Freitag, 14. Juli 2017

Sieben Schritt pro Woche

Schon länger hatte ich mich ja mit dem Gedanken getragen, aus meiner Wohnung auszuziehen. Kurz gesagt war sie schön genug, die letzten 18 Jahre darin zu leben, aber sie ist mit Sicherheit nicht schön genug, den Rest meines Lebens dort zu verbringen. Die Zimmer hängen hintereinander, der Flur ist sehr klein, sodass man vom Treppenhaus aus schon ins Wohnzimmer schauen kann. Das Bad ist sehr winzig, die Küche ist für eine kleine Person wie mich geeignet, aber sobald eine zweite Person darin ist, müssen wir absprechen, wer etwas holt und wer nicht. Wenn ich zum Beispiel jemandem etwas geben möchte, muss dieser erst aus der Küche raus, sodass ich an die schränke kann, um das zu finden, was der andere sucht. Die Fenster sind relativ hoch aber erstrecken sich über die gesamte Breite der Wohnung, was etwas nach Büro oder nach Keller Wohnung aussieht. Auch ist das nächste Fenster erst die Balkontüre, die sich genau am gegenüberliegenden Ende befindet. Der mittlere Teil der Wohnung, sozusagen der Wohnbereich mit der Wohnlandschaft ist daher immer im Dunkeln, es sei denn, ich lasse die ganze Zeit das Licht brennen. Der Vorteil daran ist natürlich, dass man die Musik oder den Fernseher überall hört, da ja alle Zimmer zusammenhängen. Die Wohnung selber ist in einem ordentlichen Zustand, doch hat sie von sich aus wenig Charme , man musste sehr viel hinein stellen, damit sie gemütlich gemacht werden konnte. Dadurch, dass sozusagen der mittlere Teil ein Durchgangszimmer ist, befinden sich im Wohn- Esszimmer drei Türen, eine zum Schlafzimmer, eine zum Flur und eine in die Küche, die auch noch seitlich daran hängt. Die Küche hat aber ein Fenster, was ich sehr begrüßt habe. Das Bad hat leider kein Fenster, sodass zum Beispiel die Siliconfugen rund um meine Dusche irgendwann mit der Zeit schimmelig wurden. Ich habe daher vorsorglich immer die Badetür offen gelassen. Meine Gegend war zu Anfang, als ich dort einzog, sensationell, sodass sogar ein Bericht darüber in der Zeitung stand, dass in dieser Wohngegend und besonders in der Hauptstraße des Wohnviertels extrem viele Geschäfte vorhanden sind. Nach und nach schlossen diese Läden, die teilweise einzelnen Besitzern oder einzelnen Handwerkern gehörten. Es kamen immer mehr Handyläden, Dönerboden, Internetshops, Schmuckläden, Sonnenstudios, Tattoostudios und alles das, was kein Mensch braucht. Als der Schlecker zu machte, gab es dann auch keine Drogerie mehr. Der schöne Obstladen, der weiter weggezogen ist, wurde durch eine Pizzakette und eine weitere Dönerbude ersetzt. Die Dönerbuden und Gaststätten haben überall ihre Stühle draußen, dies verleiht zwar dem Viertel ein südländisches Flair, doch für blinde, die dann laufend um die Stühle herum eiern müssen oder darüber fallen, ist dies denkbar ungeeignet. Es gibt zwar noch zwei Supermärkte, doch ein größerer Discountladen ist leider weggezogen, dort ist jetzt eine Ladenkette , die mit Sicherheit ihre billigen Klamotten mit Kinderarbeit in Indien oder Bangladesch anfertigen läßt. Ich wollte außerdem auch in eine Wohnungsbaugenossenschaft, da ich feststellte, dass private Vermieter häufig weiter weg wohnen, und man sie schlecht erreicht, wenn es ein Problem gibt. Es hat sich auch häufiger mal die Kontonummer geändert, sodass ich sogar eine Zeit lang einen Hinterlegungsantrag für die Miete beim Amtsgericht machen musste, und das, obwohl ich gerade erst frisch transplantiert aus dem Krankenhaus kam. Wenn ich zur Hausverwaltung ging, wurde ich an den Vermieter verwiesen, da nur ein Vermieter z.B. die Anfertigung weiterer Schlüssel oder den Austausch eines Schlosses veranlassen dürfen, wohingegen dann wiederum der Vermieter mich wieder zur Verwaltung schickte. So zogen sich einige Dinge ziemlich lange hin. Die Gegend, in der ich wohne, ist insgesamt die nicht ganz so gute Seite der Stadt, und ich bin häufiger einmal auf der anderen Seite, wobei es dort noch echte Bäcker gibt, also keine Ketten, zumindest mehr als bei uns, und wo es auch ziemlich urige und gemütliche Häuser gibt. In dieser Gegend gibt es auch wesentlich mehr Cafés oder Kneipen, wobei es aber auch in meiner Gegend schon ziemlich viel gibt, wo man abends hingehen kann. Zwei Leute von der Dialyse, mit denen ich mich ab und zu noch treffe, gehen immer zusammen mit mir in ein wunderschönes alteingesessenes Café auf dieser schönen Seite der Stadt, wo uns die ältere Bäckerin immer freundlich begrüßt, immer lustig und gut gelaunt ist und all ihre Kunden gut kennt. Dann kommt noch eine der Metzgerrinnen dazu, die sich auch mit an den Tisch setzt, und auch hier habe ich sehr häufig schon eingekauft. Allerdings haben auch wir in unserem Teil einen der besten Metzger der Stadt zur Verfügung. Mich hat aber besonders die schöne Atmosphäre dieser Gegend angelockt, und ich dachte, obwohl diese Gegend natürlich etwas teurer ist, wäre sie mir vielleicht wesentlich sympathischer. Ich hatte schon immer von einer Wohnung geträumt, wo der Flur sich durch die ganze Wohnung zieht, und die Zimmer links und rechts vom Flur abgehen, und ich wollte schon immer ein Bad mit Badewanne. Nun habe ich einen zauberhaften Balkon, den ich mir auch wunderschön eingerichtet habe, und der mir sozusagen als sommerliches Wohnzimmer dient. Wenn ich Besuch habe, ist es am Abend wunderschön, bei Kerzenlicht draußen zu sitzen, da ich mir den Balkon wunderschön dekoriert habe, und ich hatte mir erst für einiges Geld eine schöne Blumenbank von einem Schreiner anfertigen lassen, den ich gut über den Tauschring kenne, daher war es nicht ganz so teuer. Man hat aber meistens nur eine Sache, entweder Badewanne oder Balkon, zumindest in meiner Preisklasse. Da ich beim Wohnungsamt gemeldet war, aber von dort noch nie irgendeine Wohnung vorgeschlagen bekam, beschloss ich nun, mich selbst bei einigen Wohnbaugenossenschaften anzumelden. In meiner Gegend gibt es eine Siedlung einer Wohnbaugenossenschaft, die hauptsächlich Wohnungen in diesem Teil der Stadt anzubieten hat. Besonders rund um eine bestimmte U-Bahn Haltestelle häufen sich diese Wohnungen, und ich hatte einmal dort negative Erfahrungen gemacht, als ich an dieser U-Bahn Haltestelle ausstieg und von einem merkwürdigen Mann auf einen Kaffee eingeladen wurde, der mir nicht ganz geheuer schien. Mein früherer Zahnarzt war auch in dieser Gegend, wobei das Haus, wo er seine Praxis hatte, ein wunderschöner Altbau war. So hatte ich am wenigsten damit gerechnet, ausgerechnet bei dieser Wohnbaugenossenschaft etwas zu finden. Jedoch schon nach drei Wochen kam ein Angebot, und man musste sich entscheiden, ob man sich zumindest die Wohnung ansieht, sonst würde man komplett von der Liste genommen, wie es auch bei einigen anderen Wohnbaugenossenschaften üblich ist. So setzte ich mich mit der Mieterin über Handy in Verbindung, um mir die Wohnung anzusehen. Ich dachte mir, der Form halber schaue ich mir das Ganze halt mal an, damit ich zumindest sagen kann, dass ich dort war. Ich rechnete jetzt nicht damit, dass hier , zumal gleich beim allerersten Angebot , irgend etwas Interessantes zu finden sei. Ich fuhr also mit meiner jetzigen Betreuerin, die sich sehr um die Wohnungssuche bemüht hat, in diese Gegend. Als wir ausstiegen, hatte ich schon ein gutes Gefühl und dachte, was ist das für eine schöne Gegend. Als ich so dastand und vor mich hin lächelte, während meine Betreuerin das Auto noch korrekt einparkte, kamen schon Leute vorbei, die freundlich grüßten. Das erlebt man in einer Großstadt selten. Dann klingelten wir bei der Mieterin und gingen ins Haus. Schon die Haustüre des Altbaus aus dem Jahre 1896 war sehr anheimelnd, da sie mich an die Haustüre meines Elternhauses erinnerte. Alles Sah insgesamt so wunderschön alt aus. Dann gingen wir lediglich ein paar kleine Treppen nach oben und Bogen links in die Wohnung ein. Und sofort hatte ich mich in die schöne Wohnung verliebt. Sie war genau das, was ich mir immer gewünscht hatte. Das Bad war riesengroß mit einer Badewanne und einem Fenster. Das Schlafzimmer ist etwas klein, die vor Mieterin hat ein Hochbett aufgebaut, das kommt natürlich für mich mit meinen Einschränkungen nicht infrage. Die Küche an der Stirnseite war riesengroß, man kann darin einen Tisch aufstellen, wie ich es mir immer gewünscht hatte, und die Küche hat auch wieder ein Fenster. Auf der linken Seite ist dann ein relativ großes Wohnzimmer, wobei mir die Mieterin erklärte, dass am Nachmittag die Sonne schon ziemlich stark rein scheint. Da jedes Zimmer ein Fenster hat, ist die Wohnung nicht sehr dunkel, und am Nachmittag muss man wahrscheinlich im Wohnzimmer sogar die Vorhänge zu machen. Die Frau hatte zwei Katzen, sodass sie nicht gut lüften konnte, damit die Katzen nicht auf die Straße abhauen. Somit war die Wohnung etwas stickig, wobei ich, die zwar keine Frischluftfanatikerin bin, aber der sehr schnell die frische Luft ausgeht, es lieber dann doch mit offenen Fenstern mag. Wenn man aus der Wohnung heraus geht, ist am Ende des Treppenhauses eine kleine Abstellkammer, die auch noch zu dieser Wohnung gehört. Der Höhepunkt war aber, dass man auf der linken Seite durch eine Glastür in einen Innenhof kommt, an den drei Häuserblocks angrenzen. Der Innenhof hat einen Rasen, Bänke, einen Spielplatz und auch eine Abstell Möglichkeit für die Mülltonnen. Ich war hellauf begeistert. Die Frau meinte, irgendwann seien auch Balkone geplant, und das wäre dann der absolute Sechser im Lotto. Balkon und Badewanne, davon hätte ich mir nie träumen lassen. Meine Betreuerin und ich schauten uns noch etwas in der Gegend um. Die Gegend war überhaupt nicht weit von der Straße weg, in der ich jetzt wohne. Somit würden mir meine Bezüge wie Arzt, Fußpflege und Kosmetikerin erhalten bleiben. In der Nähe war sofort eine Straßenbahnhaltestelle, es gab zwar nur eine Linie und keine zwei wie bei meiner alten Straßenbahn, aber die U-Bahn würde nicht weit weg sein. Wir entdeckten eine Sparkasse, allerdings ohne Personal, es gab nur einen Automaten. Eine Apotheke, ein Briefkasten und auch ein kleiner Supermarkt sind in der Nähe. Wir sahen zwei Becker, eine kleinere Kette mit einer großen Bäckerei und einen kleinen Laden einer Billigkette. Es gibt zwei größere Supermärkte etwas weiter weg, die ich dann nur mit Helferinnen mit Auto erreichen könnte, wenn ich dann größere Einkäufe hätte. So wäre ich also auch gut versorgt. Die Besichtigung war am 22. Juni. Ich war wild entschlossen, ich wollte diese Wohnung. Ich schickte also eine E-Mail an die Genossenschaft, wobei ich über las, dass der zuständige bis 26. Juni in Urlaub sein würde, so wie es in seinem Autoresponder gestanden hatte. Somit hatte ich auf seine Mailbox gesprochen und auf einen Rückruf gewartet. Am Freitag den 23. Juni rief ich dann bei der Vertretung an, die mir aber sagte, ich könne genauso gut am Montag anrufen, wenn der zuständige Sachbearbeiter wieder da sei. Ich befürchtete, dass bis dahin die Wohnung weg sei, aber sie meinte, über das Wochenende würde sowieso nicht viel passieren. Die Mieterin hatte mir außerdem gesagt, dass ein Interessent nach dem anderen eingeladen würde, und wenn ich mich schon für die Wohnung interessieren würde, würden die anderen wahrscheinlich erst gar nicht mehr zu einer Besichtigung eingeladen. Am Montag den 26. rief ich also bei dem man an, der mir ein Angebot für meine Kostenträger der Grundsicherung zuschicken sollte. Damit es schneller ging, gab ich ihm in aller Hektik die Faxnummer meiner Betreuerin durch. Wenn ich telefoniere , kann ich nebenher nichts anderes machen, und bei Stress setzt irgendwie mein Hirn aus, sodass ich die Faxnummer auf einmal, die ich normalerweise immer parat habe, nicht mehr auswendig wusste. Normalerweise merke ich mir Nummern am besten über das Tastenfeld, sodass ich sie gleich wählen oder ins Fax eingeben kann. Ich hatte es extrem eilig, da ich einen Zahnarzttermin hatte, und so nervte es mich, dass ich die E-Mail-Adresse des Sachbearbeiters nicht im Handy sondern nur auf dem PC hatte, obwohl ich ja eigentlich Imap auf dem Handy habe. Ich schaute dann sicherheitshalber noch einmal die Faxnummer meiner Betreuerin nach, aber irgendwie muss mich der Teufel geritten haben, denn es schlich sich schon wieder ein Zahlendreher ein. Allerdings erhielt ich erst am Mittwoch dem 28. davon Kenntnis, wobei mir dann der Sachbearbeiter das Angebot per E-Mail als Anlage zu schickte. Dies leitete ich dann schnell an meine Betreuerin weiter, damit sie es an den Bezirk weiterleiten konnte. Den ganzen Tag versuchte ich, den Sachbearbeiter beim Bezirk zu erreichen, damit er mir den Umzug genehmigen würde, denn beim Empfang von Grundsicherung muss ja der Kostenträger mit dem Wechsel in eine neue Wohnung einverstanden sein. Die Kosten und auch die Anzahl an Quadratmetern ist nahezu gleich. Außerdem konnte ich ihm versichern, dass ich dann auch eine Heizkostenabrechnung erhalten würde, sodass man die entstandenen Heizkosten exakter abrechnen könnte, was vielleicht auch ein Plus für den Kostenträger werden könnte. Es war nur der Stellvertreter des Sachbearbeiters vom Bezirk anwesend, und der versprach mir bei jedem Anruf, der Sachbearbeiter, der meinen Fall unter sich hat, würde zurückrufen. Irgendwann am Donnerstagnachmittag erreichten wir uns dann, und der Sachbearbeiter war sofort bereit, den Wohnungswechsel zu genehmigen und auch die Genossenschaftsanteile mitzutragen. Einen Anteil würde ich selbst finanzieren können, da ich ja hoffentlich meine Kaution zurück erhalte, die ich damals selbst bezahlt hatte, einen Anteil würde ich vom Bezirk als Darlehen bekommen. Denn irgendwann bekomme ich hoffentlich diese Genossenschaftsanteile wieder zurück, falls ich doch aus irgendeinem Grunde wieder ausziehen würde. Am Donnerstag telefonierte ich dann also noch einmal mit dem Sachbearbeiter der Wohnungsbaugenossenschaft, der mir erklärte, dass ich jetzt noch eine Einwilligung zur Einholung der SCHUFA unterschreiben müsste. Die würde er mir per E-Mail zu schicken, die könne ich ausdrucken, ausfüllen und ihm dann per Fax zusenden. Ich wartete und wartete, aber die SCHUFA kam nicht. So suchte ich selbst im Internet und fand ein dem entsprechendes Formular, und ich dachte, dass reicht ja als Vollmacht aus. Am Montag den 3. Juli hatte ich immer noch kein Einwilligungsformular zur SCHUFA erhalten. Meine Betreuerin, die ich ewig nicht erreichte, da ich bei meiner Tandempartnerin für Deutsch und Spanisch keinen Handyempfang hatte, erklärte mir, nachdem ich das Festnetz der Spanierin benutzen durfte, dass die Wohnungsbaugenossenschaft mit der Genehmigung des Bezirks, so wie sie formuliert war, noch nicht ganz zufrieden war. Denn der Bezirk hatte geschrieben, dass er für die Kosten der neuen Wohnung bei einem geplanten Umzug aufkommen würde. Da die Wohnungsbaugenossenschaft aber häufig auch von anderen Kostenträgern genaue Formulierungen erhält, wollte sie die Formulierung in dem selben Wortlaut wie bei den anderen Kostenträgern. So rief ich noch einmal beim Bezirk an und erreichte noch einmal den Sachbearbeiter, der bereits von meiner Betreuerin darüber informiert war, dass er eine andere Formulierung wählen musste, und ich bewunderte ihn, dass er trotzdem noch so viel Geduld hatte. Am Montagnachmittag war wieder meine Helferin da, und wir hatten einen Termin bei meiner Augenärztin, da ich ein Rezept für Mobilitätstraining und eine Braillezeile erhalten sollte. Ich telefonierte mit dem Sachbearbeiter der Wohnungsbaugenossenschaft, der mir sagte, er würde mir jetzt per E-Mail die SCHUFA zuschicken, die solle ich ausdrucken und ausfüllen und ihm dann zufaxen, um 15:45 Uhr würde dann sein Vorgesetzter mir eine Zusage für die Wohnung machen, wenn alles mit der SCHUFA in Ordnung sei. Es war ziemlich dringend, daher hatte ich auch beim Bezirk so hartnäckig um eine Genehmigung an gesucht, denn die Kündigungsfrist würde angeblich bis zum Mittwoch den 5. Juli gehen, also dem dritten Werktag eines Monats. Die SCHUFA kam, wir druckten sie aus, alles schien in Ordnung. Da war aber ein einziges Feld, dessen Bedeutung wir nicht verstanden, es hieß irgendetwas wie Anlage zum Bewerbungsdatum. Ich war mir nicht sicher, ob ich das Datum, an dem ich mich für die Wohnung beworben hatte, eintragen musste, oder das Datum, an dem ich überhaupt einen Antrag auf eine Wohnung dort gestellt hatte. Außerdem wusste ich den genauen Tag nicht mehr, an dem wir zur Anmeldung für eine Wohnung dort waren, denn gedanklich hatte ich das längst abgehakt, ich war ja dort, hatte alles eingereicht, damit war für mich der Fall erledigt. Meine Betreuerin war nicht mehr da, und die anderen in ihrem Büro konnten mir nicht helfen. Wir versuchten, die Wohnbaugenossenschaft zu erreichen, um nachzufragen, was denn nun genau in dieses Feld hinein sollte. Da der Wortlaut für die Genehmigung, dass ich die Miete finanziert bekomme, so genau sein musste, hatte ich Bedenken, dass die SCHUFA Auskunft nicht akzeptiert würde, wenn wir das Feld freiließen. Ich versuchte es mehrfach, und ich war völlig entnervt, da bei der Wohnungsbaugenossenschaft laufend besetzt war. Irgendwann konnte man überhaupt nicht mehr anrufen, es ertönte überhaupt kein Freizeichen mehr, die Leitungen schienen tot zu sein. Dann erreichten wir irgendwann die Sekretärin, die uns erklärte, dass urplötzlich ganz viele Leute auf einmal anriefen, dass sie nicht wüssten, wo ihnen der Kopf steht, und dass die Telefonanlage gleich zusammenbrechen würde, gleich sei sie wieder tot. Tatsächlich war sie dann weg. Eine halbe Stunde später, nachdem ich dann völlig verzweifelt durch die Wohnung gesprungen war, und meine Helferin schon total genervt von mir war, hatte sie dann die Wohnbaugenossenschaft auf ihrem Handy erreicht und nachgefragt, was in dieses Feld gehörte, wobei man ihr sagte, sie könne es auch weglassen. Wir faxten alles hin, und dann erhielten wir die Aussage, nun sei es zu spät, der Vorgesetzte sei nach Hause gegangen, er könne keine Zustimmung mehr erteilen. Ich war am Boden zerstört. Ich fragte nach, ob das denn nicht am Dienstag den 4. Juli möglich sei, woraufhin man mir sagte, nein, ausgerechnet an diesem Tag sei der alljährliche Betriebsausflug. Ich dachte, hier kann nur der Teufel persönlich im Spiel sein. Ich war furchtbar wütend, verzweifelt und verärgert, ich dachte, irgend einer gönnt mir diese Wohnung nicht. So musste ich mir dann von meiner fünf und 20-jährigen Helferin eine Predigt gefallen lassen, das sei eben das Leben, das gehört dazu, so sind Wohnbaugenossenschaft eben, das passiert halt, dass ist häufig so, diese Schwierigkeiten hätten alle. Man muss aber nicht in jeder Hinsicht immer das Maximum an Problemen haben, die irgendwie möglich sind. Vor dem Hintergrund dessen, dass ich genügend andere Probleme habe, die sich bei mir eher zusätzlich noch auftürmen, wäre es schon mal schön gewesen, wenn es einmal glatt geht. Solche Äußerungen wie, was ist schon normal, bei jedem läuft es doch irgendwie schief, treiben mich dann regelrecht in den Wahnsinn. Sie würde sich nie über irgendetwas ärgern, es bringt ja sowieso nichts, man könne es doch damit sowieso nicht ändern. Irgendwie habe ich häufig das Gefühl, ich habe lauter Maschinen vor mir. Am Mittwoch rief ich dann noch einmal an, wobei dann der Sachbearbeiter, der mein Ansprechpartner war, nicht ans Telefon ging. Ich befürchtete, dass er vielleicht an diesem Tag gar nicht da sein könnte, denn manche Menschen vergessen einfach, eine mitzuteilen, dass sie an diesem oder jenem Tag überhaupt nicht zu erreichen sind. Da ich meistens zuverlässig bin, und dies auch bei anderen voraussetze, habe ich mich schon so häufig über solche Dinge geärgert, dass ich mittlerweile mit allem rechne. Daher rief ich dann mal bei der Pforte an, wobei dort ein Band abgespielt wurde, dass ich außerhalb der Geschäftszeiten anriefe. Diese sah ich jetzt für mich nicht gerade gültig, denn ich war ja mitten im Bewerbungsprozess für die Annahme einer Wohnung, und ich musste ja meinen Sachbearbeiter erreichen können. Ich befürchtete, dass er vielleicht krank sei, und dass sie vielleicht vergessen hätten, sein Telefon umzustellen, oder dass er vielleicht den ganzen Tag außer Haus war, und ich vergeblich bei ihm anrief. Somit wählte ich einfach irgendeine andere Nebenstelle, wobei mir dann eine Frau sagte, dass sie ihn gerade herein kommen sah. Dass sie ihn vielleicht sieht oder sein Büro einsehen kann, hatte ich erhofft, denn die Büros sind dort offenbar so gebaut, dass man die anderen Kollegen sehen kann, so wurde uns z.B. an dem Tag mit der zusammengebrochenen Telefonleitung auch von der Pforte mitgeteilt, dass der Sachbearbeiter noch im Hause sei, er würde gerade herein kommen, sie würde ihn gerade sehen. Das war eigentlich mein Ziel, zu erfahren, ob er überhaupt generell da sei. Außerdem hatte ich die Frau von dieser angewählten Nebenstelle gefragt, ob sie nicht gleich den Vorgesetzten an den Apparat holen könnte, schließlich ging es ja nur noch darum, dass er seinen Segen dazu gibt, den Rest hatten wir sowieso schon erledigt. Sie sah aber gerade den Sachbearbeiter hereinkommen und übergab in den Hörer. Dieser fuhr mich an, was mir einfiel, in der halben Firma herum zu telefonieren, er sei mein Ansprechpartner und sonst niemand. Ich äußerte ihm gegenüber meine Sicht der Dinge, dass ich genauso gut hätte glauben können, dass er gar nicht da ist, worauf er ja ruhig mal hätte einräumen können, stimmt, hätte ja sein können. Stattdessen meinte er nur, ich bin aber dar. Ja schön. Das war ja für seine Verhältnisse nachgerade schon ein Temperamentsausbruch, der zuvor immer so wirkte, als wäre ihm irgendwie alles zu langweilig. Die Dame hatte mir schon zuvor gesagt, dass der Vorgesetzte auch heute nicht im Hause sei, und dass teilte ich dem Sachbearbeiter mit, woraufhin er meinte, das könne genauso gut die andere Kollegin genehmigen. So wartete ich den ganzen Mittwoch darauf und den Donnerstag auch, dass ich nun einen Bescheid erhalten würde. Am Mittwoch den fünften hat dann meine Vermieterin, bei der ich schon mal nachgefragt hatte, ob sie auch eine Kündigung an einem späteren Tag akzeptieren würde, bei mir an. Sie legte mir aber dar, dass der Samstag genauso als Werktag gezählt würde, und somit wäre die Kündigungsfrist am Montag bereits abgelaufen. Ich sagte ihr, auch wenn die Kündigungsfrist sowieso jetzt abgelaufen ist, wäre das dann aber zumindest der Dienstag gewesen, denn der erste Werktag war ein Samstag, der Montag war der zweite, der Dienstag der dritte Werktag. Da ich ja nicht Recht haben darf, fuhr sie mich an, das würde er jetzt auf die Nerven gehen. Ich wollte sie natürlich nicht verärgern, denn es war ja wichtiger, nicht ihren guten Willen kaputtzumachen, auch wenn ich dann ausnahmsweise mal Recht behalten hätte. Sie meinte, ich solle ihr Bescheid geben, sobald ich etwas Neues erfahren würde, man könnte ja über alles reden. Der letzte Satz lässt hoffen. Wenn nicht, müsste ich bis Ende Oktober zahlen, und da die Wohnbaugenossenschaft ab 1. August die Wohnung neu vermieten möchte und trotz des kurzfristigen Angebotes sich nicht auf September einlassen wollte, muss ich drei Monatsmieten doppelt bezahlen. Ich hoffe also, dass meine Vermieterin mir hier entgegenkommt, es gibt ja sehr viele Interessenten, die eine Wohnung suchen. Ich wollte dann die Rechtslage genau wissen und erkundigte mich bei dem Sachbearbeiter der Wohngenossenschaft, der meinte, ob der Samstag ein Werktag sei oder nicht, sei eine Streitfrage. Bei ihnen zähle der Samstag nicht als Werktag. Ich bin mal gespannt, ob das dann auch noch so ist, wenn ich dort einmal ausziehe. Meine Betreuerin rief mich daraufhin an und meinte, sie habe nachgeschlagen, der Bundesgerichtshof habe ausdrücklich entschieden, dass der Samstag ein Werktag sei, die Streitfrage beziehe sich lediglich darauf, ob der Samstag, wenn er der dritte Werktag eines Monats war, dann zählen würde oder nicht, da es einem Mieter nicht zuzumuten sei, am Samstag einen Vermieter erreichen zu können. Somit sagt mir jeder etwas anderes, kein Wunder, dass ich mir überhaupt nichts mehr merken kann. Am Donnerstag den 6. Juli hatte ich in allen Dingen Glück, es lief alles glatt. Hatte ich am Dienstag den 4. Juli noch um jedes einzelne Rezept bei meiner Ärztin kämpfen müssen, da laufend Stärke, Firma und Anzahl der Tabletten falsch waren, und wir zweimal in die Praxis mussten, erhielt ich einen Nachzügler, der mir erst jetzt langsam zur Neige ging, problemlos, obwohl die Praxis gerade bei der Abrechnung war. Zuvor hatte ich bei unserem Radiosender, wo wir unsere Sendung für blinde und Sehbehinderte machen, einige Interviews abgeliefert, auch hier hatte ich den Weg problemlos gefunden, ich bin nicht in die U-Bahn gefallen dank des wunderbaren Gitterrost, das vor der Treppe ist, und ich bin auch nicht, weil ich immer einen großen Bogen darum mache, um nicht reinzufallen, gleich wieder in die falsche Richtung gelaufen. Da es mir körperlich gut ging, wagte ich den "Marsch“ ein paar Haltestellen weiter zu meiner Ärztin, sodass ich nicht mit der Straßenbahn fuhr, da das Wetter wunderschön war, alle Menschen waren gut drauf, alle waren gut gelaunt, hilfsbereit und fröhlich. Ich rief also gleich in der Praxis an, dass ich jetzt kommen würde, und mir wurde problemlos das Rezept ausgestellt. Danach brachte mich die nette Sprechstundenhilfe, die mit einem meiner Taxifahrer gut bekannt ist, direkt über die Straße zur Fußpflege. Dort hatte ich eine nette Kosmetikerin, mit der ich mich sehr gut unterhalten kann, und der erzählte ich gleich, wie viel Glück ich heute schon hatte, da könne es ja mit der Wohnung nur noch klappen. Als ich dann zu Hause war, erhielt ich einen Anruf, dass ich nicht 1700 sondern nur 1007 EUR an Haushaltshilfe nachzahlen müsste. Denn seit August hatte ich eine Haushaltshilfe von unserem Verein, die aber leider vom Bezirk nicht bezahlt wurde, sondern der Bedarf wurde zur Hälfte erst ab März 2017 anerkannt. Obwohl wir den Antrag bereits im August gestellt hatten, gab es keine rückwirkende Zahlung der Haushaltshilfe, sodass ein größerer Batzen an Nachzahlung anfiel. Aber die Buchhalterin rief eben an und meinte, sie habe sich verrechnet, ich müsse 700 EUR weniger zahlen. Solche Anrufe erhält man nicht häufig im Jahr. Ich wartete also auf den positiven Anruf wegen der Wohnung. Dieser blieb aber leider aus. Da ich am Donnerstag noch nichts gehört hatte, überlegte ich, ob ich noch einmal wegen des Vorgesetzten bei der Wohnbaugenossenschaft nachfragen sollte. Es war ein Balanceakt, einerseits wollte man niemandem auf die Nerven gehen, andererseits musste man sich auch drum kümmern. Eine meiner Taxifahrerinenn meinte, man solle dies wachsen und werden lassen, ich hätte jetzt schließlich meinen Willen kundgetan, die wissen jetzt, dass ich an der Wohnung interessiert sei, sonst würden die noch denken, die nehmen wir nicht, das ist ja eine Nervensäge. So rief ich am Freitag also noch einmal an und erfuhr, der Vorgesetzte wollte unbedingt noch einige Einkommensnachweise von mir haben, dann würde er eine Entscheidung treffen. Ich dachte mir, warum muss ich da extra anrufen und nachfragen, und warum werde ich nicht von dort aus direkt angerufen, dass man diese Nachweise noch braucht. Hinterher dämmerte es mir, dass wir eigentlich alle Einkommensnachweise schon vorgelegt hatten, zumindest zur Ansicht, als wir den Antrag auf eine Wohnung stellten. Dies war bei einigen Wohnbaugenossenschaften üblich, wo man direkt hinkommen muss, die Einkommensnachweise vorlegt, und die Dame oder der Herr hinter dem Tresen ein Häkchen macht, alles gesehen zu haben. Wäre ich also nicht liquide genug gewesen, diese Wohnung zu finanzieren, hätte ich ja sowieso keinen Eintritt in diese Wohnungsbaugenossenschaft bekommen. Daher befürchtete ich, dass sie mich vielleicht einfach nicht haben wollten, dass sie eventuell Bedenken haben könnten, dass ich das mit meiner Behinderung nicht schaffe. Auf der anderen Seite lebe ich schon seit vielen Jahren alleine, und ich bin ja mit Hilfe und Unterstützung und Assistenz zum Bewerbungsgespräch für eine Wohnung gekommen, sodass jeder weiß, dass ich genügend Unterstützung habe, mein Leben in einer eigenen Wohnung fortzuführen. Am Montag war ich wieder bei meiner Spanierin, wobei ich nicht wagte, noch einmal in der Wohnungsbaugenossenschaft anzurufen, da ich fürchtete, wieder nur zu hören, dass der Vorgesetzte noch irgendwelche Dinge von mir bräuchte, oder dass der Vorgesetzte nicht da sei, oder dass er noch nicht entschieden hätte. Somit fragte ich meine Betreuerin, ob sie vielleicht am Dienstag noch ein mal nachfragen könnte. Als ich am Dienstag mit meinem Handy eine Tätigkeit ausführte, hörte ich auf einmal von meiner Sprachausgabe die Nachricht, sie haben eine neue E-Mail erhalten. Ich schaute in mein Postfach, und da war er dann, der Vorvertrag. 5 Minuten zuvor hatte ich noch mit meiner Betreuerin darüber telefoniert und überlegt, was wir denn jetzt tun könnten, ob es klappt oder nicht. An diesem Tag war mein Mobilitätslehrer dar. Denn unmittelbar, nachdem ich die Wohnung besichtigt hatte, hatte ich ihn angerufen und nachgefragt, ob er sich mit mir vielleicht einmal die Gegend ansehen könnte, um eventuelle Fallstricke oder Schwierigkeiten bei der Bewältigung bestimmter Wege abzuklären. Er meinte, die Gegend sei besser als meine jetzige, sie sei genauso multikulturell, aber es sei eben nicht so chaotisch. Man kann eigentlich überall bequem eine Hauswand entlang gehen, sozusagen an der inneren Leitlinie, ohne, dass einem irgendwelche Bistrotische, Stühle, Bänke, Aufsteller oder Kleiderständer im Weg stehen. Die Gegend ist ruhig, dennoch gibt es genügend Angebote, um sich für sein tägliches Leben zu versorgen. In dem kleinen Supermarkt ist auch eine Metzgerei, sodass alle notwendigen Lebensmittel und Versorgungsstellen vorhanden sind. Das war eigentlich das Hauptkriterium, dass ich noch brauchte, um mich für die Wohnung definitiv zu entscheiden, ehe ich den langwierigen Prozess, den ich weiter oben beschrieben hatte, auf mich nehmen würde. Am Dienstag den elften kam also mein Mobilitätslehrer zum zweiten Mal, wobei ich bis kurz vor diesem Termin ja noch nicht einmal wusste, ob es mit der Wohnung klappen würde. 2 Stunden zuvor hatte ich also den Vorvertrag erhalten, und mein Mobilitätslehrer und ich druckten ihn aus, und ich unterschrieb. Hiermit, so wurde mir gesagt, hätte ich definitiv ohne die Möglichkeit, noch einen Rückzieher zu machen, die Entscheidung für diese Wohnung gefällt. Das war ja sowieso das, was ich wollte. Wir hatten Mühe, das Dokument zu faxen, und ich bin fast verrückt geworden. Es bedurfte mindestens fünf Anläufe, bis wir das Fax endlich durch bekamen. Einmal hatte ich nicht bemerkt, dass auf der Ablage noch ein anderes Papier lag, nämlich die alte SCHUFA Auskunft, beim zweiten Versuch bekamen wir kein Amt, so das der Wählvorgang ins Leere lief, beim dritten Mal zog sich das Blatt schief ein, bis dann mein Mobilitätslehrer seine Lesebrille holte, da er nicht wie ich in der Lage ist, den Ziffernblock mit den Händen zu ertasten. Sehende tun das normalerweise nicht, mir war gar nicht klar, dass man da solche Schwierigkeiten haben kann. Aber ich habe hingegen wieder die Probleme der Feinmotorik, sodass ich dieses Gerät nicht mehr ohne fremde hilfeanfasse. Denn jedes Mal zieht sich das Papier falsch ein, oder es passiert irgend eine andere Sache, sei es, dass ich mich verwähle, oder sei es, dass die Verbindung zum Router nicht zustande kommt, oder sei es, dass irgend eine andere Sache mit dem Gerät schief geht. Daher zittere ich schon, und mir wird übel, wenn ich nur vor diesem Faxgerät überhaupt stehe. Schade, eigentlich war es ja dafür gedacht, mir die Arbeit zu erleichtern. Denn es kann auch scannen, kopieren und es ist auch ein sehr guter Laserdrucker. Der große Vorteil ist, dass ich Word Dokumente direkt vom PC aus über die Druckerfunktion an das Fax schicken kann. Meine Unterschrift habe ich, zu Zeiten, als ich noch besser sehen konnte, einmal ein gescannt, sodass ich sogar, ohne die Sachen aufs Fax legen zu müssen, unterschriebene Post faxen kann. Das Ausdrucken funktioniert ganz gut, aber beim Scanvorgang geht auch immer einiges schief, da ich blind durch das Menü gehen muss, mehrfach auf o. k. drücken muss, dies dann mit zähle, so das irgendwann der Scanvorgang beginnt. Dabei gibt es zahlreiche Fehlerquellen, wie man andere Menüpunkte verstellen kann, sodass beim nächsten Ausdruck die Schriftart oder etwas anderes verändert ist. Nachdem wir also den Vorvertrag gefaxt hatten, konnten wir mit dem Mobilitätstraining beginnen, und das erste, was ich tat, war ein Antrittsbesuch in der nahe gelegenen Bäckerei dort, die auch einige Bistrotische und zwei Barhocker innen und ein paar Tische und Stühle draußen hat. Da kann man aber nicht drüber fallen, da die Bäckerei etwas nach innen versetzt ist. Nun heißt es also, den Umzug planen. Ein Freund von mir, der mit mir an der Dialyse war, empfahl mir eine Umzugsfirma, mit der er schon dreimal gute Erfahrungen gemacht hatte. Die habe ich nun kontaktiert, die werden sich am Montag alles anschauen. Unser Elektriker von unserem Verein mit den Helfern hat mir auch schon angeboten, sobald er ab dem 14 August aus dem Urlaub zurück ist, meine Lampen und Ventilatoren und andere elektrische Dinge in die neue Wohnung zu bringen und dort anzuschließen. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald, mit dem ich eigentlich dieses Jahr endlich nach Schwarzach bei Bregenz fahren wollte, hat ein neues Auto bekommen. Er wird zu mir zu Besuch kommen, und wir werden einige kleinere und leichtere Teile ins Auto packen und schon einmal in die neue Wohnung rüber fahren. Dies ist auch ein guter Anlass, einige Dinge auszumisten . Bei jedem Trumm frage ich mich jetzt, wirst Du mit in die neue Wohnung kommen, oder will ich Dich gar nicht mehr? Meine alten Videokassetten, die ich überhaupt nicht mehr anschaue, da sowieso alles wiederholt wird oder auf DVD heraus kommt, werde ich entsorgen. Einige der Schallplatten kommen weg, einige Hörbücher werden verkauft, hierfür habe ich auch schon Tipps, wo man Secondhandläden zu diesem Zweck findet. Jetzt werde ich es auch endlich übers Herz bringen, meine alten Wörterbücher und Lexika, die ich ohnehin nicht mehr lesen kann, und die teilweise noch aus meiner Studentenzeit stammen, zu entsorgen. Denn damit ist es endgültig besiegelt, ich kann keine Schwarzschrift mehr lesen, jetzt ist es eben Zeit für die Braillezeile. Vor diesem Schritt habe ich mich lange gescheut, obwohl ich die meisten meiner Schwarzschriftbücher schon vor Jahren entsorgt habe. Aber an den Büchern und Fachbüchern hingen eben noch alte Erinnerungen an meine geistig aktive Zeit, als ich noch in die Wörterbücher schauen konnte, und all dies ist jetzt eben wirklich vorbei. Das Ganze wird wahrscheinlich alles recht chaotisch, und teilweise werde ich wahrscheinlich während der Umzugsphase viele Dinge gar nicht finden, so genau kann man das ja oft gar nicht organisieren, was noch in der alten und was schon in der neuen Wohnung ist, oder was noch nicht ausgepackt ist, ob es ganz zuunterst in welcher Kiste steckt usw.. Ich kann nur hoffen, dass die Sache nicht ganz so schwierig abläuft, wie der Erwerb der Wohnung. Dennoch bin ich froh, dass wir es geschafft haben, und dass ich diese wunderschöne Wohnung bekommen habe. Vielleicht gibt es bei dem Einzug auch immer sieben Schritte pro Woche, denn es gibt einen total lustigen und schönen Namen, der so ähnlich klingt, daher sind wir auf dieses Wortspiel gekommen. Und ich kann nur hoffen, wenn es irgendwelche Probleme gibt, sei es, dass etwas repariert werden muss, oder sei es die Nebenkostenabrechnung, dass dies problemlos vonstatten geht. Die Heizkosten muss ich mit unserem städtischen Elektrizitätswerk abrechnen, wo ich auch meinen Naturstrom her beziehe. Dann muss ich noch mein Kabel ummelden und mein Telefon, wobei ich ja zum Glück noch ein Handy mit einer Flatrate habe. Die Küche ist ja größer als meine alte, sodass ich jetzt endlich einen richtigen Elektroherd haben werde. Denn bisher habe ich einen kleinen Ofen und zwei Kochplatten. Wenn ich kleinere Dinge aufbacke, kann ich zur Energieersparnis immer noch diesen kleinen Ofen verwenden. Die Kochplatten haben aber nach 18 Jahren nun wirklich ihren Dienst getan. Als fast blinde ist wahrscheinlich ein Induktionsherd schwierig, da man häufig ein berührungsempfindliches Bedienfeld vor sich hat mit einem digitalen Display. Die paar Herde, die für blinde geeignet sind, sind extrem teuer. Ein Cerankochfeld ist auch nichts für blinde, denn man weiß nie, wo die Grenze ist, da man die Ringe ja nicht ertasten kann oder wahrscheinlich auch nicht ertasten sollte, da sie heiß werden. Somit kommt der gute alte Elektroherd für mich in Frage, dessen Knöpfe man auch mit Einstufungen bequem drehen kann, um eine Orientierung zu haben. Meinen alten Frostwürfel, eine Gefrierbox , werde ich wahrscheinlich ausrangieren, sobald ich wieder mehr Geld habe. Dann hätte ich gerne einen richtigen Gefrierschrank, denn da passt dann auch mehr rein. Die Hauptsache ist, dass man alle Dinge schön nebeneinanderstellen kann, so, dass man oben eine Arbeitsplatte draufmacht, um alles gut abwichen zu können. Das seit Board, dass ich jetzt in der Essecke stehen habe, kommt dann ebenfalls in die Küche. Endlich habe ich genügend Platz für meine Geräte, mit denen ich Kaffee zubereite, wie zum Beispiel meine normale Kaffeemaschine und meine elektrische Mokkamaschine. Vielleicht bekomme ich sogar von der Wohnbaugenossenschaft eine Spüle, vielleicht kann ich aber auch zumindest das Oberteil meiner alten Spüle mitnehmen. Mir wurde schon gesagt, dass es Möglichkeiten gibt, diese Dinge nach Wohnungsauflösungen gebraucht zu erhalten. Zumindest die Elektrogeräte, eine Spüle ist ja nicht ganz so teuer. Ich wünschte, ich müsste nur mit dem fingerschnippen, und ich wäre schon in der neuen Wohnung. Da kommt noch einiges auf mich zu. Letztes Jahr war es die neue Niere, da musste man auch durch, bis endlich alles saß. Mittlerweile fühle ich mich, dreimal unbeschrien, fast wieder ganz normal, ganz fit, ich mache sehr viele Fortschritte in der Ergotherapie und Physiotherapie, und abgesehen von meinem starken Augenflimmern und dem furchtbaren Farbsehen und den Farbschleiern fühle ich mich relativ gesund. Die Leistungsfähigkeit muss noch etwas gesteigert werden, und die Kraft und die Ausdauer, aber vielleicht wird das auch noch. Jetzt ist also der Umzug dran, auch hier wird man durch müssen, auch hier wird es manche Kämpfe aus zu Fechten geben, bis dann endlich alles so sitzt und passt, wie ich es mir wünsche. Ich hoffe, dass danach dann endlich mal Ruhe ist. Ich mag Veränderungen, ich mag auch positiven Stress, wahrscheinlich kann ich gar nicht ohne positive Unruhe leben. Aber irgendwann muss man auch mal wieder in ruhigeres Fahrwasser geraten.

1 Kommentar:

Christa Over hat gesagt…

Bin so froh, dass zumindest das geklappt hat wo du ja sonst nur Barieren ertragen musst