Dienstag, 7. Mai 2019

Sieben Schichten


Vor einigen Wochen habe ich mich mit zwei ehemaligen  Kolleginnen aus unserem inklusiven Theaterclub getroffen. Sie wollten, dass ich wieder mitmache, und sie fragten mich, ob ich denn Lust hätte, bei dem Stück Romeo und Julia den Prolog, den Epilog und die zwischen Monologe zu sprechen. Sie würden mir den Text zukommen lassen, mehr wäre nicht zu tun. Ich dachte, diese Aufgabe schaffe ich doch leicht. Ich sollte an einem Samstag wieder  mitmachen, sie würde mich sogar abholen. Ich dachte, das wird einfach, das Stück ist schon fertig, und ich muss nur die Sätze üben.

 

Der Text war ziemlich gestelzt, die Sprache ist sehr geschraubt und sehr schwierig. Ich dachte, in Blindenschrift, also der Punktschrift werde ich das nicht lesen können, da ich späterblindet bin und die Kurzschrift ja erst vor ein paar Jahren gelernt habe. Mir schien es damals fast unüberwindlich, das auswendig zu lernen. Nach einer Weile, nachdem ich alle Silben mehrfach gezählt hatte, und nachdem ich mir die Metrik und die Syntax der ganzen Sache irgendwie zusammengereimt hatte, habe ich auch verstanden, wie das ganze richtig zu betonen ist, wo eigentlich die Komata sein müssten, und wie ich es betonen muss. Dann konnte ich es auch auswendig lernen, da ich den Sinn der Sache dann verstanden hatte.

 

In England hatten wir auch sehr viele Shakespeare Stücke in dem Seminar, dass ich besucht hatte. Als Übersetzerin brauche ich so etwas eigentlich nicht, da es Frühneuenglisch ist, aber ich dachte, für meine eigene Bildung schadet ja nichts. Die Sprache habe ich nicht verstanden, aber nachdem wir in den Seminaren den Inhalt ausgiebig diskutiert hatten, konnte ich dann natürlich auch mitreden. So hab ich es in der Schule auch mit Goethes Faust gemacht, die Sprache habe ich zwar nicht verstanden, aber nachdem dann alle anderen den Inhalt ein paar Mal wiedergegeben hatten, habe ich dann so getan, als könnte ich mitreden. Für mich ist Lyrik chinesisch. Ich täte mir leichter, einen medizinischen Fachtext zu lesen. Lyrische Texte sind für mich wie Juristendeutsch oder wie eine Fremdsprache. Aber nach einer Weile ging es dann. Vielleicht lese ich sogar das ganze Stück durch. Das ist wie im Lateinunterricht, wo man die Wörter  erst zusammensuchen muss, denn die Syntax ist so verdreht, und es gibt wenige Kommata, und daher wird es dann schwierig. Anfangs übte ich jeden Tag alle drei Absätze, aber es wurden  dann nur zwei gebraucht.

 

 

Ich sollte also dann zur Probe kommen. Es erwartete mich damals noch eine ziemlich unangenehme Überraschung, denn alles sollte mit den anderen Clubs zusammen im Freien stattfinden, da wir für eine längere Nacht probten, die bei uns jedes Jahr stattfindet. In allen Museen, Theatern und sämtlichen öffentlichen Stellen gibt es verschiedene Veranstaltungen. So eben auch im Staatstheater. Es war ein einziges Chaos, es war bitter kalt, und niemand wusste, wo er zu stehen hatte. Ich dachte, was tue ich mir hier wieder an, ich fühlte mich wie auf einem Exerzierplatz, vor, zurück, links, rechts, alle wieder rein, alle wieder raus, ewig lange stehen, und dann sollten wir auch noch im Chor singen. Alles war so durcheinander, dass es uns so vorkam, als ob die Sache niemals gelingen würde.

 

Die nächste Probe wäre dann schon am Montag gewesen, aber ich hatte schon einen Volkshochschulkurs gebucht, nämlich das Thema smarte grüne Welt, wozu ein Vortrag stattfinden sollte, und der hatte Eintritt gekostet, das wollte ich mir dann nicht entgehen lassen. Am Dienstag fiel die Probe aus, und da musste ich sowieso zum Zahnarzt, denn meine Krone war schon wieder rausgebrochen. Da war ich dann auch nicht böse drum, dass dieses damals noch existierende Elend und Chaos mir erspart geblieben war.

 

Am Mittwoch war er der 1. Mai, da habe ich getreu dem Motto Tag der Arbeiter einmal wirklich gefaulenzt.

 

Am Donnerstag ging es dann weiter, und die Sache bekam langsam aber sicher ein Gesicht. Irgendwie haben wir dann schon kapiert, dass das ganze wohl recht ausgeklügelt  war und die Probleme langsam ausgebügelt waren, und dass es irgendwann auch funktionieren könnte.  Am  Freitag war dann die Generalprobe . Ich hatte dann schon mehrere Strickjacken untereinander und noch einen Pullover, den ich aber da noch nicht anhatte, sondern eine dünnere Bluse. Ich sollte in schwarz-weiß gehen, denn die zwei verfeindeten Familien wären jeweils in schwarz und in weiß, und ich war ja die Ansagerin und somit neutral.

 

Die Generalprobe fand dann schon mit den Kleidern statt, ich hatte eine weiße Hose und eben diese mehreren Schichten an. Langsam bekam die Sache Hand und Fuß, und dieses Mal wurde sogar für unser leibliches Wohl gesorgt, indem einige Brezeln und Kekse bei uns in der umkleide standen. Wir hatten dieses Mal eine eigene Seitenbühne, wo wir unsere Sachen lagern konnten, und wo ich auch meinen Stuhl wiederfand, auf dem die Kleider waren. Wir hatten sogar eine Kostümbildnerin, die uns half und uns gut versorgte. Die anderen halfen mir, die vielen Knöpfe zuzumachen, denn die Bluse hatte Knöpfe, die man nicht sehen sollte, und da der Saum darüber war, war alles extrem kompliziert. Dennoch fror ich immer noch sehr, obwohl ich ziemlich viel übereinander anhatte.

 

Ich war todmüde, aber ich konnte die ganze Nacht vor Aufregung nicht schlafen. Am nächsten Tag wollte ich ja dann auch noch beim UN behinderten rechts-Konvention-Umzug mitmachen, dem UN Zug, wo es darum ging, dass Deutschland bereits 2009 den Vertrag unterschrieben hatte, das aber in den zehn Jahren in punkto Teilhabe nicht sonderlich viel passiert ist. Ich hatte zum Glück eine Assistenz, die mit mir lief, denn wegen meiner Transplantation wollten die Organisatoren keine Verantwortung übernehmen, falls irgendjemand mich versehentlich stößt. Außerdem sollte jeder für seine eigene Barrierefreiheit sorgen, es war Eigenverantwortung gefragt. Die Veranstaltung sollte barrierefrei sein, aber die Assistenz musste schon jeder selbst mitbringen. Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte gewesen, wenn ich aufgrund meiner Behinderung nicht zu dieser Veranstaltung hätte geben können, daher habe ich sehr darauf gedrungen, eine Assistenz zu finden. Das hat dann zum Glück auch geklappt.

 

Ich war todmüde noch vom Theater, und wegen meiner schlechten Feinmotorik, die dann noch schlechter ist, wenn ich müde bin, brach mir an dem Tag alles ab. Zuerst einmal riss ich wieder die Kette von meinem Duschrollo heraus, und danach stieß ich mich an sämtlichen Möbeln. Auf dem Weg zur U-Bahn habe ich mich dann verlaufen, nur, weil ein Auto etwas blöd geparkt hatte, und ich dadurch komplett aus dem Konzept gekommen war. Dazu braucht es bei mir leider nicht viel. Als ich dann bei der U-Bahn-Station angekommen war, ist mir dann auch noch die Stockspitze abgebrochen. Eine Passantin half mir zwar, sie wieder hinzumachen, meinte aber, ja, solche Tage kenne ich. Da sagte ich, ja, das glaube ich Ihnen, dass sie das kennen. Sie hat schon gemerkt, dass das ironisch gemeint war, denn schließlich hat die ja Augen im Kopf und brauch keinen Blindenstock, der ihr abbricht, und ist auch nicht komplex schwer mehrfach behindert, sodass ihr mehrere Dinge auf einmal am Tag kaputtgehen, wenn sie etwas müde ist. Und sie muss sich auch nicht wie ein Flugkapitän auf den Weg konzentrieren, wo schon die kleinste Ablenkung reicht, um von der Route abzuweichen.

 

Meine Helferin kam dann auch noch zu spät und meinte, ja, solche Tage kenne ich auch. Das hat mich dann total wütend gemacht, am liebsten würde ich solchen Leuten die Augen , die Nieren und die Schilddrüse und die Nebenschilddrüsen ausstechen, die immer sagen, jaja, mir geht es genauso, das kenne ich auch. Ich glaube schon, dass auch Nichtbehinderten mal ein Pech passiert, aber die können sich dann wenigstens wieder helfen, im Gegensatz zu mir, die ich mehrere Behinderungen habe, und wo schon sehr wenig ausreicht, dass ich nicht mehr weiter komme, da ich mich sehr stark auf alles konzentrieren muss.

 

Es schien, als ob der liebe Gott nicht für Inklusion  war, denn es war bitter kalt, der Regen fiel in Strömen, und es waren nicht sonderlich viele Menschen dar. Die Demonstration war außerdem recht lahm, es kam überhaupt keine richtige Stimmung auf. Ich hätte einige Sprüche gewusst, aber es gibt bestimmte Alphatiere, wenn die ihre Sprüche rufen und schreien, dann schreit gleich jeder mit, und bei mir hätte sich wieder keiner angeschlossen. Als wir dann auf dem Platz waren, wo ein Markt der Möglichkeiten stattfinden sollte, habe ich zum Glück einige Töne einfangen können und auch einige Interviews geführt, die jetzt in einer Radiosendung der anderen Redaktion kommen, nämlich der Redaktion Handikap. So muss ich sie schon nicht schneiden, und unsere Sendung kommt ja wesentlich später erst wieder, nämlich am 27 Juni, und da ist die Sache sowieso schon um die Ecke.

 

Mir graute schon vor dem Abend, wo ich dann in dieser Eiseskälte spielen sollte, wo ich doch schon so fror. Als ich dann dort angekommen war, hatte ich sage und schreibe sieben Schichten anzuziehen vor mir. Mein Unterhemd, einen dunklen Rollkragenpullover, zwei Strickjacken mit zahlreichen Knöpfen, meinen eigenen dicken schwarzen Wollpullover und noch eine schwarze Bluse und eine weiße Bluse. Ich hatte also sieben Schichten übereinander an. Unter der weißen Hose trug ich noch ein Paar Leggings, denn es war wirklich bitter kalt. Aber es war, als ich aus dem Haus ging, nicht mehr so kalt wie am Morgen gewesen, was mich sehr überrascht hat. Mir taten schon Tage zuvor die Gelenke weh, wobei ich dachte, ich sei vielleicht gestürzt oder hätte mich gestoßen, aber es war tatsächlich nur die Änderung des Wetters. Das kündigt sich bei mir schon immer einige Tage zuvor an, aber jedes Mal weiß ich nicht, was es ist, erst dann, wenn sich das Wetter geändert hat, wird mir klar, warum mir das Knie weh tat oder ein Ellbogen oder ein Fußgelenk.

 

Die Theaterpädagogin half mir, mich anzuziehen und knöpfte alles zu. Sie war selber total aufgeregt, was mich eigentlich verwundert hat, denn es waren ja  schließlich wir, die spielen mussten, und sie als erfahrene Schauspielerin braucht ja nicht aufgeregt zu sein. Aber ich musste immer etwas aufpassen, wenn ich zu viel fragte, weil sie dann genervt war. Mit meinem Autismus und meiner Blindheit ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt bei den Menschen ab zu passen. Zu meiner Verärgerung lag dann die Spindel mit den DVD Rohlingen, die ich der leitenden Theaterpädagogin gegeben hatte, damit sie endlich den Film unseres alten Stückes aufnehmen möge, wieder bei mir bei meinen Kleidern. Es hat sich aber herausgestellt, dass sie nur versehentlich dort gelandet war, und dass wir endlich irgendwann eine DVD mit unserem Film bekommen sollten. Wir werden sie halt immer wieder löchern. Irgendwann wird es klappen.

 

Ich habe mich sehr gefreut, dass es dieses Mal auch wieder etwas zu essen gab, und dass wir, nachdem unser Stück immer viermal hintereinander gespielt wird, jedes Mal in der Pause ins warme durften. Ich habe von meinem guten Bekannten eine wunderbare Tasse bekommen, die man außen anfassen kann, da sie sehr dicke Wände hat, selbst dann, wenn extrem heißer Kaffee darin ist. Unsere Älteste Mitspielerin, die sich immer sehr um mich bemühte und sich dauernd um mich kümmerte, hat auch eine große Kanne Kaffee mitgebracht, und die Mutter einer Frau mit dem Down-Syndrom hat wieder ihre legendären Muffins gebacken, und ich hatte sie sogar darum gebeten. Sie hat eigentlich auch bei dem UN Zug mitgewirkt, fand aber dennoch die Zeit, uns die tollen Muffins zu bringen. Ich habe mich auch total gefreut, dass wir dieses Mal bei der Feuershowstühle kriegen sollten. Das wurde uns dann auch noch angekündigt. Denn bei der Generalprobe hatten wir die Feuerschau, und da das Feuer so gesprüht hat, bin ich in Panik geraten und habe meine Begleiterin gepackt und gesagt, schnell, schnell, wir müssen hinter, dass Feuer kommt. Ich dachte, eine riesige heiße Feuerwand würde auf uns zu rasen. Ich kann ja aufgrund der Blindheit die Entfernung schlecht abschätzen. Mir taten bei der Generalprbe hinterher die Beine total weh, da wir schon den ganzen Abend gestanden waren.  Bei der Aufführung  bekamen wir Stühle, und sie setzten  uns weiter nach hinten. Ich wurde bei der Aufführung auch von einem Mitspieler gewarnt, wann das Feuer wieder sprühen würde, damit ich nicht erschrekce. Jetzt hatten wir auch endlich den Ablauf, und alles hat prima geklapptDie Feuershow war erst am Ende, und sie war bei der  echten Aufführung  gigantisch!  Bei der Generalprobe hat es noch einige Schwierigkeiten gegeben, aber dafür ist die sie ja dar. Am Abend selbst haben dann alle Theaterpädagogin aller Gruppen noch einige Übungen mit uns gemacht, und wir hatten einen genauen Zeitplan, wenn wann wer wohin muss. Das fand ich super, denn es war wirklich organisiert. Irgendwann musste ich auch in die Maske, und ich habe der Maskenbildnerin  genau eingeschärft, dass ich Neurodermitis habe, und dass sie ganz vorsichtig mit meiner Haut sein müssten. Außerdem hatte ich auch einige Augenoperationen, und ich mag es nicht sehr, am Auge geschminkt zu werden. Aber sie waren sehr vorsichtig. Meine Haare sind jetzt lang genug, um zu einem Mozartzoppf geflochten werden zu können, das hat mich total gefreut.

 

Ich hatte ziemlich viel Hilfe, und wir wussten immer, wo wir hin müssen. Ich habe dann den Schirm genommen, denn jede Gruppe hatte ihre eigenen Schirme, da meine Begleiterin sogar noch kleiner ist als ich, und ich dann ständig den Schirm im Gesicht gehabt hätte. Es gibt selten Leute, die kleiner sind als ich. Es hat alles wie am Schnürchen geklappt. Wir sind dann raus, und als Romeo und Julia sich das Ja-Wort gaben, gab es sogar zwischen Applaus. Die Theaterpädagogin hat mich immer an die Markierung geführt, die ich natürlich nicht sehen konnte, aber in dem Video, welches wir später geschickt bekamen, war sie wohl zu sehen, da mir jemand sagte, ich sei immer genau an der Markierung gestanden. Dann habe ich mein Sprüchlein auf gesagt, dann wurde ich wieder zurückgeführt. Danach ging das Theaterstück los, und wir gingen wieder rein. Ich habe noch am Ende etwas gesagt, damit das Stück sozusagen wieder wie eine Schleife von vorne losgeht. Während die Akrobaten von der anderen Gruppe turnten und eine  junge Frau ein Lied sang, sollten wir zugucken, und dann würden wir Julia verlieren, die anderen würden ihren Romeo suchen, und dann würden wir über den Platz laufen, dann würde ich wieder mein Sprüchlein sagen, dann ging die Vorstellung von neuem los, ich sagte den Abspann, und wir gingen wieder rein. Zwischendrin konnten wir uns immer stärken, heißen Kaffee trinken, Kekse, Brezen,  Muffins essen und uns es gut gehen lassen. Körperlich war das dieses Mal überhaupt keine Anstrengung. Einer hat sogar gepfiffen, als  wieder   der Applaus kam, das hat mich total gefreut. Das eine Lied hat mir nicht so gut gefallen, dass während der Akrobatik gesungen wurde, aber es gab ein arabisches Lied, das mir total ans Herz ging, weil ich diese Musik total gerne höre. Es hat alles wunderbar geklappt, wir haben unsere Durchläufe wie am Schnürchen gemacht, und wir waren hinterher wirklich froh.  

Wir sind dann alle wieder runterzum Umziehen, und es waren ja immerhin ganze sieben Schichten, und davon waren vier mit Knöpfen. Ich hatte einige abschminktücher von der Maske mitbekommen, da ich fürchtete, das alleine nicht hin zu bekommen und dann tagelang mit schwarzer Farbe im Gesicht herumzulaufen. Die Kostümbildnerin half mir dabei, und sie holte extra noch einen Waschlappen, da das Zeug einfach nicht runtergehen wollte. Meinen Pullover habe ich mir etwas eingesaut, aber das soll wohl wieder weggehen, hat man mir gesagt. Es hat auch wieder lange gedauert, alles auf zu kriegen, und ich kam fast nicht aus den Ärmeln raus, da so viele Schichten übereinander waren. Aber die Kostümbildnerin hat immer feste gezogen, damit alles glatt über die Bühne ging im wahrsten Sinne des Wortes. Danach hat mir meine Theaterpädagogin noch einige Gummibärchen in den Mund gesteckt, das war total lustig, und ich habe noch einige Muffins mitbekommen. Ich war fast traurig, dass die Sache zu Ende war, denn es war wirklich toll.

 

Am nächsten Tag war ich auch nicht so erschöpft wie beim ersten Mal, dass Weiher förmlich Raubbau gewesen. Dieses Mal hatte man wirklich gut für uns gesorgt, wir konnten sitzen, wir konnten uns wärmen, wir waren warm genug angezogen, wir haben kaum gefroren, und ich hatte immer meine Sachen, wo ich sie suchte. Es ist wirklich wichtig, eben in seinem Bereich alles so zu haben, wie man es braucht. Jetzt kann ich auch etwas verstehen, warum echte und professionelle Schauspieler da manchmal so komisch sind. Die wollen wir ihren Lieblings Saft, ihre Lieblingszeitung, ihren Lieblingssessel usw. in ihrer Garderobe haben. Wahrscheinlich ist das einfach wichtig, wenn man hart gearbeitet hat, dann vertraute Dinge vorzufinden und zu wissen, wo alles ist. Ich glaube, wenn ich eine echte und professionelle Schauspielerin wäre, wäre ich bestimmt genauso zickig und genauso eine Diva wie einige von denen.

 

Jetzt bin ich wieder dabei und komme jedes Mal wieder mit, und wir werden jetzt bald auch nicht mehr am Samstag sondern am Freitag spielen, und dann habe ich das Wochenende wieder meine Ruhe und ganz für mich. Das ist dann körperlich wesentlich weniger anstrengend, und wir können viel besser für uns sorgen und uns auch viel besser schonen und unsere Kräfte einteilen. Alles in allem hat das wirklich riesengroßen Spaß gemacht. Das wird dann nicht mehr Romeo und Julia in 5 Minuten, sondern wir werden dann das ganze Stück spielen, und ich muss einige Dinge auswendig lernen, wir haben nämlich Romeo und Julia in leichter Sprache und werden es mit der Sprache Shakespeares mischen. Mir wurde gesagt, ich könne das so gut rezitieren, und ich würde diesen Wortlaut so gut hinkriegen. Ich werde mich dann noch einarbeiten, vielleicht ist dann irgendwann Lyrik für mich auch kein Chinesisch mehr.

Sonntag, 28. April 2019

Neues aus Orientierung und Mobilität und Technik


vor einigen Wochen erfuhr ich durch Zufall über Facebook, dass in unserer Region ein ganz bekannter blinder Mensch unterwegs sein würde, der einen Vortrag über Echoortung mittels Zunge schnalzen halten würde, was auch Klick so nah genannt wird. Da ich ja beim Radio bin, was wir als Hobby betreiben, welches mir aber einen riesengroßen Spaß macht, fühlte ich mich natürlich gleich angesprochen, dorthin zu gehen.

 

Als ich dann dort war, fragte ich auch gleich, ob ich Aufnahmen machen dürfte, und so wurde ich neben unserem lokalen Rundfunk auch noch namentlich benannt, was mir schon fast wieder peinlich war. Aber es war trotzdem toll.

 

Der Mann kam aus Amerika, war gebürtiger Mexikaner, und schon in seiner Kindheit durfte er viel alleine durch die Gegend laufen. Das kann man von mir nicht behaupten, da ich zu Hause sehr stark über behütet wurde. Ob daher meine mangelnde Mobilität kommt, oder ob das ein Henne-Ei-Problem war, weiß ich nicht. Vielleicht hatten meine Eltern auch schlichtweg Angst, mich alleine herumlaufen zu lassen, da sie merkten, wie unmobil und unselbständig und unbeholfen ich eben war.

 

Der Mann erzählte, dass er die Echoortung strategisch einsetzt. Er schnalzt zum Beispiel mit der Zunge, könnte aber auch genauso gut seinen Stock nehmen, denn es geht darum, ein Geräusch zu erzeugen, welches von der Umwelt reflektiert wird, um sich so ein Bild zu machen. Diese Bilder werden sogar im Gehirn auf die Seerinde projiziert, was man im Magnetresonanztomografen erkennen kann. Er habe wohl mehrere Stunden darin verbracht, wie er uns versicherte. Auch andere Menschen, die die Echoortung beherrschen, hätten diese Prozedur über sich ergehen lassen müssen, um die Vorgänge im Gehirn diesbezüglich zu erforschen.

 

Dies alles hörte sich sehr einfach an. Er zeigte uns einiges, und die Leute applaudierten, als sei er ein Zirkuspferd, was ich ziemlich blöd fand. Denn er wollte ja nur zeigen, dass diese Technik für jedermann nutzbar sei, und er wollte keine Kunststücke vorführen, wie toll ein behinderter ist, der solche Zaubertricks beherrscht. Er legte zum Beispiel seinen Stock in die Mitte des Raumes, und mittels des Abstandes zu den Wänden merkte er sich dann, wo er den Stock hingelegt hatte, machte sich sozusagen ein Bild und fand dann, indem er den Abstand erneut mit der Echoortung maß, seinen Stock auch wieder. Er erklärte uns, dass die Echoortung nicht das Allheilmittel sei, und der Stock weiterhin notwendig sei, denn er könne sogar Leben retten. Er selbst war mit einem anderen, der Echoortung nutzt, im Gebirge gewesen, und ohne Stock wäre er wahrscheinlich abgestürzt. Denn die Echoortung funktioniert ja nur nach vorne , zu den Seiten oder nach hinten .   Selbstverständlich  geht  sie auch nach oben und nach unten, und man kann  messen, wie tief zum Beispiel ein Abgrund ist, wenn man ihn denn zuvor schon ertastet hat,  wenn man seinen Stock eingesetzt hat.

 

Er betonte , dass es besonders wichtig ist, die Kinder einfach auch mal alleine  herumgehen zu lassen, dass sie ihre Erfahrungen machen müssen, um eben die Welt zu erkunden und zu explorieren, denn es sei wichtig, dass die Kinder lernen, Dinge selbständig zu tun. Es sei einfach, die Kinder zur  Unselbständigkeit zu erziehen, und es bedürfe daher aller Mitwirkenden, der Erzieher, der Lehrer, der Mobilitätslehrer etc. Er meinte, es sei daher wichtig, dass die Kinder auch einmal eine Autotür  öffnen, ständig andere Türen öffnen oder sich selbstständig frei im Raum bewegen könnten, um überhaupt ihre Umwelt zu erkunden, Erfahrungen  zu machen und zu üben. Der Vortrag fand wohlweislich in der Abteilung der Frühförderung dieser Einrichtung statt. Somit integriert er die Echoortung in ein ganzes System. Dies fand ich gut, dass er sie nicht als das einzig Wahre hinstellt.

 

Es gibt ja auch zahlreiche andere Hilfsmittel , zum Beispiel Ultraschallgeräte, die man sich um den Hals hängen kann, wie zum Beispiel den Bodyguard oder andere Geräte, die man am Stock festklemmen kann oder in der Hand mitnimmt. Diese piepsen aber die ganze Zeit, sodass man nicht weiß, was man eigentlich genau vor sich hat. Ich selbst habe kein sehr gutes Gehör, ich würde mir nun nicht gerade zutrauen, mittels eines bestimmten Klick-Geräusches  die Umwelt zu erkunden. Außerdem meinte er, das Geräusch müsse sehr scharf und sehr umrissen sein, denn mit einem stumpfen Klicken könnte man nicht viel hören. Er sprach wirklich teilweise auch von sehen und von Bildern machen, was ich sehr interessant fand. Ob diese Bilder natürlich denen von sehenden entsprechen, ist die andere Frage, aber sie sind zumindest so gemacht, dass er damit etwas anfangen kann. Insgesamt machte er einen extrem mobilen Eindruck, er lief sehr elegant, er bewegte sich sehr geschmeidig, und er betonte, dass es äußerst wichtig sei, dass blinde elegant, schön, geschmeidig und gut aussehend  durch die Gegend laufen, denn wir ziehen schließlich alle Blicke der Umwelt auf uns, daher sei es wichtig, dass man dabei  dann wenigstens  gut aussieht. Das finde ich besonders schwierig, denn manchmal schimpfe ich schon, wenn etwas im Weg steht, und das wird bestimmt auch der Umwelt auffallen.  Ich finde es auch  schwer, gleichzeitig  bei der hohen Konzentration auch noch elegant  und  schön  auszusehen. Die B-Note  ist erst mal  der Sicherheit  unterzuordnen, finde ich. Auch sehe ich bestimmt nicht immer elegant aus, wenn ich unbeholfen querfeldein durch die Gegend coolere, oder wenn ich irgendwie, Hauptsache über die Straße, in der Umwelt herumfalle. Ich glaube, ich ergebe dann eher das Gegenteil eines eleganten Blinden, der dann eher bewundernde und staunende Blicke auf sich zieht. Er meinte, Menschen, die die Echoortung einsetzen, wären immer interessiert an ihre Umwelt, man würde sie nie mit dem Kopf nach unten antreffen, sie würden immer um sich schauen, hätten immer Augen und Ohren offen, und sie würden alle Geräusche nutzen und alle Informationen, die sich ihnen boten, integrieren. Ich führte dann noch ein Interview mit ihm, und ich fände es toll, wenn ich an seine Fähigkeiten herankäme. Er ist blinder Mobilitätslehrer, und er bildet auch andere Mobilitätslehrer in der Echoortung aus. In einigen Ländern, zum Beispiel den Schwellenländern, gab es bislang noch kein Mobilitätstraining, und hier wurden auch blinde zu Mobilitätslehrern ausgebildet. Das finde ich sehr interessant, einerseits finde ich es toll, andererseits hätte ich aber auch bedenken, dass der Mobilitätslehrer dann die Gefahren nicht erkennt, wenn man stolpert, und eine nicht rechtzeitig auffangen kann. Mein Mobilitätslehrer muss das öfter mal tun, und in seiner Gegenwart fühle ich mich sicher, das ist zwar ein Vorteil, ist aber auch manchmal eher ein Nachteil. Denn wenn er nicht mehr da ist, bin ich dann wieder genauso unsicher wie vorher, in seiner Gegenwart scheint alles leicht und einfach, alles ist einfach und logisch zu finden, nichts ist schwierig, alles ist sicher, aber sobald ich wieder mir selbst überlassen bin, und sobald ich  einen mm weiter links laufe, als den Weg, den er mir gezeigt hat, oder sobald ich versehentlich etwas in Schlangenlinien gehe oder etwas weiter rechts aufkomme, wenn ich über die Straße gehe, bin ich schon wieder verloren. Daher wäre es besser, sich während des Trainings auch unsicher zu fühlen, um dann genau diese Stresssituationen wieder durchzugehen und sie zu üben.

 

Es hängt aber auch sicher viel damit zusammen, dass dieser Mann viel alleine durch die Gegend laufen durfte. Ich kenne einen Blinden, der von seinen Geschwistern regelmäßig irgendwo stehen gelassen wurde, als er klein war. Genauso regelmäßig wurden sie dafür verhauen, aber ihm schadete es gar nichts, im Gegenteil, er musste dadurch lernen, sich im Leben zurechtzufinden, und er war einer der mobilsten Menschen, die ich je gekannt hatte, er ist aber mittlerweile verstorben. Natürlich ist das nicht die Methode der Wahl, einen einfach mal eben auf die harte Tour irgendwo auszusetzen, aber man sollte Menschen unter einer gewissen Aufsicht und innerhalb gewisser Grenzen und mit einer gewissen Sicherheit viel mehr zutrauen, als es früher bei mir der Fall war. Dass das nicht immer leicht auszuhalten ist für die Umwelt, besonders dann nicht, wenn es sich um ein mehrfachbehindertes Kind mit unerkannten zusätzlichen Erkrankungen handelt, das sehr unbeholfen und motorisch ungeschickt durch die Gegend rennt und sich dabei permanent  anstößt  oder  hinfällt, weiß ich auch. Daher eben auch  die Henne-Ei-Frage weiter oben.

 

Ich selbst bin gerade wieder dabei, mein Mobilitätstraining aufzufrischen, denn es gibt jetzt neue Bodenindikatoren, und die „Sprache“ dieser Bodenindikatoren ist ein Studium für sich. Es gibt Leitstreifen,  die haben lange Rillen, an denen man entlanglaufen  soll. Dann gibt es Auffindestreifen ,  bei denen  verlaufen die Rillen  quer gestrichelt, sodass man, wenn man auf sie stößt, weiß, dass auf einer Seite etwas interessantes ist. Es gibt dann wiederum Auffindestreifen mit runden  Noppen , dann weiß man, wenn man auf dem Gehsteig diese quer vor sich hat, dass man zu einer Kreuzung mit Ampel gelangt. Dann gibt es Felder mit Strichen in die Richtung, in die man geht, das sind sogenannte Richtungsfelder, d. h., hier muss man weiterlaufen in die Richtung, in welche die Rillen verlaufen. Das ist dann bei einer Ampel. Wenn es dumm kommt, dann ist noch ein Fahrradweg dazwischen, da ist dann mal kein Feld, und dann kommt wieder ein  Richtungsfeld mit  den  Rillen in die Richtung, in die man eben  gehen muss, man geht diesen entlang, und dann kommt wieder ein totes Stück Gehsteig, darüber führt  dann wieder ein Leitstreifen mit den langen Rillen, und der  verbreitet  sich dann wieder  zu einem Richtungsfeld , und wenn man an dessen Rillen entlanggeht, stößt man genau auf die Ampel. Das ist wie ein Studium, und das muss man sich alles erst mal merken. Bei den Ampeln ist es das gleiche, ein. Auf dem Pfeil  an  der  Unterseite  am Ampel-Kästchen bedeutet, in der Mitte ist eine Insel mit weiterer Ampel, die muss man dann suchen, denn die könnte ja auch mittlerweile umgeschaltet haben. Ein Querstreifen auf  der Unterseite  des  Pfeils  am Ampelkästchen  bedeutet, dass es eine Insel gibt ohne Ampel. Eine Querrille nach innen, also eine Kerbe auf  dem Pfeil, bedeutet, dass in der Mitte eine Straßenbahnschiene ist. D. h., einfach weitergehen, wenn man keine Straßenbahn hört. Das ist eine eigene Sprache, und mein Gedächtnis ist nicht mehr das beste seit all diesen Erkrankungen, Operationen und aller anderen Dinge, die sonst  noch  in meinem Leben passiert sind.

 

Wir machen im  "Mobi-Training" natürlich auch viele andere Dinge, denn mir wurden neue Läden empfohlen, die ich gerne alle aufsuchen möchte, und einige alte Wege müssen wir auch wieder auffrischen. Es soll jetzt aber auch bald einen Roboter geben, den man als Führhund benutzen kann. Immer wieder komme ich auf den Gedanken, doch einen Führhund haben zu wollen, nachdem es mit all meinen  insgesamt neun  Katzen niemals geklappt hat, da mir alle entweder überfahren, weggelaufen oder Weggestorben sind, oder ich sie jemand anderem geben musste, weil sie nicht WG-tauglich mit der  anderen Katze waren. Ich hatte es ja mal mit einem blinden Führhund versucht, dies ist auch hier in diesem Blog geschildert worden. Das ist ja leider kläglich gescheitert. Im  letzten Jahr war ich dann wieder so fit, dass ich daran dachte, vielleicht wäre doch ein Blindenhund etwas für mich, dann haute es mich aber gleich wieder ins Bett, und ich war krank, somit verwarf ich die Idee genauso schnell, wie sie mir gekommen war wieder.

 

In Deutschland gibt es jetzt eine Firma, die einen Laufroboter für blinde herstellt, und da ich ja wie gesagt bei einer Radiosendung  unseres Freien Radios  mitarbeite, dachte ich mir, das ist ein gutes Thema für eine Sendung. Mir laufen die Themen ja sowieso immer wieder zu. Auch nach zehn Jahren unserer Radiosendung gibt es immer wieder Neues zu berichten.  Ich wandte mich also an die Firma, um  für ein Interview anzufragen. Der Ansprechpartner dieses Unternehmens  meinte, dass es in Finnland mittlerweile eine Gruppe um einen Professor gebe, die einen Roboter entwickeln, der die Eigenschaften eines Führhundes haben soll, und der auch mit einem Navigationssystem, einem Laser, einem Radar und mit allen anderen Services ausgestattet sein wird, die heute in einem modernen Navigationssystem zu finden sind. In ungefähr zwei Jahren wird dann der Prototyp fertig sein, so wurde mir gesagt, und bald würde er danach dann auch Marktreife erlangen. Das wäre genau das richtige für mich.

 

Ich habe schon immer von einer Art Führroboter  nach  dem  System eines Saugroboters geträumt, den man vielleicht zu einem automatischen Blindenhund umrüsten könnte. Man könnte ihm Infrarotlicht, Laser, Ultraschall und ein Navi einbauen, einen größeren Akku, dann könnte man ihm eine Stange anbauen, und dann würde der Roboter mit einem durch die Gegend laufen. Ich hätte ihn dann Navibot getauft, oder Cassiopayanach der Schildkröte  in  Michael  Endes Momo,  in Schildkrötenform, die ja auch Momo  mit  sich immer  wieder  erneuernder Schrift  auf dem Rücken  den Weg gezeigt hat.  Man könnte ihn auch als Modell  in Junikäferform oder  in Iegelform, oder als Zitrone oder in grün als  Salatkopf  oder Kohl anbieten. Das hätte zwar lustig ausgesehen, wäre aber auch vielleicht richtig praktisch und originell gewesen. Diese Idee hatte ich schon einigen unterbreitet, ich hätte aber niemanden gefunden, der sie in die Wirklichkeit umsetzt. Daher bin ich besonders froh, mittlerweile eine E-Mail des sehr netten und sehr korrespondierfreudigen Professors aus Finnland erhalten zu haben, die ich in unserer nächsten Sendung veröffentlichen darf. Darin schildert er den aktuellen Stand der Forschung. Ich freue mich schon, wenn ich dann einen Führroboter haben kann. Es wäre toll, wenn ich dann mit meinen sehr spärlichen technischen Kenntnissen damit zurecht käme.

 

Ich schaffe es ja noch nicht einmal, mit der App für das Kino klarzukommen. Neulich habe ich einen Film im Fernsehen aufgenommen, den ich leider nicht am Fernsehgerät selbst sondern mithilfe einer App aufgezeichnet habe. Leider deshalb, da die App auf meinem Handy ist, auf dem auch die App installiert ist, die die Bildbeschreibung liefert. Somit musste ich den Film erst einmal auf ein anderes Gerät umspulen, und das stellte sich als schwierig heraus. Ich lud mir daher die Format Factory herunter, das ist ein Programm, welches es für den großen PC gibt, mittlerweile gibt es aber auch ein Konvertierungsprogramm für das Handy. Damit wandelte ich die Datei von M4 auf MP3 um, und dann steckte ich den OTG-Adapter in mein Handy, der von Micro USB auf ein normales USB umstellt, sodass man das Kabel von meinem Diktiergerät dranhängen konnte. So überspielte ich dann den Film auf mein Diktiergerät, und das hat sogar funktioniert. Das Diktiergerät verband ich dann mittels Klinkenkabel mit meinem Lautsprecher, und danach lud ich mir in der App die Bildbeschreibung für diesen Film herunter. Bei dieser App ist es meiner Meinung nach wichtig, sie über Kopfhörer zu hören, denn sie synchronisiert sich mit dem Filmton. Wenn also die Beschreibung über den Lautsprecher des Handys ausgegeben wird, ist die App wiederum verwirrt, da sie ihre eigene Beschreibung hört, und somit hat sie Schwierigkeiten, den Filmton herauszufiltern. Sobald die App den Filmton über das  Handy-Mikrofon hört, gibt sie über Kopfhörer die Beschreibung aus. Bei mir kommt aber laufen die Meldung, Filmton ist nicht zu hören, obwohl ich den Lautsprecher brüllend laut eingestellt hatte. Ich habe dann das Handy direkt neben den Lautsprecher gelegt, aber diese Meldung kam alle 3 Minuten, sodass ich die App alle  Nase lang neu starten musste, und sich daher der Film elendiglich lange hinzog. Der Film war zwar wunderbar, aber ein Freund fragte mich hinterher, war das wirklich die Mühe wert? Ja, denn Umwege erweitern die Ortskenntnisse, und so habe ich wieder eine Menge über Technik gelernt. Ich weiß jetzt, dass es ein Programm gibt, mit dem man auf dem Handy M4 A Dateien in MP3 konvertieren kann, so muss ich sie nicht jedes Mal auf den Computer überspielen. Das ist wesentlich einfacher. Außerdem weiß ich, dass ich mit diesem OTG-Adapter Dinge auf den anderen USB-Tonträger überspielen kann, und ich kann die App für die Bildbeschreibung nutzen, wenn auch nur in sehr geringem Umfang. Jetzt gibt es zum Beispiel im Kino bald einen Film namens "Die Kinder der Utopie", es handelt sich dabei um einen Bericht über sechs Kinder, die bereits 1975 in einer integrativen Schulklasse waren, wobei berichtet wird, was heute aus ihnen geworden ist. Dieser Film soll dann auch mithilfe dieser App in Audiodeskription zu erhalten sein. Aber das tue ich mir lieber nicht an, denn wenn ich den weiten Weg zu der Vorführung mache, viele Taxikilometer dafür  ausgebe, und mir dann aber alle 3 Minuten die App abstürzt, lohnt sich dies nun wirklich nicht. Schade, so bin ich weiterhin vom Kinogenuss weitestgehend ausgeschlossen.

 

Neulich war ich aber im Kino und habe den Film gesehen, für den ich eigentlich das Casting gemacht habe, und wo ich die Rolle hätte haben wollen. Ich bin froh, dass ich es nicht geworden bin, denn es war ein ziemlicher Klamauk. Da hat dann die App des Kinos  namens  Cine-Connect  funktioniert, denn man lockt sich hier über WLAN in das Netz des Kinos ein und muss sich zuvor ein Programm herunterladen und sich dann jedesmal  auf  der Seite des Kinos  begeben und das Häkchen  für den Datenschutz  anklicken. Das hatte ich schon einmal, es hat aber damals nicht funktioniert. Man hat mir aber dieses Mal versichert, ich würde das Geld wieder kriegen, wenn es nicht klappt.  Denn  beim letzten Mal habe ich nämlich drum kämpfen müssen, das Geld wieder zu bekommen. Zwei Techniker mussten dabei stehen, damit es funktioniert, und ich schwitzte Blut und Wasser, ob ich dieses Mal ins Kino würde gehen können, oder ob mein Weg auch dieses Mal wieder nach Hause führte. Es hat aber funktioniert, ich musste aber auch ein paar Mal die App neu starten, das war aber nicht schwierig. Dies lag aber mehr daran, dass andere meiner Apps dazwischenfunkten, zum Beispiel wenn eine WhatsApp rein kam, oder wenn ich an Medikamente erinnert wurde.

 

So sieht man, die Technik kann die Augen niemals ersetzen, aber es wird hoffentlich immer leichter, wenn man denn das Händchen auch für die Technik hat.  Die Affinität  meinerseits für Technik ist durchaus  vorhanden , allein  es fehlt  die Fähigkeit.

 

In punkto Mobilität werde ich mich wohl niemals verbessern, ich bin und bleibe relativ ihm Mobil und kämpfe mich und kullere mich oder Falle so durchs Leben, oder stolpere herum, aber irgendwie komme ich doch immer wieder ans Ziel.

In Schutz nehmen, Verständnis haben


vor einigen Tagen habe ich ein Medikament in der Apotheke abgeholt. Das Medikament, welches mir wegen meiner zirkadianen Schlaf-wach-Rhythmusstörung verordnet wird, ist ziemlich schwer zu beschaffen, weil es  direkt über die Firma bestellt werden muss. Ein einziges Mal hatten wir Glück, da kam es dann schon am nächsten Tag. Normalerweise dauert es mehrere Tage, bis das Medikament in der Apotheke abholbereit ist.

 

Somit bin ich noch am Gründonnerstag extra zum Neurologen gerannt, um das Rezept noch rechtzeitig vor Ostern zu bekommen, denn das Medikament würde in zehn Tagen auslaufen. Ich dachte, zehn Tage sind nun wirklich eine lange Vorlaufzeit, auch wenn Ostern dazwischen ist. Am Mittwoch den 24. April kam ich dann in den Laden, nein, das Medikament sei noch nicht da, wahrscheinlich sei es über Ostern in der Firma liegen geblieben. Am Vormittag des 25.  war es auch noch nicht da. Somit bat ich die Apothekerin, mir doch unbedingt die Nummer dieser Firma zu geben. Ich versicherte michzuvor  nochmals, ob die Apotheke es wirklich auch am 18. bereits an die Firma gefaxt hatte, natürlich, das hätte man doch freilich selbstverständlich auch so gemacht.

 

Als ich dann in der Firma anrief und denen erklärte, dass ich jedes Mal so lange auf das Medikament warten müsste, meinten die, dass sie niemals länger als drei Tage für die Lieferung bräuchten. Sie schaute dann auch nach, da ich ihr die Postleitzahl der Apotheke nannte, und erklärte mir, das Fax sei erst am 23., also am Dienstag nach Ostern gesendet worden. Dann kann natürlich die Bestellung nicht schon am 24. da sein. Ich hatte nur noch zwei Pillen, und das Medikament darf unter keinen  Umständen abgesetzt werden, denn sonst ist der ganze Erfolg dahin, denn die innere Uhr muss dann wieder mühsam neu gestellt werden.

 

Am 25. erhielt ich dann am Nachmittag einen Anruf von der Apotheke, das Medikament sei dar. Obwohl ich noch zwei Pillen hatte, dachte ich, jetzt, da ich so einen Dampf gemacht hatte, muss ich es natürlich auch schnell abholen, sonst denken die womöglich, erst tritt sie uns in den Hintern, und dann will sie es gar nicht abholen. Somit ging ich los und überquerte die etwas gefährliche Kreuzung. Es gibt keine Ampel, die Straße ist auch sehr schmal, aber die Ecken sind nicht im 90° Winkel, sondern die Häuser sind achteckig gebaut, und somit ist alles etwas unübersichtlich. Ich wollte gerade auf den Gehsteig der gegenüberliegenden Seite treten, da hörte ich ein lautes Hupen, und links neben mir merkte ich, dass ein Auto rückwärts fuhr und mich beinahe am Bein berührte. Dann merkte ich, dass die rechte Fahrertür aufging, und ich schrie ganz laut, was fällt Ihnen ein, hier einfach zurückzusetzen, wenn ich noch hinter ihnen bin. Schließlich hatte ich ja meinen weißen Stock dabei. Es wurde nichts gesagt, sondern das Auto fuhr weiter. Da wir in Deutschland keinen Linksverkehr haben, musste das Auto rückwärts gefahren sein, um womöglich aus der Parklücke zu kommen, und statt auf mich zu achten, oder zu schauen, was hinter dem Auto ist, ist man einfach losgefahren. Zum Glück ist nicht viel passiert.

 

Ich ging in die Apotheke  und wurde gleich beim Eintreten mit Hallo begrüßt, wobei ich dann jedes Mal denke, ich sei die einzige Kundin, denn wenn sie noch beschäftigt sind, reden sie ja normalerweise mit der Kundin, die noch dran ist. Ich habe sonst auch niemanden gesehen, weil ich dazu zu wenig Sehvermögen habe. Somit legte ich sofort los und erzählte der Apothekerin, dass ich beinahe angefahren worden wäre, und die Apothekerin erschrak. Dann erzählte ich mit viel Temperament und Vehemenz, dass ich dem Fahrer ordentlich einen mitgegeben hatte, und was ich gesagt habe. Daraufhin meinte dann die Apothekerin auch noch, nun ja, es passt halt nicht jeder auf. Wäre ich schlagfertig gewesen, hätte ich wahrscheinlich gesagt, ach so, na dann, dann kann man das natürlich entschuldigen. Es nützt mir natürlich nichts, auf meinem Recht zu beharren, dass ich Fußgänger bin und einen weißen Stock habe, denn wenn ich tot bin, hilft mir das schließlich auch nicht mehr, wenn auf meinem Grabstein steht, hier ruht Herr Müller, er hatte Vorfahrt. Aber ich kann es ja nun wirklich nicht sehen, daher kann ich hier nicht pragmatisch vorgehen, und einfach denken, die passen nicht auf, daher tue ich es lieber, wenn mir mein Leben lieb ist. Ich bin tatsächlich auf die Aufmerksamkeit der Autofahrer angewiesen. Daher ärgern mich solche Sprüche, dann auch noch den Autofahrer in Schutz zu nehmen. Nun ja, es passt halt nicht jeder auf, wenn Du dann tot gefahren bist, kann man halt auch nichts machen, man könne schließlich nicht von jedem erwarten, dass er immer aufmerksam ist, wenn er gerade den Rückwärtsgang  einlegt.

 

Am nächsten Tag rief dann die betreuende Schwester von der Organisation an, die die Patienten begleitet, welche dieses neue Medikament bekommen. Ich erzählte ihr, dass die Beschaffung des Medikaments zu schwierig ist, denn ich hatte schon am 18. April das Rezept eingereicht, das Medikament ließ so lange auf sich warten, und als ich dann am 25. Recherchen bei der Firma anstellte, hatte sich doch tatsächlich herausgestellt, dass die Apotheke das Rezept erst am 23. dorthin gefaxt hatte. Sie meinte, ihre Firma würde das immer rechtzeitig liefern, das könne keine zehn Tage dauern, aber sie hätte schon häufiger gehört, dass Apotheken das Rezept erst einmal liegen lassen und dann zu spät losschicken, nun ja, das seien halt auch nur Menschen. Schon wieder wurde an mein Verständnis appelliert.

 

Ich sagte, aber die Apotheke weiß, wie schwer das Medikament zu bekommen ist, wie lange es dauert, wie umständlich es ist, wie dringend ich es brauche, und sie haben auch mitgekriegt, wie schwer es mir fällt, dann auch noch kurz vor Ostern zum Arzt zu rennen und dann zu ihnen zu kommen, um das  Rezept abzuliefern, denn die Apotheke kennt mich ja. Da meinte sie dann auch noch, und da erwarten sie dann, dass sie das auch pünktlich tun. Das hörte sich so an, als sei das eine ganz exotische und völlig unbotmäßige und völlig überzogene und befremdliche Erwartung. Ich meinte, natürlich, zurecht. Dann stimmte sie mir notgedrungen zu. Ich finde es fürchterlich, dass ich immer um Empathie und Zustimmung betteln muss.

 

Natürlich haben die anderen eine große Fantasie, sich lebhaft vorzustellen, wie es im Geschäftsleben zugeht, und dass die Menschen nicht immer die Zeit haben, auf spezielle Bedürfnisse von Menschen mit speziellen Einschränkungen einzugehen. Man hat aber nicht die Fantasie, sich vorzustellen, wie schwer es für Menschen mit speziellen Einschränkungen ist, sich diesen Gegebenheiten anzupassen. Somit besteht hier ein Ungleichgewicht. Man will natürlich damit auch zeigen, wie umsichtig und objektiv man ist, und wie viel man vom Alltagsleben und von der Wirtschaft versteht, und man will mich zu einem trotzigen anspruchsvollen Kind degradieren, dass man noch erziehen muss, und dem man die andere Perspektive immer wieder mal aufzeigen muss. Bei richtigen Erwachsenen kann man sich hingegen erlauben, auch mal mit demjenigen mit zu schimpfen und zu sagen, da haben Sie recht, so geht das eigentlich nicht. Bei Kindern meint man, man müsse denen schon noch die andere Seite nahebringen, denn schließlich dürfe man sie nicht zu sehr verwöhnen und müsse ihnen noch was beibringen. Und ich gehöre halt leider mein Leben lang zu den Kindern.

 

Ich weiß durchaus, was man erwarten kann und was nicht, aber ich stehe damit immer ganz alleine da. Auch bin ich kein trotziges und unreifes Kind, das nicht in der Lage ist, die Perspektive seiner Umwelt zu verstehen. Es geht auch bei Leibe nicht darum, dass jemand mir beipflichten möge, dass diese Menschen einfach blöd und unbedacht und rücksichtslos und gemein sind. Es geht aber einfach mal darum, meine Lebensrealität zu würdigen und auch mal Verständnis für meine Seite zu haben, und sich genauso lebhaft und genauso  empathisch in meine Situation hinein zu denken, wie man es auch in die andere Richtung tut.

 

Ich fürchte, wenn mich mal jemand vergewaltigt, würde wahrscheinlich auch noch jemand sagen, nun ja, solche Idioten gibt es eben nun mal  überall, es kann sich ja  nicht jeder zurückhalten, der hatte halt auch mal ein Bedürfnis. Ich hab ehrlich gesagt nicht länger Lust, immer wieder meine eigene Vernachlässigung, Missachtung oder schlechte Behandlung verstehen zu müssen.

 

Als mich einmal jemand ganz rüde zur Seite stieß und mich auch noch anschrie, pass doch gefälligst auf, lass mich halt vorbei, oder als jemand mich zur Seite schubste mit den Worten, oh Mann, geht das nicht schneller, sagen meine Begleiter immer, ich müsse das doch verstehen, es könne doch nicht jeder mit Behinderten umgehen. Dass man das generell bei Menschen nicht tut, ob sie nun behindert sind oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Meine Assistentin erklärte mir, ihre Freunde fänden es merkwürdig, dass sie einen Beruf ergriffen hätte, wo man mit Behinderten arbeitet, denn schließlich könne das nicht jeder. Ich sollte also doch verstehen, dass Behinderte für andere Menschen etwas Fremdes sein, und dass andere daher manchmal ein Verhalten an den Tag legen würden, dass eben nicht angemessen sei, und nicht jeder wisse doch, wie man mit behinderten umgeht Nicht jeder  sei halt so sensibel. .

 

Bei mir ist wirklich das Ende der Geduld erreicht. Und ich möchte eben auch, dass meine Perspektive gewürdigt wird, was nichts mit Parteilichkeit sondern mit absoluter Neutralität zu tun hat. Unter dem Deckmantel der Neutralität wird mir meistens jegliche Empathie verweigert und  prinzipiell  nur die andere Seite  in Schutz genommen,  so  a  la  advocatus diaboli.

 

Wenn ich zu einer Freundin sage, wie schwierig ist das für mich, wo sich jetzt wieder die Geldautomaten geändert haben, damit klarzukommen, wollte ich ihr lediglich meine Lebensrealität schildern.  ich wollte einfach nur ihr Mitgefühl und ihre Empathie, was jetzt wieder viele Zeitgenossen als Mitleidheischen auffassen. Das tut nämlich auch manchmal gut. Und es zeigt den anderen auch, dass sie manchmal einfach auch nicht wissen, dass bei unsereinem vieles an ganz vielen Kleinigkeiten hängt. Mir hätte es gereicht, wenn sie einfach nur gesagt hätte, Mensch, da sieht man mal, an was das alles hängt, und was ihr alles zu beachten habt, das  können wir uns oft gar nicht vorstellen… . Stattdessen hielt sie mir dann einen Vortrag darüber, dass die Informatiker es einfach noch nicht geschafft hätten, alle Automaten umzustellen, und die hätten doch auch eine Freizeit, und einen Alltag, und die könnten doch auch nicht alles machen, und ich müsse das doch verstehen. Sie wollte mir natürlich damit zeigen, wie Welt gewandt sie ist, und was sie alles aus dem Arbeitsleben weiß, und wie viel Einblick sie in die Vorgänge von Softwareentwicklung hat, wer weiß, ob das so stimmt. Ich stand da und meinte, ich möchte doch einfach nur Dein Mitgefühl haben, aber ich habe nicht ihr Herz erreicht. So geht dass mir häufig, ich glaube, das Herz des Lesers würde ich damit auch nicht erreichen, weil das mehr so wirkt, als ob ich jammern würde. Einmal  tröstend in den Arm genommen  zu werden hätte mir  gereicht.

 

Natürlich ändert sich dadurch nichts, wenn mir andere sagen, ja, das ist schwierig, aber es tut einfach mal gut. Außerdem weckt es auch das Bewusstsein der anderen, wo wir Probleme haben, und wo vielleicht einige Dinge geändert werden müssten. Es gibt auch einen Einblick in unseren Alltag, wodurch vielleicht manche sich dreimal überlegen, ob sie sich jetzt schon wieder vor mich hinstellen und darüber jammern, dass sie schon wieder eine neue Lesebrille brauchen. Oder es gibt vielleicht auch einen Einblick darin, welche Anstrengungen jemand mit Behinderung vollziehen muss, und dass es vielleicht daher nicht immer angebracht ist, mir einen Vortrag darüber zu halten, dass man doch etwas geduldiger, gelassener  und stärker sein müsse, und dass man doch auch manchmal flexibel sein müsse und Dinge hinnehmen müsse, denn genau das tun wir ja schließlich  schon den ganzen Tag. Genau das möchte ich hier mit diesen Beispielen belegen, damit andere auch sehen, wir sitzen nicht nur faul da und lassen uns bedienen und jammern über unser Schicksal, sondern wir müssen den Löwenanteil der Anpassung  und  der Alltagsbewältigung  eigentlich  noch immer  alleine leisten. Das gilt auch dann, wenn ich erzähle, das vor meinem Haus eine riesengroße Baustelle ist, und es für mich nahezu gefährlich ist, den anderen Weg über die Straße zu nehmen. Die meisten erklären mir dann aber, dass sie auch eine Baustelle vor der Haustür hätten, und dass das einfach lästig ist. Es hätte mir einfach mal gut getan, wenn ich mal jemanden gehabt hätte, der mir einfach mal sagt, ich glaube Dir schon, dass das schwierig ist, wenn man nicht sieht. Das hat nichts mit bemitleiden oder Bedauern zu tun, sondern einfach nur damit, die Schwierigkeiten und Herausforderungen eines anderen Menschen zu würdigen und anzuerkennen und seine  Ungeduld  oder  Ungehaltenheit  über permanente   im Alltag Überforderung  auch mal  in einem anderen Licht zu sehen.

 

Fakt ist aber nun mal, dass wir uns der Gesellschaft anpassen müssen und nicht umgekehrt, denn ich brauche die anderen, die anderen brauchen aber mich nicht. Drum muss ich die anderen verstehen aber nicht umgekehrt. Daher soll ich eben Verständnis für unachtsame Autofahrer haben, oder ich muss verstehen, dass andere eben auch nur Menschen sind, wenn sie sich nicht um die Lieferung meiner Medikamente kümmern, auch wenn sie wissen, dass das mit Folgen für mich verbunden ist. Und genauso muss ich halt auch Verständnis haben, dass es Menschen gibt, die Berührungsängste mit Behinderten haben, und einen deswegen den ganzen Tag anfassen, ohne Vorwarnung am Arm ziehen, beiseite schieben oder in die Seite knuffen, wenn sie nicht schnell genug vorbeikommen.

 

Das ist dann wohl mein  Grad von Reife, meine Empathiefähigkeit, meine Lebenserfahrung oder mein Einblick in die Welt, dafür  immer  Verständnis  zu  haben.  Alles andere wäre unreif, unbotmäßig, trotzig, überzogen , unflexibel, egoistisch, exzentrisch , egozentrisch und uneinsichtig. Und diese Eigenschaften muss man bei mir einfach mal endlich  weg erziehen, indem man mir immer wieder die Perspektive der anderen klarmacht. Und ich soll dazu  natürlich dann auch noch verstehen, dass die anderen sich wiederum  natürlich  nicht in meine Perspektive hinein denken können, dass ihnen die Zeit fehlt sowie das Einfühlungsvermögen und die Sensibilität. Denn man braucht schon eine gehörige Portion an Sensibilität, damit man jemanden nicht einfach beiseite schubst oder sich mitten im Gespräch  ohne  Vorwarnung  mal eben wegdreht und abwendet, weil man daran denken muss, dass der Blinde  ja nicht merkt , wenn man geht, während er noch seelenruhig  weiter spricht. Und schließlich, wie man mir immer wieder sagt, ganz und hundertprozentig kann man einen anderen ja sowieso nie verstehen, und genau das ist der Grund, weshalb ich dieses Verständnis und Einfühlungsvermögen und diese hohe Sensibilität mir gegenüber nicht erwarten darf. Zehn Prozent würden  mir auch schon reichen.

 

Mir hat mal ein Arzt gesagt, ich hätte eine zu hohe Erwartung in die Welt, ich hätte ein verschobenes Weltbild, und ich müsse das ändern. Leider hat das bisher noch keinen Erfolg gezeitigt.

Donnerstag, 25. April 2019

Voller Durchblick

nachdem ich ja durch meine Star-Operation und auch durch den Laser des Nachstars jetzt die endgültige Sehschärfe bis auf weiteres erreicht habe, habe ich beschlossen, seit längerer Zeit mal wieder eine Brille zu tragen. Vor meiner Dialysezeit trug ich noch eine Brille, aber da ich sowieso sehr häufig nur im Bett herum lag oder eben sowieso durch das starke Augen flimmern nicht mehr viel sah, habe ich keine Notwendigkeit und keinen Nutzen mehr  darin gesehen, eine Brille aufzusetzen. Durch die Verschlechterung meiner Augen über die letzten  10 Jahre hinweg hatten sich die Stärken sowieso überholt. Daher mussten wir neue Gläser anpassen.
 
Zunächst einmal ging ich zu meiner Augenärztin, um mir zum einen die Stärke für meine normale Fernbrille und zum anderen dann auch dieselbe Stärke für meine Sonnenbrille ermitteln zu lassen. Aufgrund meiner Sehbehinderung bekomme ich Kantenfiltergläser von der Kasse, besser gesagt ein Teil davon wird übernommen, da ich aufgrund meiner Netzhautdegeneration ein schlechtes Kontrastsehen habe, und die Netzhaut soll auch gegen UV-Strahlen geschützt werden. Die alte Sonnenbrrille, die noch vollständig von der Krankenkasse übernommen wurde, war natürlich längst obsolet geworden, aber ich trug sie immer noch, denn sie war sehr teuer, das war mir bewusst, und mir war klar, dass die Kasse dieses Mal vielleicht gar nichts und wenn, dann nur einen kleinen Teil dazu zahlen würde. Als mir einmal mein Ex die Brille putzte, brach sie ihm plötzlich mitten durch, das war mein Glück, denn so zahlte die Haftpflichtversicherung ein neues Gestell, und wir konnten die alten Gläser in das etwas kleinere Gestell ein fassen lassen. Somit konnte ich die Brille noch über Jahre hinweg retten. Hätte ich die Brille selbst geputzt, hätte mich das 60 EUR gekostet, so zahlte ihm seine Haftpflicht. Das war mein Glück.
 
Meine alte Brille für den Computer setzte ich ab und zu noch auf, da ich jetzt, nachdem der graue Star nun auch aus meinem besseren Auge entfernt wurde, am Bildschirm und auch am Lesegerät wieder etwas erkennen konnte. Ich dachte, sie würde mir noch eine Weile nutzen bringen, aber das war falsch. Die Optikerin, zu der mich meine Augenärztin schickte, bzw. diese mir empfahl, meinte, dass das Gestell schon ziemlich verbogen sei, und die Gläser hätten zu viele Kratzer.
 
So sollte ich drei neue Brillen verordnet bekommen, einmal eine Arbeitsbrille, wobei das Wort  „Arbeitsbrille“ irreführend ist, denn eine Arbeitsbrille wird nicht von der Kasse bezahlt und auch nicht deren Anpassung. Computerbrille würde wieder heißen, dass sie computergesteuert wäre, aber sie soll ja nur zum Arbeiten am Computer dienen. Nun nenne ich sie eben Lesebrille für den Computer. Dann sollte ich noch eine Alltagsbrille , also eine normale Brille für die mittlere Ferne bekommen. Auch hier wollten wir dann leichte Kantenfilter einbauen.
 
Zunächst einmal schaute ich durch die Sonnenbrille, ich glaubte zunächst, dass mir  eine Verdunkelung von 70 % reichen würde, denn als ich sie das erste Mal ausprobierte, war es gerade ziemlich  düster , es lag sogar Schnee, als ich nach einer Stunde den Laden der Optikerin verließ.
 
Sie zeigte mir mehrere Modelle der Sonnenbrille, und diese hatten auch Seitenschutz, damit die Sonnenstrahlen eben auch von da nicht eindringen und spiegeln oder blenden konnten. Ich fand, dass das ziemlich komisch aussah, daher wollte ich eine Brille mit möglichst schlankem Gestell. Es stellte sich aber später heraus, dass durch meine zahlreichen Operationen an der Nase diese so empfindlich geworden war, dass wir eine Brille nehmen mussten, deren Gestell mehr auf den Ohren lastete. das Modell, das ich mir dann aussuchte, ist aber trotzdem noch recht schön. Als ich nämlich das zweite Mal kam, schien die Sonne gerade so stark, dass wir feststellten, dass ich doch eine Verdunkelung von 80 % nötig habe.
 
Die Augenärztin hatte versucht, die Stärke meiner Computerbrille bzw. Lesebrille für meinen Computer Arbeitsplatz zu ermitteln, aber sie hatte nicht die nötigen optischen Voraussetzungen. Sie projizierte einfach nur irgend welche Zahlen an die Wand, die ich noch nicht einmal finden konnte. Sie hatte nicht die Zeit oder nahm sie sich in diesem Fall nicht, um länger zu probieren, bis ich wirklich etwas sah, und so sagte sie, die Optikerin kann das auch machen. Ich dachte, dass die Optikerin dann auch eine Negativdarstellung anbieten konnte, da ich am PC meistens mit einer inversen Darstellung der Schrift arbeite. Auch mein Lesegerät war so eingestellt, dass die Schrift weiß und der Hintergrund schwarz ist.
 
In einer Sitzung bei der Optikerin schafften wir nur das linke Auge, denn sie musste mir so viel Gewicht auf die Testbrille setzen, dass meine empfindliche Nase fast zerquetscht wurde. Daher meinte sie, dass wir das andere Auge, mit dem ich fast sowieso nicht schaue, beim nächsten Mal machen.
 
Es bedurfte mehrerer Besuche, bis wir dann endlich die Stärke der  Bildschirmarbeitsplatzbrille ermittelt hatten.
 
Bei meinem zweiten Besuch bei der Augenärztin hatte ich die alte Brille für den Computer dabei, und ich fürchtete, dass die Sprechstundenhilfen auf das Rezept für die Fernbrille dann versehentlich womöglich die Stärke der alten Computerbrille drauf schreiben würden, daher versicherte ich mich mehrmals, welche Stärken drin waren. Viel Auskunft gaben sie mir nicht, sie behaupteten, die Augenärztin hätte die Stärke der alten Computerbrille sowieso wieder gelöscht, da sie nicht mehr relevant sei. Zuerst hatten die Sprechstundenhilfen mir  nämlich gesagt, hier ist ihr Rezept, und als ich sicherheitshalber nachfragte, stellte sich zum  Glück  gerade noch rechtzeitig heraus, dass sie  mir ein Rezept für eine  PC-Brille mitgeben wollten.  Daraufhin sagte ich, nein, es muss unbedingt das Rezept für die normale Alltagsbrille sein. Drum war ich dann vorsichtig, dass sie auch wirklich die richtigen Stärken eingetragen hatten. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas verwechselt wurde, und dass sie  womöglich  auf das Rezept  für die Fernbrille  die  Stärken der alten  PC-Brille  daraufgeschrieben haben  könnten.   Als ich dann bei der Optikerin war, stellte sich zumindest heraus, dass sie zwar die Stärken der Fernbrille notiert hatten, aber das linke mit dem rechten Auge verwechselt hatten. Somit musste die Optikerin noch mal bei der Augenärztin anrufen, um ein korrektes Rezept zu bekommen, um mir die Rennerrei dorthin zu ersparen.
 
Endlich hatten wir alle Stärken beisammen, nachdem ich für das andere Glas der  neuen  PC-Brille noch mal bei der Optikerin war, wo wir  nicht ganz fertiggeworden waren, weil  der  Test so anstrengend war. Dabei suchten wir dann auch schon die Gestelle für die Brillen aus.
 
Die Optikerin meinte, dass die Brille für den Computer Arbeitsplatz recht günstig werden würde, da sie Sonderangebote für Gestelle mit Stärken hätten, und der käme ich auf höchstens 99 EUR. Als ich dann tatsächlich die Brille aussuchte, schlug sie mir ein Gestell mitsamt der Gläser für über 200 EUR vor. Ich erinnerte sie dann noch mal an dieses Sonderangebot, sie meinte, meine Gläser seien zu dick, das wäre zu schwer für mich. Dann aber fand sie doch ein Gestell, in das dann bestimmte Kunststoffgläser passten, die dann doch wieder für mich geeignet waren. Ganz verstanden hatte ich das nicht, aber jetzt kostete mich der ganze Spaß nur noch 150 EUR. Damit war ich dann schon zufrieden. Für die Brille am Computer Arbeitsplatz wollte ich kein schönes Modell, ich wollte nur eines, das gut auf der Nase sitzt, das nicht drückt, wenn ich die Kopfhörer noch mit Aufsätze, damit ich meine Sprachausgabe hören kann, und dass so bequem ist, dass ich länger am PC arbeiten kann. Damit würde ich nicht das Haus verlassen, daher wäre der modische Aspekt vollkommen zu vernachlässigen.
 
Bei der Fernbrille hatten wir uns für einen Kantenfilter von 450 nm entschieden, das bedeutet, dass das Licht bis zu einer Wellenlänge von 450 nm nicht durchgelassen wird, sondern erst ab 450 nm. Es muss also ein länger welliges Licht sein, da das kurzwellige Licht der Netzhaut schadet, und da der Kontrast dadurch gemindert wird. 450 nm gibt ungefähr einen gelblichen Ton. Somit suchten wir ein bräunliches Brillengestell aus, und das entspricht der heutigen Mode. Ich dachte erst, eine Hornbrille wäre vielleicht altmodisch, denn ich assoziierte Hornbrillen meistens mit irgendwelchen alten Professoren aus alten Schwarzweißfilmen, oder ich fürchte, ich würde dann aussehen wie Zimmermann von Aktenzeichen XY. In den siebziger Jahren hatten die Menschen richtig scheußliche Hornbrillen, und ich wurde während meiner Schulzeit in  den Achtzigern laufend für meine hässliche Brille aufgezogen. Das war damals noch ein Kassengestell, es sah auch dementsprechend aus. Eine Metallbrille würde aber wieder zu sehr auf der Nase drücken, denn der Teil, der auf der Nase sitzt, ist beweglich , wohingegen bei einer Hornbrille der Teil, der auf der Nase sitzt,fest an der Brille angebracht ist, und das Gewicht mehr auf den Ohren lastet. Im Moment läuft jeder mit einer Hornbrille nach dem gleichen Schnittmuster herum, aber ich finde, dass sie mir trotzdem sehr gut steht. Zumindest ist sie nicht altmodisch. Die Bügel sind aus Metall, ihre Farbe ist in einem Goldton gehalten, und in der Mitte  jedes Bügels ist ein grüner Streifen. Dass sieht besonders schön aus.  Es hätte auch ein gelbes Gestell gegeben, dass nahezu durchsichtig ist, dann hätte man das Gestell wegen der gelben Gläser überhaupt nicht mehr gesehen. Es hätte ausgesehen, als hätte ich einfach nur die Gläser auf der Nase. Aber das hat mir nicht so sonderlich gefallen. Es gab auch noch eineckiges Gestell mit orangefarbenen Bügeln, aber sie meinte, das sei nicht mehr modern, weil ich glaubte, das sei vielleicht besonders originell. Aber das hätte genauso auf der Nase gedrückt wie ein Metallgestell, und sie meinte, das wichtigste sei, dass meine empfindliche Nase nicht zu sehr in Anspruch genommen würde.
 
Die Computerbrille, also die für den Arbeitsplatz am Bildschirm, ist in einem Ton aus Silber weiß gehalten,  Das steht mir zwar nicht sonderlich, aber sie soll ja nur nützlich sein und nicht schön.
 
Wir waren dann sehr glücklich, als wir erfuhren, dass die Krankenkasse zu jeder Brille 128 EUR dazu zahlt, für die Computer Arbeitsplatzbrille würde ich  23 EUR kriegen. Für mich war dann noch eine stolze Summe zu bezahlen, die ich hier lieber nicht nennen möchte, aber es waren zumindest keine 1000 EUR.
 
Es dauerte dann eine Weile, bis alle Brillen beisammen waren, denn ich wollte nicht für jede Brille einzeln zum Optiker, da die Fahrt dorthin ziemlich lang war, und ich sogar einmal die Straßenbahn wechseln musste. Die Straßenbahnen sind so getaktet, dass die eine kommt, und ich dann hinten einsteigen muss, damit ich so schnell wie möglich um das Hinterteil der Straßenbahn herumrennen und in das Hinterteil der anderen Straßenbahn rein springen kann.  Denn die beiden  halten  jeweils  auf den gegenüberliegenden  Gleisen  Arsch  an Arsch. Anders kann man es nicht ausdrücken. Außerdem wird mir das Taxi dorthin nicht bezahlt, denn der Bezirk zahlt nur Fahrten für die Teilhabe am Leben, und der Kauf einer Brille gehört da nicht dazu.
 
Ich wurde nämlich ermahnt und musste 20 EUR zurückzahlen, da ich mit dem Behindertentaxi  zum Sanitätshaus gefahren war, um dort meine Einlagen abzuholen.  Ich wusste nicht, dass das nicht zu dem Umfang gehört, für den die Taxischeine zur Verfügung stehen. Ich hätte ja dort auch  Sandalen oder etwas praktisches für die Küche kaufen können.  Denn von einem Sanitätshaus habe ich zum Beispiel auch eine Antirutschmatte für Menschen mit einem Arm, da man als Blinder dann seinen Teller drauf stellen kann, wenn man etwas schneiden will, und man muss den Teller nicht mehr festhalten und hat somit eine Hand frei. Dies hat mir ein anderer blinder empfohlen. Obendrein war ich dann damals auch noch erfolglos gewesen, denn obwohl ich bei dem Sanitätshaus angerufen hatte, um mich wegen der Öffnungszeiten zu vergewissern, hing ein Zettel an der Tür, wegen Schulung geschlossen. Daher hatte ich denen dann einen ziemlich verärgerten Brief geschrieben und gesagt, sie müssten jetzt die Einlagen zu mir nach Hause bringen, denn ich sei umsonst dorthin gefahren. Wäre ich ein zweites Mal hin gefahren, hätte ich dann 40 EUR an den Bezirk zurückzahlen müssen. Außerdem war die Fahrt dorthin  am letzten Tag  der Karte, ehe  die Kilometer verfallen und die neue  Karte angefangen werden würde.  Ob nun also 140 oder 139 km übrig bleiben, wäre dann eigentlich egal gewesen, aber es geht halt ums Prinzip.  Z Ob man  seine  verordneten Einlagen  abholen darf oder nicht, ist Ermessenssache, der Fall ist grenzwertig, aber bei dem einen wird so entschieden, bei dem anderen ebenso. Mehr sage ich dazu nicht.
 
Zum Glück ist die Haltestelle beim Optiker fast vor der Türe, und die Optikerin brachte mich auch jedes Mal dorthin.
 
Dann war es also soweit, und ich konnte die drei Brillen abholen. Ich bekam auch einige Brillenetuis von ihr geschenkt,  eines hatte ich mir gekauft, ein wunderschönes rotes, es sieht fast aus wie eine Schlangenhaut, und es ist viel hübscher als alle anderen. Das  Etui für die Sonnenbrille sieht aus wie ein Etui für einen Damenrevolver oder wie ein Geigenkasten für eine  Kindergeige, zumindest ist es jedes Mal richtig peinlich, dieses Riesentrumm , das  wie ein Hundsknochen  geformt  ist, aus der Tasche zu ziehen. Wenn ich die Sonnenbrille aufsetze, verheddern sich jedes Mal die Bendel, die ich daran machen ließ, damit ich die Brille auch mal nach unten hängen lassen kann, wenn ich in den Schatten komme. Somit hat man immer Nachteile, die Decke ist immer entweder zu kurz, oder sie ist zu schmal. Man kann sich also aussuchen, welches Problem man haben will.  Entweder, ich muss permanent die Brillen wechseln, oder ich lasse sie um den Hals baumeln, aber bei jeder Gelegenheit verheddern sich die Bendel. Einen Tod muss man eben sterben.
 
Die Optikerin  sagte   Mir, dass die Alltagsbrille einen Kratzer hätte, der in der Werkstatt versehentlich hineingekommen sei, man wolle mir die Brille aber schon einmal geben, damit ich nicht so lange warten müsste, ich sollte aber irgendwann noch mal kommen, um das Glas auszutauschen, das würde noch mal 1 Stunde dauern. Es gab damals eine Aktion, wenn der Auftragswert über 500 EUR liegt, bekommt man 100 EUR erlassen. Da die Krankenkasse einen Teil übernommen hatte, kam ich aber nicht über den Auftragswert pro Brille. Der Auftragswert änderte sich eigentlich nicht, aber der Teil, den ich zahlen musste, wurde weniger. Man kann  sich jetzt trefflich darüber streiten, was dann gilt.  Die Brillen  übergreifend war die Summe wesentlich höher als 500 EUR, aber es hieß, nein, es gilt pro Brille, daher könne man da nichts machen. Das fand ich sehr schade, denn ich hatte ziemlich viel Geld dort gelassen, wenn man noch den Teil mit berechnet, den die Krankenkasse übernommen hat. Aber die Optikerin hatte sich sehr viel Zeit genommen, und die Ermittlung der Stärken, der Form, der Kantenfilter und aller anderen Dinge hatte sehr viel Zeit in Anspruch genommen. Jetzt warte ich noch auf den Anruf wegen des Austausches des einen Glases. In der Zwischenzeit kann ich dann einen Kaffee trinken gehen, da ist nämlich auch mein Lieblingsbäcker. Leider ist schon wieder die  letzthin  erst  eingesetzte Teilkrone herausgebrochen, und der Zahnarzt ist genau neben an, sodass ich viele Anlässe habe, beim Lieblingsbäcker Brot und andere Leckereien zu holen. Das ist aber nicht der Grund für die Krone. Obwohl es ein gutes Geschäftsmodell wäre, der eine macht die Löcher in die Zähne, der andere füllt sie dann wieder.
Die Brillen sehen wirklich sehr schön aus, die Sonnenbrille und die normale Fernbrille sind wirklich sehr modisch. Die Brillenetuis sind es zwar nicht, aber das ist ja egal.
 
Als ich die Brille für den Computer Arbeitsplatz das erste Mal aufsetzte, war ich erstaunt, wie viel ich auf einmal sehen konnte. Meine Augen mussten sich doch in den letzten Jahren sehr stark verschlechtert haben, und mir war gar nicht klar, wie nötig ich diese Brille schon längst gehabt hätte. Ich dachte, mehr als mit der alten Computerbrille wäre sowieso nicht heraus zu holen, und ich war erstaunt, wie viel mehr ich jetzt mit der neuen  Bildschirmbrille sehen konnte. Die Gläser sind dicker als das Gestell selbst, aber sie ist nicht sehr schwer. Jetzt macht es auch wieder Sinn, mir mein Vergrößerungsprogramm auf den neuesten Stand bringen zu lassen, und ich habe jetzt Windows 10 heruntergeladen.
 
Das Update  zum Vergrößerungsprogramm kaufe ich mir selbst, und dann kann ich ja wieder mit der Maus arbeiten. Die Sprachausgabe wird auf Windows 10 aktualisiert, das übernimmt die Krankenkasse, und ich bekomme noch ein Texterkennungsprogramm, denn mein altes OCR-Programm funktioniert nicht mehr richtig. Gerade als meine spanische Freundin da war, deren Einverständniserklärung und Aufklärungsbogen für ihre OP wir gerade einscannen wollten, um ihn ihr dann zu übersetzen, streikte das Programm. So musste sie mir mit ihren nicht vorhandenen Deutschkenntnissen  den deutschen Text buchstäblich buchstabieren, um es mal blöd auszudrücken. Das nahm sehr viel Zeit in Anspruch, aber merkwürdigerweise ging danach das Texterkennungsprogramm auf einmal  doch wieder. Es ist sozusagen ein OCR Programm, wobei ich einen Text durch den Scanner ziehen und hinterher lesbar machen und in PDF umwandeln kann Es schadet aber nichts, mal die  aktuelle  Version  zu haben . Außerdem habe ich ja noch ein Spracherkennungsprogramm, dass ich mir selbst gekauft und auf den neuesten Stand gebracht habe, aber das streikte dann, nachdem wir auf Windows 10 gegangen sind. Nach mehrmaligem installieren und deinstallieren und wieder installieren hat es aber dann doch funktioniert. Es gibt Skripte, mit deren Hilfe das Vorleseprogramm und die Sprachausgabe zusammenarbeiten, das bedeutet,  wenn ich etwas diktiere, wird es mir dann über die Kopfhörer wieder ausgegeben, sodass ich weiß, was das Spracherkennungsprogramm geschrieben hat. Man könnte dann auch Lesekommandos geben wie zum Beispiel: lies die letzte Zeile, lies das letzte Wort, lies  den letzten Absatz. Ich hoffe, dass dann einiges erleichtert wird, auch dies muss ich selbst bezahlen, denn man kann ja nicht alles von der Kasse kriegen. Dann bin ich aber mit meiner Braille Zeile, dem Vergrößerungsprogramm und der Sprachausgabe so gut wie möglich ausgestattet, wobei dies natürlich keine wirklichen und gesunden Augen ersetzen kann. Vielleicht wird aber dann einiges etwas leichter, allerdings ist dann der Computer auch wiederum überfordert, sodass ich nicht alle drei Programme gleichzeitig laufen lassen kann. Ich muss dann immer daran denken, das Vergrößerungsprogramm auszuschalten, wenn das Texterkennungsprogramm läuft, denn die beiden kommen sich laufend in die Quere.
 
Wenn ich all diesen technischen Aufwand dann hinter mir habe, hoffe ich, dass ich dann den bestmöglichen Durchblick haben werde. Mit den Brillen bin ich sehr zufrieden, auch mein Mobilitätslehrer hat festgestellt, dass ich jetzt wesentlich besser zurecht komme, und dass sie mir schon etwas bringen. Ich kann jetzt Dinge erkennen, die ich vorher nicht gesehen habe, am Fernsehen kann ich Gesichter erkennen, am PC kann ich jetzt auch mal einen Brief etwas weiter lesen und nicht nur den Anfang, und ich kann mich in meiner Umgebung besser orientieren. Durch die Kantenfilter habe ich einen höheren Kontrast, und durch die Brillenstärke habe ich eine Besserung meines Sehens.  Da ich jetzt mehr Input habe, ist auf dem besseren  und dominanteren Auge  auch das Flimmern  etwas besser  geworden. Dann warte ich noch, was die technische Aufrüstung meines Computers bringen wird. Ich hoffe, dass ich damit dann genauso zufrieden sein werde wie mit den  neuen Brillen.