Freitag, 27. November 2009

Polizei kommt nicht auf Hilferuf

An die Polizeihauptdienststelle


Auf Notruf keine Hilfe


XY-Stadt, 27.11.09


Sehr geehrte Damen und Herren,


heute am Vormittag um ca. 11:15 rief ich bei der 112 an, um zu melden, dass mir eine Dame über den Blindenstock gefallen war, und dass ihr schlecht sei und sie blute, und ich bat um einen Sanitätr mit Verbandszeug in die Xssssstraße in Höhe der Drogerie Müller. Mir wurde zugesagt, dass jemand geschickt würde. Ich wartete zusammen mit der Dame, wobei auch ein Herr türkischer Abstammung mit uns wartete.
Nach etwa 10 Minuten entschieden wir, dass offenbar niemand kommt, und die Dame wandte sich an die Augenarztpraxis Dr. B.R., wo ihr Mann gerade in Behandlung war, damit sie dort eventuell ärztlich versorgt würde. Allerdings war sie ziemlich wackelig auf den Beinen, aber da von Ihnen niemand kam, war dies die einzige Lösung. Da ich fast blind bin, und sie den Weg wusste, ging sie ohne Begleitung.

Im Februar 2003 passierte mir ebenfalls Ähnliches, dass nämlich keine Hilfe kam. Ich rief damals die 110 an, da ich mit stärksten Schulterschmerzen bewegungsunfähig im Bett lag, und beim ärztlichen Notdienst das Telefon dauernd besetzt war. Ich gab damals an, dass ich fast blind bin und mich nicht aus dem Bett bewegen könne und hilflos in der Wohnung läge. Am anderen Ende der Leitung kam nur barsch: „Da kann ich auch nichts machen.“ Ich rief nochmals an, und es kam dieselbe Aussage. Als ich dann völlig verzweifelt und weinend die 112 wählte, war am anderen Ende endlich jemand mit Herz und Verstand, der ein Fax an den ärztlichen Notdienst schickte.

Ungefähr im Jahre 2005 Ende August fand ich mich in der Polizeidienststelle ein und gab durch die Sprechanlage an, dass ich eine Anzeige machen wollte, da mir ein Nachbar anonym gedroht hatte, meine Katzen zu töten. Mir wurde der Einlaß zunächst verweigert, und mir wurde erst die Türe geöffnet, nachdem ich angab, mit dem Tierschutz Rücksprache gehalten zu haben und auf dessen Anraten zur Polizei gegangen sei. Statt aber meine Anzeige aufzunehmen, wurde ich nur über meine Person befragt, ob ich alleine lebe, berufstätig sei, wie viel ich noch sehen könne. Dann wurde vom diensthabenden Beamten geäußert, er glaube nicht, dass der Nachbar so etwas tun würde, und wenn doch, wie wolle ich dann nachweisen, dass die Katzen umgebracht wurden. Er schrieb zwar mit, doch wurde mir nichts zur Unterschrift vorgelegt, also die Anzeige demzufolge gar nicht erst aufgenommen. Der Beamte hatte mich als Person auch gar nicht ernst genommen, wie ich aus seiner Art der Fragestellung unschwer erkennen konnte.

Ich fühle mich diskriminiert und als Bürger zweiter Klasse. Meine Hilferufe werden nicht entsprechend behandelt. Somit kann ich mich also nicht drauf verlassen, dass mir in einem Notfall geholfen wird. Auch wenn dies nun leichtere Fälle waren, muß bei einem Notruf der Sache immer nachgegangen werden. Ich empfinde besonders im von mir zweiten geschilderten Fall, dass ein solches Verhalten regelrecht unmoralisch ist. Mein Vertrauen in die Polizei ist durch solche Vorfälle nachhaltig erschüttert.

Ich werde mich, da mir dies nun allzu häufig passiert ist, nun an die Presse wenden.

Mit freundlichen Grüßen

Montag, 23. November 2009

Ein neuer Hausbewohner

Vor genau zwei Wochen klingelte es an meiner Haustür. "Sind SIE die Besitzerin vom Jakob?" -- "Ja, was hat er denn angestellt?" -- "Nichts." Ich ließ die Frau herein. Sie erzählte mir Folgendes: Jakob kommt schon einige Zeit zu dieser Frau in einen Park, der zu einer Hausanlage gehört. Sie hat ihn "Glöckle" getauft, weil er ein Glöckchen um den Hals hatte. Eines Tages hörte sie kein Glöckchen mehr, sie hatte Angst, daß Jakob nicht mehr da sei, oder ihm was passiert sei. Aber dann sah sie ihn wieder, und er schmuste mit einem streunenden roten Kater. Das Glöckchen war nur deshalb verstummt, da es kaputt war. Der rote Kater kam regelmäßig zu ihr. Sie konnte ihn aber nicht aufnehmen, da er sich mit ihrer Perserkatze nicht vertrug. Sie hängte also Zettel aus, wer einen roten Kater vermißt. Es antwortete niemand, und das ganze drei Monate lang. Auf einmal meldete sich eine Frau: "Lassen Sie bloß meinen roten Kater in Ruhe, der gehört mir!" Es stellte sich aber heraus, daß die beiden von zwei unterschiedlichen roten Katzen sprachen. Der eine rote Kater hatte eine tiefe Stimme, einen dicken Schwanz und war schon so um die sechs Jahre alt. Der kam sogar dauernd zu meiner Balkontür, als ich noch eine Katzenklappe hatte, und wollte mit meinen Katzen anbandeln, die ihn aber nur wegjagten. Ich dachte, das sei ein Streuner und faßte ihn daher nie an. Er mauzte so unheimlich wie ein Baby, daß es mich gegraust hat. Dieser Kater war aber nicht gemeint. Der heißt Boris, weil er rote Haare hat wie Boris Becker. Der andere rote Kater war schätzungsweise erst 1,5 Jahre alt, mauzte hoch und war zierlicher und hatte einen langen dünnen Schwanz.

Die Frau hörte von einer Nachbarin, daß ich die Besitzerin des Katers mit dem Glöckchen bin, und daß ich, was die Nachbarin wohl aus einem Gespräch herausgehört hatte, eine zweite Katze haben wollte. Was die Nachbarn so alles mitkriegen, aber in diesem Falle war es ja positiv. Die Frau bat mich, ihn aufzunehmen, da es bald Winter wird, und der arme Kerl sonst draußen friert. Er könne nicht nur im Waschhaus bleiben, und er braucht ein Zuhause. Drei Tage zuvor hatte ich erst den Gedanken, es mit einer Zweitkatze aufzugeben, da es nur Arbeit bedeutet, und daß wir halt zu zweit bleiben. Doch freute ich mich sehr und sagte sofort zu. Am nächsten Tag kam also der Kater zu mir. Wir entschieden uns für den Namen Stoffel, da die Bringerin einen seltsamen Namen hatte, der das Wort SToffel beinhaltete. Das paßt zu ihm.

Anfangs ließ er sich gar nichtanfassen, verkroch sich nur und fraß nicht. Aufs Katzenklo, das ich ihm als allererste Amtshandlung gezeigt hatte, ging er sofort, und das im Überfluß! Da ich Angst hatte, der Kater würde mir verhungern, stopfte ich ihm das Futter mit Gewalt hinein. Das nahm er mir übel und kam gar nicht mehr. So ließ ich ihn auf Anraten der Tierheim-Expertin fressen, wo er wollte. Ab sofort fraß er friedlich neben Jakob.

Leider läßt er sich von mir nicht richtig anfassen. Von allen anderen, die mich besuchen, einschließlich dem Taxifahrer, der Putzfrau und meinem Freund, läßt er sich bereitwillig anfassen. Nun sind wir immerhin schon so weit, daß er sich aufs Sofa legt, aber möglichst weit weg von mir. Wenn ich komme, läßt er sich streicheln, aber erst, wenn ich ganz vorsichtig hinfasse, sonst beißt er. Wenn es für ihn genug ist -- er leckt mich auch ausgiebig -- , beißt er mich oder geht weg. Wenn mein Freund kommt, kuschelt er sich an ihn, und manchmal legt er sich dann auch neben mich. Aber sobald mein Freund das Zimmer verläßt, steht er sofort wieder auf. Er geht auf alle zu, die hereinkommen. Aber selbst wenn ich längere Zeit abwesend bin zur Dialyse etc., kommt er nicht auf mich zu, sondern verkriecht sich irgendwo.

Auch drängt er Jakob von dessen Lieblingssessel, und der alte Dösbattel läßt sich das auch noch gefallen! Der Kleine hat uns bald alle unter seiner Knute. Er leckt Jakob manchmal ab, aber dann beißt er ihn sofort. Kann er nicht einfach friedlich mit Jakob spielen und lieb und freundlich sein? Wird das wieder mal eine Enttäuschung? Würde er sich generell nicht anfassen lassen, würde ich sagen, das kommt noch. Aber da er bei anderen ja kein Problem mit der Zutraulichkeit hat, mal abgesehen davon, daß er bei der kleinsten schnelleren Bewegung gleich abhaut, denke ich, daß er mich nicht so mag. Ich fürchte, daß er mit meinen ungelenken und unberechenbaren Bewegungen Probleme hat. Denn ich kann mit ihm vorher keinen Blickkontakt machen, bevor ich ihn anfasse, da ich ihn ja nur am Glöckchen höre aber nicht sehen kann. Wenn er auf dem Stuhl liegt, dann muß ich auch vorsichtig tasten, daß ich ihn nicht ungeschickt wo anfasse, wo er es nicht will, beispielsweise bin ich schon mal in seinem Ohr gelandet, da hat er gebissen. Er fürchtet sich auch vor mir, da ich ihn schon oft versehentlich getreten habe. Jakob ist damit aufgewachsen, er geht nicht mal weg, wenn ich ihn richtig trete. Wenn er schreit, dann streichele ich ihn zur Entschuldigung, und dann leckt er mich ab, das war schon immer so. Aber ob das mit dem Kleinen was wird?

Jedenfalls hat er jetzt wieder ein Zuhause, es ist warm, er frißt, er geht aufs Kistchen und ist in Sicherheit. Wenn er sich auch niemals so richtig anfassen läßt oder auch niemals von sich aus zu mir kommt, so muß ich mir immer vorsagen: Du hast nichts verloren, Du hast immer noch Jakob wie vorher auch. Es bleibt halt immer derselbe status quo, da sich einfach nichts verändern läßt. Ich kann nur warten, bis es von sich aus klappt. Die anderen Veränderungsversuche (siehe Hund) mit neuen Tieren etc. sind ja bisher auch immer gescheitert. Ich hoffe, daß es einmal docheine Möglichkeit der Veränderung zum Positiven geben kann.

Jetzt vermisse ich Fridolin erst so richtig, da es mit ihm viel einfacher war, er sich sofort mit mir und Jakob verstand und gleich zutraulich war. Er ließ sich von niemandem außer mir anfassen und war eigen. Aber er suchte meine Nähe. Schade, daß er so krank war, und als wir dann alles im Griff hatten, wurde er von einem Auto überfahren. Man kann machen, was man will, wenn es das Schicksal so will, dann hat man eben keine Chance, obwohl wir so gekämpft hatten um ihn, und am Ende haben wir doch wieder verloren. Das alte Prinzip.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Wie man sich bettet....

Als ich in meine erste eigene Wohnung zog, baute mir mein Vater einst ein Bett aus vier Brettern aus Naturholz, befestigte einen Sprungrahmen drauf, und fertig war das Bett. Damit nichts schimmelt, wurden noch ein paar Löcher ins Holz gebort. Das Bett sah sehr schön aus, es war helles Holz, und es konnte nichts drunter rollen. 17 Jahre und zwei Matratzen später stellte Lutz fest, daß eben diese letzte Matratze und auch der Sprungramen mittlerweile so durchgelegen war, daß sich eine Kuhle in der Mitte gebildet hatte, und das Bett somit sehr schmal wurde. Da er Hobbytrödler ist und alte Wohnungen ausräumt, fand er ein schönes Bett aus dem fast gleichen Holz wie mein altes Bett. Der Lattenrost des neuen Bettes konnte nicht herausgenommen werden, und so nahmen wir gleich das ganze Bett. Ich wünschte mir, daß das alte Bett zum Bettkasten umfunktioniert würde, damit a) nichts unters Bett rollen kann, weil da ja dann der Kasten ist, und b) ich endlich einen Stauraum für mein Gästebett und andere Inlets haben würde. Es dauerte eine Weile, bis der Bettkasten zugesägt war, und dann war da noch das Problem, wie ich den Bettkasten hervorziehen konnte, denn die Löcher waren zu klein zum Greifen und zu aufgerauht. Da Lutz eines der Löcher ausgebrochen war, drehte er den Kasten einfach um, und, findig wie er halt nummal ist, nahm er den alten Sprungrahmen auseinander und verwendete die Ketten als Henkel. Er montierte sie an den Bettkasten dran, und ich kann sie nun greifen und den Kasten so hervorziehen. Die Bretter des Bettkastens wurden nicht mit Winkeln aneinander befestigt sondern mit Ketten aus dem Sprungrahmen. Erst waren mir diese Ideen alles andere als geheuer, aber es paßt eigentlich ganz gut so. Damit der Kasten auch leicht rutscht, haben wir noch Filze unten dran geklebt. Als Boden des Bettkastens dient ein alter Lattenrost, denn durch dessen Schlitze kann das Gästebett immer gut auslüften. Ideen muß man haben.

Nun ergab sich aber das Problem, daß das neue Bett anstatt 90x 1,90 nun 90 mal 2 m lang und breit war. Also mußte eine neue Matratze her, da die alte ohnehin völlig durchgelegen war. Bei ALDI gab es grade günstige Matratzen. Meine Eltern meinten, ich solle auf den Härtegrad achten, und wenn ich keine finde, bekomme ich eine zu Weihnachten. Lutz schleppte also die Matratze mit seinem Fahrradhänger nach Hause, die noch zusammengerollt war. Sie richtete sich langsam auf und härtete aus. Als ich sie auf dem Balkon ausgelüftet und dann in der Wohnung wiederum aufgewärmt hatte, sollte sie ausprobiert werden. Als ich mich zur Nacht hinlegte, merkte ich schon, daß sie STEINHART war. Eine Gefängnispritsche ist eine Luxusstatt dagegen. Ich hatte die ganze Nacht Schmerzen, Kopfweh, Schwindel, Rückenschmerzen, und jede Drehung weckte mich auf. So schaffte Lutz das Horrorteil wieder zum ALDI zurück, und wir bekamen auch das Geld wieder.

Im Tauschring bot ebenfalls jemand eine passende Matratze an. Aber leider kam ich zu spät, und jemand anderer hatte sie bereits erworben.

Nun wollte ich eigentlich mit dem Caritas-Mann zum Matratzenkaufen fahren. Aber im Gespräch stellte sich raus, daß er eine Matratze übrig hat. Die wollten mal eine Krisenwohnung einrichten, falls jemand es zu Hause nicht mehr aushält und dort eine Übernachtung braucht. Der Bezirk hat das abgelehnt, und so stand die Matraze nun zwei Jahre im trockenen Keller.

Ich ließ mich heute mit dem Fahrdienst zur Caritas fahren, allerdings war der Mann selbst nicht da, er mußte zu einem Notfall. Die Sekretärin hatte die Matratze im Büro hingelegt, und ich durfte Probe liegen, während sie das Auto zum Transport nach Hause organisierte. Sie hielt vorne, ich hielt hinten, und so ging es die Treppen hinunter, ins Auto, und dann in meine Wohnung. Da steht sie nun, und Lutz wird sie bald reinlegen, und dann hoffen wir, daß es diesmal paßt.

Ein Lied auf Esperanto

Als Nachklapp zu meinem Bericht über die Esperantofeier am 18. September kann man hier eine Kostprobe eines ins Esperanto übersetzten Stückes hören, es heißt "Route 66", und hier der Titel auf Esperanto: voj sesdekses.

Dies ist der Link:


http://www.youtube.com/watch?v=4vi7m3Ao2k0

Viel Spaß!

Donnerstag, 22. Oktober 2009

Eine CD mit einem Beitrag von mir

Vor einiger Zeit meldete ich mich auf einen Aufruf: Wer möchte als blinde Frau einen Text zum Thema Blindheit und Schönheit schreiben? Ich schickte meinen spontan verfaßten Text an die Initiatorin des Projektes "blind beauty". Sie meldete sich sofort bei mir und meinte, mein Text sei "wie aus einem Guß", und er würde mit einigen anderen Texten blinder Frauen auf einer Hörbuch-CD veröffentlicht. Nun brauchte ich noch ein passendes Photo. Da ich gerade im Training mit Fenja war, bot es sich natürlich an, mit ihr ein Bild zu machen. Ich schickte eine CD mit allen Bildern von Fenja und mir an die Projektleitung, und diese wählte dann das beste Bild aus. Natürlich ist das nun nicht mehr aktuell, aber ich habe ja auch nicht "mein Führhund" geschrieben sondern nur "Königspudeldame Fenja". Die Photos, die alle im Cover abgedruckt sind, werden für die Hörer genau beschrieben, und zwar an der Stelle, an welcher der jeweilige Text der entsprechenden Autorin vorgelesen wird.

Nun lest die näheren Informationen über das Buch, und wo es zu haben ist:
Hier der Werbetext der Herausgeberin:
"Blinde Schönheit:
Authentische Texte von erblindenden und blinden Frauen, die über ihren ganz persönlichen Bezug zu dem Thema „Blindheit und Schönheit“ schreiben.

www.Captain-Handicap.de


„Habt Ihr keine anderen Sorgen?“, höre ich des öfteren, „als Euch mit dem Thema Blindheit und Schönheit zu beschäftigen? - Typisch Frau ...!“ - „Ja, genau, typisch Frau!“

Es freut mich so sehr, in diesem Buch unter dem Motto „Mut zur Schönheit“ fünfzehn Frauen vereinigt zu haben, die in Form von Artikeln, Fotos und Gedichten ausdrücken: „Na klar fühle ich mich attraktiv und weiblich, unterstreiche, unterstütze dies durch tolle Kleidung, Schmuck, Düfte, meine Persönlichkeit, perfektes Styling, da lass` ich mich beraten, das lass` ich mir auch was kosten!“ Wunderschön!
Es gibt sicherlich viele Frauen mit einer Behinderung, die es bisher nicht geschafft haben, den roten Teppich der Weiblichkeit zu betreten oder bei denen es ihre Umwelt geschafft hat, dass sie diesen wieder verlassen haben. Diese Frauen lade ich durch dieses Buch ein, auf die Suche nach ihrem Urgefühl von Weiblichkeit, Schönheit, Sinnlichkeit, Attraktivität zu gehen. Denn: Weiblichkeit und Schönheit sind Synonyme, daran kann keine Behinderung etwas ändern.“
(aus der Einleitung des Buches)

Das Hörbuch „Blinde-Schönheit“ liegt als Daisy und als Audio Buch vor. Daisy ist ein strukturiertes MP3-Format und umfasst eine CD, Das Audio Buch beinhaltet drei CDs. (Anmerkung von mir: DAISY-Bücher können mit MP3-fähigen CD-Playern gehört werden, sind aber dann nicht navigierbar, sondern die Audiodateien können nur der Reihe nach angesteuert werden.)
Die einzelnen Beiträge sind durch kleine Musikeinspielungen voneinander getrennt.

Das Hörbuch wurde von einer professionellen Sprecherin aufgesprochen und beinhaltet ein wunderschön gestaltetes zwanzigseitiges Booklet,
in welchem alle Fotos in der Reihenfolge, in welcher sie auch innerhalb des Buches in Textform audiodeskriptiv beschrieben werden, abgedruckt sind.

Das Audio Buch kostet 19,95 Euro, das Daisy Buch 16,95 Euro!

(Anmerkung von mir: Es finden sich Hörproben auf www.blautor.de, der Homepage eines Zusammenschlusses blinder Autoren.)

Ab November 2009 wird das Buch über seine
ISBN 978-3-00-028653-7
im Buchhandel erhältlich sein."

Soweit der Text der Herausgeberin. Meinen Text habe ich auch vor einiger Zeit hier eingestellt. Wer ihn aber auf der CD hören will, nur zu! Es sind noch genug da!

Mittwoch, 21. Oktober 2009

Freitag, 2. Oktober 2009

Dr. Esperanto wird 150

Vor einiger Zeit erhielt ich eine Einladung zur 150. Geburtstagsfeier von Dr. Ludwig Zamenhof. Da stellte sich doch glatt heraus, daß ich an diesem Tag ohnehin in München sein würde, und so dachte ich, es sei jammerschade, diese Gelegenheit nicht zu nutzen, um auf dieseFeier zu gehen.

Ich mußte mir nun also eine Übernachtung organisieren. Dies gestaltete sich auch wegen des beginnenden OKtoberfestes nicht einfach. Zunächst bekam ich keine Resonanz, als ich unter den mir bekannten bayrischen Esperantisten mal vorsichtig anfragte. Aus meinem Ort fuhr auch niemand mit, so daß ich auch nicht mehr am selben Abend mit jemandem hätte zurückfahren können. Ich wurde dann an einen Esperantisten in München verwiesen, der hatte aber schon vier Gäste. Ich harkte nochmals nach und wies dezent drauf hin, daß meine Mutter schon sehr oft Esperanto-Gäste hatte, und ich war ja auch schon oft gastfreundlich und wollte daher nun auch einmal Glück haben. Ich setzte mich, da ich keinerlei Resonanz bekam, dann mit meiner Nichte in Verbindung. Aber aufeinmal klingelte mein Handy, und dran war jemand, den ich zusammen mit einem Bekannten einmal auf der Münchner Bundesgartenschau kennen gelernt hatte, als dieser Bekannte "Der Münchner im Himmel" auf Esperanto aufgeführt hat. Einer der Organisatoren, den wir angeschrieben hatten, hatte eine Rundmail gestartet, wer mich aufnehmen könnte, und so hatte sich Ulli gemeldet. Er war bereit, mich bei sich übernachten zu lassen, wies mich aber drauf hin, daß die Liegestatt sehr einfach sein würde, und daß ich einen Schlafsack mitbringen sollte. Ich war froh, überhaupt einen Platz für mein müdes Haupt gefunden zu haben. Ich ließ mir noch genau beschreiben, wo die Feier denn stattfinden sollte. Man erklärte mir, daß man zwar sehr einfach zum Kulturhaus Gasteig gelangt, aber dieser Gebäudekomplex so groß sei, daß man innerhalb des Gebäudes die "Black box", wie der Veranstaltungsort hieß, schwer finden kann. Ich ließ mir zwei Handynummern geben, sowohl die von meinem Gastgeber als auch die des Mit-Organisators, und so ausgerüstet hatte ich wenig Bedenken.

Nach meinem Arzttermin in München aß ich erst mal was in der schwer überteuerten Maximilian-Schicky-Micky-Straße. Ein Zwiebelkuchen mit reichlich Ruccola-Salat und Dipp, ein Cappuccino und ein Wasser kosteten ganze ACHTZEHN Euro. Das Stück Zwiebelkuchen war fast unter dem Salat versteckt. Dann suchte ich noch einen Laden, um ein MItbringsel für meinen Gastgeber zu kaufen. Alles hatte aber schon zu. Ein sehr netter Herr begleitete mich zur S-Bahn inRichtung Ostbahnhof. Als ich dort einstieg, sprach mich sofort eine Frau an: "Sie wollen auch zu dem Esperantotreffen?" -- "Woher wissen SIe das denn? Sieht man mir das etwa an, daß ich Esperantistin bin?" -- "Nein, mein Mann hat mir erzählt, daß SIekommen." So war es die Frau des Herren, dessen Handynummer ich hatte, und so blieb mir der Anruf erspart, und ich hatte schon automatisch die Richtige Begleitung zur "black box" dabei. So ein Zufall! Sie hatte noch zwei Däninnen und einen Dänen mit sich, drei der vier Leute, die bei ihnen übernachten sollten, weswegen sie mich nicht mehr aufnehmen konnten. Oben traf ich dann sofort Ulli, der mich zu sich aufnahm. Der spendierte mir auch noch die Eintrittskarte von 10 Euro, obwohl ich schon meine Börse gezückt hatte, aber er winkte ab, und ich sei sein Gast, das Lager sei ja nicht so üppig, und er wolle mir daher den Eintritt spendieren. Dabei war ich ja froh, überhaupt was gefunden zu haben. Alswir uns unterhielten, stellte sich auch noch heraus, daß er ebenfalls in meiner Heimatstadt geboren war, und daß er sogar zwei Ärzte dort kennt, die Esperanto sprechen, die mir auch bekannt sind, und mit einem sei er schon im Kindergarten befreundet gewesen. Ich hatte als Jugendliche den Hund der Schwester dieses Arztes ausgeführt, da sie tödlich verunglückt war, und die Mutter wegen Asthma nicht soviel mit Hippie rauskonnte. Ich habe die HIppie noch immer in sehr guter Erinnerung. So ergaben sich doch einige Anknüpfungspunkte. Dann fragte ich, wie es einer gewissen Esperantistin ginge, die ich aus München kannte, da meint er doch glatt: "DAS ist meine FREUNDIN!" So stellte sich obendrein noch heraus, daß er schon jahrelang mit einer Frau zussammen ist, die ich vor ca. 25 Jahren beim Universala kongreso in Augsburg kennengelernt hatte, und die so nett war. Ich richtete sofort Grüße aus.

Dann ging es in den Saal, der so groß war wie ein Theater. Zunächst wurden wir vom Vorsitzenden des Münchner Esperantoclubs begrüßt. Dann kam die polnische Konsulin, die eigentlich die EInladende war, und sie erzählte, das hier alles sei ein "Familientreffen". Zwischen den einzelnen Reden sang ein japanischer Chor geleitet von einer koreanischen Musikdozentin. Außer der Chorleiterin waren alle in bunte Kimonos gehüllt, was sehr schön anzusehen war. Sie sangen japanische Volkslieder, die ein Sprachgenie aus München unmittelbar vorher mal eben schnell ins Esperanto übersetzt hatte. Sie gaben dann aber auch ein Lied in Japanisch zum Besten. Dann kam ein Mensch auf die Bühne, den der Vorsitzende des Esperantoclubs gleich mit Einstein assoziierte, und als ich ihn sah, war mir auch sofort klar, wwarum. Fehlte noch die herausgestreckte Zunge, die wirren Haare waren vorhanden, und auch das wissenschaftliche Verhalten war sehr deutlich zu bemerken. Er hielt eine Rede über Dr. Zamenhof, wo dieser herkam, aus dem damals nicht existierenden Polen, das damals unter dem russischen Zarenreich stand. Er erklärte, wie viele unterschiedliche Ethnien in Bialistok beheimatet waren, daß viele unterschiedliche Sprachen gesprochen wurden, daß der Vater den Gehsteig verlassen mußte, wenn ein russischer Offizier entlanglief, und daß der kleine Ludwig das nicht so einsehen wollte. Dann gab er noch die Anekdote zum Besten, daß der Vater die ersten Entwürfe der Sprache Esperanto einfach ins Feuer warf, aber daß sie der Augenarzt Dr. Zamenhof gleich wieder neu auswendig aufschrieb. Dann wurde noch erklärt, daß Nürnberg die erste Esperantogruppe hatte, daß von dort aus die erste Zeitung gemacht wurde, die in Rußland verboten war. Der Vortrag war schier endlos, aber es war doch interessant, dies alles mal zu hören. Nach einer Pause ging es dann mit Jazz weiter. Ein Jazz-Professor mit Lehrstuhl in Würzburg, der aber seiner Sprache nach wohl Schweizer war, kam mit seiner Kombo auf die Bühne. Sie hatten einige LIeder auf Esperanto dabei. So trug die polnische Sängerin "Route 66" auf Esperanto vor: "Voj sesdekses", was sehr gut klang. Der Professor kündigte die Stücke, die auch teilweise er selbst geschrieben hatte, immer auf Esperanto an, wobei er es sich aber einfach machte und immer nur sagte: "Ni ludas, das und das und das..." Es kamen dann auch ein paar englisch vorgetragene Lieder. Jedenfalls war es zwar gewöhnungsbedürftige aber auch interessante Musik. So klang der Abend aus. Wir alle waren erstaunt, was der Vorsitzende des Münchner Esperantoclubs auf die Beine gestellt hatte.

Am Samstagmorgen lud ich Ulli dann zum Frühstück ein, und wir gingen in seine Stammbäckerei an der Straßenbahnhaltestelle. Da wir recht früh schon fertig waren, setzte er mich eine Stunde früher in den Zug. So hatte ich daheim noch genügend Zeit, meinen Rucksack für die Dialyse zu packen. Es war doch ein sehr schönes Erlebnis, und ich hatte wieder eine Menge Neues gesehen und erfahren.

Eine Kostprobe von der beschriebenen Musik auf Esperanto findet man unter:

http://www.youtube.com/watch?v=4vi7m3Ao2k0

Saluton, via kaprikorneto