Donnerstag, 28. Juli 2016

Man hört ja nun sehr viel von all diesen Amokläufen. Der Täter soll ja gemobbt worden sein, hat Computerspiele gespielt, die allerdings sehr viele andere auch spielen, und ist durch eine Prüfung an der Fachoberschule gefallen. Diese Kombination so vieler verschiedener Dinge hat ihn dazu getrieben, Amok zu laufen. Als ich vom Krankenhaus herauskam, hatte ich zuvor sehr viele Termine absagen müssen, die ich vor meinem Krankenhausaufenthalt gemacht hatte, aber leider ist es ja bei mir häufig so, je mehr Termine ich ausmache, umso wahrscheinlicher ist es, dass ich krank werde. So hatte ich am Mittwoch den 20. einen Termin bei der Fußpflege. Leider musste ich aber so lange in der Transplantationsambulanz auf das Arztgespräch warten, dass ich es nicht mehr zum vereinbarten Termin bei der Fußpflege schaffte. Ich rief sie an, und sie bot mir einen Termin für Donnerstag den 21. um 18:00 Uhr. Ausgerechnet zu dieser Zeit konnte ich nicht. Da meinte sie, sie würde einmal nachfragen, ob die Frau, die um 13:00 Uhr einen Termin hatte, mit mir tauschen könnte. Am Mittwoch den 20. waren die ehrenamtlichen, die in unserem Bürgerzentrum mitmachen , zu einem Nachmittagskaffee eingeladen. Da ging ich mit meiner Helferin hin, da ich ja Deutschunterricht für Kontingentflüchtlinge erteilt hatte, und im Herbst wieder mit Deutschunterricht für Flüchtlinge anfangen wollte. Es war ziemlich schön, wenn auch meine Assistentin etwas nachhelfen musste, damit die Frau an unserem Tisch sich auch etwas mit mir unterhielt und nicht nur mit meiner Assistentin. Als wir abends Heim kamen, hatte mir die Kosmetikerin und Fußpflegerin auf den Anrufbeantworter gesprochen, sie habe die Frau, die um 13:00 Uhr mit mir hätte tauschen können, nicht erreichen können. Somit dachte ich, der Termin ist nun nichts geworden. Am nächsten Morgen rief ich einmal bei der Friseurin an und fragte nach, wann denn ein Termin frei sei. Tatsächlich hatte sie an diesem Tag spontan 2 Stunden Zeit, und ich fuhr in der nächsten halben Stunde zum Friseur, um mir dort die Haare mit neuen Strähnchen versehen zu lassen, und wählte dieses Mal als Tönung Schokobraun aus. Schon bemerkte ich, dass die Kosmetikerin bei mir angerufen hatte, und als ich aus dem Frisörladen kam, rief ich zurück. Da eröffnete sie mir, sie hätte um 13:15 Uhr für mich einen Termin, aber ihre Kollegin sei nun kurzfristig krank geworden. Ich hätte sogar den Termin noch geschafft. Das war wieder einmal typisch, dann tue ich alles, damit es klappt, und alle helfen mit, aber am Ende macht mir Luzifer doch noch einen Strich durch die Rechnung und lässt die Kosmetikerin, die am Tag zuvor noch gesund war, eben mal schnell erkranken. So war es mir ja auch gegangen, als ich den Termin mit der Traumatherapeutin zum zweiten Mal ausgemacht hatte, der am 12. Juli stattfinden sollte. Ich merkte schon, dass eine Erkältung im Anzug war, ich wollte aber dennoch dem Teufel auf den Kopf treten und unbedingt zu diesem Termin gehen. Da hat er eben noch mal nachgeholfen und mir noch die Magen-Darm-Grippe dazugegeben, damit aus dem Termin nur ja nichts wird. Dieses Schema ist mir nun allzu geläufig. Zumindest war ich froh, den Friseurtermin spontan bekommen zu haben, und ich beschloss, besser gar keine Termine mehr auszumachen, sondern alles nur noch spontan zu erledigen. An diesem Tag musste ich die Spülmaschine ausräumen und vier Maschinen Wäsche waschen, dann ging ich noch zur Apotheke und Bank, und danach war ich völlig kaputt. Das sind eigentlich nicht sehr viele Besorgungen , aber ich musste noch mein Bett überziehen und die Wäsche von drei Waschkörben in den Schrank räumen. Da ich immer noch etwas erkältet war, bin ich fast zusammengeklappt, da ich keine Luft mehr bekam. So rief ich beim Blindenverband an, und Gott sei Dank hatte eine Bufdine Zeit für mich, um am nächsten Tag, bevor ich in die Uniklinik zum Inhalieren musste, meine Wäschekörbe in den Schrank zu räumen. Da hatte ich Glück, denn normalerweise haben sie nicht auf Anhieb Zeit, und sie hat auch den Mann erreicht, der nach mehr dran war, der netterweise den Termin um eine halbe Stunde verschieben konnte. Am Abend des 21. hatte ich noch Redaktionssitzung unseres Radioprojektes , wobei mich ein Redaktionsmitglied mit dem Taxi abholte, was er jetzt nach meiner Transplantation häufiger gemacht hatte, da er merkte, dass es mir nicht so gut ging. Wir mussten wirklich sehr langsam die Treppe hoch gehen, da ich ganz schnell außer Atem war. Als ich mich darüber beklagte, meinte er, der allerdings schon über 70 ist, dass ginge ihm genauso. Mit fast 50 sollte einem das noch nicht passieren, denke ich. Als ich in der Redaktion ankam, fragte ich einiger Mitglieder, ob sie eine gute Fußpflege kennen. Tatsächlich kannten sie eine, die immer in die Behindertenwerkstatt kommt, sie wollten mir die Nummer telefonisch durchgeben. Dies konnte aber erst am Montag geschehen. Wir sprachen unsere Moderation ein, und danach fuhr ich wieder mit dem Redaktionskollegen auf seine Taxischeine nach Hause. Ab und zu gebe ich ihm mal eine CD mit einer neuen Folge einer Science-Fiction-Reihe, die ihm sehr gut gefällt, und die ich immer bekomme. Ich mag sie selbst zwar nicht, aber, da ich weiß, dass er darauf abfährt , lasse ich sie mir immer für ihn kopieren. So wäscht eine Hand die andere. Am nächsten Tag kam also die freiwillige vom Blindenverband und half mir mit der Wäsche. Um 10:00 Uhr sollte eigentlich das Taxi kommen, welches mich in die Uniklinik in der Nachbarstadt fahren würde. Das Taxi kam aber erst um 10:20 Uhr, so das ich schon einmal in der Ambulanz der Uniklinik anrief und Bescheid gab, dass es bei mir später würde. Zufällig war die Oberärztin am Apparat, und ich fragte sie, ob sie mich abhören konnte, da mein Husten nicht wegging. Sie meinte, wenn ich pünktlich sei, könne sie das vielleicht noch tun. Wir kamen kurz vor elf an, wurden aber von einer Frau mit weißem Kittel aufgehalten, sie sei hier ehrenamtlich tätig, sie würde hier für Ordnung sorgen, und ich müsse eine Nummer ziehen. Die Taxifahrerin erklärte ihr, dass ich ja nicht sehen könnte, wann die Nummer aufgerufen wurde, und dass ich normalerweise immer sofort in die Transplantationsambulanz gebracht würde. Die ältere Dame erklärte sich bereit, bei mir zu bleiben, bis meine Nummer dran war. Ich bat sie, mich doch gleich zum Inhalieren in die Transplantationsambulanz zu bringen, da dies kein echter Arzttermin sei, sondern man einfach dorthin ginge, um zu Inhalieren und wieder heim fuhr. Da meinte sie, sie wisse nicht, wo die Ambulanz sei, normalerweise seien die Inhalationen im Keller, und sie sei schon seit Jahren ehrenamtlich tätig, sei aber nur im vorderen Empfangsbereich. So saß ich da und musste warten, bis meine Nummer dran kam. Dies geschah relativ schnell, und nun musste die ehrenamtliche Dame auch noch mit mir in das kleine Kabäuschen , wo ich meine Versichertenkarte abgeben sollte. Am Tag zuvor hatte ich eine Rechnung über zehn Euro erhalten, da das Mittel, welches ich inhalieren sollte, abgerechnet wurde, und man von mir die Zuzahlungsbefreiung nicht hatte. Ich legte ihr die Zuzahlungsbefreiung vor, doch sie meinte, ich müsse das mit der Kasse klären und erst einmal die zehn Euro bezahlen. Als ich mein Kärtchen wieder haben wollte, und erst dann meine Versichertenkarte herausrücken wollte, ehe ich das Kärtchen in der Hand hielt, fuhr mich meine ehrenamtliche Begleiterin an, ich müsse doch, wenn ich blind sei, erklären, was ich bräuchte, und wie ich es haben wollte, man könne das ja schließlich nicht wissen. So bekam ich das Kärtchen in die Hand und rückte meine Versichertenkarte heraus, damit nicht irgendetwas liegen bliebe. Dann endlich, nachdem dies alles geklärt war, brachte mich die Frau in die Transplantationsambulanz, wobei sie den Weg nun recht mühelos fand. Dort überreichte ich der Sprechstundenhilfe die Rechnung, und die rief dann in der Apotheke des Klinikums an, und die Sache war erledigt. Da ich aber nun zu spät gekommen war, saß bereits ein anderer vor dem Inhalationsgerät. Nach einer halben Stunde kam ich dann dran und war ungefähr um 12:00 Uhr fertig. Da rief ich meinen Taxifahrer an, der meinte, er sei mit Dialysefahrten beschäftigt, und ich ging in die Cafeteria. Ich war hundemüde, nachdem ich die Nacht zuvor schlecht geschlafen hatte, und mich dieses Medikament, dass ich inhalieren muss, schon ziemlich kaputt macht. Ich hätte mich am liebsten auf der Eckbank der Cafeteria hingelegt, da ich wirklich das Bedürfnis hatte, mich auszuruhen. Um 14:45 Uhr kam dann endlich eine Taxifahrerin, die meinem Taxifahrer aushalf, da einer der Kollegen wegen eines Bypass selbst im Krankenhaus lag. So war ich um 10:20 Uhr abgeholt worden, und erst um ungefähr halb vier kam ich nach Hause. Ich fragte auch die Taxifahrerin, ob sie zufällig eine Fußpflege kennt, die mich behandeln könne. Sie rief tatsächlich ihre Fußpflegerin an, die angeblich auch ins Haus käme. Ich hatte schon Hoffnung, jetzt endlich einen Termin bei einer Fußpflegerin zu bekommen und dachte, wenn ich drei oder vier Fußpflegerinnen hätte, würde ich immer irgendwo einen Termin bekommen. Ich sprach der Fußpflegerin auf den Anrufbeantworter und sagte ihr, dass ich allerdings nur spontan kommen könne, sie mir einfach per Telefon durchgeben könnte, wann ihr es einmal spontan passt, da ich dauernd krank sei oder irgendwelche Arzt Termine hätte. Sie rief mich auch tatsächlich an, hatte aber auch erst in der übernächsten Woche etwas frei und würde mich anrufen, ob es denn auch klappt. Nun habe ich aber am Montag einen Termin in der Transplantationsambulanz , und meine neue schöne Spülmaschine, die ich mir heute ausgesucht hatte, wird zwischen 14 und 18:00 Uhr geliefert. Bis dahin hat sicher auch wieder meine eigene Fußpflege einen Termin. Ich rief noch bei der Fußpflegerin an, die mir von den beiden Redaktionsmitgliedern empfohlen wurde, und nachdem ich sie beim dritten Versuch endlich erreicht hatte, sagte sie, sie würde aber keine Haarentfernung im Gesicht mit Wachs machen. Somit war diese Dame auch wieder hinfällig. Nachdem mein Taxifahrer laufend keine Zeit hatte, sprach ich ihn darauf an und fragte, ob er mir böse wäre, wenn ich mir ein anderes Unternehmen suchen würde. Er meinte, das sei in Ordnung. Zufällig kam dann einmal, als er keine Zeit hatte, und ich dringend zum Zahnarzt musste, mein ehemaliger Fahrer vorbei, bei dem ich weg musste, da ich in der Spätschicht der Dialyse war, und dieses Unternehmen keine Spätschicht fuhr. Ich fragte ihn, ob er vielleicht jemanden kennt, der mich übernehmen würde. Dort habe ich dann angerufen, da er tatsächlich jemand wusste, aber auch hier hatte ich bisher kein Glück. Am Montag den 25. hatte ich zuerst den Termin bei der Konsiliarärztin im Klinikum, und am Nachmittag sollte die Wurzelbehandlung meines Zahnes fortgesetzt werden, wobei ich ja genau einen Tag vor der Transplantation mit der Behandlung angefangen hatte. Erst jetzt konnte man es wagen, diese Behandlung fortzusetzen, da ich in sicherem Fahrwasser bezüglich der Transplantation war. Da hatte mich mein ehemaliger Taxifahrer hingefahren, aber als ich dort war, stellte sich heraus, dass der Zahn nur noch eine Ruine war. Er war komplett abgebrochen, das konnte dann auch im Röntgenbild nachgewiesen werden. So bekam ich eine Betäubungsspritze, wobei sogar zweimal gespritzt werden musste, da die Betäubung nicht wirkte. Seit meiner Transplantation stelle ich fest, dass Betäubungsmittel bei mir nur noch schlecht wirken. Vielleicht ist die Niere so gut, da ihr Vorbesitzer ja Drogen konsumiert hatte, und die Niere dies wahrscheinlich gewohnt war. Es war ziemlich mühsam, den Zahn zu ziehen, was mir der Zahnarzt zuvor schon eröffnet hatte, da ein wurzelbehandelter Zahn schwerer zu entfernen ist. Es kam mir vor wie eine Geburt, es wurde gebohrt und gezogen, irgendwann sah man sozusagen das Köpfchen, der Zahn war schon weiter draußen, und endlich war er weg. Ich entschied mich wieder, ein Implantat anfertigen zu lassen, welches dann nach drei Monaten eingesetzt werden kann. Ich hoffe, dass es dieses Mal nicht wieder ein ganzes Jahr dauert. In meinem Blogeintrag „ich habe gezahnt" habe ich das sehr genauestens geschildert. Übrigens hat mir heute ein handwerklicher Helfer gesagt, dass er zwei Implantate auf einmal bekommen hätte mit Knochenaufbau, und er habe maximal sieben Monate damit zu tun gehabt. Bei mir war es für ein Implantat ohne Knochenaufbau ein ganzes Jahr. Nun hätte ich am Mittwoch für den zweiten Zahnarztbesuch das neue Taxi schon gut brauchen können, da mein jetziger Taxifahrer nicht konnte. Der neue konnte aber auch nicht und gab mir eine Telefonnummer eines anderen Kollegen. Als ich dort anrief, war dieser aber in Urlaub. Wenn man schon einmal niemanden erreicht, dann erreicht man gar keinen. Ich habe die Sache dann so geregelt, dass ich mir einen Transportschein und Quittungen für Hin- und Rückfahrt geben ließ. Diese werde ich nun sammeln und dann bei der Kasse einreichen. Da ich nicht wie abgemacht am 17. Juli in die Urologie der Uniklinik fahren konnte, da ich ja im Krankenhaus lag, sagte ich dort ab. Mittlerweile hatte mir ein mit Patient einen guten Urologen in meiner Nähe empfohlen. Als man im Mai die Harnleiterschiene gezogen hatte, wurde festgestellt, dass die Harnröhre verengt war. Dies hatte ich schon einmal im Alter von 21 Jahren während meines Abiturs. Somit sollte dies in der Uniklinik aufgedehnt werden. Nun hatte ich eben am Donnerstag den 28., also heute, einen Termin bei diesem Urologen. Da ich am Mittwoch zuvor wieder in der Transplantationsambulanz war, bevor ich beim Zahnarzt war, habe ich dort auch angegeben, dass mein Husten so hartnäckig ist. Somit wurde ich zum Röntgen in die Radiologie in der Nähe des Urologen geschickt. Ich beschloss also, erst einmal zum Urologen zu fahren, dann ein Taxi von dort zum Radiologen zu nehmen und dann heim zu fahren. Der Urologe konnte keine Harnröhrenverengung mehr feststellen. Ich hoffe einmal, dass mir somit eine Blasenspiegelung und die auf Dehnung der Harnröhre erspart bleiben. Die Sprechstundenhilfe, die für solche Zwecke ausgebildet ist, hat nur mit einem Katheter geprüft, wie weit die Harnröhre ist, und wie viel Restharn noch in der Blase geblieben war. Das schien wohl normal zu sein, so muss ich erst wieder in einem halben Jahr zum Urologen. Ich hoffe einmal, dass nicht doch noch jemand darauf besteht, dass die in der Klinik vorgesehene Blasenspiegelung noch nachgeholt wird. Der Urologe stellte mir problemlos einen Transportschein von Zuhause zu ihm in die Praxis und von dort aus in die Radiologie aus. Als ich in der Radiologie ankam, sagte man mir, man dürfe mir keinen Transportschein von der Radiologie nach Hause geben. Ich hätte also bei der Transplantationsambulanz nachträglich einen Beförderungsschein von der Radiologie nach Hause beantragen müssen. Nun hatte ich doch schon meine Termine so schön geplant, dass ich alles hintereinander machen konnte, um der Kasse Geld zu sparen, da ich dann nur einen Hinweg und nicht zweimal Hinweg und Rückweg zu den beiden Praxen hatte. Mir war es nun zu blöd geworden, schon wieder einen Beförderungsschein bei der Transplantationsambulanz zu erbitten, und ich beschloss, zur nächsten Haltestelle zu laufen und von dort mit der Straßenbahn heim zu fahren. Angeblich sollte ich nur aus der Radiologie herausgehen, rechts abbiegen und weiterlaufen, dann würde auf einer Straßeninsel die Haltestelle kommen. Dies tat ich auch, aber ich kam aufgrund eines Hindernisses nicht weiter, und eine Frau, die mir glücklicherweise über den Weg lief, musste ebenfalls zur Straßenbahnhaltestelle. Ich war total verwirrt, da wir die Straße überquerten, und ich dachte, wir seien nun in einer anderen Straße. Ich stelle fest, dass ich mittlerweile überhaupt keine Orientierung mehr habe, da ich außer zum Becker, zu Metzger, zur Apotheke oder zur Bank keinen Weg mehr alleine bewältigen kann. Somit hatte ich mit dieser Frau großes Glück, und als ich dann aus der Straßenbahn ausstieg, um in eine andere umzusteigen, sprach ich zwei Mädchen an, die mir auch wieder halfen. Da hatte ich aber dann wenigstens die volle Orientierung, wo ich entlang lief. Als ich dann endgültig aus der Straßenbahn ausgestiegen war, um mir beim Becker noch eine Brezel zu holen, dachte ich, ich hätte mich schon wieder verlaufen. Wieder musste mich jemand zum Becker über die Straße führen, aber es stellte sich Gott sei Dank heraus, dass ich schon auf dem richtigen Weg gewesen war. So war die Rückfahrt doch ziemlich abenteuerlich. Alle Dinge sind so kompliziert, dauernd muss ich irgend einem Menschen nachlaufen, um einen Termin zu bekommen, oder um mit dem Taxi irgendwohin transportiert zu werden. Dann hatte ich auch noch auf einmal starke Zahnschmerzen, wobei ich dann wieder für Freitag einen Termin beim Zahnarzt ausmachte, obwohl dieser am Mittwoch erst gemeint hatte, dass alles in Ordnung sei, und der vorgesehene dritte Termin nicht stattfinden musste. Aber zur Sicherheit gehe ich lieber doch hin, denn ich möchte nicht, dass die Wunde nicht heilt, da der Knochen vielleicht herausschaut. Am Mittwoch hatte der Zahnarzt mir mit dem Messer die Wunde etwas eingeschnitten, um sie zum bluten zu bringen, damit die Wunde schneller heilt. Was das soll, habe ich bis heute nicht verstanden. Zumindest war es sehr unangenehm. Wenn die Schmerzen weg sind, gehe ich morgen nicht hin, sie habe schon etwas nachgelassen. Ich finde dies alles ziemlich mühsam, und ich schreibe dies auch in diesem Blog, um aufzuzeigen, welche Mühe mir alle diese Dinge machen. Heute habe ich mit meinem Bruder, der ebenfalls blind und Nieren krank ist, telefoniert. Ich habe ihm all dies erzählt, und ich hatte einmal erhofft, dass er mir sagt, dass das Ganze schon ziemlich schwierig sei. Stattdessen erklärte er mir dann, dass er auch im Krankenhaus war. Ich bestand darauf, dass jetzt ich einmal dran sei, und dass ich mir wünschen würde, dass meine Schilderungen auch einmal kommentiert würden. Bei normalen Menschen würde man sagen: „da hast du aber jetzt wirklich eine Menge Probleme, das ist ja alles ziemlich umständlich.“ Stattdessen meinte er, ich würde ihm ein schlechtes Gewissen machen, wenn ich dies alles erzähle, und ich müsste ja nicht mehr an die Dialyse, und es würde mir doch nichts helfen, wenn man mich bedauert. Kein Mensch auf der ganzen Welt versteht, was ich eigentlich möchte. Bei einem normalen Menschen würde man alles anerkennen, ohne gleich wieder zum nächsten Punkt zu springen, oder gleich wieder seine eigene Geschichte zu erzählen. Das wäre eigentlich das normale Verhalten, was ich aber niemals bekommen werde. Wir haben uns dann im Streit getrennt, und ich möchte auch eigentlich mit all diesen Leuten nichts mehr zu tun haben, die mir nicht einen Funken Mitgefühl entgegenbringen. Er meinte, er habe auch keinen gehabt, als er transplantiert war, er habe selbst alles alleine machen müssen, er wisse wie das ist, und für ihn sei es auch schwierig gewesen. Eigentlich hätte er dann Verständnis haben müssen, dass es für mich eben auch extrem schwierig ist, zumal ich dann auch noch mit meinem "Personal“, wie ich es jetzt mal ganz frech nenne, wie zum Beispiel Fußpflege, Taxifahrer etc. kein Glück habe, da es immer keinen Termin gibt. Wenn ich das Ganze jetzt so durchlese, schimmern doch einige kleine Glückspunkte durch, zum Beispiel, als man mir auf der Straße half, oder dass ein Bekannter mich mit dem Taxi auf seine Taxischeine abholt, oder dass zumindest einige sich Mühe geben, doch einen Termin zu finden. Es wäre halt schön, wenn nicht alles so extrem umständlich wäre, und wenn zusätzlich zu all dem, was ich zu schultern habe, nicht auch noch dauernd diese Terminschwierigkeiten auftreten würden. Am Dienstag war ich bei einem Vortrag einer Autistin, die auch Ärztin ist, die erzählte, dass sie eine spezielle Ergotherapie hätte, die sich sensorische Integration nennt. Davon hatte ich schon gehört, aber ich habe niemanden gefunden, der das macht. Wirklich gezielt hatte ich nicht danach gesucht, aber bisher hatte ich immer die Erfahrung gemacht, dass alle Angebote, die sich an autistische Menschen richten, nur für Kinder zugeschnitten sind. Ich hatte nur einen ganz normalen Ergotherapeuten, und ich nannte die Ergotherapie nur noch Ärger-Therapie, da ich überhaupt keine Fortschritte machte, und alles ziemlich schwer war. Daher habe ich ja dort aufgegeben. Während der Reha hatte man mir auch schon einmal 1 Stunde Einzeltherapie von einem angehenden Sporttherapeuten gegeben, wobei ich merkte, dass mir das sehr gut tat. Eine Ernährungsmedizinerin , von der ich auch hier in diesem Blog berichtet hatte, hatte mir dies ja schon empfohlen, es aber nicht in ihren Arztbrief hineingeschrieben. In der Rehaklinik war es mir ja ebenso ergangen, man hatte leider nur geschrieben, dass ich von Sporttherapie profitieren würde, und dass ich mir daher ein Sportzentrum oder eine Gruppe suchen sollte, die Sporttherapie macht, und wo man auf meine Blindheit Rücksicht nimmt. Ich hatte jetzt noch einmal in der Klinik nachgefragt, wobei ich aber lange Zeit keine Antwort erhielt, wo es eine Liste mit Sporttherapeuten geben würde. Endlich hatte mir die sehr nette Sporttherapeutin geantwortet, sie wisse auch nicht, wo es so eine Liste gäbe, und man könnte Sporttherapie als Einzeltherapie erhalten, wenn man es als Krankengymnastik einträgt. Somit bin ich wieder so schlau wie am Anfang. Warum klappt bei mir so etwas nicht, und warum bekomme ich einfach keine Therapie? Ich hatte auch versucht, eine Traumatherapie zu erhalten, wobei mir die Konsiliarärztin noch zwei Adressen gab. Eine war eine Ergotherapeutin, die aber auch Traumatherapie macht, die hat mich gleich abgelehnt, sie sei jetzt 65 und hätte keine Zeit. Die andere Therapeutin hat erst in einem Vierteljahr einen Probetermin, und sie hätte erst wieder in einem dreiviertel Jahr einen Platz frei. Egal, was ich mache, ich bekomme nur Absagen. Bei dieser Therapeutin habe ich mich jetzt zumindest schon einmal für ein Probegespräch angemeldet. Lieber warte ich lange, bekomme aber dann auch jemanden. Im Radio hörte ich einen Beitrag über narrative Expositionstherapie, wobei man hier seine Geschichte erzählt, sie beglaubigt erhält, auch eine schriftliche Version davon verfasst, und einen Zuhörer mit Empathie hat, der die Erlebnisse auch würdigt. Es geht hier im Gegensatz zu anderen Therapien nicht darum, die schlimmen Erlebnisse in irgend einen Tresor zu sperren, oder nur an seinen Ressourcen zu arbeiten. Genau dies hätte mir gefallen, zum Beispiel jemanden zu finden, der sich sowohl meine Erzählung anhört, als auch auf die damit verbundenen Gefühle eingeht, damit ich beides wieder zusammenbringen kann. Dies ist mir im Moment nicht möglich, da ich entweder alles sachlich erzähle, die Gefühle aber ausbleiben, und man daher denkt, ich sei stark genug, ich würde alleine mit allem fertig. Wenn dann niemand anwesend ist, könnte ich die ganze Zeit heulen, da ich mich so einsam fühle, weil ich niemanden mit etwas Empathie habe. Vor anderen Leuten kann ich aber nicht weinen , da man mir sonst sowieso nur vorwirft, ich würde mich bedauern lassen, oder man wäre mit meinen Gefühlen überfordert. So schrieb ich an den Professor, der in dem Radio Beitrag vorkam, aber auch er hatte keine Ahnung, wo es in meiner Nähe so etwas gibt. Er gab sich zumindest Mühe und gab mir einige Adressen, wobei ich heute schon die erste Ablehnung erhalten habe . Ich komme mir vor, als ob ich laufend Bewerbungen schicke, wobei man mir sagt, dass man sich für mein Interesse bedankt, leider aber keine Stelle frei hätte. Genauso ging es mir während meiner Bewerbungen, man wünschte mir dann auch noch immer viel Glück auf meinem weiteren Weg. So langsam reicht es mir, und ich würde am liebsten auch Amok laufen. Ich glaube, ohne Androhung von Gewalt werde ich hier nicht weiter kommen. Ich muss mich irgendwo festbinden, auf ein Hochhaus stellen oder sonstige Drohungen aussprechen, mich umzubringen und andere mit zu reißen, wenn ich nicht endlich dieselben Dinge erhalte, wie sie auch andere bekommen. Die Dame beim Krisendienst meinte, dass nicht einmal akuttraumatisierte Menschen eine Therapie bekommen. Ich habe aber jetzt lang genug gewartet und gesucht. Als ich bei der Konsiliarärztin war, befragte sie mich auch über meine Familie. Als ich ihr sagte, dass es bei uns ziemlich schwierig gewesen sei, und dass ich immer dachte, ich sei an den Reaktionen meiner Mutter schuld, die ähnlich wie ich ja auch psychische Schwierigkeiten hat, meinte die Ärztin, ich müsse doch Verständnis haben, mit zwei behinderten Kindern sei es ja auch nicht einfach. Dies passiert mir laufend, wenn ich wie andere Patienten auch darüber erzähle, wie es mir zu Hause ergangen ist, wird immer nur die Gegenseite verteidigt. Dabei geht es mir nicht darum, meine Eltern anzuklagen, sondern ich möchte hier nur schildern, wie es für mich war, unabhängig davon, ob ich absichtlich oder unabsichtlich diese Dinge erlebt hätte, oder ob man mir absichtlich all dies angetan hätte, denn es geht ja nicht darum, andere zu beschuldigen, sondern darum, zu schildern, was das alles mit mir gemacht hat, und welche Auswirkungen es hat. Außerdem habe ich das Gefühl, dass die Therapeuten denken, so ein behindertes Kind hätte ich auch nicht gerne, und daher hauptsächlich Verständnis für meine Eltern haben, für die es ja schlimm war, so ein behindertes Kind, und dann gleich auch noch zwei zu bekommen. Daher habe ich, die hier dieses Übel verursacht hat, da ich behindert auf die Welt gekommen bin, nicht noch das Recht, anderen zu erzählen, wie es sich aus meiner Sicht angefüllt hat, und ich darf kein Verständnis für meine Situation erwarten. Schließlich bin ich ja schuld daran, dass alles so schlimm gelaufen ist, da ich ja durch meine Behinderung so viel Arbeit gemacht habe. Somit fällt es anderen schwer, sich mit mir zu identifizieren und auch einmal meine Seite zu sehen und meine Gefühle anzuerkennen. Ich habe mich jetzt noch einmal an unser Kompetenzzentrum für Autismus gewendet und gesagt, dass ich Amok laufen würde, wenn mir nicht endlich dabei geholfen würde, eine Sporttherapie, eine Ergotherapie und eine Traumatherapie zu finden. Es muss ja nicht gleichzeitig Sporttherapie und Ergotherapie sein, aber ich möchte eben auch endlich die Hilfe, die ich brauche. Überall gehe ich leer aus, und überall bin ich überflüssig. Bei meiner Arbeitssuche hieß es, die Stellen sind alle besetzt, bei meiner Therapeutensuche heißt es, es gibt keinen Platz. Offenbar gibt es für mich einfach keinen Platz auf dieser Welt. Außerdem ärgert es mich, dass andere immer sagen, das wird schon werden, und meine Ängste einfach nicht berücksichtigen, sondern gleich behaupten, ich wollte bemitleidet werden. Zudem brauche ich jemanden, der im Krankenhaus manchmal für mich dolmetschenkann , da die Schwestern wahrscheinlich meine Verhaltensweisen nicht verstehen und mich daher für bösartig halten oder für anstrengend und schwierig, und daher immer unfreundlicher werden, je länger ich dort bin. Es wäre schön, jemanden zu haben, der bei Missverständnissen einmal vermittelt und anderen, zum Beispiel auch Ärzten, erklärt, wie sich bei mir der Autismus eben auswirkt. Denn diese vielen Missverständnisse, Kämpfe und allem Nachlaufen sind zusätzlich zu meiner Erkrankung sehr anstrengend. Ich vermute, dass jetzt die Leser wieder denken, ich würde mich bedauern, und ich wollte Mitleid haben. Nun gut, dann ist es eben Mitleid, was ich will, wenn man das so nennt, dass man einem Menschen auch einmal zeigt, dass man seine Probleme anerkennt und mitfühltd. Die Leukozyten sind wieder gefallen, aber zumindest ist das Kalium gestiegen. Ich hoffe nur, dass es nicht weiterhin immer nur zwei Schritte vor und zwei zurück geht. Aber die Möglichkeit, dass es mal jemand gibt, der mich durch all diese Höhen und Tiefen durch begleitet, und der meine Verzweiflung verstehen kann, ohne mich des Selbstmitleids zu bezichtigen, sind wahrscheinlich aussichtslos. Ich denke oft an Selbstmord, denn ich glaube nicht, dass dies einmal besser wird. Ich habe noch so vieles vor mir, und es geht einfach nicht wirklich weiter. Allerdings ist zumindest einmal der Blutdruck bei dieser Hitze im Normbereich, ich bin gespannt, wie lange das anhält. Ich würde so gerne einmal ein Medikament absetzen können, und nicht alles bis zum Ende meiner Tage einnehmen müssen. Es gäbe Medikamente, die man absetzen kann, aber bei mir kommt dann alles immer wieder. Schade, dass mich keiner versteht, und dass all meine Versuche, doch einmal Mitgefühl , Anteilnahme oder Trost zu bekommen, nur damit enden, dass mir jeder sagt, was sollen wir denn machen, was willst du denn von uns? Keiner weiß, was ich meine, und keiner versteht, was ich von diesen Menschen möchte. Ich kann es nicht erklären, wahrscheinlich bin ich der einzige Mensch, der das sucht, wahrscheinlich braucht das außer mir niemand. Oder ich bin tatsächlich ein schlechter Mensch und vom Teufel, so das man mir die heiß ersehnte und schon fast erzwungene, er bettelte und erkämpfte Anerkennung und das mit Gefühl, dass ich so dringend bräuchte nicht gibt. Jeder andere außer mir bekommt das. Lebt wohl, ich weiß nicht, ob ich hier noch weiter schreiben will, da das Ziel, dass ich mit diesem Blog verfolgt habe, offenbar sich nicht verwirklichen lässt. Oder vielleicht werde ich wirklich aus diesem Leben gehen. Zum einen bekomme ich niemanden, der mit mir mit Gefühl hat, und der meinen Wunsch nach Anteilnahme versteht, und außerdem werden all diese Untersuchungen, Operationen und all dieser medizinische Stress niemals aufhören. Irgendwann werde ich einfach die Reißleine ziehen, wenn ich feststelle, dass es niemals besser wird. Die Hoffnung stirbt zuletzt, aber sie stirbt, auch wenn das jetzt wieder nur negativ ist, und alle doch so gerne nur Positives hören würden. Meinetwegen ist das alles Gejammere, und ich warte schon wieder auf die bösen Kommentare, weil ich hier um Hilferufe und bitte, dass man mit Gefühl mit mir haben möge. Es hat sowieso niemand bis hierhin gelesen, aber nach meinem Tode hoffe ich, dass es Menschen gibt, die das Lesen. Um wieder zum ersten Absatz zurückzukommen, ich finde es ziemlich heuchlerisch, wenn dauernd gefragt wird, warum Menschen Amok laufen, oder warum Menschen sich umbringen, und hier ist jemand, der Antworten darauf gibt, und der anhand seines Beispieles genau aufzeigt, was solche Menschen brauchen würden, und welche Ursachen es gibt, warum sich Menschen umbringen, aber es hört wieder keiner drauf. Hinterher jammern dann alle, man habe doch nichts gewusst, und man könne sich all das nicht erklären. Die Betroffenheit kann man sich wirklich schenken, wenn man zu Lebzeiten eines Menschen, der so deutlich um Hilfe ruft und so deutlich sagt, was er braucht, nichts tut und dann seinen Tod bejammert. Ich habe jetzt hier genügend Beispiele gegeben, aber wahrscheinlich bin ich die einzige, die so empfindet, weil ich wahrscheinlich verrückt bin. Aber es geht ja schließlich um das Verständnis verrückter. Hier habt ihr nun euer Beispiel, und die Antworten, warum Menschen verrückt werden und Amok laufen, sind in diesem Blog wirklich hinreichend gegeben. Als ich im Internat war, und gequält wurde, hat mir keiner geholfen, keiner hat mich getröstet, obwohl ich laut um Hilfe gerufen habe. Nun ist es wieder genauso. Ich vermute, dass ich in der Hölle bin, und das mir absichtlich all diese Dinge verweigert werden, die normale Menschen einfach erhalten. Soviel ich auch jammere, bettelte, flehe und erzwinge, keiner macht auch nur die leiseste Äußerung, wie schwer das alles ist. Bei anderen Menschen würde man das schon einmal sagen. Ich bin vom Teufel, und deswegen kann mir das niemand geben, stattdessen weiß jeder, dass ich auf der schwarzen Liste stehe, und das mit mir sowieso nur jeder Streit hat. Irgendwie spricht sich das herum, und alle Menschen hassen mich. Ich werde nie aus diesen Verstrickungen herauskommen, mit meiner Familie wird es so bleiben, mit meinen Erkrankungen wird es so bleiben, mit meinem Wunsch nach Mitgefühl und emotionaler Unterstützung wird es so bleiben, mit meiner Therapeutensuche wird es so bleiben, es wird sich niemals etwas ändern. Lieber Gott, gib mir endlich den Mut, mich umzubringen, und ich hoffe, dass ich dann nicht in die Hölle muss, sondern bei Gott sein darf. Ich hoffe, er holt mich bald zu sich, weil ich den Mut nicht habe, es selbst zu verrichten. Mit verzweifelten Grüßen, euer Steinboeckle , dass nur bedauert, bemitleidet und bejammert werden will. Ich hätte meinen rechten Arm, mein Leben und mein hab und Gut gegeben, wenn ich endlich jemanden gefunden hätte, der mich im Arm hält, bei dem ich alles erzählen darf, der mit mir mitschwingt und auch mal Emotionen zeigt bei dem, was ich erzähle, und mir das auch spiegeln kann. Das wäre meine Erlösung gewesen. Aber nun weiß ich, es ist Absicht, es darf nicht sein, Luzifer will es nicht, ich bin allen Menschen scheißegal, und es wird niemals jemanden geben, der mir helfen kann, es wird sich nichts auflösen, eigentlich bin ich schon längst in der Hölle. Es gibt nur Böses, Hass, und nur Verstrickungen mit anderen Menschen. Mit hässlichen Grüßen! Schlimmer als hier kann es in der Hölle nicht für mich werden. Ich kann nur die Schlusszeile eines Liedes von Reinhard May zitieren: „und von Ferne hört man lautes Gebimmel, nein, Irrtum alter Freund, mit Hölle ist's nicht, du kommst in'n Himmel.“

Krankenhaus mit Drehtüre

Ich war gerade mal zwei Wochen von meiner Reha zu Hause, als ich eine Sommergrippe bekam. Dies mag daran gelegen haben, dass ich von meinen vier Assistenten nur eine hatte, die trotz ihrer Grippe zu mir kam und mir half, da sie merkte, dass ich alleine nicht klar kam. Wir hatten zwar alle Vorkehrungsmaßnahmen getroffen, die ich nach Erkundigung bei meinem Transplantationszentrum erhalten hatte, aber dennoch steckte ich mich an. Ich hoffte noch, dass ich nicht ins Bett müsste, sondern, dass die Grippe so an mir vorüber ziehen möge. Als ich dann feststellte, dass dies nicht der Fall war, ging ich zu meiner Hausärztin, da ich befürchtete, sonst über das Wochenende ohne medizinische Versorgung dazustehen, oder dass ich am Wochenende zum Notdienst müsste. Es war aber leider die Hausärztin dar, die erst ein paar Jahre in der Praxis ist, und die, so scheint es mir zumindest, nicht ganz so viel Ahnung hat. Ich erklärte ihr, dass meine Leukozyten gesunken seien, was sich diese Woche erfahren hatte. Außerdem sagte ich ihr, ich sei transplantiert, ich bräuchte wahrscheinlich auch ein Antibiotikum. Aber sie fand nichts und meinte, ich solle mich halt ins Bett legen und darauf achten, nicht im Durchzug zu liegen, obwohl es ja jetzt sehr warm sei. Ich solle also nur ein Fenster öffnen und keine zwei gegenüberliegenden und mich eben auskurieren. Dort ging ich dann noch auf die Toilette, und das war wahrscheinlich mein Verhängnis. Ich lag das ganze Wochenende im Bett, und es ging mir nicht sehr gut. Ich hatte wenig Hunger, und daher aß ich fast nichts, nahm aber dennoch pflichtgemäß meine Tabletten. Am Samstagabend stellte ich fest, dass ich Durchfälle bekam, woraufhin ich dachte, vielleicht vertrage ich die Tabletten auf nüchternen Magen einfach nicht. Ich erbrach dann auch wieder mal einige meiner Medikamente und rief bei meiner Transplantationszentrale an, wo ich operiert wurde, und eine Ärztin sagte mir, ich solle das Medikament einfach noch mal nehmen, wenn es nicht besser würde, ich Fieber bekäme, oder meine Erkältung schlimmer würde, sollte ich in die Klinik fahren. Am Montag darauf wog ich nur noch 46,5 kg, hatte also von Samstag auf Sonntag von 50,5 auf 49,2 kg abgenommen, und am Montag waren es eben schon 4 l, die mein Körper verloren hatte. Wann immer ich etwas trank, musste ich sofort auf die Toilette, und es lief nur noch Wasser heraus, es war nichts Festes mehr dabei. Außerdem erbrach ich, sobald ich, die ich es vor Durst nicht mehr aushielt, einen großen Schluck Mineralwasser zu mir genommen hatte. Am Montagmorgen erbrach ich auch meine Medikamente. Ich war aufgrund der gesunkenen Leukozytenzahl gebeten worden, mich in der Transplantationsambulanz zu Blutabnahme vorzustellen. Bei dieser Gelegenheit bat ich darum, unbedingt mit einem Arzt sprechen zu können. Es war der Oberarzt des Transplantationszentrums, der in Personalunion auch der Leiter der nephrologischen Abteilung und der Dialyse im städtischen Klinikum war. Er schickte mich sofort ins Krankenhaus und ließ mir die Wahl, ob ich entweder in das städtische Krankenhaus gehen wollte, dass in der Nähe der Transplantationsambulanz war, oder ob ich gleich in die Transplantationszentrale ins Uniklinikum wollte. Ich empfand es für ausreichend, in den Nephrologie des städtischen Klinikums zu gehen, zumal ja nun keine Operation hinsichtlich einer Transplantation mehr anstand, und die Nierenabteilung des städtischen Klinikums genauso viel Ahnung hatte, wie man mit einer transplantierten bei Durchfällen umgeht. Nun war die Frage, wie ich dorthin kommen sollte, denn es war nur ein Katzensprung, zu Fuß konnte ich aber aufgrund meiner Blindheit und aufgrund meines derzeitigen Zustandes nicht gehen, und ein Krankenwagen wäre übertrieben gewesen. So rief ich meinen Taxifahrer an und fragte, ob er mich die kurze Strecke zwischen Transplantationsambulanz und Klinikum fahren würde. Er war aber zu weit weg, wobei sich die Anfahrt für ihn nicht lohnte. So riefen wir ein anderes Taxi, und als der schon kam, fragte er sofort nach dem Transportschein. Ich erklärte ihm, dass ich alles selbst zahlen würde, ich bräuchte aber dann eine Quittung, um Quittung und Beförderungsschein bei der Kasse einzureichen, um mein Geld wieder zu bekommen. Als wir mit dem Aufzug hinunterfuhren, um ins Taxi zu steigen, meckerte er schon herum, dass dies eine kurze Strecke sei, und dass er mich nicht direkt vor den Haupteingang fahren könne, das sei verboten, und er wisse nicht, wo die Station sei, auf die ich gehen sollte. Der Arzt hatte mir nämlich gesagt, dass ich nicht über die Notaufnahme sondern direkt auf die Station gehen sollte. Dann moserte er herum, wenn er mich nun auf Station brächte, würde ihn keiner das zahlen, was nach meinem Aussteigen auf der Uhr übrig war. Mir platzte dann irgendwann der Kragen, und ich sagte ihm, er solle halt eine pauschale für die Zeit berechnen, in der er mich auf Station bringt, ich würde ihm auch ein gutes Trinkgeld geben, schließlich sei dies ein Notfall, und es gäbe doch schließlich auch noch irgend so etwas wie Menschlichkeit! Auf den Vorschlag ging er ein und verlangte elf Euro. Ich gab ihm einen Euro Trinkgeld und bat ihn, mir eine Quittung auszustellen. Es war erst 11:00 Uhr, aber es war extrem heiß. So schleppte er mich unter der Pergola durch die pralle Sonne zum Haupteingang. Dort brachte er mich lediglich zur Information und ließ mich abrupt dort stehen. Das war also die ganze Hilfe, die er für zwölf Euro leisten konnte. An seiner Stelle hätte ich die Fahrt, die nicht mehr als fünf Euro hätte kosten dürfen, berechnet zzgl. 3 Euro für das Hinbringen , und als Fahrer hätte ich eine so hilflose und kranke Person auch direkt auf Station gebracht. Später erfuhr ich von einer Taxifahrerin, dass es einen Aufzug von der Notaufnahme gibt, er hätte mit mir, ohne mich durch die pralle Sonne zu schleppen, zur Notaufnahme gehen können, um dann dort durch zu laufen, um mich auf Station zu bringen. Außerdem meinte sie, sie selbst würde genauso handeln wie ich, und sie fand es unmöglich, wie der Fahrer sich verhalten hatte. Als ich meinem Taxifahrer erzählte, was vorgefallen war, verteidigte er den Kollegen nur und meinte, der könne doch nichts für die pralle Sonne, er dürfe dort nicht hinfahren, und wenn es ein Notfall gewesen wäre, hätte ich halt mit dem Krankenwagen fahren müssen. Er sei jetzt schließlich auch menschlich und würde mich vom Krankenhaus abholen und nach Hause fahren. Da hielt ich ihm schon vor, dass es vom Krankenhaus nach Hause ein größeres Stück sei, als von der Transplantationsambulanz zum Krankenhaus, und sich diese Strecke nach Hause ja auch viel mehr lohnt. Das habe nichts mit Menschlichkeit zu tun. Schließlich verdient er ja auch etwas daran, wenn auch die Krankenkassen nicht mehr so viel zahlen, als wäre es eine ganz normale Fahrt. Als ich vor der Information stand, rief der Mann hinter dem Schalter einen Dienst an, der mich auf Station bringen sollte. Ich spürte, dass ich extremen Durst hatte, und merkwürdigerweise wollte ich unbedingt eine Limonade, was normalerweise nicht das Getränk meiner Wahl ist. Ich konnte auf einmal kein Mineralwasser mehr sehen, ich hätte es bestimmt wieder erbrochen. Ich hatte eine richtig große Gier nach einer Limonade. Zum Glück zeigte der Mann, der mich auf Station bringen sollte, dass er ein Herz hatte, und brachte mich zum Kiosk, wo es zwar keine Zitronenlimonade mehr gab, und ich mich daher mit einer Orangenlimonade zufrieden gab. Wahrscheinlich hat der Körper unbedingt eine Limonade gebraucht. Auf Station bekam ich ein Einzelzimmer, das war bereits mit dem Arzt so abgesprochen, da ich isoliert werden musste. Schließlich wusste man ja noch nicht, was ich hatte. Merkwürdigerweise hatte ich an diesem Tag auf einmal keinen Durchfall mehr. Ich dachte schon, das sei der Krankenhaus-Effekt, jetzt, wo man da ist, hat man nichts mehr. Die Schwestern, Ärzte und Pfleger kamen mit Mundschutz und Handschuhen herein. Die Ärztin war sehr lieb, und als ich ihr sagte, dass ich auch husten hätte, fragte sie, ob ich eine Röntgenaufnahme meiner Lunge machen lassen wollte. Diese ist dann, vorweggenommen, nicht erfolgt. Sie fragte auch, ob ich schon einmal eine Magen-Darm-Spiegelung habe machen lassen, und ich sagte ihr, dass ich im Jahre 2011 schon einmal eine Magenspiegelung hatte. Darüber habe ich auch in diesem Blog berichtet mit dem Titel „drei Magengeschwüren mit einem Namen“. Ich war nicht sonderlich erpicht darauf, eine Darmspiegelung zu bekommen. Die Magenspiegelung hatte ich damals bei vollem Bewusstsein miterlebt, da ich Angst hatte, ein Schlafmittel zu bekommen, wo ich dann vielleicht halb wach war, da man mir sagte, man erlebt zwar alles mit, vergisst es aber gleich wieder. Das schien mir damals sehr unheimlich. Gegen Abend kam dann meine Helferin, die sich bereit erklärt hatte, bei meinem Nachbarn den Schlüssel abzuholen und meine Tasche zu packen und sie mir in die Klinik zu bringen. Als sie kam, erzählte sie mir, dass der Nachbar nicht sonderlich begeistert war, dass er sich wegen des Schlüssels mit ihr vor meiner Wohnung treffen sollte, weil er auch unterwegs war, und dass er ihr erzählte, dass er sich meiner angenommen hätte und gerne eine gute Tat vollbringt. Das war mir doch unangenehm, schließlich dachte ich, er tut dies, weil wir einfach gute Nachbarn sind. Ich dachte nicht, dass er dies nur macht, um einen Fensterplatz im Himmel zu bekommen. Sie räumte dann meinen Schrank ein, da ich zu kaputt war, hatte ich doch eine Sommergrippe und zusätzlich eine Darmgrippe. Die erste Zeit schlief ich nur, mir war alles egal, am liebsten hätte ich nur noch im Bett gelegen. Am nächsten Tag bekam ich kein Frühstück, da ein Ultraschall des Abdomen gemacht werden sollte. Als ich mit dem Rollstuhl zum Ultraschall gefahren wurde, schimpfte die Assistenzärztin, dass man ihr nicht Bescheid gegeben hätte, dass ich ansteckend sei. Ich war zu der Zeit noch der Ansicht, dass ich lediglich die Tabletten schlecht vertrug, da ich kaum etwas gegessen hatte, denn ich hatte schon häufiger Durchfall auf die vielen Medikamente bekommen. Ihr Kollege, ein anderer Assistenzarzt, schaute mich an und meinte, ich sähe sehr gesund aus, er könne sich nicht vorstellen, dass ich eine Infektion hätte, und ich erklärte ihm ebenfalls, was ich vermutete. Da entschied er, den Ultraschall bei mir zu machen, ansonsten hätte man mit dem Gerät an mein Bett fahren müssen. Nun war ich ja schon mal da, da konnte ich auch gleich die Untersuchung machen lassen. Bei der Untersuchung stellten sie fest, dass die Darmschlingen ziemlich mit Wasser gefüllt waren. Immerhin war nun etwas gefunden worden, sodass ich nicht einfach nur als verrückt oder psychisch dastand, was sonst häufig der Fall ist. Der Oberarzt kam noch hinzu und schaute sich die Sache an. Er fragte mich, ob ich schon einmal eine Magen-Darm-Spiegelung gehabt hätte, und er würde gerne eine machen, da man nicht alle Viren oder Bakterien im Blut nachweisen könnte sondern direkt im Darm nachschauen müsse, inwieweit sie im Darmbereich schaden angerichtet hätten. Immerhin hatte ich ja eine Niere, deren Spender das Cytomegalievirus gehabt hatte, welches jetzt auch in der neuen Niere bei mir sitzt . Es könnte sein, dass trotz vorbeugender Medikation mit Valganzyklovir das Virus bei mir ausgebrochen sei, man könne dies nicht unbedingt im Blut sehen sondern müsse den Darm direkt untersuchen. Ich war nicht sonderlich begeistert, aber sicherheitshalber musste ich diese Prozedur nun über mich ergehen lassen. Wir unterhielten uns auch über mein viel zu hohes Kalzium, denn mitten in der Nacht hatte mich ein Arzt geweckt, um Blut abzunehmen, wobei ich schon mehrfach gestochen worden war. Bei mir ist nur die rechte Hand verfügbar, um Blut abzunehmen, da es eine Religion ist, nicht am Shunt Blut abzunehmen. Auf Reha hatten sie das getan, alle Venen, aus denen Blut kam, waren willkommen. Mir war das Recht, schließlich hat man ja während meiner Dialysezeit auch immer den Shunt angestochen. Das tat weniger weh, als immer wieder nur dieses kleine Areal an Venen zum Stechen zur Verfügung zu haben. Ich hatte bereits einen Zugang gelegt bekommen, da ich ja aufgrund meines rapiden Gewichtsverlustes Flüssigkeit zugeführt bekommen musste, und der Arzt hatte mitten in der Nacht eine Infusion mit Kochsalzlösung und einem harntreibenden Mittel gelegt, um das Kalzium auszuschwemmen. Der Oberarzt fragte mich, ob ich schon mit einem Chirurgen hinsichtlich einer Entfernung der Nebenschilddrüsen gesprochen hätte. Meine Freundin hatte mir bereits jemanden empfohlen, eine tüchtige Ärztin, die Schilddrüsen herausnimmt, mit der wollte ich Kontakt wegen der Nebenschilddrüsen aufnehmen. Ich sagte ihm, dass noch 1 Szintigramm der Nebenschilddrüsen Ausstand, dies aber erst gemacht werden konnte, sobald wir das Schilddrüsenszintigramm vom Nuklearmediziner zugeschickt bekommen hätten. Da seien wir noch dran, das dauert wohl noch eine ganze Weile. Als ich wieder auf dem Zimmer war, hoffte ich auf ein Frühstück, aber dann kam der Pfleger mit einem Getränk und eröffnete mir, dass ich ein Abführmittel trinken müsse, da am nächsten Tag eine Magen-Darm-Spiegelung geplant sei. Die Flüssigkeit schmeckte nach Zitrone, ich hätte es mir schlimmer vorgestellt. Ich solle nun viel trinken, möglichst jede Stunde ein Glas. Daran hielt ich mich. Auf einmal kam die nette Schwester herein und meinte, die Spiegelung sei verschoben worden, ich dürfe zu Mittag essen. Ich war gerade dabei, die Suppe zu löffeln, als der Pflege herein stürmte und meinte, Stopp, ich solle nicht weiter essen, die Suppe dürfe ich noch haben, aber man würde die Magendarmspiegelung doch am nächsten Tag machen, nun hätte ich ja schon das erste Glas des Abführmittels getrunken. In Krankenhäusern ist ja oft so ein Hin und Her, da die Kommunikation nicht immer optimal läuft. Immerhin freute ich mich über die gute Suppe. Und um 17:00 Uhr kam dann der nächste Becher mit dieser Flüssigkeit. Die Ärztin wollte noch kommen, um mich über die Untersuchung aufzuklären. Sie kam und erzählte mir das Übliche, man könne Verletzungen erleiden, allergisch gegen das Material sein usw. Ich entschied mich dafür, dieses Mal ein Schlafmittel zu nehmen, da ich Angst hatte, dass der Schlauch, den man zum hinten rein Gucken einführen würde, ziemlich schmerzhaft war. Sie erklärte mir, dass man während der Untersuchung schläft, und dass die meisten Patienten danach noch den ganzen Tag pennen. Ich sagte ihr, dass ich wahrscheinlich bald alle Untersuchungen, die es gibt, durchgemacht hätte. Sie meinte, und das mit 48 Jahren. Man könne nur Mitgefühl mit mir haben, aber nun hätte ich schon so viel überstanden, das würde ich jetzt auch noch schaffen. Immerhin zeigte mal jemand Mitgefühl, und ich stellte fest, dass die Ärztin schon merkte, dass ich einiges mitgemacht hatte. Am Abend wurde dann geschaut, und das, was hinten rauskam, glich in seiner Farbe einem Camillentee, erklärte mir die Krankenschwester. Ich hatte die ersten 2-3 Tage eine sehr engagierte und nette und liebe Krankenschwester, die sehr oft nach mir schaute. Zu Beginn brauchte ich jemanden, der mir meine Medikamente erklärt, da einige Tabletten anders aussahen als bei mir Zuhause, und da ich mit den Schalen der Dosetten Schwierigkeiten habe, weil mir die Tabletten beim Zugreifen häufig herausfallen. Daher wurden die Tabletten, die ich das nächste Mal einnehmen sollte, immer in einen kleinen Plastikbecher geschüttet, wo ich sie bequem auf meine Hand geben konnte. Außerdem musste ich wieder dieses Pilzmittel für den Mund einnehmen, da mein ganzer Mund schneeweiß war. Ich kann einfach kein Medikament absetzen, alles kommt wieder. Zudem hatte ich ja immer wieder eine Infusion mit harntreibende Mittel, wobei ich nicht alleine auf die Toilette konnte, da ich als blinde Frau mit einem Infusionsständer nicht um das Bett herum gekommen wäre. So musste ich schon während der Infusion mindestens zweimal klingeln, da ich extrem eilig auf Toilette musste. Das Pilzmittel wollte ich auch von der Schwester verabreicht haben, da sie die Pipette besser füllen kann als ich. Außerdem schenkten sie mir häufig Wasser ein oder brachten mir einen neuen Wasserkrug. Daher hatten die Schwestern mit mir sehr viel zu tun. Gott sei Dank blieb es mir erspart, diese Flüssigkeit, auch wenn sie nicht furchtbar schmeckte, ein drittes Mal einzunehmen. Ich hatte immer noch Durchfall aufgrund der Erkrankung, aber nun kam auch noch das Abführmittel hinzu. Zum Glück sagte mir der Pfleger, ausnahmsweise dürfe ich meine Zitronenlimonade, die mir meine Assistentin mitgebracht hatte, auch trinken, normalerweise sei das nicht erlaubt. Am Abend kam schon wieder ein Arzt, um mich zu stechen. Es ist jedes Mal schlimmer, da immer weniger Möglichkeiten übrig bleiben, so bestand ich darauf, dass am Zugang Blut abgenommen werden sollte, oder, dass man mich in die Armbeuge stechen möge. Normalerweise ist dies nicht zulässig, da man den Arm schonen muss, falls ich noch einmal zu Dialyse müsste, und der alte Shunt nicht mehr funktionieren würde. Dann dürften die Venen nicht allzu sehr verstochen sein. Mir war dies aber egal, schließlich funktionierte mein alter Shunt noch, den ich, wenn die Niere ein Jahr gehalten hat, sowieso Weg operieren lassen möchte. Dies hat nicht nur Gründe der Optik, sondern es ist auch besser fürs Herz, da dieses 20 % mehr arbeiten muss, wenn ein Shunt besteht. Am nächsten Tag holte man mich schon um ungefähr 8:30 Uhr, nachdem man mir erst gesagt hatte, es würde 11:00 Uhr werden, dann hieß es 9:30 Uhr, und nun war es eben noch früher. Das konnte mir nur recht sein, normalerweise ist es umgekehrt, man bekommt einen Termin und muss dann noch stundenlang warten. Ich wurde mit dem Bett zum Aufzug gebracht, wo wir nach oben fuhren. Dort wartete ich noch eine Weile, bis ich dann zur Schlachtbank geführt wurde. Ich stieg aus dem Bett und legte mich auf die Liege. Die Schwestern waren sehr nett, und schon wurde das Beruhigungsmittel angehängt, nachdem ich noch den Rachen mit einem Betäubungsspray eingesprüht bekommen hatte. Eine der Schwestern meinte, dass es mir nun schummrig werden würde, und dass ich nun einen Rausch bekäme. Ich merkte noch gar nichts und sagte , dass alles noch ganz normal sei. Auf einmal war ich weg. Als ich aufwachte, lag ich auf dem Rücken, und der Schlauch war immer noch im Po. Meine einzige Sorge war, dass sie die Magenspiegelung vielleicht noch nicht durchgeführt hatten, und mir dies nun auch noch ohne Betäubung bevorstand. Aber ich wurde beruhigt, sie waren schon wieder auf dem Rückweg. Ich war hellwach und bekam alles mit. Da ich sehr empfindliche Schleimhäute habe, wie der Arzt meinte, spürte ich es jedes Mal, wenn er eine Gewebeprobe nahm. Dann wurde mir ein Pflaster auf das Bein geklebt, es wurde irgendein Schuss gemacht, so hieß es zumindest laut Kommando, und dann wurde das Pflaster wieder abgenommen. Es war eine Elektrode, um etwas zu veröden. Ich erfuhr, dass ich einen Polypen hatte, der nicht zu bluten aufhören wollte, und so wurde ein Clip gesetzt. Der Arzt gab immer wieder die Richtung an, in die der Schlauch gehen sollte. Er sagte, etwas zurück, und ich freute mich schon, und schon sagte er wieder, noch mal vor. Irgendwann fragte ich, wie lange das noch dauern würde, und er meinte, gleich sei es fertig. Das sagte er aber mehrmals, und ich erinnerte mich, dass ich diesen Arzt schon einmal bei der ersten Magenspiegelung hatte, wo er es genauso machte . Daher meinte ich dann ganz frech, gleich sei ein dehnbarer Begriff. Da mussten alle lachen. Nach einer längeren Prozedur, mehreren Gewebeproben und der Entnahme des Polypen ging der Schlauch endlich aus meinem Po heraus. Wie ich von der Liege wieder ins Bett kam, weiß ich nicht mehr, aber ich erinnere mich, dass ich draußen wartete, bis man mich abholte und zurück auf mein Zimmer brachte . Ich war hellwach, aber einige Dinge blieben jedoch nicht gut in Erinnerung. Die Ärztin kam herein und berichtete mir, man habe sowohl im Magen als auch im Darm einige Entzündungen gefunden. Man wisse aber noch nicht, was das sei, und ich befürchtete schon, dass ich vielleicht obendrein auch noch Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa hätte. Ich wollte es gar nicht aussprechen. Irgendwann kam dann die nette Schwester herein und meinte, ich hätte Rotaviren. Warum mir dies die Ärztin nicht gleich gesagt hatte, weiß ich nicht. Im Nachhinein habe ich aber in dem Arztbrief gelesen, man hatte die Rotaviren in der Stuhlprobe gefunden. Diese konnte man erst am Dienstag entnehmen, da ich ja seltsamerweise am Montag, als ich eingeliefert wurde, urplötzlich keinen Durchfall mehr hatte, dieser sich aber ab Dienstag wieder zeigte. Ich war noch etwas daneben, konnte auch den Stuhl mit meinem Schlafanzug nicht finden, da ich wahrscheinlich doch noch mehr durcheinander war, als ich es mir eingestanden hatte. So hatte ich anstatt Rotaviren verstanden, dass ich einen Norovirus hätte, und das verbreitete ich dann auch gleich am Handy, als ein Bekannter von mir anrief. Später erklärte mir die Schwester, es seien Rotaviren. Die seien nicht ganz so schlimm wie das Norovirus. Man bekäme sie von kleinen Kindern, auch ältere Leute könnten sie bekommen sowie Menschen, deren Immunsystem unterdrückt sei. Das war ja bei mir der Fall. Ich war zumindest erleichtert, dass man etwas gefunden hatte, wenn man auch nichts dagegen tun konnte. Diese Viren sollten einfach von selbst ausheilen. Ich war aber immer noch isoliert, und ich hatte mit der Ärztin ausgemacht, dass ich am Sonntag heimgehen wollte. Später kam sie dann und meinte, es würde Montag werden. Denn sie wolle noch das Blutbild abwarten, sodass der Oberarzt entscheiden konnte, ob ich gehen dürfe oder nicht. Am Donnerstag, einen Tag nach der Spiegelung, kam dann ein Pfleger , dem ich versucht hatte zu erklären, dass ich bestimmte Medikamente, die auf dem Medikamentenplan für abends eingeteilt waren, zur Nacht nehme, da sie dann bis zum Morgen wirken konnten. Das hatte die nette Schwester sofort begriffen und hatte auch mit entschieden, ob wir bestimmte Blutdruckmedikamente weglassen konnten, da mein Blutdruck endlich einmal normal war, weil ich ja so stark dehydriert war. So tat sie bestimmte Medikamente, die ich ihr angab, in die Abteilung für nachts. Dieser Pflege hatte das nicht begriffen, und als dann auch noch eine abgepackte Tablette offen erschien, behauptete er, ich hätte diese selbst aufgemacht, und ich hätte ihm gesagt, ich wolle sie später nehmen. Ich erklärte ihm, dass sich das ausschließlich auf das Advagraf bezogen hatte, da ich dieses pünktlich um 10:00 Uhr am Morgen nehmen muss, weil es alle 24 Stunden genau zur selben Zeit eingenommen werden muss. So ging es eine Weile hin und her, und irgendwann bekam ich dann die richtigen Medikamente sortiert , den Rest packte ich dann selbst um. Ich wunderte mich nur, warum der sonst so freundliche Pfleger etwas unfreundlicher war, und warum er mit mir solche Streitereien anfing, wann welches Medikament wohin muss, und dass ich das und jenes nicht gesagt hätte. Ich hatte schon am Vortag etwas zu Mittag erhalten, da ich nach der Darmspiegelung schon sehr wach gewesen war. Ich hatte aber nur wenig essen können. Am Donnerstagnachmittag kam dann eine Schwester und stellte mir mein Tablett mit dem Essen auf den Tisch. Als ich sie fragte, was es denn zu Mittag gäbe, da ich ja eine Orientierungshilfe auf dem Tablett brauchte, meinte sie, ich solle halt nachschauen. Ich war ziemlich brüskiert und traute mich nicht, ihr zu sagen, dass ich blind sei und Hilfe bräuchte. Draußen erklärte man ihr dann, was ich mit hörte, dass ich ja blind sei. Als es dann zur Übergabe kam, hörte ich meinen Namen, und auf einmal schloss der Pfleger die Tür. Ich hörte nur, dass er der Schwester, die Mittagsschicht hatte, erklärte, dass ich behindert sei, und dass man mir bei diesem und jenem helfen müsse. Ich schnappte noch irgendetwas auf nach dem Tenor, dass ich wahrscheinlich gar nicht so blind sei, und dass ich doch viel mehr alleine könnte, und ob ich wirklich so schlecht sehen würde. Das schockierte mich sehr. Ich erzählte das am Telefon meiner Schwester und auch anderen Leuten, die natürlich nur wieder das Pflegepersonal verteidigten, diese wüssten doch nicht, welche Augenkrankheit ich genau hätte. Ich bleibe aber auf dem Standpunkt, dass man mich hätte fragen können, warum ich das oder jenes sehen kann, damit ich mich wenigstens verteidigen kann, wenn solche Verdächtigungen im Raum stehen. Außerdem kann ich von einem ausgebildeten Pfleger oder einer gelernten Pflegerin erwarten, dass sie zumindest kapiert, dass man als blinde nicht automatisch ganz blind ist, denn ich hatte Ihnen ja erklärt, dass ich noch etwas sehen kann, da ich am Anfang danach gefragt wurde. Es gab später noch einige, denen ich das erzählte, die entsetzt waren und zumindest meinen Ärger und meine Traurigkeit darüber verstanden, dass man mir sozusagen Simulantentum vorwarf. An diesem Tag waren die Schwestern insgesamt besonders unfreundlich. Am Abend brachte mir eine das Essen und berichtete dann draußen, sie habe beobachtet, dass ich tatsächlich nur geradeaus schaue, somit bestätigte sie, dass ich wohl tatsächlich blind sein müsse. Danach waren sie auch wieder freundlicher. Ich kann mir das nur so erklären, dass ich angab, dass mir etwas Bestimmtes aufgefallen sei. In der Toilette war nämlich eine schwarze Schicht, wobei ich dachte, das sei eine Schutzschicht, oder eine Einlage, damit man die Proben besser entnehmen könne, obwohl man mir ja eine Bettpfanne auf die Schüssel gesetzt hatte, damit man die Proben leichter entnehmen konnte. Da hatte ich die sehr engagierte Schwester gefragt, was das Schwarze in der Toilette sei, und sie antwortete etwas verlegen, das seien Alterserscheinungen der Kloschüssel. Am nächsten Tag war die Toilette auch heller. Der Kontrast war zuvor so scharf, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es sich tatsächlich um Alterserscheinungen handelte, und dass es wahrscheinlich ein Missverständnis gab, da irgendetwas als Einsatz in der Toilette war, dass so einen starken Kontrast hatte, dass ich es erkennen konnte. Denn ich sehe nun wirklich nicht mehr gut genug, um irgendwelche Gebrauchsspuren an einer Toilettenschüssel zu erkennen. Wahrscheinlich hat die Schwester dies den anderen erzählt, wodurch dann der Verdacht aufkam, ich sei doch nicht blind. Natürlich verstehe ich, dass die Menschen nicht wissen, dass es Augenkrankheiten gibt, wo man ein stark eingeschränktes Gesichtsfeld hat, dennoch aber die kleinsten Details einer Sache erkennen kann. Dies war bei mir früher so, aber auch im Zentrum habe ich mittlerweile jetzt einen so schwachen Visus, dass ich auch im Zentrum sehr wenig sehe. Am Freitag wurde ich häufiger mal gefragt, ob ich denn bereits Stuhlgang hatte. Außerdem wurde ich häufig auch mal gefragt, ob noch Durchfall da sei. Gott sei Dank war das nicht mehr der Fall. Am Freitag brachte mir wieder die Schwester das Essen, die mir einfach das Tablett hingestellt hatte und meinte, ich könne doch schauen. Dieses Mal brachte sie mir Hähnchen mit Reis, und sie sagte mir sogar, was auf dem Teller war. Als Ich sie fragte, wo denn der Nachtisch und wo der Salat stünde, meinte sie, ich solle das selbst ausprobieren. Ich sagte ihr, dass ich doch blind sei, da meinte sie, das wisse sie ja. So hätte ich mit der Gabel erst einmal in den Nachtisch und dann in den Salat stechen müssen, wenn ich nicht weiß, welches welche Schale ist. Oder umgekehrt, ich hätte erst mit dem Löffel im Salat herumgestochert und dann wäre ich damit in den Nachtisch gegangen. Zum Glück konnte ich ertasten, dass aus dem Salatschälchen einige Blätter herausstanden. Und ich konnte den Nachtisch erkennen, es war ein roter Kompott. Dennoch fand ich das ziemlich ärgerlich, dass sie mir nicht einfach sagen konnte, wo was steht. Übrigens hatte ich zu Beginn, als ich gefragt wurde, wo ich denn Hilfe bräuchte, genau dies angegeben, nämlich, dass ich Hilfe brauche, mich auf dem Essenstablett zu orientieren, wo was steht. Am Freitagabend wollte dann die Schwester die Infusion anhängen, aber die Vene war geplatzt. So musste noch einmal neu gestochen werden. Ich war mittlerweile wirklich schon verzweifelt, da man leider nur die rechte Hand nehmen wollte, an der linken sei ja der Shunt, daher wolle man hier nicht stechen. So musste der Arzt geholt werden, der dann wieder eine Nadel setzen musste, um einen neuen Zugang zu legen , und ich war schon ziemlich verzweifelt und sauer, dass schon wieder diese Prozedur über mich kommen würde. Ich glaube, ich hatte in meinem Leben weniger menschliche als medizinische Körperkontakte. Als der Arzt kam, fragte er mich, wie es mir denn gehe, und ich sagte ihm, das interessiert wahrscheinlich sowieso keinen. Er meinte, doch, er wolle wissen, wie es mir geht. Ich sagte ihm, körperlich gut. Da meinte er, niemandem gefällt es im Krankenhaus. Ich sagte ihm, dass das mit dem Krankenhaus nichts zu tun hätte. Ich meinte, er könne doch wenigstens mal nachfragen, was los sei. Er behauptete natürlich, er hätte erst einmal mich ausreden lassen wollen, er hätte dann schon noch gefragt. Ich sagte ihm, dass ich zwei Schritte vor und zwei Schritte zurück gehe, dass es einfach nicht weitergeht, und dass ich es langsam nicht mehr aushalte, dass man mich dauernd sticht, mir dauernd weh tut, und dass ich so viele Baustellen hätte. Da meinte er nur, ich hätte doch schon so viel geschafft, ich solle noch mehr Geduld haben. Ich sagte ihm, dass irgendwann die Geduld auch einmal ausgeht, und dass ich schon zuvor viele Misserfolge gehabt hätte, und dass es mir daher besonders schwer fällt, wenn es jetzt nicht klappt. Da meinte er, ich hätte doch nun genug Geduld bewiesen, daher könne ich jetzt so weitermachen. Ich hätte doch jetzt eine neue Niere, da seien die Karten doch jetzt wieder neu gemischt. Ich war total verzweifelt, und er meinte, er würde der Ärztin Bescheid geben, dass sie den Sozialdienst für mich bestellt. Das ginge aber am Wochenende nicht, da sei keiner da, auch kein Seelsorger. Ich klagte der Schwester mein Leid, aber die meinte nur, sie könne ja auch nichts dafür, sie könne auch nichts daran ändern. Ich sagte ihr, aber aussprechen wird man es doch wohl noch dürfen. Sie habe keine Zeit, sie müsse jetzt gehen. Ich rief beim Krisendienst an und bat um einen Rückruf, sobald man wieder da sei. Denn es war nur der Anrufbeantworter dran gegangen. So rief ich bei der Telefonseelsorge an und hatte Glück, die Frau meinte, das sei schrecklich, und es täte ihr selbst in der Seele weh. Sie würde mit Menschen so arbeiten, dass sie sich mit ihnen freut, wenn es besser wird, und mit ihnen weint, wenn es schlimmer wird. Ich sagte ihr, dass ich so jemanden auch gerne hätte, und ob ich mir auch so etwas wünschen dürfte. Da meinte sie, ja, wünschen dürfe man sich alles, sie könne sich schließlich auch einen Lottogewinn wünschen. Das fand ich ziemlich abwertend, es ging mir darum, ob mein Wunsch, auch so etwas zu kriegen, legitim sei. Sie meinte, sie selber würde so arbeiten, ob andere das tun, könne sie ja schließlich nicht wissen. Zumindest unterhielten wir uns dann noch eine Weile, und sie wünschte mir, dass ich Glück hätte und so jemanden finden würde. Am Samstagmorgen schmierte mir zu meiner Überraschung die Schwester, die mir zuvor mit dem Tablett nicht geholfen hatte, mein Brötchen, da ich auf der Toilette etwas länger brauchte. Mir Ging es schon etwas besser, aber ich war schon traurig und sauer, dass mir überhaupt niemand half, oder dass es nicht einmal in solchen Krisensituationen eine Hilfe gibt. Ich sagte nämlich zu der Schwester, die am Abend zuvor keine Zeit für ein kleines Gespräch hatte, was würden Sie denn tun, wenn ich mich jetzt umbringen würde? Da meinte sie, sie würde lediglich einen Psychiater anrufen, der würde dann sagen, was man mir spritzen muss. Kommen würde da jetzt auch keiner, notfalls würde man mich einfach in die Psychiatrie stecken. So etwas wäre natürlich auch keine Hilfe. Am Samstagnachmittag wollte ich raus, da ich mich schon besser fühlte, und ich wollte eigentlich in der Cafeteria einen Eiskaffee trinken oder einen Cappuccino. Regelmäßig bekam ich noch zwei mal am Tag Infusionen mit einem harntreibenden Mittel, um das Calcium noch auszuschwemmen . Aber ich dachte mir, ein Cappuccino in Ehren kann keiner verwehren, zumal ich mich ja ansonsten sehr streng an die calciumarme Diät hielt. Die Schwester meinte, man würde am Nachmittag den Pfleger fragen, der Dienst hat, und der würde mich dann wahrscheinlich schon rauslassen, solange ich keine fremde Toilette benutzen würde. Der Pfleger kam und meinte, auf keinen Fall dürfe ich raus. Er habe mit der Ärztin gesprochen, ich sei noch in Isolation. So war ich schon etwas enttäuscht, dass ich jetzt, da es so schönes Wetter war, im Bett liegen musste, da es mich richtig nach draußen drängte. Am Nachmittag rief dann ein Bekannter von mir an, dem ich schon Nachhilfe in Englisch gegeben hatte, er wolle mich am Sonntag besuchen. Auch bat ich eine Freundin von mir, mich anzurufen, da ich jetzt wirklich einen Freund brauchte. Zuvor hatte ich mit einer selbstbetroffenen Frau SMS geschrieben, aber ich fand nicht viel Verständnis bei ihr, sie meinte, es würde mir doch nichts helfen, wenn man mich bemitleidet. Sie habe Juckreiz, sie müsse damit kämpfen, das käme von der Dialyse, und sie hätte viel geweint. Ich sagte ihr, ich hätte auch Neurodermitis, aber ich habe nie geweint, zumal mich sowieso keiner getröstet hätte. Zumindest konnte ich ihr Nachtkerzenöl empfehlen. Es macht überhaupt keinen Sinn, anderen Menschen klarzumachen, wie es mir geht, kein Mensch versteht das. Ich sagte ihr, unsere Unterhaltung per SMS hätte überhaupt keinen Sinn, und wenn sie sowieso nur glaubt, dass ich Mitleid will, sollten wir den Kontakt hier erst einmal auf Eis legen. Meine Freundin hat mich dann zumindest Gott sei Dank unterstützt, und sie hat mir Verständnis gezeigt. Leider war sie noch auf einem längeren Ausflug, so konnte ich erst am Sonntag mit ihr sprechen. Als abends der Pfleger das Essen austeilte, fragte ich ihn, ob es auch Suppe gäbe. Da meinte er, das müsse man extra bestellen. Er empfahl mir, die Suppe lieber zum Mittagessen zu nehmen, da sie abends schon kalt sei. So bat ich ihn, eine Suppe für mich zu bestellen, und er meinte, er habe für mich eine große Suppe bestellt. Darauf freute ich mich schon sehr. Ich nahm an, dass es sich hier um eine Vorsuppe handelt, und dass ich auch ein schönes Hauptgericht bekomme. Am Sonntag freute ich mich auf ein Stück Kuchen, aber leider war die Freude umsonst, es gab keinen. Ich dachte, ich würde jetzt zu Mittag ein richtig schönes Essen bekommen. Schließlich war ja Sonntag. Als die Schwester das Essen austeilte, standen bei mir nur zwei kleine Töpfe mit Suppe darauf. Ich fragte sie, wo denn mein Hauptgericht bliebe, und sie meinte, ich hätte doch nur eine große Suppe bestellt. Ich hatte mich schon gewundert, warum der Pfleger eine große Suppe bestellt hatte, dachte aber, vielleicht meinte er es besonders gut mit mir, und wenn ich die Suppe nicht schaffen würde, könnte ich ja dann den Rest stehen lassen und mich dem Hauptgericht zuwenden. So fragte ich sie, als eben kein Hauptgericht auf dem Tablett war, ob sie etwas für mich nachbestellen könnte. Sie meinte, das ginge nicht. Ich war wirklich in Tränen aufgelöst, zumal ich tagelang wegen meiner Infektionen und wegen der Untersuchungen nicht essen durfte und seit Samstag endlich wieder richtigen Appetit hatte. Außerdem fand ich es traurig, dass eine Schwester, die sieht, wie sehr ich abgenommen hatte, und wie dringend ich etwas zu Essen nötig hatte, nicht das Herz hat, mir zumindest ein paar Scheiben Brot zu bringen oder sich Mühe zu geben, nachzuschauen, ob vielleicht ein Gericht übrig geblieben war. Schließlich rief ich selbst an der Pforte an und bat, mich mit der Küche zu verbinden. Ich sagte denen, dass ich schwerstmehrfach behindert sei, dass ich schweren Durchfall gehabt habe, tagelang nichts richtiges essen konnte und nun endlich Hunger hätte, dass aber aufgrund eines Missverständnisses nur Suppe gekommen sei, und die Schwester behauptet hatte, man könne keine Hauptspeise mehr nachbestellen. Die Frau in der Küche meinte, dass dies selbstverständlich ginge, und das aber nun der Dienst, der die Hauptspeise bringen könnte, nicht mehr da sei, da dies nur bis 12:30 Uhr möglich sei. Sie würde aber auf Station anrufen und die Schwester bitten, das zu Recht gestellte Essen in der Küche abzuholen. Ich hörte, dass draußen das Telefon klingelte. Ich wartete und wartete, aber kein Essen kam. Da dachte ich, vielleicht hat die Schwester es abgelehnt, in die Küche zu gehen, um mir eine Hauptspeise zu holen. Somit rief ich nochmals bei der Küche an, wobei mir dann die Frau von der Küche sagte, die Schwester sei bei ihr genauso unfreundlich gewesen, und das sie die Küche nicht verlassen dürften, ihre Kollegin aber Verständnis hätte und etwas Luft, daher würde sie, falls alle Stricke reißen, mir das Hauptgericht selbst bringen. Das fand ich total nett. Da fragte ich einmal vorsichtig an, ob es wirklich so sei, dass die Schwester kein Essen nachbestellen könne, oder ob das schon ginge. Da meinte die Frau von der Küche, das ab 12:30 Uhr die Schwester das Essen selbst verständlich noch bekäme, sie müsste es aber selbst holen. Die Schwestern würden aber an solche Dinge nicht denken. Ich konnte ja nicht so direkt fragen, ob die Schwester nur einfach keine Lust gehabt hatte, oder ob es an der Küche liegt, und es wirklich stimmt, dass man nichts mehr nachholen kann. In dem Moment informierte mich die Frau von der Küche am Telefon, dass das Essen gerade abgeholt worden sei. In dem Moment ging auch die Türe auf, und die Schwester knallte es mir auf den Tisch, wobei ich der Frau am Telefon mitteilte , dass das Essen nun da sei. Die Schwester hatte das Tablett abgestellt, ohne mich zu fragen, ob ich Hilfe bräuchte und rauschte wieder nach draußen ab. Es war ziemlich schwierig, den Teller auf dem Tablett zu mir heranzuziehen, da ich erst einmal einige Umbauarbeiten leisten musste, um die der vorstehenden Schüsseln beiseite zu schieben. Ich hätte das Tablett nicht drehen können, sonst wäre es womöglich noch runtergefallen. So hatte ich die Schwester verärgert, aber ich fand, dass sie es verdient hatte, vorgeführt zu werden, denn die Frau von der Küche hat genau verstanden, was los war. Vorweggenommen sei schon mal, dass die Schwester am nächsten Tag wieder ganz normal war und mir, als ich Heim fuhr, sogar noch eine ganze Tube Wundsalbe mit gab, da ich sie brauchte. Dennoch finde ich so ein Verhalten ziemlich blöd. Um ungefähr halb drei Uhr kam dann der bekannte von mir, der sich mit Mundschutz, Handschuhen und Papierschürze verhüllen musste, und nachdem wir uns eine Weile unterhalten hatten, bat ich ihn, mir ein Eis und einen Cappuccino zu bringen. Er hat mich sogar dazu eingeladen. Der Kaffee kam zwar aus dem Becher, aber er schmeckte doch ganz gut. Er musste dann auch relativ schnell wieder weg, obwohl ich ganz gerne noch etwas Unterhaltung gehabt hätte. Aber dennoch war ich froh, dass er mich besucht hatte. Am Abend war der Pfleger wieder da, der mir die große Suppe bestellt hatte. Ich erzählte ihm von dem Missverständnis, dass nur zwei Schalen Suppe gekommen seien aber kein Hauptgericht, und er behauptete, er habe mich doch gefragt, ob ich eine große oder eine kleine Suppe wollte, und bei der großen Suppe gibt es kein Hauptgericht. Später kam er dann herein und erklärte mir, dass es am Computer gelegen habe, denn wenn man ein Diätessen bekommt wie ich zum Beispiel die calciumarme Kost, gibt es automatisch keine Suppe. Das lässt der Computer nicht zu. Daher kam zu den beiden Schüsseln Suppe eben kein Hauptgericht. Das läge daran, dass in der Suppe zu viel Kochsalz sei. Ich erklärte ihm, dass Kochsalz aus Natriumchlorid bestünde, es sich bei mir aber um eine calciumarme Diät handele, da ich schließlich meine Elemente kennen würde. Ich meinte dann noch so halb im Scherz, man sollte doch denen, die für diese Bestellungen zuständig seien, noch einmal Nachhilfe in Chemie und Biologie geben. Zumindest fand ich diese Praxis ziemlich idiotisch. Am nächsten Tag sollte ich ja entlassen werden, wobei mir noch immer nicht klar war, ob das jetzt so laufen würde oder nicht. Die Ärztin sollte noch einmal zu mir kommen, aber man hörte nichts von ihr. Mittlerweile rief mich der Krisendienst zurück und meinte, ich könne doch mit dem Sozialdienst des Krankenhauses sprechen. Meine Absicht war es nämlich, den Ärzten klarzumachen, dass ich noch andere Baustellen hätte, und dass sie vielleicht mehr Verständnis für meine Ungeduld und meine Verzweiflung haben könnten, wenn sie einen gewissen Hintergrund von mir hätten. Da hat eben der Krisendienst vorgeschlagen, das könne doch der Sozialdienst übernehmen. Ich rief also selbst dort an, da ich mir nicht sicher war, ob die Ärztin das nun gemacht hatte. Dort sagte man mir, die Ärztin habe schon eine Eingabe gemacht, aber man wisse nicht, ob heute noch Zeit sei. Die Schwester war zuvor gekommen, um mir das Mittagessen zu bringen, und ich war schon ganz verzweifelt, da ich wieder einmal sehr lange gewartet hatte, bis jemand kam, um mich mitsamt dem Infusionsständer zur Toilette zu bringen, weil ich dann auch irgendwann Schmerzen bekomme, und da ich noch immer nicht Bescheid wusste, ob ich nun gehen dürfe oder nicht. Die Schwester meinte, sie habe mir dies doch deutlich gesagt, wobei ich erwiderte, dass ich ihr erklärt hatte, dass das noch nicht sicher sei, schließlich habe man ja die Isolation noch nicht aufgehoben. Sie meinte, ich solle mir halt das herauspicken, was mir am besten gefällt, wobei ich ihr sagte, dass ich so viele Informationen bekommen hätte, die Isolation sei aufgehoben, sie sei doch nicht aufgehoben, ich dürfe Heim, ich müsse erst auf das Ergebnis der Stuhlprobe warten, da ich erst am Samstag eine abgeben konnte. Dann hieß es wieder, ich könne heute nach Hause, dann wieder, ich müsse noch einen Tag warten. Ich hatte also den Sozialdienst der Klinik gebeten, falls sie an diesem Montag vor meiner Entlassung nicht mehr kommen könnten, dass sie mich zu Hause anrufen mögen. Tatsächlich kam noch eine Frau vom Sozialdienst, der ich kurz mein Anliegen schilderte, und sie schlug vor, dass ich mit der Psychosomatik über das Problem sprechen sollte, damit dort jemand vielleicht mit den Ärzten über meine soziale Situation rund um meine Erkrankung sprechen könnte. Sie würde die Ärztin darum bitten, dass sie einen Auftrag an die Psychosomatik gibt. Ich fürchtete schon, dass da wieder nichts draus würde, und ich weiter allem nachlaufen müsste. Mittlerweile war die Ärztin einmal gekommen, sie hatte mir den Medikamentenplan kurz erklärt und die aktuellen Werte. Als ich sie auf den Sozialdienst angesprochen hatte, meinte sie, sie müsse da noch nachfragen, kam aber nicht mehr. Somit war der Sozialdienst gekommen, nachdem ich mit einer Frau dort telefoniert hatte. Nachdem die bestellte Frau dann da war, kam die Ärztin aber auch nicht mehr. Ich zog mich an und bestellte mein Taxi, und als dieses kam, sagte ich, wir würden jetzt gehen, egal, den Arztbrief könne ich ja später noch bekommen, wenn das so lang dauert. Zuvor hatte man mir gesagt, dass es noch eine Weile dauern würde, aber als der Taxifahrer da war, waren auf einmal urplötzlich alle Papiere fertig. So gab mir also diese Schwester vom Sonntag noch die Wundsalbe mit, der Taxifahrer hatte seinen Taxischein und ich meinen Arztbrief. Wir fuhren nach Hause, und ich erklärte dem Taxifahrer, der eine Woche zuvor nicht extra von weit her kommen wollte, um mich diese kurze Strecke von der Transplantationsambulanz ins Krankenhaus zu fahren, dass der andere Taxifahrer ziemlich hin gelangt hätte mit dem Preis. Er nahm den anderen Kollegen aber in Schutz, und als ich ihm sagte, es gebe doch noch sowas wie Menschlichkeit, meinte er, er sei doch jetzt auch menschlich, er würde mich ja jetzt schließlich nach Hause fahren. Wobei aber der Nachhauseweg wesentlich länger ist, und er ja schließlich auch was dafür kriegt. Da ich glaubte, dass die Frau vom Sozialdienst wahrscheinlich nicht tätig geworden war, rief ich selbst bei der Psychosomatik an, um einen Termin auszumachen. Erst im September hätte man wieder einen Termin frei. Am nächsten Tag rief mich tatsächlich die Station an und sagte, ich hätte bereits am Montag den 25. einen Termin bei der Konsiliarärztin, das sei eine spezielle Ärztin, die nur für Leute mit Nierenerkrankungen zuständig sei. So konnte ich also den anderen Termin aus der Psychosomatik für September wieder absagen. Leider waren bei der Entlassung noch Viren im Stuhl nachweisbar, das hat man mir dann auch mitgeteilt, als man mich wegen des Termins mit der Psychosomatik anrief. Ich solle in zwei Wochen noch einmal einen Test machen, es könne sein, dass ich Dauerausscheiderin für Rotaviren werden würde, und dann müsse ich auf öffentlichen Toiletten immer aufpassen, das wäre dann noch eine zusätzliche Einschränkung. Dann gab man mir noch die aktuellen Medikamente durch, wobei ich dann am nächsten Tag schon zur Transplantationsambulanz ging und am Freitag darauf schon wieder in die Uniklinik zum Inhalieren musste. Im Moment habe ich am Tag ungefähr zwei Arzttermine. Es gibt kaum noch einen Tag, wo ich nicht zum Arzt muss. Nun, da ich zu Hause bin, sind die Durchfälle wiedergekommen, aber nicht zu stark. Ich hoffe, dass sie wegbleiben. Ich kann auch nur noch hoffen, dass ich nicht zur Dauerausscheiderin von Rotaviren werde. Ich war noch ziemlich geschwächt, aber ich wollte unbedingt nach meiner Heimkehr einen Cappuccino trinken gehen, da ich vergessen hatte, dass ich selbst im Kühlschrank noch Milch hatte. Tatsächlich war die Maschine, die den Cappuccino macht in der Bäckerei kaputt. Als ich fragte, ob es Eiskaffee gäbe, hieß es, man habe keine Gläser mehr. Ich bekam dann den Eiskaffee in einem Cola Glas, aber er schmeckte furchtbar, er war total klumpig. Hinterher stellte sich heraus, dass ich noch eine Milch im Kühlschrank gehabt hätte. Die Woche nach dem Krankenhausaufenthalt war ziemlich anstrengend, da ich ja auch noch erkältet war, und als ich am darauffolgenden Donnerstag ziemlich viel zu tun hatte, wäre ich fast zusammengebrochen, weil ich keine Luft mehr bekam. Daher kam dann jemand von unserem Blindenverband, der mir half, die Wäsche noch vollends einzuräumen. Nun bin ich schon wieder etwas auf dem Damm, wenn auch der Husten noch nicht ganz weg ist, und ich noch zum Röntgen musste, um sicherheitshalber nachzuschauen. Das wollte man eigentlich im Krankenhaus machen. Auch wollte man im Krankenhaus ein Szintigramm der Nebenschilddrüsen machen, dies wurde aber von der nuklearmedizinischen Abteilung abgelehnt, da man Ansteckungsgefahr befürchtete, obwohl ich ja eigentlich dort nur mit der Kamera um den Hals gefahren bekommen hätte. Nun muss ich diesen Termin auch noch zu Hause machen. Ich hoffe, dass ich jetzt so schnell nicht mehr ins Krankenhaus muss, und sich die Drehtüre endlich einmal von außen schließt. Im Oktober muss ich ja dann noch die Nebenschilddrüsen heraus operiert bekommen, und ich hoffe, dass ich bis dahin von Krankenhäusern erst einmal Ruhe habe.

Samstag, 2. Juli 2016

Himmel oder Hölle – mit Gefühl oder Rad-Schläge

Als ich klein war, war ich einmal in einem Familiengottesdienst, wo der Unterschied zwischen Himmel und Hölle gezeigt werden sollte. Dies ist mir noch nachhaltig in Erinnerung. Die Aufgabe bestand darin, Suppe mit Löffeln mit einem extrem langen Löffelstiel zu sich zu nehmen. In der Hölle nahm jeder seinen eigenen Löffel, tauchte ihn in die Suppe und versuchte, den langen Löffel zum Mund zu führen. Dies gelang keinem so richtig. Im Himmel lösten sie die Aufgabe anders, jeder tauchte einen Löffel in die Suppe und streckte ihn dann seinem Gegenüber hin, sodass der eine den Löffel des anderen im Mund hatte, also jeder sein Gegenüber fütterte, sodass ein gegenseitiges Geben und Nehmen entstand, und alle satt wurden. In meinem Leben habe ich häufig viele schwere Dinge erlebt. Oft erhielt ich nur Vertröstung , Rad-Schläge, Belehrungen oder sonstige schlaue Sprüche. Bisher habe ich es vermisst, dass sich einmal jemand in mich hinein versetzt, jemand einmal Empathie mit mir hat, oder jemand mir echten Trost spendet. Alleine die neuesten Begebenheiten zeigen dies gut auf. Ich saß neulich im Taxi, wobei ich mich mit dem Fahrer unterhielt, und auch noch jemand anderer mit dabei war. Wir sprachen über das Thema Flüchtlinge, das Thema rechte Gewalt, wobei einer von uns dann sagte, dass beim Wachschutz in Flüchtlingsheimen ziemlich viele mit rechter Gesinnung dabei sind. Wir unterhielten uns über rechte Mode-Labels, und auch ich gab meinen Senf dazu und meinte, dass auch bei der Polizei ein hoher Prozentsatz an Menschen mit rechter Gesinnung dabei ist. Zuvor hatte der Fahrer mit gelacht, sich offen gezeigt und seine Ansichten offen gelegt. Als ich jedoch meine Weisheiten von mir gab, kam wieder nur das übliche: „das sind auch nur Menschen, in jeder Gesellschaftsgruppe gibt es einen bestimmten Prozentsatz an Arschlöchern.“ Er hätte auch sagen können: „Nachts sind alle Katzen grau, man muss das Leben eben nehmen, wie das Leben eben ist, wir sind alle keine Engel,…“ Es geht mir häufig so, dass, sobald ich meine Erfahrungen oder das, was ich gehört, gelesen oder gelernt habe, weitergebe, dann bei meinem Gegenüber auf einmal so ein belehrender und verallgemeinernder Ton angeschlagen wird, wie man es bei kleinen Kindern macht. Ich fühlte mich dadurch ziemlich gestört und brüskiert. Sobald ich in ein Taxi einsteige und über das Wetter rede, kommt nicht etwa wie bei anderen Leuten Zustimmung, sodass beide dann einen Dialog über das schlechte Wetter führen, sondern ich erhalte kluge Lebensweisheiten wie: „die Bauern müssen doch auch leben. Ändern können wir es sowieso nicht. Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur schlechte Kleidung.“ Eine gemeinsame Basis, sich auf gleicher Stufe zu unterhalten, wird in Bezug auf mich nie gefunden. Derselbe Taxifahrer meinte dann, als ich nach einigen Unvorhergesehenheiten äußerte, dass ich so viel Stress habe und langsam Schwierigkeiten habe, alleine zu leben und mich mit dem Gedanken trage, vielleicht in eine Einrichtung zu ziehen, er kenne einen Menschen, der auch an der Dialyse sei (mittlerweile bin ich transplantiert), der zusätzlich noch Glasknochen hätte, und der wie ich auch noch blind sei. Der würde noch immer im zweiten Stock leben und wolle sich seine Selbständigkeit nicht nehmen lassen. Solche Beispiele werden mir sehr häufig vorgehaltenmit dem Tenor, dass diese Leute es noch wesentlich schwerer hätten als ich aber trotzdem sehr tapfer seien. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass ich auch einige unsichtbare Behinderungen habe, wobei er dann meinte, es gäbe viele Leute, denen es wirklich dreckig geht. Mein Einwand, dass ich genau zu diesen Leuten gehöre, wurde dann wieder entkräftet mit der Aussage, anderen ginge es ja noch viel schlechter, … den Rest hörte ich mir gar nicht mehr an, verabschiedete mich und schloss die Tür. Meine Mitfahrerin stieg ebenfalls aus, und als ich meine große Verzweiflung äußerte, wobei sie das Meiste leider nicht mitbekommen hatte, versuchte ich, zumindest hier Solidarität, Mitgefühl und echten Trost zu erhalten. Mir wurde daraufhin erklärt, der Fahrer habe es doch nur gut gemeint, er könne sich eben nicht in mich hineinversetzen, und man könne eben halt nunmal die Menschen nicht ändern. Später klärten wir die Sache auf, da sich herausstellte, dass sie nur den ersten Satz gehört hatte, in dem mir der Taxifahrer scheinbar wohlwollend erklärte, ich sei doch noch lange nicht so weit, in ein Heim ziehen zu müssen. Als ob er dies beurteilen könnte. Dafür hat er mir aber trotzdem dauernd widersprochen und mir keine Möglichkeit gegeben, ihn angemessen aufzuklären. Es ist schwer, einem anderen Menschen eine (unsichtbare) Behinderung nahe zu bringen, insbesondere für mich, da ich häufig nicht ganz für voll genommen werde, und Menschen, die nicht einmal ansatzweise in meiner Situation sind, mir Rad-Schläge, also Schläge ins Gesicht geben. Häufig erlebe ich es auch innerhalb der Organisation, wo ich Hilfe bekomme, dass mir gesagt wird, es ginge doch jedem so, ich müsse nur gelassener sein, das, was ich täglich zu schultern hätte, sei doch die normale Härte. D.h., ich bin wohl zu schwach, um die normalen Widerfährnisse des Lebens auf meine Schultern zu nehmen. Oder mir erklären andere Menschen, sieh mal, anderen geht es doch noch viel schlechter. Wenn ich dann versuche, mit jemandem wiederum über diese Übergriffe und Verletzungen zu sprechen, wird mein Gefühl der Verzweiflung gar nicht erst wahrgenommen, sondern man geht sofort dazu über, die Gegenseite zu verteidigen und mir zu erklären, dass andere doch lediglich unsicher oder hilflos seien, nicht wüssten, wie sie sich verhalten sollten, sich doch nicht auskennen würden und gar nicht wüssten, wie es für mich sei, und dass sie es doch nur gut meinen. Gut meinen ist das Gegenteil von gut. So stehe ich dann auch wieder nur mit einem Packen gut gemeinter Erklärungen da und muss mit meinen Gefühlen von Wut, Verzweiflung und Unverstandensein weiterhin alleine klarkommen. Es würde zwar meine Situation nicht ändern, aber mir würde es wie jedem anderen Menschen auch helfen, wenn der Schwierigkeitsgrad meiner Situation auf Augenhöhe anerkannt würde, man meine Sorgen, Beschwerden und Gefühle realistisch einschätzen und ernst nehmen würde, und wenn ich es wert wäre, dass andere auch einmal diese Gefühle aushalten. Ich beobachte häufig, dass die Menschen eine Leidensolympiade veranstalten, wer es noch schlechter hat als der andere. Jeder schreit nur: „meines, meins meins meins!" jeder, auch ich, will der erste sein, der Verständnis und Mitgefühl erhält. Wie soll man auch sonst die Kraft haben, mit anderen wiederum mit Gefühl zu haben, um ein Geben und nehmen zu erreichen? Dies bringt mich wieder zu dem Bild mit dem Himmel und der Hölle. In der Hölle ist sich jeder selbst der Nächste, fertigt andere nur mit Rat-Schlägen ab, gibt nur gute Tipps, die er eigentlich sich selbst geben müsste, erklärt erwachsenen Menschen wie mir , wie die Welt funktioniert, verweigert Empathie und versucht, mit dem langen Löffelstiel dem anderen auf den Kopf oder auf die Schulter zu klopfen. Dies schwächt, raubt beiden Energie, und führt nur zu Spannung. Im Himmel zeigt man Verständnis für die Nöte des anderen, gibt ihm Trost und damit auch Kraft, ebenfalls anderen Menschen gegenüber wiederum Empathie und Hilfe zu geben. dies stärkt und gibt jedem das Gefühl, wirklich geholfen zu haben und etwas zurückzubekommen, dies gibt allen Energie, und alle schwingen in guter Harmonie. Dies würde ich mir wünschen, daher hoffe ich doch, dass man die Menschheit noch ändern kann. Wahrscheinlich darum hält man mich für naiv.

Donnerstag, 30. Juni 2016

Was soll denn nur mit mir geschehen?

Nun sind schon wieder neue Dinge passiert, die mich nun dazu veranlasst haben, mich um ein Behindertenheim um zu tun. Wenn ich rausgehe, verlaufe ich mich, ich bin so verwirrt, dass ich die Orientierung verliere. Beim Rückweg von der Apotheke, wo ich eigentlich nicht alleine hin wollte, meine eine Helferin mich aber versetzt hatte, bin ich über die Straße gegangen, stellt aber fest, dass ich noch einmal die andere Seite der Kreuzung hätte überqueren müssen. Als ich das tat, landete ich irgendwo, wusste aber nicht, wie ich dorthin gekommen war. Ich musste erst wieder jemanden fragen, damit er mir die Richtung zeigt. Neulich wollte ich mit meiner anderen Helferin, die sehr engagiert ist, zur Kosmetikerin laufen, sie kannte den Weg noch nicht. Ich verlor die Orientierung und ging mit ihr in die falsche Richtung und war völlig verwirrt. Wir mussten ein ganzes Stück zurückgehen, damit ich wieder wusste, wo wir waren. Entgegen der Meinung der Gedächtnisambulanz bin ich ganz fest der Ansicht, dass ich Demenz habe. Ich hatte am Montag eine Überweisung für Mimpara bestellt, da ich diese Woche nicht zur Ambulanz musste, und mir das Medikament bis zum nächsten Termin ausgegangen wäre. Bis heute ist das Rezept nicht angekommen. Ich rief also bei meiner Transplantationsambulanz an und bat sie, ist der Apotheke zu faxen. Die Frau am Telefon meinte, ich solle doch meine Medikamente nicht zu knapp bestellen. Ich erwiderte, dass ich am Montag bereits bestellt hätte, und dass ich ja nicht Wochen vorher schon bestellen kann. Ich gehe doch eigentlich davon aus, dass die Post nicht länger als einen Tag dauert. Die Frau am Telefon meinte, sie würden die Rezepte mit in ihre Heimatorte nehmen und von dort aus in ihrer Freizeit dann abschicken. Auch hier handelt es sich nicht um andere Länder, wo diese Leute am Feierabend hinfahren, sondern um Orte in der Umgebung. Meine Helferin sollte eigentlich mit mir um 13:00 Uhr einige Dinge erledigen. Sie hat mich schon häufiger versetzt, aber heute hat sie noch nicht einmal angerufen, um abzusagen. Als ich sie letzte Woche an fragte, ob sie denn diese Woche Zeit hätte, meinte sie, am Mittwoch und am Donnerstag. Als ich dann nochmals anrief, sagte sie, der Donnerstag sei jetzt der einzige Termin, der noch frei sei, der Mittwoch sei schon weg. Wir schickten SMS hin und her, wobei sie dann meinte, sie könne nur bis 15:00 Uhr, obwohl ich ihr sagte, ich hätte sie gerne bis 16:00 Uhr, da ich um 16:15 Uhr danach gleich in die Musikschule mit dem Taxi fahren wollte. Sie schrieb mir zurück, sie könne kurz vor eins kommen und bis 15:00 Uhr für mich da sein. In dieser Zeit wollte ich zur Drogerie, einige Briefe in Kuverts stecken und adressieren und diese Dinge sowie ein Punktschriftbuch zur Post bringen. Ich hatte vergessen, dass sie mir geschrieben hatte, dass sie kurz vor 13:00 Uhr da sein würde. So saß ich bis 13:00 Uhr noch auf dem Balkon und telefonierte. Wäre sie in dieser Zeit gekommen und hätte geklingelt, und hätte ich dies nicht gehört, hätte sie zumindest einmal um das Haus herum gehen müssen, denn wenn ein Kunde nicht aufmacht, kann es ja durchaus sein, dass er hilflos oder bewusstlos in der Wohnung herum liegt. Außerdem hätte sie mich auf dem Handy oder auf dem Festnetz anrufen können, denn ich habe ja die Funktion des Anklopfens. Als ich sie auf dem Handy anrufen wollte, ging nur ihre Mailbox hin. Auch auf meine SMS reagierte sie nicht. Ich rief also meine andere Assistentin an, die ebenfalls bei ihr probierte, sie aber auch weder per SMS noch per Telefon erreichen konnte. Ich schaffte mit Mühe und Not den Weg zur Apotheke und zum Metzger, wobei ich mich, wie schon erwähnt, auch noch verlief. Um 16:00 Uhr wartete ich dann, dass um 16:15 Uhr mein Taxifahrer kommen möge, um mich zur Musikschule zu fahren. Als er um 16:30 Uhr noch nicht da war, gab ich auf. Dann klingelte es direkt an der Wohnungstüre, und er stand davor. Er erzählte, dass ein Lastwagen quer über der Kreuzung gestanden hätte, und er daher nicht pünktlich hätte kommen können. Das Problem ist, dass wir es nie pünktlich zur Musikschule schaffen, da dies die Hauptverkehrszeit ist. Dieser Termin wird aber wahrscheinlich nicht geändert, da er schon seit Jahren zu dieser Zeit ist. So komme ich immer zu spät und muss, während alle schon spielen, erst einmal meine Gitarre und die Querflöte auspacken. Endlich, Gott sei Dank, hat die Ärztin angerufen, die mir helfen wollte, einen guten Traumatherapeuten zu finden. Sie sprach auf den Anrufbeantworter, gab mir für den 12. Juli um 9:00 Uhr einen Termin und bat um Bestätigung. Als ich sie anrufen wollte, war besetzt. Nach mehrmaligem Probieren versuchte ich, eine andere Nummer zu wählen, aber auch hier war besetzt. Dies ist mir schon öfter passiert, es vergeht kaum ein Monat, in dem mein Telefon nicht kaputt ist. Ich wollte versuchen, die Service-Hotline anzurufen, wählte beide Nummern, aber es kam nur ein schnelles Tuten, das nach drei Mal aufhörte. Ich war verzweifelt und dachte, ich schaffe noch nicht einmal, mit dem Handy die Hotline anzurufen. Ich hörte einige Nachbarn, als ich auf dem Balkon stand, da man von meiner Wohnung aus keinen guten Empfang hat. Ich rief um Hilfe, ich bat darum, dass doch jemand her hören möge, um mir behilflich zu sein. Diese Leute mussten mich gehört haben, aber keiner reagierte. Da steht man als blinde Frau hilflos auf dem Balkon, da das Telefon nicht funktioniert, um mit dem Handy die Hotline anzurufen, aber nicht einmal das gelingt, und keiner hilft. So rief ich meinen Nachbarn vom Tauschring an, der eine Straße weiter wohnt. Da ich ja über das Festnetz nicht anrufen konnte, rief ich ihn auf dem Handy an. Er war zur Zeit im Tauschring-Büro, und ich gab ihm meine Telefonnummern und die Kundennummer durch. Nach einer Weile rief er mich an und meinte, auch er käme nicht zur Hotline durch, und er habe jemanden dar, der ebenfalls dieselbe Telefongesellschaft nutze, und er ließ mir ausrichten, dass wieder einmal etwas dort kaputt sei. Zum Glück wusste ich jetzt zumindest, dass ich nicht zu blöd war, mit dem Handy die Hotline anzurufen, sondern dass es an denen lag, da er ja auch nicht durchgekommen war. Es gibt mittlerweile kaum noch etwas, wo ich keine Hilfe brauche. Ich bin stark auf meine Helfer angewiesen, und obwohl ich sehr viele Stunden habe, können diese Helfer meinen Bedarf nicht abdecken, nicht etwa, weil die Stunden nicht ausreichen, sondern weil sie nicht genügend Zeit haben. Es gibt nur eine einzige wirklich engagierte Frau, die andere kommt nur alle zwei Wochen an einem festen Tag, da sie ansonsten belegt ist, der andere Helfer hat zu viele Überstunden und muss diese jetzt abbauen und daher bei mir kürzertreten, und die andere Frau lässt mich dauernd hängen. Meine Schwester arbeitet bei der Lebenshilfe, so das ich sie jetzt gebeten habe, mir ein geeignetes Heim herauszusuchen. Ich bemühe mich redlich, aber mit meinem körperlichen Befinden, dem psychischen Stress und den Problemen, die ich bei allem und jedem habe, bin ich damit überfordert, weiterhin alleine zu leben. Ich habe das Gefühl, dass irgend ein Widersacher mir dauernd Steine in den Weg legt. Egal, wie gut ich die Sache vorbereite, wen ich mit ins Boot hole, es geht einfach schief. Ich bin so verzweifelt, dass ich am liebsten nicht mehr leben will. Eigentlich müsste ich mich selbst wegräumen, nun bin ich aber einmal am Leben, ich kann mich ja nicht selbst wegwerfen, oder ich müsste jemanden anderen bitten, mich weg zu schmeißen. Ich weiß einfach nicht mehr, wohin ich noch soll. Wenn mir doch nur einer helfen könnte!!!

Mittwoch, 29. Juni 2016

Ach, wenn doch was käme und mich mitnähme!

an dieses Gedicht denke ich häufig, welches Harry Rowohlt einmal in einer Folge der Lindenstraße einer verzweifelten Frau so rührend vorgetragen hat. In vielen Situationen denke ich genauso. Nun bin ich von der Reha zurück und habe den Brief vorgelesen bekommen, den die Ärztin geschrieben hat. Ich hatte sie gebeten, doch hineinzuschreiben, dass ich einen Sporttherapeuten bräuchte, der mit mir ein Koordinationstraining macht, welches mir in der Klinik so gut getan hatte. Stattdessen steht da nun, dass ich in einem Fitnesscenter oder in einer Gruppe Sporttherapie machen sollte. Von Einzeltherapie und dem Koordinationstraining steht nichts mehr dort. Genau dasselbe hatte ich erlebt, als die Ernährungswissenschaftlerin, die ich mit viel Kampf und Mühen endlich aufsuchen durfte (Siehe Blogeinträge), mir versprach, dies in ihren Arztbrief reinzuschreiben, wobei sie dann nur ein paar Worte über irgend eine Nahrungsmittelallergie und einen Besuch beim Frauenarzt in den Brief hineinschrieb, der sehr kurz war. Nun muss ich weiter kämpfen und bin so klug als wie zuvor. Wann und wo finde ich endlich jemanden, der die Indikation für eine Sporttherapie für eine Einzelperson bei mir stellt? Ach wenn doch was käme und mich mitnähme! Meine Tischnachbarn auf der Reha hatten mir erzählt, dass sie das Medikament Pentacarenat ebenfalls inhalieren, und dass man ihnen hierfür eine Aufklärung zum Unterschreiben gegeben hätte, da das Medikament nicht ganz ungefährlich sei. Ein Tischgenosse hatte sogar von Atemnot nach der zweiten Inhalation gesprochen. So fragte ich bei meinem nächsten Besuch in der Uniklinik nach, wobei niemand etwas von einer Aufklärung und einer notwendigen Unterschrift wusste. Man sagte mir, das Medikament solle deshalb nur eingenommen werden, wenn niemand anderer im Zimmer sei, damit niemand unnötigerweise ein Antibiotikum einatmet. Als ich dann eine Weile inhaliert hatte, schoss ein Schwall bitterenWassers aus dem Mundstück heraus, und ich war erschrocken und wollte das nicht runter schlucken, da ich fürchtete, es sei vielleicht schon das meiste vom Konzentrat, und das könnte vielleicht gefährlich werden. So rief ich nach der Schwester, da diese zwar das Fenster zur Sicherheit geöffnet hatte, damit frische Luft herein kam, und das Medikament abziehen konnte, aber die Türe offen gelassen hatte, falls etwas war. Die Schwester kam nicht, so rief ich immer lauter und lauter: „Hallo, bitte kommen!“ Irgendwann kam dann die Schwester mit einer anderen Schwester wütend herein und meinte, sie sei nun total erschrocken, im Krankenhaus würde man nur dann schreien, wenn es wirklich etwas ernstes war. Ich versuchte vergeblich, ihr zu erklären, dass ich ja nicht beurteilen könne, ob eine Sache ernst sei oder nicht. Später stellte sich dann heraus, dass Tücher zum Hineinspucken auf dem Tisch lagen, die man mir aber nicht gezeigt hatte, und aufgrund meiner Blindheit konnte ich diese auch nicht sehen. Ich war so verärgert über die Reaktion der Schwester, dass ich mich bei einem mir bekannten Oberarzt per Mail beschwerte. Schließlich hätte es ja auch umgekehrt der Fall sein können, dass ich mich nicht melde, und die Schwester hinterher schimpft, ich hätte doch rufen sollen. Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass die Schwestern aufgeklärt würden, dass sie hier etwas nachsichtiger sein sollten. Nachdem keine Antwort kam, schrieb ich noch einmal dieselbe Mail mit dem Vermerk: "Bitte antworten!“. Dann rief eine andere Ärztin an und meinte auf meinen Vorschlag, mir doch einfach eine Klingel zu geben und die Türe zuzulassen, damit ich nicht rufen müsse, und damit der Dampf nicht in den Flur zöge, ich sollte die Schwestern darum bitten, mir einfach ein Glöckchen hin zu stellen. Ich versuchte noch einmal, ihr klarzumachen, dass sie doch die Schwestern bitten sollte, hier etwas mehr Rücksicht zu nehmen, zumal ich auch noch schlecht sehe und dieses Medikament erst zum zweiten Mal bekommen hatte, und dass sie den Schwestern generell sagen sollte, dass sie nicht schimpfen sollten, wenn ein Patient aus ihrer Sicht unberechtigterweise rief. Dieser Part ist wohl nicht bei ihr angekommen, aber sie erklärte mir, es gäbe keine Aufklärung, und das Medikament sei nicht ganz so gefährlich, wie ich es gehört hätte. Schon bei meiner Transplantationsambulanz sagte mir die Ärztin, dass mir meine Tischgenossen wahrscheinlich nur Angst machen wollten. Ich kann nur hoffen, dass es das nächste Mal besser läuft. Der Alltag hat mich wieder voll im Griff. Ich war ja am 24. März in der Gedächtnisambulanz zu einer Nachtestung, zu der man mich gebeten hatte, da meine Hausärztin mich vor ein paar Jahren einmal dorthin geschickt hatte, da selbst ihr aufgefallen war , dass ich die einfachsten Dinge nicht mehr Begriff oder mir nicht merken konnte. Sie wollte damals abklären, ob ein Prozess dahinter stünde, zu Deutsch eine Demenz oder irgend ein sonstiger Abbau des Gehirns. Unter Laborbedingungen löste ich alle die Merkaufgaben, die mir gestellt wurden, recht gut. So ging ich also wieder in dieser Ambulanz, wobei mir eine Frau, nachdem sie mich auf ein Sofa gesetzt hatte, mein Versichertenkärtchen abnahm und es zu einem Terminal brachte, damit ich nicht überall mit hin laufen müsste. Die Psychologin, der ich meine gesammelten Befunde, Diagnosen und Gutachten mitgebracht hatte, die sich in der Zwischenzeit angesammelt hatten, meinte, nachdem ich mich beklagt hatte, dass sich das Schlaflabor nicht gemeldet hatte, die Ärzte würden wohl auf Distanz gehen, da ich so viel fordern würde und so viel Diagnostik haben wollte. Ich war zutiefst verletzt, daher fiel mir vor lauter Panik nicht ein, ihr zu stecken, dass ich für das eine Gutachten über die komplexe Traumafolgestörung sogar 500 € hinlegen musste, da das Klinikum mich trotz mehrerer Hinweise nicht zu einem Traumadiagnostiker überwiesen hatte. Die anderen Arztbriefe waren inhaltlich ziemlich gleich, da ich den Arztbrief des Genetikers, den des Zentrums für seltene Erkrankungen und den von einem Genetiker, der sich besonders mit meiner Erkrankung auskennt, dabei hatte. Ich finde auch, es ist mein gutes Recht, nachdem ich so lange Jahre um Erklärungen gekämpft und gerungen hatte, warum ich solche Schwierigkeiten habe, dass hier endlich auch Abhilfe geschaffen und Erklärungen gefunden würden. Wir hatten für den 26. April einen telefonischen Termin für die Befundbesprechung ausgemacht, wobei sie mir schon sagte, dass ich mir aufgrund meiner Traumatisierungen Dinge schlechter merken könnte, da das Gehirn schon ausgelastet sei. Ich war nicht sonderlich erpicht darauf, mit dieser Frau noch einmal ein Gespräch zu führen. Nun wurde icher transplantiert und erst am 26. April wieder aus der Uniklinik entlassen. So habe ich das Gespräch abgesagt. Am 19. Mai kam dann ein Schreiben von der Gedächtnisambulanz mit der Bitte, doch mein Kärtchen für das zweite Quartal von April bis Juni einzureichen. So rief ich also dort an, wobei mir die Frau am Telefon sagte, nachdem ich hier keine Leistungen erhalten habe, da das Gespräch ausfiel, könne ich das Schreiben wegwerfen. Ich dachte, ausnahmsweise ist mal ein Problem gelöst, aber ich habe mich mal wieder geirrt, wie sollte es auch anders sein. Ich kam aus der Reha zurück und fand dasselbe Schreiben mit dem selben Datum erneut vor mit der Bitte, doch mein Kärtchen nachzureichen. Als ich dort anrief zusammen mit meiner Helferin, behauptete die Sekretärin, da die Psychologin den Befund erst im April verfasst hätte, müsste ich das Kärtchen nochmals nachreichen für das zweite Quartal. Ich erwiderte, dass es ja schließlich nicht mein Problem sei, wann die Psychologin den Befund macht, und dass man ja deswegen nicht, wenn man gar keinen vor Ort Termin bekommen hat, extra wegen dem Kärtchen irgendwohin fahren muss. Außerdem sagte ich ihr, dass ich aufgrund meiner starken Behinderungen und Erkrankungen nicht in der Lage sei, mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Klinik zu fahren, und das die Kasse mir auch kein Taxi spendieren würde, nur um ein Kärtchen abzugeben. Da behauptete sie, es sei auch für das erste Quartal das Kärtchen nicht eingereicht worden. Ich sagte ihr, dass ich das aber trotz meines schlechten Gedächtnisses noch genau wüsste, denn eine Dame hat es mir extra abgenommen, um es woanders einzulesen, damit ich keinen langen Weg zurückzulegen hätte. Die Sekretärin am Telefon meinte, das könne ja jeder sagen. Ich hätte weder eine Überweisung für das erste noch für das zweite Quartal abgeliefert. Ich sagte ihr, dass ich gar nicht wusste, dass ich auch eine Überweisung hätte mitbringen müssen, und ich fragte sie, ob ich für das erste Quartal die Überweisung nachreichen könnte. Da meinte sie, das ginge nicht, ich würde bald eine Privatrechnung erhalten. Nochmals versuchte ich, ihr meinen Standpunkt klarzumachen und mein Problem zu erklären, dass ich jetzt nicht einfach so ein Kärtchen abliefern könnte, und dass ich es auch nicht schicken könnte, da ich aufgrund meiner zahlreichen "Baustellen" dauernd zum Arzt müsste und daher das Kärtchen immer brauchte. Sie blieb aber stur, worauf ich dann ziemlich wütend zu ihr sagte, ich würde sie jetzt an meine Assistenz weitergeben, ich käme mit ihr nicht weiter. Meine Assistenz bestätigte einfach mal so, dass sie dabei gewesen sei, als ich das Kärtchen abgegeben hätte, doch die Sekretärin meinte, sie würde mit uns nicht weiter diskutieren, wir würden ihr ja überhaupt nicht entgegenkommen. Da fragte meine Assistenz, wie wir ihr den entgegenkommen könnten. Wir sollten das Kärtchen und die Überweisung mitbringen. Wir gingen einfach einmal zu meiner Hausärztin und erklärten der Sprechstundenhilfe am Tresen das Problem. Zufällig stand meine Hausärztin gerade daneben und mischte sich in das Gespräch ein, wobei sie mir anbot, für das erste Quartal eine Überweisung auszustellen. Auch für das zweite Quartal gab sie mir eine mit, denn der Juni ist ja jetzt noch nicht vorbei. Wir fuhren also sofort mit Straßenbahn und Bus zum Klinikum, wo ich drunten blieb, denn ich wollte dieser Sekretärin nicht unbedingt begegnen. Meine Helferin sagte dort einfach, dass sie die Überweisung für das erste Quartal erst jetzt in ihre Handtasche gefunden hätte. Anders wussten wir uns nicht zu helfen. Meine Assistentin erzählte mir später, dass sie angeklopft hätte, wobei aber sich drinnen nichts rührte. Als sie dann etwas lauteranklopfte, kam von innen ein wütendes: "ja, was?!!!“ Als sie eintrat, reichte sie der Sekretärin mein Kärtchen, und obwohl mein Bild darauf war, sprach sie meine Assistentin mit meinem Namen an. Sie konnte noch nicht einmal erkennen, dass auf dem Bild eine andere Person war. Meine Helferin bat sie, die Überweisungen anzunehmen und ihr eine Empfangsbestätigung auszustellen. Die Sekretärin habe daraufhin mürrisch erwidert, dass dies nur eine inoffizielle Empfangsbestätigung sei, ich würde am Freitag noch einmal angerufen, um mir mitzuteilen, ob die beiden Überweisungen akzeptiert würden. Und dann fügte sie noch hinzu: wenn Frau XY je wieder bei uns eine Diagnostik erhält, soll sie gefälligst ihr Kärtchen mitbringen. Dies alles berichtete mir meine Assistentin, und ich war sauer, denn ich fühlte mich in meiner Ehre verletzt, denn ich nehme immer mein versicherten Kärtchen mit, welches in meiner Brieftasche in meiner Handtasche ist. Und ich frage mich auch, warum sie nicht einfach in den Brief hineingeschrieben hatten, dass auch für das erste Quartal des Kärtchen fehlen würde. Wahrscheinlich wurde es nicht korrekt eingelesen, oder es war das falsche Terminal, sodass die Gedächtnisambulanz nicht ersehen konnte, dass das Kärtchen bereits eingelesen war. In meinem Ärger schrieb ich an den obersten Chef der Psychiatrie, bei der die Gedächtnisambulanz angesiedelt war, und schilderte ihm den Sachverhalt. Leider bekam ich aber keine Antwort. Ich werde also jetzt erst erfahren, ob ich das Geld für das erste Quartal selbst hinlegen muss. Das wäre so gut wie die gesamte Testung außer die Verfassung des Befundberichtes. Ich finde es furchtbar, immer so wehrlos zu sein. Ich bräuchte unbedingt jemanden, der von oben einmal ein Machtwort sprechen würde. Ich hatte den ganzen Fall meiner Betreuerin überantwortet, aber diese hat nicht reagiert. Gott sei Dank hat meine Helferin noch einmal vorgeschlagen, in der Gedächtnisambulanz anzurufen, sonst wäre auch das zweite Quartal verstrichen, ohne, dass das Kärtchen eingelesen worden wäre, und ich hätte dann für beide Quartale die gesamte Testung inklusive der Verfassung des Befundberichtes zahlen müssen. Ach wenn doch was käme und mich mitnehme! Mein Wohlbefinden hat sich nach der Reha eher wieder verschlechtert. Außerdem habe ich stärkste Unterleibsschmerzen, die in regelmäßigen Abständen kommen, wobei schon in meinem Arztbrief von der Transplantation steht, es gäbe bei mir einen Verdacht auf Endometriose. Diesen Verdacht hatte ich selbst gegenüber meinem Frauenarzt einmal geäußert, der aber meinte, das könne nicht sein. Längst habe ich aber erfahren, dass man nur über eine Bauchspiegelung herausfinden könnte, ob das stimmt. Vermutlich hatten die Operateure während der Transplantation bemerkt, dass ich eine Endometriose habe. Schmerzmittel darf ich nun nicht mehr in so hohem Ausmaße nehmen wir an der Dialyse. So habe ich Buscopan genommen, woraufhin die Krämpfe nachließen. Mitten in der Nacht wachte ich mit erneuten Krämpfen auf, und nun, da ich ja sowieso schon so viele Medikamente nehmen muss und dieses Medikament zusätzlich genommen hatte, hatte ich furchtbare Magenschmerzen bis in die Speiseröhre. So musste ich mein Magenmittel, welches ich normalerweise in der Früh nehme, bereits um 3:00 Uhr in der Nacht schlucken. Ich bin wieder wesentlich schwächer, und auch das Erbrechen ist zurückgekehrt. An manchen Tagen habe ich so starken Würgereiz, dass schon ein übler Geruch ausreicht, damit ich auf die Toilette renne und den gesamten Mageninhalt her gebe. Die Transplantation war ein großes Glück, doch musste ich ausgerechnet an diesem Tag meinen Termin bei einer sehr guten und häufig empfohlenen Traumatherapeutin haben, die mir, weil sie selbst keinen Platz mehr hatte, jemanden empfehlen wollte. Nun, ein Vierteljahr nach der Transplantation, nachdem ich einigermaßen fit von der Reha zurückgekehrt war, wollte ich es angehen und rief erneut bei ihr an. Meine Assistenz hatte damals, da ich ja bereits im Krankenhaus war und die Nummer nicht hatte, auf den Anrufbeantworter der Ärztin gesprochen und ihr gesagt, dass ich heute nicht kommen könne, da ich eine Nierentransplantation hätte, die ich nicht ablehnen wollte. Ich hatte schon befürchtet, dass die Dame jetzt vielleicht sauer ist, da sie mir 1 Stunde reserviert hatte, und ich diese nicht wahrgenommen hatte. Ich hoffte aber, dass sie als Medizinerin so verständnisvoll sein möge, dass sie einsieht, dass eine Nierentransplantation wichtiger ist, da man diese nicht verschieben kann, einen Termin bei einem Traumatherapeuten jedoch sehr wohl. Ich sprach ihr also auf den Anrufbeantworter, erklärte noch einmal den Sachverhalt und bat sie, mich doch zurückzurufen, notfalls würde ich die ausgefallene Stunde auch selbst bezahlen. Dies ist leider nicht erfolgt. So habe ich erneut auf ihren Anrufbeantworter gesprochen und noch einmal den Gutachter erwähnt, der sie mir empfohlen hatte, und von dem aus ich ihr ausrichten sollte, dass ich ein besonderer Fall sei, und sie mir helfen sollte, einen Traumatherapeuten zu finden. Nun stehe ich wieder da wie zuvor, nichts hat sich getan. Ich werde noch einmal an den Gutachter schreiben und ihn bitten, sich doch bei dieser Ärztin für mich einzusetzen, befürchte aber, dass er dies wahrscheinlich nicht tun wird, mit der Begründung, er könne ja schließlich seiner Kollegin nicht vorschreiben, mich zurückzurufen. Das ist meistens die Argumentation. Ich hatte so sehr die Hoffnung, dass jetzt endlich etwas weitergehen würde, und dass ich jetzt endlich die Hilfe bekommen sollte, die ich brauche. Aber leider war diese letzte Hoffnung nun auch für die Katz. Wie sage ich immer: „Hoffnung und Enttäuschung sind ein Gespann, dass niemand niemals trennen kann. Auf eine Hoffnung folgt immer eine Enttäuschung." Ach wenn doch was käme und mich mitnehme! Ich bin nun wirklich zu dem Schluss gekommen, dass folgende Dinge fest und starr dastehen, fest und starr, immerdar! Mir darf es nicht gut gehen. So wie es ist, wird es immer bleiben. Was ich erreichen konnte, habe ich erreicht. Was ich bisher nicht erreichen konnte, wird auch nicht mehr erreicht werden. Mein Leben ist gelaufen, es wird nur noch so weitergehen, wie es ist, bis zum Ende all meiner Tage. Es hat jemand einen Bann über mich erhoben, der mich und meine Bewegungen und meine Fortschritte komplett eingefroren hat. Bei mir wird niemals etwas wieder besser. Was ich einmal habe, habe ich, das geht nie wieder weg. Die Leute sagen mir dann immer: „wenn du dir das schon vor sagst, dann wird es auch so“. Es ist aber umgekehrt, weil es so ist, stelle ich es als Schlussfolgerung fest. Mir wäre nichts lieber, als wenn sich doch einmal noch etwas in meinem Leben ändern könnte. Ach wenn doch was käme und mich mitnehme! Ich gebe der Sache jetzt noch ein halbes bis ein ganzes Jahr, dann werde ich die Konsequenzen ziehen. Wenn mir nicht irgendjemand hilft mit viel Macht und Kraft, wenn sich nicht endlich jemand für mich einsetzt und für mich spricht und sieht, dass ich mich alleine nicht durchsetzen kann, dann werde ich meine Art finden, das Ganze zu beenden. Die einzige Möglichkeit, all diese Symptome und Beschwerden wegzubekommen, ist, Schluss zu machen. Ich möchte, dass folgende Verhexungen sich lösen: Ich möchte endlich einen guten Traumatherapeuten, der mich versteht und annimmt, so wie ich bin, und der endlich auch einmal die Sache aus meiner Sicht sieht, und mir nicht dauernd die Perspektive und die Probleme anderer vorhält und immer nur die Gegenseite verteidigt und in Schutz nimmt oder mir die Schuld an allem zuschiebt. Ich möchte jemanden, der sich für mich einsetzt, der endlich einmal sich für mich verwendet, bislang hatte ich den Eindruck, dass eigentlich niemand so richtig Lust dazu hat, und ich einen größeren Einsatz niemandem wert bin. Ich möchte jemanden haben, der nicht nur immer sagt, das wird schon wieder, und der mir erklärt, andere hätten es noch schwerer, oder ihm ginge es genauso wie mir. Ich möchte es jemandem wert sein, dass er sich mit meinen Emotionen auseinandersetzt und Mitgefühl hat. Ich möchte eine Tätigkeit finden, wo ich meine Fähigkeiten und das , was ich erlernt habe, einbringen kann. Ich möchte endlich engagierte Ärzte, die herausfinden, was ich habe, wenn ich Beschwerden habe. Ich möchte endlich, dass Beschwerden auch einmal wieder Weg gehen, oder dass man sie mit irgendeiner Maßnahme wegmachen kann. Ich möchte eine zweite Chance, ich möchte noch einmal mit meinem Leben etwas anfangen können und nicht nur die restlichen paar Jahre, die mir noch bleiben, sinnlos absitzen. ich möchte in der Welt die Spur hinterlassen, die jeder Mensch hinterlässt, ich möchte mich in die Gesellschaft einbringen können, ich möchte gebraucht und gewollt sein, und ich möchte an der Welt teilhaben können. Und ich möchte nicht dauernd die Schuld dafür, wenn dies nicht klappt. Ach wenn doch was käme und mich mitnehme! In dem Gedicht sieht es so aus, als sei der Junge mit nichts zufrieden, kein Transportmittel ist im gut genug. Aber dies liegt auch daran, dass alle Transportmittel große Nachteile haben. Außerdem habe ich überhaupt kein Transportmittel, ich bin einfach wie eine Fliege in einem Harz Blog eingeschlossen. Dies hat sich auch nach der Transplantation nicht geändert, was mir jetzt noch viel schmerzlicher bewusst ist, da ich mir so sehr erhofft hatte, mein Befinden würde sich ändern, ich würde wieder mehr Energie und Kraft haben, ich könnte vielleicht noch einmal etwas Neues anfangen, es könnte einiges schöner und besser werden als zuvor, wenn sich auch nicht die ganze Welt auf einmal zu einem Rosengarten wandelt. Mein Befinden ist genau wie zu Dialysezeiten, nur ohne Dialyse, ich vermute also, dass hier ein bleibender Schaden entstanden ist. Einen großen Lichtblick gibt es, das Medikament Mimpara, das nach einer Transplantation normalerweise nicht mehr zugelassen ist, wurde mir von der Kasse für ein weiteres Jahr genehmigt. Wenigstens mit meiner Kasse habe ich zumeist großes Glück, die haben meistens ein Einsehen. Ich hoffe aber dennoch, dass ich in einem halben Jahr entweder an den Nebenschilddrüsen operiert werden kann, oder dass sich die Nebenschilddrüsen doch noch eines Besseren besinnen und sich wieder dem Regelkreis unterordnen. Ach wenn das doch käme, damit ich mich nicht Gräme! Hier nun also das Gedicht, welches mir schon häufig im Kopf herumging, und welches ich hier vorstellen möchte. Friedrich Rückert (Reimer) Vom Büblein, das überall mitgenommen sein hat wollen Denke! Das Büblein ist einmal spazieren gegangen im Wiesental; da Wurz müht gar sehr und sagt: ich kann nicht mehr; wenn nur was käme und mich mitnähme! Da ist das Bächlein geflossen kommen und hat's Büblein mitgenommen; das Büblein hat sich aufs Bächlein gesetzt und hat gesagt: so gefällt mir es jetzt. Aaber was meinst du? Das Bächlein war kalt, das hat das Büblein gespürt gar bald; es hat's gefroren gar sehr, es sagt: ich kann nicht mehr; wenn nur was käme und mich mitnähme! Da ist das Schifflein geschwommen kommen und hat's Büblein mitgenommen; das Büblein hat sich aufs Schifflein gesetzt, und hat gesagt: da gefällt mir's jetzt. Aber siehst du? Das Schifflein war schmal, das Büblein denkt: da fall' ich einmal; der fürchtet sich gar sehr und sagt: ich mag nicht mehr; wenn doch was käme und mich mitnähme! Da ist die Schnecke gekrochen gekommen und hat's Büblein mitgenommen; das Büblein hat sich ins Schneckenhäuslein gesetzt und hat gesagt: da gefällt mir's jetzt. Aaber denk! Die Schnecke war kein Gaul; sie war beim Kriechen gar zu faul; dem Büblein ging's langsam zu sehr; es sagt: ich mag nicht mehr; wenn nur was käme und mich mitnähme! Da ist der Reiter geritten gekommen, der hat's Büblein mitgenommen; das Büblein hat sich hinten aufs Pferd gesetzt und hat gesagt: so gefällt mir's jetzt. Aber gib acht! Das ging wie der Wind, es ging dem Büblein gar zu geschwind; es Hopst drauf hin und her und schreit: ich kann nicht mehr; wenn doch was käme und mich mitnähme! Da ist ein Baum ihm ins Haar gekommen und hat das Büblein mitgenommen; er hat's gehängt an einen Ast gar hoch, dort hängt das Büblein und zappelt noch. Das Kind fragt: ist denn das Büblein gestorben? Antwort: Nein! Es zappelt ja noch! Morgen gehen wir 'naus und tun's 'runter. Entstehungsjahr: 1813 Erscheinungsjahr: 1817 aus "Jugendlieder fünf Märlein für mein Schwesterlein" Referenzausgabe: Ludwig Leistner: Friedrich Rückert Werke in sechs Bänden, Band 2 J. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger G. M. B. H. 1895 Gedicht eingearbeitet von Clemens Wolter