Sonntag, 16. Mai 2010

Wieder heil aus Antalya zurück

Vom 10.-24. April war ich nun in Antalya. Ich hatte diesen Urlaub relativ spontan durchgeführt. Errst im März hatte ich mich dazu aufgerafft, mal in der Türkei anzurufen und wurde prompt kostenlos zurück gerufen. Da man mir empfahl, möglichst früh zu fahren, da es dann dort schon warm und noch nicht heiß, aber in Deutschland noch kalt sei, entschloß ich mich recht rasch, den Urlaub zu buchen. Zum Glück war die Genehmigung der Dialyse seitens der Kasse eine reine Formsache. Ein Taxi musste ich ebenfalls nicht genehmigen lassen, da die Transfers alle im Preis inbegriffen waren. Ein vorläufiger Personalausweis konnte noch rechtzeitig ausgestellt werden, ein Paß war nicht nötig.

Superschlau, wie ich nun mal bin, habe ich auch sofort Reiseschecks bestellt, da diese im Gegensatz zum Bargeld versichert sind. Wie toll ich damit in der Türkei an- und auskam, sollte sich noch zeigen.

Am Samstag fuhr mich mein Dialyse-Taxler dann zum Flughafen. Wir hatten die ganze Reiseprozedur generalstabsmäßig durchorganisiert. Ich brauchte ja Hilfe von Anfang bis Ende und bei den entsprechenden „Umschlagstellen“, so dass ich alles vorher mit den entsprechenden Stellen absprechen musste. Kurz vor Ankunft am Flughafen rief ich also die abgemachte Nummer an, und es kam jemand vom Hilfsservice. Als wir das Gepäck abgaben, und ich meinen Perso vorzeigen musste, machte mein Begleithelfer mir erst mal Angst, dass dieser Vorläufige gegebenenfalls nicht anerkannt würde, und ich nicht in die Türkei einreisen dürfte. Aber die Frau am Check-in zerstreute diese Ängste sogleich. Der Helfer rief dann einen Mann mit roter Sanitäterjacke, welcher mich zum Wartesaal vor dem Zoll brachte. Dort saß ich dann wie bestellt und nicht abgeholt. Ein Ehepaar bot sich an, mich weiter zu begleiten, aber ich musste ja auf den bestellten Abholdienst warten. Irgendwann ging ich dann selbst zu dem Zollfenster und fragte nach, was los sei. Dort versprach man mir, sich um die Sache zu kümmern. Es stellte sich dann heraus, dass eine Gruppe Rollstuhlfahrer, die mit einem Behinderten-Reiseunternehmen in Urlaub fuhr, zu spät ankam, und einer noch nicht mal da war. Die hatten Nerven! Dann ging doch alles glatt, und ich wurde in den Flieger gesetzt. Das Essen war mäßig bis saumäßig, aber der Hunger treibt es rein. Der Flug zog sich ewig, und es schüttelte uns ganz schön durch, besonders bei der Landung.

In Antalya angekommen wurde ich mit einem Rollstuhl abgeholt. Ich wurde mit den anderen „Rollstühlen“, so nannte man wohl die Passagiere, in einen Kasten gefahren, wobei ich nicht mal wusste, ob das ein Bus oder ein Container oder überhaupt ein fahrbares Teil war. Die Begleitpersonen der Behindertengruppe klärten mich dann auf, dass wir erst mal in die Höhe gingen, um uns dem Niveau anzupassen. Dann fuhr das Ding los. Ein mehr oder weniger schlecht Englisch sprechender Rollischieber fragte mich nach meinem Abholer, und ich wiederholte nur immer stur: TOURSET, TOURSET. Als ich schon überlegte, selbst ein Taxi auf eigene Faust zum Divan Talya Hotel zu nehmen, kam dann endlich der ersehnte Satz: „Hier ist Tourset.“ Der Fahrer sprach kaum Deutsch: Schönes Wetter, heute 20 Grad, das wiederholte er dann so drei-viermal. Es war aber eigentlich ziemlich windig.

Wir fuhren über holprige Straßen in das Fünf-Sterne-Hotel DIvan Talya. Dort wurde ich in mehr oder weniger gutem Deutsch bzw. Englisch empfangen und in mein Zimmer gebracht. Man zeigte mir geduldig alle technischen Details und erklärte mir mehrfach die Benutzung des Safes. Dann errang ich noch die Telefonnummer des Hotels, da wir uns nicht kommunizieren konnten, dass ich die Durchwahl für das Zimmer haben wollte, und zwar mitsamt Vorwahl der Türkei und von Antalya. Aber dann kapierte ich doch noch, dass es keine direkte Durchwahl zum Zimmer gab, sondern dass der Anrufer an der Rezeption die Verbindung zu meinem Zimmer herstellen lassen musste. Ich gab dann an meinen Bekannten und an meine Eltern die Nummer auf deren ABs durch. Meine Eltern haben versehentlich die Ansage verworfen und konnten erst mal nicht anrufen. Da ich nicht soviel Geld ausgeben wollte, ließ ich die Leute auf dem Handy anrufen, nahm aber icht ab, um die Roaming-Gebüähren zu sparen. Ich ging ins Zimmer, ließ es bei Eltern oder Bekanntem dreimal läuten, und die riefen dann zurück. Mit Türken-Tarif oder mit Auslandsflät war es immer noch billiger als von einem Hotel aus die teuren Einheiten auszugeben.

Das Hotel war sehr schön. Das Zimmer hatte allen Comfort: Zwei Betten, Badewanne, Fön, Fernseher, Telefon, Sessel, Tischchen, Balkon, Minibar, Safe im Schrank mit wählbarer Geheimzahl, sogar ein Telefon im Bad neben der Kloschüssel, wenn man es mal gar so eilig hat. Ich war im zwein Stock unter gebracht. Leider hatten die Aufzüge nur diese dämlichen Touch-Pads, so dass ich die Stockwerke nicht tastend abzählen konnte. Aber ich wischte mit dem Finger immer über das ganze Tastenfeld und zählte halt dann die Halte ab. Der Keller roch ziemlich fettig, so dass ich wusste, dass ich im Souterrain gelandet war, und im Erdgeschoß war es recht betriebsam wegen der Rezeption, so dass ich das auch schnell raushatte, dass ich angekommen war. Auch die Mitfahrenden sagten mir immer Bescheid, wo wir waren. Da wir nur zwei Aufzüge für so viele Leute hatten, wurde ich recht oft nach oben geholt, obwohl ich eigentlich runter wollte, und so machte ich manches Fährtchen mit dem Lift. Dabei ergab sich mal eine Konversation, dass jemand aus Heidenheim war, wo ich doch Heidelberg, das in der Nähe ist, so mag. So erzählte ich ihm, dass ich in der „Palz“ studiert habe, was uns beide viel Spaß machte.

Das Personal im Hotel war extrem hilfsbereit. Beim Essen begleitten sie mich zum Buffett, wo es alles gab, was man sich wünschte. Allerdings aß ich in den zwei Wochen sicher eine ganze Höhnerfarm, da es Geflügel in allen Varianten gab. Ansonsten ließ ich den Salat weg, da ich ja eh dialysebedingt aufs Kalium achten muß und rohes Gemüse nicht so sehr mag. Die Hauptspeisen waren super, es gab Nudeln, Reis, verschiedene vegetarische Sachen, mal P izza, gutes Gemüse und Fleisch in vielen Variationen. Kaum hob ich den Kopf, manchmal stand ich auch einfach vom Stuhl auf und guckte etwas hilflos in die Gegend, kam schon einer vom Personal und führte mich zum nächsten Gang. Das Nachtisch-Sortiment war auch sehr kalorienreich. Es gab Baclava mit Nüssen und Pistazien, es gab Kuchen, Puddings, Obst…. Ich hätte am liebsten von jedem ein Stück gehabt, aber weil ich ja mit Personal unterwegs war, beließlen wir es immer bei so drei-vier Sachen. Das langte aber auch schon. Es war himmlisch gut. Manches ließ ich auch liegen, weil es mir dann nicht so schmeckte, aber dafür gab es ja wieder andere Sachen. Auch das Frühstück war super. Es gab Frühstück nach aller Herren Länder Sitte: Englisch mit Ei, Französisch mit Crepe, Türkisch mit Oliven, Brötchen, Croissants, Pfannkuchen mit allen möglichen Aufstrichen wie Honig, Sonnenblumenkernen, Marmelade, etc. Das Joghurt mit Fruchtsalat, der ganz frisch geschnibbelt war, war super und sehr mild, und ich leistete mir auch mal ein Müsli. Das Wunder war, dass mein Kalium immer gut war, trotz all der Sünden, die ich trotz Dialyse begangen habe. Der Doktor bei der Dialyse meinte, ich bräuchte keine spezielle Diät einhaltn, ich könne soviel Obst essen, wie ich wolle. Die Schwestern meinten ebenfalls auf meine Sorge wegen dem Baclava, dass da nichts passiert. Und so war es auch, kein Mensch kann sich erklären, wieso. Hätte ich all das daheim in Deutschland gegessen, ich hätte als Notfall wegen zu hohem Kalium eingeliefert werden und notdialysiert werden müssen.

Die erste Dialyse verlief sehr gut, da war ich schon aufgeregt, wie das wohl in einem fremden Land sein würde. Ich bekam sogar im Hotel, da schon um sieben Frühstück eingenommen werden konnte, einen kleinen Happen, da ich nicht nüchtern dialysieren kann, bis das Frühstück ausgeteilt wird. Das ist ein großes Plus. Damals am Timmendorfer Strand konnte man es nicht einrichten, mir vor Abfahrt zur Dialyse mal ein Tässchen Tee oder Kaffee und eine Breze zu reichen. Das ist schon eine schwache Leistung. Hier hingegen war das kein Problem. Ich ging einfach in den Speisesaal und wurde sofort vom Personal empfangen und bedient. Danach setzte ich mich in einen der riesen Sessel im Foyer und versank darin, bis der Dialysefahrer kam. Der sprach gutes Deutsch und setzte mich hinten in seinen Dialysebus, der dem Dialysezentrum selbst gehört. Durch die holprigen Straßen, und da ich hinten saß, war mir fast schlecht. Das nächste Mal durfte ich vorne rein. Die Patienten seien „zu unruhig“, daher ließ man sie sonst nicht vorne sitzen. In der Türkei werden mehrere Patienten auf einmal nach Hause gebracht, so daß sie unter Umständen bis zu ener Stunde nach der Dialyse noch im Bus sitzen müssen, bis sie daheim angekommen sind. Das droht uns in Deutschland sicher auch bald. Die Touristen wurden jedoch meistens einzeln abgeholt, so daß ich meistens alleine im Dialysebus und schwatzte mit dem Fahrer, der mir auch ein paar Brocken Türkisch beibrachte.

Die Dialyse hatte Maschinen von Fresenius, Torai (eine japanische Firma, deren Schreibweise mir unbekannt ist) und Baxter. Ich bekam eine Torai, die dann am Ende auch wie die Nikiso aus Japan Musik macht. Es gab zwei Stockwerke mit jeweils einem großen Saal mit 13-14 Dialyseliegen

Es ging dort recht zügig zu. Daß ich mich noch umziehen wo llte, war dort nicht so üblich, und so durfte ich in die Umkleide des Personales und nahm dann mein Zeug mit ans Bett. Die Leiterin des Reiseunternehmens begrüßte mich und bot mir gleich das Du an. Sie führte mich schnell noch zur Waage, die bis zu zwei Stellen hinterm Komma anzeigt, so etwas haben wir nicht, bei uns ist es nur eine Stelle, aber das reicht eigentlich auch. Als ich dann unversehens bei der Liege ankam, sollte ich mich sofort hinlegen. Ich wollte grade noch meine Kopfhörer aufsetzen, da kam schon die etwas ungeduldige Frage: „Kann ich jetzt mal Deinen Arm haben!?“ Das war Gül, die Schwesternhelferin, die als einzige der Schwestern Deutsch sprach. Die Leiterin, Gülay, spricht so Deutsch wie wir, ohne Akzent und mit allen Redensarten, die wir auch benutzen. Dann kam eine Schwester, der Gül alle meine Angaben übersetzte. Mein Dialysezentrum daheim hatte mal wieder nicht alle Details des Regimes durchgefaxt, und so gab ich eben noch den Rest an, da ich ja Bescheid weiß.

Es kamen immer mal wieder Schwestern oder Pfleger, die sagten: „Blüdrück messen“, und dann gaben sie die Werte bekannt. Das "Blüdrück-Messen" und die Zahlen hatte ihnen Gül beigebracht. Dann kam das Frühstück. Wir hatten die Wahl zwischen Kaffee, Tee, Säften und Limonade. Ich nahm Mineralwasser und Tee mit Milch. Ich verlegte mich während meines gesamten Türkei-Aufenthaltes auf Tee mit Milch, da der Kaffee für mich „GREISLICH“ schmeckte. Den Tee schüttete ich dann gleich mal um, da die Untertasse für mich zu klein und zu schwer handhabbar war. Sie waren alle recht besorgt, da mir der heiße Tee direkt auf das Shirt geflossen ist, aber ich selbst bekam nicht viel ab. Es gab am Montag: Toast, ein gekochtes Ei, Tomaten, Oliven und Gurken. Mittwoch gab es immer: großes Brötchen, gekochtes Ei, Tomaten, Gurken, Oliven, Käse. Freitag und Samstag kam: ein Sesamring (super gut!), Tomaten, Oliven, Gurken, ein gekochtes Ei und Käse. Den Turnus hatte ich nach zwei Wochen raus. Mir hat das gut geschmeckt. Die Tomaten und Gurken wurden manchmal netterweise entfernt, da ich das nicht essen mag, und so bekam ich zum Tausch dann die Oliven der Nachbarin, die wiederum keine Oliven mochte, gegen meine Gurken und Tomaten. Es gab dann zwei Stunden später nochmal ein Getränk und geschältes Obst oder Baclava. Das fand ich super. Bei uns daheim machen sie so ein Gedöns wegen der paar Gurken, dem Wasser und dem zusätzlichen Salz. Obst wäre da gar nicht drin. Die in der Türkei sehen das etwas lockerer, aber dann ist ja auch das Kalium dort viel besser. Was die wohl anders machen, dass das so ist? Der Doktor sprach fließend Deutsch. Ich fragte ihn sogleich, ob ich mit meiner Erkrankung ins Hammamm darf, und er empfahl, ich solle ein Mineralwasser mitnehmen, da ich viele Mineralien verlieren würde. So freute ich mich auf diesen noch unbekannten Badegenuß. Während der Dialyse war Gülay oft anwesend und beantwortete unsere Fragen, versuchte, unsere Wünsche und Anliegen zu erfüllen und gab dementsprechende Anweisungen an die Schwestern oder an das andere Personal. Sie war sehr resolut, schwebte mit ihren zweieinhalb Zentnern und wallenden Blusen durch den Raum und schmiß die Sache! Es waren auch türkische Patienten da. Die Deutschen waren eigentlich zunächst recht weit weg von mir. Später wurdenwir dann zusammen gelegt. Aber ich hob meine Stimme schon sehr, damit es bei Nachbarbett auch ankam, und da beschwerten sich die türkischen Patienten, daß wir zu laut seien. So war eine längere Unterhaltung, die dann doch immer lebhafter wurde, nicht möglich. Einer der deutschen Patienten Sprach mich nach seiner Dialyse an und kam anmein Bett. Er und seine Frau wollten leider keine Ausflüge mitmachen, so dass ich die einzige Interessentin für die Tourset-Angebote war. Die waren schon da und wussten, warum sie darauf keine Lust hatten. Als das Wort „Strandpsaziergang“ fiel, machte ich große Augen und schwärmte, daß mir das auch gefallen würde, aber der Mann ging nicht drauf ein. Ich hatte gehofft, vielleicht würden sie mir anbieten, dass ich mitgehen könnte.
Da Gülay wohl merkte, dass mir Birrol, der Fahrer, der Deutsch konnte, auf Anhieb sympathisch war, organisierte sie es so, dass ich meistens von ihm abgeholt und heimgebracht wurde. Als wir heimfuhren, wollte ich noch zu einer Bank, um meine ominösen Reiseschecks einzulösen. Aber die Bank wollte erst einen Aufschlag, dann wollte sie den Personalausweis, der daheim im Safe lag, und dann wollte sie gar keine Schecks mehr einlösen, es ginge nicht. Bei der anderen Bank war es dasselbe Spiel. Und als wir ins Hotel kamen, nahmen die auch keine Schecks. Sie meinten, seit 2010 ginge das nicht mehr. So saß ich da mit meiner Weisheit. Am Nachmittag sollte Mehmet zu mir kommen, einer der Reiseleiter, den hatte Gülay für mich kurz engagiert, um mir die Eisdiele zu zeigen. Am Sonntag war Ossmann schon da, ein riesen Brocken, und Mehmet war genauso ein Schwergewicht. Bei dem guten Essen wundert mich das nicht. Am Sonntag bereits erklärte mir Ossmann, dass außer mir niemand an den Ausflügenteilnehmen wollte. Das würde sich für eine Person nicht lohnen, da das Benzin so teuer sei. Ich schlug vor, dann eben das Doppelte zu zahlen, denn die Ausflüge waren ja sehr günstig. Er zeigte mir noch das Freibad im Hotel, wobei wir in den Keller fahren mussten. Dort gingen wir dann raus, und um ans Meer zu kommen, mussten wir mit einem anderen Aufzug nochmal ganze vier Stockwerke nach unten. Dort waren wir dann aufeinem Felsvorsprung, und wäre ich gradeaus gelaufen, wäre ich direkt im Meer gelandet. Neben der Klippe, die die Leute als Sprungbrett benutzten, führte noch eine Treppe ins Meer. Das Hotel war auf einem Felsen am Meer gebaut worden. Zum Baden war es mir mit den 25 Grad Lufttemperatur aber zu kalt. Leider gab es, wie ja angegben war, kein Hallenbad. Darauf werde ich das nächste Mal speziell achten, denn im Freibad blendet mich die Sonne, es ist kalt, und mir gefällt das nicht so. Also nichts mit Baden. Ich traute mich auch nicht auf die Liegestühle dort, denn wenn ich nur einen Meter zu weit nach vorne gegangen wäre, wäre ich ins Meer gefallen. Mit den Sicherungen hat man es dort nicht so wie bei uns in Deutschland, ist zumindest mein Eindruck. Ich versuchte, mit Ossmann mal rauszugehen. Es war sehr schwierig. Leider sind die Gehsteige sehr holperig, es gibt viele Bollern, um Parker abzuhalten, mitten auf dem Gehsteig sind Stufen, an den Rändern sind Mäuerchen, wo es ab und an Treppen runter zu den Geschäften gibt. Da muß man höllisch aufpassen, dass man als Blinde nicht runterfällt. Auch waren um das Hotel noch zahlreiche Baustellen. Die eine Patisserie, die Ossmann mir zeigen wollte, war dann leider auch weggezogen. Viele Geschäfte bautn auch grade um oder gingen weg.

Am Montag sollte mir also Mehmet die Eisdiele zeigen. Als ich ihm erzählte, was mir mit den Reiseschecks passiert war, meitne er: „Warum haben Sie mich am Telefon nicht gefragt, ich hätte Ihnen sagen können, dass das in der Türkei nicht mehr geht.“ Na toll, wenn man immer an alles denken würd, was man fragen sollt, würde einem nichts passieren. So gingen wir zum Automaten, wo ich dann mit der Maestro-Karte unter Zahlung von Gebühren Lira abhob. Einige Touristen hatten nur Euro, aber ich wollte die Landeswährung. Wenn man mit Euro zahlte, bekam man eh oft Lira raus, und mir schien, dass die Sachen in Lira billiger waren als in Euro. Das Hotel hatte ebenfalls nebenan eine Patisserie. Ich war zweimal dort, aber als ich dann kein Kleingeld hatte, waren die unfreundlich. Ich schlug vor, dass sie es anschreiben, damit ich es dann mit der Zimmerrechnung zahlen kann. Die Angabe meiner Zimmernummer gestaltte sich mangels Sprachkenntnissen beiderseits sehr schwierig. Ich ging da nicht mehr hin, da die eh kaum Auswahl hatten.

Die Eisdiele gab es dann auch nicht mehr. Ich wollte schon ganz enttäuscht aufgeben, da zeigte mir Mehmet aber die Patisserie Salman, und die war super gut. Wir aßen ein Eis. Dumm ist dort, dass die eine Rechnung für den ganzen Tisch machen, und so zahlte ich, und weder ich traute mich, das Geld vom Mehmet für sein Eis zurückzuverlangen, noch machte er Anstalten, mir das Geld zu geben. Naja, hätte ich ihn pro Stunde bezahlt, wäre es teurer geworden. Zu dieser Patisserie ging ich dann fast täglich. Die hatten Baclava, andere süße Plätzchen in allen Variationen, guten Käsekuchen, super Eis und auch ganz leckere salzige Gebäcksorten. Den Weg meisterte ich mehr oder weniger ohne Hilfe, aber ab und an musste mich mal jemand um ein Hindernis herumführen. Die Türken merkten sofort, dass ich Touristin bin, obwohl ich ja sehr dunkle aussehe. Aber welche Blinde in der Türkei traut sich schon alleine auf die Straße? Das sagten mir Gülay und Ossmann, die das zunächst sehr erstaunlich fanden, dass jemand Blindes einfach so in die Türkei reist. Sie meinten, würden sie das jemandem aus ihrer Familie erzählen, die würden sie für verrückt halten. Dort leben die Blinden in ihren Häusern und gehen kaum raus. Zuständig ist die Familie und wohl weniger der Staat. Der sorgt auch nicht für die nötige Infrastruktur, dass Blinde barrierefrei am Verkehr teilnehmen können. Es soll wohl auch vereinzelt Blindenampeln geben, aber mir ist keine untergekommen.

Bei Salman war ein netter Kellner, der erzählte mir, dass er in Nürnberg gelebt hat. Er erzählte mir von den Straßen, Haltestellen und dem Gebiet, wo er wohnte und arbeitete. Er wohnt in Fürth und arbeitete in der Nordstadt von Nürnberg in einem Döner-Imbiß. Er erzählte mir auch, dass die alten Straßenbahnen von Nürnberg nach Antalya gegangen seien. So sahen sie auch aus. Auch Birrrol, der Fahrer, der so gut Deutsch sprach, hatte seinen Abschluß in Nürnberg gemacht. Mehmet und Ossmann sprachen auch akzentfrei, die lebten wohl auch lang in Deutschland. Birrols Schwester wohnt sogar noch in Nürnberg in meinem Stadtteil! So ein Zufall!

Mehmet hatte mir erklärt, dass gegenüber der Salman-Patisserie das Kemal-Atatürk-Museum sei. Da ich gerne kulturelle Ausflüge mache, ging ich sofort dort hin. Aber da verstand mich niemand: Kein Deutsch, kein Englisch! Die Frau hielt mir dann einen Telefonhörer hin, da sprach jemand Englisch und erklärte mir, dass ich nichts anfassen dürfe, und dass man nur Türkisch könne. So führte mich eine der Frauen durch das Museum, ich sah nichts, erkannte nur ein paar Tische und Stühle, hörte ihr Gemurmel, irgendwas von Kemal Atatürk, und draußen war ich. Ich fragte nach dem im Telefongespräch erwähntn Antalya-Museum. Wieder hielt sie mir Ihr Handy hin. Da sprach die Frau aus dem Hörer, dass man mich in die Straßenbahn setzen würde, die dort in der Nähe sei, ich könne dann zum Antalya-Museum fahren. Gesagt, getan, die Frau setzte mich in die alte ehemals Nürnberger Straßenbahn. Ich fragte den Fahrer, was es kostet, hörte nur einen Schwall Türkisch, hielt ihm eine Lira hin, und er gab mir eine halbe heraus. In Abständen fragte ich ihn nach dem Antalya- Museum, da ich fürchtete, er könnte mich vergessen haben. Die Frauen neben mir sagten nur immer : „HEIR; HEIR“, was nein bedeutet. Dann drehte ich mich um und rief in die Bahn: Does anyone speak English here?“ Da erklärte mir dann ein Mann, dass das Museum an der Endhaltestelle sei. So konnte ich beruhigt durchfahren. Dort veranlasste der Fahrer, dass mich ein Fahrgast zum Museum führen sollte. Dort angekommen vernahm ich Spanisch, fragte sogleich nach der Kasse. Dort sagte man mir, in Deutsch gäbe es keine Führung, aber in Englisch. SO verstand ich es zumindest. Als ich die 7 Euro ohne Behindertenermäßigung gelöhnt hatte und meine Karte bekam, war es nichts mit Englisch. Es wurde mir ein Flyer in die Hand gedrückt, man schob mich durch eine Absperrung, und als ich zu erklären versuchte, dass ich als Blinde mit einem Flyer nichts anfangen könne, schob sie mich einfach weiter. Ich war so sauer auf diese Dame, dass ich ihr einfach aus Zorn den Flyer vor die Füße warf und davon ging. Ich hörte dann die Spanier und schloß mich der Gruppe an. Deren Reiseführerin konnte Spanisch und erklärte alles. Ich verstand durch mein Studium so um die 70% und konnte somit etwas folgen. Die Spanier nahmen mich mit und meinten, ich sei mutig, so alleine da hinzufahren. Als die Führung vorbei war, meinte die Reiseführerin, sie hätten nun eine Stunde Zeit, sich die Teppiche, den Schmuck und das Keramikwerk anzusehen. Ich fragte sie, ob sie mir gegen Bezahlung och einiges erklären könnte. Sie meinte, das sei nicht notwendig. Ich freute mich schon auf die kostenlose Erklärung, aber sie war auf einmal verschwunden. Ich war so sauer und rief einfach mal „HALLO“, weil ich hoffte, dass vielleicht jemand eine meiner Sprachen können würde und mir helfen könnte. DA kam ein Wachmann und schob mich unsanft zum Aufzug. Ich fürchtete schon, dass er mich abführen würde. Er meinte: „Ascenseur, Woman, English!“ Er führte mich zu einer Person, die gebrochen Englisch konnte. Sie verstand allerdings besser Spanisch, und so erkärte ich ihr, dass ich weder eine Behindertenermäßigung erhalten noch sonst einen Ausgleich oder eine Hilfe bekommen hätte, und dass ich das unmöglich fände! Diese Mentalität ist denen total fremd. Wobei es mir in Konstanz auch schon bei einer N apoleon-Ausstellung passierte, dass mich eine Angestellte anfauchte: Was wollen Sie denn hier, Sie sehen doch eh nichts! Aber in der Türkei gibt es gar keine Möglichkeiten für Blinde, ins Museum zu gehen und eine kulturelle Teilhabe zu erleben. So bat ich darum, mir ein Taxi zu rufen, und ich fuhr ließ mich für ganze 15 Lira, die ich auf 20 Lira aufrundete, was 10 Euro entspricht, zurück ins Hotel fahren, was fast eine halbe Stunde dauerte. Dafür kostete das Taxi wirklich wenig.

Ich erhielt durch Mehmet die Info, dass Ossmann zwei Leute gefunden hätte, die die Stadtrundfahrt mitmachen wollten. Am Donnerstag sollte es losgehen. Ich wurde von Ossmann abgeholt, wobei der Bus Sitze in gegenüberliegenden Reihen hatte. Mir wurde fast wieder schlecht, weil ich nicht vorne sitzen konnte, da ich ja die Erklärungen mitbekommen wollte. Es war noch ein Ehepaar aus Heidelberg dabei. Die kannten sogar meinen alten Professor, der mich damals mit dem Shunt so hängen gelassen hatte. Dort hatte ich ja während meines Kuraufenthaltes in Heidelberg dialysiert. Der Mann kannte auch die Krankenschwestern und Pfleger dort, da er dort ebenfalls dialysiert, und er kannte auch das Personal vom Uniklinikum. So hatten wir einiges zu erzählen und auszutauschen. Wir bekamen einige Daten, dass Antalya die sechstgrösste Stadt der Türkei sei, und dass die Türkei mit der doppelten Fläche Deutschlands aber dieselbe Einwohnerzahl habe. Dann ging es zum Wasserfall mit Namen Carpus Caldran (oder so ähnlich). Ich habe ein paar akustische Aufnahmen mit meinem Notizgerät vom Rauschen gemacht, und Ossmann machte ein paar Bilder mit meinem Photoapparat. Danach ging es zu einem Schmuck-Outlet. Dort empfing uns eine fließend Deutsch sprechende Türkin, die in Heilbronn gelebt hatte. Sie war ziemlich aufgebrezelt und pries sehr aufdringlich ihre Waren an. Als ich ihr meinen Ring zeigte, meinte sie, da fehle ein Lapislazuli. Wenn ich den ersetzen ließe, und wenn ich ein Schmuckstück kaufen würde, bekäme ich die Reparatur des Lapislazuli-Ringes umsonst. Es gäbe schon schöne Stücke ab 15 Euro. Wir könnten außer mit Spielkarten mit allen gängigen Karten zahlen, hahaha. Und Reparaturen seien kein Problem, man könne alles in die Türkei schicken, und größere Schmuckstücke würden auch nachgesandt, wenn man heimfliegt. Alles sei möglich. Dann sollte ich separat in einen Raum, um mir ein nettes Schmuckstück auszusuchen, die anderen könnten ja derweil sich noch weiter umsehen. Ich bat die Heidelberger, doch mit mir zu gehen, ich roch gleich den Braden, dass sie mich separat halten wollten, um mir was Teures anzudrehen. Die nahm mich fast mit Gewalt und wollte mit allen Mitteln verhindern, dass die beiden mitkamen, aber die ließen sich einfach nicht abschütteln. Dann zeigte sie mir einige Steine, aber sie meinte, das Gold für die Fassung müsse ich extra noch zahlen. Auf meinen Einwand hin, dass ich doch angeblich was für 15 Euro kriegen könnte, meinte sie, das habe ich falsch verstanden. Da pflichteten mir die Heidelberger bei, dass sie das so gesagt habe. Dann pries sie weiter ihre Ware an, kaufen Sie das, kaufen Sie das. Wir bekamen was zu trinken, wobei ich ablehnte wegen dem Wasserhaushalt, während der Mann, der mir gegenüber vorher noch betont hatte, dass er GAR keine Ausscheidung mehr habe im Gegensatz zu mir, gleich das Getränk annahm. Da wundert mich nicht, woher die anderen soviel Wasser mit an die Dialyse bringen. Jedenfalls lehnten wir kategorisch JEDES Teil ab, das sie uns anbot und erklärten ihr mehrfach, dass wir kein Geld hätten. Sie gab mir eine fein gearbeitete Kette in die Hand undmeinte, dass ich die doch mal anfühlen sollte. Ich war skeptisch und sagte, dass das Ding doch gleich reißen würde. Neinein, das ist speziell gearbeitet, sehen Sie. Sie zog an beiden Enden zur Demonstration und --- die Kette riß durch! Sie war fertig, musste aber selbst lachen. Wir konnten uns nicht zurückhalten und feixten kräftig. Hinterher meinte sie, für meinen Ring gäbe es keine Lapislazuli bei ihnen, der sei zu klein. Hätte ich was gekauft, hätten sie sicher einen kleinen Lapislazuli gehabt.

Dan ging es gleich zum Leder-Outlet. Dort sahen wir erst mal eine Modenschau an. Auch ich konnte einiges erkennen, da der Laufsteg sehr gut ausgeleuchtet war. Danach ging s in die Verkaufshalle. Dort begrüßte uns ein Türke, der uns gleich einen Kaffee anbot. Ich ließ mich dann doch zu einem Espresso überreden. Der war auch mit Abstand das Beste, was ich in Antalya an Kaffee gekostet habe. Er war gar nicht aufdringlich, wir quatschten nur, er erzählte uns, dass er lange in Österreich gelebt hat, an Epilepsie liett, und er zeigte uns nur eine Jacke, die hauchdünn war. Das Leder ist beeindruckend weich, als würde man eine Regenjacke anfassen. Für den Preis von einer hätte man zwei Jacken bekommen, aber das wäre sicher immer noch teuer gewesen.

Ossmann hatte, nachdem er gemerkt hatte, wie blöd wir die aufdringliche Tusse beim Schmuck fanden, einen extra wenig aufdringlichen Verkäufer angerufen, der sich unserer angenommen hat.

Danach sind wir dann was Essen gegangen, bzw. Es gab in der Innenstadt eine sehr gute Patisserie mit Mandelkuchen. Ich probierte gleich Rübli- und Mandelkuchen, wobei Letzterer besser schmeckte. Danach konnten die beiden anderen Herrschaften nicht mehr laufen, da ihm oft schwindelig war (er dialysiert wie ich auch vier mal pro Woche), und sie war auch schon älter. Ossmann ging mit uns zum Hafen, da er dort etwas für eine andere Reisegruppe erledigen musste. Ich wollte noch etwas in der Altstadt bleiben und wollte alleine zum Hotel zurück, da die anderen nur noch auf einer Bank saßen und dort auf den Bus nach Hause warteten. Da es sehr steil war, konnte ich nur bergauf gehen. Abwärts wäre ich hoffnungslos nach unten geschlittert trotz guter Schuhe. Ich ging ab dem Hafen dann also wieder aufwärts. Die Gassen wwaren sehr eng. Es hatte kaum ein Auto Platz. Es kam auch kaum eines. An den Rändern waren lauter Händler mit Touristenkram wie Sonnenbrillen, original gefälschten T-shirts, Tüchern, Modeschmuck etc. Jedesmal, wenn ich nur etwas länger stehen blieb und guckte, wurde ich sofort angesprochen oder sogar hereingebeten. Ich wand mich aber immer wieder aus der Situation heraus und kaufte nichts. Ich stieg und stieg und wurde jedes Mal in eine andere Richtung geschickt. Mal sollte ich links, mal rechts abbiegen. Irgendwann kam ich dann auf die Promenade Kemal-Atatürk-Straße, wo auch die Sl aman-Patisserie ist. Dort ging ich dann in Richtung Talya-Hotel. Es war meistens so, dass mich jemand schon von Weitem erkannte und abfing und heim brachte. Woher die Leute das wussten, und wer das war, weiß ich nicht. Wahrscheinlich waren es Angestellte vom Hotel oder Leute, die da oft rumliefen und mich erkannten. Es saß auch immer vor einem Laden ein Cokerspaniel, der sich streicheln ließ. Diesmal blieb ich lange vor dem Hotel hängen und wußte nicht weiter. Es sprach mich eine Dame an, ich könnte mit ihr fahren, ich solle noch 10 Minuten warten. Dann sollte ich ein ein feines Auto einsteigen, hatte aber etwas Angst, einfach mit Fremden mitzufahren. Sie stieg ebenfalls ein, so war ich beruhigt. Ein Mann war am Steuer, vorne war eine Frau und hinten die andere. Ich hörte, dass sie immer wieder Talya Hotel sagten. Am Ende kam ich dann auch dort an. Sie ließen ich raus, ich bedankte mich mehrfach mit „saol, saol“, und ich war glücklich, dass es so nette Leute gab, die mich mit so einem schönen und ruhigen Auto nach Hause fuhren.

Im Hotel war es auch immer super. Sobald ich wo herumstand, kam jemand und brachte mich aufs Zimmer, zur Rezeption, zum Aufzug, oder wo immer ich hin wollte. Ich saß einmal einen Vormittag draußen und hörte Hörbuch. Als ich aufstand und die Eingangstür vom Garten in die Lobby suchte, war schon jemand da, um mich hinzubringen. Ich dachte, die haben mir wohl einen Peilsender angebracht, damit sie immer wissen, wo sie mich aufgabeln müssen Offenbar stehen da überall die so genannten Bellboys herum und sind zur Stelle, wenn Hilfe gebraucht wird. Auch aus dem Speisesaal wurde ich immer zum Aufzug geführt. Ich fühlte mich wie eine Prinzessin oder eine Prominente, weil ich so viel aufmerksamkeit und Hilfe bekam.

Da ich nicht an einem Strand untergebracht war, wo man langlaufen kann, besprach ich mit Gülay, dass Birrol mich einmal zum Conia Alte Beach nach der Dialyse bringen könnte, und von da würde ich dann einen Spaziergang zum Beach Park Hotel machen, von da aus dann einen Taxifahrer anrufen, um heimzukommen. So machten wir es auch. Ich erhielt die Nummer eines gewissen Bessalet, der öfter schon für Gülay Leute gefahren hat. Irgendwie hängt das mit den Hotels zusammen, dass man nur bestimte Taxifahrer bekommt. Gülay meinte, ich solle den Taxifahrer nicht direkt vom Hotel aus anrufen, da die ihre eigenen Taxifahrer hätten. Ich ließ mich also zum Strand fahren und lief oben entlang, da unten zuviel Kies war. Alle paar Meter hörte ich so ein Gedudel irgend einer Strandbar, wo sie Hamburger und anderen Mist verkauften. Das Meeresrauschen ging da leider unter, aber die Dinger boten eine gute Orientierungshilfe. Da das Beach Park Hotel schon so schnell kam, ging ich noch etwas weiter und drehte dann wieder um. Ich hätte gleich in dieses Hotel zum Essen gehen sollen, wo die schöne Musik her kam, aber ich wollte eben ins Beach Park. Dort bekam ich dann aber nur so Junk-Food wie Toast mit türkischer Wurst. Ein richtiges Mittagessen wollte ich nicht, da ich lieber Kuchen oder Gebäck wollte, aber die hatten an kleinen Snacks eben nur dieses Zeugs. Die Hälfte habe ich runter bekommen, den Rest hätte ich nicht mal einem Hund gegeben, so fettig war das. Dann lief ich noch etwas auf und ab und dachte, vielleicht gibt es noch ein Café, wo man Kuchen kriegt. So denkt man halt in Deutschland. Aber nichts war zu finden, nur Hotdogs und Co. Dann ging ich zu einem Hotel, wählte Bessalets nummer und drückte mein Handy einem Hotelangestellten in die Hand, damit er ihm erklären möge , wo ich bin. Als ich dann wartete, bot man mir was zu Trinken an. Ich bat um ein Eis. Es kam genau, als das Taxi heranfuhr. Ich erhielt aber dennoch eine Eistüte, und als ich bezahlen wollte, meinte der Kellner, ich bekäme es geschenkt. Das fand ich total nett, Während des Wartens wollte ich mich kurz auf den Boden setzen, weil ich nicht so lange stehen kann, und schon stellten sie mir einen Stuhl raus. Das finde ich immer sehr schön, wenn man so hilfsbereit ist. Durch die Stadt brauchten wir dann wegen eines Fußballspieles viel länger als geplant. Ich hörte später, dass die Mannschaft von Antalya sogar in meinem Hotel untergebracht sei. Gott sei Dank wurde das Hotel nicht von irren Fans belagert.

Da ich den anderen Strand auch mal kennenlernen wollte, der Lara-lBeach hieß, fragte ich BIrrol, ob er mal mit mir da hinginge, und auch zum Eisessen. So fuhren wir nach seinem Dienst, der um 19 Uhr endete, mit dem Dialysebus zum Lara-Beach. Dort liefen wir unten im Sand. Das war vielleichg anstrengend! So hätte ich mir das nicht vorgestellt. Da ich ja nicht viel trinken darf, und ich ohne Wasser keinen Sport machen kann, endete der Spaziergang nach ca. 700 Metern, immerhin. Wir gingen dann zu einer Eisdiele, und dort lud ich dann Birrol zum Eis ein,weil er nach seinem Feierabend so nett mit mir zum Strand gegangen ist. Da kosteten doch zwei Portionen Eis à drei Kugeln ganze neun Euro. Das fand ich schon sehr teuer für eine türkische Eisdiele. Aber es war ganz gut, auch, wenn es sich etwas fädig zog. Es war ein schöner Abend, und so bin ich doch noch zu meinem Strandspaziergang gekommen. Da liefen lauter wilde Hunde herum, die uns laufend ankläfften. Birrol jagte sie jedes Mal weg, die Armen sind wohl ausgesetzt worden und streunern jetzt so herum.

An der Dialyse durfte ich auch DVD gucken. Mit den Kopfhörern war es etwas ein Problem, da die nicht vollständig kompatibel waren. So dauerte es immer ewig, bis wir eine DVD anschmeißen konnten. Eine war kaputt, eine andere ging dann. Eine durfte ich mir sogar mit heim nehmen, kopierte sie in Deutschland und schicke sie jetzt wieder zurück. Ich gab noch Wüstenblume dazu, damit sie wieder neue DVDs für andere Gäste haben. Ich hatte mir einige Hörbücher auf CD kopiert im MP3-Format und wollte sie alle dort hören, damit ich nicht tausend CDs mitschleppen muß, und alles auf einer Scheibe ist. Den Gedanken hatten wohl auch andere schon vor mir, denn Gülay konnte mir einige CDs mit vielen Hörbüchern ausleihen. Ich ließ dann auch immer meine fertig angehörten CDs für wiederum andere Gäste da. Ich hörte insgesamt acht Hörbücher. Die Zahl ist daher wichtig, da ich wenig unternehmen konnte, weil ja keinr außer mir Interesse hatte. Die anderen suchten andere Tourismusunternehmen auf, um Ausflüge mitzumachen, oder sie waren zu krank, um viel zu unternehmen, wie eben das ältere Ehepaar. Ich war genau dazwischen, zu behindert, um mir selbst ein Unternehmen zu suchen, ohne Gefahr zu laufen, reinzufallen, und wiederum zu fit, um nur daheim herumzusitzen. So saß ich halt lange Zeit auf meinem Balkon, mal im Bikini, wenn s mal wärmer war, mal in kurzen Sommerkleidern. Etwas Farbe habe ich wohl angenommen. Ich hatte gut schützende Sonnencreme dabei. Wenn die Sonne schien, war es wirklich brühend heiß. Sobald sie aber etwas verdeckt oder weg war, war es doch noch sehr frisch. Ins Wasser wäre ich da eh nicht gegangen, und extra mit Bikini, Sack und Pack, Hörbüchern und Walkman nach unten auf die Terrasse zu gehen, war mir dann doch zu stressig. So genoß ich die Tatsache, mal einen SONNIGEN Balkon zu haben. Wenn es mir zu heiß war, ging ich wider nach drinnen. Eigentlich finde ich solche Erholungsurlaube stinklangweilig, aber man muß das Beste draus machen.

Ich hatte auch den Ausflug am Sonntag mit dem Bazar- und Moscheebesuch ausgesucht. Der fiel aber mangels Beteiligung ebenfalls ins Wasser. Birrol konnte nicht, da sein Sohn an diesem Nachmittag ein wichtiges Rennen lief, und er natürlich dabei sein wollte. So sprach ich mit Gülay. Die meinte zunächst, viel hätte ich da nicht versäumt, denn es gäbe eh keine Kamotten aufdiesem Bazar. Aber ich wollte halt unbedingt, damit ich weiß, wie es aufeinem Bazar zugeht. So rief sie Bessalet an, ob er am Sonntag mit mir da hinfahren würde. Er meinte, ja, aber er würde 40 Euro anstatt 25 Euro verlangen plus Verpflegung. Als er kam, war ich geschockt, denn er kam mit zwei Kindern (einer war schon erwachsen und saß am Steuer) und seiner Frau. Na das kann ja ein teurer Spaß werden, dachte ich mir. Der Junge am Steuer, es war ein 6-Sitzer-Taxi, konnte Deutsch. Wir hielten in „Tschakalar“oder wie auch immer das ausgesprochen und geschrieben wird. Dort gingen wir Frühstücken. Wir stiegen ein paar hölzerne Stufen hinauf, mussten die Schuhe ausziehen und saßen in einer Art „Hochzelt“ mit Planen drum herum auf dem Boden auf Kissen. Das gefiel mir sehr gut, weil es so orientalisch war. Aber es war so stickig, dass ich unbedingt den Reißverschluß der Plane offen haben musste. Er bestellte dan Börek, was man mit Kartoffeln, Zwiebeln oder Fleisch haben konnte. Dazu kamen Oliven, Tee, Käse und Wallnüsse. Ich hatte zwar schon gefrühstüpckt, aber ich futterte auch mit. Die Börek-Pfannkuchen schmeckten super. Es ist kein Vergleich mit dem eklig fettigen Zeugs, was man in unseren Döner-Buden kriegt. Es war dann auch Gott sei Dank nicht so teuer. Insgesamt gab ich ihm 100 Lira, 50 Euro, wobei er noch für 4 Euro aus diesem Geld meinen türkischen Honig bezahlte, den ich für meine Katzenbetreuerin daheim und für mich mitnahm.

Zuvor gingen wir aber noch in die Murat-Pascha-Moschee. Als wir aus dem „Frühstücks-Dorf“ wegfuhren, wunderte ich mich schon, warum wir nicht in den Bazar gingen. Als wir dann unterwegs besprachen, was wir machen – Bessalet hat auch lange in Deutschland gelebt und spricht ganz gut Deutsch --, wunderte er sich, dass ich auch in den Bazar wollte. Ich war schon ganz enttäuscht und dachte, jetzt fällt der Bazar aus, weil wir schon so weit weggefahren waren und nicht mehr umdrehen konnten. Aber er fand bei der Moschee auch einen Bazar. In der Moschee mussten wir die Schuhe ausziehen, aber ich durfte kurzärmelig hineingehen. Wir gingen icht so weit vor, da gerade Gebet war. Ich nahm den Muezin mit meinem Diktiergerät auf. Das ging ganz schön lang. Wir gingen auch aus der Moschee hinaus und stellten uns 20 Meter weit weg, um das Gebet aus dem Lautsprecher aufzunehmen. Früher saßen die Muezine in den Minaretten drin, aber heute können sie dank der modernen Technik unten in ein Mikrophon singen, ehhh, beten, SINGEN dürfe man nicht sagen, das sei eine Beleidigung, warum eigentlich? Jedenfalls gingen wir dann auf den Bazar, wo es gut nach Gewürzen roch. Überall waren Stände. Ich kaufte den türkischen Honig und zahlte Bessalet aus, der das Essen ausgelegt hatte. Dann kamen wir an einen Parfümstand. Dort kaufte ich 100 ml nachgeahmtes Channel No 5 und 50 ml nachgemachtes Laura Biagiotti Roma. Er wollte 50 Lira dafür. Ich wäre schon drauf und dran gewesen, das zu zahlen, aber Bessalet meinte, ich solle handeln. Ich sagte, 30 Lira. Der Mann meinte, ein armer Mann bräuchte doch noch was zum Leben, und er wolle 35 Euro. Auch das hätte ich beinahe gelöhnt, aber Bessalet griff ein und meinte: Die Frau sagt 30, also 30. Ich war total glücklich. Dann gingen wir zu einem Stand mit Ringen. Dort handelte Bessalet einen Preis von 15 Euro für mich aus. Später erfuhr ich, dass die Sachen ohnehin icht mehr wert sind, und die erst ganz weit oben anfangen, die Touristen übern Tisch ziehen, und dann meint man Wunder wie weit man herunter gehandelt hat, beide Parteien sind glücklich. Bessalet meinte dann immer wieder: „Sag nichts Gülay, dachtest schon, isch bring disch nischt Bazar, bist DU jetzt zufrieden, lach mal, sag aber nix Gülay.“ Er hatte wohl Angst, dass Gülay ihn schimpft, wenn ich ihr sge, er habe den Bazar zunächst vergessen. Ich war aber total happy mit meinem Errungenschaften.

Daheim im Hotel erzählte ich alles stolz meinen Eltern und meinem Bekannten am Telefon. Meine Eltern meinten, ich müsse nun Zoll für das Parfüm bezahlen, und alle meinten, ich müsse eventuell Strafe zahlen. Aber als ich Gülay das erzählte, lachte die nur umd meinte, dass das ganz normal sei, dass da keiner kontrolliert, denn es steht ja nicht Channel No 5 drauf. Es gäbe in der Türkei viele Häuser, wo man diese Nachahmerprodukte günstig kaufen könne, ich täte nichts Illegales. Da war ich dann beruhigt. Man soll halt nicht auf alles hören, was einem andere erzählen, und sich nicht verrückt machen lassen. Hinterher war nämlich gar kein Zoll da, der überhaupt irgendwas kontrolliert hat.

An einem Dienstag ging es dann ins Hammamm. Ich wurde abgeholt und in einen Bus gesetzt. Keiner sprach Deutsch. Dort dann endlich wurde ich von einer Deutsch-sprechenden Türkin namens Hylia empfangen. Sie brachte mich zu einer Umkleide. Auffallend war, dass viele Leute, auch Mitarbeiterinnen, Russisch sprachen. Dann bekam ich vom Dr. Seltschuk empfohlene Mineralwasser. Ich hörte mittlerweile auf ihn, da er offenbar ziemlich Ahnung hat. Denn wegen einer Verstopfung aufgrund der Rhythmus-Umstellung zur Morgendialyse und wegen des ungewohnten Essens (meine Nachbarin bekam Durchfall), erhielt ich Laktulose und sollte diese erst abends einehmen. Da ich aber zu ungduldig war, schluckte ich das Zeugs gleich. Die Wirkung ließ nicht lang auf sich warten. Beim Abendessen bekam ich dan solche Krämpfe, dass ich schon Angst hatte, es würde jemandem auffallen, weil ich total gekrümmt am Arm der Angestellten ins Zimmer ging. So befolge ich also den Rat mit dem Mineralwasser und schleppte es überall mit hin im Hammamm. Zuerst wurde ich auf einen heißen Stein gelegt. Dort übergoß mich eine Frau mit warmem Wasser. Dann wurde ich mit einem Peeling-Handschuh abgerubbelt. Danach kam wieder Wasser. Dann wurde ich mit Schaum vorne und hinten eingeseift. Danach wurde ich wieder mit Wasser übergossen. Dann sollte ich ruhen. Später holte mich Hylia zur Massage ab. Eine Frau ölte mich ein und massierte mich. Sie war erstaunt, dass ich schon 42 war, sie meinte immer wieder: beautiful face, beautiful body. Aber deshalb gab es auch nicht mehr Trinkgeld. Dann ruhte ich wieder, zog mich an und wartete draußen auf den Bus. Ich musste das Wasser bezahlen, da es aus der Bar kam. Den Tee hätte ich so gekriegt. Ich hatte vorher erklärt, dass die Empfehlung vom Doktor kam, aber das war denen egal. Auf den Tee musste ich verzichten, damit ich nicht zuviel Wasser ansammelte. Das war ärgerlich. Ich gab ihnen dann 10 Lira Trinkgeld, wovon noch das Wasser abging. Das war zwar etwas weig, aber ich musste mit dem Geld haushalten, und ich war etwas angegrätzt, dass der Tee kostenlos war, den ich nicht trinken durfte, während die ärztliche Empfehlung was kostete. Außerdem hat der Spaß sowieso 25 Euro gemacht. Dann hatte ich schon Angst, dass der Bus mich dagelassen hätte, weil ich kein Wort Türkisch kann, und so rief ich Hylia nochmal, die mit guckte, dass ich in den Bus kam. Aber die Herren wussten ja, wer ich bin, und so hat es geklappt. Wenn man nichts oder so wenig sieht wie ich, ist einem schon mulmig, wenn man so an einem fremden Ort ist, ohne mit den Leuten sprechen zu können. Der Tag war ideal für ein Badehaus, wo es total heiß war, denn draußen war es zur Abwechslung mal richtig regnerisch. So hab ich mir auch gleicheine Erkältung eingefangen, wie ich am nächsten Tag feststellte.

Es fing an mit Halsweh, und ich fühlte mich immer grippiger. Die Frau Doktor Funda (hier redet man die Ärzte mit Doktor und Vornamen an), die ich sonst auch total goldig fand, weil sie mir die Hand geschüttelt hat, wie mein Kalium so gut war, verordnete mir ein Clacid, ein Antibiotikum, das ich aber so schlecht vertrug, und solches Leibweh bekam, dass üich die Englein schon singen hörte. Es zog bis zum Herzen hinauf, und da ich bald fliegen würde, wollte ich mir das nicht auf der Reise antun.

Vor meiner Abreise erlebte ich noch eine schöne Überraschung. Da die Aschewolke zu der Zeit grade über Europa schwebte, konnten keine Touristen angeflogen werden. So fiel die von Turset angebotene Türkische Nacht mit Folklore und Essen auch aus. Birrol wusste auch nicht, wo ich noch Folklore hören könnte. Im Radio lief ab und an solche Musik, und der eine Dialysefahrer, der kein Deutsch konnte, stellte für mich den Sender ein, als er merkte, dass ich das gerne höre. Es war sowieso fraglich, ob ich nach Hause würde fliegen können, da nicht absehbar war, wann sich die Wolke wieder verzog, und ob man Flieger am Himmel zulassen konnte. Daher war ich etwas enttäuscht, dass die Türkische Nacht ausfiel. Aber als ich einmal beim Abendessen saß, hörte ich, dass jemand in ein Mikrofon schnalzte und zählte, was sich nach einer Mikro-Probe anhörte. Als ich nachfragte, wurde mir erkärt, dass eine Türkische Nacht im Hotel stattfinden würde. Ich war so froh und fragte, ob ich bleiben und zuhören könnte nach dem Essen. Ja, und so setzte man mich noch weiter zur Bühne. Es kostete sogar nichts. Bei Tourset hätte es 25 Euro gekostet. Das fand ich dann ausgleichende Gerechtigkeit, da ich soviel extra für Taxi und Trinkgeld ausgeben musste, weil keine Reisegruppen zustande gekommen waren. Leider war ich da schon etwas krank und war froh, als der Abend zu Ende war, weil ich nur noch ins Bett wollte, toll war es aber dennoch, und ich habe etwas auf mein Diktiergerät aufgezeichnet.

Da mein Rucksack schon bei der Anreise übervoll war, und da ich noch von Gülay türkischen H onig bekommen hatte, um ihn meiner Katzenbetreuung mitzubringen, und ich nun ja auch noch türkischen Honig hatte und vom Salman noch Gebäck einkaufen wollte, entschloß ich m ich dazu, um nicht wieder meine Badelatschen in der Handtasche schleppen zu müssen, eine zweite Reisetasche zu kaufen. Ich wollte eine mit Rädern und fragte Gülay, wie viel Kilo ich denn mitschleppen durfte im Flieger. 20 Kilo, und ich hatte schon 14. So lehnte ich den Koffer ab, den Gülay mir zum Kauf anbot, da er zu groß war und zuviel Eigengewicht hatte.

Da Bessalet wegen dem beinahe versäumten Bazar offenbar ein schlechtes Gewissen hatte, bot er mir an, mich am folgenden Tag kostenlos Spazieren zu führen. Ich solle ihn anrufen, er habe frei, wir könnten in den Park gehen. Ich ließ es bei ihm dreimal läuten, und er rief zurück. Dann meinte er aber, die Schwiegereltern seines Sohnes seien gekommen, er könne jetzt doch nicht mit mir Spazieren gehen. Naja, so was dachte ich mir schon fast. Als ich also die Reisetasche, weitere Euros brauchte, und auch nochmal in ein solches Parfümhaus mit nachgeahmten Parfüms wollte, bat ich Gülay, ihn nochmals anzurufen, da ich mich nicht mehr traute, sonst hätte er gedacht, ich wolle schon wieder kostenlos Spazieren gehen. So bekam ich vorsorglich eine kiste von Gülay, falls ich keine Tasche finden würde. Bessalet meinte: „Hab isch Nachbar, hat Taschengeschäft, macht gute Preis.“ So sind wir da hingefahren. Der erste Geldautomat hatte keine Euro-Scheine mehr, da er erst in einer halben Stunde aufgefüllt würde, so ein Pech aber auch. So legte Bessalet mir das Geld aus. Wir durften uns setzen, bekamen Apfeltee angeboten, und mir wurden einige Modelle gezeigt. Ich entschied mich für eine Reisetasche auf Rädern, da ich die dann auch daheim noch für Einkäufe nutzen konnte. Er handelte sie von 30 Auf 25 Euro herunter. Dann waren wir noch im Parfümladen, wo ich zweimal Carolina Hereras (einmal Chick und einmal Sexy) und noch ein Job-Parfüm kaufte, das kostete sogar alles a 50 ml zusammen nur 25 Euro. Dann fanden wir endlich einen Geldautomaten, der Euros ausspruckte. Ich bekam 5 Zwanziger. So musste ich ja Bessalet jetzt das ausgelegte Geld zurückzahlen. Das waren 50 Euro. Als ich ihn fragte, was er denn für die Taxifahrt wolle, meinte er: „Was DU mir geben willst.“ Sowas mag ich gar nicht, denn da ist man immer in der Bredouille, und es ist dann an mir, ob ich geizig bin oder nicht . Wenn er konkret was verlangt hätte, wäre es mir lieber gewesen. So sagte ich: 20 Euro. Da hätte ich ich ihm also insgesamt 70 Euro geben müssen. Ich hatte aber nur Zwanziger und gab ihm vier Stück. Das waren 80 Euro. Da meinte er: Muß ich Dir jetzt 10 rausgeben? Da konnte ich ja schlecht sagen, JA, gib mir 10 Euro raus, und so erließ ich ihm den Rest. Er gab mir dann 10 Lira wieder und meinte: Das ist korrekte Preis. So hab ich ihm ganze 25 Euro gegeben. Das ist für türkische Verhältnisse schon ganz schönes Geld. Dann fragte ich ihn, ob er Lust habe, mit mir zum Salman Kaffee trinken zu gehen. Wir stellten meine „Beute“ im Hotel ab, und die waren sogar so nett, das Ganze auf mein Zimmer zu bringen. Wir liefen zu Fuß zum Salman. Dort aßen und tranken wir beide, und dann kam ein Anruf für Bessalet. Er stand auf, und ich blieb mit der Rechnung sitzen, ganz sauber!

Und doch hatte ich zuwenig Euros abgehoben, die waren schon wieder alle. An nächsten Tag fuhr Birrol mich zur Notapotheke wegen des verordneten Antibiotikums, denn es war Kinderfeiertag in Antalya. Ich hatte, da es mein letzter Tag war, an der Dialyse fünf Euro und fünf Lira Trinkgeld dagelassen, etwas zu wenig, aber es ist ein Kreuz mit den Währungen und dem pa ssenden Kleingeld, und 20 Euro waren mir definitiv etwas zufiel. Bin ja kein Croessus. Dann blieben mir 20 Euro übrig, und das Medikament kostete 15 Euro. So konnte ich Birrol nur 5 Euro Trinkgeld geben, weil ich es passender nicht hatte, und das tat mir so Leid, weil ich ihn sehr mochte, und er mir sehr viel geholfen hat. Aber auch am Automaten kam nichts Passendes. Da ich krank war, und da ich unbedingt bei Salman mein Gebäck für Deutschland mitnehmen wollte, fuhren wir auch da noch vorbei. Ich da chte, vielleicht können die auch wechseln, und dann kann ich Birrol noch mal fünf Euro geben. Aber die nahmen nur Lira. Somußte ich mit Maestro- Karte die 7 Lira für das Gebäck bezahlen, ziemlich doof. Im Hotel wollte ich dann meine Zimmerrechnung für Telefon und Minibar bezahlen. Ich hatte nur ein Getränk, das ich mehrere Tage leermachte, da ich ja eh nicht viel trinken darf. Dann schmuggelte ich eine riesige Wasserflasche ins Hotel, die Mehmet hochtrug in einer Tüte. Das Leitungswasser kann man nicht mal zum Zähneputzen nehmen, da ich Zahnfleischentzündungen bekam. Aber dennoch war die Flasche am Ende noch nicht leer. Ich holte dann die Rechnung für alles an der Rezeption ab. Ich fragte, ob sie eine Tip-Box haben, und wie viele Abteilungen es gibt. Er zählte fünf Abteilungen auf, und als ich schon die Augen etwas verdrehte, meinte er, das sind dann auch alle. Ich gab 50 Euro, also 10 pro Abteilung wie: Technik, Zimmerservice, Küche, Restaurant, etc. Da sie auf Euro nicht rausgeben konten, und ich nur 50er hatte, musste ich schon wieder mit Maestro-Karte die Zimmerrechnung begleichen. Es ist wirklich ein „G’frett“ mit diesem Umtausch usw. Daheim habe ich das mit den Reiseschecks gleich bei der Bank zurückgetauscht und denen gesteckt, dass sie sich da mal erkundigen sollen, ob das Land wirklich keine Reiseschiecks mehr annimmt, und dass man so was vielleicht das nächste Mal vorher abklären könnte.

Der Abreisetag verlief auch sehr gut. Ich stand, vom Hotel geweckt, um 3 Uhr türkischer Zeit auf. Da ich krank war, fürchtete ich, dass mir die Reise schlecht bekommen würde. Es gab trotz der frühen Zeit sogar ein Frühstück. Als ich an einem Samstag früher dialysierte und früher abgeholt wurde, wurde auch extra ein früher bestelltes Frühstück gebracht. Das ist echter Service. Es gab auch wieder meine heiß geliebten Oliven. Mehmet kam, um mich zum Flughafen zu bringen. Beim Check-in sprach mich wieder das Ehepaar aus Unterfranken an, das mir auf dem Hinflug bereits Hilfe angeboten hatte. Dort wartete er dann, bis mich der Behindertendienst abholte. In der Zwischenzeit wollte ich noch eine Postkarte für einen Bekannten kaufen, hatte aber mal wieder kein passendes Geld, so daß Mehmet mir die Postkarte spendierte. Dann kam der Behindertendienst, ich wurde wieder in den Rollstuhl gesetzt und herum gekarrt. Es spricht ja keiner mit einem Rolli mit Inhalt, da ist man mehr oder weniger ein Gepäckstück, und so wusste ich nie, wo ich war. Nach Passkontrollen etc. wurde ich dann einfach abgestellt. Um mich herum gingen dann die Leute, und dann sprach mich eine Türkin an, ihr Mann sei ebenfalls behindert, sie würden nach Deutschland fahren, und keiner käme, um uns abzuholen, die anderen würden bereits zum Gate gehen. Da rief ich ein paar Mal ganz laut HALLOOO HALLLOOO, und dann endlich kam jemand, um uns abzuholen. Ich hatte wirklich Angst, wir würden in Antalya vergessen werden. Aber dann wurden wir in einen Lift gesteckt, und oh Wunder, ein Helfer erklärte mir: „we are goig down“, und dass ich nun hier warten möge, er würde den anderen Rolli noch holen. Welch ein Luxus an Information! Wenigstens einer, der mit dem Inhalt des Rollis spricht und merkt, dass „es“ lebt, und man auch wissen will, wo man hingekarrt wird. Dann wurden wir wieder in diesen fahrbaren Container gerollt. Dort sah ich nichts, weil es diesmal stockfinster draußen war. Ich wurde ohne was zu sehen, herumgefahren, konnte nicht rausgucken, und jetzt wusste ich, wie meine Katzen sich in dem Transportkorb auf dem Weg zum Tierarzt fühlen. Dann ging es aber endlich zum Flieger, und ich war aus dem Rolli auferstanden und wieder zum selbstbestimmten Fußgänger geworden. Der Start war ausgesprochen sachte, wir flogen sehr, sehr ruhig. Der Flug verging wie „im Flug“, weil ich mir mit meinem Diktiergerät „Jackque Bistro“ anhörte, was noch aus meinem „Urlaubshörbuch-Programm“ übrig war. Das Essen war wie immer mäßig bis saumäßig, aber ich nahm etwas davon. Ehe ich mich versah und dachte, dass wir noch landen müssten, sah ich auf einmal Land unter uns, und wir setzten super-super-sachte auf. Dann wurde ich auch gleich abgeholt, in den Bus gesetzt, durfte zu Fuß durch die Kontrolle, wobei die Grenzpolizei extra nochmal aus der Pause geholt werden musste. Wie schon erwähnt, gab es gar keine Zollkonktrolle. Mein Gepäck konnte man durch die Scheibe auch schon sehen. Draußen erwartete mich bereits mein Dialyse-Taxifahrer, der sich per SMS die Ankunft meines Fluges durchgeben ließ, dessen Nummer er sich vor meiner Abreise notiert hatte. Er hat die Landung mit Ronny, seinem Russich-Bolonca-Mix beobachtet und ihm wohl erklärt, dass die „Tante F…“ nun wieder kommt. Denn als ich den Taxifahrer begrüßte, sprang er an meinen Waden hoch: „Ich bin auch dabei!“ Er leckte mich zur Begrüßung im Auto nochmal ab. So verlief auch die Rückreise wie generalstabsmäßig durchgeplant. Da ich die Uhr wieder um eine Stunde zurückstellen konnte, war es erst acht Uhr, und ich rief bei der Dialyse an. Dort ließ man mich wissen, dass ich gerne heute kommen könne, da es ja abgemacht war. Ich bekam eine Sonder-Maschine nur für mich, was für die nächsten sechs Wochen sein musste, um eventuelle Keime und deren Weitergabe auszuschließen, denn man weiß nie,was man so in der Fremde an Erregern aufschnappt. Wenn ich nach sechs Wochen und einer Blutuntersuchung nichts habe, wird die Maschine wieder für alle anderen frei gegeben.

Insgesamt war es nicht der ALLERtollste Urlaub, da mir die kulturelle Seite sehr gefehlt hat. Aber es war erholsam und mal was anderes. Das Hotel war super, die Dialyse war standard der neuesten Technik. Fazit: Es ist als Blinder besser, jemanden mitzunehmen. Nächstes Mal plane ich die Reise etwas langfristiger und gehe vielleicht wieder in ein Blindenhotel, vielleicht in Süd-Tirol?

Mir wurde noch gesagt, dass Tourset auch Appartements hat, die nicht teuer sind, und wenn ein Blinder mit Hund kommt, kann er dort wohnen. Appartment ist nichts für mich, denn im Urlaub will ich nicht auch noch für mich sorgen müssen, sondern ich will mich verwöhnen lassen. Das Ergebnis sind DREI Kilo an Gewichtszunahme. Es hat so gut geschmeckt dort Ein Kilo kam wohl aus der Türkei, die anderen beiden haben sich daheim dazugesellt trotz wieder normalem Essverhalten. Ich vermute, dass ich das Cortison-Spray, welches ich aufgrund meines Tuben-Katarrhs nehmen musste, nicht so oft und so lange hätte nehmen dürfen. Aber das glauben die Ärzte mal wieder nicht. Hoffe, ich kriege die lästigen drei Kilo wieder weg! Daß die Türken oft so kräftig sind, das kann man ihnen bei dem guten Essen nicht verdenken.

Sonntag, 21. März 2010

Früher Urlaub dieses Jahr in der Türkei

Wo wir doch im letzten Post beim Angehen von vorhaben waren, kommt gleich noch eines hinterher. Ich hatte im Diatra-Journal für Nierenkranke einen Artikel über einen gelungenen Antalya-Urlaub gelesen. Da dachte ich mir, da könnte ich doch mal anrufen. Ich sprach darüber mit einer Schwester an der Dialyse, und die gab mir noch einen anderen Prospekt mit. Zunächst setzte ich mich also mit dem Zentrum aus dem Prospekt in Verbindung, da es eine E-Mail-Adresse gab, und ich nicht in die Türkei telefonieren wollte. Aber als ich dann erwähnte, dass ich viermal Dialyse und auch noch HDF mache, da kamen Zweifel auf, ob die Kasse das bezahlt. Als ich nach Kombi von Dialyse u nd Hotel fragte, wußte die Dame nichts von solchen Angeboten. Normalerweise zahlt die Kasse 3,2 Dialysen, und wenn das Zentrum mehr macht, ist das deren Sache und Großzügigkeit oder deren Budgeteinteilung. Gastdialysen werden aber meines Wissens einzeln abgerechnet, daher klappt es da immer mit HDF, während es bei Klinikaufenthalten nie mit HDF geht, da sie nicht extra gezahlt wird, oder wie auch immer. Jedenfalls dachte ich dann, jetzt ruf doch mal bei dem Zentrum aus dem Diatra-Journal an. Das war aber eben eine türkische Nummer. Leider funktionierte BLuerate nicht, wo ich noch ein Guthaben billig abtelefonieren hätte können. So biß ich in den sauren Apfel und wählte die lange Nummer. Am anderen Ende sagte eine Frau: „Ich hab Ihre Nummer auf dem Display gelesen, ich rufe zurück.“ Die hat wohl eine Auslandsflat, da sich das ja für die rechnet. So erklärte sie mir, dass das Hotel mit 10 Euro täglich von der Dialyse subventioniert wird, da in der Türkei die Dialyse weniger kostet. Die HDF würde in jedem Falle gezahlt unterbrach sie meine Ausführungen, ich solle einfach nur bei der Kasse den Antrag auf Kostenübernahme stellen. Ich sei sogar mit vier Dialysen im Vorteil, da sie ja dann mehr bekommen würden. Wie ich war sie der Meinung, dass ich besser im Frühling kommen sollte, da es bei uns noch kalt sei, das Wetter aber in Antalya wunderbar sei. Ich könne doch am 19. kommen, denn da sei auch ein nettes deutsches Ehepaar da, die sie bereits kenne, da sie schon mal da waren. Das Taxi vom Hotel zur Dialyse und zurück koste angeblich auch nichts. Ordnungshalber lasse ich mir da lieber mal eine Kostenübernahmebewilligung ausdrucken, denn da bin ich ein gebranntes Kind. Sie schickte mir alles per Mail zu. Nun mailte ich der Kasse den Antrag auf Kostenübernahme und warte auf Antwort. Ansonsten wackele ich da halt nochmal hin und bringe das Teil persönlich vorbei zum Genehmigen. Die Dame aus der Türkei, ihres Zeichens Tourist Manager bei dem Internationalen Dialysezentrum meinte aber, ich solle jetzt schon buchen, da das mit der Kasse ja zu lange dauert, und es dann keinen Flug mehr gäbe, sie übernehme die volle Verantwortung, dass ich keinen Cent zuzahlen müsse. Ich hoffe, dass ich dann wirklich vier Dialysen mit HDF kriege, denn auf dem Anmeldeformular hat sie nur drei Dialysen a vier Stunden eingetragen. Ich habe das aber gleich wunschgemäß verbessert und hoffe, dass es dann keine Schwierigkeiten gibt. Einschlägige Erfahrungen mit Absprachen und Missverständnissen habe ich ja genug.

Nun war noch die Frage, welche Variante der Übernachtung ich nehmen sollte. Ich entschied mich für Halbpension, da ich dann auch mal etwas herumlaufen und mir die Stadt ansehen könnte und nicht zum Essen daheim sein musste bzw. das Essen verfallen lassen müsste. Sie schlug mir das Fünf-Sterne-Hotel Divan Talya vor, es sei ein reizendes Hotel, sie schickte mir auch gleich die Photos. Es ist ein mehrstöckiger Klotz, aber angeblich sei er direkt am Meer gelegen. Mal sehen, wie Photo und Wirklichkeit sich decken. Das Ganze, soviel ich verstanden habe sogar mit Flug, kostet für zwei Wochen 800 Euro. Die Reiseleitung sei kostenlos. Inwieweit dann für Extra-Ausflüge zu zahlen ist, muß ich noch genauer herausfinden, da steig ich noch nicht durch. Wahrscheinlich muß man dann noch jeweils 20-50 Euro extra zahlen. Da muß ich genu Geld mitnehmen. Sie riet mir zu zwei Wochen, da ich ja viermal Dialyse machen wollte, und mit Flug das Ganze sonst unrentable wäre. Ich denke, in einer Woche hätte ich auch viel rausgeholt, wie ich ja bei meinen anderen Urlauben berichtet habe, aber zwei Wochen für das Geld sind doch super.

In dem Infloblatt, das sie mir zumailte, wurde empfhlen, eine Auslandskrankenversicherung und eine Reiserücktrittsverischerung abzuschließen. Ob die dann aber die Nierenkrankheit ausschließt, und falls ich dann kurz vor Reiseantritt einen neuen SHunt brauche, nicht zahlt, blelibt dahingestellt. Auch solle man sich bei der Rettungsfliegergesellschaft anmelden, wenn man auf der Transplantationsliste steht, falls ein Organ da sei, und man schnell heimgeflogen werden müsse. Das wollte ich eh schon länger mal machen.
Nun kam noch die Frage auf, ob ich noch einen gültigen Paß habe. Als mein Taxifahrer draufsah, stellte sich heraus, dass, oh Schreck, sowohl Paß als auch Personalausweis bereits im Jahr 2008 abgelaufen waren. Nun hörte ich, dass es sechs Wochen dauert, bis man einen neuen Paß erhält, da die biometrischen Photos so lange brauchen. Meine andre Taxifahrerin meinte dann noch, sie habe nur einen neuen Paß erhalten, weil sie das Ticket für den Flug vorlegen konnte, welches die auch einsehen wollen. Ansonsten müsse man bis zum 15. April warten, oder man muß sich einen Termin geben lassen und es gut blegründen. In Panik hab ich gleich einen Brief an das Ordnungsamt aufgesetzt und ihn an meine Betreuerin gefaxt. Denn meine Helferin geht ja dann Mittwoch mit mir Einkaufen, und vielleicht können wir da einen Termin beim Einwohnermeldeamt bekommtn, um den Paß zu beantragen. Das biometrische Photo lasse ich am Montag machen. Ich treffe mich mit einer Freundin zum Frühstück, und da ist wohl in der Nähe so ein Photoladen, wo man das billig und schnell machen lassen kann. Ich kann nur hoffen und beten, dass alles noch rechtzeitig fertig ist. Der Flug ist jetzt für den 17. angesetzt. Ich muß aber noch die genauen Daten wie Kontonummer, Name des deutschen Reisebüros etc. erhalten. Ich bin jetzt schon ganz aufgeregt, ob auch alles bis dahin klappt, und ob dann in Antalya auch alles funktioniert und relativ reibungslos abläuft. Bisher hatte ich ja immer traumhafte Urlaube. Möge dieser auch so toll in meiner Erinnerung bleiben.

Die Irgendwann-mal-Liste oder wie schön es ist, seine lang anstehenden Vorhaben anzugehen

Für dieses Jahr habe ich mir vorgenommen, endlich mal all die Sachen zu erledigen, die ich schon immer mal tun wollte, aber für die im Alltagsrhythmus doch immer keine Zeit ist.

So habe ich nun endlich all meine CDs, DVDs, Videos und CD-ROMs gekennzeichnet, da ich nun wirklich die Aufschriften fast gar nicht mehr lesen kann. Da ich ja das persönliche Budget beantragt habe, um eine Helferin zu bekommen, habe ich das gleich auf die Liste der Dinge gepackt, die ich von einer solchen Helferin haben will. Der Bezirk meinte aber, dass solche Dinge wie Beschriftungen nichts mit Eingliederungshilfe zu tun haben, und dass dafür ja der Blindenbund zuständig sei. Somit bin ich also damit zu den Zivis und zum Rehalehrer des Blindenbundes gegangen, wobei die Zivis vier Euro pro Stunde kosten, während der Rehalehrer umsonst ist. Sie teilten sich die Arbeit gut auf. Zunächst einmal musste ein passendes Etikettiersystem her. Schon letztes Jahr hatte ich probiert, all meine o.g. Sachen zu beschriften. Erst hatte ich einen Aufsatz für mein Notizgerät gekauft, womit man RFID-Tags lesen konnte. Aber das Ding war nicht so nach meinem Geschmack und nicht ideal für meine Bedürfnisse. Die Etiketten waren zu groß, zu empfindlich, es dauerte ewig, bis man mal hörte, was auf dem Etikett war, und zeitweise kam gar nichts. Ärgerlich war auch, dass manche RFID-Tags diselbe Nummer hatten, so dass man auf zwei Etiketten nur dasselbe aufspielen konnte, bzw, dann eben nur ein Etikett nutzen konnte, das andere konnte man dann wegwerfen. Es half mir die Frau, für die ich schon öfter was übersetzt hatte. Das alles durften wir dann nochmals machen, und zwar aus folgendem Grund: Während meines Urlaubes in der Schweiz 2008 hatte ich mein Diktiergerät kaputt gemacht, (Siehe Landschlacht – Ein toller Urlaub) . Das Gerät schickte ich ein, wusste aber mal wieder nicht, dass man die Datei mit den Etikettenaufsprachen besser auf dem PC gesichert hätte. Zurück kam dann ein Diktiergerät, das in seiner Sprachführung auf Italienisch losplapperte. Als ich das reklamierte, schickte man mir die deutsche Software. Man hatte mein Gerät beim Reparieren verwechselt oder mir gleich ein neues Gerät gegeben, ohne, dass ich das wusste. Somit waren all meine Etikettenaufsprachen dahin! Wir mussten alles nochmals machen. Als Trostpflaster bekam ich schweizer Schokolade, da das Diktiergerät aus der Schweiz ist. Aber dennoch kamen immer wieder dieselben Probleme, die Etiketten waren schnell kaputt, waren zu groß und gaben oft gar nichts mehr von sich.

Daher dachte ich, Du könntest auch ein Dymoband nehmen und Punktschrift darauf machen. Damit hatten wir bei einigen älteren CDs bereits angefangen, um mich zum Lesen der Punktschrift zu motivieren, damit ich an meine Musik ran kam. Viel half das nicht, denn meine Feinmotorik wird auch durch Motivation nicht besser. Ich kann aber dennoch die CD-Beschriftungen und sogar Medikamentenbeschriftungen in Punktschrift lesen. Habe jetzt sogar einen Punktschrift-Wandkalender, wobei das mühevoll aber dennoch gut geht. Leider entpuppte sich die Variante mit dem Dymoband daher als unpraktisch, da ich die Schutzfolie vom Dymoband nicht abbekam, damit die klebrige Schicht zugänglich war. So bestellte ich eine Rolle mit in gewissem Abstand aufgeklebten Etiketten. Die sind aber sehr dünn, daher wollte ich es erst gar nicht versuchen, sie in eine Punktschriftmaschine einzuspannen. Auch kamen Etiketten auf einem Bogen, aber es gab keinerlei Angriffspunkt, wo man die Etiketten abziehen kann, da sie keinen Zwischenraum von Etikett zu Etikett haben. Solche Kleinigkeiten werden mir zum Hindernis. Eine Punktschriftmaschine, die sogar aus zweiter Hand noch einiges kostet, hatte ich auch noch nicht. Es gibt nicht viele, die ich bedienen kann, da ich Probleme habe, das Papier einzuspannen, und schon gar nicht zu reden von einem Dymoband oder einer Rolle. Eine Prägezange, wo das Dymoband eingespannt wird, ist ebenfalls umständlich, da man beim Beschriften den Zeiger immer zu dem entsprechenden Buchstaben drehen und dann drücken muß. Da säße ich ewig an meinen CDs, DVDs etc. Ich hörte von einem neuen Etikettierstift, der ebenfalls mit Aufsprache funktioniert. Nach Erkundigungen über andere Systeme, die ebenfalls nicht für mich in Frage kamen – bei einem musste man immer den PC anlassen, das andere kostet 3000 Euro und dient auch noch zum Lesen der Strichcodes auf Lebensmitteln, wobei man es nur unter dieser Bedingung von der Kasse verordnet bekommt mit viel Kampf obendrein --- entschied ich mich also für dieses von einem Blindenversand angebotene Gerät. Mittlerweile gibt es da noch ein billigeres aus England, aber darüber weiß ich nichts. Die Etiketten waren durchnumeriert, so dass es nur einmal vorkam, dass eines doppelt war und daher weggeworfen werden musste. Das Gerät ist mit einem USB-Anschluß versehen, womit man es an den PC hängen kann, und auch das Laden geht hierüber. Man hält das Gerät in Form eines Stiftes an ein Etikett, dabei gibt es einen Ton von sich. Dann drückt man auf Aufnahme und sagt beispielsweise: „Reinhard Mey – Alles geht“. Das gerät spielt den Text vor, so dass man weiß, dass es aufgenommen hat. Hält man den Stift dann irgendwann wieder an dieses Etikett, hört man wieder: „Reinhard Mey – Alles geht“. So verfährt man, bis alles beschriftet ist. Es gibt auch feste Chips, auf die man Etiketten aufkleben kann. Der Nachteil der Etiketten ist nämlich, dass sie nicht mehr heile abzuziehen sind. Auf dem Chip bleiben sie dann, und den Chip selbst kann man mit Leukoplast an einem Lebensmittel festmachen, das Etikett besprechen, und wenn die Dose leer ist, darf man halt nicht vergessen, den Chip abzuziehen und aufzuheben, um das darauf klebende Etikett bei Gelegenheit wieder zu überspielen. Wenn etwas auf dem Etikett drauf ist, gibt das Gerät einen Warnton, aber man kann es dennoch überspielen, wenn man möchte. Diesmal habe ich alles sofort von meinem PC-Mann auf den PC spielen lassen, damit mir das nicht nochmals passiert, dass alles verloren geht. Nun ist dies vollbracht. Es gibt auch waschfeste Etiketten. Bald kommt der Rehalehrer, und wir beschriften alle meine Tiefkühlsachen mit Hilfe der Chips, da ich diese auch nicht immer auseinander halten kann.

Weil der Rehaman schon mal da war, haben wir dann auchgleich meine Wohnung ausgemistet und alles rausgeworfen, was ich nicht mehr brauche: CDs, Disketten, Bücher, Stoffe etc, alles, was ich wohl nie mehr nutzen werde, aber was man halt dennoch aufhebt, weil man denkt, man könne es irgendwann mal brauchen. Das ging sogar sehr schnell.

Dann habe ich mich noch an eine größere Sache herangewagt, die ich schon immer im Hinterkopf hatte, aber an die ich mich nicht so rangetraut habe. Ich habe mir ein 3,5-Klinkenkabel „zweimal Männchen“ gekauft, um es an mein Diktiergerät und eine externe Audioquelle anzuschließen. Man kann nämlich mit meinem Diktiergerät auch analoge Tonträger in digitale umwandeln. Man muß nur etwas umständlich am Diktiergerät den Kopfhörerausgang mit drei gleichzeitigen Tastendrucken in einen Line-in-Eingang verwandeln und dann eben aufnehmen, was man angeschlossen hat. Ich habe eine große Kiste mit 12 Kassetten eines Hörbuches, das ich zwar sehr interessant finde, dessen Format mir aber schon lange ein Dorn im Auge war, und welches ich gerne auf einem etwas kompakteren Tonträger speichern wollte, nämlich auf CD. Ich setzte mich also tatsächlich hin, nachdem ich von der Firma nochmals die Gebrauchsanweisung als Word-Dokument erhalten hatte, nahm die notwendigen Umstellungen vor und nahm auf. Das Ganze geht nur in Echtzeit, und daher muß man schon ziemlich lange sitzen und aufpassen wie ein Schießhund, wenn die Kassette um ist, und man sie wenden muß. Das verpasste ich einige Male. Aber das Hörbuch war interessant, und es war schön, es mal wieder zu hören. Es ging sehr schnell, obwohl es teilweise 90er und wohl auch 60er Kassetten waren. Da ich gerade bei einem Radioprojekt für Blinde mitmache, habe ich gelernt, mit audacity zu schneiden. So hängte ich das Di ktiergerät nach vollendeten Aufnahmen, die ich sogar kapitelweise und noch kleiner gemacht habe, und spielte die einzelnen MP3-Dateien mit audacity ein. Dann suchte ich die störenden Stellen wie „ENDE SPUR EINS KASSETTE ZWEI BLABLABLA“ und schnitt sie, so gut es ging, heraus und exportierte das Ganze dann wieder in eine gleichnamige MP3-Datei. Dazu hatte mir der PC-Mann noch so ein Lame-Ding herunter geladen. Ich bin noch nicht ganz damit fertig, da es sehr umständlich ist. Aber wenn man jeden zweiten oder dritten Tag drei-vier Dateien macht, wird man auch fertig, und der Berg wird kleiner. Von 37 Dateien sind schon 29 fertig.

Dasselbe will ich dann noch mit einem anderen Hörbuch aus drei Kassetten machen, nun bin ich ja geübt. Dann möchte ich noch ausprobieren, eine DVD abzuspielen, und dabei das Kabel zwischen Kopfhörerausgang des Fernsehers und Eingang des Diktiergerätes zu klemmen, um mal einen Hörfilm auf MP3 zu wandeln. Denn einige Blinde haben keinen DVD-Player und brauchen ja nur die Ton-Datei. Man bekommt auf eine CD unendlich viele M P3-Hörfilme. Dafür habe ich mir jetzt endlich mal wieder einen DVD-Player gekauft. Der erste, den ich wollte, war ja mal wieder nichts, und ich musste ihn umtauschen. Aber nun habe ich endlich einen super DVD-Player mit Blu-Ray, der auch alle gebrannten und gekauften normalen DVDs abspielt. Der erste wollte nur die Kauf-DVDs schlucken, und ich will nicht immer alles kaufen sondern brenne auch viel.

Und ein großes Vorhaben sind wir nun endlich auch angegangen, es ist ins Rollen gekommen. Da ich ja wieder einen Wasserschaden hatte und so ein blödes Trocknungsgerät im Bad ertragen musste, hat meine neue Helferin gemeint, dass wir doch mal nach einer anderen Wohnung suchen könnten. Als dann auch noch die Verwaltung zum dritten Mal wechselte, niemand weiß, wo ich jetzt meine Stromrechnung für das Trocknungsgerät einreichen soll, da niemand weiß, wer der neue Verwalter ist, war ich nun REIF und habe sofort meine Betreuerin angerufen. Die beantragt jetzt einen Wohnberechtigungsschein. Wir haben bei drei Wohnungsbaugenossenschaften ein Online-Formular ausgefüllt, bei zweien werden wir persönlich vorbeischauen. Vielleicht klappt es dann auch mal mit einer neuen Wohnung.

Es haben sich schon wieder viele neue Vorhaben auf der Irgendwann-mal-Liste hinten angestellt, wie eben das mit den DVD-Aufnahmen auf MP3, ein Umzug usw.

Ich bin aber so froh, dass ich das alles jetzt mal angegangen bin, denn es bleibt immer im Hinterkopf und unbewusst nagt es doch immer an einem. Wenn der Berg dann zu groß wird, dann läuft man Gefahr, zu kapitulieren und zu sagen, das wird ja doch nichts. Wenn man es aber mal geschafft hat, diese aufgeschobenen Dinge anzugehen, dann ist man doch ganz schön erleichtert und froh, so was geschafft zu haben.

Der Etikettenleser ist wirklich super, ich profitiere wirklich sehr von diesem Hilfsmittel, und ich freue mich jeden Tag, wie einfach es nun wieder ist, meine heiß geliebten CDs, DVDs und Videos zu hören. Übrigens habe ich gleich gemerkt, dass ich zwei Videos doppelt hatte, da ich schon lange nicht mehr sehen konnte, welche Titel ich habe und welche nicht. Der Verkauf von alten Videos, CDs, DVDs etc. ist schon in Arbeit!

Donnerstag, 4. März 2010

Eine GANZ normale Anschaffung

An den Elektrohandel:

DVD-Blueray-Spieler


Absurdistan, 2. März 2010-03-02


Sehr geehrte Damen und Herren,


vor ca. 2 Wochen erkundigte ich mich nach DVD-Playern mit Blueray-Funktion. Da ich schwer sehbehindert bin, suchte ich u.a. auch ein leicht bedienbares Gerät mit übersichtlicher Fernbedienung. Ich zog die Geräte Samsung BDP 1580 für 129 Euro und den Panasonic BMP BD 60 EGK für 179 Euro in die engere Wahl, wollte aber nochmals mit einer Beratungshilfe wieder kommen und am Monatsende eines der beiden Geräte erstehen. Ich versicherte mich mehrmals beim Verkäufer, ob diese Geräte immer da seien, oder ob sie schnell ausverkauft sind. Mir wurde versichert, dass immer ein Gerät da ist. Als ich heute am 2. März mit meiner Helferin zum Auswählen eines der beiden Geräte kam, entschied ich mich auch aufgrund der leichteren Bedienung des Frontpannels am Gerät für den weiter oben bezeichneten Panasonic. Und wie mein Glück so spielt, war, obwohl ich mich vorher versichert hatte, genau dieses Gerät nicht mehr vorrätig. Es gab nur noch das Vorführgerät. Ich wies den Verkäufer darauf hin, dass ich mich damals extra abgesichert hatte, ob immer ein Gerät vorhanden sei. Meine Helferin schlug vor, dass ich das Vorführgerät verbilligt erhalten könnte. Der Verkäufer erkundigte sich und kam mit dem typisch deutschen Satz zurück: Ich habe meine Anweisungen vom Chef, das Gerät kostet genauso viel wie ein neues Gerät. Ich hatte vor einiger Zeit ein Licht-Therapie-Gerät in Ihrem Haus erstanden, wobei sich die eine Filiale extra in der anderen Filiale erkundigt hatte, ob ich das dortige allerletzte Vorführgerät dieser Reihe verbilligt haben könnte, und dies hat damals funktioniert. Daher verstehe ich nicht, warum Ihre Position diesmal so unverrückbar blieb.

Mir wurde heute vorgeschlagen, doch ein zweites Mal zu kommen, wenn der Panasonic wieder vorrätig sei. Ich bin fast blind und schwer nierenkrank mit Dialysepflicht. Ich brauche daher zum Einkaufen eine Hilfe, die ich bezahlen muß. Hierführ steht mir ein begrenztes Budget zur Verfügung. Wäre ich nochmals gekommen, hätte ich die Helferin nochmals für ihre Zeit vergüten müssen, und ich hätte wertvolle Zeit für andere Hilfen nicht mehr zur Verfügung gehabt.

Nun stellte sich heraus, dass der Samsung, den ich nun zwangsläufig gekauft habe, da ich aus oben genannten Gründen nicht nochmals kommen konnte, bestimmte meiner DVDs und sVCDs und VCDs nicht annimmt.

Bei mir kommen zwei gravierende Sonderfälle zusammen: Ich brauche einen immensen Hilfeaufwand und Organisationsbedarf, um mir etwas zu besorgen, was sich ein Gesunder einfach mal so mühelos kaufen kann. Und ich habe dabei auch immer noch besonderes Pech, dass zum einen die Sachen dann trotz Absicherung nicht vorrätig sind, und dass die Dinge, die ich dann erstehe, nicht den Anforderungen entsprechen. So ist es mir oft so ergangen, dass ich dreimal ein Gerät umtauschen musste, da es entweder Mängel hatte oder nicht die Merkkmale hatte, die ich brauchte, was sich erst nach dem Kauf herausstellte. Dies erfordert einen extrem hohen Aufwand, entweder Taxikosten oder Helferkosten, und dann noch die Kraft, alles zu organisieren, wobei dann auch noch oft Pannen auftreten. Dies ist meiner ohnehin sehr angeschlagenen Gesundheit sehr abträglich.

Ich finde es schade, dass der Deutsche nicht ab- und zugeben kann und die besonderen Umstände einer hilfsbedürftigen Person berücksichtigen kann und nur geradeaus nach seinen Anweisungen handelt.

Ich möchte, dass Sie hier eine Lösung finden, dass ich zu dem Gerät komme, mit dem ich zufrieden sein kann, und welches meinen Anforderungen entspricht. Ansonsten muß ich mir einen Laden suchen, der für meine schwierige Lage bessere und flexiblere Bedingungen hat. Nun hatten wir im Laden nicht die Zeit, all meine Besonderheiten vor einem wildfremden Verkäufer auszubreiten, dennoch müsste es doch möglich sein, erst recht bei Rücksprache mit dem Chef, den besonderen auch teilweise offensichtlichen Bedingungen eines Kunden gerecht werden zu können.

In Erwartung einer praktikablen Lösung verbleibe ich

mit freundlichen Grüßen

Ich finde, die könnten doch kostenlos zu mir kommen, ich zahle die 50 Euro mehr, die das andere Gerät kostet, und die tauschen das Gerät aus und installieren das andere kostenlos. Immerhin haben die das verbockt, daß kein anderes mehr da war, obwohl es versichert weurde. Wenn die sich weiter stur stellen, bringe ich das Gerät einfach wieder zurück und lasse mir das Geld auszahlen und kaufe meinen Favoriten woanders. Immer muß ich so viele Geräte hin- und hertransportieren, bis alles stimmt. Ein Billiggerät hat eine schwer bedienbare Fernbedienung und frßt alle DVDs, ein teures hat eine gut handhabbare Fernbedienung und ist aber heikel mit gebrannten CDs und DVDs.

Neulich wollte ich Katzenhaare von einer Bluse entfernen und einen Fusselroller kaufen. Mir wurde ein Geschäft empfohlen, das aber an einer recht schwierigen Kreuzung ist. So rief ich vohrer dort an und fragte, ob sie diese Art Fusselroller haben. Jaja, die habe man. So ging ich mit der Helferin hin, aber diesmal hatten sie keine Fusselroller mehr und müßten sie bestellen. So bestellten wir den Fünf-Euro-Fusselroller und kamken ein zweites Mal. Dabei konnten wir wenigstens noch ein paar Sparbirnen erstehen in eleganter Birnenform. Aber für jeden Scheiß dreimal rennen, das nervt langsam! Da ruft man extra an, um sich abzusichern, und dann ist es nicht da. Ein anderer gehtr einfach rein und hat Glück und kauft das Ding. Nun meinte meine Tierätztin auch noch, daß sie mit einer Zwei-Euro-Bürste von Obi, einer roten Samtbürste, alle Katzenhaare gut rausbekommt. So was hätte ich eigentlich noch daheim. Nun muß ich mal etwas ausmisten und eine Ordnung schaffen, wo man so lclhe Dinge immer gleich findet.

Das ist der GANZ normale Alltag, für GANZ normale Bestellungen, haha!

Trocknungsgerät

Seit Mittwoch ist endlich das Trocknungsgerät weg. Wir hatten mal wieder, na, was wohl? Ja, der Kandidat hat 100 Punkte, einen WASSERSCHADEN! Diesmal war der im fünften Stock. Ich bemerkte gar nichts. Der Eigentümer vom Verwaltungsrat schaute herein, ob bei mir Wasserflecken seien. Es wurde dann gemessen und eine zu hohe Feuchtigkeit festgestellt. Daher bekam jeder auf unserer Hausseite ein Trocknungsgerät in die Wohnung gestellt. Ich bat darum, zu berüchsictigen, daß ich Katzen habe, die sich nicht mehr aufs Katzenklo trauen, wenn es im Raum brummt, und daß ich als SEhgeschädigte über dieses Trocknungsgerät fallen könnte, weil mein Bad sehr klein ist. Sie gaben mir eines ohne Turbine. Die anderen Geräte bestanden aus zwei Komponenten, eben aus dem Trocknungsgerät und einer Turbine. Ich erhielt also das kleinere leisere Teil, das genau zwischen Toilette und Dusche paßte. Der Lärm war noch einigermaßen erträglich. Ich konnte auch die Türe zumachen, denn ich kam auf die glorreiche Idee, das Katzenklo in den Gang zu stellen und das Katzenfutter ins Bad. Dann konnten die Katzen ohne nerviges Gebrumm ihre Toilette machen. Es wurde ein Loch in die Decke gebohrt und ein Schlauch dort befestigt, der heiße Luft hineinbläst. Außerdem wurde in den Luftschacht, der im Bad für die Abluft eingebaut ist, ebenfalls ein Schlauch gesteckt.

Als ich nach einigen Stunden die Tür zum Bad aufmachte, dachte ich, mir haut es den Vogel raus! Es roch verbrannt und war total warm. Da rief ich den Nachbarn über mir, der das sogar mit Schnupfen roch. So rief ich umgehend bei dieser Trocknungsfirma an. Die kamen am nächsten Tag. Bis dahin sollte ich das Gerät ausgeschaltet lassen. Was mich auch beunruhigte war, daß das Stromkabel vom Gerät rund um das Bad bis zur Steckdose am Bad-Eingang führte. Ich hatte BEdenken, daß beim Duschen das Kabel naß würde, und dann würde ich das Bad unter Strom setzen. Am nächsten Tag kamen die Leute, und es stellte sich raus, daß der Schlauch, der in den Abluftschacht geführt war, herausgerutscht war. Es wurde besser, als ich die Türe immer einen Spalt offen ließ, und der Schlach mit einem Schaumstoff im Schacht befestigt wurde, der ihn einklemmte.

Nachts hatte ich Angst, daß das Ding explodieren würde. Einmal wachte ich auf und hörte ein Rascheln, und ich erschrak. Aber es war nur der Kater, der schnarchte und nicht etwa das im Explodieren begriffene Gerät. Der Lärm störte mich nicht, denn ich kann Lärm gut ausblenden, wenn ich mich auf etwas konzentriere. Aber mir war das DIng unheimlich, und ich wollte niht mal lin die Nähe des Gerätes gehen. Der Reha-Lehrer, der wegen der Etikettierung meiner CDs etc. am nächsten Morgen zu mir kam, versicherte mir, daß das Kabel so dick und so gut isoliert sei, daß wegen der Nässe im Bad nichts passieren könne.

Alllmählich gewöhnte ich mich an das Brummen, und nachts hörte ich es gar nicht, da ich ja im Schlafzimmer weit weg war. Ich duschte immer mit offener Türe, da ich nicht wollte, daß ich mit dem Ding alleine bin, und die Tür zu ist. Doof, aber ich wollte immer einen Fluchtweg haben. Nach zwei Wochen kam dann der von der Trocknerfirma und maß nach. Ich war so in meine E-Mails vertieft, daß ich ihn kaum wahrnahm. Da meinte er: "Sie hören, daß Sie nichts mehr hören!" Da fiel es mir erst auf, daß er das Gerät abgeschaltet hatte. Lärmtechnisch war es nicht so schlimm, aber das Katzenklo, das im Gang Dreck machte und bis ins Wkohnzimmer müffelte, das dauernde Gefühl, so ein fremdes Ding in der Wohnung zu haben, daß alles woanders stand, weil das Gerät Platz brauchte, das war schon nervig. Gott sei DAnk ist das vorbei.

Der STromzähler des Gerätes wurde am Anfang und am Ende abgelesen. Ich soll ein Stromkärtchen mit der KW-Zahl erhalten. Ich sollte auch meinen Stromanbieter informieren. Dann würde ich die Stromrechnung der Hausverwaltung einreichen und sollte mein Geld wieder bekommen. Der Stromanbieter, in meinem Fall Ökostrom, meinte, ich solle mit den KW-Stunden dann zur Hausverwaltung, die würden die Versicherung verständigen, die würden das zahlen. Ich machte ihm aber klar, daß ich ja von ihm den PREIS für diese KW-STunden bräuchte, um das bei der H ausverwaltung einzureichen. Das war dann wohl auch richtig. Ich hoffe, daß dies auch alles klappt. Ich hoffe auch, daß sie mir den vollen Preis zurückerstatten, da Ökostrom ja oft treurer ist, aber auch nicht mehr viel teurer als konventioneller Strom. Aber die Lauferei hat man doch wieder!

Jetzt kommen nur noch die Maler und der Sanierer und machen alles wieder zu. Ich hoffe, daß das jetzt aber wirklich der allerletzte Wasserschaden in den nächsten 10 Jahren ist! Ich erwäge, auszuziehen.

Ich sah mir auf Vorschlag meiner Taxifahrerin eine wunderschöne Wohnung in der Nähe in einer befahrenen Straße an. Sie wollte sie wegen des Lärms nichthaben. Ich fand, es war gut isoliert, und man konnte ja auch die anderen FEnster nach hinten raus öffnen. Die W ohnung war so süß, hatte zwei angrenzende Zimmer, ein BAD MIT FENSTER UND BADEWANNE!!!!, eine Küche mit Fenster, dreimal so groß wie meine. Die Wohnung war sieben Quadratmeter größer und achtzig Euro billiger als meine. Sie war fünf Minuten von der U-Bahn weg, fünf Minuten vom großen Bäcker, ach und ach und ach, aber er wollte niemanden mit Katzen!

Nun werde ich mal bei WBGs nachsehen, oder ich bleibe hier, es eilt ja nicht.

Ich platze bald!

Neulich sagte meine Taxifahrerin zu mir: "Wenn ich alles auf die Waagschale lege, haben Sie trotz Dialyse doch ein viel schöneres Leben als ich, ich muß nur arbeiten...." Wer meinen BLOG bisher gelesen hat, der weiß vielleicht eher, wie viel Anstrengung dieses "schöne Leben" kostet, und wie viele N iederlagen ich einstecken mußte, und wie hart ich oft dafür kämpfen muß, daß etwas Schönes herauskommt, und wieviel Mühe ich oft habe.

Ich muß dies nun loswerden, sonst platze ich und ersticke. Egal, wer das liest, ich habe niemanden, mit dem ich über so etwas sprechen kann, oder bei dem ich so etwas aussprechen darf. Vielleicht liest es ja jemand, und ich fände es gut, wenn es mal Leute zum Nachdenken bringen würde. Ich habe kein anderes Medium. Ich nutze dieses hier, als ob ich in den Wald ginge, ein Loch grabe und mein Herz ausschütte.

Es stinkt mir so, dass andere bei mir immer über ihre Zipperlein jammern. Sie sind kurzsichtig, haben Rückenschmerzen, ihre Augen haben sich um eine HALBE Dioptrie verschlechtert, es wird halt immer schlechter….

Ich will hier nun keinen Kommentar drauf oder begütigende und nachdenklich stimmende Worte an mich. Jedesmal, wenn ich dieses Gejammere in meiner Gegenwart höre, schreit es in mir: WAS SOLL dann ICH erst sagen!? Ich bin fast blind, bin an der Dialyse. Meine Knochen werden in Mitleidenschaft gezogen, ich muß dauernd Angst haben, dass man mir die Nebenschilddrüsen rausoperieren muß, meine Augen verschlechtern sich, ich sehe alles in Rosa und Grün, es flimmert mir vor den Augen, ich habe mit permanenter, ja, permanenter Übelkeit und Schwäche zu kämpfen.

Ich darf aber KEIN Wort davon sagen, denn man muß ja stark sein, man darf ja nicht jammern, man darf ja nicht klagen! Warum eigentlich nicht. Das versteht jetzt niemand, aber ich möchte einmal einen Ort haben, wo ich hemmungslos ohne Schan, ohne schlechtes Gewissen, ohne Schuldgefühle, ohne moralische Kommentare und Tröstungen mit erhobenem Zeigefinger jammern, heulen, hadern und so richtig klagen darf, so lange ich will, bis ich es selbst nicht mehr hören kann. Und ein Mensch wäre da, der nicht urteilt, mich nicht als Jammerlappen oder als schwach bewertet, mir keine Vorwürfe macht, mich nicht mit „anderen geht es noch schlechter als Dir“ Sprüchen tröstet. Auch wenn ich dafür nun wieder bestraft werde, wenn ich dies auspsreche: Ich möchte einfach mal jemanden haben, und bei jemandem sein, dem ich sagen darf: „Ich bin grad so traurig, komm, nimm mich mal in den Arm, es ist grad so furchtbar, und ich hab grad wieder eine schlechte Nachricht erhalten…“ Wer hat sich meine Sorgen über die Rückenschmerzen im möglichen Zusammenhang mit den Knochenproblemen angehört? Wer hört sich das an, dass es mir manchmal so schlecht ist?

Komisch, bei geringeren Zipperlein darf jeder herumjammern. Bei großen Krankheiten erwartet jeder, dass man es tapfer erträgt, und man ist moralisch verwerflich und schlecht, egoistisch und egozentrisch, dass man andere Außenstehende in so eine hilflose Lage bringt und sie mit seinen Dingen belastet. Somit muß ich immer ruhig sein und allen versichern, dass es doch nicht so schlimm ist, und weil ich das nicht so gut kann, bin ich egozentrisch und egoistisch und rücksichtslos.

Wie rücksichtslos ist es eigentlich, wenn mir andere laufend ihre Zipperlein vorklagen, mir ihre Krankengeschichten oder die ihrer Angehörigen vorbeten und in epischer Breite darlegen, und ich darf nicht unhöflich sein und sagen: „ICH mölchte aber Deine Geschichte nicht hören!“ Ich muß ja Verständnis haben. Wer hat eigentlich bei MIR so viel Verständnis und Mitgefühl? Ich kann nicht etwas weitergeben, was ich selbst in so geringem Maße erhalte.

Ich bin es Leid, laufend diese Standardsätze zu hören, wie: „OHNE Brille wäre ich genauso blind wie Du! Wenn ich meine Kontaktlinsen herausnehmen, bin ich auch ein Maulwurf.“ Na, dann laß sie doch drin! DU hast wenigstens welche, für MICH gibt es keine Kontaktlinsen mehr, die ich einsetzen und besser sehen könnte. Und überhaupt, diese Leute sehen doch OHNE Brille noch besser als ich MIT! Ich darf aber nicht sagen, dass dieser Mensch kein Recht hat, sich mit mir zu vergleichen, denn dann wäre ich ja arrogant. Ich glaube aber, dass anderen gar nicht bewusst ist, wie viel sie eigentlich noch haben. Wenn die meine Sehschärfe hätten, würden die sich wundern, von wegen, es geht uns doch allen so, wir sehen ja auch nichts!

Geht es anderen besser als mir, darf ich das nicht sagen, sondern ich habe gefälligst anzuerkennen, dass eine Brille und altersbedingte Kreuzschmerzen ja auch schon was Schlimmes sind, und ich muß das genauso werten, als wäre etwas Schlimmeres. Vielleicht würde mir das leichter fallen, wenn ich selbst genug an Anerkennung für meine Erkrankungen und Beschwerden bekommen würde.

Aber wenn ich jemandem begegne, der kränker ist als ich, dann muß ich mir anhören: „SEI froh, dass DU nicht GANZ blind bist, Du hast ja NUR mit den Nieren, ich habe ja viel mehr, sei froh, dass Du noch lebst,…..“ Ich darf nie einmal ein Wort über meine Beschwerden verlieren, ohne, dass ich irgendeinen blöden Trost oder diesen moralischen Zeigefinger erhalte, von wegen: Du kannst ja noch froh sein. Schäm Dich, wenn Du darüber ein Wort verlierst, WIE UNDANKBAR bist DU!

Aber auch das, was ich habe, ist doch schon genug! Warum darf ich mir nicht wünschen, dass dies auch mal anerkannt wird? Es ist ein Schlag ins Gesicht, wenn ich mit 100 ml Ausscheidung (normale Menschen scheiden 2-3 Liter täglich aus), hören muß: „IMMERHIN! Da können Sie sich ja noch richtig was erlauben im Gegensatz zu denen, die GAR keine Ausscheidung mehr haben!“ Niemand versteht, wie weh das tut. Und ich höre jetzt schon alle Gegenkommentare: „Die Leute meinen das doch nicht so, sie wollen Dich doch nur aufmuntern, sie sind doch nur hilflos…“ Jetzt soll ich wieder diese Leute verstehen, dass sie so reagieren. Wer versteht denn eigentlich mich? Ich bin in der dreifachen Hölle: Ich habe die Beschwerden, muß mir die blöden und ätzenden Äußerungen anhören und soll auch noch Verständnis dafür aufbringen und darf nicht verletzt darrüber reagieren! Wie soll ich das alles er-tragen?

Und überhaupt, wer von den Sehenden oder Nierengesunden bedankt sich denn dafür, dass er das nicht hat. Dieselben Leute erwarten von mir, dass ich mich beanke, dass ich nicht GANZ blind bin oder NULL Ausscheidung habe, und dass ich ERST (!) mit 38 an die Dialyse gekommen bin, und nicht, wie vielleicht 1% aller Dialysepatienten, schon im Kindes- oder Jugendalter! Ich finde dies eine Verzerrung der Situation! Ich soll mich bedanken, während Leute, die es besser haben, sich nicht bedanken brauchen!

Ich finde es Augenwischerei, nicht auch mal zuzugeben, dass es Menschen gibt, denen es besser geht als mir. Ich finde es nur fair, auch mal zu sagen: „Ja, es gibt viele, die es wesentlich besser haben.“ Dieser Quatsch, von wegen, dafür haben die halt andere Sorgen, und jeder hat sein Päckchen zu tragen, ist einfach unwahr. Es gibt viele, denen es wesentlich schlechter geht als mir. ABER VERDAMMT nochmal, es muß doch auch einfach mal gesagt werden dürfen, dass es auch Tausende gibt, die es einfacher haben. Das ist doch nur fair. Ich leide langsam an Realitätsverzerrung, mir fehlt jeglicher Bezug zur echten Realiltät, wenn diese Verhältnisse immer so schief dargestellt werden, als sei es normal, zur Dialyse zu gehen und so wenig zu sehen, und ich könne noch froh sein. Ich will nicht bedauert werden, ich möchte aber, dass die Realität einfach anerkannt und gewürdigt wird. Niemand versteht das! Es ist genauso, wie jemand möchte, der ein schweres Trauma erlitten hat, dass es gewürdigt und als etwas Besonderes angesehen wird, und nicht, dass jeder einem erklärt, dass das ganz normal sei, und man nur überempfindlich sei. Die Verweigerung dieser Anerkennung, dieser NÜCHTERNEN , ERNSTNEHMENDEN Anerkennung, ohne Mitleid oder Pathos, kann einen Menschen verrückt machen!

Es sind so Kleinigkeiten, die Kranke oft gesagt kriegen wie: Der soundso sieht jetzt gar nichts mehr, und ich hab es da noch besser. Da würde ich mir a uch mal wünschen, dass jemand mal sagt: Und da hab ich es noch besser als Du, bei dem, was Du hast. Es sind auch so Kleinigkeiten wie, dass mal jemand sagt: Das ist für Dich sicher blöd, wenn ich jetzt von meinen Zipperlein anfange.

Ich finde auch, dass sich andere etwas überlegen sollten, ob sie sich vor JEDEN einfach so hinstellen sollten und sagen: „MEIN GOTT, ich brauche eine Lesebrille, ich bin schon halb BLIND!“ Warum darf ich dann nicht einmal rausschreien, wie TAKTLOS ich das finde, und warum soll ich da immer so drauf reagieren, als sei das völlig normal für mich, nur, damit ich nicht als selbstmitleidige Behinderte ausgeschlossen werde!?

Und wenn wir grad schon mal dabei sind, es kotzt mich an, wenn ich bei Geburtstagen und Weihnachten und Neujahr immer höre oder lese: Ich wünsche Dir GESUNDHEIT! Ich bin nicht gesund, und die Leute sollen einfach mal überlegen, was sie zu wem sagen. Das hört sich jetzt an, als sei ich jemand, mit dem man nicht normal umgehen kann. Aber ist es normal, SO mit jemandem umzugehen!

Bei anderen wie meinem Bruder zum Beispiel, erlebe ich häufig, dass andere sich scheuen, ihn wegen seiner Krankheiten überhaupt zu fragen, wie es ihm geht, dass sie ihn nicht mit ihrem Kram belasten wollen, dass sie sich niemals wagen würden zu sagen: DAS geht mir doch genauso wie Dir!

Verstehe mich niemand falsch, ich höre gerne anderen zu, was sie für Probleme haben, und ich bin sowieso viel zu neugierig, als dass ich das nicht hören wollte. Aber dieser Unterton: Siehst DU, a ndere haben auch Sorgen, oder diese offen ausgesprochenen Vergleiche wie: DAS hast DU zum Beispiel nicht, siehst Du? Das tut weh!

Ich denke, wenn ich auch mal eine Schulter hätte wie oben beschrieben, wo auch ich mal schamlos und ohne Zensur, ohne Rat-SCHLÄGE und ohne Moral das schamlos aussprechen dürfte, was ich empfinde, und wenn diese Situation, in der ich bin, an der RICHTIGEN und ANGEMESSENEN Stelle eingeordnet würde, nicht mehr und nicht weniger, und wenn mir mehr zugestanden würde, auch mal traurig über all das zu sein, ohne, dass ich mich schämen muß zu jammern, dann hätte ich auch wieder mehr Kraft für die Leiden anderer.

So, nun hab ich es gesagt, und ich hoffe, das Loch, in das ich es hineingesagt habe, wächst zu, und es wachsen, wie in dem Märchen vom Prinz mit den Eselsohren, ein paar Weiden darüber, aus denen dann ein paar Instrumente gemacht werden, die das dann durch die Luft pfeifen, und es kommt da an, wo es hin soll!

Sonntag, 7. Februar 2010

ZWEIMAL Katzensorgen in einer Woche REICHT!

Diese Woche hatte es katzenmäßig in sich
Ich bin immer noch mit grippalem Infekt zu Gange. Donnerstag klappte ich das Kopfteil meines Lattenrostes hoch, da ich etwas höher liegen wollte. Danach legte ich den Lattenrost wieder grade um. Drei Stunden später fiel mir auf, daß Jakob nicht da war. Wo war er? Ich rief nach ihm, machte die Balkontüre auf, rief ihn, suchte. Stoffel miaute die ganze Zeit. Ich dachte, was hat der nur. Dann hörte ich aus dem Bett ein Maunzen. Ich suchte im Bett, um das Bett herum, aber nichts. Ich dachte schohn, ruf am besten bei TASSO an, die haben ihn ja in ihrer Datei registriert. Aber aufeinmal kam mir die Idee, er war im Bettkasten. Ich zog den Bettkasten raus, und da kam er schon herausgekrochen! Er war hinter dem hochgeklappten Lattenrost hineingekrochen und hatte sich in die im Bettkasten liegende Ersatzbettdecke eingekuschelt.

Heute, am siebten Februar, dem zweijährigen Todestag von Fridolin, dachte ich an ihn und stellte ein paar neue Blumen in die virtuelle Gedenkstätte ein.

Auf einmal merkte ich, daß Stoffel weg war. Ich überlegte, wann ich das letzte Mal die Türe offen hatte. Eigentlich geht er NIE raus. Er setzt nur die Vorderpfoten auf die Türschwelle, und schon ist er wieder drin.

Ich hatte nur mal eben für zwei Minuten die Türe um 10:00 Uhr offen gehabt, um den Müll rauszutun. Da mußte er mir entwischt sein.

Ich rief SOFORT die Frau an, die ihn mir damals gebracht hatte. Die rannte ums Haus, suchte ihn, aber nirgendwo war er. So riefen wir bei Tasso an, weil er ja schließlich noch NIE draußen war. Die boten an, gleich Suchplakate zu drucken. Ich hängte ein Photo draußen im Hausflur auf, und ich machte mir die GROESSTEN Sorgen, da es ja immerhin genau und zwar EXAKT der Tag war, an dem Fridolin vor zwei Jahren verunglückt war.

Ich warschon abergläubisch und dachte: Der Teufel selbst hat ihn geholt, weil er Fridolin auch an dem TAg geholt hatte, und weil ich mich jetzt so gut mit dem kleinen Stoffel verstand. Es war einfach einzu denkwürdiges Datum! UND dann ausgerechnet war Stoffel an DIESEM TAG das erste Mal draußen und verschwunden.

Ich heulte mir die Augen aus und dachte, NIE wieder eine neue Katze! Nun ist auch Stoffel weg, und DAS am selben TAg wie Fridolin vor zwei Iahren. Er war nicht zum Fressen heimgekommen und tauchte nicht wieder auf.

Jakob wollte dauernd raus. Er ging raus und wieder rein. Auf einmal bimmelte es wieder, Jakob kam rein. Und dann klingelte die Trittmatte wieder, ich dachte, das gibt es nicht, der Jakob ist doch schon drin! Aber da kam der kleine Stoffel, ganz kühl und mit klebrigem Fell. Er war ganz scheu, ließ sich auch nicht anfassen und ichgab ihm sofort zu Fressen. Gott sei DANK!

Offenbar hatte Jakob ihn wieder geholt. Da der Stoffel nicht wußte, wo er rein muß, weil er noch NIE draußen war, hat er offenbar dann Jakob gesehen, der reinkam, und da hat er gewußt, wo das Loch ist. ODER Jakob hat ihn wirklich aktiv gesucht und hat ihn gefunden, und er ist ihm nachgegangen!

GOTT SEIDANK! ist das alles ghut gegangen.

Jetzt wird er sich dran gewöhnen, daß er auch alleine rausgeht und weiß, wo es reingeht! Denn jetzt weiß er alles, und da brauche ich mir keine Sorgen mehr zu machen!

Das war eine der aufregendsten TAge dieses jungen Jahres, denn immerhin dachte ich, jetzt ist das Gleiche am gleichen Tag wieder geschehen! Weil es auch ausgerechnet DIESER TAG war, wo der kleine Stoffel neugierig auf Draußen wurde! Heute hat das erste Mal die Sonne geschienen, und da wollte er dochraus, wo er doch sonst immer so ein ängstlicher Stubenhocker war.

Ich hatte ja die Trittmatte nicht eingeschaltet gehabt, da ich ja dachte, alle Katzen sind drin. Ich hatte nicht gesehen, daß der Stoffel rausgeflitzt wqar. SONST traut er sich nicht mal in die Nähe der Türe, wenn ich dort stehe. Ich hatte also arglos wieder zu gemacht und hörte ihn auch nicht durch das Dicke Türglas maunzen, dass er wieder rein will. Er muß da lange gesessen und gewimmert haben! Und so saß der ARme draußen und wartete vergebens, wieder rein zu dürfen. Ichhatte meine Chorübungen gesungen, weil ich ja im Chor gefehlt hatte und die Lieder einstudieren mußte, und so konnte ich ihn nicht hören! Der ARme dachte sicher: EINMAL bin ich draußen, und schon läßt mich niemand mehr rein! Das war sicher genau das, was der Kleine damals erlebt hatte, als er zum Sträuner wurde. Wer weiß, wie es damals dazu kam, dass er kein Zuhause mehr hatte. Nun hatte erendlich eine warme Stube, da wollte er sicher deshalb nicht mehr raus. Und heute hat er sich diesen Tag zum ersten Spaziergang ausgesucht, und schon stand der Arme wieder vor verschlossenen Türen. Ich hoffe, er probiert es wieder mal, vielleicht im Sommer oder im Frühling, denn jetzt weiß er ja, wo es reingeht! Das kostet wieder eine Menge Geduld, bis er wieder Vertrauen fasst.

Der Jakob sitzt schon wieder vor der Tür und maunzt, daß er raus will, aber ich lasse HEUTE keinen mehr raus! ZWEIMAL Katzensuchen und ANgst und Bangen ausstehen in einer Woche REICHT!!!!