Sonntag, 8. September 2013
Musikfreizeit
Dieses Jahr habe ich einen besonderen Urlaub gemacht. Ich fuhr zu einer Musikfreizeit mit Chor und kleinen Ensembles, die sich dort bilden konnten. Ich nahm meine Gitarre mit. Zuvor hatte ich schon Kontakt zu zwei Leuten, mit denen ich dann auch musizieren könnte. Meine Gitarre war neu besaitet worden und ließ sich seither nichtmehr stimmen. Im Musikgeschäft, bei dem ich um Rat fragte, nahm der erfahrene Mann die Gitarre, zog etwas an den Saiten, und schon stimmte alles und ließ sich perfekt nachstimmen. So konnte ich die Gitarre getrost mitnehmen.
Dann wäre fast noch was mit der Dialyse schief gelaufen. Da ich ja am Samstag auch noch eine Zwischendialyse habe, hat man mir zugesagt, daß ich diese machen dürfe, daß ich hierzu aber in ein anderes Zentrum fahren müsse, welches eine Zweigstelle sei. Kurz vor meiner Abfahrt rief dann eine Schwester an und meinte, daß ich nun doch nicht am Samstag kommen könne, der Doktor wolle dies nicht. Auch meine Dialyseanfangszeiten wurden zum Negativen hin vorgeschoben, somit hätte ich sehr ungünstige Zeiten gehabt, um an den Chorproben noch sinnvollteilnehmen zu können. Ich war stinksauer und rief schnell in meiner Dialyse an, um die Telefonnummern von anderen Zentren in der Nähe des Urlaubsortes zu erfahren. Auch bei der Taxizentrale, die mich dort fahren sollte, rief ich an, ob sie noch andere Zentren anfahren und mir eines empfehlen könnten. Zum Glück fanden wir ein Zentrum, das mich nahm. Auch der Pfleger dort wollte mich, wie das zuvor angerufene Zentrum, auf eine Wartezeit von einer Stunde vertrösten, aber ich erklärte ihm, daß ich bald weg müsse, und daß ich unterwegs nicht ans Handy gehen könne. So sagte er spontan zu, und ich hatte einen neuen Dialyseplatz.
Am nächsten Tag fuhr ich los, und beinahe wäre alles vorbei gewesen, da der Zug mitten auf der Strecke halten mußte, da die elektronische Signalgebung nicht funktionierte. Ich hätte am nächsten Tag nicht fahren können wegen der Dialyse, und einen Tag später, also erst nach zwei Tagen zufahren, hätte sich bei einem sechstägigen Aufenthalt mit drei Dialysen nicht mehr gelohnt. Dann fuhr der Zug aber zum Glück weiter. In Hannover kam ich schon 90 Minuten zu spät an, so daß mir eine Entschädigung zustand. Da ich aber noch weiter fuhr, dafür aber nicht mehr zahlen mußte, sich aber die Verspätung auf 2 Stunden belaufen würde, ließ ichmir dies in Hannover bestätigen. Der Zug zu meinem Zielort war mit Neigetechnik versehen, was mir sehr unangenehm war. Der Schaffner kam dann und bot mir an, mir beim Ausstieg zu helfen, ich solle aber noch sitzenbleiben. Dann meinte er auf einmal: "Haben Sie Ihre Gitarre, Ihre Handtasche?" Ich verstand das als Signal, nun aufzustehen. Ich tat dies, aber da kam eine so scharfe Kurve, daß ich brutal in die Ecke geschleudert wurde. Der Schaffner meinte dann auch noch erzieherisch wie eine Krankenschwester: "Sie müssen halt auch das machen, was man Ihnen sagt!" Ich erwiderte, daß er mir ja schließlich sagte, ob ich alles habe, und ich daraus schließen mußte, daß ich aufstehen soll. Ich hatte hinterher ganz viele blaue Flecken, und meine Hüfte tat mir noch sehr lange weh! Dann kam ich fast heile an und erhielt sogar noch ein Abendessen.
Die Chorstücke waren für mich zunächst etwas schwierig, zumal meine Stimme nicht so recht mitmachen wollte. Dann aber gewöhnte ich mich an die Lieder und lernte sie auch ganz gut. Ich konnte etwas später zur Dialyse los, weil ich das Mittagessen an der Maschine einnehmen konnte. Das war von Vorteil. Es ergab sich auch, daß eine Frau, die schon wußte, daß ich komme, mit mir Mandoline und Gitarre spielen wollte. Dann aber wurde sie beim Flötenensemble gebraucht, und ich war total enttäuscht, dennoch schafften wir es, daß wir zusammenkamen. Wir suchten zwei Stücke aus, die wir dann am bunten Abend vortragen wollten. Wir hatten einen großen Spaß dabei! Mit dem anderen Mann machte ich eine richtige Session, wir spielten Gitarre und Keyboard zusammen, und er improvisierte total klasse auf dem Keyboard. Das wollten wir in jedem Falle vortragen, das hatten wir quasi schon in der Tasche, da es sehr einfach war, dachten wir. Auch bei den Chorsachen war ein Lied dabei, welches ich mit Gitarre begleiten durfte, und andere spielten die Percussion mit Rumbagurke, Frosch, Rasseln und Congas dazu ein.
Mit der Gruppe war es anfangs schwierig, da ich mich immer sehr hart tue, in einer Gruppe fuß zu fassen. Zunächst fragten alle anderen einander laufend, ob sie sich da und dort treffen könnten, und ich wurde nie gefragt, sondern schloß mich halt einfach so an. Wenn ich jemanden ansprach, dann bekam ich freilich Antwort, aber es war auch oft so, daß es hieß: "NA, ko mmst Du zurecht, (Schulter klopfen), alles klar, ich bring Dich da und da hin, und tschüs." Obwohl ich hier auch unter Blinden war, kamen die meisten besser zurecht als ich. Bei Tisch fand ich nichts und mußte mir laufend helfen lassen. Wenn ich alleine am Tisch saß, genug Ruhe hatte, und noch nicht viel los war, dann fand ich alles sehr schnell. Ich fragte oft "ist da noch frei", aber ich wurde dann immer weiter geschickt: "Geh mal zum CH., der hat Dich doch das letzte Mal auch so schön betütelt." Ich empfand das als ziemlich demütigend. Wenn ich dann einen Platz fand, dann meistens da, wo alle diejenigen saßen, die auch so keinen Platz fanden und sich einander nicht ausgesucht hatten. Aber durch das Gitarrenspielen bekam ich dann doch einen besseren Status. An einem Abend gab es extra Volkslieder für diejenigen, die sich so etwas unter einer Musikwoche vorgestellt hatten, und eben nun auch auf Ihre Kosten kommen wollten. Da spielte ich den ganzen Abend mit, unterstützt zuweilen von Akkordeon, Klavier, Trommeln und Mundharmonika. Einige wunderten sich, daß ich so lange durchhalten konnte, und mir die Hände nicht wehtaten. Aber ich hatte so viel Spaß dabei! Wir blieben dann noch etwas zusammen und erzählten einen Witz nach dem anderen. Da endlich war das Eis gebrochen. Auch dann kam endlich mal einer auf MICH zu und sagte, daß er sich gewundert hatte, daß ich so viele Witze kenne. Manche Menschen sind halt erst auf den dritten Blick interessant. Einen Ausflug gab es auch, zu einer Jodlerstube. Eigentlich dachte ich mir schon, was da rauskommt, aber ich fand, das muß man mal mitgemacht haben. Der Bus dorthin war total holperig, und uns allen war schlecht. Als wir dort ankamen, wurden wir zunächst draußen plaziert, aber da wir darauf bestanden, auch bei der Musik zu sein, wurde sehr schnell umdisponiert. Wir bewunderten die Damen, die so schnell bedienten, daß wir innerhalb von 20 Minuten "fertig gemacht" waren, wie sie sich uncharmant ausdrückten. Dann kam eine Gruppe von 50 Leuten, und die wurden ebenfalls schnell bedient, es ging sehr geordnet und organisiert zu, das war das, was mich am meisten fasziniert hat. Dann ging das Jodeln los. Die Anlage, die Playback spielte, war höllisch laut. Die beiden Jodlerinnen sagten laufend, wenn es zu laut sei, dürften wir das auch sagen. Eine Dame beklagte sich, und es hieß, man drehe selbstverständlich die Lautsterke herab, aber es blieb genauso laut. So verarschen die die Leute. Ich bewundere schon diese Kunst, obwohl ich diese Musik nicht mag, zumindest nicht die volkstümliche Variante. Die Sängerinnen waren eigentlich eher mit den Gesichtern dem anderen Publikum, einer Betriebsausflugsgesellschaft, zugewandt. Sie meinten es gut und wollten uns ebenso einbinden. Sie gingen herum und tätschelten den Männern auf die Schulter, die aber nur erschraken, weil sie die Frauen ja nicht kommen sahen. Da die Lautsprecher ja nicht mitliefen, wußten wir Blinden nicht, wo die Sängerinnen sich gerade befanden und waren nicht darauf gefaßt. Tja, gut Meinen ist das Gegenteil von Gut, und der Umgang mit Blinden will halt gelernt sein. Als aber dann Heidi und andere Schlager dargebracht wurden, war ich froh, daß die ganze Sache ein Ende nahm. Der Kuchen war super, auch wenn ich mindestens 3 Kirschkerne im Kuchen hatte, als einzige, wohl gemerkt! Der Cappuccino war sehr gut für deutsche Verhältnisse. Es war halt mal eine Erfahrung der anderen Art.
So probten wir und gingen zum Chor, machten viel Musik, bis dann der bunte Abend kam. Die Chorleiterin war total aufgeregt, wobei ich dachte, daß wir ja sowieso nur für uns selbst spielten, und nur einige Freunde und Bekannte da waren, und es somit keinen Grund zur Aufregung gab. Alles lief glatt. Sogar das Stück, das ich mit der Mandolinenspielerin geprobt hatte, vor dem ich Bammel hatte, ging tadellos über die Bühne. Aber dann kam die Session mit dem Keyboard. Auf einmal drückte er den falschen Knopf, und ein Rhythmus ging los. Er rief aus: "SCHEISSE!" Alle lachten, es war eine super Stimmung im Raum. Wir fingen nochmals von vorne an. Das, was in der Generalprobe am besten klappt, geht bei der Aufführung schief. Davor, vor dem man zuvor am meisten Angst hatte, und was zuvor nie fehlerlos geklappt hat, das funktioniert dann bei der Aufführung super. Wir boten alle unsere Stücke da, dann kam der inoffizielle Teil. Meine Stimme war nun nur mehr ein Krächzen, ich bekam keinen Ton mehr heraus. Wir saßen noch etwas zusammen und erzählten Witze und andere Anekdoten oder sangen Kanons.
Am nächsten Tag sollte es mit der Mandolinenspielerin zusammen in die Stadt gehen, wie wir schon ausgemacht hatten. Die Taxifahrer hatten mir von der schönen Stadt vorgeschwärmt, und ich wollte nicht nur zum Proben in Urlaub fahren sondern auch was Neues sehen. Beim Frühstück war ich mies gelaunt. Ich kam in den Speisesaal und sagte laufend guten Morgen, aber ich bekam keine Resonanz. Das ging mir schon öfter so. Ich traf dann auch noch jemanden, die ich eigentlich mag und rief ihr ganz deutlich ein GUTEN MORGEN!!! Ins Gesicht. Anstatt aber daß sie mich mitnahm, klopfte sie mir nur auf die Schulter und meinte: "NA, kommst Du zurecht?" Ich klapperte einige Tische ab, und dann hieß es auch noch: "Da ist BESETZT" DA flippte ich aus und rief: "WER NIMMT MICH?! WER ERBARMT SICH MEINER!?" Das wurde dann mir als "Dünnhäutigkeit" ausgelegt. Das können diejenigen, die Hans Dampf in allen Gassen sind und überall dabei sind, nicht nachempfinden. Mir war dann nicht mehr nach Taizé-Gebet zumute, und so ging ich auf mein Zimmer und grollte.. Dann kam meine Ausflugspartnerin, die meine Wut auch nicht so ganz verstehen konnte. So gingen wir los. Der Bus kam pünktlich, und als wir ausstiegen, sahen wir ein wunderschönes Porzellangeschäft, das mich magisch anzog. So gingen wir rein. Als dann die Porzellansachen auch noch den Namen meines Katzenbetreuers trugen, dachte ich, mach ich mir den Spaß und kaufe ihm eine schöne Tasse mit blauer Kornblume und Untersetzer. Er hat sich auch tatsächlich sehr darüber gefreut. Dann suchten wir eine Toilette auf und konnten mit dem Euro-Behindertenschlüssel im Rathaus fündig werden. Das hat uns beide sehr erfreut. Danach wollte ich unbedingt Kutsche fahren, aber leider waren noch nicht genügend Leute zusammen. Ich dachte, lieber Gott, mach die Kutsche voll, und Schwups waren lauter Leute da, und es ging los. Die Fahrt war nicht sehr holperig, und es machte viel Spaß. Wir bekamen auch einige Erklärungen. Am Schloß angekommen, wollten wir nach einigem Aufstieg mit Treppen erst mal eine Rast einlegen und fanden ein schönes Café. Genau, als wir saßen, fing es zu regnen an, aber wir hatten große Schirme über uns. Als wir weiter gingen, hörte es auch genau dann wieder auf. Wir erkundeten das gesamte Gelände vor dem Schloß, denn ich wollte nicht rein, weil man drinnen nichts anfassen konnte. Da war mir selbst der ermäßigte Preis noch zu schade. Aber wir konnten viel ertasten, z.B. einen sehr hübschen alten Briefkasten mit ganz vielen Ornamenten dran. Dann ging es wieder hinunter, und diesmal bestand ich auf dem Bähnchen, denn ich wollte eine andere Erfahrung machen. Kutsche kannte ich ja jetzt schon. Aber es war ein einziges Geholpere und lang nicht so schön wie die Kutsche. Unten wollten wir dann ein Eis essen, aber die Eisdiele war total voll! Ich sagte, lieber Gott, mach, daß wir jetzt einen Platz kriegen, denn solche Stoßgebete für kleine Wünsche werden mir dann doch oft erfüllt. Wir hätten auch sofort einen Platz gekriegt, aber dann wurden wir sogar von einem Paar gerufen, das wir von unserer Musikfreizeit kannten, und so setzten wir uns dorthin und hatten dann noch einen schöneren Platz. Wir aßen ein riesengroßes Eis, und wir hatten viel Spaß mit den beiden. Dann ging es auch wieder zurück in unsere Tagungsstätte. Der Tag war einmalig! Am Abend kam ich dann in den Speisesaal, und diesmal wurde ich sofort angesprochen und zu einem Platz mitgenommen. Es war das Pärchen, das mit uns Eis gegessen hatte. So endete der Tag sehr gut.
Am nächsten Tag war eigentlich Abreise. Es gab noch eine Abschlußrunde. Danach hatten wir ein schönes Lied gesungen, die Frau neben mir hat geschluchzt. Die Stimmung war so schön, wir sind so gut zusammengewachsen. Ich bin am Morgen in den Frühstücksraum gekommen, und es wurden meine Morgengrüße erwidert, und ich wurde sogar von anderen von sich aus angesprochen. Als ich an einen Tisch gebracht wurde, sagte diesmal dieselbe, die mich vor einigen Tagen noch zum "Betütler" weiter geschickt hatte: "AUJA, komm her zu uns!" DAS tat gut, so eine Erfahrung zu machen!
Da ich ja montags nochmals an die Dialyse mußte, konnte ich erst am Dienstag fahren. Außer mir waren noch zwei andere da. Es kamen noch Leute hinzu, die in unserem Haus keinen Platz mehr hatten und daher anderweitig untergebracht waren. Wir hatten einen sehr schönen Abend. Der Chef hatte extra für uns Soljanca gemacht, das ist eine Suppe aus Tschetschenien, die sehr gut schmeckte, mit Paprika und Gulasch. Wir saßen noch eine Weile beisammen und musizierten später noch ein bißchen, da ich das noch ausnutzen wollte, so viele Musiker auf einen Haufen zu haben.
Am nächsten Tag zeigte mir die Chorleiterin ihr Gerät mit Overdub. Da singt man rein, dann hört man sich den Gesang mit Kopfhörern an und kann dann gleichzeitig eine andere Stimme dazu singen, die dann wiederum aufgenommen wird. Ich fand dies sehr interessant. Sie hatte schon zwei Stimmen drauf und wollte mich als Alt noch haben. Meine Stimme war wirklich am RANDE einer Kehlkopfentzündung. Ich gab das LETZTE, was ich hatte, und als wir es hinterher anhören wollten, hat die Aufnahme nicht geklappt! Ich war enttäuscht! Aber ich bekam beim besten Willen keine zweite Version mehr zustande. Vielleicht machen wir es nochmals. Ich überlegte, ob sich für mich so ein Gerät lohnt, da ich auch oft Gitarre und Querflöte zusammenmische, aber der Preis von 500 Euro für ein Gerät, das ich nicht oft benötige, und das obendrein nicht einfach zu bedienen ist, ließ mich dann doch davon Abstand nehmen.
Nun kam auch meine Heimreise. Auf der Rückfahrt ging alles glatt. Ich entschied mich, mir auch beim Aussteigen helfen zu lassen, da ich mit Trolly und Gitarre doch überfordert war. Auch das klappte gut. So hatte ich eine Freizeit hinter mir mit einem Sack voll guter Erinnerungen, von denen ich noch zehren kann. Das Pärchen, das wir in der Eisdiele getroffen haben, die auch beim Seminar waren, kommt im September in meine Stadt, so daß wir schon ein Treffen vereinbart haben. Mit der Mandolinenspielerin bin ich in sporadischem Kontakt. So haben sich doch wieder neue Bekanntschaften ergeben. Vielleicht fahre ich wieder hin, mal sehen, was nächstes Jahr kommt.
Zahn
Nun ist das Gröbste überstanden, und ich komme wieder zum Bloggen. Vor einigen Wochen hatte ich Kieferschmerzen und ging zum HNO, da ich meinte, es könne eine Kieferhöhenentzündung sein. Er fand nichts. Also ging ich zum Zahnarzt und ließ dort nachforschen, ob es eventuell in diesem Bereich ein Problem gibt. Der Zahnarzt fand ein kleines Loch, röntgte alles, bevor wir es mit Compositfüllung schlossen, wobei ich mir die Panoramaaufnahme statt der Einzelzahnaufnahme aussuchte, was im Nachhinein ein Fehler war. Er fand nichts im Röntgenbild. Also beschloß ich, zum Neurologen zu gehen, da es eine Trigeminusneuropathie sein könnte. Die Neurologin schickte mich zum MRT, und ich hatte furchtbar Angst, da es obendrein auch noch mit Kontrastmittel gemacht werden sollte. Meine Helferin ging mit, damit sie mir die Hand auf die Füße legen konnte, die aus der Röhre herausschauen, da ich erfahrungsgemäß dann nicht solche Angst haben würde. Es klappte alles, und ich merkte nicht mal, wann das Kontrastmittel kam. Die Ergebnisse erhielt ich dann einen Tag später. Eine Gefäßschlinge sei etwas nah am rechten Trigeminus, und das sei eigentlich kein Problem, aber wenn man Schmerzen hat, dann könne also die Ursache hier liegen ,müsse aber nicht. Ich solle mich mal bei einem Hirnchirurgen erkundigen, ob man das gegebenenfalls entfernen lassen könne. Da ich ja schon irgendwann transplantiert werden wollte, wollte ich hier keine zweite Baustelle eröffnen und fand, daß es nicht dafür steht, hier eine Hirn-OP machen zu lassen. Das fand die Neurologin auch. Ich spürte aber, daß bei meinem Zahn immer noch was nichtstimmte und sagte es ihr auch. Sie meinte etwas begütigend: "Aber wenn man doch im Röntgenbild nichts sieht, dann kann da auch nichts sein." Ich dachte, es gibt Dinge, die man auch mit Geräten nicht sehen kann, und die trotzdem da sind. Ich ging später wieder zu meinem Zahnarzt, um eine professionelle Zahnreinigung durchführen zu lassen. Ich erwähnte, daß ich immer noch Zahnschmerzen hatte, und daß es beim Zubeißen ein komisches Gefühl gäbe, und daß es seltsam schmeckt, daß ich also Eiter vermute. Er schaute sich alles an und meinte. "DER ist durch!" Der Zahn war der Länge nach gespalten, da er eine sehr große Füllung hatte. Ich sagte ihm, daß ich damals wollte, daß er diesen Zahn aufbohrt, denn die kleine Füllung, die er mit Composit gemacht hatte, war wohl an einem anderen Zahn. Damals traute er sich nicht, weil er meinte, dann könne er jeden Zahn der Reihe nach aufbohren, weil der Schmerz schlecht zu lokalisieren war. Er meinte aber nun, wenn man den Zahn aufgebohrt hätte, hätte man auch nicht mehr machen können, klar, muß er ja sagen. Ich hätte wohl zweimal ungünstig zugebissen, einmal sei der Zahn also innen gebrochen, beim zweiten Biß dann außen, wo man es dann auch sehen konnte. Man habe dies im Röntgenbild nicht sehen können, weil die Panoramaaufnahme irgendwie von einer anderen Seit eher kommt. Dachte ich es mir doch. Ab nun sagten alle Ärzte, mit denen ich zu tun hatte, daß es klar sei, daß es viele Dinge gibt, die man im Röntgenbild auch nicht gleich sehen kann. Zuvor bedeutete man mir quasi, daß ich plemplem sei, weil ich am Röntgenbild gezweifelt hätte, und daß man da nichts sähe, also auch da nichts sein könne. Warum hat man dann zuvor nicht an die Variante gedacht, bei der man im Röntgenbild nichts sieht? Ich wurde also zum Kieferchirurgen geschickt, da sich der Zahnarzt nicht zutraute, den Zahn heil rauszubekommen. Es könne zwischen 5 Minuten und einer Stunde dauern. Ich hatte furchtbar Angst. Eine meiner Helferinnen ging mit. Der Arzt war richtig witzig. Er fragte mich, ob ich denn bald eine Niere bekäme. Als ich ihm sagte, daß ich schon lange warte, meinte er, ich solle mal ein paar Leuten ein Motorrad schenken, damit sie einen Unfall bauen. Das fand ich so lustig, daß ich die ganze OP nicht mehr so schwer nahm. Ich liebe schwarzen Humor. Der Arzt war selbst mal schwer krank, daher hatte er diesen Galgenhumor. Übrigens ist es auch veraltet, daß man nach einer Zahn-OP keine Milchprodukte zu sich nehmen dürfe, das wäre sogar gut für die Mundflora, da der PH-Wert angehoben würde und die Mundflora damit nicht mehr so sauer wäre. Das sei wie bei Pilzinfektionen. Ich genoß also mein Joghurt hinterher und alles andere, was mir nicht wehtat beim Kauen. Die Betäubung war ein Klacks, das ging mit dem Computer, der den Kolben der Spritze elektronisch gesteuert herunterdrückte. Die letzte der drei Spritzen spürte ich kaum noch. Die Betäubung wirkte auch sofort, man mußte gar nicht ewig warten. Es war zwar alles pelzig, aber es war nicht so taub, daß man sich wie bei einer Gesichtslähmung fühlt. Der Arzt nahm eine Zange, die ältere, sehr nette Helferin hielt meinen Kopf dagegen, der Arzt meinte, daß es jetzt mal knackt, und schon war der ganze Zahn mit einem RATSCH draußen! Der Arzt war selbst erstaunt, daß der Zahn WIRKLICH gespalten war, offenbar, weil er so ohne Weiteres an einem Stück herauskam. Ich fand den Arzt sehr geschickt. Er meint, daß ich ein Implantat haben könne, und daß kein Kieferaufbau nötig sei. Der Zahnarzt wollte mir eine Brücke machen, da muß man aber dann die Nachbarzähne abschleifen, und das will ich nicht. Bei der Brücke verdient der Zahnarzt mehr, beim Implantat verdient der Kieferchirurg mehr. Daher rät mir der eine zu dem, der andere zu dem. Ich erwäge eine Drittmeinung von einem Neutralen einzuholen, der gar nichts dran verdient. Ein Implantat ist mir schon lieber. Preislich hält es sich die Waage, da bei der Brücke drei Kronen notwendig sind, und die Kasse ja sicher auch nur einen Festbetrag übernimmt. Beim Implantat muß man dieses zahlen, aber die Krone übernimmt dann wohl größtenteils die Kasse. Mitte Oktober kann ich mir dann ein Implantat machen lassen, das ginge dann genauso flott und geschmeidig wie das Herausoperieren, das müsse dann 4 Monate einheilen, dann könne ich die Krone bekommen. Da freu ich mich schon drauf, wenn ich dann im Frühjahr 2014 endlich wieder auf beiden Seiten kauen kann! Die Backe war nach der OP furchtbar dick, ich dachte schon, es sei was schiefgegangen, aber es lief alles nach Plan. Ich spülte mit Kamille, das half am besten, daß die Schwellung wieder abnahm. Ich schrieb der Neurologin noch eine Mail, daß es nun doch der Zahn war, und daß man dies auf dem Röntgenbild nicht sehen konnte. Ich schrieb: "Ich bin mehr als mein Röntgenbild!" Diesen Satz sollten sich alle Ärzte über ihren Schreibtisch hängen! Es gibt immer Sachen, die man mit Geräten nicht sofort sieht, an die ein guter Arzt aber denken muß! Nicht alles, was man nicht sofort erkennt, ist daher nicht vorhanden. Ich hoffe, daß die Neurologin das gelernt hat, und daß sie beim nächsten Patienten mehrgleisig denkt und dann auch solche Möglichkeiten mit in Betracht zieht. Jeder Arzt sollte dies tun.
Ich bin froh, daß alles gut verheilt ist, und hoffe, daß die nächste Etappe genauso nach Plan läuft! Und ich hoffe, daß die anderen Zähne gefälligst drin bleiben! Dies ist der erste Zahn, den ich verloren habe, seit dem mein Gebiß als Jugendliche reguliert wurde. Wir werden alle nicht jünger!
Mittwoch, 12. Juni 2013
BITTE helft mir!!!!!!!!!!!!!
Ich brauche unbedingt jemanden, mit dem ich über den Schweregrad meiner Behinderung sprechen kann, ohne, daß dieser Mensch nur billigen Trost parat hat wie: "Anderen geht es noch schlechter als Dir, da bist DU noch gut dran!" Ich brauche GANZ, GANZ, GANZ dringend jemanden, der das anhört und aushält. Ich kann nicht mehr!!!!
Alle, die normal sehen und NICHT an der Dialyse sind, sagen bei allem, was ich ihnen erzähle immer: "DAS geht mir auch so!" "Ich bin auch Linkshänder, da hat jeder seines!" - "JEDER hat doch irgendwas!" Ich halte das nicht mehr länger aus! Diejenigen, die besser dran sind, leugnen dies, und diejenigen, die schlimmer dran sind, verbitten sich jeglichen Vergleich mit ihnen. "DU hast kein RECHT, Dich als blind zu bezeichnen!" "DU siehst ja noch 5 Grad, ICH seh nur DREI GRAD!" "DU siehst ja noch was!" Auf der anderen Seite sind wieder diejenigen, die sagen: "ICH hab auch eine Lesebrille, ich sehe auch schlecht!" -- "Ich bin auch fast blind, wenn ich meine Brille / Kontaktlinsen rausnehme." -- "Oh Gott, ich habe ein HALBES Dioptrie mehr bekommen!" "Ich brauch jetzt im Dunkeln auch schon eine Lesebrille."
ICH soll den Spagat schaffen, einerseits diejenigen zu bemitleiden, die etwas schlechter sehen als der Durchschnitt, da ja für jeden SEIN Leid subjektiv schlimm ist. Andererseits darf ich niemals Bedauern über meine starke Sehbehinderung und Erkrankungen äußern, da ich ja froh sein kann, nicht noch Diabetes oder Krebs zu haben, und im Vergleich dazu ja noch gut dran bin! Das würde ich so gerne mal denen an den Kopf werfen, die sich ausgerechnet bei mir über ihre Lesebrille beklagen, aber dann heißt es wieder, ich würde anderer Leute Leiden nicht sehen und nur meines.
NIEMAND versteht, wie sehr man (und ich sage man, da das NICHT meine subjektive Masche ist), darunter leidet, wenn sich voll Gesunde, die Arbeit bzw. eine Familie haben, sich normal bewegen können, ein weitgehend uneingeschränktes Leben führen, mit mir gleichsetzen und nicht ernst nehmen, daß ich da ein erhebliches Problem habe. JETZT höre ich schon wieder die Fragen: "Was haben Sie denn davon, wenn man Dir / Ihnen dauernd sagt, daß Du es schlimmer hast als andere?" Die Antwort ist eindeutig: Ich habe dasselbe davon, was andere davon haben, die MIR wiederum reindrücken, daß ICH es gegen sie noch gut habe! MEIN Leid ist zwar nicht das SCHLIMMSTE auf der Welt, aber es ist AUCH SCHON GENUG! Wenn andere mit Lesebrille oder Kontaktlinsen das Recht für sich in Anspruch nehmen, bedauert zu werden, ich hingegen aber immer nur drauf hingewiesen werde, daß JEDER was hat, und daß es ANDEREN noch schlechter geht, dann stimmt hier etwas nicht, und zwar mit den RELATIONEN! UND GENAU darauf kommt es mir an!
Heute habe ich mich mit einem alten Mann unterhalten. Er klagte darüber, daß er ohne Gehwagen umfällt und nicht mehr aufstehen kann, und daß er über eine Treppenstufe gefallen und nicht wieder alleine hochgekommen ist. Ich sagte zu ihm: "Gerade als Behinderter oder älterer Mensch bleibt man ja dann obendrein auch noch öfter hängen." Er meinte: "DA ist aber schon noch ein Unterschied!" Ich fragte ihn: "Wo ist der Unterschied zwischen einem Behinderten und einem alten Menschen?" "DA gibt es schon noch einen Unterschied, wenn man jung ist." "Wollen Sie etwa damit sagen, daß Sie es schwerer haben als ich?" "Wenn man jung ist, gibt es einen Unterschied." "Würden Sie nicht sagen, daß auch Behinderte es genauso schwer haben können wie ältere Menschen?" "Achja, naja, Behinderte vielleicht schon." Von was habe ich denn die ganze Zeit gesprochen? Bin ich als fast Blinde, die zuvor noch über seinen Gehwagen gestolpert ist, etwa NICHT behindert, nur weil ich jung bin? Warum muß mir mal wieder jemand reindrücken, daß ICH es ja noch leichter habe? Wenn ich so etwas zu einem Gesunden sage, heißt es sofort: "Wenn es Dich glücklich macht, dann gebe ich eben zu, daß es für Dich schwerer ist." Dann schäme ich mich wieder, weil ich den objektiv bestehenden Unterschied herausgestellt habe. Andererseits darf ich mich wiederum nicht mit einem alten Menschen auf dieselbe Stufe stellen, da ich ja "nur" behindert bin und dazu auch noch jung.
Anderes Beispiel: Ich habe versucht, Spinat und Kartoffeln aufzuwärmen und wollte dazu noch ein Rührei essen. Da ich schnell überfordert bin, habe ich die Kartoffeln bereits mit der Helferin zusammen vorgekocht. Den Schneebesen für das Ei legte ich nach dem Rühren in die Spülmaschine. Als ich ihn dann nochmal haben wollte, da mir einfiel, daß ich das Ei doch gerne gesalzen haben wollte, fand ich ihn nicht wieder. Ich wollte den unteren Wagen der Spülmaschine hereinfahren, es ging aber nichtmehr. Dabei brach mir ein Rad vom Schlitten ab. Völlig hilflos rief ich DREI Leute an, damit endlich jemand kommt und mir hilft. Die sehende Nothilfe aus der Nachbarschaft sah binnen DREI Sekunden, was ich unmöglich hätte herausfinden können: Der Schneebesen war mit dem Stiel nach unten in den Raum des unteren Wagens gefallen, das obere Teil des Schneebesens lugte aus dem oberen Wagen minimal heraus und war daher kaum für mich zu ertasten. Der Stiel hatte den unteren Wagen blockiert, und ich hätte den Stiel, der weiter hinten im Spülmaschinen-Inneren war, nicht sehen können. So hat sich aus einem klitzekleinen Umstand, nämlich, daß der Schneebesen mit dem Stiel nach unten ragte, eine riesige Kettenreaktion ergeben: Schneebesen unauffindbar, unterer Wagen völlig blockiert, Rad abgebrochen! Wenn ich DIES wiederum einer sehenden Person erzähle, kommt prompt wieder der Satz: "DAS geht mir genauso!" In solchen Situationen, wenn ich solche Schwierigkeiten habe und dann an diese Sätze denke, zerreißt es mich vor lauter Wut und Verzweiflung! Ich muß dem inneren Schmerz etwas entgegensetzen an äußerem Schmerz, um das aushalten zu können.
Ich höre schon wieder die Argumente: "Die anderen wollen Dich doch nur trösten." Das tröstet aber nicht. Ich bin offenbar die einzige von 9 Milliarden Menschen, die solche -sätze NICHT trösten. Ich bin einfach zu klug, als daß ich mir einreden lassen könnte, daß es wirklich Nichtbehinderten genauso ergehen kann. Offenbar halten mich diese Menschen für so dumm, daß man mich mit solchen Sätzen abspeisen kann, und ich mir ein x für ein u vormachen lasse. Andererseits ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung (Ich sehe einen Unterschied respektive es gäbe gar keinen) so groß, daß ich diese Spannung nicht mehr aushalte und selbst schon Zweifel daran habe, ob ich den Unterschied wirklich zu groß mache, und ob ich nur zu egozentrisch bin, um anderer Leute gleiches leid nicht sehen zu können. Und diese Sätze bewirken auch, daß andere für sich damit die Legitimation beanspruchen, mir indirekt damit zu sagen: "Stell Dich nicht so an, uns geht es genauso, und wir klagen ja auch nicht." Unser Paket ist genauso schwer, wir schaffen es doch auch, wir sind einfach stärker als Du. Und so geben mir gesunde und sehende Leute Ratschläge, die eigentlich sich selbst fragen müßten, ob sie in meiner Situation nicht genauso wären wie ich, und ob sie mir überhaupt nachmachen könnten, was ich trotz und mit der Behinderung schon geschafft habe. Sie stellen sich einfach über mich und maßen sich an, mir zu erklären, daß es ihnen genauso geht, sie aber einfach nur lockerer damit umgehen könnten. Somit habe ich immer ein schlechtes Gewissen: "Sind andere in genau derselben Lage und stellen sich einfach nur besser an, oder sehen die nur einfach nicht meine Schwierigkeiten in realistischer Weise?" MIR würde es mehr helfen, wenn endlich einmal jemand sagen würde: "JA, es IST so, für DICH ist einiges schwieriger als für mich." Es würde mich entlasten, da ich dann denken könnte, daß ich mich nicht einfach nur dümmer anstelle als andere, und die es genauso schwer haben, aber einfach nur besser damit umgehen können. Und es würde würdigen, daß ich mich mehr anstrengen muß. Es würde mir ZUGESTEHEN, auch einmal "negative" Gefühle haben zu dürfen wie Wut oder Ärger hinsichtlich meiner Erkrankung und Behinderung. Dies würde mich erleichtern, und ich hätte das Gefühl, daß ich meine Gefühle zeigen und zulassen und HABEN darf! Aber ich muß ja immer nur Geduld und Verständnis mit Nichtbehinderten haben, daß diese sich eben einfach da n icht reindenken können und daher so reden. Ich bin nicht unbegrenzt geduldig, und mein Verständnis ist nicht unbegrenzt ausdehnbar !
Wenn andererseits mir laufend Schuldgefühle gemacht werden, daß ich doch noch froh sein könne, tut mir dies weh. ES ist ein Schlag ins Gesicht, da das, was ich habe ja auch schon genug ist. Es verbietet mir, einmal Trauer über meine Situation zu empfinden, da ich ja in meiner noch RELATIV guten Lage nicht das RECHT dazu habe.
Ich weiß, jetzt kommen wieder die Ermahnungen, daß andere es ja nur gut meinen, und ich das verstehen müsse. Außerdem MUSS ich verstehen, daß andere ja unsicher sind und hilflos und daher meine Gefühle und Schilderungen nicht aushalten können. Somit muß ich sie damit verschonen und alleine damit fertig werden. Daß ICH ebenso hilflos und unsicher und ebenso überfordert bin, das wird völlig ausgeschlossen. Wo soll dann Ich mit all dem hin? Geht man etwa davon aus, daß jemand, der mit Behinderung geboren ist, automatisch NICHT unsicher, hilflos und überfordert ist und nur die UMWELT das Recht hat, dies zu sein?
Wie soll ich lernen, mit meiner Behinderung fertig zu werden, wenn der Unterschied zwischen mir und anderen, die Probleme und die Dinge, auf die ich verzichten muß, verleugnet werden, und ich NIEMALS die Gelegenheit kriege, das Ganze einmal zu verarbeiten? Bislang ist mir dies nicht gelungen, da ich meine Emotionen über die Behinderung IMMER nur unterdrücken mußte, um nicht o.g. "Trost"-Sätze zu hören wie: "Sieh mal, gegen andere bist Du ja noch gut dran." "Ach, das geht uns doch allen so." Wie soll ich, wenn niemand aushält, mit dieser Behinderung realistisch umzugehen, selbst eine realistische Einschätzung dazu bekommen? Wie soll ich all diese Emotionen je überwinden, wenn ich sie niemandem zeigen darf, weil es sonst heißt, daß ich mich bemitleide und andere nur überfordere?
Ich bin bei einer Organisation für ein persönliches Budget. Eigentlich hat der Kostenträger in seiner Zielvereinbarung den Umgang mit der Behinderung mit aufgeführt. Sobald ich aber einmal mit meinen Helferinnen darüber rede, daß mir bestimmte Dinge schwerer fallen, und SEI ES AUCH NUR, um sie genauer über meine Bedürfnisse und Probleme zu informieren, heißt es sofort: "Das geht mir genauso." Dann frage ich mich jedesmal: "Warum bin ich dann die Betreute und nicht umgekehrt?" Als ich einmal einen mir bekannten selbst behinderten Leiter einer Einrichtung für selbstbestimmtes Leben diese Dinge anvertraute, kam sofort der Satz: "Wir haben unseren Leuten gesagt, daß sie die Helfer nicht anjammern dürfen, dafür sind die nicht da. Es tut mir Leid, aber so ist es, damit bist Du eben alleine." Ich halte aber dieses Alleinsein damit nicht mehr länger aus, zumal KEINE Gelegenheit von anderen wiederum ausgelassen wird, wie das obige Beispiel zeigt, mir reinzudrücken, daß SIE es ja noch viel schlechter haben. Dumme Ratschläge wie, hör doch auf solchen Quatsch nicht, lasse ich nicht mehr zu! Oder: "Hauptsache, Du selbst weißt, wie es Dir geht, brauchst Du denn eine Bestätigung von anderen?" So etwas werde ich nicht mehr dulden!
Vergleiche sind blöd, aber wir müssen uns schon einigen: Entweder, jegliche Einstufung wird abgeschafft, dann darf aber auch keiner kommen und mir erklären, daß er es schlechter hat als ich. Oder, es gibt diese Abstufungen, dann müssen aber auch diejenigen, die es leichter haben als ich, dies zugeben und nicht nur diejenigen, die es (noch) schwerer haben. Ich bin nicht die Kränkste auf der Welt, aber ich bin verdammt nochmal auch nicht die Gesündeste. So kommt es aber rüber, wenn ich mit Gesunden und normal Sehenden auf eine Stufe gestellt werde, Vollblinde oder noch Kränkere als ich aber sich auf eine "höhere" Stufe stellen. Ich will ENDLICH einmal jemanden, der mich auf einer Skala DA ein einordnet, wo ich realistischerweise auch hingehöre, der mit mir anschaut, WO ich stehe, wie schlimm oder nicht schlimm meine Behinderungen und Erkrankungen sind, der mit mir GENAU untersucht und beleuchtet, wo ich es tatsächlich schwerer habe als wieviel Prozent der Bevölkerung, und der mich ernst nimmt und mir nichts ausredet UND die Gefühle nicht einfach dadurch abwehrt, indem er mich beschwichtigt ("uns geht es auch allen so"), sondern, der meine Verzweiflung und meinen Schmerz ENDLICH aushält, dessen Bearbeitung LÄNGST überfällig ist!!!! Gerede wie: "ES ist immer subjektiv, wie sehr man unter etwas leidet", halte ich für Blödsinn, denn es gibt auch objektive Kriterien, die festlegen, daß ein Schnupfen weniger schlimm ist als eine Nierenkrankheit, oder daß eine Kniegelenksarthrose vielleicht einfacher zu ertragen ist als z.B. taubblind zu sein. Sonst könnte ja das Argument: "DU bist im Vergleich zu einem Diabetiker noch gut dran", nicht ziehen.
Ich halte es nicht mehr aus, ich hau mit dem Kopf so gegen die Wand, daß ich so verblöde, daß ich von all dem nichts mehr mitkriege! Wer das verhindern will, muß mich Tag und Nacht festbinden oder mir endlich die erlösenden von mir heiß ersehnten Worte sagen!!!
Wer jetzt wieder nur Trostfloskeln schreibt und mich NICHT ernst nimmt, der trägt die Verantwortung dafür, wenn ich so verzweifelt werde, daß ich keinen Ausweg mehr weiß und am liebsten verblöden würde!
BITTE nehmt mich ernst! BITTE sag mir jemand, was ich und jeder in meiner Situation unbedingt mindestens EINMAL im Leben hören muß. Ich suche schon so lange danach. ICH bin KEINE AUSNAHME! JEDER in meiner Situation braucht das, nur die anderen kriegen es und ich eben nicht!
Ich weiß, daß Luzifer es nicht will. Andere, Nicht-Verhexte, die so krank sind wie ich, erhalten die von mir erwünschte Würdigung ihrer Situation. Bei mir sorgt Luzifer immer wieder dafür, daß andere nur diese Ausstoßungen haben wie: "MIR geht es ja noch VIEL schlechter!" "Ach, das geht doch allen so, ich bin auch Linkshänderin." "JEDER hat doch irgendwas." "Ich gestehe Dir ja zu, daß es Dir schlechter geht, wenn's Dich glücklich macht." Klugscheißer-Sätze, die jetzt wiederum kommen wie, "das sind halt dumme Leute, die sowas sagen", werde ich sofort widerlegen, denn das sind sogar Familienangehörige und Freunde, die so etwas zu mir sagen! Ich glaube, daß meine Probleme magisch ausgeblendet werden, und die Leute das wirklich nicht sehen können. Sonst hätte mein Vater nicht einmal zu mir gesagt: "Daß Deine Freundin so komisch ist, ist doch verständlich, die ist schon mit 60 in Rente gegangen. Sei DU doch erst mal so krank und in so einer Situation." Daß ICH aber sogar schon mit 38 in Rente gehen mußte und an der Dialyse bin, wurde offenbar tatsächlich magisch ausgeblendet. Oder wie sonst kann man sich noch erklären, daß so viele Leute zu mir sagen, es ginge ihnen genauso, oder daß ältere Leute so tun, als sei ich ja noch jung und gesund?
Das alles legt Luzifer den Menschen in den Mund. Wäre ich nicht verhext, würde ich dieselben Dinge bekommen wie nicht-Verhexte in meiner Situation. Ich bin nicht arm dran, weil ich all diese Erkrankungen habe. Ich bin arm dran, weil ich keine Menschenseele habe, wo ich mal darüber reden kann, ohne nur mit Billigtrost abgewiesen zu werden, oder ohne, daß man mir ein schlechtes Gewissen einredet und Selbstmitleid vorwirft. Ich kann nichtmehr!
Jetzt kommt sicher wieder der Satz: "Bei Dir muß man ja aufpassen, was man sagt. Was soll man denn dann sagen? Dir paßt ja gar nichts." Wenn mich bis jetzt niemand verstanden hat, dann wird das auch so bleiben, und die Lage ist tatsächlich hoffnungslos!!!
ICH wünsche mir einen ENGEL!!!!!!!!!!! BITTE!!!!!!!
Mittwoch, 29. Mai 2013
Vorsicht Enkeltrick!!!!!
Am Montag klingelte das Telefon. Ich hob ab. Eine ziemlich kesse Stimme am anderen Ende sagte: "Hallo!" Ich fragte: "Hallo, wer ist das?" Die Frau rief: "Na, ICH bin's!" Ich fragte schon ungeduldig: "Wer ist denn ICH?" -- "Na, ich, kennst Du mich denn nicht!?" -- "Nein, wer soll das sein?" -- "Na, ICH bin's, Deine Verwandtschaft!" Mir ist es schon mehrfach passiert, daß mich jemand anrief und mich raten ließ, wer er ist, und solche Mätzchen ärgern mich fürchterlich! Ich wurde böse und schimpfte ins Telefon: "ENTWEDER, Sie sagen mir jetzt SOFORT Ihren Namen, oder ich lege auf!" Stattdessen legte SIE auf. Ich war total aufgelöst. Was hatte ich da wieder angestellt?! Mit jedem muß ich mich zerstreiten, jetzt schon mit der eigenen Verwandtschaft! Wenn das nun die Tochter meiner Nachcousine war, die in meiner Stadt lebt, sich aber noch nie bei mir gemeldet hatte. Aber die hätte ich doch an der Stimme erkannt! Ich dachte, na schön, wieder mal ein saublödes Erlebnis. Da wir einen nicht ganz häufigen Namen haben und letztendlich alle auf eine Sippe zurückzuführen sind, vermutete ich, daß sich vielleicht wieder mal jemand gemeldet hatte, der seine Ahnen sucht und feststellt, daß er mit uns verwandt ist. So etwas kam schon manchmal vor.
Sofort rief ich meine Eltern an. Die waren nicht da. Am Abend versuchte ich es erneut. "Heute hat mich jemand angerufen, die hat sich nicht gemeldet. Wer aus unserer Verwandtschaft könnte das gewesen sein?" Meine Mutter meinte: "DAS war der ENKELTRICK!" Sie reichte den Hörer an meinen Vater weiter. Mit dem besprach ich die Situation, und er bestätigte diesen Verdacht, war doch unsere Mieterin erst vor gar nicht allzu langer Zeit auf diese Masche hereingefallen.
Zwei Tage später rief mein Vater mich an und erzählte mir, daß sie gerade im Fernsehen die Nachricht gebracht hatten, daß in meiner Stadt gerade sehr viele dieser Trickbetrüger unterwegs sind, und sogar der Innenminister Maßnahmen ergriffen habe. Die Trickbetrüger waren bereits über tausend Mal erfolgreich. So hatte mich meine zuweilen etwas schroffe Art davor bewahrt, ebenfalls auf diese Leute hereinzufallen und auch der Umstand, daß ich eigentlich alle, die mit mir zu tun haben, an der Stimme erkenne, da ich aufgrund meiner schlechten Augen darauf angewiesen bin, Leute an der Stimme zu erkennen, weil es anders nicht mehr geht, sie auseinander zu halten. So kann ein Nachteil auch mal ein Vorteil sein.
Montag, 13. Mai 2013
Macht man das mit Blinden?
Ich fahre seit Längerem mit einem bestimmten Taxidienst von und zur Dialyse. Es ist mir mehrfach Folgendes passiert:
Ich steige ins Auto, unterhalte mich schon eine ganze Weile mit dem Fahrer, und auf einmal höre ich hinten etwas rascheln. Wenn ich dann frage, was da diese Geräusche macht, heißt es: "DAS ist nur der Wind." Nach einer Weile höre ich wieder etwas und sage: "Da ist doch noch wer." Dann höre ich von hinten ein Kichern. Wenn ich dann näher nachfrage, dann rückt der Fahrer damit raus, daß er noch einen anderen Fahrgast im Auto hat, der auch in meine Richtung muß. Ab und an fahren auch sein Hund, den man aber aufgrund seines Alters penetrant riecht, und der sich durch lautes Bellen bemerkbar macht, oder seine beiden Kinder mit. Daher fällt es mir auch schwer, zunächst zu erfassen, wer da noch mitfährt, ob Hund, Kinder oder sonstwer.
Neulich holte mich meine Fahrerin ab, ich erzählte ihr alles Mögliche von der Dialyse, von den Schwestern, von Erfahrungen, die ich mit anderen Dialysen gemacht habe in der Annahme, ich sei mit ihr alleine. Auf einmal rumort auf dem hinteren Sitz etwas. Ich frage, was das ist: "Ach, das ist nur die Frau xy." Ich: "Ach so, da war die ganze Zeit jemand hinten drin!" Und ich plapper hier so frei von der Leber weg!" Die Taxifahrerin: "Die Frau XY ist eine GANZ LIEBE, und die hört nichts, GELLFrau XY?" Ob die Frau hört oder nicht, darum geht es primär nicht. Warum wird mir eigentlich nicht gleich beim Einsteigen die Information gegeben, daß auch noch jemand anderer mitfährt?
Heute mußte ich in den Minibus hinten einsteigen. Als ich fragte, warum, sagte der Fahrer: "Ich habe ein Gepäckstück zu transportieren." Ich neugierig: " Was denn?" Er: "Einen Schrank." Ich: "Und warum müssen Sie Möbelstücke transportieren, und wohin soll's denn gehen?" Er: "In die XYZ-Straße." Ich: "Aber da kommen wir doch grade her." Er: "Ja, und da fährt der Schrank auch wieder hin." Ich: "Warum macht der Schrank denn eine Rundfahrt?" Er: "Einfach so." Dann schaue ich näher hin und sehe vor mir schemenhaft einen Kopf. Ich also: "Ein ganz schön runder Schrank, und Haare hat er auch!" Er: "JA, oben und unten." Ich: "Also fährt da jemand mit, wer ist das denn?" Er: "Es ist der 'taubstumme' Taxifahrer, der, der immer nichts redet, mit dem Sie öfter fahren." Ich: "Diesmal ist er wohl total taubstumm. Warum fährt er denn nicht selber sondern sitzt neben Ihnen und fährt mit?" "Er hat ein Problem mit dem Navi. Und er kann Ihren Anblick nur als Beifahrer ertragen." Ich: "Soso, hab ich ihm zu häufig auf sein Navi geguckt? -- Aber wenn es kein Schrank ist, ist es auch nicht der E., denn wenn das eine nicht stimmt, stimmt das andere auch nicht." Er: "Doch, E. ist doch ein Schrank! Sie sind doch oft genug mit ihm zur Haustür gegangen. Klein ist der E. doch nicht." (Mittlerweile steht es gefühlte 10:5 für den Taxifahrer). Der Mensch vorne bleibt stumm. Er: "Na, wer ist denn da vorne?" Ich: "Für einen Blinden ist das wohl etwas schwierig, so etwas zu erraten." Er: "Ja, was kann denn Ich dafür, wenn derjenige nicht will, daß Sie wissen, wer er ist." Ich: "So, haben wir jetzt Fahrt mit Datenschutz oder wie?" Er: "Der fährt ja nicht, ICH fahre ja." Ich: "Na, dann eben doch Fahrt mit Datenschutz , und SIE fahren." Er: "Sie können ja mal gucken, ob er einen Busen oder einen Pimmel hat." Ich: "Na, also ich pack doch nicht jeden x-Beliebigen an seinen Merkmalen an! Und Außerdem gibt es auch Männer mit Biertitten." (Was der kann, kann ich schon lange! Soll ja nicht glauben, ich sei die Resi vom Land!). Schließlich meinte er: "Lösen Sie öfter Kreuzworträtsel?" Ich: "Nein." Er: "Name mit vier Buchstaben." Ich: "Emil?" Er: "Nein, das ist der von den Detektiven." Ich: "Ja, Frau oder Mann?" Er: "Frau mit vier Buchstaben." Ich: "Anna?" Er: "Nein, das E war schon richtig." Da wußte ich, wer es war. Die Frau, eine Kollegin von ihm, ist schon einmal mitgefahren und hat damals auch keinen Mucks gesagt, bis ich gemerkt habe, daß da noch jemand mitfährt. Ich machte gute Miene zum bösen Spiel. Aber eigentlich finde ich mehrere Sachen daran unhöflich: 1. Sie hätte aussteigen müssen und nach hinten gehen, und ich hätte vorne sitzen müssen, da ich die eigentliche Fahrgastfrau war, sie fuhr ja nur zu seinem Vergnügen mit. Ich kann froh sein, daß der Minibus hinten nicht zu hoch ist, und ich gut rauskam, und daß wir nicht über holprige Stellen gefahren sind, die ich hinten sehr schlecht vertrage. 2. Ich finde es unmöglich, einem Blinden erst gar nicht zu sagen, daß noch jemand im Auto ist, und 3. Ich komme mir vorgeführt vor, wenn man mir irgendwelche Märchen von Möbelstücken oder vom Wind erzählt, da ich aufgrund meiner sozialen Probleme oft alles glaube, was man mir sagt, da ich nicht unterscheiden kann, ob jemand Spaß macht oder nicht, und zusätzlich auch noch fast blind bin. Wäre ich ins Auto gestiegen, und der Fahrer hätte gesagt: "Raten Sie mal, wen wir heute dabei haben!" hätte ich das nicht blöd gefunden und sofort als Spiel aufgefaßt, bei dem nicht über mich sondern mit mir gelacht wird.
Normalerweise dürfte gar niemand mitfahren, da die Kasse meine Fahrt zahlt, und daher keine anderen Fahrgäste mitgenommen werden dürfen, weil das doppelt kassiert ist. Ich hänge da niemanden hin, aber langsam hätte ich gute Lust dazu. Denn es gebietet eigentlich der Anstand, wenn jemand in ein Auto einsteigt, daß man ihm sagt, wer noch alles da ist, und erst recht bei einem nachweislich Blinden. Jemanden so hinters Licht zu führen und nichts zu sagen, das macht man nicht, und schon gar nicht bei einer Blinden! Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie diese beiden die ganze Zeit gefeixt und sich angegrinst haben. Ich komme mir irgendwie gedemütigt vor und vorgeführt. Ich bin auch bei jedem Wortabtausch immer die Verliererin. Dies sind total ungebildete Leute, ich bin, ohne mich zu loben, intellektuell diesen Leuten haushoch überlegen. Dennoch muß ich mich aufgrund meiner Defizite von Greti und Pleti an die Wand spielen lassen! Daß man da irgendwann mal bösartig wird oder sich wünscht, auch mal jemanden fertigmachen zu können, oder auch mal einem anderen eins reinzuwürgen, wenn man dauernd ohnmächtig, ausgeliefert und unterlegen ist, verstehen wieder die feinen Herrschaften und die ach so moralische Umwelt nicht! Denn so etwas würde ja außer mir niemand tun!
Vielleicht kann jetzt endlich mal einer verstehen, warum ich so bin, wie ich bin, wenn ich das ganze Leben solche sozialen Frustrationen mit guter Mine ertragen muß! Diese Menschen haben definitiv einen anderen Humor als ich, und ich werde in solchen Fällen immer als humorlos angesehen und muß mich rechtfertigen, daß so etwas für mich nichtlustig ist.
Sicher wird mir wieder jeder erklären, daß meine Erwartungen zu hoch sind, und daß das ein Spaß ist, den man halt mitmachen muß. Aber ich kenne es auch anders, wenn ich bei meinem früheren Taxerer ins Auto gestiegen bin, und er jemanden dabei hatte, stellte er uns immer einander vor, und wir kamen dann auch ins Gespräch. Ich verlange nicht, daß mir detailliert die Personalien eines Mitfahrenden angegeben werden, aber es gehört sich doch wohl einfach, daß man (vor allem eine blinde Person) darüber aufklärt, daß noch jemand anderer mitfährt. Die Oberschlauen, die dann auch noch immer sagen, ich solle mich halt wehren, dürften vielleicht mitgekriegt haben, daß das eben so einfach nicht ist in meiner Situation.
Sonntag, 3. März 2013
"Nein" sagen und "Ja" meinen?
Während meines Aufenthalts in Freiburg habe ich mich ja mit einem Mann getroffen, mit dem ich zuvor Mails geschrieben habe. Mittlerweile war er bei mir zu Besuch, und dann habe ich ihn in seinem Heimatort besucht, dann war er wieder 3 Wochen bei mir. Die drei Wochen sind fast ohne mein Zutun entstanden, denn er meinte, er habe dann und dann eine Fahrkarte zu mir gebucht. Ich rechnete nicht damit, daß er so lange bleiben würde und dachte, über Weihnachten wird er da sein, an Neujahr ist er dann wieder weg. Aber er meinte, nein, er hätte bis zum 7. Januar Zeit. Ich wollte nicht so sein und dachte, mal sehen, ob wir uns verstehen, da ermeinte: "Wenn wir uns anfauchen, haue ich einfach wieder ab." So dachte ich, es wäre schon ein Armutszeugnis, wenn wir es nicht mal bis Weihnachten schaffen würden. Ich hatte bis dato noch offen gelassen, ob wir mal richtig zusammenkommen. Für ihn war das schon ausgemachte Sache. Während des Aufenthaltes unternahmen wir viel, sowohl bei seinem Aufenthalt bei mir, als auch, als ich bei ihm war. Auch gab es einige Momente, wo wir Auseinandersetzungen hatten. Zum Beispiel, als er mir sagte, "eine Frau versteht normalerweise weniger von Technik als ein Mann", weil ich ihm mein Ladegerät erklärt habe. Oder, als er meinte, ob Frauen wirklich dazu beitragen, daß sie vergewaltigt werden, könne er nichtbeurteilen, da er ja "noch nie dabei" war. Da habe ich ihm schon klargemacht, daß das nicht meiner geistigen Kragenweite entspricht. Doch solche Sachen konnten wir ganz gut aufklären, zumindest so, daß er merkte, daß das Blödsinn war, was er da verzapft hatte. Wirklich verstanden hat er es nicht, und er hat meist auch wohl deshalb nachgegeben, weil er in mich verknallt war. Auch ging er dauernt mit zur Dialyse und hat fast nie selbst mal was alleine unternommen. Ich fand es schon anstrengend, immer so zusammen zu glucken. So etwa drei Tage vor seinem Abschied sagte ich ihm dann, daß ich mit ihm gute Freunde sein wollte, mehr aber nicht, und daß ich auch nicht schon wieder zu ihm fahren würde, da ich nun so viel habe liegen lassen müssen, was an Arbeit angefallen ist, daß ich erst wieder im Sommer kommen wollte. Ich konnte nicht mal E-Mails schreiben, ohne, daß er hinter mir stand. So blieb das Meiste an Kontakten mit E-Mail-Bekannten etc. liegen. Das Organisieren einer Gastdialyse und Taxi sowie die Beantragung der Taxikosten. ist auch immer sehr stressig, daher wollte ich nicht schon wieder all diesen Aufwand auf mich nehmen. Er meinte, er wäre nun die nächsten Tage etwas weniger gesprächig, wovon ich allerdings nichts merkte. Als er dann abfuhr, wunderte ich mich, daß er nicht Bescheid gab, ob er gut daheim angekommen war. Auf meine Anfrage meldete er sich auch nur kurz. Dannentdeckte ich, daß er sein Geschenk hatte liegen lassen. Ich hatte ihm zum Einen eine Handy-Hülle für sein Smartphone geschenkt, die er aber wohl mitgenommen hat. Aber dann hatte ich ihm noch eine Wärmeschlange geschenkt, die ich nicht mehr brauchte, weil bei mir alles gut gedämmt wurde, und es bei ihm immer so zog. Als ich dann einmal hinter meinen Dosenvorrat faßte, fand ich zu meinem Schrecken und zu meinem Ärger die Schlange dort liegen. Zu meinem Geburtstag erhielt ich danneine Postkarte mit lauter Schwärrmereien (aufgedruckt und selbst verfaßt: Du bist die Tollste, die Beste usw.), mit der Unterschrift: DEIN BEKANNTER, somit nahm ich an, er hat es nun verdaut und auch endgültig verstanden, daß da nicht mehr läuft. Ich schrieb ihm noch, daß ich ihn "schimpfen" müsse, da er einfach sein Geschenk hat liegen lassen. Er meinte, das sei aus "persönlichen Gründen" geschehen, wobei auf mein Nachfragen hinsichtlich dieser "persönlichen Gründe" nichts mehr kam, aber ich konnte mir scho ndenken, daß er einfach gekränkt war. Aber dann ging die Unterhaltung per Mail ganz normal weiter, so daß ich annahm, wir hätten nun eine Basis gefunden, und er habe es geschluckt, daß nicht mehr als eine gute Freundschaft drin ist. Dann kam wieder eine Art Vorstoß, ob ich nicht doch schon früher als im Sommer zu ihm fahren könnte, worauf ich sehr sachlich begründete, daß ich so viel hatte liegenlassen aufgrund seines Besuches, daß ich andere Bekannte auch nicht öfter als ein-zweimal pro Jahr besuche, und er schon weit überm Schnitt lag mit so vielen Besuchen. Daraufhin schrieb er mir, ich würde "schreiben wie ein Mann". Ich fragte zurück, was das solle, ob eine Frau etwa nicht logisch argumentieren könne, woraufhin er wieder total geknickt über sein eigenes Verhalten war.
Da er mal gefragt hatte, ob ein Shunt nach einer Transplantation wieder zugemacht wird, schickte ich ihm einen Artikel darüber, der mir nun untergekommen war. Daraufhin kam dann seine Mail: "Also, wie machen wir das dann, machen wir den Shuntverschluß oder nicht?" Ich wunderte mich, daß er so per "wir" schrieb, als seien wir ein Ehepaar, welches das zu entscheiden hätte. Ich antwortete ihm nur: "Zunächst mal muß ich eine Niere HABEN". Auf seine Art zu schreiben (im Stil: "wir sind schwanger") ging ich nicht ein, im Glauben, daß das nur so eine Spintisiererei von ihm sei. Am Valentinstag kam dann ein Päckchen mit einem kleinen Strauß Blumen, zwei Herzen mit Schokolade und ein Filz-Küken. Ich dachte, das sei von Fleurop so zusammengestellt worden. Das Päckchen enthielt auch eine Karte mit der Unterschrift: "DEIN DICH LIEBENDER H." Auch da wurde ich noch nicht stutzig und dachte nur, der kann es halt einfach nicht lassen! Ich bedankte mich Tage später für das Päckchen mit dem Satz: "Das hätte es jetzt nicht gebraucht." Nun kam aber wieder so eine Mail mit dem Text: " Wenn ich Dich mal punktiere (er hat sich vor dem Zeitpunkt, zudem ich ihm sagte, daß wir nur gute Freunde sind, immer ausgemalt, daß er mich zu Hause dialysieren wlürde, und wir zusammenziehen usw.), dann habe ich ja kein Stück Fleisch da liegen sondern meine Herzallerliebste, meine 'bessere Hälfte'." Da sah ich es an der Zeit, nochmal deutlich zu werden. Ich schrieb ihm, daß ich mit ihm nur gut Freund sein wollte. Daraufhin kam eine SMS (keine Mail): "DANKE für Deine aufschlußreiche Mail…. Es hat mich sehr getroffen… Und übrigens, man läuft nicht im Adam- und -Eva-Kostüm in der Wohnung herum, wenn man jemanden nicht sehr mag." Ich dachte zunächst, ich hätte mich tatsächlich so freizügig benommen, aber bei längerem Überlegen kam ich drauf, daß ich grundsätzlich immer mit Bademantel in mein Zimmer lief, mich dort umzog, aber halt nicht die Türe zumachte, da die beiden Zimmer aneinanderhängen, und ich ihm nicht dauernd die Türe vor der nase zuhauen wollte, und weil lauter Kabel dazwischen liegen, und diese Tür eigentlich nie zu ist und schon gar nicht mehr zu geht. So hab ich alles angezogen, was mit Bademantel anzuziehen geht und ihn dann erst abgeworfen. Ich hab nicht bedacht, daß er das als Geste auffassen würde, daß ich mehr von ihm wollte, da ich ihm nie dazu Anlaß gegeben hatte. Auch andere Dinge habe ich ihm klar gemacht, daß ich diese nicht für passend hielt, beispielsweise, daß er mit mir ein Handtuch teilen wollte, wozu ich absolut keine Lust hatte, und was ich sehr unangenehm empfunden hätte. Ich habe ihm nun geschrieben, daß er sich entscheiden muß, ob er weiterhin mit mir befreundet sein will u nter der Voraussetzung, daß er sich nicht dauernd Hoffnungen macht und nicht jede meiner Gesten als Anlaß zu selbiger interpretiert, da ich nicht dauernd aufpassen will, was ich tue, ob er das oder jenes dann als Geste meiner Liebe ansehen würde, und dann dauernd drauf aufpassen muß, wann ich ihm Grenzen setzen muß. Außerdem beschrieb ich ihm, daß ich für mein Empfinden keinerlei widersprüchliche Andeutungen oder Verhaltensweisen an den Tag gelegt hatte, und daß ich verwirrt sei, daß er nun so verletzt reagiert, nachdem ich ihm doch schon zuvor einmal gesagt hatte, daß nichts aus uns wird (abgesehen davon, daß man nie "nie" sagen kann, und aus jeder Freundschaft auch was anderes werden kann, rein theoretisch). Ich drückte noch meine Reue darüber aus, daß ich nicht rechtzeitig genug auf seine Andeutungen und Äußerungen und Gesten wie Geschenke eine klare Grenze gezogen hatte, da ich es nicht wirklich wörtlich genommen hatte, in der Annahme, er wisse ja ohnehin, welche Art von Beziehung ich wollte und welche nicht. Ich hatte ernsthaft ein schlechtesGewissen, daß es so aussieht, als hätte ich mit ihm gespielt, ihm nie die volle Wahrheit gesagt und ihn dann vor den Kopf gestoßen. Aber offenbar hatte er all meine recht deutlichen Worte zuvor nicht verstanden. Und ich dachte, ich hätte mich klar ausgedrückt.
Nun habe ich wiederum genau ein anderes "Exemplar" von Mann vor mir, der in eine Frau verschossen ist, und der jedes Wort und jede Andeutung von ihr als ein Zeichen ihrer Verliebtheit deutet. Daran kann ich jetzt sehen, wie (manche) Männer ticken, da ich nun durch diesen Bekannten Einblick darin habe, was bei einigen vorgeht, wenn sie ein "nein" erhalten und ein "ja" hören. Wenn diese Bekannte Sport macht, dann "macht sie das nur für" ihn. Wenn sie mit einem anderen ins Bett steigt, dann macht sie das, "um zu testen, ob sie es dann auch" mit ihm "kann". Wenn sie ihm sagt, daß´er ihr zu alt sei und nicht ihr Typ, dann "traut sie sich nur nicht". Ich fragte ihn, was sie denn sagen müßte, damit er kapiert, daß sie nichts von ihm will außer einer guten Freundschaft. Darauf kam keine so richtige Antwort, außer, sich nicht "so" verhalten. Als ich ihn fragte, was sie denn tue, meinte er nur: "NAJA, sie verhält sich halt so, als sei sie verliebt." Als ich weiter nachbohrte, kam dann, daß sie ihm viel von sich und ihrem Liebeslebenerzählt. Ich erklärte ihm, daß meiner Meinung nach man diese Dinge eher sogar einem guten Freund oder Kumpel erzählt als seinem Lover, bei dem man ja nicht seine gescheiterten Beziehungen ablädt, und daß sie es daher tut, weil sie ihn einfach als Freund mag und ihm daher vertraut. Wenn sie abrückt, sobald er sie anfaßt, dann sei das nur, weil sie beide nicht alleien seien. Wenn sie sich von ihm führen läßt, weil sie schlechter sieht als er, dann nur, weil sie in ihn verliebt ist, nicht etwa, um nicht in die Pfütze zu treten. Sie haut ihn, wenn er ihr versehentlich mit dem Fuß zu nahe kommt usw. Aber das seien alles Zeichen, daß sie generell nicht gerne angefaßt würde, auch nicht von anderen. Er findet für alles eine Erklärung. So kann sie tun,was sie will, Frauen meinen ja eh "ja", wenn sie "nein" sagen.
Als ich diesem Bekannten nun von meiner Misere mit dem Verehrer erzählte, den er auch kennen gelernt hatte, meinte er, daß ich mich ja so verhalten hätte, als wolle ich doch was von ihm. Das deckt sich genau mit dem, was er in das Verhalten seiner Angebeteten hinein interpretiert. So vermischt er die beiden Dinge. Er versteht auch, daß mein Verehrer meine Aussagen nicht als eine Ablehnung einer Liebesbeziehung verstehen konnte, er habe es halt nicht verstanden, und ichh hätte nur GEMEINT, daß ich deutlich genug war. Der eine will mich, und ich ihn nicht, und der andere will unbedingt, daß ich ihm bestätige, daß seine Freundin ihn will. Die beiden Männer könnten sich die Hand geben oder einen Verein gründen, da gäbe es sicher noch andere dieser Exemplare.
Ich finde es schade, daß solche Dinge dann so laufen. Mit meinem Ex-Freund habe ich nun ein ganz freundschaftliches Verhältnis, wir treffen uns alle paar Wochen mal zum Frühstück, aber dann ist es auch mal wieder gut, da er sehr "bevormundend" werden kann, alle möglichen Dinge in meiner Wohnung kontrollieren oder verändern oder beanstanden will ("Aus Deiner Heizung läuft Wasser." "Dein Glas steht zu weit an der Kante im Schrank." "Deine Spülmaschine öffnet sich zu nah an der Heizung." "Deine Thermostate sind verockert" usw.) , und ich daher nur dosierten Umgang pflege, und wir uns ab und an mal in der einen oder anderen Sache gegenseitig helfen. So läuft es eigentlich ganz gut. Wir brauchten auch ein paar Monate totalen Abstand, bis das so klappte.
Ich hoffe, daß es endlich mal klappt, daß (bei Frauen) ein "NEIN" verstanden wird, wenn sie "NEIN " sagen und nicht ein "JA" hineingedeutelt wird.
Montag, 26. November 2012
An Hedschie
Hallo Hedschie, aus technischen Gründen kann ich keine KOmmentre mehr auf Deiner Seite schreiben. Ich lese aber noch fleißig mit. Ich drücke Dir die Daumen wegen Dimitrij und den anderen Igeln.
Viele Grüße vom Steinböckle!
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