Mittwoch, 7. April 2021

Neues aus der "Geräteintensivstation"

Ich habe ja schon von meinem technischen Pflegefall erzählt. Mittlerweile habe ich viel Übung darin, die auf Fangschale und den Kaffeesatzbehälter aus zu lehren und meistens auch die Reihenfolge der Knöpfe einzuhalten, die ich drücken muss. Ich höre auch meistens, was genau fehlt, da ich ja die roten Signale nicht interpretieren kann. Für mich sehen diese Zeichen alle gleich aus. Aber am Klang kann ich schon hören, dass die Bohnen fehlen, und wenn ich den Wassertank herausnehme, weiß ich ja, wie schwer er ist. Das einzige, was noch schwer ist, alleine zu reinigen und wieder einzusetzen, ist die Brühgruppe. Daher regeln wir das immer so, dass an dem Tag, an dem meine Assistenz kommt, entweder ich alleine oder wir zusammen die Brühgruppe entnehmen, sie säubern und trocknen lassen, unsere anderen Dinge erledigen, und danach setze ich sie unter der Aufsicht meine Assistenz wieder ein. Dieses Mal habe ich schon zuvor die Brühgruppe entnommen, meine Assistentin kam, und wir holten meinen neuen Personalausweis ab. Das war auch nicht sehr einfach, obwohl wir schnell dran waren, hätte ich meine PIN an einem Touchscreen eingeben und ändern müssen, und unter dem Verweis auf die EU Behindertenrechtskonvention habe ich dann darauf bestanden, dass meine Assistentin das machen darf. Die Sachbearbeiterin meinte, sie müsse nur darauf hinweisen, aber selbst verständlich könne diese das machen. Nur mal so am Rande, die Dinge sind wirklich bei weitem noch nicht barrierefrei. Als wir dann nach Hause kamen, setzte ich die Brühgruppe vorschriftsmäßig ein. Wir hatten einige Bilderrahmen für meine Ahnengalerie bestellt, meine Assistenz packte sie aus und setzte die Bilder ein, und in dem Moment klingelte das Telefon. Die Firma, bei der ich eines der Bilder hatte rammen lassen, rief an, das Bild sei fertig. Meine Schwester hatte mir ihre Katze vor dem Fenster in Acryl gemalt, während sie Vögel beobachtet. Sie erzählte mir, dass diese Katze, solange das Bild an der Wand meiner Schwester hing, laufen Vögel ins Haus brachte. Und ich fand das Bild so toll, dass ich es unbedingt haben wollte. Daher schickte sie es mir in einer Rolle, und dadurch war das Leinen etwas kaputt gegangen, und es musste relativ kostenaufwändig auf ein Holzbrett gespannt und gerahmt werden. Ich dachte, das ist super, jetzt kann ich gleich das Bild abholen, und meine Assistentin kann dieses Bild dann auch gleich an die Wand nageln. Dann ist alles auf einmal erledigt worden. Somit sagte ich der Dame am Telefon, wir kommen. Es war sowieso aufregend, in dieses Geschäft zu kommen, denn wir hatten unser erstes click & meet. Dafür mussten wir ziemlich umständlich über das Büro einige Treppen hinunter gehen, bis wir im Laden waren. Empfangen wurden wir von einem großen roten Kater, der sehr zutraulich auf mich zu stürmte und mich gleich lautstark begrüßte. Den hätte ich am liebsten gleich mitgenommen. Ich sagte der Dame also zu, dass wir jetzt vorbeikämen, da ich ja nicht wusste, wie lange sie im Büro wäre. Meine Assistenz meinte, sie hätte zuvor gerne noch einen Kaffee, denn sie habe ihren zu Hause vergessen. Ich drückte also auf den Knopf, und es leuchtete eine rote Lampe mit irgendeinem für mich nicht definierbaren Symbol auf. Meine Assistentin meinte, die Aufwandschale sei voll, aber ich hatte sie doch gelehrt. Daher dachte ich, ich bin scheinbar schon dement. Sie lehrte sie noch mal, und es war fast nichts drin. Sie drückte, aber nichts passierte. Da ich gerade so viel Ärger mit meinem Computer habe und dann auch noch mit dem Impfstoff AstraZeneca so übel dran gewesen war, war ich völlig aufgelöst, dass jetzt auch noch die Kaffeemaschine schlapp machen würde. Meine Assistentin wechselt gerade ihre Arbeitsstelle und meinte, dass eine kaputte Kaffeemaschine in keinem Verhältnis zu ihrem Existenzsorgen stünde. Allerdings muss ich dazu sagen, wenn man meinen Blog aufmerksam gelesen hat, stellt man fest, dass meine gesamte Existenz oftmals eine einzige Sorge ist. Denn wenn man bei jeder Berührung irgendein Gerät kaputt macht, und wenn man jedes Mal 5 verschiedene Gegenstände ausprobieren muss, damit man einen findet, der mit den Behinderungen kompatibel ist, und dann sämtliche Geräte durch sprachgesteuerte Geräte ersetzen muss, kann das ziemlich zermürbend sein. Als wir also dort waren, konnten wir sogar durch die Ladentür, damit wir nicht wieder die vielen Treppen rauf und hinunter mussten. Das Bild ist wirklich gelungen, es sieht sehr gut aus. Wir brachten es also nach Hause und stellten es zunächst einmal neben alle anderen gerahmten Bilder. Der Nachhauseweg war allerdings noch mit ziemlich vielen Hürden gespickt. Denn während wir Kaffee trinken wollten, wollte meine Assistentin eigentlich die App durchschauen, in der ich meine Einkaufsliste für eine Drogeriekette hatte. Und wir wollten dann schauen, was wir in der Drogerie direkt kaufen und was ich online bestellen müsste. Somit würden wir dann in die Drogerie gehen, um das zu holen, was es online nicht gäbe. Ich schlug ihr also vor, den Parkplatz aufzugeben und in die Nähe der Drogerie zu fahren, denn das Geschäft mit den Rahmen war 2 Straßenbahnhaltestellen weiter weg von der Drogerie. Ich wusste aus Erfahrung, dass der Weg ziemlich weit war. Sie schimpfte, sie müsse jetzt noch ewig herumkurven, um dann wieder einen neuen Parkplatz zu finden. Irgendwann hatten wir dann wieder einen Parkplatz. Der sei ja jetzt nur 200 m näher an dem Geschäft, usw. und sofort. Ich sagte, du kannst gerne das Maßband rausholen, ich streite mich mit dir nicht herum. Von mir aus hast du recht. Zumindest gingen wir dann in die Drogerie, und dort wurden wir auch erst einmal von einer Verkäuferin stehen gelassen, die keine Ahnung von dem hatte, was wir wollten, und da sich eine andere Kundin einfach dazwischen gedrängelt hatte. Die Hälfte der Sachen hatten wir dann, das kann man jetzt als halbvolles oder halbleeres Glas ansehen. Danach wollten wir wieder zum Auto zurück. Wir holten uns aber erst einen Kaffee, den meine Assistentin mir spendierte, und dann klingelte ihr Telefon. Sie hat ein Vorstellungsgespräch, sie sollte zu Hause interviewt werden. Wir liefen also zum Auto, aber das Auto war weg. Wir fanden es nicht, und wir liefen ewig lange durch die Gegend. Sie zeterte, hätten wir an dem Rahmengeschäft den Parkplatz nicht aufgegeben, hätte sie den sicher wieder gefunden. Ich sagte, ja, du hast recht, es war meine Schuld, pell die ein Ei drüber, ich bin schuld. Meine Schuld. Aber ich konnte nicht umhin, ihr zu sagen, hättest du nicht so herum geschimpft, als wir ausgestiegen sind, hättest du dir den Parkplatz auch gemerkt. Irgendwann meinte sie, ich solle da jetzt stehen bleiben, sie würde das Auto jetzt erst mal alleine suchen und mich dann abholen. 5 Minuten später kam sie schon mit dem Auto und ließ mich einsteigen. Es war gar nicht weit weg gewesen, warum wir es nicht gefunden hatten, keine Ahnung. Wir stiegen also in das Auto ein, und dann wollten wir uns dem Kaffeeautomaten widmen. Aber sie musste ja dann auch schon schnell wieder weg. Denn das Vorstellungsgespräch wartete ja. Es stellte sich heraus, dass der Kaffeeautomat verkalkt war. Ich meinte, wie soll ich denn jetzt mitten im Durchlauf alleine bleiben, ich weiß doch gar nicht, was ich tun muss, denn ich kann ja die Gebrauchsanweisung nicht mal lesen. Sie konnte aber nicht einfach wegen einer blöden Kaffeemaschine ihren Vorstellungstermin absagen. Wir versuchten also, eine Vertretung zu bekommen. Ich rief auch noch einen Bekannten an, der war aber weg. Zwischendurch viel laufen die Sicherung raus. Wir mussten also einen Neustart des Entkalkungsprozesses laufend erzwingen. Wie das geht, stand natürlich nicht in der Gebrauchsanleitung. Sie musste dann gehen, einige meiner Nachbarn liefen vorbei, aber keine hatte Zeit, alle mussten zur Arbeit, und ich blieb also mit dem Pinkelnden Kaffeeautomaten allein. Meine Assistentin hatte zwischendurch ihren Kaffee, den sie vermeintlich am Morgen vergessen hatte einzupacken, in ihrem Rucksack wieder gefunden. Sie war dann weg, zumindest verlief ihr Vorstellungsgespräch im Nachhinein gut. Ich füllte immer wieder den Wassertank, und die Maschine pinkelte weiter. Ich kam gar nicht hinterher, die Behälter zu wechseln. Alles war klatschnass. Irgendwann flog wieder die Sicherung raus. Ich rief den Kundendienst an, aber vor Dienstag war da nichts zu machen. Ich landete dann sogar in einer ganz anderen Stadt, der Mann versuchte dann verzweifelt, jemanden zu finden, der in meiner Stadt arbeitet. Er kannte da jemanden, aber der konnte nicht. Ich hätte dann sogar jemanden gefunden, der am Tag drauf hätte kommen können. Ich sagte, gut, ich lasse beide Termine mal bestehen, notfalls kann ich immer noch absagen. Freitag und Dienstag waren also vorgemerkt. Ich holte dann einen meiner Nachbarn, der Italiener ist. Er meinte, diese Vollautomaten sind sowieso Quatsch, sie haben doch noch Garantie, bringen Sie doch das Ding einfach wieder zum Laden zurück und holen sich eine neue Maschine. Meine Nachbarin von gegenüber schaute sich das Gerät auch noch mal an und meinte, der Sensor für den Füllstand der Auffangschale könnte defekt sein. Ich hatte mittlerweile dem Kundendienst eine SMS geschrieben, dass er nicht mehr zu kommen brauchte, da das Gerät einen Defekt hatte, und ich es umtauschen würde. Er meinte, das sei eine Sache für den Umtausch und keinesfalls eine Sache für eine Reparatur, das sei der richtige Weg. Am Samstag hatten ja die Läden wieder offen, und ich hatte das Gerät ja aus einem großen Supermarkt, der eben auch andere Artikel führte. Wir schalteten also die Steckdose ab und trennten somit die Maschine vom Netz. Ich schaute mir dann bis tief in die Nacht reihenweise Videos von verschiedenen Kaffeeautomaten und deren Handhabung und Bewertung an. Dann ging ich ins Bett. Am nächsten Morgen dachte ich, ich schalte jetzt einfach zum Spaß mal den Netzstecker wieder an. Mal sehen, was passiert. Auf einmal leuchteten alle Symbole auf, und das Symbol, welches zuvor immer dann auf dem Display zu sehen war, wenn wir den Strom wieder einstellten, und was sich nicht mehr wegbewegen wollte, war tatsächlich verschwunden. Das Aufleuchten aller Symbole habe ich schon häufiger bemerkt, wenn die Maschine ans Stromnetz geht. Ich drückte also einmal auf Start, und siehe da, das grüne Licht leuchtete, die Maschine reagierte so, als sei nichts gewesen. Es war alles wie immer. Ich dachte, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Am Freitag waren ja alle Läden zu, ich dachte, ich probiere sie am Nachmittag einfach mal aus, wenn sie tatsächlich ganz normal läuft, brauche ich am Samstag nicht ins Geschäft zu gehen, um sie umzutauschen, und wenn sie doch wieder ihren Dienst versagte, könnte ich sie am Samstag einfach bequem umtauschen. Am Mittag wollte ich einen Kaffee beziehen, und wieder ging es nicht. Ich schaute dann genau hin, und ich stellte fest, dass der Regler für die Stärke des Kaffees ganz auf 0 gedreht war, was man ja nur dann tun darf, wenn man in den Schacht für das Pulver die vordosierte Menge einfüllt, wobei man dann ja die Stärke des Kaffees nicht einstellen kann. Das war ja mein Fehler zu Anfang, dass ich diesen nicht auf 0 gestellt hatte, wenn ich Pulver benutzte, und das Pulver dann durch die ganze Maschine rieselte und diese beschmutzte. Jetzt hatte ich den umgekehrten Fehler gemacht. Ich stellte also eine gewisse Stärke ein, und tatsächlich stellte sich die Lampe um, und das Display gab mir somit grünes Licht. Die Kaffeemaschine lief. Sie meckerte auch nicht mehr, dass sie verkalkt wäre. Offenbar hatte ich doch alles geschafft. Bei der Prozedur am Vortag hatte ich nur vergessen, den Knopf für die Schaumdüse auch noch zu drücken, der irgendwann hätte aufleuchten müssen, aber vielleicht hat er auch gar nicht geleuchtet, da irgendwie durch die Sicherung sowieso alles durcheinander ging. Ich vermute einmal, dass diese Sicherung sehr schwach ist, denn bei meinem alten Espressokocher flog sie auch alle Nase lang raus. Vielleicht war dieser gar nicht kaputt, aber für die Zubereitung und den Bezug von Kaffee aus diesem Automaten reicht die Sicherung noch, für die Entkalkung muss man ihn halt an eine anderen Steckdose anschließen. Ich hatte noch, als ich die Brühgruppe einsetzte, die Maschine gepriesen, dass sie so robust sei. Aber wenn man etwas beschreit, dann bekommt man gleich wieder einen Dämpfer. Dass die Maschine aber all diese Aktionen und die vielen Stromausfälle bisher überlebt hat und danach wieder „tut“, als wenn nichts gewesen wäre, weist sie schon als besonders robust aus. Aber eine Lehre habe ich gezogen, ich werde jetzt, egal, wie teuer diese Dinger sind, immer einen Kalkfilter einsetzen. Der 1. war schon seit einem Monat abgelaufen, und ich hatte ihn einfach nur drin gelassen und nicht durch einen neuen ersetzt, und schon war die Maschine so schnell verkalkt. Das wird mir nicht noch mal passieren, denn das Theater mit der Entkalkung möchte ich mir ersparen. Aber ich bin froh, dass das Ding wieder läuft, auch wenn der Vollautomat einer hohen Intensivpflege bedarf. Und noch eines habe ich gelernt, billiger gekauft ist teurer bezahlt. Bei einer Hilfsmittelfirma gibt es fast denselben Typen dieses Herstellers, aber er wird mit Markierungen auf den Tasten versehen und bringt eine hörbare Gebrauchsanweisung mit. Damit hätte vielleicht sogar ich Schritt für Schritt die Maschine entkalken können. Aber ich wollte mal wieder Geld sparen und dachte mir, nur, weil die das mit Folie beklebt haben, kostet das Ding gleich fast das Doppelte. Ich kaufe die Maschine im normalen Laden um die Hälfte billiger und merke mir die Tasten. Das geht zwar, aber es darf dann halt nichts abweichen. Und Dinge, die man nur ab und an tun muss, kann ich mir sowieso nicht merken. Daher hoffe ich, dass ich das nächste Mal vernünftig genug sein werde, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um dann am Ende vielleicht kein bequemeres Leben, aber einen bequemeren Umgang mit den Dingen zu haben. Aber der Mensch kann halt oft nicht aus seiner Haut.

Sonntag, 14. März 2021

Mein Radio friert

Vor einiger Zeit wurde eine Weltneuheit bekannt gegeben. Eine Firma brachte ein Radio heraus, welches komplett sprachgesteuert ist, und dies sogar unabhängig vom Internet. Für alle diejenigen, die die A-Dame, sprich Alexa nicht haben wollten, war dies nun eine passable Alternative. Ich habe auch für unseren Sender ein Interview mit der Firma gemacht. Dieses Radio mit CD Player wurde schon vielfältig besprochen und auch beworben. Es ist nun schon bei zahlreichen Hilfsmittelfirmen erhältlich. Ich hatte mir auch überlegt, ob ich dieses Radio haben wollte, denn obwohl ich die A-Dame habe, gibt es doch einige Sender, vor allem den, bei dem ich mitmache, die nicht über diese Smartspeaker gestreamt werden. Außerdem kann dieses Radio sogar die Sendernamen ansagen, sobald man einen Sender anwählt. Der Klang soll auch sehr beeindruckend sein. Ich brauchte allerdings ein Radio, welches lediglich ein oder 2 Sender abspielt, die ich noch nicht anderweitig erreichen kann, und ich möchte auf jeden Fall ein Radio, welches man leicht transportieren kann, wenn man damit mal in ein anderes Zimmer möchte. Außerdem brauche ich kein CD-Laufwerk, da ich genügend Möglichkeiten habe, CDs abzuspielen. Während einer Redaktionskonferenz erzählte ich von dem Interview mit der Firma und der Möglichkeit, ein Radio zu erwerben, welches über Sprachsteuerung bedient werden kann, und welches zumindest teilweise sprachliche Rückmeldungen gibt. Daraufhin meinte dann einer unserer bestinformierten Redaktionsteilnehmer, das gäbe es doch schon längst, es gebe ein sehr kleines Radio, welches teilweise eine Sprachausgabe hat. Man könne es zwar nicht über die eigene Stimme ansteuern, aber es würde einige Dinge aussprechen, die es tut. Es kostet nur 77 €, also 1/5 dessen, was die Weltneuheit im Moment kostet. Es ist von derselben Firma wie das große Radio, von der ich übrigens auch schon andere Geräte besitze, und die mir ganz gut gefällt. Also recherchierte ich sofort und fand auch über den großen Versanddienst mit dem großen A dieses Gerät und bestellte es umgehend. Die Möglichkeit, es zurückzusenden, wenn es mir doch nicht zusagt, beschleunigte meine Entscheidung. 2 Tage später war das Gerät dann dar. Angeblich hätte man sogar erst einen sehenden Helfer gebraucht, der die Sprache einstellt. Aber das Ding legte sofort los zu sprechen und erklärte mir, ich solle die richtige Sprache wählen. Bislang stand es auf Englisch, und ich griff intuitiv den großen Drehknopf, der im retro-Design angebracht war, der aber offenbar Digital funktioniert. Das Gerät war also sogar für meine Begriffe sehr intuitiv bedienbar. Leider sagt es aber nicht die Sender an, die man mit demselben Drehknopf finden konnte. Wenn man aber auf die Knöpfe drückte, sprach es die Funktionen dieser Knöpfe aus. Es gibt 3 Favoriten, und in einem Video wurde beschrieben, dass man eine Klappe mit weiteren Knöpfen öffnen konnte. Einer dieser Knöpfe schaltet zwischen DAB, UKW und USB um. Man kann also auch einen Stick anhängen. Das Gerät hat einen Kopfhörerausgang, mit dem ich es auch leicht einmal an die Stereoanlage anhängen kann. Aber der eigene Klang des sehr kleinen Geräts ist beachtlich für seine Größe. Es sollte noch ein Thermometer besitzen, dem Maß ich aber keinerlei Bedeutung zu. Irgendwann holte ich dann meine Lesebrille und stellte fest, dass ich mit dieser zumindest die Anzeige der Sender auf dem Display erkennen konnte. So suchte ich mir meine 3 Favoriten heraus. Eigentlich ist nur einer der Favoriten wirklich notwendig, da ich die anderen Sender auch über andere Geräte empfangen kann. Daher war ich im Nachhinein auch froh, dass ich das große teure Gerät nicht gekauft hatte. Denn ich hätte es auch nirgendwo hin tragen können mit seinen ausgewiesenen 6 Kilo. Die Premiere war dann die nächste unserer Sendungen, die ich sehr schnell mit dem Knopf für den Favoriten einstellen konnte. Damit war ich zufrieden. Eines Morgens hörte ich das Radio sprechen, aber als ich hinkam, war nichts Wesentliches passiert, es hatte sich nicht selbst eingeschaltet, das Display zeigte Datum und Uhrzeit, sonst nichts. An einem anderen Vormittag dachte ich, jetzt hörst du schon stimmen, du wirst verrückt. Ich habe allerdings sehr viele sprechende Geräte, daher zweifelte ich nicht lange an meinem Verstand. Ich rannte aber ins Wohnzimmer und hörte noch die letzten 3 Worte, die Heizung an. Ein paar Tage später hörte ich ganz deutlich das Radio rufen: „Es ist zu kalt, schalten Sie die Heizung an!" Offenbar hatte das Gerät nicht nur ein Thermometer sondern auch einen Alarm, der auf eine gewisse Temperatur voreingestellt war und dann diese Worte von sich gab. Sobald ich das Fenster öffnete und das Zimmer lüftete, hörte ich das Radio jammern, es ist zu kalt, schalten Sie die Heizung an. Ich dachte mir noch, eigentlich muss man ja selbst merken, wann es einem zu kalt ist, es ist schon wunderlich, dass man von außen noch daran erinnert wird. Allerdings ist es praktisch, falls man doch mal vergisst, das Fenster zu schließen. Aber es ist schon witzig, denn sobald das Fenster zu ist, schließe ich auch noch die Tür, damit es im Zimmer wieder warm wird, damit mein Radio nicht friert. Aber dies ist auch praktisch, wenn man Energie sparen möchte. Man wird immer daran erinnert, die Zimmertür wieder zuzumachen, um nicht so viel Kälte im wahrsten Sinne des Wortes zur Tür hinaus zu lassen und damit Geld aus dem Fenster zu werfen. Somit habe ich also in doppeltem Sinne gespart, das Radio ist wesentlich billiger als das große, und ich spare auch noch Energie. Bei Anschaffungen ist man ja immer am Anfang total stolz, was das Ding alles kann, und man freut sich eine Zeit lang darüber, aber am Ende macht man gar nicht so viel damit, und es ist dann gar nicht mehr so interessant. Daher frage ich mich immer, brauche ich dieses oder jenes wirklich, ist das nur eine Spielerei, oder ist es wirklich nützlich? Freue ich mich auch nach einigen Monaten noch daran, oder will ich dann schon wieder was Neues? Bei dem Thermometer ist das fraglich, aber ich glaube nicht, dass dies den Preis des Geräts wesentlich in die Höhe getrieben hat, denn mit 77 € erfüllt es wirklich seinen Zweck. Vielleicht sollte man ihm ein Mäntelchen häkeln, vielleicht ist dann auch der Sensor für das Thermometer abgedeckt. Aber es muss ja belüftet werden, und es hat ja seinen Sinn. Es ist das 1. Radio, welches mir mitteilt, dass es ihm zu kalt ist. Mal sehen, was meine anderen Geräte noch für Wünsche und Beschwerden haben.

Die Hölle aus Dosen -- Astra ad acta

Nachdem am Freitag den 5. März alles so toll gelaufen war, und ich ganz begeistert von der logistischen Höchstleistung unseres Impfzentrums geschwärmt hatte, muss ich natürlich auch von den schlimmen Nebenwirkungen berichten, die ich dann zu erleiden hatte. Schon beim Warten auf das Taxi bemerkte ich, dass rechts unten an der Unterlippe alles taub und pelzig wurde und zu kribbeln begann. Das ging aber schnell wieder weg. Dann stellten sich immer stärkere Kopfschmerzen ein. Ich hatte nur einmal im Leben wirklich starke Kopfschmerzen, das war mit einem Blutdruck von 240 mm Quecksilbersäule. Diese Kopfschmerzen, die ich aber jetzt hatte, überstiegen alles. Nach einer Weile stellten sich starke Gliederschmerzen ein, und auch meine Brust tat mir total weh. Bis zum Nachmittag war alles noch recht erträglich. Ich konnte noch einiges erledigen, zum Beispiel meinen Blogeintrag verfassen oder Kaffee trinken. Danach wurde ich aber immer müder. Ich stellte fest, dass ich zu frösteln begann, aber mein Kopf glühte. Normalerweise bekomme ich nie Fieber, und am Anfang hatte ich auch nur gering erhöhte Temperatur. Ich schaute mir noch den Nockerberg im Fernsehen an, aber dabei merkte ich, dass sich immer mehr Übelkeit einstellte. Ich hatte schon gar keinen Appetit mehr und keine Kraft, um mir noch etwas für das Abendessen herzurichten. So habe ich lediglich ein Stück Hefezopf und einen sehr heißen Yogi Tee zu mir genommen. Danach legte ich mich in eine Decke gewickelt auf das Sofa. Bevor ich zu Bett ging, habe ich noch mal Fieber gemessen, da ich mittlerweile glühend heiß war. Die Kopf- und Gliederschmerzen waren auf ein unerträgliches Maß angestiegen. Die Temperatur lag bei 37,9°, was für einen normalen Menschen nicht viel ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich nie Fieber bekomme, ist das eine ziemlich hohe Temperatur. Wenn ich schon mal annähernd in Richtung Fieber komme, will das schon was heißen. Ich bekomme nicht einmal bei der stärksten Grippe Fieber. Ich hatte aber leider kein Paracetamol im Haus. Man hatte mir gesagt, man solle sich vorsorglich schon mal welches besorgen, denn man würde ziemlich starke Gliederschmerzen kriegen. Ich dachte mir noch, das hält man doch einfach aus und wartet, bis es wieder vorbei ist. Ich hatte schon häufiger Gelenkschmerzen oder auch Gliederschmerzen, vor allem, wenn ich einen Infekt hatte. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass Gliederschmerzen so schlimm werden könnten. Das Problem war auch, dass ich nichts trinken konnte, zum einen hatte ich gar nicht die Kraft, um aufzustehen, damit ich mir etwas hätte holen können, und zum anderen hätte ich alles wieder erbrochen. Dann hätte ich auch meine Medikamente wieder ausgespuckt, die ich für die Immunsuppression brauche, damit meine Spenderniere nicht abgestoßen wird. Andererseits brauche ich aber viel Flüssigkeit, denn als Nierenpatient muss man viel trinken. Denn die Niere darf nicht ausgetrocknet werden, was bei erhöhter Temperatur schnell der Fall ist. Hätte ich aber getrunken, hätte ich mich erbrochen. Mir war so übel, dass ich nicht mehr wusste, was ich noch tun sollte. Den Krankenwagen konnte ich nicht rufen, denn die wären nur in einem akuten Notfall gekommen. Bei der Nummer 1 16117 bin ich schon in früheren Fällen abgewimmelt worden, daher wollte ich da auf keinen Fall anrufen. Und was hätten die schon tun können? Ich hätte auch ein Taxi nehmen und ins Krankenhaus fahren können, denn in der Transplantationsstation hätten sie mich nicht abweisen dürfen. Wenn man nämlich die Medikamente erbricht, und wenn man nichts trinken kann, müssen die Medikamente und Kochsalzlösung notfalls über die Vene infundiert werden. Aber ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, um mich anzuziehen und im Taxi zu sitzen. Und die Stationen sind voll mit Patienten mit Corona. Da hätte ich im Krankenhaus eine weitaus schlimmere Situation vorgefunden, als die, die ich gebraucht hätte. Daher entschied ich mich, zu Hause auszuharren. In der Nacht wachte ich mehrfach auf und weinte vor Kopfschmerzen. Irgendwann stellte ich dann das Kopfteil von meinem Lattenrost etwas schräg, denn hauptsächlich kamen die Kopfschmerzen vermutlich von den Nebenhöhlen und von Spannungen, die man ja bei Gliederschmerzen auch immer hat. Nach einer Weile konnte ich dann für einige Stunden schlafen. Am Morgen war ich aber völlig erledigt und blieb den Rest des Tages im Bett. Zum Glück kam dann der Appetit etwas wieder zurück und auch die Kraft, um zumindest Wasser ohne Kohlensäure trinken zu können, welches ich nicht gleich wieder ausgespuckt habe. Daher konnte ich meine Medikamente nehmen und der Niere wieder genügend Flüssigkeit bieten. Das Fieber war mittlerweile auch wieder gesunken, sodass ich mir keine weiteren Sorgen mehr machen musste. Ich brauche also jetzt keine ärztliche Versorgung mehr. Ich rief dann in der Apotheke an und bat darum, dass sie mir eine Packung Paracetamol vorbeibringen möchten, dass konnte erst gegen Mittag geschehen, denn sie hatten ja Betrieb. Und ich war froh, dass sie überhaupt zu nett waren, dass für mich zu tun. Bis dahin waren dann die Beschwerden schon relativ gut wieder abgeklungen, aber ich nahm trotzdem noch eine Tablette, um den Rest auch noch in den Griff zu bekommen. Am Sonntag ging es mir schon wieder wesentlich besser, ich konnte schon wieder aufstehen und mich anziehen. Am Montag schaffte ich es dann auch zum Hautarzt, denn mein jährliches Hautkrebsscreening stand an. Ich erschrak allerdings nicht schlecht, als der Hautarzt, der mich allerdings noch nie zuvor gesehen hatte, da es der Nachfolger meines alten Hautarztes war, mir erklärte, dass ich eine leichte gelbe Färbung der Haut und somit einen leichten Ikterus hätte. Daraufhin machte ich umgehend einen Termin zur Blutabnahme mit meiner Hausarztpraxis aus. Die Nierenwerte sind super, sie haben sich sogar im Vergleich zum letzten Mal gebessert. Die Sprechstundenhilfe meinte, ich sehe etwas gelblich aus, aber nicht so schlimm wie früher an der Dialyse, als ich total grau-gelb war. Aber es sei schlimmer als die Wochen zuvor. Die Wochen zuvor hatte ich auch bemerkt, dass mein Blutdruck und mein Gewicht gestiegen waren, und dass ich Wasser eingelagert hatte. Das wurde natürlich nicht gerade besser durch die Impfung mit all ihren Folgen. Aber all das hat sich mittlerweile gebessert, und die Wassertabletten konnte ich mittlerweile auch schon wieder absetzen. Die Leberwerte haben wir auch gleich mit untersucht. Da war auch alles in Ordnung. Meine Mutter meinte, du warst doch schon immer etwas gelb. Das Foto, welches ich über WhatsApp herum geschickt hatte, war offenbar auch nicht sehr auffällig. Wahrscheinlich lag es wirklich nur daran, dass der Hautarzt mich nicht kannte. Am Mittwoch rief ich dann bei unserem Impfzentrum an, nachdem die Hausärztin all meine Symptome dokumentiert hatte. Bei der Hotline sagte man mir, ich soll ein ärztliches Attest mitbringen, dass ich nicht mit AstraZeneca geimpft werden dürfte. Aber das bringt nicht viel, wenn ich es am Tag der 2. Impfung mitbringe, denn dann ist der Impfstoff ja bereits für mich aufgetaut und vorbereitet. Ich fragte also, ob es möglich wäre, dass ich zuvor schon Kontakt mit den Ärzten im Impfzentrum aufnehmen könnte, aber man meinte, ich würde dann sowieso wieder nur hier bei der Hotline landen. Ich finde das ungeheuerlich, wie die sich abschotten. Ich schrieb also an das Robert-Koch-Institut ein Fax und bat sie darin, dieses Zeug abzusetzen, denn selbst wenn die Vorfälle mit den Thrombosen nichts mit dem Impfstoff zu tun haben, kann es doch nicht angehen, dass jedes Jahr, wenn die Impfung stattfindet, dann reihenweise selbst Kern gesunde Menschen für einige Tage oder gar Wochen flach liegen. Ich schilderte denen meine gesundheitliche Situation und bat sie, mir zu helfen, dass ich nicht wieder diesen Impfstoff bekäme. Ich habe dann auch noch ein Einschreiben mit Rückschein an unser Gesundheitsamt gesendet und hoffe, dass sie reagieren und mir helfen. Meine Hausärztin ist natürlich nicht sicher, ob man über AstraZeneca einen anderen Impfstoff drauf impfen kann, aber nachdem sich hier die Angaben und Anweisungen permanent ändern, und morgen das möglich ist, was gestern noch unmöglich schien, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es in ein paar Wochen heißt, dass man jeden Impfstoff auf jeden anderen drüber impfen kann, und dass man den Impfstoff auch bei Zimmertemperatur lagern könne, da hier offenbar die Nachfrage und der Mangel die Handhabung diktiert. Prinzipiell bin ich überhaupt nicht dagegen, sich impfen zu lassen. Aber es ist eben nicht jeder Impfstoff für jeden geeignet und nicht in jeder Situation. Ich kenne einige Nierenkranke, denen hat man, obwohl sie auch noch nicht über 65 sind, Pfizer gegeben, aber mich hält man offenbar nicht für so krank, dass es bei mir nötig wäre. Irgendwie rutsche ich bei solchen Dingen immer durch die Maschen. Ich glaube, als mehrfach behinderte Frau, die sich obendrein schlecht durchsetzen kann, hat man hier schlechte Karten. Ich finde generell, dass dieses Zeug in die Runde Ablage gehört. Daher mein Fazit: ceterum censeo astram esse iactam ad acta. Übrigens bin ich der Meinung, dass Astra zu den Akten geworfen gehört. Was rund heißt, hab ich vergessen. Aber ist ja auch egal, Hauptsache weg mit dem Zeug. Wenn ich das wieder kriege, lass ich mich nicht noch einmal impfen, denn beim 2. Mal soll es noch schlimmer sein, und das werde ich oder zumindest meine Niere nicht überleben.

Freitag, 5. März 2021

Geimpft und entwurmt

Schon am 14. Januar hatte ich mich für die Corona-Impfung registriert. Da offenbar zu viel von dem unbeliebten Impfstoff AstraZeneca übrig war, bekam ich dann ganz plötzlich eine E-Mail, dass ich jetzt einen Termin für die Impfung ausmachen könnte. Ich würde dann ein Terminpaar für beide Impfungen erhalten. Die Anmeldung konnte ich sogar mit dem Smartphone machen. Es war etwas schwierig, von dem Angebot am 1. März zu dem Angebot am 5. März zu gelangen, aber man konnte die Zeit, in der man den Termin hätte auswählen sollen, verlängern. Man hatte jeweils 10 Minuten Zeit, die aber beliebig häufig ausgedehnt werden konnte. Da sag noch jemand, in Zeiten von Corona sei es den Menschen langweilig, da sie immer nur zu Hause sitzen würden. Ich entschied mich also für den 5. März, da ich am 1. März einen Arzttermin hatte, am 2. März musste ich meinen Putzmann reinlassen, am 3. März musste der Personalausweis verlängert werden, am 4. März hatte ich den heiß ersehnten Friseurtermin, somit blieb mir dann eben der 5. März übrig als frühester Termin. Der 7. Mai sollte dann als Termin für die 2. Impfung eingetragen werden. Ich konnte auch diesen Bogen sehr schnell online ausfüllen, ich konnte die Aufklärung sehr schnell lesen, und danach schickte ich alles an meine Betreuerin. Entweder, sie hätte selbst unterschreiben müssen, oder sie hätte mir einen Wisch mitgeben können, der bestätigt, dass ich selbst unterschreiben darf. Eigentlich lächerlich, denn das ist dann auch gehüpft wie gesprungen. Wir stellten also alles zusammen, denn ich hatte ja noch keinen Personalausweis. Der Antrag für die Abholung des neuen Personalausweises und die bezahlte Rechnung für den Personalausweis, meinen Schwerbehindertenausweis und der alte Personalausweis, alles landete in einer Mappe zusammen mit den Unterlagen für die Impfung. Außerdem musste ich noch einen Transportschein organisieren und eine Bestätigung, dass ich eine Niere transplantiert bekommen habe. Denn das war ja die Eintrittskarte dafür, dass ich bereits in Runde 2 geimpft werden würde. Plötzlich konnten sämtliche anderen Menschen, die zuvor um einen Impftermin kämpfen mussten, teilweise schwerstbehinderte Menschen, die bei Corona gestorben wären oder deren Pfleger, die nicht in einem Heim arbeiteten,, und denen man zuvor keinen Impftermin geben wollte, sowie Lehrer, Erzieher usw., sich auf einmal impfen lassen. Der Blindenverband hatte zuvor vergeblich versucht, dass blinde Menschen, die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sich anzustecken, weil sie ja mehr tasten müssen, in Gruppe 2 gelangen. Da man aber zu wenig Impfstoff für die Gruppe über 65 hatte, der für die Leute unter 65 aber nun mal da war und nicht schlecht werden sollte, hieß es plötzlich, es könnten sich nun auch andere Menschen impfen lassen, die das wollten. Auf einmal ist dieser Impfstoff auch für Leute über 65 zugelassen, der zuvor nur an Menschen getestet wurde, die zwischen 16 und 65 Jahre alt waren. Jetzt waren auf einmal brauchbare Testergebnisse dar, dass AstraZeneca wohl auch bei älteren Leuten wirkt. Wohl gemerkt, als es noch wenig Masken gab, hieß es, man könne die FFP 2 Masken im Backofen wieder nutzbar machen. Jetzt, da es genügend FFP 2 Masken gibt, heißt es, man solle sie wirklich nur einmal verwenden oder eben 7 Tage aus lüften lassen. Ich habe also bei meiner Nierenambulanz angerufen, man riet mir, die Impfung mit dem Medikament von AstraZeneca machen zu lassen, besser als nichts, sagte man mir. Ich hatte einige sehr negative Berichte über diesen Impfstoff gehört, nämlich, dass es vielen Menschen schlecht wurde, oder dass sie ziemlich lange danach krank waren. Aber ich dachte mir, ich werde es jetzt eben machen, den anderen Impfstoff kriege ich ja nicht. Da ich fürchtete, keine Hilfe dort zu erhalten, weil ja jeder vom Personal an seiner Station bleiben müsste, wenn man wie durch eine Waschstraße geführt würde, habe ich mir eine Begleitperson mitgenommen. Das Taxi war bestellt, meine Assistentin war da, und los ging es. Im Taxi erklärte uns dann der Taxifahrer, er habe einige Patienten erlebt, die mehrere Stunden dort gewartet hätten, da angeblich der Impfstoff erst 30 Minuten lang aufgetaut werden müsste. Ich hatte aber gelesen, dass es extra hieß, man müsse rechtzeitig da sein oder absagen, da extra für diese Person der Impfstoff aufgetaut würde, und da es sonst verfiel. Demnach war mir schon klar, dass die nicht erst den Impfstoff auftauen, wenn ich auf der Matte stehe. Aber mir glaubt ja immer keiner. Als wir dort ankamen, zeigten wir meine vorbereitete Mappe, und die Frau klärte uns etwas schnippisch auf, da ist es doch schon, als wir nach dem Impfbogen suchten. Die Beschilderung war wirklich super, wenn man auch etwas im Slalom herumgeführt wurde. Aber man konnte sich nicht verlaufen. Wir warteten auch nirgendwo sehr lange. Dann wurden wir weitergeleitet, es war dort noch etwas kalt. Irgendwann kamen wir dann auch ins Gebäude rein. Es ging alles relativ schnell. An 3 verschiedenen Stationen mussten wir meine Sachen vorlegen. Da ich ja noch keinen gültigen Personalausweis hatte, reichte zum Glück der Behindertenausweis, das hatte ich mir auch schon vorher gedacht. Aber sicherheitshalber hatte man mir eben dazu geraten, meinen alten Personalausweis und den Antrag auf einen neuen mitzunehmen. Dann mussten wir auch noch zu einem Aufklärungsfilm. Spätestens jetzt, während wir auf den Filmstart warteten und der Film abgespielt wurde, wäre der Impfstoff sowieso längst schon aufgetaut gewesen. Wir wurden dann zur nächsten Station geleitet, und meine Assistenz meinte, dass da ein anderer blinder großer und kräftiger Mann von jemandem aus dem Personal von einer Station gebracht wurde, von dort brachte ihn dann wieder jemand zur nächsten Station. Wir standen 10 Minuten, er war innerhalb 1 Minute weitergekommen. Aber am Ende ging es auch bei uns relativ schnell. Also war es nicht verkehrt, dass ich mir eine eigene Assistenz mitgenommen hatte. Meine Assistentin meinte schon zurecht, dass Menschen, die groß und kräftig und vor allem männlich sind, mehr betütelt werden. Das ist mir auch schon häufig aufgefallen. Der Film wäre vollkommen unnötig gewesen, denn wer die Informationen, die dort geliefert wurden, bisher noch nicht gehört hat, der ist sowieso schon tot. Der Mann sprach ohnehin so undeutlich, dass jemand mit einer Schwerhörigkeit ihn nicht verstanden hätte. Ein professioneller Sprecher wäre hier vielleicht angebracht gewesen, denn es war eigentlich nichts anderes als ein klingender Beipackzettel. Dann waren wir beim Arzt drin. Der Arzt war total jung. Ich zeigte ihm alle meine Unterlagen, und dann suchte ich hektisch meinen Impfpass. Zum Glück hatte ich da noch festgestellt, dass er ja nicht im Geldbeutel sondern in der Brieftasche aufbewahrt wird. Ich hatte ihn neulich erst in einer anderen Praxis vorzeigen müssen, daher hatte ich befürchtet, dass ich ihn vielleicht dort habe liegen lassen, wo sie ihn kontrolliert hatten. Der Arzt stellte noch einige Fragen, und ich konnte ihn noch einige Dinge fragen. Er meinte, die Wirksamkeit sei nur minimal schlechter als die der anderen Impfstoffe, und ich müsse nicht unbedingt starke Impfreaktionen haben, und trotzdem wirkt es. Während er alles noch ausfüllte, machte ich meinen Arm frei. Der Stich war so kurz und so schmerzlos, als hätte er mich mit dem Finger kurz angetippt. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Impfung so schmerzlos ist. Normalerweise brennt es fürchterlich, wenn das Zeug in einen rein läuft, und hinterher tut die Stelle W.. Ich habe aber absolut nichts gespürt. Das einzige, was bei mir los ging, waren Kopfschmerzen. Ich habe normalerweise in meinem Leben noch niemals Kopfschmerzen gehabt. Normalerweise hätte ich nur 15 Minuten warten müssen. Ich bekam einen Zettel, auf dem die Uhrzeit vermerkt war, zu der ich hätte rausgehen dürfen. Wenn ich also früher gegangen wäre, hätte man mich nicht rausgelassen. Das war etwas sowie in einem Parkhaus, wo die Uhrzeit vermerkt ist, wann man reinkam und wann man wieder rausgeht. Ich setzte mich also mit meiner Assistentin in einen Warteraum, in dem ein Film in einer Schleife lief, in dem Szenen von Enkel Tricks und anderen Betrugsmaschen liefen. Nach 30 Minuten gingen wir hinaus, ich zeigte meinen Zettel vor, und dann warteten wir einfach auf das Taxi. Meine Lippe wurde etwas taub, besonders auf der rechten Seite, aber das war dann relativ schnell wieder weg. Das Taxi kam, und wir fanden, dass es sehr schnell ging, und dass die wahrscheinlich einen Schwung an Dosen von Impfstoff auftauen, und wenn dann jeder einfach kommen und gehen würde, wann er will, würden die eben verfallen. Es ist absoluter Blödsinn meines Erachtens, dass die für jeden einzelnen Menschen separat und individuell den Impfstoff auftauen. Meines Wissens kann man den Impfstoff sowieso ein paar Stunden draußen lassen, bevor er schlecht wird. Es ärgert mich immer, dass mir keiner glaubt. Ich glaube, das ist jetzt wesentlich besser organisiert, da man ja mittlerweile schon Routine hat. Der Taxifahrer erzählte laufend, dass alle anderen stundenlang warten müssten. Und außerdem würden es ja jetzt immer mehr, da jetzt mehr in die Breite geimpft würde. Natürlich hieß es bei meinen Erzählungen, dass ich ganz andere Erfahrungen gemacht hatte, gleich wieder, bei mir wäre das ja anders, das sei bei jedem Menschen unterschiedlich, das hinge davon ab, welche Erkrankungen man hätte. Da machen die keinen unterschied, wenn man in einer Kategorie ist, laufen alle durch dieselbe Maschinerie. Und ich fand, dass es so gut wie nur irgend möglich organisiert war, dass es nicht besser hätte laufen können, und das wir wirklich zügig von einer Station zur anderen gelangten und wirklich sehr schnell durchkamen. Um 10:15 Uhr war mein Termin, um 10:43 Uhr wäre normalerweise die Zeit gewesen, wann ich hätte rausgehen dürfen, und ich bin um 11:00 Uhr rausgegangen. Also haben wir gar nicht wirklich warten müssen. Wir waren ja auch etwas früher da. Das Taxi hatte ich auf diese Zeit bestellt, und ein paar Minuten nach 11 war er auch dar. Also nichts von wegen Chaos oder schlechter Organisation. Ich war sehr zufrieden. Nun kann ich nur hoffen, dass die befürchteten Reaktionen ausbleiben, die man mir bisher geschildert hatte, dass ich aber nun einen guten Schutz gegen Corona habe. Die 1. Impfung wurde in meinen Impfpass eingetragen. Meine Assistentin meinte, dass der Arzt mehrere Spritzen und mehrere Schälchen nebeneinander hatte mit der 1. und der 2. Impfung. Wahrscheinlich lagen die bereits für die nächsten Patienten in seinem Zimmer, und man musste angeben, ob es die 1. oder die 2. Impfung war, und er arbeitete einfach den Impfstoff ab. Er hat wunderbar gespritzt, wir befanden, dass er bestimmt einmal Tropenmediziner werden könnte. Da kann er dann sein Talent bei den Impfungen ausüben. Er meinte, er mache das den ganzen Tag. D. h. meines Erachtens aber nichts, denn es gibt Leute, die ihr ganzes Leben lang Blut abnehmen oder Spritzen geben, und bei denen es furchtbar weh tut, und ich habe schon 19-jährige Schwestern erlebt, die auf Anhieb einfach ein Talent dazu haben. Ich glaube, mit meiner Erfahrung als chronisch Kranke habe ich da einen Blick dafür. Ich hoffe, dass die 2. Impfung auch so glimpflich und reibungslos verläuft. Schade, dass ich kein extra Blatt Papier mit der Bestätigung erhalten habe, um es mir an die Wand zu hängen. Aber es steht in meinem Impfpass, es ist dort dokumentiert, ich finde schon, dass das ein historischer Moment ist, einen Impfstoff zu bekommen, der erst ganz aktuell für eine ganz neue Krankheit entwickelt wurde. Das war eigentlich nur in den letzten Jahrhunderten der Fall. Wer hätte gedacht, dass unsereins das mal erleben würde. Ich hoffe nur, dass der Spuk bald vorbei ist.

Sonntag, 28. Februar 2021

Du bist vermaledeit unter den Jacken

Vor mindestens 30 Jahren hab ich eine braune schöne wild Lederjacke bekommen. Die war von unserem Second-Hand-Shop, einem Wohlfahrtsladen, in dem meine Mutter vom Frauenbund aus tätig war. Ich bin damals sogar noch zum Schneider und habe sie umarbeiten lassen. Diese Jacke habe ich zwar nicht oft tragen können, denn entweder es ist zu heiß, oder es regnet, oder es ist zu kalt, aber ich habe sie über viele Jahre hinweg immer wieder getragen. Die Jacke hatte schon Kultstatus. Sie war ziemlich lang, fast schon ein Mantel. Sie wurde häufig bewundert. Irgendwann war sie dann so abgetragen, dass eine meiner Assistentinnen meinte, ich solle der Jacke doch jetzt endlich mal die Freiheit schenken. Wir haben sie dann über die Straße zum Altkleidercontainer gebracht und sie dort zu Grabe getragen. Meine Mutter hat auch eine Wildlederjacke besessen, eine blaue, die sie nie getragen hat. Diese hat sie mir dann vermacht. Allerdings war der Schnitt ziemlich altmodisch, sie war mir wesentlich zu groß und zu weit, und die Knöpfe waren aus blauem Kunststoff, Ton in Ton mit der Jacke. Das sah fürchterlich aus. Somit haben wir die Jacke zum Schneider gebracht, um sie für mich ändern zu lassen. Die Taschen hingen so weit unten, dass ich die Arme eines Schimpansen gebraucht hätte, um etwas hinein zu stecken oder herauszuholen. Daher kürzten wir einfach die Länge an der Taille, sodass die Jacke kürzer und schmäler wurde. Die Knöpfe wollte ich mir auch ändern lassen. Wir suchten also schöne hellbraune Knebelknöpfe aus, ähnlich denen, die ich an meiner braunen früheren Wildlederjacke hatte. Als ich dann die Jacke abholte, stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass die Knöpfe nicht durch die Löcher gingen. Wir hatten das aber zuvor ausprobiert. Die Schneiderin behauptete steif und fest, es sei dieselbe Größe, aber ich war mir sicher, dass die Knöpfe, die sie angenäht hatte, größer waren. Ich suchte mir also andere Knöpfe aus und gab noch einmal Geld dafür aus, dass diese angenäht wurden, die dann besser durch die Löcher gingen. Es waren dunkelbraune runde lederne Knöpfe, ebenfalls recht hübsch, aber eben nicht so schön wie Knebelknöpfe. Als ich dann mit einer Bekannten in einem Konzert saß, fasste ich zufällig in die Innentasche meiner blauen Jacke. Und dort fand ich dann die Tüte mit den Knöpfen, die zuvor an die Jacke angenäht werden sollten. Die Schneiderin hatte also die ausgesuchten Knöpfe in eine Tüte gesteckt und diese in die Innentasche gepackt, den Reißverschluss zugemacht, und alles an ihren Sohn zum Nähen weitergegeben. Der hatte aber nicht in die Innenseite der Jacke geschaut und dann ähnliche Knöpfe eine Nummer größer angenäht, daher hatten sie damals nicht gepasst. Meine Bekannte schwor mir, nachdem wir uns in dem Konzert für die anderen Gäste aus unerfindlichen Gründen halb tot gelacht hatten, dass sie mit mir zu dem Geschäft gehen würde, und dass sie dort mit mir ordentlich auf den Putz hauen würde. Ich habe ihr dann alles übersetzt, da sie kein Deutsch konnte, was die Schneiderin sagte. Diese behauptete, die Knöpfe seien genauso groß, und würden nicht durch passen. Ich bestand aber darauf, hätte sie die richtigen Knöpfe genommen, die in der Innentasche verborgen waren, dann hätte es gepasst. Natürlich ist meine Bekannte eingeknickt, wie das ja immer bei mir der Fall ist. Erst spucken die anderen große Töne, aber dann lassen Sie mich hängen. Auf jeden Fall habe ich es durchgesetzt, dass die Knöpfe angenäht wurden. Wir einigten uns darauf, dass der Faden mit den Knebelknöpfen etwas länger gelassen würde, damit die Knöpfe mehr Spiel hatten und damit besser durch die Löcher passten. Ich habe ihr dann noch mal Geld gegeben, obwohl ich eigentlich ihrem Mann, der mir damals die fertige Jacke gebracht hatte, schon mal 5 € Trinkgeld gegeben hatte. Dass er mir die Jacke damals gebracht hatte, schien mir mehr als gerechtfertigt. Denn zuvor war ich mehrfach umsonst in den Laden gekommen, als ich die Reparatur der Knöpfe aus Leder veranlasst hatte, und alles noch nicht fertig war, sodass wir darum baten, dass ihr Mann die Jacke bringen sollte. Und damals hatte ich ihm eben dann noch das Trinkgeld gegeben. Außerdem habe ich ihr dann noch etwas gegeben, da ich dies als Kompromiss verstand, weil sie die ursprünglich gewünschten Knöpfe nun annähte. Und sie hatte zuvor auch nicht von selbst bemerkt, dass die Taschen auch Knöpfe hatten, obwohl ich mehrfach gefragt hatte, ob die Knöpfe an der Knopfleiste die einzigen waren, oder ob es sonst an der Jacke noch Knöpfe gebe. Daher musste das noch separat hinterher gemacht werden. Für die Leder-Knöpfe hatte sie dann noch einen Aufschlag verlangt, da diese teurer waren als die Knebelknöpfe. Die durfte ich aber dann zumindest behalten, konnte aber sowieso nichts mehr damit anfangen. Und sie wollte noch mehr Geld, da das Leder so hart zu nähern gewesen sei, sie hätte nicht gewusst, dass das echtes Leder ist. Normalerweise gehe ich davon aus, dass ein erfahrener Schneider das sieht. Endlich sah die Jacke gut aus, und nachdem sie laufend geändert wurde, und ich zig mal beim Schneider war, konnte ich sie auch tragen. Irgendwann kam ich aber auf den Gedanken, ich könnte mal wieder meinen ledernen Rucksack einwachsen lassen. Denn ab und zu muss dieser neu eingefettet werden, da er schon sehr alt ist. Er stammt noch aus der Schulzeit meiner Schwester. Und er sieht ziemlich „vintage" aus. Und dann war ich noch so blöd und setzte das Ding sofort auf. Und das mit der blauen Wildlederjacke an. Als ich dann einmal mit Leuten im Restaurant saß, stellten diese fest, dass ich 2 große und dicke Flecken auf meiner Wildlederjacke hatte. Ich beschloss also, die Jacke zur Reinigung zu bringen. Bei der Reinigung sagte man mir, man müsse die Reinigung der Jacke einem speziellen Lederexperten überlassen, und das kostet 60 €. Die 60 € habe ich auf mich genommen und per Vorkasse bezahlt. Ich sollte in 3 Wochen wieder anrufen. 3 Wochen später sagte man mir, die Jacke sei noch nicht wieder von dem Experten zurückgekommen. Dies wiederholte sich mehrere Male. Irgendwann kam dann die Jacke wohl zurück, aber die Flecken waren nicht raus. Sie wollten sie noch mal zu dem Lederfachmann geben, das würde aber nichts extra kosten. Ich habe auch mehrfach angerufen, und wieder hieß es, die Jacke sei noch nicht zurück. Irgendwann war es dann soweit, ich hatte die Jacke wohl irgendwann im September oder Oktober dort abgegeben, und im Dezember sollte ich dann die Jacke holen. Jedes Mal hatte ich keine Zeit. Dann schneite es, da wollte ich nicht den schwierigen Weg dorthin laufen. Mein Navigürtel hat mir dabei übrigens gute Dienste geleistet. Aber im Schnee wäre mir das trotzdem zu gefährlich gewesen. Denn die Straßen sind dort ziemlich krumm und schief. Irgendwann gingen dann meine Assistentin und ich mal dort vorbei, aber der Laden war zu, wegen Corona seien die Öffnungszeiten reduziert worden. Sie hat mir gesagt, merk dir einfach, dass du jeden Tag zwischen 10 und 12 dorthin kannst. Sie wollte dann noch mal für mich dorthin, als sie später wieder mal bei mir war, aber dann haben wir es nicht mehr geschafft. Das war an einem Donnerstag. An einem anderen Dienstag bin ich dann selbst noch mal dorthin gelaufen. Zuerst war ich im Supermarkt, und mein Navigürtel wies mir den kürzesten Weg vom Supermarkt dorthin. Als ich dort stand, war der Laden geschlossen. Zum Glück kam gerade eine Frau mit ihrem Hund vorbei und lass mir die Öffnungszeiten genauer vor. Ich sprach mir diese auf mein Diktiergerät, und am Dienstag sowie donnerstags war der Laden geschlossen. Ich dachte mir, wenn ich es jetzt diese Woche nicht schaffe, dieses Teil abzuholen, lasse ich es dort und erkläre denen schriftlich, dass sie die Jacke der nächsten Obdachlosen Frau schenken dürfen. Aber tatsächlich, am Mittwoch hörte ich dann mein Diktiergerät ab, und ich wollte am Vormittag hin, schaffte es aber wegen anderer Dinge nur zum Hausarzt, um ein Rezept abzuholen, ging aber dann am Nachmittag tatsächlich noch mal los. Und der Laden war geöffnet, oh Wunder! Die Zeiten haben gestimmt. Ich hatte zuvor aber vorsichtshalber lieber noch mal angerufen, dass ich jetzt kommen würde. Man übergab mir also die Jacke zusammen mit einem weißen T-Shirt, welche sich wegen 2 rosa Flecken ebenfalls dorthin getragen hatte. Meine Abholnummer war 88, manchen Menschen sagt ja diese Zahl etwas, ich fand diesen Code ziemlich Bedeutung tragend. Die Jacke war etwas rauer als zuvor, und die Flecken waren nicht ganz rausgegangen, das hatte man mir aber schon zuvor am Telefon gesagt. Aber sie würden nicht mehr so auffallend sein. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es niemandem auffällt, wie aufgeraut die Jacke war, und dass die Flecken immer noch bestanden. Noch immer sehne ich mich nach meiner guten alten fuchsbraunen und langen Wildlederjacke zurück, denn die neue würde dieser das Wasser niemals reichen können. Ob ich da jemals reinwachse, ist die Frage.

Samstag, 6. Februar 2021

Midas oder Medusa

König Midas soll ja jemand gewesen sein, bei dem alles zu Gold wurde, was er anfasste. Am Ende war das aber eher ein Nachteil, denn er ist vor dem vollen Teller verhungert, da sein Schnitzel zu Gold wurde, und das kann man wahrscheinlich nicht so gut beißen. Medusa ist ja irgendwie eine Göttin. Auf jeden Fall spricht man immer vom Schrecken der Medusa. Das ist mir noch erinnerlich. Es gab mal einen Film, bei dem jemand immer wieder Katastrophen heraufbeschwor, wenn er nur an eine bestimmte Sache dachte. Er ging damit zu einer Ärztin, und erzählte ihr, was er bis jetzt schon alles bewirkt hatte. Am Ende hat sie ihn umgebracht, aber die Katastrophen gingen weiter. Als ich neulich zur Tür rausging, um die Post zu holen, habe ich natürlich selbst verständlich den Schlüssel mitgenommen, sonst hätte ich ja auch den Briefkasten nicht aufschließen können. Als ich aber wieder zurück kam, um die Wohnungstür auszusperren, kam ich nicht mehr in die Wohnung. Da ich bloß einige Minuten draußen war, konnte das sicher nicht damit zu tun haben, dass irgendjemand das Schloss ausgewechselt hatte, denn ich habe auch keinen wütenden Partner zu Hause sitzen. Vor einigen Wochen ist es mir schon einmal passiert, dass ich, nichts Böses ahnend, vom Einkaufen zurück kam, und ich kam nicht mehr zur Haustür rein. Ich war dann völlig verwirrt und dachte, ich hätte mich womöglich in der Tür geirrt, denn unsere Türen sehen alle gleich aus. Da wir eine hohe Stufe am Eingang haben, überlaufe ich mit dem Blindenstock häufig meine Tür, denn so hoch kann ich gar nicht pendeln, damit ich mit dem Stock in die Lücke der Mauer komme. Daher muss ich immer erst so laufen, dass ich die 1. Tür erwische, dann zähle ich 20 Schritte, dann bin ich an meiner Haustür, und dann kann ich an meinem Klingelschild die Blindenschrift lesen, dann weiß ich, dass ich zu Hause bin. Ich fasste also mehrfach an mein Klingelschild, aber das war meines, ohne Zweifel. Der Schlüssel ging aber nicht mehr ins Schloss. Ich war total erschrocken und klingelte bei meinem Nachbarn. Bis der dann herauskam, da er offenbar noch geschlafen hatte, hatte ich es irgendwie doch noch geschafft, den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Er meinte, wahrscheinlich klemmt das Schloss, weil es kalt ist. Ich rief dann bei unserer Genossenschaft an, und danach kam ich wieder mühelos zur Haustüre rein. Am letzten Wochenende war das anders, somit rannte ich in meiner Panik erst mal durchs ganze Haus, um Hilfe zu finden. Eine Nachbarin aus dem 2. Stock versuchte dann, meine Tür aufzuschließen, aber sie hatte genauso wenig Erfolg wie ich. Sie rief dann den Schlüsseldienst an, der mit der Genossenschaft unter Vertrag war. Es wurden 70 € ausgemacht, das war noch ein moderater Preis, aber dafür, dass sich gar nicht schuld war, hat es mich trotzdem gewurmt. Irgendwann kam dann der Schlüsseldienst, während ich mit meinen sehr warmen Lammfellhausschuhen im Hausflur wartete. Die Nachbarin wollte auch einmal sehen, wie so etwas geöffnet wird, daher blieb sie bis zum Schluss dabei. Der Mann versuchte es mit 3 verschiedenen Werkzeugen, und ich zitterte schon, dass es nicht klappen würde. Meine Nachbarin hatte sich dann mental schon mit ihm verbündet und meinte, auf ihnen lastet jetzt ein großer Druck, und ich hatte etwas den Eindruck, dass sie meine Panik gar nicht verstand. Irgendwann öffnete sich dann die Tür, und er meinte, das Schloss sei hinüber. Ich sollte mir ein neues zu 35 € einbauen lassen. Ich hatte zuvor ein Not- und Gefahren Schloss, bei dem man den Schlüssel innen stecken lassen kann, und trotzdem kann noch jemand von außen reinkommen. Das hatte damals 65 € gekostet. Dieses Mal hat er mir dann auch ein solches für 35 € verkauft. Warum das bei dem anderen so teuer war, weiß ich gar nicht. Der Mann war dann noch so nett, und machte mir 2 der Schlüssel auf die entsprechenden Schlüsselbunde, und er markierte noch meinen eigenen Schlüssel mit der roten Kappe. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald hatte mir mal erzählt, dass es elektronische Schlösser gäbe, die sich, nachdem man einen Finger auf ein Feld für den Fingerabdruck gehalten oder einen Code eingegeben hat, von selbst öffnen. Damals dachte ich noch, so etwas brauche ich nicht, das ist Luxus. Jetzt dachte ich mir aber, eigentlich wäre das doch eine gute Sache. Ich erkundigte mich also gleich bei diesem Mann, ob er mir so etwas empfehlen und auch einbauen könnte. Er meinte, er würde mir eine E-Mail zusenden mit einem Angebot. Ich hatte bei ihm und meiner Nachbarin immer das Gefühl, als ob er und sie sich über meine Eilfertigkeit und mein kindliches Auftreten etwas amüsieren würden, als sei ich ein altkluges Kind. Denn ich sagte ihm, dass es ganz gut sei, dass der Zylinder, den er mir eingebaut hatte, nach innen etwas weiter heraus steht, denn dann kann ich einmal einen Schlüsselbund stecken lassen, ohne, dass das Türblatt zerkratzt wird. Er grinste und meinte, das werde ich mir merken. Ich rannte dann nach innen, um das Geld zu holen, und ich hörte, dass die beiden dies irgendwie kommentierten. Es muss wohl ziemlich kindlich naiv gewirkt haben. Ich sehe zwar nichts, aber ich merke, wenn 2 Erwachsene sich zu grinsen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich etwas auf den Arm genommen werde. Auf jeden Fall hat er sich nicht mehr mit einem Angebot für ein elektronisches Schloss gemeldet. Mit meiner Assistentin zusammen suchte ich dann eines aus dem Internet. Das hatte eine Tastatur, einen Motor und eine Fernbedienung. Man konnte mehrere Codes eintragen, man würde dann einen Schlüssel stecken lassen, und mit der Fernbedienung könnte man auch von innen einmal kurz die Türe öffnen, wenn man nicht schnell genug zur Tür käme. Die Tür würde auch etwas aufspringen, damit man mit Einkaufstaschen oder auf andere Art beladen schnell in die Wohnung kommen würde. Das haben wir dann bestellt. Zunächst dachte ich, mit 104 € ist das Schloss recht billig. Aber dann kam eben immer mehr und mehr dazu. Das war wie bei einem Glas Whisky, das man im Flugzeug bekommt, das Glas kostet extra. Erst einmal kostete der Motor nur 104 €, aber ohne die Tastatur und ohne eine Fernbedienung wäre er nichts wert. Somit kam man dann auf 244 €. Einem Inhaber einer gewissen Fluggesellschaft soll man mal einen Whisky auf den Tresen gekippt haben mit dem Hinweis, dass Glas kostet noch mal 3 € extra. Aber wir haben trotzdem alles bestellt. Denn Whisky ohne Glas bringt auch nicht viel. Da ich nun mein Hilfsmittel genehmigt bekommen hatte, und noch etwas gut hatte, sollte meine Schwester mir dann die Rechnung für das Schloss bezahlen. Daher schrieb ich ihr, aber ich bekam erst mal keine Antwort. Ich hab ihr dann noch mal eine Nachricht geschickt, dass sie doch mal antworten möge, und da war sie offenbar so verärgert, dass sie dann schimpfte, ich solle doch erst mal warten, bis das Geld überhaupt bei ihr sei. Ich dachte, eigentlich könnte sie es mir auch vorstrecken. Es hatte nämlich auch nicht geklappt, dass ich die Lieferadresse unter meinem Namen und die Rechnungsadresse unter ihrem Namen angebe. Außerdem hatte sie dann noch jemanden an der Hand, der ihr sagen konnte, ob man ohne Fachkenntnisse so ein Schloss selbst einbauen könnte, oder welcher Spezialist das dann machen müsste, falls notwendig. Sie schrieb mir dann und meinte, es sei zu schwierig, das Schloss selbst einzubauen. Ich habe dann herum gefragt und auch wirklich niemanden gefunden. Da ich die Rechnungsadresse sowieso nicht mehr ändern konnte, dachte ich mir, pfeif doch drauf, dann suche ich mir jetzt einen anderen Schlüsseldienst, der mir ein Angebot macht, und dann bestelle ich alles dort und bekomme alles aus einer Hand. Ich sagte nämlich zu meiner Schwester, dass der Typ vom Schlüsseldienst sich so bitten lässt, und dass ich den Eindruck hatte, er nimmt mich gar nicht für voll, weil ich ihn auch noch zum Jagen tragen muss, weil er offenbar kein Geld verdienen will. Sie erklärte mir dann lang und breit, dass solche Leute nicht immer jemanden im Büro sitzen haben, der solche Angebote rausschickt, und dass man einen Handwerker schon bitten und notfalls auch auf einen Kaffee einladen muss, und ihm am besten noch schön tut, damit er etwas für einen macht. Das ginge jedem so. Ich dachte mir, so ganz kann ich das nicht glauben. Ich habe dann einfach mal herumtelefoniert, und eine Firma hat sogar sofort zurückgerufen, da er nicht schnell genug am Hörer war, und ich bereits aufgelegt hatte. Er wollte sofort einen Termin mit mir ausmachen, aber ich bat ihn, noch eine Weile zu warten, ich würde erst einmal Rücksprache mit einigen besonders klugen Leuten halten, die hinterher wieder alles besser wissen, wenn ich die falsche Entscheidung getroffen hätte. Daher schickte ich dann an unsere Familie die Website dieser Firma und erzählte von deren Bereitschaft, mir ein solches Schloss einzubauen. Ja, mach das doch. So habe ich ihn sofort zurückgerufen, und ein paar Tage später war er schon da. Tatsächlich kam er dann auch, und ich musste ihn noch nicht mal zum Kaffee einladen, ihn bitten oder ihm schön tun. Aber die anderen wissen ja immer alles besser, und deren Erfahrungen sind immer repräsentativ für alles im Leben. Auf jeden Fall hat er mir dann einige Varianten vorgeschlagen. Es gäbe zum Beispiel Schlüssel mit einem Transponder, wenn man den an ein Schloss hält, dreht sich der Schlüssel um. Der Nachteil ist aber, dass jeder, der rein will, so einen Transponder haben muss. Ich kenne das von der Katzenklappe, die Katze bekommt einen Chip, und die Katzenklappe öffnet sich nur dann, wenn die richtige Katze davor steht. Dann bekommt man keinen ungebetenen Besuch, zumindest nicht von Katzen. Es gibt ja so viele Menschen, die Angst haben, dass man mit der Impfung gegen Corona auch noch einen Chip eingeschleust bekommt. Das wäre dann keine gute Idee, wenn die dann alle in meine Wohnung kämen. Nein, Spaß beiseite. Mein Ansinnen war ja auch, dass mir, falls ich mal ins Krankenhaus muss, jemand etwas aus der Wohnung holen kann, ohne dass er sich erst umständlich einen Schlüssel oder einen Transponder besorgen muss. Ich könnte dann meinen Kot an einen Assistenten oder an die Vertretung eines Assistenten geben, der könnte dann rein, und hinterher ändere ich einfach wieder den Code. Es gebe auch noch die Möglichkeit, dass ihm Knauf ein Ring mit Zahlen ist, den man immer zu der richtigen Zahl dreht und danach den Knauf kurz eindrückt. Allerdings muss man dazu die Zahlen sehen können. Es war etwas schwierig, einem sehenden die Frage zu stellen, ob sich nun der Ring oder der Zeiger dreht. Denn wenn sich der Zeiger dreht, kann man vielleicht ertasten, auf welcher Zahl der Zeiger steht. Wenn es ein Ring ist, wären die Zahlen zu eng beieinander, um sie mit Blindenschrift zu beschriften. Wenn sich aber nur der Zeiger dreht, könnte man einfach nur für jede Zahl einen Punkt anbringen, und ich könnte die Punkte dann abzählen. Ich zeigte ihm dies bei meiner Mikrowelle und bei meinem Herd. Bei meinem Herd dreht sich der äußere Ring, aber die Symbole sind unterschiedlich. Der Pfeil ist ganz oben und deutlich zu ertasten. Bei meiner Mikrowelle dreht sich der Knebel, und der Zeiger deutet auf eine bestimmte Zahl. Da ich die Z. 30 oder die Z. 20 nicht dorthin kleben kann, haben wir ab der 15 nur noch eine 5 für 25 und 35, und wir haben eine 2 und eine 3 für 20 und 30. Die Position macht ja schließlich deutlich, dass es sich hier nicht um die 2 oder 3 handelt. Dieser Knauf würde also wegfallen, da der Pfeil außerdem nicht zu tasten wäre, der oben auf der Position fix bleibt, und ich könnte dann nicht genau feststellen, welche Zahl nun genau unter dem Pfeil ist. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass in dem Knauf ein Tastenfeld eingearbeitet ist. Dieses ist aber dann recht klein, außerdem müsste ich bei beiden Varianten den Knauf auswechseln. Er schaute dann eine Weile im Internet, und was fand er da? Er fand genau dieselbe Lösung, die ich bereits selbst einmal bestellt und wieder storniert hatte. Ich konnte ihm sogar noch den Preis nennen. Ich habe nun 4 Fernbedienungen bestellt, die wie Autoschlüssel funktionieren. Dann können die Leute entweder auf Knopfdruck oder nach Eingabe einer PIN in die Wohnung kommen. Er meinte, er müsse aber jetzt etwas aufschlagen, denn er wolle ja auch noch was dran verdienen. Ich sagte, er würde ja an dem Service verdienen, aber er hat auch etwas mehr für die Gerätschaften verlangt. Ich fragte mich hinterher, ob es klüger gewesen wäre, alles vorher zu bestellen und dann jemanden zu suchen, der es einbaut. Aber eine Schlüsselfirma hätte wahrscheinlich nur ihr eigenes Zeug verwendet. Auch wenn sie nichts anderes nehmen als das, was man auch selbst im Internet findet, würden sie dann behaupten, das sei wegen der Gewährleistung nicht möglich. Ich dachte zunächst, dass die Untervertrag mit bestimmten Firmen sind, die ihnen solche Schlösser dann günstiger verkaufen, da sie alles ja beim Großhandel bestellen können. Insgesamt habe ich 3 normale Schlüssel, einen muss er noch zurechtschleifen, damit er in das elektronische Schloss passt, um dann immer automatisch umgedreht zu werden. Ich kann mein altes Schloss weiterverwenden, falls einmal der Strom ausfällt, oder falls die Batterie leer ist. Ich möchte mir dann aber noch 2 normale Schlüssel nachmachen lassen, damit ich alle Varianten habe. Dann kann ich dementsprechend an einen Nachbarn, an meine Assistenten und eine Betreuerin einen Schlüssel vergeben, einer hängt dann noch bei mir, wenn der Haushaltshelfer mal raus muss, und ich gerade weg bin. Dann kann er diesen zwischenzeitlich nehmen, um wieder ins Haus zu kommen. Denn er weigert sich, einen Schlüssel fest zu haben, da er mal früher des Diebstahls verdächtigt worden war. Der Vorteil ist auch, wenn er jetzt die Türe zumacht, und ich bin schon weg, könnte er vielleicht auf Knopfdruck an der Tastatur die Türe verschließen. Ich weiß aber nicht, ob man dann auch die PIN eingeben muss, oder ob man nur auf "Verriegeln" drücken muss. Die PIN wird er sicher auch wieder nicht annehmen, denn das wäre ja dasselbe wie ein Schlüssel. Auf jeden Fall war meine Assistentin schon begeistert, denn sie meinte, sie müsse dann nicht extra zu mir fahren, wenn sie keinen Schlüssel hätte, falls ich mal ins Krankenhaus müsste. Denn nicht jede Assistentin hat ja einen eigenen Schlüssel, er wäre dann lediglich bei der Organisation irgendwo deponiert. Also habe ich mich für dieses Angebot entschieden, und insgesamt zahle ich jetzt knapp 500 €. Dafür habe ich aber jetzt auch alles beisammen. Ich habe ihm also alles unterschrieben, und nun wird er alles bestellen. Ich muss nur darauf schauen, dass mich niemand beobachtet, während ich die PIN eingebe. Als Blinde ist das vielleicht etwas schwierig, daher muss man die Tastatur so anbringen, dass niemand sieht, wie man die Hände bewegt. Außerdem muss man sie irgendwo festkleben, da sie nur über Funk mit dem Motor verbunden ist. Ich dachte, sie hätte vielleicht einen Ring, den man um den Knauf hinten am dünneren Teil wickeln und dann anschrauben könnte. Aber diese Konstruktion konnte ich dem Schlüsseldienst nicht verklickern. So etwas scheint es nicht zu geben. Vielleicht könnte ich ja einfach abschloss um den Knauf machen und die Tastatur dort irgendwie verschrauben lassen. Auf jeden Fall habe ich jetzt wieder eine Sache mehr, die man nicht mit den Händen anfassen muss. Alles, was ich nicht anfasse, wird zwar nicht zu Gold, aber es geht zumindest nicht kaputt. Ich hoffe, dass ich dann reibungslos in die Wohnung komme. Der Witz war der, dass ich schon mehrfach Angebote für bestimmte Geräte bekam, und hinterher dann genau dieses Gerät kaputt gegangen war. Einmal hatte ich einen Artikel über Mikrowellen in der Stiftung Warentest vorgelesen bekommen, die wir als Hörzeitschrift bekommen. Ich dachte noch, deine Mikrowelle geht ja noch, aber 3 Tage später war sie hinüber. Mit dem Kaffeeautomaten war es ähnlich, kaum hatte ich das Angebot, ging 3 Tage später mein Espressokocher kaputt. Darüber hatte ich ja hier in diesem Blog bereits geschrieben. Neulich hatte ich in unserem Heft einen Beitrag über Staubsauger. 3 Tage später, klar: wie sollte es anders sein. Es ist auch noch ein guter alter Vorwerk, warum hat er nicht einfach die Zeit bis nach dem Lockdown noch abgewartet, um kaputt zu gehen!? Wir haben jetzt einen Interim-Staubsauger für 60 € bestellt. Der wird ja hoffentlich durchhalten, bis die Sache mit Corona irgendwann mal in diesem Leben überstanden ist. Ich hatte schon Angst, dass ich bald einen Artikel über Waschmaschinen erhalten würde. Und 3 Tage später öffnete ich mein WhatsApp, und was schickte mir da eine Freundin? Miele, barrierefreie Waschmaschine mit taktiler und akustischer Bedienhilfe! Ich hoffe, meine Waschmaschine hält dieses Angebot aus, aber auf jeden Fall wird es diese werden, wenn meine das Zeitliche gesegnet hat, denn sie ist auch schon seit 1998 in Dienst. Der Staubsauger war aus dem Jahre 2008, ich hatte ihn 2011 bei einem freien Händler gekauft, der Staubsauger aufkauft und diese dann mit einem Jahr Garantie weiterverkauft. Von 2002-2008 wurde das Modell EB 135 hergestellt. Ab dem Modell 400 hätte ich es bei Vorwerk einschicken können. Die Niederlassungen sind im Moment geschlossen, auch die freien Werkstätten sind nicht zu erreichen. In der heutigen Zeit werden ältere Modelle leider nicht mehr repariert. Ich glaube aber nicht, dass hier ein Bericht über einen Saugroboter eingestellt werden wird, denn meine Altbauwohnung hat viel zu viele Schwellen. Es stehen viel zu viele Dinge mit Beinen wie Tische, Stühle, Schränke, Sofas oder ein Sitzwürfel herum. Das Gerät würde wahrscheinlich ohne Hundeleine oder Blindenstock nicht weit kommen. Das wäre auch nur eine Möglichkeit, zwischen den Besuchen meines Putzmannes mal sauber zu machen, damit nicht so viel Dreck anfällt, bis er kommt. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald hat so ein Ding, aber er hat eine ganz andere Wohnung, er wohnt im Dachgeschoss und hat schräge Wände, das stört aber den Saugroboter wenig. Denn durch die schrägen Wände hat er mehr Wohnfläche, da ab einer gewissen Deckenhöhe die Fläche nicht mehr oder nur noch zur Hälfte zählt. Das Ding fuhr durch die Wohnung und knabberte sogar an meinen Sandalen und an meinen Zehen herum. Es fuhr sogar von selbst in seine Ladestation, wenn es leer wurde, oder wenn man es mit einer Fernbedienung dorthin beorderte. Ich habe sogar gehört, es gebe Staubsauger, die über eine App zu bedienen sind, und wenn sie irgendwo fest hängen, schicken Sie eine Meldung: „ich stehe jetzt vor einer Stufe, was soll ich machen?" Ich fand das äußerst witzig, vielleicht bekäme ich dann eine Nachricht von meinem Staubsauger: "ich stehe jetzt vor einer Ampel, was soll ich machen?" Mit so einem Bericht käme ich wahrscheinlich in die Bild-Zeitung. Dann würde mein Blog auch noch berühmt. Aber Kishons Bericht über seine wandernde Waschmaschine wird wohl so schnell nichts übertreffen. Ich glaube aber, dass Staubsaugen überlasse ich lieber noch der menschlichen Hand. Alles kann man eben doch noch nicht durch Elektronik ersetzen.

Dienstag, 2. Februar 2021

48-Stunden-EEG

Da bei uns in der Familie jemand mit Epilepsie ist, und wir die gleiche Grunderkrankung haben, wurde endlich einmal auch jemand hellhörig, als ich über nächtliche Zustände von Verwirrtheit mit pelziger Zunge, Muskelspannung und ähnlichen merkwürdigen Symptomen berichtete. Ich habe das seit meinem 21 Lebensjahr. Das tritt immer dann auf, wenn ich wenig Schlaf hatte, wenn ich irgendetwas zu mir genommen hatte, was ich nicht vertragen hatte, zum Beispiel auch einmal, als ich an meinem Geburtstag ein Glas Champagne getrunken hatte, wenn ich mich körperlich zu sehr angestrengt hatte, und einmal sogar, als bei mir die Küche mit neuer Farbe gestrichen wurde. Denn damals hatte ich Schnupfen und roch nichts und hatte vergessen, das Fenster zu öffnen. Ich habe sogar schon einmal ein Nasenspray bekommen, und der Arzt versicherte mir, dass da nichts drin sei, was anregend wirkt, was ja in diesen Nasensprays häufig der Fall ist. So hatte ich das in dem Glauben, es sei total harmlos, eingenommen. In der Nacht hatte ich wieder diese Beschwerden, und als ich danach den Beipackzettel gelesen hatte, war genau das drin, was ich so schlecht vertrage. Demnach war das keine Einbildung. Ich hatte einmal wochenlang einen Crosstrainer, und immer, nachdem ich da drauf war, hatte ich ebenfalls nächtliche Episoden von Übelkeit und anderen Symptomen. Das Ding habe ich dann gegen einen Heimtrainer umgetauscht, ich sagte einfach, ich würde davon seekrank, denn ich kann ja nicht in ein Sportgeschäft gehen und sagen, ich bekomme da immer so komische Zustände in der Nacht, wenn ich auf ihrem Crosstrainer stehe. Vielleicht war das Schaukeln zu viel für mich, oder die intensiven Bewegungen in der Diagonale. Beim Heimtrainer ist das nicht wieder vorgekommen. Ich war schon häufiger einmal beim Arzt deswegen, aber bislang hatte man der ganzen Sache nicht viel Beachtung geschenkt. Zuvor wurde das immer als Panikattacke abgetan. Aber da bei uns Epilepsie im Rahmen der Grunderkrankung vorkommen kann, wurde es eben jetzt endlich mal in Angriff genommen, mich daraufhin zu untersuchen. Vom 15. bis zum 17. Januar war ich also im Krankenhaus. Einige äußerten ja bedenken, inklusive Manieren Arzt, dass man doch in Zeiten von Corona nicht unbedingt ins Krankenhaus gehen müsste. Ich hatte aber schon die Einschätzung, da die Plätze für ein 48 Stunden EEG ohnehin limitiert sind, dass wahrscheinlich nicht sonderlich viel Umtrieb auf dieser Station herrschen würde. Außerdem durfte niemand auf Station, ehe er nicht auf Corona getestet wurde. Somit fand ich die Sicherheit gewährleistet, Corona hatte so wenig Zugang wie zu Fort Knox. Als ich also dort war, stand schon ein Sicherheitsdienst da, der uns bat, die Hände zu desinfizieren. Danach kam ich erst einmal zur Anmeldung, und nachdem mein Test auf Corona negativ war, wurde ich untersucht. Danach ging es erst einmal für mindestens 45 Minuten zur Aufnahme. Dort habe ich denen dann erzählt, wo ich Hilfe brauche. Das ist jedes Mal dasselbe, nämlich, dass sie mir zusagen, mir wegen meiner Blindheit zu helfen, und dass das doch selbst verständlich sei. Ich sagte, dass ich aufgrund von atypischen Autismus häufig einmal Schwierigkeiten habe, etwas zu begreifen, und das es dann häufig Missverständnisse gibt. Mir wurde dann der Ratschlag gegeben, einfach noch mal nachzufragen. Ich dachte mir, ich bin eigentlich nicht auf den Kopf gefallen. Das wäre ja so, als wenn jemand sagt, ich bin schwerhörig, und die Krankenschwester sagt, einfach noch mal nachfragen. Das Problem ist eben, wenn man dann so häufig fragt, werden die Leute ärgerlich und ungeduldig. Ich sagte, dass dies eben ein Problem sei, wenn man dann zu oft fragt. Da wurde mir dann erklärt, dass das doch schließlich bei jedem Menschen selbstverständlich sei, dass man eben sich genügend Zeit für die Menschen nimmt. Das müsse man doch bei jedem machen. Ich sagte, offenbar ist das bei mir noch mal was anderes, sonst hätte ich ja keine Diagnose. Ich möchte bitte, dass sie dies ernst nehmen. Bei den anderen Dingen, die sie sich notiert hat, versicherte sie mir, dass sie dies extra unterstrichen oder mit einem Textmarker hervorgehoben hätte. Bei diesem Thema jedoch wurde nicht mehr weiter darauf Bezug genommen. Für so eine Fantasiediagnose hat man nun mal kein Verständnis. Danach wurde ich aufs Zimmer gebracht, und mir wurde wie versprochen kurz der Raum erklärt, wo das Bad ist, wo die Lichtschalter sind usw. Und es war nun soweit, nun sollte ich mich also umziehen, denn für die nächsten 2 Tage würde ich nicht mehr in der Lage sein, meinen Pullover über den Kopf zu ziehen, da ich dann verkabelt wäre. Ich wurde dann in den EEG-Raum gebracht, ich fühlte mich, als sei ich in der Maske im Theater. Der Arzt war auch da, und das war auch ganz gut so. Denn auf einmal zogen sie mir, nachdem sie mir die Kabel auf dem Kopf mit Paste befestigt hatten, 2 Strümpfe über den Kopf, und ich geriet total in Panik. Der Arzt meinte, das wird gleich ausgeschnitten. Die Ohren ließ man dann auch noch frei, damit man die Maske noch drüber ziehen konnte. Die Brille passte dann auch noch auf die Nase. Wahrscheinlich sah ich aus wie eine Frau mit einer Burka. Ich wurde außerdem noch in eine Art Geschirr gesteckt, um die Brust hatte ich einen Gürtel, daran waren einige Stellen mit Klettverschluss, an welche mehrere Geräte gehängt wurden, zum einen das Kästchen, welches alles aufzeichnete, zum anderen irgendetwas, was mit der Kamera zu tun hatte, und dann noch ein Akku. Zu Anfang hatte ich schon ziemliche Beklemmungen, da über die Schulter dann auch noch ein Gurt lief, und ich mich ziemlich eingeengt fühlte. Irgendwann konnte ich aber dann damit leben. Danach wurde ich aufs Zimmer gebracht, und man bat mich, die nächsten 30 Minuten ruhig auf dem Bett zu liegen. Wahrscheinlich wollte man einfach mal wissen, wie mein EEG ist, wenn ich gar nichts mache. Vielleicht hat da jeder seinen eigenen Grundrhythmus. Nach einer gefühlten halben Stunde bin ich dann wieder aufgestanden und meinen normalen Beschäftigungen nachgegangen. Ich solle jetzt hier „wohnen“. Zum Glück hatte ich immer für 2 Stunden WLAN, welches ich nach einer Weile wieder erneuern musste. Und das WLAN war auch noch kostenlos. An der Wand gegenüber meines Bettes hing eine Kamera, die mich die ganze Zeit aufnahm, denn man sollte bestimmte Ereignisse, Symptome oder ähnliche Dinge notieren mit dem entsprechenden Zeitpunkt, damit der Arzt dann den Film an dieser Stelle abspielen konnte. Notfalls war auch ein Ton zu Schaltbar. Es gäbe auch Schwestern, die ab und zu einmal auf den Monitor schauen. Ich konnte natürlich nicht selbst mit der Hand und einem Kugelschreiber das Formular ausfüllen, aber ich würde hinterher alles dem Arzt zusenden, wenn mir etwas aufgefallen wäre. Ich beschäftigte mich dann mit WhatsApp, mit Musik und Hörspielen auf meinem Notizgerät und ähnlichen Dingen. Zu Anfang wollte erst einmal mein E-Mail-Programm nicht funktionieren. Eine der Krankenschwestern kam dann, um mir zu helfen, aber eigentlich schaute sie mir nur zu, viel konnte sie auch nicht machen. Nach einer Weile ging es aber auf einmal. Sie war dann auch so nett und brachte mir einen Kaffee. Mittagessen hatte ich schon, bevor ich ins Zimmer konnte. Zumindest hatte ich genügend Beschäftigung. Am Abend kam auch jemand, die mir mit dem Tablett half und mir alles zeigte, was es zu essen gab,. Dann wurde vorgelesen, was es am nächsten Tag geben würde. Ich hatte mir vorgenommen, die nächste Zeit kein Fleisch mehr zu essen, da ich die schrecklichen Zustände auf den Schlachthöfen und den mit dem zynischen Namen Schweinestau belegten Skandal nicht mehr länger mittragen wollte. Daher wollte ich schon wissen, was es gibt, um mir dann etwas auszusuchen. Ich habe sogar meinen heiß geliebten Leberkäse abgelehnt und dafür einen wahrscheinlich genauso guten Apfelstrudel gewählt. Am Morgen kam dann auch mein Vollkornbrötchen , aber ich wartete vergebens darauf, dass mir jemand wieder vorliest, was es am nächsten Tag zu essen geben sollte. Der Apfelstrudel kam dann auch, und die Suppe, die ich mir ausgesucht hatte, war auch dabei. Ich fragte dann auch, ob ich nach dem Essen einen Kaffee bekommen würde, da wurde mir mehr oder weniger freundlich erklärt, dass es am Nachmittag eigentlich keinen Kaffee mehr gebe, ich hätte ja zum Frühstück Kaffee bekommen, das sei dann eigentlich nicht mehr möglich. Man würde mir aber in der nächsten Viertelstunde einen bringen. Nach einer Viertelstunde kam noch nichts, und nach einer halben Stunde fragte ich danach. Als nach 1 Stunde immer noch nichts kam, suchte ich über mein Handy einen Lieferservice, aber leider fand ich keinen. Da ging dann zum Glück die Türe auf, und eine der Schwestern kam herein, die ich dann noch mal um einen Kaffee bat. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass ich mir künftig eine kleine Kaffeemaschine mitnehmen werde. Das mit dem Kaffee passiert mir jedes Mal. Früher gab es die Grünen Damen, die regelmäßig nach dem Mittagessen mit einem Wagen herumfuhren, um Kaffee auszuteilen. Schon vor Corona war das nicht mehr üblich. Nicht, dass ich den ganzen Tag Kaffee trinken möchte, aber am Morgen und am Mittag möchte ich schon meine 2 Tassen haben. Und wenn man schon sonst nichts zu tun hat, die Cafeteria wegen Corona geschlossen ist, und man nur dasitzt und sich auf nichts freuen kann, möchte ich schon meine Gewohnheit weiter beibehalten, am Nachmittag einen Kaffee zu haben. Zuvor war ich mit meiner Assistentin noch im Supermarkt gewesen, um einige Packungen Kekse oder kleine Kuchen zu besorgen, von denen ich einige mit ins Krankenhaus genommen hatte für einen Nachmittagskaffee. Am Abend kam dann noch mal jemand, um mir das Abendessen zu bringen. Ich fragte sie, was denn auf dem Tablett sei, aber mein Hinweis, dass ich nichts sehen könnte, war völlig neu für sie. Warum war ich eigentlich gefühlte 45 Minuten in der Aufnahme? Ich fuhr dann irgendwie mit der Hand über den Teller, und alles war schon geschmiert, und ich hätte fast in ein paar Schnitten mit Frischkäse gefasst. Das ist eben das Problem, gut Meinen ist oft das Gegenteil von Gut, denn für jemanden, der nichts sieht, mag es oftmals einfacher sein, wenn ihm einfach die Packungen in die Hand gegeben werden, damit man sich alles selbst zubereitet, sodass man nur gezeigt bekommt, wo das Besteck ist, und wo der Rest liegt, damit man eine grobe Orientierung hat. Ich fragte dann noch mal, was ist denn morgen zu essen gebe, und ob sie mir das vorlesen könnte, aber meine Bitte, dass mir jemand das Essen vorliest, wurde wieder verschoben, das würde dann die Krankenschwester machen. Die Krankenschwester sagte, das würde die Stationshilfe am nächsten Morgen machen, und am nächsten Morgen meinte die Stationshilfe wieder, das würde die Krankenschwester machen. Als mir das dann zu bunt wurde, rief ich einfach in der Küche an und sagte, ich bin blind, und ich möchte wie jeder andere auch mein Essen aussuchen können, ich möchte jetzt wissen, was es gibt. Da hieß es, eigentlich ist dafür die Stationshilfe zuständig. Ich konterte, und uneigentlich macht es aber auf Station keiner. Sie versprach mir, in den nächsten 15 Minuten noch mal anzurufen, sie sei jetzt am Band, was auch immer das bedeutet, sie würde aber nachschauen. Tatsächlich hielt sie Wort, sonst hätte ich einfach noch mal angerufen. Ich bin ja gewohnt, dass ich kämpfen muss. Gut, dass ich wusste, was es gibt, denn außer das vegetarische Gericht hätte mir sowieso nichts geschmeckt. Das waren Schupfnudeln, das war so ganz nach meinem Geschmack. Ich finde, es sollte keine Frage sein, ob es genügend Zeit dafür gibt, dass jemand mit einer Behinderung etwas vorgelesen bekommt, denn eigentlich sollte alles zugänglich sein. Heute ist man eigentlich nicht mehr der Bittsteller, sondern das sollte eigentlich automatisch ermöglicht werden. Sonst würde es davon abhängig gemacht, ob Zeit, Lust und Ressourcen vorhanden sind. Inklusion ist nichts, was man nur mal eben so macht, wenn das Wetter schön ist. Als es dann zu ungefähr 14:00 Uhr war, dachte ich, eigentlich müsste ich jetzt langsam von meiner Haarverlängerung befreit werden. Ich klingelte also und fragte, ob man jetzt jemanden holen würde, um die Elektroden abzumachen. Ja, jetzt sei es Zeit. Da hörte ich tatsächlich jemanden aus dem Nebenzimmer um einen Kaffee bitten. Blitzschnell ergriff ich natürlich die Gelegenheit und schloss mich an, und tatsächlich bekam ich auch noch einen Kaffee, obwohl es ja schon Nachmittag war, und man mir am Tag zuvor erklärt hatte, dass es am Nachmittag normalerweise keinen Kaffee mehr gebe. Vermutlich gab es also womöglich gegenüber von meinem Zimmer sogar einen Kaffeeautomaten, genau weiß ich das aber nicht, wo Menschen, die das können, sich einfach bedienen können. Ich habe dann auch ein Geräusch gehört, welches darauf schließen ließ, dass die K raffen für das Wasser mit und ohne Sprudel offenbar genau gegenüber von meinem Zimmer waren. Denn ich hatte häufig die Frau, die das Essen brachte, um eine neue Karaffe gebeten. Die kam immer auffallend schnell. Ich habe ja immer viel Durst und muss ja sowieso viel trinken. Ein Glas musste ich dann meistens aber noch extra erfragen, denn ich wollte nicht direkt aus der Karaffe trinken. Man weiß ja nie, wer diese Teile alles schon angefasst hat, zumal ich ja auch transplantiert bin und auf Hygiene achten muss. Oft hatte ich schon irgend eine gebrauchte Tasse dastehen, aber die wurde manchmal im Eifer des Gefechts weggeräumt. Normalerweise macht es mir nichts aus, aus der Flasche zu trinken, wenn man sie aus einem Kasten holt und selbst frisch aufgeschraubt hat. Teilweise dachte ich wirklich, wenn man hier Anfälle kriegt, dann höchstens Kampfanfälle, manchmal mit und manchmal ohne Schaum vor dem Mund. Aber das bin ich aus Krankenhäusern gewohnt, da war es hier ja noch relativ erträglich. Mein Fazit lautet aber, dass ich mich künftig mit allem eindecken werde, um was ich keine Lust habe, dauernd zu bitten. Zu Anfang bekam ich einige Blätter in die Hand gedrückt, ich würde zwar nichts sehen, aber ich könne das doch trotzdem mal mitnehmen. Warum man alle Informationen nicht einfach online stellt, sodass Menschen mit einer Behinderung sich das barrierefrei aus dem Internet ziehen können, um dann zum Beispiel barrierefrei das Essen aussuchen können, verstehe ich nicht. Soweit ist man dann halt doch noch nicht. Zwischendurch ist das Internet dann gerade in dem Moment, als ich am Abend die Nachrichten schauen wollte, wieder abgestürzt, und als ich laut schimpfte, kam eine Schwester herein, und als sie drauf drückte, ging es wieder. Manchmal reagieren diese Haken nicht, wenn man die Einstellung für Blinde benutzt. Das ist in manchen Krankenhäusern noch schlimmer. Aber ohne WLAN kommt man ja fast nicht mehr aus. Meine ganzen Bücher, die ich mir ausleihe, meine ganzen Hörzeitschriften, die ich abonniert habe, oder andere Dienste, die ich nutze, kann man offline gar nicht mehr verwenden. Die Kabel an den Elektroden hingen noch an mir, aber das Netz und alles andere war weg. Ich Somit hing die schöne Haarverlängerung in Form von lauter Kabeln immer noch an mir herunter, als ich in die Dusche stieg. Irgendwann fiel dann alles von selbst ab, nachdem ich gefühlte 30 Minuten Wasser darüber gehalten hatte. Die ganze Pampe mitsamt den Kabeln und der klebrigen Masse um die Elektroden herum landete dann als ein einziges Knäuel in der Dusche. Die Elektroden und die Watte warf ich weg, und das Klebrige wusch ich von den Kabeln, und ich versuchte sogar, die Kabel zu entwirren, was mir aber fast nicht mehr gelungen war. Wahrscheinlich hätte man die Kabel vorher von den Einwegelektroden abmachen müssen. Aber meine Haare waren wieder halbwegs sauber, es fehlen nur im Laufe der Woche ab und zu noch einige Batzen von der Paste als trockene Klumpen heraus. Nachdem ich dann fertig war, kam auch mein Taxi, welches ich schon vorbestellt hatte, da die Klinik etwas weiter von meinem Heimatort entfernt ist. Die Taxifahrerin durfte nicht mit hinauf auf Station, aber eine der Schwestern war so nett und begleitete mich nach unten. Und so stieg ich ins Taxi und fuhr nach Hause. In der 1. Nacht um 2 hatte ich sehr laute Ohrgeräusche, das passiert manchmal, wenn irgendwelche merkwürdigen Dinge in der Nacht bei mir losgehen. Manchmal wache ich dann noch auf und sehe alles taghell und wundere mich, dass es doch mitten in der Nacht ist, und vor meinen Augen trotzdem die Sonne scheint. Aber das Licht bleibt immer gleich, egal, ob ich mich zum Fenster oder vom Fenster wegdrehe. Und dann noch das laute Gebrumm in den Ohren, das ist schon irgendwie eine Erfahrung der 3. Art. Das kann aber auch mit der Netzhaut zu tun haben. Daher bin ich total erschrocken und hochgefahren. Alles das hab ich dann in mein Diktiergerät gemurmelt und dem Arzt weitergeleitet. Er hat sich auch alles angeschaut, aber außer, dass ich mich aufgerichtet hatte, konnte man nichts erkennen. Es seien nur irgendwelche nicht krankheitswertigen "Wicket"Spikes gefunden worden, das hört sich an wie the three wicked witches" aus Lady MacBeth. Die treten wahrscheinlich immer dann auf, wenn ich mich so richtig ärgere und so richtig aufrege. Eben wie eine richtig kleine böse Hexe. Aber das Ergebnis lautete: keine Epilepsie. Das freut mich zwar, aber, was das Augenflimmern angeht, welches wir auch einmal genauer ergründen wollten, sind wir nun auch wiederum keinen Schritt weiter. Selbst wenn es eine Form von Epilepsie gewesen wäre, hätte das ja nichts an meinem Zustand geändert, denn seit Jahren ist das gleich geblieben, somit hätte mich das nun auch nicht sonderlich erschreckt. Es hätte nur einen Namen bekommen, den es halt vorher nicht hatte. Andererseits bin ich natürlich froh, dass es keine Epilepsie ist, denn so etwas kann sich auch ganz schön schnell mal eben verschlimmern. Auf jeden Fall war das ein schönes Geburtstagsgeschenk, dass mir diese Krankheit erspart geblieben ist. Mein Fazit lautet jedoch, dass ich beim nächsten Besuch in einem Krankenhaus möglichst viel mitnehmen will, und wenn ich mit einem halben Schrank Anreise. Vielleicht habe ich bis dahin schon mein Tablet, dann erübrigt sich vielleicht das WLAN. Denn ich möchte ein Tablet, in welches man eine Speicherkarte mit 512 GB stecken kann. Da passt dann schon meine halbe Festplatte mit Büchern, Musik und Filmen drauf, das reicht dann für die nächste Ewigkeit im Krankenhaus.