät, und als oben jemand ziemlich heftig über den Boden rannte, rutschte sie ganz und gar herunter und knallte direkt auf die Vorderfront. Dabei wurden die Eingangswahltasten des Verstärker so zusammengedrückt, als hätte die Stereoanlage jetzt ein schiefes Gebiss. Gestern drückte ich dann auf den Knopf für die Eingangswahl für Kassette, und als ich dann etwas anderes hören wollte, klemmte dieser Knopf. Somit war der Monitor eingeschalten, sozusagen die Hinterbandkontrolle, und man konnte alle anderen Eingänge nicht mehr auswählen. Die Taste klemmte, und ich rief in meiner Verzweiflung einen Bekannten vom Tauschring an, der mir während des Umzugs ziemlich viel mit der Einrichtung von elektronischen Dingen geholfen hatte. Ich hatte mein ganzes Kontingent an Tauschring Stunden bereits erschöpft. Er kam aber trotzdem, ich dachte, er wüsste das, würde aber dennoch kommen. Als er kam, zog er erst einmal die kaputte Taste etwas heraus, und dann ging es wieder. Dann nahm er die ganze Stereoanlage, bzw. den Verstärker, baute ihn auseinander, zerlegte ihn und schweißte einige Tasten wieder an. Dann baute er alles ordnungsgemäß wieder zusammen, nachdem er auch noch alles mit dem Handstaubsauger gereinigt hatte. Wir holten dann Nagellackentferner mit Aceton und reinigten auch die Blende, so dass die Stereoanlage jetzt wieder aussieht wie neu. Sie funktioniert auch wieder, zum Glück. Das hätte man schon längst mal tun sollen, aber es wäre ziemlich teuer gewesen, dies in einem Radiogeschäft zu machen. Eine meiner Helferinnen schlug daher vor, einfach einen neuen Verstärker gebraucht zu kaufen, denselben, den ich schon habe. Den gäbe es bei eBay für 60 EUR. Daher war ich auch nicht sonderlich verängstigt, ob die Sache nun klappt oder nicht, da ich immer im Hinterkopf hatte, notfalls gibt es halt für 60,00 EUR einen neuen. Aber er hat es geschafft. Als ich im Geld geben wollte, meinte er, er nimmt prinzipiell kein Geld. Ich sagte ihm, dass ich ja keine Stunden mehr hätte, ich hoffe, dass er das vorher wusste, denn das ist bei uns öffentlich angegeben. Sonst wäre er in dem Glauben gekommen, Stunden zu kriegen und hätte keine erhalten. Ich hatte mir schon überlegt, wie viel Geld ich ihm geben würde, aber er wollte ja keines. Das war mir dann unangenehm, denn ich konnte ihm ja vom Tauschring keine Stunden mehr geben. Ich hoffe, mir wird noch irgendetwas einfallen, dass ich ihm eine Freude machen kann. Auf jeden Fall bin ich froh, dass die Sache geregelt ist. Einige Dinge sind jetzt anders mit dieser Anlage, und ich hatte wohl einiges auch vergessen. Früher habe ich noch besser gesehen, hatte ein besseres Gedächtnis und ein besseres Verständnis. Er versuchte, mir noch einmal die Tasten zu erklären, die ich mittlerweile vergessen hatte, deren Bezeichnung ich nicht mehr lesen kann, und bei deren Bedienung ich mich aufgrund meiner Probleme mit dem Verständnis auch schwertue. Mittlerweile habe ich kapiert, was ein Monitor ist, und dass eigentlich dieser dazu da ist, damit man kontrollieren kann, ob eine Aufnahme funktioniert. Daher könnte man rein theoretisch den Kopfhörerausgang des Kassettendecks benutzen, um bei eingeschaltetem Monitor alle anderen Eingänge abzuhören. Außerdem steckte früher alles, was in einen Hilfseingang gehört, auf dem Wahlschalter Tape zwei, der unsinnigerweise links ist, und Tape eins ist rechts daneben . Daher kam ich total durcheinander, da ich das nicht mehr im Display lesen kann und vergessen hatte. Nun musste ich mir die Tastenbelegung noch einmal ganz neu merken, und außerdem hab ich jetzt verstanden, dass ganz früher alles, was von außen kam, wie zu Beispiel Bluetooth oder Dinge, die ich an einem Klinkenstecker gesteckt hatte, immer am Monitor gehangen hatte, und deshalb konnte man es nur hören, wenn man dieses kleine Zeichen mit dem Kästchen auf den Bildschirm sah. Ich dachte, das sei einfach nur die Eingangswahl für den ersten Schalter, und das Zeichen würde nur bedeuten, dass da einfach kein Tapedeck dranhängt sondern irgendwas anderes. Ich musste schon immer ein zweites Mal draufdrücken, damit das Kästchen weg war, und ich stellte nur fest, als ich noch besser sah, dass alle anderen Geräte , die  gerade ausgewählt waren, zwar  angezeigt wurden, und dennoch dieses Kästchen zu sehen war, und man halt dann nur die  Sachen  vom  Klinkenstecker hören konnte. Dem Maß ich aber keine Bedeutung zu, jetzt weiß ich, dass es lediglich der Monitor war, der alles andere stumm geschaltet hatte. Da aber an diesem Monitor immer die Sachen  vom Klinkenstecker wie Bluetooth, Walkman etc. hingen, war mir das nie klar. Ich fand das alles ziemlich verwirrend, zumal Tape eins der zweite Schalter ist und umgekehrt. Somit werde ich nachher noch etwas damit üben, um noch  besser rauszufinden, welche Funktionen man mit w e lcher Taste erzielen kann. Früher konnte man zum Beispiel auch den Hauptschalter ausschalten, wobei sich dann das Doppeltapedeck automatisch mit ausschaltete. Das geht jetzt leider nicht mehr. Warum, weiß ich nicht. Früher konnte man auch einfach ein Gerät einschalten, und am Verstärker veränderte sich die Eingangswahl automatisch, jetzt muss ich das von Hand machen. Es geht nur noch beim CD Player, bei allen anderen Geräten muss ich es selber wählen. Das ist aber kein Problem, die Hauptsache, alles funktioniert. Es war mir nur einfach ein Rätsel. Jetzt kann man zum Beispiel das Radio einschalten und gleichzeitig das Kassettendeck, und beides spielt gleichzeitig. Wenn ich früher das Radio einschaltete und dann die Kassette einschaltete, schaltete das Radio automatisch ab. Seitdem das Kassettendeck jetzt nicht mehr an der zwei sondern an der eins hängt, ist es auch wesentlich lauter. Wenn ich es noch direkt einschalte, ohne, dass ich vorher eine Eingangswahl getroffen habe, geht es zwar noch an, aber es ist auch wesentlich leiser. Dies sind alles merkwürdige Rätsel. Das Kuriose ist aberfolgendes:  Ich habe die Stereoanlage mit dem Fernseher verbunden. Dabei ist eine weiche am Ausgang des Kopfhörers des Fernsehers. In einem Schenkel steckt ein paar Computerlautsprecher mit Bass, damit der Fernseher nicht so flach klingt wie er aussieht. Am anderen Schenkel ist das Kabel, welches direkt zur Stereoanlage geht, damit ich den Fernseher auch mal über die Stereoanlage laufen lassen kann. Wenn ich jetzt in die Stereoanlage eine CD einlege, kommt die Musik nicht nur aus den Boxen sondern auch aus dem Computerlautsprecher am Fernseher. Das Signal gehta also auch  in die andere Richtung. Ich vermute mal, dass das Geräusch einfach durchgeschleift wird. Außerdem habe ich einen Bluetooth Sender an der Stereoanlage, damit ich alles in die Küche senden kann. Ich habe aber auch einen Bluetooth Empfänger an der Stereoanlage, damit ich Sachen, die ich auf dem Handy habe, auf der Stereoanlage hören kann. Ich hatte nicht gewusst, dass ich diesen Empfänger ausschalten muss, ich hatte es zwar vermutet, aber man sagte mir, das macht nichts, den kann man anlassen. Auf einmal fing es an, furchtbar zu Hallen, und der Hall wurde lauter und lauter und lauter und schwoll immer mehr an. Bis ich festgestellt habe, dass es koppelt, der Sender von der Stereoanlage sendet nicht in die Küche, sondern er sendet direkt an den Empfänger, und dieser spielt es dann über die Stereoanlage ab, was dann wieder über den Sender geht, der dann wieder an den Empfänger sendet, sodass sich alles im Kreise dreht und immer weiter koppelt und koppelt. Dies ist auch ein kurioses Phänomen. Als ich dann auch noch diesen Bluetooth Empfänger an das Stromnetz angeschlossen hatte, hatte ich laufend das Phänomen, dass der Kopfhörerausgang an der Kabel-Fernbedienung der Computerboxen unter Strom stand. Oder wenn ich die 3,5  Klinke der Computerboxen an den Schenkel der weiche am Kopfhörerausgang vom Fernseher stecken wollte, bekam ich eine gewischt. Somit ist der Strom durch den Bluetooth Empfänger in die weiche gegangen, die an der Stereoanlage hängt, denn ich habe dort zwei Dinge, zum einen den Bluetooth Empfänger und zum anderen das Kabel, das zum Fernseher führt. Somit ging der Strom also über diese weiche wieder an das Kabel vom Fernseher zurück und wurde dann über die weiche am Fernseher zu dem Computerlautsprecher durchgeschleift. Jetzt lasse ich den Bluetooth Empfänger ganz ausgesteckt, wenn ich ihn nicht brauche, so hängt er weder an der weiche der Stereoanlage, um dort zu empfangen, noch ist er an den Stromkreis angeschlossen.

 

Das neue Jahr fing auch insofern blöd an, dass ich mit meiner Betreuerin eine Debatte darüber hatte, inwieweit Ausnahmeregelungen machbar sind oder nicht. Ich hatte nämlich überlegt, ob wir an den medizinischen Dienst der Krankenkassen herantreten sollten, um anzufragen, ob ich meine Rezepte nicht direkt vom Hausarzt anstatt immer vom Nephrologen kriegen kann. Da meinte sie, da könnte ja jeder kommen, wo ist dann die Grenze, dann würde auch ein gehbehinderter sagen, mir fällt es schwer, zum Hausarzt zu gehen und dort erst die Überweisung für den Nephrologen zu holen usw. Wäre ich jetzt gehbehindert, würde ich mir ein Liegerad oder ein Fahrrad für Behinderte anschaffen, oder ich würde einen Führerschein machen. D.h. nicht, dass gehbehinderte es besser haben, aber in dieser Hinsicht halt schon. Dafür haben wir vielleicht in der Freizeit wieder mehr Möglichkeiten. Aber ich finde diesen Kindergarten, wenn der eine etwas will, dann kommt der andere auch, ziemlich blöd. Ich sagte ihr, jeder blinde mit Krückstock von hinten sieht, dass wer wenn nicht ich eine Ausnahme brauche, da ich mir wirklich extremschwertue, und meine Situation extrem komplex ist. Sie fragte, wo ist dann die Grenze, und ich sagte ganz frech, bei mir. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand um das zweifelhafte Privileg reißt, seine Medikamente nicht beim Facharzt sondern direkt beim Hausarzt zu bekommen, wenn er dies nicht lebensnotwendig braucht und  mobil genug  ist,  sie  ohne größere  Umstände   und  mit gewährleisteter Kontinuität  zu bekommen. Wenn man so denken würde, hätte ich während meiner Schulzeit als blinde keine Zeitverlängerung bekommen, denn dann könnte ja jeder kommen, und ich hätte auch während des Studiums meine Klausuren und meine Prüfungen nicht auf dem Computer schreiben dürfen, denn da könnte ja auch jeder kommen. Ich glaube schon, dass jemand, der für ein paar Cent Verstand hat, ermessen kann, wem er so eine Ausnahme gewährt und wem nicht, und dies ist nun mal eine Ermessenssache. Dasselbe Problem hatte ich schon einmal, da ich vor meiner Transplantation zur Tafel ging. Das geht jetzt nicht mehr, denn dort bekommt man häufig Lebensmittel, die grenzwertig sind, und aus hygienischen Gründen darf jemand mit unterdrücktem Immunsystem dies besser nicht essen. Bei uns ist es so, dass man nicht jeden Tag dort hingehen kann, um günstige Lebensmittel zu kaufen, sondern man wird einer bestimmten Tafel zugeteilt, wobei man an festen Tagen immer zu unterschiedlichen rotierenden Uhrzeiten bestellt wird. Wenn man aber Assistenz braucht, ist dies nicht machbar, denn die Assistenz hat ja noch andere Kunden und  ist daher  nicht so flexibel, ihre Zeiten  nach  den Vorgaben der Tafel zu planen. Somit hatte ich vorgeschlagen, dass ich immer zu einer festen Zeit kommen kann, und dass ich gleich dran komme, damit ich mit der Assistenz nicht ewig lang warten muss, da diese ja nicht unbegrenzt Zeit hat. Da hieß es dann, dass kriegen sie niemals durch, denn da könnte ja jeder kommen, alle, die arbeitslos sind, sind doch irgendwie behindert, sonst hätten sie ja Arbeit. (Es sei hier mal angemerkt, dass deswegen nicht alle Menschen Arbeit haben, da nicht genügend Bereitschaft besteht, genügend bezahlte Arbeit zur Verfügung zu stellen, und daher der Selektionsdruck immer größer wird, und nur noch diejenigen Arbeit kriegen, die 100 % fit sind. Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die keine Arbeit haben, deswegen per Definition behindert sind.) . Meine Helferin erzählte mir von einem Fall, wo eine Frau weder sitzen, liegen noch stehen kann, zumindest nicht sehr lange, und selbst die hätte eine Ausnahmeregelung nicht durchgekriegt, und ich würde das dann schon gar nicht durchbekommen. Ich rief daraufhin jemanden an, der im Behindertenrat ist, und der sprach mit dem Vorsitzenden der Tafel, und prompt erhielt ich diese Ausnahmeregelung. Als ich das dann meiner Helferin sagte, wurde ich nicht etwa gelobt, sondern dann hieß  es auf einmal, das war ja auch nicht schwer, das war ja klar, dass sie das durchkriegen. Als ich sie an den Fall erinnerte, dass nicht einmal die Frau, die weder sitzen, stehen noch liegen kann, dass geschafft hatte, und man  mich daher  sehr  entmutigt und mir keine Aussichten auf  Erfolg  gemacht hatte, meinte sie auf einmal, die hat sicher auch nicht sonderlich angestrengt. Dieses Beispiel erzählte ich meiner Betreuerin mit dem Hinweis, dass sehr wohl auch Ausnahmeregelungen gemacht werden, und das bei der Tafel alle mich entmutigt hatten, und ich es doch geschafft hätte, und dass ich es daher auch hier schaffen würde. Da meinte sie dann, ja, bei der Tafel, da ist das ja auch was anderes, das  ist ja auch  ein kleines Unternehmen  im Vergleich zum MdK. Ich verliere langsam wirklich die Achtung vor den Menschen, dass sie alles so drehen, wie sie es brauchen. Ich habe irgendwie wenig Solidarität in meinem Umfeld, die Pädagogen und Betreuer und all diese Leute könnten doch einfach mal sagen, ich sehe ein, dass sie das brauchen, und bei ihnen ist es wirklich nötig, wir sehen ja den Stress und den Ärger, den sie haben, ich kann Inen natürlich nicht versprechen, ob der medizinische Dienst das genauso sieht. Aber ich habe das Gefühl, dass diese Leute noch nicht einmal dahinter stehen. Ich habe dann auch selbst den Brief an den medizinischen Dienst formuliert und ihn an meine Betreuerin geschickt und sogar auch noch die Adresse herausgesucht, wo man den MDK kontaktieren kann.

 

Ich habe schon manchmal eine richtige Wut, dass die Leute nicht verstehen, dass ich nicht aus Mitleid lauter Ausnahmeregelungen will, weil ich zu allem zu faul bin, sondern dass dies eindeutig Nachteilsausgleiche sind, um mir die objektiv  sehr  komplexe Sache etwas zu erleichtern. Eigentlich sollte man das in meinem Fall schon einsehen, und es sollte einmal diese Unart aufhören, dass man immer behauptet, allen ginge es genauso, und dass alle Schwierigkeiten nivelliert und über einen Kamm gezogen werden. Es sind halt leider nun mal nicht alle Päckchen gleich groß. Wenn jemand neidisch ist, dass ich so gute Ausreden habe, wobei dies keine Ausreden sind, kann er gerne mit mir tauschen.

 

Mir hat jemand erzählt, es gäbe sogenannte Raunächte , und alles das, was in diesen Nächten vom 24. Dezember bis zum 6. Januar geschieht, würde einem übers Jahr hin geschehen. In der Esoterik steht ja immer irgendetwas für etwas anderes, die haben ja diese simplen Entsprechungen und Analogien . Somit steht jeder Tag für einen der zwölf Monate, und daher ist das eine Vorhersage, da sie ja in der Esoterik immer gerne alles vorhersagen, was im nächsten Jahr alles passiert. Wir saßen gemütlich beim Essen, und ich hab mal wieder dummerweise zugegeben, dass ich nicht weiß, was Raunächte sind. Da hat mein Tischnachbar sich dann natürlich wieder wie ein Geier auf mich gestürzt und geschrien, was, Du weißt nicht, was Raunächte sind? Bei mir ist das immer so, wenn ich zugebe, etwas nicht zu wissen, dass andere sich wie ein Geier darauf stürzen. Ich bin dann immer tot unglücklich, zum einen darüber, dass dies so ausgeschlachtet wird, und zum anderen, dass ich immer so blöd bin, das zuzugeben. Ich lebe halt einfach nicht in einer vertrauensvollen Umgebung, wo man sich einfach mal fallen lassen und etwas zugeben kann, was man nicht weiß. Bei mir wird das immer ganz besonders hämisch aufgenommen. Warum ich das auslöse, weiß ich nicht, aber ich weise hier die Verantwortung von mir. Zumindest denke ich mir, wenn das wirklich stimmt, dann erwartet mich kein sehr schönes Jahr. Das Jahr 2008 war fürchterlich, damals ist mein Kater überfahren worden, die erste Nasen-OP ist misslungen, ich hatte zwei Wasserschäden, aber ich hatte am Ende meinen ersten festen Freund. 2013 war auch so ein Jahr, wo so viele Pechsträhnen hintereinander aneinanderhingen, dass ich sogar einen Beitrag hier darüber gemacht hatte. Jetzt haben wir 2018, ich hoffe, dass hier keine so simplen Analogien wie bei der Esoterik vorkommen. Oder steht dann die acht wieder für irgendein komisches Symbol, was dann wieder dies oder jenes  bedeutet. Manchmal glaube ich schon, dass Zahlen eine gewisse Bedeutung haben. Die sieben ist bei mir immer eine Pechzahl, genauso wie die vier. Die fünf bringt mir immer mehr Glück, aber das kann auch reiner Zufall sein. Ich kann nur hoffen, dass dieses Jahr trotzdem ein schönes Jahr wird.

 

Vielleicht klappt das ja mit dem Film, aber ich hätte noch ein schönes anderes Projekt: ich habe mich immer für Disability Studies  interessiert, konnte aber aufgrund meiner Dialyse früher nie einen solchen Studiengang verfolgen, da ich ja nicht so flexibel war. Nun gibt es im September ein Seminar zu diesem Thema, und ich dachte mir, vielleicht kann ich ja doch noch irgendwie eine Arbeit darüber schreiben, wie komplexe Sprache, wie ich sie jetzt mal nenne, in leichte oder einfache Sprache übersetzt wird, was man hierbei beachten muss, wie dies in anderen Ländern, zum Beispiel im englischsprachigen Raum gehandhabt wird. Das würde mich reizen, vielleicht kann ich ja dann doch noch einmal mit irgendeiner Sache durchstarten. Das wäre toll. Vielleicht wird ja das ja doch noch ganz gut.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Aus der Reihe Alltagsdramen, oder: Das geht doch allen so!


Anfang Dezember hatte ich einen Zahnarzttermin, da ich mir meine neue elektrische Zahnbürste genauer erklären lassen wollte. Als ich dort war, war ein junger Mann hinter dem Tresen, und ich dachte, weil er von den Sprechstundenhilfen eingewiesen wurde, dass er vielleicht neuer Sprechstundenhelfer werden würde. Ich hatte mal eine Praxis gesehen, wo dies der Fall war. Als der Zahnarzt ihm dann sagte, dass er mich einweisen sollte, bin ich schon erschrocken, aber er sollte mich lediglich in die Benutzung der elektrischen Zahnbürste einweisen. Ich war schon ganz enttäuscht, dass keine der Prophylaxehelferinnen mich in die Benutzung der elektrischen Zahnbürste einweisen würde. Geschlafen.  Er nahm mich dann bei der Hand und führte mich ins Behandlungszimmer, und ich fragte ihn, ob er denn der neue Lehrjunge sei. Er meinte, nein, er sei der neue Zahnarzt. Er wolle mal einen Tag hinter dem Tresen verbringen, um das zu lernen. Er sei seit November hier, der Chef hätte ihn  als neuen Kollegen dazu genommen. Das war mir dann sichtlich peinlich, aber er nahm es sportlich. Nachdem er mir dann alles gezeigt hatte, führte er mich sogar, wie es sein Kollege auch getan hatte, in das benachbarte Café, in dem ich dann immer auf das Taxi warte. Ich finde das total nett, gerade deshalb bin ich zu diesem Zahnarzt gegangen, weil er früher in einer anderen Praxis war und seine eigene nun eröffnet hat, und ich ihn schon dort so nett fand, dass ich ihm sozusagen gefolgt bin. Er meinte damals, er führt mich jetzt rüber, er hätte den besten Job, die Sprechstundenhilfen würden die Arbeiten machen, und er würde dann nur noch nachschauen müssen. Das fand ich total klasse. Sein junger Kollege war genauso drauf. Denn dort kaufe ich immer gute Sachen, und dann muss der Taxifahrer nicht so lange warten, bis ich mit dem Kauf von Brot, Kuchen und Plätzchen fertig bin. In der Zwischenzeit kann ich dann auch einen schönen Kaffee trinken. Ich schrieb also dem  Disponenten, dass ich schon in dem Café  säße und dort auf die Heimfahrt warten würde. Ich erhielt eine merkwürdige Nachricht über WhatsApp, dass eine gewisse Petra, Name geändert, keine Zeit hätte. Daraufhin rief ich ihn an, da meinte er, diese Nachricht sei nicht für mich bestimmt, es würde jemand geschickt werden. Nach einer Weile rief er dann an und bat mich, ein Taxi über die Zentrale zu nehmen, man könne nicht kommen, alles sei dicht. Eigentlich hatte ich einen Transportschein, aber jetzt musste ich eben erst einmal selbst zahlen, um dann das Geld wieder zu kriegen. Ich rief also bei der Zentrale an, aber leider rührte sich dort gar nichts. So rief ich nochmals bei dem Disponenten meines festen Unternehmens an, bei dem ich immer bin, und bat ihn, auf jeden Fall zu kommen, denn ich könnte ja bis 18:00 Uhr im Café sitzen bleiben. Eigentlich war ich um 17:00 Uhr mit einem Assistenten verabredet, um mit ihm Einkaufen zu gehen. Zuvor sollte er in einem anderen Geschäft die Zutaten für die Plätzchen kaufen, wobei ich ihm das Rezept bereits über WhatsApp zugeschickt hatte. Denn ich fürchtete, wenn wir jetzt einkaufen gingen, würde es dann die Zutaten vielleicht in meinem Laden wieder nicht geben. So schrieb ich ihm, dass er auch die anderen Lebensmittel alleine kaufen müsste, denn ich käme hier nicht weg und hinge fest. Er fragte mich, wo er denn jetzt mit der anderen Tüte hin solle, denn er hätte ja jetzt schon die  Zutaten für die Plätzchen eingekauft, und er könne diese ja nicht mit in den anderen Laden schleppen. Ich bat ihn, doch bei einem Nachbarn zu klingeln und die Tüte einfach vor meiner Wohnungstür abzustellen. Dies klappte aber nicht. Ich bat ihn, trotzdem für mich einkaufen zu gehen, denn ich konnte ja schließlich nichts machen und brauchte ja die Lebensmittel. Somit schrieben wir hin und her, welche Lebensmittel es denn sein mussten. Mittlerweile war es schon fast 18:00 Uhr, und irgendwann warf mich dann die Bäckerin hinaus, denn sie müsste den Laden schließen. So stand ich mitten auf der Straße, aber kein Taxi war in Sicht. Ich war völlig verzweifelt, und ich wusste nicht, was ich jetzt machen sollte. Ich rief nochmals an, aber es war besetzt. Dann rief eine andere Frau über ihr Handy bei der Zentrale an, und es hieß, ein Taxi würde bald kommen. Aber ich wartete vergebens. Ich hatte jetzt die Wahl, irgend jemanden nach dem Weg zur Haltestelle zu fragen und dort hinter der nächsten Ecke links ins Gebüsch gezerrt zu werden, per Anhalter nach Hause zu fahren oder zu erfrieren. Ich machte erst einmal meine Jacke fest zu, da ich um meine transplantierte Niere fürchtete, die ja noch ein paar Jahre halten sollte, und eine Blasenentzündung hätte ihr bestimmt nicht gut getan. Drinnen war immer noch Licht , die Bäckerin saugte fleißig Staub, aber ich musste draußen stehen. Ich wollte schon die Polizei rufen oder das Rote Kreuz, denn irgendwie hätte ich ja Heim gemusst. Mittlerweile hatte der Assistent alles eingekauft und wollte die Tüten abgeben. Das Geld hatte er mir zwischenzeitlich vorgestreckt. Ich bat ihn, doch noch mal bei einem anderen Nachbarn zu klingeln, denn meine Nachbarin sei alt, sie würde wahrscheinlich die Tür einfach nicht aufmachen, da normalerweise nur der Pflegedienst zu ihr kommt oder ihr Sohn. Er hatte das Glück, konnte einen Nachbarn erreichen, der die Türe öffnete, und er stellte alle Tüten inklusive tiefgekühltem Fisch neben meiner Wohnungstür ab. Das Geld würde er sich dann irgendwann später bei mir holen. Mandarinen hat er nicht gekriegt, die hätte es in dem Laden gegeben, wo er auch die Zutaten für die Plätzchen gekauft hat, normalerweise gibt es die immer in meinem Geschäft, wo ich sonst einkaufe, aber dieses Mal halt nicht. Ansonsten hatte er alles sogar extrem günstig bekommen. Ich war schon den Tränen nah und völlig am verzweifeln, als dann um 18:30 endlich das Taxi von der Zentrale kam. Ich rief dann meinen Disponenten an und sagte ihm, dass jetzt ein Taxi von der Zentrale käme, und ich sein Taxi nicht mehr bräuchte, denn ich müsste jetzt mit irgend einem Taxi nach Hause fahren, egal, welches kommt. Um 19:00 Uhr war ich endlich zu Hause, der Fisch war zum Glück immer noch genießbar, ich konnte ihn in die Tiefkühltruhe packen, er war noch nicht aufgetaut. Als ich später einen der Taxifahrer wieder traf, erklärte er mir, dass irgend ein Taxifahrer einen Bock geschossen hatte, und der Chef ziemlich sauer war, und daher dieses Chaos entstanden sei, und zusätzlich auch aufgrund unseres berühmten Weihnachtsmarktes leider kein anderes Taxi in der Zentrale verfügbar gewesen war, und die ganze Stadt dicht war. Somit kam eins zum anderen, deshalb war die lange Wartezeit entstanden. Ich war um 16:30 Uhr fertig gewesen und wurde um 18:30 Uhr abgeholt. Der Taxifahrer erzählte mir auch, als er um 19:00 Uhr zu der Bäckerei kam, brannte dort immer noch Licht. Sie hätte mich gut und gerne in den Laden sitzen lassen können, ich fand es einfach grausam, dass sie mich einfach hinausgeworfen hatte. Es gibt Vorschriften, doch hätte sie einfach sagen können, ich sei eine gute Freundin oder eine Bekannte oder Verwandte, schließlich bin ich doch gute Kundin.

 

Am nächsten Tag wollte ich dann zu einer Selbsthilfegruppe fahren, und für 17:30 Uhr hatte ich das Taxi bestellt.  Um 17:35 Uhr war immer noch kein Taxi dar, somit rief ich an und erfuhr, dass noch nicht einmal ein Taxi gefunden worden war. Da ich fürchtete, um 19:00 Uhr dann in der Pampa herumzustehen und kein Taxi nach Hause zurück zu bekommen, sagte ich kurzerhand den Termin ab, wobei ich noch nicht einmal die Handynummer der Leiterin der Gruppe hatte, und ihr lediglich eine Mail schreiben konnte in der Hoffnung, dass sie nicht sauer sein würde. Sie schrieb mir dann, dass das nächste Mal ein Gruppenmitglied mich nach Hause fahren könnte, wenn ich wieder bedenken hätte, kein Taxi zu kriegen. Diese Tage war es extrem schwierig, überhaupt ein Taxi zu bekommen, dies nahm schon wirklich dramatische Ausmaße an.

 

Normalerweise muss ich bei jedem Quartalswechsel eine Überweisung zu meinem Nephrologen bringen, denn ohne Überweisung werde ich in der Transplantationssprechstunde nicht genommen. Ich bekomme zwar eine Untersuchung oder eine Blutabnahme, aber Rezepte bekomme ich nur nach Vorlage eines gültigen Überweisungsscheins. Es fügt sich aber jedes Mal so, dass genau nach Beginn des neuen Quartals ein Termin ansteht, und ich zwischendurch erst zum Hausarzt rennen muss, um noch eben schnell eine aktuelle Überweisung zu bekommen, wobei ich zunächst einmal mein Kärtchen beim Hausarzt einlesen lassen muss, um die Überweisung zu bekommen, um dann mit ihr zum Nephrologen zum Termin zu kommen. Da ich selbst nicht Auto fahren kann, gestaltet sich dies recht schwierig, denn die Krankenkasse bezahlt keinen Transport, wenn es sich nur darum handelt, eine Überweisung oder ein Rezept bei einem Arzt abzuholen. Unsere Fahrten vom Bezirk bekommen wir nicht zum Arzt, denn diese sind nur für die Teilhabe am öffentlichen Leben gedacht und nicht für Arztbesuche. Meine Assistenten haben größtenteils kein Auto, so müssen wir die meiste Zeit dafür vergeuden, mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die Gegend zu gondeln. Das wäre mir dann auch zu viel. Ich habe schon einen Packen Briefmarken bei meinem Nephrologen hinterlassen, falls ich Rezepte brauche. Aber bei Quartalsbeginn muss sich ja erst einmal einen Überweisungsschein dorthin schicken, was ja auch einige Tage dauert, dann muss das Rezept zu mir kommen, und dies dauert auch wieder einige Tage, bis dahin ist das Medikament meistens schon zu Ende. Im Oktober, als das Quartal begann, hätte ich am 2. Oktober zu meinem Hausarzt gehen können, um für den 4. Oktober einen Termin beim Nephrologen zu bekommen. Aber meine Hausärztin hatte Brückentag, sodass dies nicht möglich war. Zum Glück gab es einen gewissen Doktor Notnagel, den ich hier nur erwähne, da der Name so schön passt. Dort bekam ich dann zumindest die Überweisung zum Nephrologen und einen einmaligen Beförderungsschein für die Ergotherapie und Physiotherapie. Dieses Mal sollte der Termin am 10. Januar 2018 für die Nephrologie sein, daher freute ich mich schon, dass mehr Zeit und Raum dazwischen war, gemütlich beim Hausarzt die Überweisung zu holen, um sie dann am 10. Januar den Nephrologen vorzulegen. Aber der Teufel wollte es, dass eines meiner wichtigsten Medikamente, welches ich nur beim Nephrologen bekomme, vier Tage vor dem Termin leer werden würde. Bei 250 Pillen dieses Medikamentes, also fünf  Packungen à  50  Tabletten, von denen ich vier pro Tag nehmen muss, schaffe ich es nicht, im Voraus zu berechnen, wann genau die Tabletten denn zu Ende sein würden. Daher ist es mir schon einmal so gegangen, dass drei Tage vor dem nächsten Termin genau diese Tabletten zu Ende waren, sodass dann der Nephrologe ein Fax an die Apotheke schicken musste mit dem Rezept, damit ich zumindest schon einmal das Medikament bekommen sollte, so das ich dann später das Original nachreichen konnte. Ein drittes Mal wird mir dies nicht passieren, dann werde ich schon dann, wenn das Medikament zur Hälfte aufgebraucht ist, ein neues Rezept verlangen. Somit musste ich auch dieses Mal wieder schnellstmöglich zum Hausarzt hetzen, um dort eine Überweisung zum Nephrologen zu bekommen. Ich wollte diese nicht per Post an den Nephrologen schicken, da ich nicht wusste, wie lang sie unterwegs sein würde. Somit schickte ich schon am 1. Januar ein Fax mit allen Wünschen an meinen Hausarzt, damit die Rezepte, Transportscheine und Beförderungsscheine und Überweisungsscheine die ich alle brauchen würde, schon fertig gemacht werden konnten. Denn wenn ich zur Ergotherapie und zur Physiotherapie möchte, muss sich das Rezept innerhalb von zehn Tagen antreten. Bei der Terminvergabe hat aber dieses Zentrum eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Wochen. Daher muss das Rezept immer etwas später datiert werden, wann es beginnen kann. Das ist immer recht kompliziert, denn letztes Mal bin ich dann auch noch ins Krankenhaus gekommen, und der Beginn hatte sich wieder verzögert, so das ich beinah noch einmal ein neues Rezept mit einem neuen Datum für den Beginn hätte beantragen müssen. Die Sprechstundenhilfe meinte, sie könne das alles nicht auf einmal machen, sie müsse es erst an einem späteren Tag erledigen, aber ich erklärte ihr, dass ich zumindest die Überweisung für den Nephrologen dringend schon am 2. Januar brauche, da ich sie so schnell wie möglich dorthin bringen möchte, um ein Rezept für  ein Medikament zu erhalten. Somit ging ich dann am 2. Januar direkt dorthin, um zumindest einmal die Überweisung abzuholen. Die anderen Dinge soll ich dann am Donnerstag erhalten, bzw. würde die Sprechstundenhilfe die Verordnung für die Physiotherapie und Ergotherapie schon einmal an das Zentrum hinfaxen, damit diese mit der Terminvergabe beginnen könnten. Normalerweise hätte ich am 2. Januar schon eine Assistenz, doch musste diese auf Mittwoch  verschoben werden, da sie erst einmal die Termine bei den Kunden abarbeiten musste, die über Weihnachten und Neujahr keine Assistenz hatten. Ich  brauchte ja  zwischen den Jahren niemanden, da ich Besuch hatte.  Eine Assistentin hatte sich vor Weihnachten  von  sich aus angeboten, dass ich sie kontaktieren könnte, und ich sagte ihr, ich wüsste noch nicht, ob ich sie am Dienstag brauche, da ich ja am Mittwoch dieser andere Assistenz hätte, die zwar am zweiten nicht könnte, aber dann eben am 3.  Das hinge nun davon ab, ob  ich  am Dienstag schon  eine  Einkaufshilfe brauchte oder bis  Mittwoch damit warten könnte. Da ich Besuch hatte, wusste ich ja nicht, wann meine Lebensmittel zu Ende gehen würden. Der Teufel wollte es, dass am Montag fast alles aufgebraucht war bis auf ein paar Gläser und eine Scheibe Brot und etwas Butter. Somit brauchte ich am Dienstag auf jeden Fall Assistenz, zumal ich jemanden benötigte, der mit mir zusammen die Überweisung zum Nephrologen schaffen und das Rezept  mit mir dort abholen  würde. Ich rief also die junge Dame an, und sie meinte, das sei doch etwas kurzfristig, sie habe keine Zeit. Als ich sie daran erinnerte, dass sie mir selbst diesen Termin angeboten hatte, sagte sie, das sei für Mittwoch gewesen. Somit rief ich mehrere über WhatsApp an, wobei ich dann endlich eine fand, die ab 14:00 Uhr Zeit hatte. Ich war erleichtert, zumal diese ein Auto hatte. Somit konnten wir sehr schnell zu Nephrologie fahren. Ich rief also am Vormittag nicht nur bei meinem Hausarzt sondern auch bei meinem Nephrologen an, da die Transplantationssprechstunde nur bis 13:00 Uhr sein würde, wir aber erst um 14:00 Uhr kommen konnten. Sie sollten das Rezept an der Dialyse abgeben, wo wir dann hingehen würden, um dort die Überweisung gegen das Rezept einzutauschen. Zum Glück hatte ich das alles organisiert, die Überweisung hatte ich auch schon geholt, und um 14:00 Uhr konnte es dann losgehen. Auch dies hat gut geklappt, ich hatte das Rezept in Händen und rief bei der Apotheke an, um dann die Bestellung für das wichtige Medikament zu machen, wobei ich dann auch noch zwei andere Medikamente gleich mit bestellt hatte. Dann gingen wir noch zum Einkaufen, wobei wir Mühe hatten, die Lebensmittel alle zu finden, die ich brauchte. Ich suchte auch ganz bestimmte Vorlagen, wobei meine Assistentin nicht wusste, was ich wollte, und meinte, die gebe es nicht. Somit gingen wir noch in eine Drogerie, und dort stellte sich dann heraus, dass sie nach der falschen Sache gesucht hatte. Mittlerweile hatte sie schon wieder eine andere Kundin und musste schnell machen, lieferte mich mit meinen Habseligkeiten und Einkäufen schnell zu Hause ab und fuhr weiter. Ich räumte dann alles alleine ein, fand aber dann die Flüssigseife nicht, weil ich ja nicht weiß, wo die Assistenten die Sachen hingestellt haben. So reichen sie mir die Dinge an, und ich packe sie dann dahin, wo ich sie wieder finde. Das war aber aus Zeitgründen jetzt nicht möglich, ich war ja froh, dass sie überhaupt eingesprungen war. Dann stopfte ich mir noch schnell ein paar Kekse und Kaffee hinein, denn ich hatte den ganzen Tag nichts als ein Frühstück mit einem Brot mit Erdnussbutter, mehr nicht. Um 17:30 Uhr sollte dann alles in der Apotheke geliefert sein, so rannte ich noch einmal los. Für die Helligkeit hatte ich gelernt, dass dann, wenn die Bank an der Bushaltestelle kommt, die Apotheke genau gegenüber ist. Im Dunkeln sehe ich das aber nicht, und ich kann schlecht tasten und würde wahrscheinlich mit dem Stock nicht gegen die Bank stoßen, um dann zu wissen, wann ich abbiegen muss. Somit bin ich noch zu weit gelaufen, sodass mich jemand aufgefischt und in die Apotheke gebracht hat. Da ich laut rief, weil ich den Eingang nicht fand, und einen Passanten ansprach, öffnete die Frau vom Haushaltswarenladen die Tür und rief hinaus, dass sie dachte, ich wollte zu ihr. Endlich war ich dann in der Apotheke und reichte ganz verwirrt die Rezepte an den Apotheker. Der suchte dann erst einmal in seinem Computer, was ich nicht mitbekam, und ich wunderte mich, warum er nicht wieder mit den bestellten Medikamenten zurück kam. Auf einmal meinte die Apothekerin böse: Anführungsstriche die hat doch längst alles telefonisch bestellt.“ Dann maulte sie mich an, dass ich doch das nächste Mal bitte sofort dazu sagen sollte, dass ich schon alles bestellt hätte, der Kollege hätte jetzt noch einmal alles in den Computer eingegeben, das sei alles doppelte Arbeit. Ich sah das ein, fand aber den Ton irgendwie nicht sehr nett. Es klang so, als hätte sie Haare auf den Zähnen. Dann sagte er, es sei kein Haken bei der Befreiung gemacht, und ich sagte, ich sei doch befreit. Da fuhr sie mich wieder an, ich solle doch bitte das neue Kärtchen mit der Befreiung für 2018 zeigen. Das tat ich dann auch und sagte zu ihm ganz demonstrativ laut, er soll bitte die Befreiung eintragen, damit die Kollegin nicht wieder schimpft. Dann bekam ich meine Medikamente und ging. Wegen der Flüssigseife rief ich dann noch mal meine Helferin an und fragte sie, wo sie denn die Flüssigseife hingepackt hätte, und sie meinte, sie habe sie in einen der beiden Wasserkästen gelegt, die sie hereingeschleppt hätte. Da fand ich sie dann auch und war froh, dass ich jetzt nicht noch einmal zur Drogerie dackeln musste. dort hätte ich nämlich wieder eine Verkäuferin bitten müssen, mit mir durchzugehen, zumal ich erst einmal mit der Straßenbahn dort hätte hinfahren müssen,  Und dann hätte ich noch den richtigen Weg finden müssen.

Ich schildere das nur, um zu zeigen, dass all diese Aktionen mit wesentlich höheren organisatorischen Aufwand behaftet sind, und dass sich keiner vorstellen kann, wie aufwendig es für mich ist, einen Schritt vorwärts zu gehen oder vorwärts zu kommen. Ich gehöre zu den Blinden, die nicht so fit sind, da ich eben auch mehrfach behindert bin. Andere blinde sind wesentlich fitter, nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht. Aber dennoch ist für uns der Aufwand wesentlich höher.

 

Ich hatte einmal bei dem Oberarzt der Nephrologie angefragt, ob es nicht möglich wäre, dass mir das mit der Überweisung erspart bliebe, und ich er klärte ihm und schilderte ihm den Aufwand, den ich hatte, um diese Überweisungen zu erhalten und dann rechtzeitig vorlegen zu können, wenn ich in der Nephrologie etwas haben wollte. Er meinte, das ginge nicht, das sei Vorschrift, und außerdem würde ich doch Blut abgenommen kriegen, die Sprechstundenhilfen hätten das mir doch auch gesagt, und er hätte sie gefragt, sie hätten mich doch trotzdem behandelt. Aber Rezepte bekomme ich eben nicht, es sei denn, ich habe eine gültige Überweisung dabei. Und genau das ist eben das Problem. Außerdem fragte ich noch beim medizinischen Dienst der Krankenkassen an, ob man nicht eine Sondergenehmigung  erteilen könnte, dass ich auch spezielle Medikamente beim Hausarzt kriegen kann, die man normalerweise nur beim Nephrologen bekommt, da der Hausarzt hierfür kein Budget hat. Der medizinische Dienst der Krankenkassen ließ mich aber gar nicht erst zu einem Arzt vor, Kunden würden nicht mit einem Arzt verbunden. Außerdem sagte man mir, man sei hier kein Arzt, man könne nicht entscheiden, ob ich ein Medikament bräuchte oder nicht. Ich sagte, dass die Entscheidung, ob ich das Medikament brauche, längst getroffen sei, die Frage sei nur, wie ich das Medikament bekomme, ob über den Hausarzt oder nur über einen Facharzt. Man verwies mich zur Krankenkasse, und dort rief ich dann wiederum an, um dort eine Genehmigung zu erhalten, dass das Medikament, welches ich ja sowieso brauchte, auch vom Hausarzt und nicht nur vom Facharzt verordnet werden könnte. Die Sachbearbeiterin meinte, das müsse der Hausarzt selbst entscheiden, sie käme in Teufels Küche, wenn sie das genehmigt, denn dann würde der medizinische Dienst der Krankenkassen ihr aufs Dach steigen. Notfalls müsse sogar sie das Medikament bezahlen. Die Sprechstundenhilfen beim Hausarzt meinten, das könne nur der medizinische Dienst entscheiden, schließlich würde ja sonst der Hausarzt in Regress genommen, wenn er sein Budget überschreitet. Somit schiebt es der eine auf den anderen, und niemand ist zuständig. Das ist ja alles ganz normale Bürokratie, das mag ja sein, aber mich trifft sie eben in einer existenziellen Notlage. Mich nervt es wirklich, dass nicht jeder immer nur erzählt, dass es doch allen so geht, aber bei mir ist eben die Konstellation eben auch besonders heikel. Das kann man aber niemandem klarmachen, es sei denn, man verbindet jemandem die Augen, zieht ihm dann noch Handschuhe an undpumpt  ihm vielleicht noch Wasser in die Ohren, damit er möglichst noch ein schlechtes Gleichgewicht hat. Und dann würde man ihm noch einen Bildschirm mit Augenflimmern oder verschiedenen Farben vor den Augen einspielen, und vielleicht könnte man da noch hinkriegen, dass es denjenigen nicht ganz so gut ist, und er vielleicht weniger Kondition hat, kurzatmig ist oder schneller die Kraft verliert, wie das bei mir eben der Fall ist. Ja, und Autofahren  darf er dann auch  nicht  sondern muss dann  mit dem ÖPNV  durch die Gegend  taumeln. Aber das liegt ja alles nur am Alter, man nimmt ja nur 14 verschiedene Medikamente und hat mehrere Operationen hinter sich und mehrere chronische Erkrankungen. Alt werden ist halt nichts für Feiglinge, wie mir eine meiner Assistentinnen mal erklärt hat. Finde den Fehler, ich habe diese Erkrankungen schon seit meiner frühesten Jugend.

 

Ich habe außerdem noch drei Onlinebestellungen gemacht. Die eine war wirklich mein Fehler, im Alter werden die Füße größer. Meine Mutter hatte für mich Hausschuhe bestellt, und ich bestand auf Größe 38. Sie fand nur Schuhe in Größe 39, aber es gab dann doch noch einen Versandhandel, der meine geliebten Filzpantoffeln in Größe 38 hatte, die ich wollte. Als die Hausschuhe kamen, stellte sich heraus, dass sie nicht passten. So rief ich bei meiner Mutter an, diese bestellte dann Hausschuhe in Größe 39 von dieser Firma, aber die waren dieses Mal nur in Größe 38 lieferbar, also genau umgekehrt. Jetzt darf ich weitere vier Wochen mit kaputten Hausschuhen herumlaufen und hoffen, dass ich nicht an meinen Türschwellen oder Teppichen hängen bleibe und stolpere, bis  die  Filzpantoffeln  DIESER  Firma in 39 lieferbar  sind. Dann hatte ich noch vier verschiedene Läufer bestellt, zwei Schmutzfänger und  zwei Läufer, wobei zwei Schmutzfänger sofort geliefert wurden, ein Läufer wurde für später angesagt, und der vierte Läufer kam einfach gar nicht. Ich dachte, es kämen drei Sachen und das vierte nicht, und ich hatte befürchtet, dass dritte Teil einfach beim Auspacken irgendwo verloren gehabt zu haben. So stellte ich die Küche auf den Kopf und suchte den Läufer. Es stellte sich dann heraus, dass die schlichtweg vergessen hatten, dazu zu schreiben, dass er später geliefert wird. Ich musste mehrfach dort anrufen und nachfragen, wo er denn jetzt bleibt, eine Entschuldigung wurde natürlich nicht geliefert. Dann bestellte ich noch ein Panzerglas für mein Handy, und wir haben genau die richtige Nummer eingegeben, welche das Modell meines Handys hat. Als dann mein Bekannter aus dem Schwarzwald kam und  mir dabei half, das Panzerglas aufzukleben , welches wir für vier Euro im Internet bestellt hatten, wobei dann gleich zwei kamen, und ich sogar eines weiter verschenken wollte an jemanden, der dasselbe Handy hat wie ich, bemerkten wir, dass die Aussparung auf der falschen Seite war. Kommentar meines Bekannten: bei mir klappt im Internet auch nicht immer alles. Nun ja, von immer war auch nicht die Rede. Es hätte gereicht, wenn mal überhaupt was reibungslos  funktioniert hätte. Immerhin kamen die beiden Gutscheine, die ich an meine beiden Freundinnen verschickt hatte, ordnungsgemäß an. Zum Glück hatte ich einen Bonus von meiner Krankenkasse für meine fleißige Mitarbeit erhalten und konnte es mir daher leisten, meinen beiden Freundinnen einen Gutschein zu schicken. Daher war ich auch ganz stolz, dass dies alles ohne Porto klappte, und dass ich die Panzergläser auf frei Haus geliefert bekommen würde. Umso ärgerlicher bin ich jetzt, da ich eines  davon auch noch einem anderen angeboten hatte, der dasselbe Handy hat, ihm jetzt auch noch sagen zu müssen, dass wir die falschen Gläser bekommen haben. Jetzt müssen wir wieder herum rennen und suchen, wo wir ein Panzerglas für mein Handy bekommen. Aber es kann ja nicht immer alles klappen, es wäre ja langweilig, wenn immer alles glattgehen würde. Ich habe allerdings bessere Beschäftigungen, mir wäre auch so nicht langweilig, keine Sorge. Und zur Abwechslung kann ja auch mal was reibungslos funktionieren, dann wäre es auch nicht langweilig.

Dies war wieder einmal ein Mitleid heischender Bericht darüber, wie es allen Menschen so geht.

 

Heiße Luft statt Heißluft


in meiner neuen Wohnung habe ich zwar von der Genossenschaft einen Herd, doch kann ich diesen nicht nach Belieben markieren, so das immer die Gefahr besteht, dass ich nicht weiß, ob er eingeschaltet oder ausgeschaltet ist. Denn egal, ob man ihn auf 12:00 Uhr oder auf 6:00 Uhr dreht, der Griff fühlt sich dann immer gleich an. Es gibt Drehknöpfe, die nur dann ausgeschaltet sind, wenn der Drehknopf ganz nach oben auf 12 Uhr zeigt, der Drehknopf  an einer Seite anders ist als  an  der  entgegengesetzten Seite, und nur ein schmaler Drehschalter da ist und kein ganzer runder Knopf, bei dem man dann nicht weiß, wo oben und unten ist. Aber ich kann einen fremden Herd nicht einfach mit Kerben versehen. Wir hatten versucht, mit Heißklebermarkierungen um die Rädchen herum zu machen, und dann auch noch einen taktilen Punkt Auf die optische Markierung an dem Rad zu kleben, damit immer klar ist, wo das Rad hin zeigt. Durch das Fett beim Kochen und Backen und Braten geht aber diese Markierung ab. So muss ich immer mitdenken, auf welcher Stufe ich die Herdplatte eingeschaltet habe. Außerdem kann ich mir nicht merken, welcher Drehknopf für welche Herdplatte ist. Zusätzlich muss ja auch die Gradzahl am Backofen eingestellt werden können. Wir hatten überlegt, ob wir vielleicht einfach für diesen Herdknöpfe im Internet kaufen und sie draufschrauben. Für dieses Modell gibt es aber leider keine mehr, es gehen zwar alle Knöpfe drauf, aber sie würden dann die Zahlen an der Front des Herdes überdecken, wenn sie zu groß wären. Dann könnte niemand anderer mehr den Herd einstellen. Zuerst haben wir überlegt, einfach eine Feile zu nehmen und Kerben einzuritzen, denn ich hatte nicht vor, so schnell wieder auszuziehen, und bis ich ausgezogen wäre, wäre der Herd wahrscheinlich sowieso längst kaputt.

 

Dann habe ich zufällig bei Facebook auf dem Marktplatz einige Angebote für Haushaltsgeräte gesehen, unter anderem einen Herd für 50 EUR. Ich dachte mir, da ist nicht viel verloren, wenn ich einen Satz neuer Drehknöpfe kaufe, muss ich ebenso viel bezahlen. Somit meldete ich mich und fragte nach, ob der Herd zusätzlich auch Heißluft hätte. Ja, Heißluft sei ebenfalls vorhanden, laut der spärlichen

grammatikalischen Kenntnisse der Inserentin hieß es, es hat Heißluft, es funktioniert und es ist in gutem Zustand. Ich gab dann über den Messenger meine Handynummer durch, und wir telefonierten. Ja, der Herd hätte Heißluft, hätte kein Cerankochfeld, und dies ist ebenfalls wichtig für Blinde. Denn die erhabenen Herdplatten zeigen, wo die Hitze herkommt, und ob man die Gegenstände und Utensilien, die man zum Kochen braucht, auf die Flamme legt oder neben die Herdplatte. Bei einem Cerankochfeld ist das gefährlich, denn man kann ja nicht mal soeben mit der Hand abtasten, wo die Hitzequelle ist, oder ob man vielleicht seinen Pfannenwender aus Plastik mal eben auf die Feuerstelle gelegt hat, und er dann vor sich hin schmilzt, das würde man halt lediglich riechen. Dann wäre es aber zu spät. Ein Cerankochfeld ist zwar praktisch zu reinigen, aber es ist eben für blinde ungeeignet. Somit war ich froh, dass der Herd noch richtige Platten hatte. Ich fragte, warum denn der Herd so günstig abzugeben sei. Sie Meinte, man sei umgezogen und habe nun eine Kochzeile, und da bräuchte man ihn nicht mehr. Dies klang für mich erst einmal plausibel.

 

Nun suchte ich jemanden, der mit mir ging, um den Herd anzusehen, da ich fürchtete, allein würde man mich wahrscheinlich über den Tisch ziehen, da ich ja den Herd im wahrsten  Sinne nicht in Augenschein nehmen kann. Und es ist halt heutzutage leider immer noch so, dass Frauen unterschätzt werden, und man glaubt, man könne sie betrügen, da sie sowieso nichts von Technik verstehen. Daher wollte ich auf jeden Fall, dass mich ein männliches Wesen begleitet. Ich fragte also nach, ob ein Assistent zur Verfügung stehen würde, man  wollte  nach jemandem suchen, aber ich erhielt keine Antwort. Einer war Elektriker, aber der war leider nicht verfügbar, er hatte vor einem Vierteljahr abgesagt, da es einen Todesfall in der Familie gegeben hatte, und er würde sich wieder bei mir melden. Dies ist leider auch  nach drei Monaten auf  vorsichtige Anfrage hin nie geschehen. Ein anderer ist ebenfalls Elektriker, aber der wollte mich nicht über die Organisation haben sondern nur privat, da ich ihn da mehr zahlte, als er von der Organisation kriegen würde. Das hat mich gestört, so dachte ich mir, da kann ich mir auch jemanden nehmen, den ich dann über das persönliche Budget auch bezahlt kriege. Ich möchte nicht noch einmal zusätzlich ein paar Stunden zahlen, nur, damit jemand mit mir einen Herd besichtigen geht.

 

Da sich bis um 15:00 Uhr niemand bei mir gemeldet hatte, weil entweder alle im Urlaub oder krank waren, überlegte ich mir, dass eine Taxifahrerin mit mir mitgehen könnte, ich kannte eine, die sehr resolut und erfahren war, mit der ich einfach hinfahren, den Herd ansehen und dann wieder heimfahren konnte. Sie war auch dazu bereit, bis spätestens 17:00 Uhr mit mir den Herd anzusehen, da sie dann das Auto abgeben müsste. Ich rief also an, stattdessen war aber ein Mann am Handy, der überhaupt von nichts wusste. Ich schrieb dann noch einmal über den Messenger, und da erhielt ich dann Antwort, ich solle bei diesem und jenem Namen klingen. Als wir ankamen, öffnete uns eine sehr junge Frau mit einem jungen, und sie verwies uns sofort auf den Keller. Dort musste sie erst einmal eine Menge an Gerümpel vom Herd herunter holen, damit wir ihn überhaupt besichtigen konnten. Selbst ich als blinde mit Krückstock hätte festgestellt, dass dieses Modell wahrscheinlich nur noch für den Schrotthändler von Wert sein würde. Er klebte an allen Ecken, ich hätte mich geschämt, so ein Teil überhaupt noch zum Verkauf anzubieten. Die Griffe waren das einzig gute, die hätte ich sofort für 20 EUR mitgenommen. Aber es hätte einen wirklich geekelt , dieses Gerät überhaupt zu benutzen, falls es überhaupt noch benutzbar gewesen wäre. Somit treten wir um und gingen, und die Frau war sichtlich verärgert.

 

Als wir im Auto saßen, äußerte die Taxifahrerin die Vermutung, dass diese Frau wahrscheinlich ihren Genossenschaftsherd aus dem Keller los haben wollte, obwohl eigentlich die Genossenschaft dazu verpflichtet ist, diesen kostenlos zu entsorgen. Aber sie wollte wahrscheinlich einfach noch etwas Geld machen mit irgendwelchen dummen Leuten, die auf ihr Geschäft reinfallen.

 

Ich fragte dann die Taxifahrerin, ob prinzipiell solche Angebote zu vermeiden wären, da ich jetzt 7 km von meinem Budget verbraucht hatte, oder ob ich ohne naiv zu sein damit hätte rechnen können, hier möglicherweise auch ein Schnäppchen machen zu können. Die Taxifahrerin meinte, das sei jetzt gelaufen, ich solle mir doch hierüber keinen Kopf mehr machen. Es ging mir ja auch nicht darum, irgendjemandem Vorwürfe zu machen oder mir selbst, sondern lediglich einmal zu hören, dass mir jemand sagt, für diesen Preis würde ich überhaupt nicht mehr losziehen, oder ja, es war durchaus berechtigt, anzunehmen, dass ihre Aussage stimmt, und sie den Herd einfach nur für 50 EUR loswerden wollte, und er gut in Schuss war, und sie einfach einen neuen hatte und keine Lust hatte, für die Entsorgung eines Herdes zu bezahlen. Ich kann nie einschätzen, ob ich einfach nur naiv bin, und ob ich vielleicht alles glaube, was mir Leute erzählen, oder ob es tatsächlich auch mal solche Schnäppchen geben kann, und man auch einmal damit rechnen darf , Glück zu haben. Das war eigentlich das einzige, was ich wissen wollte.

 

Die Taxifahrerin meinte, wahrscheinlich hat  die Frau gar nicht gewusst, was Heißluft ist. Ich sagte ihr, normalerweise weiß dass jeder, selbst ich weiß, was das ist. Sie meinte, ich hätte fragen müssen, hat der Herd Oberhitze und unter Hitze und Heißluft. Dann hätte die Frau gewusst, dass Heißluft noch einmal eine gesonderte Technik ist, so hätte sie wahrscheinlich gedacht, dass Heißluft lediglich die heiße Luft ist, die im Herd ist, denn wenn man einen Gasherd hätte, hätte man ja schließlich auch heiße Luft. Ich finde das ziemlich weit hergeholt, denn wenn ich gefragt hätte, hat der Herd Oberhitze und unter Hitze, hätte sie vielleicht vermuten können, die Oberhitze sind die Herdplatten, die unter Hitze ist der Ofen. Somit hätte ich es machen können, wie ich es will, ich hätte immer einen Fehler machen können. Es kann nicht immer sein, dass die Antworten, die ich kriege, immer nur mit meiner falschen Fragetechnik zusammenhängen. Manchmal antworten Leute auch willentlich und mutwillig falsch. Die Taxifahrerin meinte, wenn man natürlich fragt, hat  der Herd Heißluft, sonst nehme ich ihn nicht, würde man immer eine positive Antwort kriegen. So hatte ich aber auch gar nicht gefragt, denn Heißluft war für mich keine Grundbedingung. Es war nur ein schönes zusätzliches Merkmal, welches ich liebend gerne mit in Kauf genommen hätte. Ich kann mir so vor, als sei ich selbst schuld, dass die Frau so geantwortet hat, weil ich irgendwie falsch gefragt hätte. Dabei hat sie wahrscheinlich einfach gelogen, das hätte sie wahrscheinlich immer so gemacht. Wie soll man am Telefon, wenn man mit irgendjemandem spricht, erreichen, dass er die Wahrheit sagt, und wie soll man das merken? Es sei denn, für dieses Geld dürfte man niemals mit irgendetwas rechnen, dann sollte einem das aber auch irgendwann mal jemand sagen, was so ein  Ding kosten muss, und  was man für welchen Preis  gebraucht  erwarten darf und was nicht. Eine meiner Helferinnen meinte schon, das wird schon nichts gescheites sein, jetzt hat sie wahrscheinlich wieder recht. Zum Glück haben wir das Ding nicht genommen, aber blöd kam ich mir trotzdem vor. Das war mal wieder nur heiße Luft, aber auf jeden Fall war es keine Heißluft. Aber die Taxifahrerin hatte schon recht, wenn ich nicht hingegangen wäre, hätte ich mich immer geärgert. Somit war ich beruhigt, dass zumindest mein Gedankengang diesbezüglich nicht ganz unnachvollziehbar war. Der Schlechtigkeit und Skrupellosigkeit der Menschheit sind wirklich keine Grenzen gesetzt, niemand hätte doch damit rechnen können, dass jemand so link ist und seinen Genossenschaftsherd verhökert. Ich kann  genauso wenig  damit rechnen, dass es Leute gibt, die bei dem Wort Heißluft nicht wissen, von was man redet. Ich hätte auch Umluft sagen können, aber dann hätte es einen anderen Grund gegeben, dass sie es nicht versteht.

 

Mein Traum wäre, einen Herd zu haben, der in eine Arbeitsplatte versunken  oder eingelassen ist. Es gibt Herde mit normalen schwarzen Herdplatten und einer Oberfläche aus Metall  oder Edelstahl, und drum herum ist dann eine Resorpalplatte , möglichst in der Farbe wie meine restliche Küche. Der untere Teil des Herdes wäre dann in dunkler Farbe, und die Scheibe ist braun getönt, diese Herde gab es früher mal in den neunziger Jahren oder so Anfang der Jahrtausendwende. Die Knöpfe sind aus Plastik und schwarz. Das sind nicht mehr die neuesten Modelle, denn heute hat man Induktion oder eben ein Cerankochfeld, daher rechne ich damit, ein billiges Modell zu finden. Das Beste wäre, wenn neben dem Herd auch noch eine Spüle wäre, und unter der Spüle dann ein Schrank. Wenn alles  dann zusammen hinge , sozusagen ein Block wäre, der in eine Arbeitsplatte eingearbeitet ist, könnte man ihn mit Hilfe von Zapfen links und rechts an der Arbeitsplatte auf der Spülmaschine und an der Arbeitsplatte meines einen Küchenschrankes befestigen, und so hätte man eine saubere Zeile.

 

Als mein Bekannter aus dem Schwarzwald da war, meinte er, die Leute, die mir geholfen hätten, die Arbeitsplatten zu besorgen, hätten wohl gedacht, die sieht nichts und merkt nichts. Denn die Arbeitsplatten haben nicht dieselbe Farbe wie der Schrank mit der Arbeitsplatte, die wir bereits gekauft hatten. Ich hatte extra erst den Schrank mit der Arbeitsplatte gekauft, damit ich mir dementsprechend dann die Arbeitsplatten dazu aussuchen könnte, anstatt umgekehrt erst eine Farbe auszusuchen und dann keinen Unterschrank mit der passenden festen Arbeitsplatte zu finden. Schade, dass die Leute so wenig darauf geschaut haben, ich selbst hab es wirklich nicht gesehen. Wir werden auch noch mal andere Sockelleisten hin machen, denn um die Spüle herum war kein Silikon, und es wäre schöner, anstatt der Sockelleisten aus Plastik lieber Sockelleisten aus Aluminium zu haben, die dann wenigstens zu den Türgriffen passen. Das sind zwar kleine Sorgen, aber wenn man sie beheben kann, umso besser.

 

Ich habe immer noch den Herd der Genossenschaft, und ich habe mich auch schon etwas dran gewöhnt. Während der Weihnachtszeit haben wir Plätzchen gebacken. Leider konnte ich nicht sehen, welches die Oberhitze, die unter Hitze oder der Grill ist. Somit bat ich eine meiner Helferinnen, die zur Vertretung da war und erst 20 Jahre alt ist, den Herd auf Oberhitze und unter Hitze zu stellen. Stattdessen muss sie wohl den Grill erwischt haben, denn die Plätzchen kamen total weich heraus. Die erste Ladung ist noch was geworden, die zweite aber nicht mehr. Wir wussten auch nicht, dass man den Teig kühl stellen muss, und ich habe Mandelsplitter anstatt gemahlene Mandeln genommen, wobei letztere das Fett wesentlich besser hätten aufgenommen. Somit ist es ein mittleres Wunder, dass trotz der drei gravierenden Fehler eine Ladung Plätzchen überhaupt was geworden ist. Aber hätte ich die Plätzchen beim Becker gekauft, wäre es billiger gewesen, da ich ja somit die doppelte Menge an Material zahlen musste und dann auch noch den Zeitaufwand hatte. Dennoch haben wir dann noch eine andere Sorte Plätzchen hinbekommen, allerdings war das ziemlich schwierig. Ich habe eine Ausstechform mit mehreren Figuren, die man auf einmal auf einen Teig drückt, und dann muss man die einzelnen Figuren, die so perforiert sind, voneinander ablösen. Das sei angeblich ein blinden Hilfsmittel, da ich es von einem Hilfsmittelversand gekauft habe, aber ich komme nicht damit klar. Vielleicht ist es nicht für blinde mehrfachbehinderte. Meine Helferin musste immer erst den Anfang machen, damit ich die Figur herauslösen konnte. Dann haben wir noch einen Zuckerguss gemacht, wobei wir nicht einmal wussten, wie das geht, aber irgendwann war doch eine zähflüssige Masse entstanden, und ich habe dann noch die restlichen Mandelsplitter rein gekippt. Die Plätzchen sind halbwegs etwas geworden. Allerdings stimmt mit der Hitze des Herdes vielleicht etwas nicht, denn meine Helferin, diesmal eine andere als die 20-jährige, musste dauernd  die Hitze nachkorrigieren. Bei der zweiten Sorte Plätzchen war nämlich eine andere Assistentin dabei, und wir hatten zuvor den Teig einen Tag im Kühlschrank gelassen. Eine meiner Assistentinnen ist die Tochter der anderen, und am nächsten Tag war der Teig steinhart. Sie war entsetzt, dass ihre Tochter das gemacht hatte, aber das war meine Idee, denn da wir zuerst den Teig nicht gekühlt hatten, wollte ich es dieses Mal besonders gut machen und stellte ihn einen Tag lang in den Kühlschrank. Dann war der Teig so hart, dass wir ihn erst einmal in die Mikrowelle stellen mussten. Ich werde niemals die Erfahrung haben, die man zum Backen braucht, ich glaube, das nächste Mal kaufe ich entweder die Plätzchen beim Becker, oder ich lasse meine Helferin erst einmal zu Hause welche machen, damit sie weiß, wie es geht. Ich bin gespannt, ob ich dann nächstes Jahr die Plätzchen schon in einem anderen Herd machen werde, und ob bis dahin überhaupt meine Küche noch steht, Scherz beiseite, oder ich vielleicht schon irgendwelche falschen Knöpfe gedreht habe. Aber das Ganze war erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuss in den Ofen mit heißer Luft.

Und Bitte! Oder : Dabeisein ist alles!

Vor einiger Zeit hatten wir in unserem Newsletter einen Aufruf, dass eine Blinde gesucht wird, die bei einem Spielfilm mitwirkt. Die Frau sollte zwischen 40 und 60 sein, wobei man ihr Alter nicht schätzen kann. Sie sollte leicht korpulent sein, was zum Glück bei mir nicht zutrifft, sie soll schlagfertig sein und zwar wenig Intelligenz aber viel Menschenkenntnis und viel Intuition haben. Letzteres besitze ich zwar nicht, dachte mir aber, das wird mir sicher in der Rolle so vorgeschrieben, ich muss ja sowieso nicht selber überlegen, was ich sage. Schlecht einschätzen vom  Alter her kann man mich auf jeden Fall, und ich kann mir gut vorstellen, diese Rolle zu übernehmen. Die Frau sollte eine späterblindete zynische Frau sein, die eine raue Schale und einen weichen Kern hat, häufig politisch inkorrekt ist und ihre Helfer oder Assistenten und Betreuer ärgert oder herum schikaniert. Dabei lebt sie in einem Behindertenheim, könnte aber alleine leben, gibt aber niemals zu, dass sie einfach nur zu faul dazu ist. Was die dort erleben, verrate ich jetzt lieber noch nicht, denn der Film kommt ja noch raus. Ich bin zwar nicht voll blind, bin aber so unbeholfen, dass ich trotz meines Sehrests diese Rolle gut und gerne ausfüllen kann. somit habe ich mich für die Rolle beworben, indem ich wie gewünscht ein kleines Video über mich dorthin geschickt hatte. Da ich ziemlich ungeschickt mit dem Handy bin, wusste ich nicht, dass das Handy zwei Kameras hat, und dass man  zwischen den beiden hin- und herschalten kann. Ich hielt mir das Ding vors Gesicht und erzählte munter drauflos und schickte alles ab. Schließlich sehe ich nicht, ob es aufgenommen hat und was. Somit war die hintere Kamera an, und man hat wahrscheinlich nur einen Ausschnitt meines Schreibtisches sehen können. Daher bat man mich, noch ein normales Video zu schicken. In meinem Video hatte ich einen Blindenwitz erzählt und auch einige Dinge über mich berichtet, welche Hobbys ich habe, was ich gerne mache, und was ich nicht so gerne tue, zum Beispiel für den Film extra zunehmen oder bei politischer Inkorrektheit würde ich jetzt nicht so weit gehen, Witze über Homosexuelle oder Ausländer zu machen. Aber zum Beweis, dass ich durchaus schwarzen Humor habe, habe ich dann eben einen Blindenwitz erzählt: was ist gemein? Wenn man einen Blinden an eine Litfaßsäule stellt und sagt, immer an der Wand lang, da geht's  nach Hause. Das finde ich den besten Witz.

 

Meine Helferin hat dann noch einmal ein Video von mir gedreht, wobei ich dann nur noch das Nötigste erzählte, da sie mich ja jetzt schon über den Audiobeitrag kannten. Zunächst hörte ich nichts mehr und dachte, daraus ist nichts geworden. Irgendwann rief dann die Castingfirma an und meinte, sie wollten, dass ich komme. Es gäbe zwei Städte zur Auswahl, der Regisseur dachte, beide seien gleich nah, doch ich suchte mir die nächstgelegene aus, mit der ich auch kostenlos mit dem Zug hinfahren konnte, falls es eine günstige Verbindung gab. Allerdings fand ich nur eine Verbindung mit dem ICE, und so, da ich im Moment wirklich sehr knapp bei Kasse bin wegen meines Umzuges, bestellte man mir über meine BahnCard, deren Nummer ich vorher weitergegeben hatte, ein Ticket. Ich konnte die Nummer des Tickets bei mir ins Handy eingeben und erhielt tatsächlich das Ticket direkt aufs Handy. Das finde ich eine sehr praktische Einrichtung.

 

Ich wurde dann vom Taxifahrer der Produktionsfirma abgeholt. Schon im Auto erlebte ich, wie es so beim Film zugeht. Denn in dem Moment rief eine Frau an und bat ihn, eine Babyschale zu besorgen, da sie im nächsten Film ein Baby haben würden. Der Fahrer ist schon jahrelang für diese Filmfirma tätig. Er lieferte mich direkt in der Wohnung des Regisseurs ab, denn ich war ja in die nächstgelegene Stadt gekommen, und dort sollte dann das Casting nicht im Studio sondern bei ihm zu Hause stattfinden. Ich dachte, ein Regisseur hat bestimmt eine riesengroße und teure Altbauwohnung. Es war in einem Außenbezirk, und das Haus war, wie ich schon roch und irgendwie  an  dem ganzen Fluidum merkte, wahrscheinlich in den siebziger Jahren oder den achtziger Jahren gebaut worden. Das merkte man auch im Aufzug. Als wir ausstiegen, kamen wir in eine Wohnung mit einem großen Zimmer mit  PVC oder Linoleum und mit Fenstern, die die ganze Front ausfüllten, wie man die Wohnungen in den achtzigern oder den frühen neunzigern hatte. Das Bad war wie mein früheres ohne Fenster, aber wenigstens mit Lüftung. Der Regisseur war noch sehr jung, er hatte erst sein Studium abgeschlossen oder war noch mittendrin, denn der Kameramann, den er dabei hatte, um die Szenen zu filmen, war sein Studienkollege, der ebenfalls Regie studierte. Zuvor hatte ich einen Ausschnitt des Drehbuchs erhalten, um eine bestimmte Szene einzuüben. Diese musste ich auswendig lernen. Dazu sollte dann ein Partner kommen, der die andere Rolle spielte, damit ich reagieren konnte. Ich tue mir sehr schwer, Dinge wortwörtlich auswendig zu lernen, aber das war offenbar kein Problem. Sinngemäß kannte ich meine Rolle und konnte sie auch gut darstellen. Zwischendurch gab dann der Regisseur immer wieder Anweisungen, wie man es anders spielen sollte, oder er setzte uns einmal um, wir saßen auf kleinen Filmhockern. Mal sollte ich es etwas aggressiver spielen, mal etwas weniger laut, und dann wieder mehr, als sei ich die beleidigte. Ich fand das total toll, denn ich durfte auch etwas, wie ich es hochtrabend nannte, und worüber  er  wohl etwas schmunzeln  musste, künstlerische Freiheit walten lassen, und ich durfte auch ein paar Sachen dazu erfinden oder die Rolle etwas abändern. Er machte einige Vorschläge, auch sein Kameramann, und auch ich machte Vorschläge oder meinte, dieses oder jenes würde mir jetzt nicht so gut gefallen.  Oder ich  bat meinen spielpartner, da oder dort  etwas langsamer zu machen oder mehr Pause, damit ich dazwischen kam. Das hat wirklich Spaß gemacht. Zuvor hatte er mir genau den Inhalt des Filmes beschrieben, wodurch dann diese Szene, die ich erhalten hatte, wesentlich mehr Sinn ergab. Aus dem Kontext heraus genommen hatte ich sie nämlich gar nicht wirklich verstanden. Aber als mir dann der Zusammenhang klar war, konnte ich es auch besser spielen. Ich bat ihn, dass er mir auf jeden Fall die Filmausschnitte, in denen wir die Szenen geprobt hatten, zuschicken sollte, falls ich nicht die Besetzung werden würde. Er erklärte mir, dass es manchmal beim Film auch auf Äußerlichkeiten ankäme, zum Beispiel auch auf die Nase oder die Haarfarbe, wobei ich meinte, Haare könne man ja auch färben. Er sagte, auf jeden Fall müsse die Zusammensetzung der Gruppe stimmen, und die Chemie müsse zwischen den Leuten auch passen. Das müsse er eben dann beurteilen, und ich würde vor Weihnachten Bescheid bekommen.

 

Als der Taxifahrer mich abgeliefert hatte, hatte er gefragt, wie lange es dauern würde. Der Regisseur meinte, jetzt haben sie sie eine halbe Stunde früher gebracht, jetzt müssen sie sie auch eine halbe Stunde früher holen. Denn er hatte mehrere Kandidaten zum Casting eingeladen, und die sollten sich nicht begegnen, um Konkurrenzverhalten zu vermeiden. Der Taxifahrer fragte genau nach der Uhrzeit, und da meinte der Regisseur, der Taxifahrer solle halt anrufen. Dies fand ich etwas merkwürdig, denn normalerweise muss ja derjenige anrufen, der abgeholt werden will, zum Beispiel hätte das ja jemand anderer machen können, der noch anwesend war. Er hat dann einfach die  ganze   Zeit unten  vor dem Haus gewartet.  Als ich den Taxifahrer daraufhin ansprach, meinte er, beim Film müsse man mit allem rechnen. Eigentlich war mir gesagt worden, ich solle Verpflegung mitnehmen, aber es war ein kleines Buffet aufgebaut mit Kaffee und ein paar Broten, doch hatte ich alles dabei, und es war sowieso überhaupt keine Zeit, mir etwas davon zu holen, und ich wollte  meine eigenen Sachen auch nicht  verkommen lassen. Später wurde ich dann verabschiedet , mit der Aussage, vor Weihnachten würde ich Bescheid kriegen, bisher habe ich noch nichts gehört. Allerdings glaube ich, dass dies noch kommen wird, denn auch die anderen Antworten zuvor kamen immer recht verzögert. Das wird wahrscheinlich nicht anders planbar sein. Auf jeden Fall versuche ich, es nicht persönlich zu nehmen, wenn  ich es nicht werde, denn es können ja alle möglichen Gründe sein, weshalb ich nicht ausgesucht wurde. Er meinte, es müsse nicht immer daran liegen, dass jemand nicht spielen kann, sondern einfach daran, ob er äußerlich und auch sonst zu den anderen passt, und was von dem einzelnen rüber kommt, und ob er für die Rolle geeignet sei. Er habe schon einige vorher abgelehnt, die überhaupt nicht der Typ für die Rolle waren. Es haben sich einige blinde und einige sehende Schauspieler gemeldet. Er wird erst alle Bewerber anhören und sich danach alle Videos ansehen, bevor er sich definitiv entscheidet. Ich bin gespannt, wie es wird, aber in jedem Falle möchte ich die Filmausschnitte haben.  Auch wenn ich es nicht werden kann, habe ich jedoch eine interessante Erfahrung gemacht, denn wer wird schon einmal in seinem Leben zu einem Casting eingeladen. Selbst wenn ich nur bis hierhin gekommen bin, bin ich doch ein paar Runden durchgekommen, und als ich dort war, wurde ich nicht hochkantig rausgeworfen, oder es hat mich niemand angebrüllt, ich solle mein Zeug packen und sofort verschwinden. Ich dachte, beim Film wird man wahrscheinlich sofort rausgeschmissen, wenn man hinkommt und nichts taugt, und die springen einem sofort ins Gesicht. Ich dachte, da sagt man dann drei Sätze, und der Regisseur unterbricht  und sagt, wie man es in Spielfilmen häufig sieht, danke, ich hab genug gesehen, wieder sehen, wir melden uns, der nächste bitte. So hatte ich mir das vorgestellt, aber es ging doch etwas humaner zu.   Ich wurde dann auch wieder zum Bahnhof gebracht, und dort hat mich dann der Taxifahrer, der selbst eine Behinderung hatte, beim Infopoint abgegeben. Alles in allem ging die Sache sehr schnell über die Bühne. Wenn ich es werden würde, dann würde der Film im Sommer gedreht, und zwar an einem Stück über mehrere Wochen hinweg, und da müsste ich dann für mehrere Wochen in ein Hotel. Ich sagte, dass ich mir das finanziell nicht leisten könnte, aber dafür würde dann wahrscheinlich jemand aufkommen. Ich bot auch an, eine Begleitperson mitzubringen, denn ich habe ja einen Bekannten, der mit mir schon auf Reha war oder mir beim Umzug geholfen hatte, warum sollten wir dann nicht auch mal beim Film zusammen hingehen, und warum sollte er mich dann nicht auch dort begleiten? Wir wollen ja schon jahrelang zusammen nach Vorarlberg fahren, um dort in das Hotel für blinde zu gehen, aber bisher ist jedes Mal etwas anderes dazwischen gekommen, meistens positive Dinge wie die Transplantation oder der Umzug. Es wäre wirklich witzig, wenn jetzt der Dreh eines Filmes dazukäme. Aber warten wir's mal ab, die Chancen sind jetzt nicht sonderlich groß, die Wahrscheinlichkeit ist also nicht hoch, ich versuche, auf keinen Fall enttäuscht zu sein, denn immerhin habe ich ja etwas erlebt. Hätte ich mich nicht gemeldet, wäre ich nicht mal bis hierhin gekommen und hätte  nie  an einem Casting teilgenommen.

Sonntag, 15. Oktober 2017

Fort mit Schaden


Zum Glück musste ich nicht punktiert werden, sodass ich den Termin mit meiner Vermieterin am 15. September zur Wohnungsübergabe einhalten konnte. Der Sozialpädagoge ging mit, und ich dachte, dies könnte eine große Unterstützung werden.

 

Zuvor hatte ich ja schon berichtet, dass ich meine Duschkabine, die ich so mühevoll aufgebaut hatte, und worüber ich hier in diesem Blog auch einiges berichtet hatte, wieder abreißen lassen musste.   Dies hat ja einer der Helfer unserer Organisation übernommen. Auch das Silikon wurde abgekratzt. Einer vom Tauschring hat noch den Wandschrank ausgewischt, ich stand noch über eine halbe Stunde dort, um Seifenschalen und andere Metallkörbe um das Waschbecken herum zu säubern. Leider war ich zu gierig und wollte einen der Metallkörbe, der mir überflüssig schien, selbst für mich haben. Denn einst waren hier Porzellanhalterungen mit Zahnputzbechern aus Porzellan, die mir aber sofort heruntergefallen waren. Damals hatte ich sie durch Metallkörbe ersetzt. Dabei ist aber leider der Korb abgebrochen und die Halterung in den Fliesen stecken geblieben. So hat man natürlich gemerkt, dass wir Löcher gebohrt hatten.

 

Um 10:00 Uhr war es soweit. am Tag zuvor hatte ich noch meinem Putzmann eine SMS geschrieben, er möge bitte nicht um 10:00 Uhr sondern um 9:20 Uhr schon kommen, da mein Sozialpädagoge mich um 9:30 Uhr abholen würde, damit wir mit dem öffentlichen Nahverkehr in meine alte Wohnung fahren konnten. Der Teufel wollte es, dass er diese SMS nicht erhalten hatte. Ich rief sicherheitshalber noch einmal bei ihm an, was ich vorher besser hätte tun sollen. Nun war er bereits unterwegs, da er immer mit dem Auto zu einer bestimmten Haltestelle fährt und dort mit dem öffentlichen Verkehr weiterkommt. So vereinbarten wir, dass er um 11:00 Uhr kommen sollte und nicht um zehn, da ich um 10:00 Uhr nicht aufmachen konnte. Er weigerte sich standhaft, einen Schlüssel von mir anzunehmen, da er schon einmal negative Erfahrungen gemacht hatte, und etwas weggekommen war, wofür er beschuldigt worden sei. Ich habe ihm mehrfach sogar mit Unterschrift versichert, dass ich ihn nicht in Regress nehmen würde, und dass ich auf jegliche Forderungen verzichte, falls etwas wegkommt oder zu Schaden kommt, aber das ist ihm egal. Somit hatten wir ein Problem. Zwar hatte er versprochen, dass er sich den Freitag ganz und gar für mich reserviert, aber gerade an diesem Freitag hatte er wohl noch andere Termine. Ich habe immer Pech.

 

Um 10:00 Uhr begrüßten wir also die Vermieterin, die wieder mit ihrer Freundin, einer Maklerin angereist war. Ich gab ihr sofort die Schlüssel, damit ich diesen Ballast schon einmal los war, der in meiner Tasche schon schwerer wog als die Schlüssel selbst. Meine Helferin hatte ein paar Tage zuvor gemeint, sie müsse noch einige Spinnweben wegmachen, aber wer etwas finden will, wird auch etwas finden. Die Wohnung sei aber im Großen und Ganzen so in Ordnung und könnte so übergeben werden. Die Vermieterin schaute sich alles an, und dann gingen wir in den Keller. Dort lagen noch die Fliesen vom Boden, und sie fragte mich, warum denn diese Fliesen da seien, warum der Keller mal wieder nicht durchgefegt sei. Immer müsse sie das machen, das sei unmöglich. Ich sagte ihr, dass diese Ersatzfliesen für die Küche seien, da ich diese mit Fliesen auslegen ließ, nachdem einmal die Spülmaschine ausgelaufen war. Schon zuvor war das Linoleum oder der PVC, der darauf lag, und der vom Geschmack her zu diskutieren war, an den Rändern vom Estrich abgegangen. Somit hatte ich mir gedacht, dass Terrakottafliesen wahrscheinlich wunderschön aussehen würden. Diese wurden damals von der Gebäudehaftpflichtversicherung wegen des Schadens bezahlt. Da fiel ihr dann auf einmal ein, dass sie diese Fliesen nicht haben wollte. Ich sagte ihr, das sei eigentlich nicht fair, denn nun müsse ich für die Entfernung der Fliesen bezahlen, da ich keinen Schlüssel mehr habe, und zuvor hätten wir das mit ein paar Hammerschlägen erledigen können.

 

Wir schauten uns dann auch noch den Speicher an. Der Teufel wollte es, dass in meinem Speicherabteil, dass ich dummerweise nicht kontrolliert hatte, ein so großer Büroschrank stand, dass er das ganze Abteil ausfüllte. Wie er in den fünften Stock und dann noch bis in den Speicher hinaufgekommen war, weiß nur der Teufel selbst. Nun muss ich die Zerlegung und die Entfernung und den Abtransport dieses Schrankes bezahlen.

 

Dann gingen wir wieder in die Wohnung zurück, und der Vermieterin fiel auf, dass eine Fliese im Bad fehlte, und dass Löcher in den Fliesen waren. Ich hätte keine Löcher bohren dürfen, das stünde im Mietvertrag. Die Fliese war heruntergefallen, da dort einmal eine Seifenschale war, die wir entfernen mussten, um die Duschkabine einzubauen. Wir hatten nicht dieselbe Farbe wiederbekommen und daher eine weiße Fliese eingesetzt. Ich dachte mir schon, dass dies wahrscheinlich gar nicht mehr zulässig sei, einem Mieter zu verbieten, Löcher in die Fliesen zu bohren, da man das mit Silikon ausfüllen kann. Ich müsse nun das ganze Bad bezahlen. Ich sagte ihr, wenn sie mich fragen, dieses Bad ist sowieso schon sehr alt und renovierungsbedürftig, das müsste man sowieso mal komplett erneuern. Daraufhin entgegnete mir die Maklerin, die Freundin der Vermieterin, das sei jetzt wieder modern, das sei retro.  Ich sagte ihr, wäre dies retro, würde man wahrscheinlich auch die Fliesen wiederbekommen. Sie meinte, nein, aber nicht den selben Farbton. Wegen des retro pflichtete ihr der Sozialpädagoge auch noch bei. Als die beiden Frauen sich einmal alleine unterhielten, knuffte ich meinen Begleiter in die Seite und raunte ihm zu, er solle doch zu mir halten. Ich sagte der Frau, wenn die Fliesen nicht mehr beizubringen seien, sei es nicht mehr retro, und wäre es retro, könne sie die Fliesen kriegen, und ich könne ja wohl unterscheiden, ob etwas alt oder auf alt gemacht sei. Ich zeigte der Vermieterin die Fliesen in der Küche und sagte, dafür habe sie doch jetzt einen wunderschönen gepflegten Küchenboden. Das würde doch den Schaden im Bad wieder ausgleichen, denn die Fliesen werten ja den Boden auf. Daraufhin meinte sie, reden Sie nicht zu viel, ich will die Fliesen nicht haben. Ich fragte sie, warum sie denn dies nicht gleich am Tag ihres ersten Besuches gesagt hatte, als sie mit mir vereinbarte, wie die Wohnung zu hinterlassen sei. Da meinte die Maklerin, die damals auch anwesend war, es sei so dreckig in meiner Wohnung gewesen, dass ihnen die Fliesen auf dem Boden gar nicht aufgefallen sein. Die Vermieterin meinte, sie wolle die Fliesen deshalb nicht haben, da sie den gesamten Bereich der Wohnung durchweg mit Laminat belegen wollte. Ich erklärte ihr, dass die Küche etwas tiefer gelegt sei, und dass dies sowieso nicht möglich sei, da eine große Türschwelle davor wäre, und daher sei es ja durch die Fliesen fast gleich hoch. Da meinte sie, die Fliesen seien aber 1 cm zu hoch. Auf der einen Seite kann sie gar nicht den ganzen Boden gleichmäßig verlegen, da die Küche tiefer ist, durch die Fliesen ist es aber fast eben, aber dieser 1 cm stört sie dann.

Sie schauten sich die Fenster und die Heizkörper an und meinten, es sei enttäuschend, es sei hier so ein Dreck, die Fenster seien wahrscheinlich seit ihres Einbaus im Jahre 2008 noch nie geputzt worden, und die Heizkörper seien total dreckig, ich müsse also die Reinigung der Fenster und der Heizkörper bezahlen. Es waren noch einige Thesastreifen am Fenster, da ich häufiger zu Adventszeit kleine Strohsterne angebracht hatte. Außerdem gab es noch ein Fliegengitter, und um die Balkontüre gab es noch einen Klett, den man noch entfernen musste. Ich hatte damals noch überlegt, ob ich ihr das alles zeigen sollte, dachte aber, sie sieht ja, und wenn sie das weg haben will, wird sie es schon sagen, ich möchte hier keine schlafenden Hunde wecken und vielleicht  noch  Arbeit  an mich ziehen, die ich sonst gar nicht gehabt hätte. Sagt man nichts, ist man die Blöde, und sagt man etwas, ist es auch verkehrt. Dann schaute sie sich alle Türen an und behauptete, es seien sogenannte Knusperspuren unten an den Türrändern, und daher müsse ich die Badetür bezahlen, denn diese sei komplett kaputt. Der Sozialpädagoge und ich sagten, das sind Gebrauchsspuren, nach 18 Jahren ist eine Tür nun einmal kaputt. Ich fragte sie, warum denn gerade die Badezimmertüre, und da meinte sie, wenn sie noch etwas herummeckern, stelle ich Ihnen alle Türen in Rechnung. Ich erklärte ihr, dass es nicht meine Schuld sei, dass das Bad kein Fenster hat, und dass ich die Badetür konsequent offen ließ. Sie meinte, weil der Schlüssel in der Wohnungstür gesteckt hätte, gäbe es auch Schäden an der Türe, da der Schlüssel dagegen geklopft hätte. Die Badezimmertüre ist sehr nah am Wohnungseingang, und da ich im Erdgeschoss wohnte, und die Haustür häufig offen war, war es draußen kalt, sodass die Kälte von der einen Seite an die Badezimmertüre kam, und von innen kam die feuchte Wärme daran. Holz arbeitet eben, im Gegensatz zum Kopf mancher Leute. Ich hätte die Türen besser pflegen müssen, und ich fragte sie, ob ich denn Öl hätte drauf schmieren müssen. Sie meinte, das hätte ich tun sollen, dabei ist das Furnierholz, die Türen sind also beklebt, das Öl wäre nur einfach runtergelaufen. Außerdem sei der Schacht verstopft, und das sei meine Sache, den Lüftungsschacht im Bad zu reinigen, wobei mein Vater mir später sagte, dies sei Sache des Vermieters, da er im Haus-  und Grundbesitzerverein ist. Sie schrieb dann alles auf, und außerdem schrieb sie auch hin, dass der Zustand des Badezimmers renovierungsbedürftig sei, und dass Löcher in den Fliesen seien. Ich sagte ihr, dies sei aber keine Vereinbarung, sie müsse schon dazu schreiben, wie viel ich denn jetzt bezahlen müsste. Ich wäre bereit, 10 % der Badrenovierung zu bezahlen. Sie meinte, ich müsse 20 % bezahlen. Sie hätte ja schon den furchtbaren Boden geschluckt, der total fertig sei. Ich erklärte ihr, dass dieser Boden zu den Anfängen der Zeiten des Laminats verlegt worden sei, und ich bin nun mal wirklich kein Schwergewicht, und wenn selbst ich, Die ich knapp über 50 Kilo wiege, über den Boden mit den Stuhlbeinen gerutscht bin, die mit Filz beklebt waren, schon Spuren hinterlassen kann, und der Boden abgeht wie Pergament, könne man nach 18 Jahren einfach nicht mehr erwarten. Selbst der beste Steinboden ist nach 18 Jahren abgewohnt. Da konnte sie dann nichts mehr sagen. Ich fragte sie, was wäre die Alternative gewesen: Sie hätten mich aus Quartieren müssen, dann hätte man meine Möbel in ein Lager schaffen müssen, man hätte den Boden neu verlegen müssen, die Möbel wieder an ihren Platz stellen müssen, dies wäre ein Haufen Arbeit gewesen, ob sie bereit gewesen wäre, dies zu übernehmen? Daraufhin konnte sie nichts mehr sagen. Es sei eine Schande, wie es hier aussehe, es sei eine einzige Enttäuschung. Dann wandte sie sich an den Sozialpädagogen und meinte, in der neuen Wohnung sei es doch ein Neuanfang, er solle doch mal darauf achten, dass die Putzfrauen besser putzen, ich würde ausgenutzt, die Leute würden nichts tun für ihr Geld, und das sei eine Gemeinheit, wie man mit einer blinden Frau umginge. Daraufhin sagte ich, hier nutzen ja wohl alle alle aus, jeder zieht hier seinen Vorteil raus, der Mensch ist dem Menschen ein Wolf, und jeder versucht hier, dass Möglichste herauszuziehen. Denn diese Masche von wegen Mitleid, die arme blinde Frau, bei der wird nicht geputzt, und jetzt sehen die Türen und die Heizkörper und die Fenster so dreckig aus, und die muss das alles bezahlen, das läuft eigentlich auf das gleiche hinaus.

 

Nun musste ich alles unterschreiben, der Sozialpädagoge unterschrieb als Zeuge. Mir blieb nichts anderes übrig, ich wäre am liebsten gegangen und hätte gesagt, wir sehen uns vor Gericht. Aber dann hätte ich wahrscheinlich noch einen Gutachter beauftragen müssen, und wenn ich verloren hätte, hätte ich die Gerichtskosten und den Gutachter selbst zahlen müssen. Denn eine Rechtsschutzversicherung hätte ja nur gezahlt, wenn ich gewonnen hätte. Außerdem habe ich in meine Rechtsschutzversicherung keinen Mieterschutz, obwohl ich im Mieterschutzbund bin. Da wäre ich aber nie und nimmer hingegangen, da diese Frau dort furchtbar ist, sie ist mir so unsympathisch, und sie wäre wahrscheinlich noch auf der Seite der Vermieterin gewesen. Sie hätte wahrscheinlich geschimpft, da ich während der Besprechung, als ich mit der Vermieterin vereinbarte, was ich bis zur Übergabe zu tun hätte, keinen Zeugen dabei hatte. Der Termin wurde von der Vermieterin jedes Mal verschoben, wenn ich beiläufig erwähnte, dass die Putzfrau oder der Elektriker oder sonst wer genau zur selben Zeit da wären. Ich hatte damals keinen Nerv, mir schon wieder einen Assistenten für diesen Termin zu suchen, und jetzt wieder jemanden zu fragen, ob er Zeit hat. Daher hatte ich mich alleine dieser Aufgabe gestellt, denn ich dachte, so schlimm kann es nicht sein, sie wird mir lediglich sagen, was ich bis zur Übergabe zu erledigen habe, und das war es dann. Ich hatte auch nicht gedacht, dass die Wohnungsübergabe so schlimm wird. Irgendwann sagte ich, wenn wir jetzt noch länger hierbleiben, dann wird mir immer noch mehr und mehr in Rechnung gestellt.

 

Außerdem muss ich ja noch zurecht das alte Schloss bezahlen, da dieses einmal aufgebrochen werden musste, und ein anderes eingebaut wurde. Jahrelang hatte ich darum gebettelt, dass sie die Firma der Schließanlage beauftragen möge, dies für mich zu tun, und außerdem hatte ich darum gebeten, zwei weitere Schlüssel zu kriegen, da ich nur drei hatte. Das hatte sie aber nie gemacht, und jetzt muss ich zahlen, obwohl ich gar nichts mehr davon habe. Ich hätte lieber vorher gezahlt und wenigstens noch davon profitiert. Ich hatte vier Eingangsschlüssel, da einer der alten Haustürschlüssel immer noch passte, er passte aber nicht mehr oben in die Wohnung. Die anderen drei passten sowohl oben als auch unten, konnten aber oben wegen des Einbau eines neuen Schlosses nicht weiterverwendet werden. Somit hatte ich drei neue Wohnungsschlüssel, die ich natürlich nicht der Vermieterin geben musste, da sie ja von dem neuen Schloss waren, drei Hausschlüssel von der Schließanlage, und einen Schlüssel von der alten Schließanlage, der zumindest unten noch aufsperrte. Einer meiner Bekannten hatte nur einen neuen Schlüssel, hätte aber oben nicht in die Wohnung rein gekonnt, wenn etwas gewesen wäre. Meine Putzfrau hatte den alten Schlüssel, der unten passte und einen für oben von den neuen. Ich hatte einen von unten, der für beide gepasst hätte, und einen neuen vom neuen oberen Schloss, und den dritten hatte noch eine Bekannte von mir. Daher hatte ich dann vier Schlüssel, und die Vermieterin behauptete, wenn sie vier Schlüssel hatten, mussten sie wohl fünf bekommen haben und hatten einen verloren. Das stimmt aber nicht, ich hatte nur drei, daher hatte ich um zwei weitere Jahre lang gekämpft. Nun soll ich auch noch einen Schlüssel bezahlen, den ich nie besessen hatte. Sie will aber bei der Verwaltung nachfragen. Ich hoffe, dass die das sauber dokumentiert haben. Sie hat mir einfach nicht geglaubt, dass einer der alten Schlüssel immer noch unten in die Haustür reingepasst hatte.

 

Nun muss ich folgende Dinge bezahlen: die Entfernung des großen Büroschrankes aus dem Speicher, die Entfernung der Fliesen in der Küche, die Reinigung der Heizkörper, die Reinigung der Fenster, eine neue Badezimmertür und 20 % der Erneuerung des Badezimmers. Sie weiß noch nicht einmal, wie viel die Erneuerung eines Badezimmers kostet. Schlimmstenfalls, wobei ich das natürlich nur als Vermutung hier äußern kann, legt sie mir eine Rechnung für eine Luxusrenovierung vor, ich zahle dann 20 %, von denen sie dann das ganze Bad errichten lässt. Aber das ist natürlich jetzt nur meine Spekulation und meine Befürchtung. Man will ja nicht immer das Schlimmste von den Menschen befürchten müssen.

 

Als ich dies anderen erzählte, kamen natürlich gleich wieder massenweise Ratschläge, da hättest Du aber nicht unterschreiben dürfen usw. Ich konnte den anderen nicht klarmachen, dass ich wahrscheinlich noch größeren Schaden erlitten hätte, wenn ich mich geweigert hätte, das zu unterschreiben. Meine Kaution beträgt 900 EUR, wenn ich Pech habe, sind die Kosten, die sie für diese Renovierungsarbeiten verlangt, weitaus höher, und ich muss noch draufzahlen. Sollen doch andere Mal in der Situation sein, als fast blinde Frau umzuziehen, vorher noch im Krankenhaus gewesen zu sein, bevor die Übergabe stattfindet, dann auch noch solche Schwierigkeiten zu haben und sich dann zutrauen, vor Gericht zu ziehen.

 

Es war schon ein Problem, den Termin für die Wohnungsübergabe eventuell zu verschieben. Meine Betreuerin kann am Freitag nicht, sie hätte mich also nicht vertreten können. Der Sozialpädagoge darf nicht für mich unterschreiben, da er keine rechtliche Vertretungsvollmacht hat. Er durfte also nur zusammen mit mir dort erscheinen. Ich habe die Vermieterin gebeten, ob ich, falls ich doch im Krankenhaus bleiben müsste, am Montag oder Dienstag die Übergabe machen lassen könnte, denn dann könnte meine Betreuerin, falls ich immer noch im Krankenhaus läge, mich  vertreten. Sie hatte sich auf Samstag breitschlagen lassen, auf meine Bitte, doch dann Montag oder Dienstag zu nehmen, aber nicht mehr geantwortet. Eine meiner Helferinnen meinte, dann hätten sie einfach sagen müssen, ich will Montag oder Dienstag, anders kann ich nicht, und das ist dann ihr Problem. Die Leute stellen sich das immer so einfach vor. Wenn ich einfach gesagt hätte, wir kommen entweder Montag oder Dienstag und sonst gar nicht, wäre sie nicht gekommen, ich hätte die Schlüssel nicht abgeben können. Sie sitzt  halt jedoch am längeren Hebel. Und wenn sie einfach nicht antwortet, weiß ich nicht, ob sie dann registriert hat, dass Freitag oder Samstag nicht gingen. Somit blieb mir nichts anderes übrig, als den Freitag einfach zu nehmen und eben darum zu kämpfen, am Freitag nicht im Krankenhaus sein zu müssen. Ich kann mich nicht durchsetzen, daher kann ich auch anderen nicht klarmachen, dass ich mich nicht durchsetzen kann. Denn könnte ich mich durchsetzen, könnte ich ja auch anderen klarmachen, dass ich mich nicht durchsetzen kann. Aber dann könnte ich mich ja durchsetzen, dann bräuchte ich das anderen nicht mehr klarzumachen. Wenn ich mich aber nicht durchsetzen kann, wie soll ich dann anderen klarmachen, dass ich mich eben nicht durchsetzen kann? Somit werde ich von beiden Seiten zerquetscht. Ich würde mir so gerne mal Menschen wünschen, die dann auch mal sagen, klar, verstehe ich, wenn die Situation so ist, dann kann man da nicht immer was machen, wenn andere nicht wollen, hat man darauf keine Chance. Stattdessen bekommt man von dieser Seite dann auch noch einen drauf. Es war furchtbar, dies anderen zu erzählen, da dann alle wieder auf mich einredeten und mich nicht ausreden ließen, um mir zu erklären, dass sie vor Gericht gegangen wären, dass ich bestimmt gewonnen hätte, dass ich schön blöd war, mich dann nicht zu wehren usw. Ich bin wirklich in einer Zwickmühle, denn keiner hat Verständnis dafür, dass dies einfach nicht immer möglich ist. Wenn sich andere so toll wehren können, vielleicht gibt es hier jemanden, der mir dabei hilft, anstatt nur klug daher zu reden. Warum macht das dann keiner für mich, oder warum habe ich dann keine Betreuerin, die einfach bei der Vermieterin anruft und sagt, ich kann nur am Montag oder Dienstag, ich rufe hier im Auftrag meiner Betreuten an, und ich muss sie dazu veranlassen, den Termin so zu verschieben, dass ich als gesetzliche Vertretung teilnehmen kann. Stattdessen lässt man mich hängen und redet nur klug daher. Ich solle halt dann alle Termine so legen, dass sie nie an einem Freitag sind. Die andere Seite drückt dann wieder gegen mich und sagt, ich kann aber am Freitag nicht. Dann kommen wieder die anderen und sagen, dann musst Du Dich eben durchsetzen.

 

Ich verlange, dass hier mal jemand einen Kommentar schreibt und sagt, dass es normal ist, wenn man schwer krank ist und während des Umzugs auch noch ins Krankenhaus muss, dass man da nicht noch die Kraft hat, einen Rechtsstreit anzuzetteln, und dass man dann lieber seine Gesundheit und seine Nerven vorzieht, anstatt dann auch noch um Geld zu kämpfen. Ich habe nur Angst, dass außer der 900 EUR Kaution noch ein größerer Batzen auf mich zukommt. Ich habe niemanden, der mal für mich kämpft, und der mal sich für mich einsetzt, wenn Leute mich ungerecht behandeln, dass sie dann doch mal nachgeben müssen. Nun muss ich mir sagen, fort mit Schaden, ich kann nur froh sein, wenn ich die alte Wohnung los  bin mitsamt dem Rattenschwanz, der da dran hängt.

 

Zusätzlich kam noch eine Spätfolge, denn mein Putzmann hatte sich beschwert, ich würde Termine nicht einhalten, er stünde vor verschlossener Türe. Ich hatte zu jeder Zeit Sorge getragen, dass er Bescheid weiß. Ich hatte ihm am Vortag eine SMS geschickt, die ohne mein Verschulden nicht angekommen war. Ich hatte ihn angerufen, um mit ihm dann eben zu vereinbaren, dass er 1 Stunde später kommen sollte. Als ich 1 Stunde später, als um 11  Uhr absehen konnte, dass wir nicht so schnell hier herauskommen würden, habe ich ihn schon um 11:05 Uhr wieder verständigt, dass wir leider nicht fortkämen, und ich ihm daher nicht aufsperren konnte. Entgegen seines Versprechens meinte er, er müsse jetzt gehen, da er einen Termin hatte. Er hatte mir für die vergebliche Anfahrt und die 1 Stunde etwas berechnet, wogegen ich mich nicht gewehrt hatte, da er schließlich seine Zeit dafür geopfert hatte. Aber ich lasse mir nicht sagen, dass ich Termine nicht einhalten würde, und dass ich Leute vor verschlossener Türe stehen ließe. Als meine Betreuerin, aus deren Verein er kommt, mich damit konfrontierte, versuchte ich, mich zu verteidigen und ihr zu erklären, dass es für mich genauso unangenehm gewesen sei. Sie beharrte aber immer nur darauf, dass es ja für diesen Mann schließlich auch unangenehm war. Daraufhin sagte ich ihr, dass ich hier das letzte Wort hätte, da hier höhere Gewalt im Spiel gewesen sei. Zu meiner Ehrenrettung schrieb ich noch einen Brief an die Koordinatorin der Reinigungskräfte, den ich auch in Kopie an meine Betreuerin sendete. Daraufhin rief sie mich an und meinte, dies sei doch nicht nötig gewesen, es sei doch sowieso alles geklärt gewesen. Ich sagte ihr, dass ich dies zu meiner Ehrenrettung getan hätte, und dass ich ein zuverlässiger Mensch sei. Sie meinte, sie habe das doch längst verstanden, sie müsse aber neutral sein und sich beide Seiten anhören. Daraufhin sagte ich ihr,  dass von Neutralität in ihrem Verhalten nichts zu spüren gewesen sei, im Gegenteil, sie habe lediglich immer wieder die andere Seite verteidigt und Partei für den Mann ergriffen, sich aber meine Version nicht wirklich angehört. Normalerweise hätte ich erwartet, dass sie zumindest sagt, ich kenne sie, sie sind zuverlässig, jetzt kenne ich auch ihre Version, und nun verstehe ich auch ihre Seite, ich werde das so weitergeben. Daraufhin meinte sie dann, sie habe wohl zu wenig gezeigt, dass sie auch meine Seite verstünde, und sie habe das nicht extra dazu gesagt. Ich sagte ihr, ich hielte sie für ihn loyal, und ihr Verhalten sei mir gegenüber nicht gerecht gewesen. Sie meinte, das habe sie doch nicht so gemeint, und sie müsse das nächste Mal wohl etwas stärker darauf achten, mir auch zu signalisieren, dass sie meine Seite genauso versteht. Ich sagte ihr, allerdings. Zumindest habe ich mal diesen Kampf gewonnen.