Montag, 2. August 2021

Das Leben einer Katze ist kein Streichelzoo

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Inhaltsverzeichnis

Die Vorstellung
Die Eingewöhnung
Der tierarztbesuch
Der Katzenalltag
Das Drama
Die Stille
Die Vibrations
Der Trubel
Die Verbundenheit
Die Freiheit
Die Liebe

Die Vorstellung

Dies ist eine rein erfundene Geschichte, die mir einfach mal vor einigen Monaten eingefallen ist. Ähnlichkeiten mit Personen oder Tieren ist größtenteils zufällig.

Hallo ihr Kätzinnen und Kater, die ihr hier unter dem Baum versammelt seid, heute will ich euch mal etwas über die Menschen erzählen. Menschen können sehr merkwürdig sein. Und glaubt mir, mein Frauchen ist eine der merkwürdigsten Menschen, die mir je begegnet sind. Manchmal bekommt sie 2 senkrechte Falten zwischen den Augen und zieht die Mundwinkel nach unten, dann rennt sie in der Wohnung herum, schlägt hektisch irgendwelche Klappen auf und zu, schreit laut herum, hüpft und dreht sich, tritt mit den Beinen auf dem Boden herum, rennt hin und her, dabei sondert sie schrille Töne ab. Manchmal hört sich das an wie: „Ramtamtamchuchutumtumtamtamtumtumdamdamtumochdumdumrürix…" Aber manchmal sitzt sie auch einfach nur da und bewegt sich lange Zeit überhaupt nicht. Dann kaut sie an ihren Pfoten herum. Dann aber liegt sie wiederum stundenlang auf dem großen Kissen in dem einen Zimmer und schaut in eine eckige Kiste. Sie hat sowieso sehr viele eckige Kisten, die auch noch ziemlich laut sind. Manchmal sitzt sie vor der eckigen Kiste und schimpft. Dann macht sie ganz komische Geräusche, es hört sich an wie, „kaputt, kaputt, kaputt!“ Ihre Stimme wird dabei immer höher. Menschen machen sowieso eine Menge an unterschiedlichen Geräuschen. Aus ihrem Mund kommen die merkwürdigsten Laute, Zischen, Knacken, Gurgeln, Fauchen. Das nennen Sie sprechen. Manchmal gehen Menschen ganz hoch und ganz tief mit ihrer Stimme. Sie machen dann ganz unterschiedliche Töne hintereinander. Sie nennen das Singen. Und mein Frauchen sinkt wunderschön. Sie sieht dabei immer sehr glücklich aus. Zumindest schimpft sie dann nicht, und dann schreit sie auch nicht. Manchmal machen Menschen aber auch ganz viele gleiche Laute hintereinander, es hört sich an wie „hihihihahahahahohoho“. Dann schütteln sie sich dabei oder werfen den Kopf zurück, sie nennen das Lachen. Mein Frauchen lacht ganz furchtbar laut. Manchmal gibt sie ganz laute und langgezogene Töne von sich. Dann schüttelt sie sich und hält dabei die Hände vor ihr Gesicht und macht den Mund auf. Und dann reibt sie sich die Augen, und ihre Nase läuft. Das nennt man dann weinen. Wenn Menschen gähnen, dann tun sie das auch immer lautstark mit Huuaaah. Mein Frauchen ist sowieso ziemlich laut. Sie kann diese eben beschriebenen Dinge mühelos alle hintereinander oder gleichzeitig tun. Am Anfang hat mich das immer sehr erschreckt, aber jetzt weiß ich, dass sie mir nicht gefährlich wird. Am Anfang habe ich mich immer in das kleine Zimmer zurückgezogen, hinter dem Körbchen von meinem Frauchen ist ein großer schwarzer Sack, dort bin ich zu Anfang sehr oft hineingekrochen. Jetzt tue ich das nur noch ganz selten, wenn es mir wirklich einmal zu viel wird. Oder ich springe auf einen der Schränke, von dort habe ich alles im Blick, sowie jetzt auf diesem Baum, und ich bin außerdem in Sicherheit, denn Menschen können nicht klettern. Von dort oben kann ich alles beobachten. Das kann unter Umständen eine überlebenswichtige Aufgabe im Leben einer Katze sein. Das werde ich euch noch näher erläutern.

Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt. Ich bin Ansgar. Ansgar von Thumenberg. Ich bin ein Balinesen-Kater. Wir stammen von den Siam Katzen ab. Siam Katzen sind extrem kluge Katzen. Und Balinesen sind noch viel klüger, und ich bin der klügste aus meinem Wurf. Das sagt zumindest die Züchterin. Ich bin im reichsten Viertel der Stadt geboren. So ist mein Fell beige, meine Pfoten sind daher, wie bei vielen unserer Rasse, blau, genau wie eben meine Nase. Dass mein Schwanz schwarz ist, sowie auch mein Kopf, ist allerdings etwas Besonderes. Der Rest vom Gesicht ist ganz normal beige, und ich habe leuchtend blaue Augen, wie das nun einmal typisch für unsere Rasse ist. Meine Züchterin meint, es sei sehr ungewöhnlich, dass eine solche Katze gleich 3 Farben hat, sie nannte mich immer Glückskatze. Sie war sehr liebevoll, sie streichelte mich immer ganz vorsichtig, sprach mit sanfter Stimme und gab uns immer nur das allerbeste Futter. Alle meine Geschwister beginnen mit dem Buchstaben A. Wie viele wir waren, weiß ich gar nicht. Nach 3 Monaten hat unsere Mama sich nicht mehr sonderlich für uns interessiert und ist wieder ihrer eigenen Wege gegangen. Nach und nach kamen Leute, um meine Geschwister abzuholen. Irgendwann kam dann auch jemand, um mich mitzunehmen. Meine Züchterin war nicht sehr glücklich mit meinem Käufer. Ich war eine Weile bei dem man, es war aber ziemlich schlimm dort. Irgendwann ist dann das Schreckliche passiert, weswegen ich in ein Haus mit sehr vielen anderen Tieren gekommen war. Ich hatte aber viel zu viel Angst vor denen und wollte mit keinem was zu tun haben und fauchte und kratzte sie alle weg. Daher kam dann eine sehr liebe Frau, fast so wie meine Züchterin, und setzte mich in eine Box für mich ganz allein. Dann kam eben mein Frauchen, die jetzt eigentlich nicht gerade mich unbedingt haben wollte. Aber die liebe Frau hat viel mit ihr geredet, und dann nahm sie mich mit. Und darum bin ich jetzt hier und erzähle euch meine Geschichte.

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Die Eingewöhnung

Frauchen nahm mich also mit nach Hause, sie stellte den Tragekorb hin und machte ihn auf. Nach ein paar Stunden kam ich dann heraus. Ich hatte nämlich irgendwann trotz alledem auch Hunger. Frauchen kam, riss den kalten Kasten auf, in dem mein Futter war, dort hatte mein früheres Härchen auch immer die Dosen aufbewahrt. Lautstark verkündete sie mir, „Fisch kriegst du aber keinen, Fisch stinkt, sonst stinkt hinterher die ganze Bude!" Die liebe Frau aus dem Haus mit den vielen Tieren hatte ihr extra gesagt, dass ich so gerne Fisch mag. Aber das war ihr wohl egal. Sie stellte mir das Futter hin und schaute die ganze Zeit zu, sodass ich gar keinen Appetit mehr hatte. Irgendwann stampfte sie dann wieder in das kleine Zimmer zurück und setzte sich vor eine der eckigen Kisten. Nach einer Weile kam sie wieder und füllte Wasser in einen Napf. Endlich, ich dachte schon, ich müsste verdursten. Danach packte sie mich und wollte mich hochheben und herumtragen. Ich war so erschrocken, dass ich gar nicht schnell genug reagieren konnte. Aber ich schaffte es noch, bevor sie auf dem weichen großen Kissen saß, von ihrem Schoß zu springen. Schnell sprang ich auf einen der Schränke. Da oben war genügend Platz, der Raum ist sehr hoch. Ich konnte auch zum Fenster hinaussehen. Das war recht interessant, denn draußen liefen viele Menschen mit ihren Hunden vorbei. Hier drinnen konnten sie mir nichts anhaben. Und ich konnte sie gefahrlos beobachten. Auf der anderen Seite war der Raum mit dem harten Boden, in dem meine Katzentoilette stand. Wenn das Fenster offenstand, konnte ich die Vögel beobachten. Hinaus konnte ich nicht, denn da ist eine ganz dünne löchrige Wand. „Zerreiß mir ja nicht die Fliegengitter!" Was war denn jetzt schon wieder los?! Warum schimpft sie den schon wieder?! In dem Raum mit meinem Futter gibt es auch ein schönes hohes Fenster. Wenn ich auf den großen Schrank springe, kann ich von dort oben aus immer die Vögel beobachten. Vor den anderen Fenstern hängen überall Stoffe mit Löchern. Da kann ich nur wenig sehen. Wenn ich sie beiseiteschiebe, schimpft Frauchen, „lass mir bloß die Vorhänge in Ruhe!“ Auf einigen der langen Steine vor dem Fenster stehen runde Eimer mit Pflanzen. Die schmecken aber nicht sonderlich gut. „Geh mir nur ja nicht an meine Pflanzen!" Schon wieder dieses Geschrei. Überhaupt ist es ziemlich laut hier. Urplötzlich aus dem Nichts kommt lautes Getöse. Es quietscht, es hämmert, es jault, und es brummt. Menschen nennen dies Musik. Mein Frauchen hat einen seltsamen Musikgeschmack. Es hört sich manchmal an wie lautes Jammern oder wie das Jaulen von Hunden. Und sie kündigt das noch nicht mal vorher an. Die ersten Male bin ich so sehr erschrocken, dass ich mich blitzschnell in dem großen schwarzen Beutel hinter dem Bett verkrochen habe. Auf dem Schrank in dem Zimmer mit dem Kühlschrank und dem mit den großen weichen Kissen konnte ich auch nicht sitzen, denn dort war der Krach am lautesten. Er kam aus 2 dieser großen schwarzen eckigen Kisten. Man konnte nie genau wissen, wo der Lärm losging. Es traf mich immer ganz unvorbereitet. Und es war meistens genau da, wo ich saß.

Mein Frauchen schien auch äußerst schlecht zu sehen. Wenn sie herumläuft, bleibt sie immer irgendwo hängen oder stößt dagegen. Dann schreit sie aus Leibeskräften, AUA! Manchmal brummt sie vor sich hin: „Das gibt's doch nicht! Wo hab' ich denn das wieder hin, wo hab ich denn das wieder hin, wo hab ich denn jetzt das wieder hin?“ Manchmal fällt etwas herunter. Dann kriecht sie auf dem Boden herum wie ich, auf allen ihren 4 Pfoten, sie haut mit der rechten Vorderpfote immer auf den Boden, bis sie dann irgendwann das, was heruntergefallen ist, hochhebt und sich wieder auf die Hinterbeine stellt. Sie sieht auch mich am Boden nicht laufen. So scheint es mir zumindest, denn sie ist schon ein paarmal ziemlich fest auf meine Pfoten oder auf meinen Schwanz getreten. Sie erschrickt dann auch jedes Mal, wenn ich vor Schmerzen aufschreie oder laut fauche. Zum Glück ist sie nicht sehr schnell, und ich kann rechtzeitig in eine Ecke flitzen. Denn meistens rennt sie dann hinter mir her und ruft: „Ansgar , Ansgar, 'Tschuldigung, 'Tschuldigung!" Dann bekomme ich noch mehr Angst und verstecke mich einmal lieber . Es ist auch schwer vorherzusagen, wann sie losläuft. Und erst recht weiß ich oft nicht, wo sie hinläuft. Auf ihren großen weichen Kissen liege ich auch nicht so gerne, denn sie springt da einfach drauf, und irgendwann bin ich platt. Außerdem fasst sie dann immer mit ihrer Hand nach mir und will mich schnappen. Manchmal erwischt sie mich und hält mich fest. Dann fährt sie mit ihren Händen durch mein ganzes Fell. Dabei gibt sie hohe und spitze Laute von sich. "Ui, ei, ui, wie süüüüß!" Ich mag es nicht, wenn man mich überall anfasst. Und schon gar nicht, wenn ich es nicht will und nicht darauf vorbereitet bin. Ich bin schon zu oft in meinem Leben erschrocken. Aber davon erzähle ich später noch.

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Der Tierarztbesuch

Besuche beim Tierarzt waren mir schon immer ein Graus. Aber das, was mein Frauchen mit mir veranstaltete, übertraf bislang alles. Bei ihr ist ja immer großer Bahnhof, dauernd gehen irgendwelche Leute ein und aus. Irgendjemand bringt etwas, irgendjemand holt etwas, irgendjemand verschiebt etwas, irgendjemand verstellt etwas. Und dabei ist es immer sehr laut. Menschen reden irgendwie immer alle auf einmal. Und einer schreit lauter als der andere. Eines Morgens stand dieser schreckliche Transportkorb wieder da. Mit dem habe ich noch keine guten Erfahrungen gemacht. Daher machte ich erst mal einen großen Bogen darum. Dann hörte ich wieder diese 3 Töne an der großen Luke, und das bedeutete, dass schon wieder jemand kam. Es war eine Frau, und die ging direkt auf den Katzenkorb zu. Dann schaute sie sich um, und dann muss sie mich wohl entdeckt haben. Menschen reden immer in dieser seltsamen Art und Weise und mit dieser komischen Stimme, wenn sie über mich sprechen. „Da ist er ja, ach ist der süß. Ach ist der hübsch." Jetzt war Vorsicht geboten. Ich blieb also lieber mal auf dem Schrank. Auf einmal trug die Frau etwas ins Zimmer und kletterte darauf. Ihre Arme reichten ziemlich weit, und ich verkroch mich ganz hinten, sodass sie mich doch nicht greifen konnte. Sie rief nach mir, ich wusste es genau, aber ich tat so, als würde ich sie nicht verstehen. Mein Frauchen war auch unten und rief, sie wurde immer aufgeregter. Irgendwann stemmte sich die Frau hoch, und ehe sie mich zu fassen kriegen konnte, sprang ich schnell vom Schrank. Mein Frauchen versuchte, mir hinterher zu kommen. Beide Frauen jagten mich nun durch die ganze Wohnung. Ich wollte schon hinaus und ganz weit weglaufen, aber mein Frauchen Schloss noch rechtzeitig die Luke. Ich verkroch mich in meiner Reisetasche, aber mein Frauchen kannte das Versteck schon. Sie griff nach mir und packte mich fest um meinen Bauch. Ich versuchte, sie zu kratzen und zu beißen, aber sie hielt mich zu sehr in der Mitte fest, sodass meine Pfoten und mein Mäulchen nicht an ihre kamen. Außerdem hatte sie ihre Pfoten in 2 Säcke gesteckt, die so dick waren, dass meine Krallen nicht durchkamen. Mein Frauchen setzte mich grob in die Kiste und schlug den Deckel zu. Ich versuchte noch, mit dem Kopf wieder heraus zu schauen, und da bekam ich den Deckel auch noch auf den Kopf geschlagen. Was für ein grausames Frauchen, was für ein brutaler Mensch. Dann hob sie die Kiste an und ging mit mir aus ihrer Höhle. Der Korb wurde irgendwo abgestellt, sie setzte sich daneben. Dann gab es einen lauten Knall, es brummte ganz laut, und alles fing zu wackeln an. Die beiden Frauen redeten sehr laut, denn sie mussten ja lauter sein als das Gebrumm. In dem Transportkorb war ziemlich viel Blattwerk, es war weiß und schmeckte komisch, daher habe ich es lieber nicht runtergeschluckt. Aber ich war so aufgeregt, und das Schaukeln war so schrecklich, dass ich in den Katzenkorb machte. Meine Mama hat mich früher deswegen immer geschimpft, daher habe ich gelernt, dass man, wenn man muss, ins Katzenklo geht. Aber dieses Mal war mir das unmöglich.

, mein Frauchen bewegte sich, und der Katzenkorb mit mir innen drin schaukelte an ihr Bein. Irgendwann waren wir dann in einem Haus, wo es nach anderen Tieren roch, die man auch laut hören konnte. Ein großer Schäferhund schaute in meinen Tragekorb, und ich knurrte und fauchte, so laut ich nur konnte. Der Katzenkorb blieb eine Weile still dastehen, dann wurde er wieder angehoben. Jetzt roch es immer stärker nach Tierarzt. Diesen scharfen Geruch habe ich schon als ganz kleiner Kater hassen gelernt. Noch einmal ging der Katzenkorb steil nach oben, mein Frauchen knallte ihn auf die Platte. Dann kam die Frau in Blau. Die sehen überall gleich aus. Der Deckel ging auf, und sie zerrte mich aus dem Korb, so fest ich mich auch an dessen Rand, an das Blattwerk und an meine Katzenköttel krallte. „Ach, wen haben wir den da! Das ist ja ein schöner Kerl." Wie immer wurde ich an allen Stellen angefasst, umgedreht, der Po nach oben, der Rücken nach unten, mir wurde das Maul aufgerissen, in alle Öffnungen wurde hineingebohrt und hineingeleuchtet, und dann packte mich jemand und ging mit mir ein paar Schritte weiter. Ich wurde in eine Schüssel gesetzt. „Er wiegt 5 Kilo, er ist aber sehr schlank. Er ist ja auch verhältnismäßig groß für diese Rasse. Und so ein Schöner." Schon landete ich wieder auf dieser kalten Fläche, die Frau in Blau kraulte mich überall, und auf einmal stach etwas in meinen Nacken. Es brannte etwas, sie kraulte weiter, dann hörte sie wieder auf. „So, Katzenschnupfen, Katzenseuche, das ist jetzt fertig. In 6 Monaten ist die Leukose dran. Er muss auch noch entwurmt werden. Ansonsten ist er kerngesund." Frauchen gab ihr noch ein Papier, die Frau in Blau fuhr mit einem langen Ding über das Papier, Frauchen steckte es wieder in den großen Ledersack, den sie immer bei sich trägt, und dann stopften sie mich wieder unsanft in die Kiste zurück. Dieses Mal half ich freiwillig mit, obwohl meine feine Nase diesen Geruch in dem Katzenkorb schon nicht mehr ertragen konnte. Aber jetzt ging es heimwärts. Der Katzenkorb schaukelte fürchterlich und knallte wieder an Frauchens Bein. Ich wurde im Katzenkorb wieder in die große brummende Kiste gestellt, es knallte, es schaukelte, die beiden Frauen redeten laut, irgendwann hörte das Schaukeln auf, der Katzenkorb schwebte mit mir in Frauchens Höhle. Die andere Frau rief noch irgendetwas laut, dann ging sie und schloss die Luke. Mein Frauchen öffnete den Katzenkorb. Dann hörte ich ein Rascheln, welches ich schon kannte. Futter. Das Rascheln kündigte besonderes Futter an. Und tatsächlich, in meinem Napf landeten härtere Brocken. Als mein Frauchen aus dem Zimmer mit dem Futter heraus war, kletterte ich vorsichtig aus der Katzenkiste. Ich ging ganz langsam zu meinem Fressnapf. Und tatsächlich, die Dinger da drin rochen nach Fisch. „Das sind Leckerli mit Fischgeschmack, zur Belohnung, die stinken nicht ganz so schlimm." Offenbar wollte mein Frauchen nett sein zu mir, sie hatte wohl doch bemerkt, was sie mir da angetan hatte. Ich verkroch mich in meinem Versteck, dem schwarzen Sack mit Namen „Reisetasche“ und versuchte, den Transportkorb zu vergessen. Ein paar Stunden später war er zum Glück weg. Aber ich wusste, er würde wiederkommen.

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Der Katzenalltag

Ich habe keinen Katzenkorb, in dem ich schlafen könnte. „Such dir selbst einen Platz, du weißt schon, wo es dir gefällt. Sonst pinkelst du mir sowieso in den Katzenkorb rein." Und dann folgten noch einige für mich unverständliche Laute, scheinbar nicht enden wollende Erzählungen von früheren Katzen, die offenbar immer in Katzenkörbe reingepinkelt haben. Ich hörte schon nicht mehr zu. Mal wurde der eine Platz hell, dann wurde der andere Platz dunkel, Frauchen zerrte an etwas, es ratterte, und es schob sich etwas vor die Fenster, jetzt konnte ich gar nicht mehr rausschauen. Frauchen zog sich in ihr Körbchen zurück. Sie klappte das Brett vor dem Raum mit ihrem Körbchen zu, und ich stand irgendwo in Frauchens Revier. Nun hatte ich die großen weichen Kissen in dem anderen Teil ihrer Höhle für mich. Niemand würde mich jetzt stören. Müde war ich zwar nicht, aber ich tretelte etwas auf den Kissen herum, um ihnen meinen Geruch zu geben. Außerdem wollte ich erst einmal all die Weichen 4 Ecke erkunden, wie sie rochen, wie sie sich anfühlten, und ob man die Krallen daran schärfen kann. Dann lief ich durch den Rest von Frauchens Heim, denn sie könnte jetzt nicht schimpfen. Es war aber ziemlich langweilig alleine. Das Brett vor ihrem Körbchen war fest zu, aber ich hatte sie beobachtet. Sie drückt mit der Pfote auf etwas Glänzendes, dann schiebt sie das Brett nach vorne und geht weiter. Dann schiebt sie das Brett wieder zu. Das wollte ich jetzt auch mal probieren. Schließlich gehöre ich zu den klügsten Katzen. Ich sprang also so hoch, dass ich mit den Pfoten das glänzende Ding erreichen konnte. Ich musste mehrfach springen, denn das glänzende Ding namens Klinke bewegte sich zwar, aber das Brett ließ sich nicht schieben. Nach weiteren Versuchen hatte ich es dann geschafft. Ich musste erst auf die Klinke springen und dann so schnell wie möglich das Brett anspringen, es würde dann von selbst zurückweichen. Ich konnte es nur nicht wieder zurückschieben, aber das war mir eigentlich egal, ich war ja durchgekommen, nur das zählte. Nun konnte ich überall hin, wohin ich wollte. Nur die ganz große Luke, die wohl aus der Höhle hinausführte, hatte einen runden Ball, und der bewegte sich leider nicht, wenn man ihn ansprang. Ich stellte auch fest, dass die Bretter namens Türen sich nur in eine Richtung bewegten, wenn man sie ansprang. Wenn ich aus der anderen Richtung kam und dann die Türklinke ansprang, um dann die Tür anzudrücken, bewegte diese sich nicht. Wenn ich nachts alleine war, sprang ich alle Bretter, man nennt sie wie gesagt Türen, an, und dann konnte ich hin, wohin ich wollte. Tagsüber machte aber mein Frauchen öfter mal die Türe zu, sie hatte nicht gesehen, dass ich noch im Zimmer war. Einmal musste ich ganz dringend aufs Katzen Globe. Wie kam ich nun wieder heraus? Ich wusste schon, wenn ich jetzt ins Zimmer auf den weichen Boden mit dem Stoffgras mache, wird mein Frauchen toben. Das wollte ich mir ersparen. Ich hatte einmal gesehen, dass mein Frauchen die Klinke herunterdrückte und dann die Tür zu sich hinzog. Ich wusste aber nicht, wie ich das schaffen sollte. Mittlerweile hatte ich mir schon angewöhnt, direkt vom Schrank auf die Klinke drauf zu springen, sodass ich mich nicht so sehr strecken musste. Von oben hatte ich viel mehr Kraft. Das tat ich nun auch und blieb dann an der Klinke einfach hängen, bis die Tür mit mir zusammen zurückschwang. Dann ließ ich sie los und ging um die Tür herum hinaus. Zum Glück hatte ich meinem Frauchen die böse Überraschung am Morgen und mir das Donnerwetter erspart. Es würde noch ewig dauern, bis mein Frauchen aufwacht.

Als ich die ersten Vögel draußen hören konnte, regte sich schon etwas im Frauchenkörbchen. Sie musste schon wach sein, aber sie stand einfach nicht auf. Ich ging einfach mal zu ihr rein und ließ ein herzzerreißendes lautes und tiefes MIAU hören. „Wie bist denn du hier reingekommen?" Ich musste noch eine Weile meine Stimme erheben, bis sie endlich aufstand, um mir mein Futter zu geben. Es kam direkt aus dem Kühlschrank, dieser kalten Kiste, daher wartete ich lieber noch einen Moment, bis ich es verschlang. Mein Frauchen rannte brummend und schimpfend durch die Wohnung. Sie ging ein paarmal hin und her, offenbar war sie schlecht gelaunt, denn ihre Stimme klang tief und schief. Sie schleppte irgendwelches Zeug aus Stoff aus der großen Holzkiste namens Schrank bei ihrem Körbchen in das Zimmer mit meiner Katzentoilette und dem weißen runden Ding, der Toilette für die Menschen. Dieses nennt man übrigens Badezimmer. Dann schloss sie die Tür. Menschen wollen nicht gestört werden, wenn sie auf diesem weißen runden Ding sitzen. Sie finden aber nichts dabei, einfach herein zu kommen, wenn ich gerade auf meiner Katzentoilette bin. Daher komme ich jetzt auch einfach rein, ich kann jetzt schließlich Türen öffnen, die wohl auch dazu da sind, dass nicht jeder überall rein kann, und dass es drinnen schön warm bleibt. Mein Frauchen muss wohl ziemlich erschrocken sein, als sie das laute Geräusch hörte, als die Tür plötzlich aufsprang, und ich Richtung Katzentoilette ging. „Wo hast du denn das gelernt? Du bist ja wirklich ein kluger Kater. Dann muss ich jetzt nicht mehr aufpassen, ob du noch im Zimmer bist. Zum Glück kommst du nicht zur Wohnungstür raus." Keine Ahnung, was sie damit meinte. Ich beobachtete, wie sie sich aus dem Stoff auswickelte, Menschen haben kein Fell. Drum brauchen sie so viel Stoff um ihre Haut. Sie können sich auch nicht selbst putzen. Mein Frauchen steigt am Morgen immer in eine weiße Kiste, dann zieht sie eine durchsichtige Wand darum und spritzt sich mit Wasser voll. Danach wickelt sie sich wieder in Stoff. Der Stoff sieht immer anders aus. Aber ihr Fell am Kopf bleibt immer gleich. Sie hat ziemlich langes Fell, überall liegen ihre Haare herum. Ab und zu schimpft sie aber über meine vielen Haare, obwohl die wesentlich kürzer und feiner sind als ihre. Menschen waschen sich auch nur zweimal am Tag. Und nur am Morgen macht sie eine gründliche Katzenwäsche. Abends spritzt sie nur Wasser in ihr Gesicht. Ich gehöre zu den Katzen, die sich am Tag sehr oft putzen. Ich möchte mein Fell immer schön sauber haben.

Manchmal höre ich die 3 Töne, die man Klingel nennt, und dann kommt ein Mensch, der muss schon etwas älter sein, der macht ganz viele Tücher nass und fährt damit überall herum. Ich setze mich dann lieber oben auf den Schrank und beobachte ihn genau, dass er auch nichts vergisst. „Spring' mir bloß nicht auf den Rücken!" Er scheint etwas Angst vor mir zu haben. Dann fährt er noch mit einem sehr lauten Kasten durch die Gegend, und da bleibe ich sowieso lieber in Sicherheit. Danach drückt mein Frauchen ihm ein buntes Blatt in die Hand, er nimmt es, nickt mit dem Kopf, das machen Menschen wohl, wenn sie sich bedanken, und dann verlässt er wieder unsere Höhle.

Oft kommt auch jemand, der Frauchen mitnimmt. Mein Frauchen hat einen langen weißen Stock, als ich mal aus dem Fenster geschaut habe, habe ich gesehen, dass sie ihn hin- und her schwenkt, und dass der Stock immer ans Haus schlägt. Sonst sehe ich niemanden mit diesem Ding. Mein Frauchen ist sowieso etwas eigenartig. Sie wickelt sich dann noch in einen dickeren Stoff, nimmt einen Sack und hängt ihn über ihren Rücken. Den anderen Sack aus Leder hat sie sowieso immer dabei. Der hängt an ihrer Seite. Dann ist sie eine Weile weg und kommt dann entweder alleine oder mit der anderen Person wieder. Dann rennen die beiden durch die Wohnung und stellen alles Mögliche überall hin. Mein Frauchen frisst ziemlich viele Äpfel, sie frisst aber auch anderes Obst und Gemüse und viele Dinge in diesem raschelnden Papier. Das steckt sie alles in diesen Kühlschrank. Sie macht ihn auf, wann immer sie will. Sie hat aber recht feste Zeiten, an denen sie frisst. Ich muss mich auch an feste Zeiten halten, dazwischen gibt es nichts. „Du sollst ja nicht zu dick werden." Ich weiß gar nicht, was das überhaupt sein soll. Manchmal lässt sie versehentlich etwas von ihrem Futter liegen. Dann gehe ich hin und lecke dran. Dann kommt sie angerannt und macht ein riesiges Geschrei. Aber anstatt sie es dann schnell selbst frisst, öffnet sie eine der Holzkisten Namensschrank und wirft ihr Futter in einen stinkenden Eimer. Also das verstehe ich nun wirklich nicht, wenn ich nur ein ganz kleines bisschen an ihrem Futter knappere oder einfach nur mal daran lecke, macht sie ein riesiges Theater. Aber danach wirft sie das ganze Futter in den Eimer. Die spinnt wirklich. Dabei hätte ich es sowieso nicht ganz aufgefressen. Ich wollte nur mal probieren, wie es schmeckt. Das meiste von dem Zeug mag ich hinterher sowieso nicht und würde es kein zweites Mal anrühren. Jetzt passt sie meistens auf, dass ich nicht an ihrem Futter knabbern oder lecken kann, und ihre Boxen und schränke sind so fest zu, dass ich überhaupt nicht mehr drankäme. Manchmal frisst sie auch Gras. Das schneidet sie ganz klein und legt es auf ihr Futter. Sie hat mir auch mal was davon in den Fressnapf gestreut, aber es schmeckt scheußlich. Meine Mama hat mir früher immer gesagt, „wenn du Bauchweh hast, frisst Gras." Aber das hat sie bestimmt nicht gemeint. Es schmeckt ziemlich streng. Mein Frauchen lässt mich manchmal an einer Paste lecken, damit die Haare, die ich beim Putzen verschluckt habe, wieder raus können.

Manchmal kommt auch jemand, der in ihrer Höhle etwas verändert. Dann wird es ziemlich laut. Zuerst einmal reden die beiden Menschen, meistens sie und ein Männchen, dann Fuchtel sie mit den Vorderpfoten, er nimmt ein Stück Holz, dann holen Sie eine große Kiste mit verschiedenen interessanten Dingen. Von oben habe ich den vollen Durchblick und sehe mir genau an, was da drin ist. Es sind spitze, runde, lange und kurze Gegenstände. Dann rennen sie durch die Wohnung, und das Männchen schlägt gegen die Wand, oder es hält etwas in seiner Pfote, das brummt ganz laut, und dann geht irgendetwas ab, oder irgendetwas Neues wächst aus der Wand. Dann freut sich mein Frauchen. Sie hat manchmal täglich so jemanden dar. Ich habe sogar den Eindruck, wenn so jemand nicht kommt, ist sie sehr traurig. Dann sitzt sie manchmal am Tisch und jammert. „Nichts geht voran, alles dauert zu lang." Ich glaube, sie ist ganz schön allein und will daher immer jemanden um sich haben, der irgendwas in ihrer Höhle verändert, damit jemand kommt. Sie freut sich immer so, wenn dann die 3 Töne ihrer Klingel erklingen.

Manchmal höre ich auch die Klingel, und dann steht jemand vor der Tür und stellt etwas im Flur ab, das sehr fremd riecht. Dann kommt wieder so ein Ton, dass nennt man Klingeln, dann kommt wieder jemand anderer und nimmt die eckige Kiste mit. Was drin ist, weiß ich nicht. Aber die Menschen scheinen sich sehr darüber zu freuen. Mein Frauchen freut sich auch, wenn die anderen Menschen diese Kisten bei ihr abholen, denn sie stößt dauernd gegen die Kisten aus diesem harten Papier und schimpft dann fürchterlich.

Neulich kam mal wieder die Frau, die mich zum Tierarzt abgeholt hatte. Aber dieses Mal war sie nicht allein. Ich sah einen kleinen Hund. Der kommt mir hier nicht in die Höhle. Das ist unser Revier. Wie ein Panther schoss ich vom Schrank durch den Flur zur Wohnungstür. So nennt man die Luke, an der das Revier von Frauchen anfängt. Der Hund jaulte und rannte weg. "Bobby, Bobby, bleib hier!" Die Frau hatte offenbar Angst um ihren Hund. Ich jagte hinter dem Hund her. Dieses Mal kam ich sogar alleine hinaus. Mein Frauchen hatte keine Zeit mehr, ihr Revier abzusichern. Jetzt hatte ich freie Bahn. "Ansgar, Ansgar, bleibst Du hier!" Ich stand außerhalb unseres Reviers und schaute mich um. Der Hund war schon längst auf der Straße, und die Frau versuchte, ihn aufzuhalten. Die waren wir zum Glück los. Frauchen stand in der Wohnung, also ihrem Revier, sie schien sehr verzweifelt. Irgendwie flitzte sie an mir vorbei, baute sich vor mir auf und fuchtelte wild mit ihren Vorderpfoten. Ich ließ mich aber nicht sonderlich beeindrucken, denn ich war viel zu neugierig, was es da draußen alles gab. Ich lief ein paar Meter hin und her und schaute mich gemächlich um. Aber das Frauchen wollte mich wohl nicht einfach so gehen lassen. Dann kam die Frau wieder zurück, ohne Hund. Die Tür zur Straße ging zu. Beide Frauen rannten wie wild vor der Wohnung herum, sodass es mir irgendwann zu bunt wurde, und ich rannte hinein und sprang wieder auf den Schrank in der Küche. "Bobby kann ich wohl nicht mehr mitbringen. Wie schade. Der Kater duldet wohl keine anderen Tiere in seinem Revier." Die beiden Frauen gingen und machten die Wohnungstür zu. Mein Frauchen rief noch: "Wir gehen jetzt, auf Wiedersehen mein Wachkater."

Abends ist es etwas ruhiger bei uns. Zuerst springt mein Frauchen in der Küche herum, denn ihr Futter frisst sie nicht einfach so, nein, es muss zusammen gemischt werden, und dann wirft sie es in eine Schüssel und stellt diese dann entweder in eine Kiste, die laut brummt, oder sie stellt eine flache Schüssel auf eine andere Kiste, die oben fürchterlich heiß wird. Ich bin einmal zu nah an dieses glänzende Viereck aus Glas gekommen, und ich hätte mir beinahe die Pfote verbrannt. "Das ist heiß, Ansgar, geh da weg. Du musst doch jetzt nicht ausgerechnet da herumlaufen, wo Frauchen kocht. Du hast doch schon gefressen." Was weiß die denn schon, ich hatte ja gar keinen Hunger, ich wollte ja nur mal schauen, was sie da macht. Ich sprang also auf den Schrank über mir und schaute von oben hinunter. Sie machte ihr Futter klein, dann warf sie es in das runde Ding, es spritzte fürchterlich, es war heiß, es roch komisch, aber ihr schien es zu schmecken. Währenddessen plärrten die 2 schwarzen viereckigen Kisten auf dem Schrank, sodass ich mich doch lieber in ein ruhigeres Zimmer zurückzog. Aus den Kisten kam lautes Geschrei, es hörte sich an wie eine tiefe Stimme von einem Menschen-Männchen. Wie das da reingekommen war, war mir schleierhaft. Aber Frauchen schien genau zuzuhören. Ab und zu murmelte sie irgendwelche Dinge vor sich hin. Nach einer Weile wirft sie dann alles in ihren Napf, aber sie beugt sich nicht mit dem Kopf herunter, sondern sie nimmt 2 glänzende Dinger und steckt ihr Futter in den Mund. Dauernd fällt etwas in ihren Napf zurück, dann schimpft sie fürchterlich. "Mann, ich hab' Hunger!" Manchmal fällt auch etwas auf den Boden, und sobald es nicht mehr ganz so heiß ist, schnappe ich es mir. Es schmeckt aber nicht immer sehr gut. Manchmal spucke ich es daher auch einfach wieder aus. Mein Frauchen läuft dann einfach drüber. Wenn sie es findet, hebt sie es auf, aber manchmal kommt erst wieder dieser Mann, der mit dem feuchten Tuch durch die Höhle fährt. Nachdem dann mein Frauchen ihr Futter mühsam in den Mund gesteckt hat, springt sie noch etwas in der Küche herum, reist überall die Fenster auf, und dann steckt sie ihren Napf und das glänzende Zeug wiederum in eine Kiste. Danach rennt sie wieder durch die Wohnung, macht alle Fenster zu, und dann wird es gemütlich. Dann sind überall die Lichter aus, nur in dem Zimmer mit den weichen großen Kissen brennt eine kleine Lampe. Dann macht sie die große eckige Kiste an, auf der man auch irgendwelche Dinge hin und her laufen sieht. Die scheinen sie sehr zu interessieren. Nach und nach habe ich mich getraut, mich auf die weichen Kissen zu setzen, auch wenn sie da war. Dennoch bin ich ab und zu erschrocken, wenn sie auf einmal los schrie, weil sie lachen musste, oder weil irgendetwas Schreckliches oder Ungewöhnliches in der Kiste zu sehen oder zu hören war. Aber sie sitzt dann immer ganz gemütlich mit den Füßen auf den weichen Kissen, sie bewegt sich dann nur noch wenig. Manchmal geht sie dann noch mal in die Küche und macht Äpfel klein oder anderes Obst. Und dann geht noch mal der Kühlschrank auf, da holt sie dann noch einen kleinen Brocken raus, wahrscheinlich auch ein Leckerli. Es riecht aber nicht nach Fisch. Nachdem sie dann genug in die eckige Kiste geschaut hat, geht sie noch mal in das Zimmer mit den Toiletten namens Bad, und dann wird es noch mal laut. Denn während ich in mein Katzenklo gehe, fährt sie mit einem brummenden langen Stil in ihrem Mund herum. Dann spritzt sie noch etwas mit Wasser, macht die Tür hinter sich zu, geht in ihr Körbchen, die Lichter gehen aus, und ich bin wieder mir selbst überlassen.

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Das Drama

Nun war ich schon eine Weile bei meinem Frauchen. Ich ließ sie auch manchmal etwas näher herankommen. Sie hatte eine neue Marotte. Sie stand mitten im Zimmer, stellte sich gerade hin und sprach mit lauter und deutlicher Stimme, so wie ich jetzt zu euch vom Baum herunter spreche, als hätte sie 1000 Zuhörer. Es hörte sich eigentlich immer gleich an. Manchmal sagte sie das mehrfach hintereinander. Manchmal sprach sie das vor sich hin, wenn sie etwas anderes tat. Es war ziemlich viel, aber sie tat dies immer und immer wieder. Neulich kam noch eine andere Frau, dann rannten die beiden umeinander herum, mein Frauchen sagte immer das gleiche, und die andere sagte auch etwas, und das klang auch jedes Mal gleich. Dann fingen sie wieder von vorne an. Dies wiederholte sich mehrfach. Ich merkte auch, dass mein Frauchen von Tag zu Tag nervöser wurde. Sie ging gegen Mittag aus dem Haus und kam erst nach 5 Stunden wieder. Sie war dann jedes Mal ganz aufgeregt. Ich glaube, das, was sie da machte, nennt man Theater. Die Frau, die öfter mal zu ihr kam, mit der sie immer dieselben Laute wiederholte, ging mit ihr aus dem Haus und kam abends mit ihr wieder.

In der Zwischenzeit merkte ich, dass mein Kopf immer mehr wie tat. Manchmal wollte ich auf den Schrank springen, verlor aber fast das Gleichgewicht. Ich musste mehrfach versuchen, hoch zu springen. Mein Frauchen merkte das gar nicht. Sie war viel zu sehr damit beschäftigt, immer wieder diese laute zu wiederholen. Vor lauter Aufregung und Nervosität hat sie gar nicht mitbekommen, dass ich Schmerzen hatte. Menschen sind nicht so sensibel wie wir. Irgendwann saß ich dann oben auf dem Schrank, dann drehte sich alles, mir wurde schwarz vor Augen, mehr weiß ich nicht mehr. Als ich aufwachte, stand mein Frauchen über mir und war total aufgeregt. Ich konnte mich zunächst nicht bewegen, aber irgendwann fand ich alle meine 4 Pfoten wieder. Dann stand ich auf und ging meiner Wege. Mein Frauchen hatte offenbar diesen Vorfall bald wieder vergessen. Ich habe das auch nicht sonderlich beachtet. Sie gab mir ganz normal mein Futter, und die Tage gingen so weiter wie immer. Irgendwann hörte dann auch das mit dem Theater bei meinem Frauchen wieder auf. Sie kam an einem Abend wieder, war total aufgedreht, sie redete noch eine Weile mit der Frau, die auch ziemlich aufgedreht war, aber die ging dann auch irgendwann wieder. Frauchen schaute nur auffällig oft in das kleine eckige flache Ding, dass sie öfter mal vor der Nase herum trägt, und dass alle möglichen seltsamen Laute von sich gibt. Ich konnte ihre Stimme aus diesem Ding ganz deutlich hören, obwohl sie doch eigentlich ganz normal im Zimmer saß. Die Laute hörten sich genauso an wie das, was sie schon die ganze Zeit immer vor sich hingesprochen hatte. Sie schien sich sehr darüber zu freuen. Sie tippte mit den Fingern auf der Scheibe dieses Dinges herum, und man hörte immer wieder und wieder die gleichen Laute. Auch die andere Frau war ab und zu einmal zu hören. Es war ein ziemliches Durcheinander für mich. Vielleicht hatte ich deswegen diese seltsamen Kopfschmerzen. Und vielleicht drehte sich auch deshalb alles um mich herum, bei dem Krach, den sie mit all ihren eckigen Kisten machte.

Aber es kam noch so ein Ereignis, und wieder lag ich am Boden, mein Frauchen schrie aufgeregt in mein Ohr, sodass ich am liebsten gleich wieder eingeschlafen wäre. Das passierte noch mehrfach, und ich bin ein paarmal vom Schrank gefallen. Hinterher tat das jedes Mal fürchterlich weh.

Das Wort Tierarzt war wieder zu hören. Die große Transportkiste stand auf einmal wieder da. Die Frau, die einmal mit diesem Hund da war, stand auch wieder neben mir. Frauchen packte mich wieder um meine Mitte, aber dieses Mal war es mir ziemlich egal. „Wir wollen dir nur helfen." Was immer das bedeutete, aber schlimmer konnte es sowieso nicht mehr werden. Wieder schwebte der Korb durch die Gegend, wieder knallte er auf die glänzende Platte, Widerstand da die Frau in Blau. Wieder drehte sie mich in alle Richtungen, Po nach oben, Rücken nach unten, Maul auf, wieder das grelle Licht in den Augen. „Seine Pupillen sind unterschiedlich groß, die Adern in seiner Netzhaut am linken Auge treten hervor. Ich glaube, er hat einen Tumor." Sie drückte mir auf den Kopf. AUA. „Er muss starke Kopfschmerzen haben." Sie kraulte mich wieder durch. Dieses Mal hat es aber nicht im Nacken gepiekt. „Er muss operiert werden. Das kann ich aber nicht. Ich muss sie zu einer Spezialistin überweisen. Die forscht an der Uniklinik im Fachbereich Tiermedizin. Sie ist eine Koryphäe auf ihrem Gebiet." Ich verstand nur ein einziges Wort, Tumor. Das musste das Ding im Kopf sein, das so wehgetan hat, als die Frau in Blau mir auf den Kopf gedrückt hat. Wieder ging es zurück in die Katzenkiste, wieder schwebte der Korb zurück nach Hause. Wieder öffnete sich der Deckel, und wieder raschelte die Tüte mit dem Futter. Dieses Mal war mein Frauchen sehr traurig. Sie streichelte mich ganz vorsichtig. Dabei schüttelte sie sich und gab diese langen hohen Töne von sich. Das war das, was die Menschen weinen nennen. „Ich hab' dich doch so lieb." Das hörte sich gut an.

Ein paar Mal wurde es hell und wieder dunkel und wieder hell, und dann ging alles von vorne los, Katzenkorb, Frau, Korb schwebt, harte Platte, und Frau in Blau. Dieses Mal roch es noch anders als bei den anderen Tierärzten. Wieder wurde ich aus dem Korb gezogen und hielt mich mit aller Macht darin fest. Die Frau in Blau nahm mich in ihre beiden Hände, ich wandte mich, so gut es ging. "Er lässt sich wohl nicht gerne anfassen. Normalerweise ist diese Rasse sehr menschenbezogen. Vom Tumor kann das nicht kommen. Hatte er irgendwann mal ein Trauma?" War das auch so etwas wie ein Tumor? Mein Frauchen erklärte ihr wohl einige Dinge. Ich wurde wieder in alle Himmelsrichtungen gedreht. Wieder kam das Licht in meine Augen, wieder wurde ich vorsichtig gekrault. Dann kam wieder der Peaks im Nacken, mehr weiß ich nicht. Als ich aufwachte, schaute mich die Frau in Blau an, und mein Frauchen stand daneben. Hinter den beiden leuchtete ein grelles großes Viereck mit blauen Kreisen. „Der Tumor ist gut zu operieren. Ob er noch wächst, spielt keine Rolle, denn wenn die Katze dauernd runterfällt, bricht sie sich irgendwann das Genick, wenn sie beim Fallen nicht bei Bewusstsein ist. Wir müssen also dringend etwas tun." Frauchen streichelte mich ganz vorsichtig. „Das Ganze ist sehr teuer, aber wenn sie unterschreiben, dass ich ihn in meinem Buch erwähnen darf, verlange ich nur 500 € für die Operation." Frauchen schien über irgendetwas begeistert zu sein. Die beiden Sprachen noch eine Weile miteinander. Was hatte sie wohl vor mit mir? Wollte diese Frau in Blau mich etwa haben? Es ging zurück in die Kiste, die schwebte wieder nach Hause, und mein Frauchen gab mir ein paar Brocken mit Fischgeschmack. Dann passierte erst mal ein paar Tage nicht viel. Frauchen schien aber sehr traurig zu sein. Sie schaute dauernd auf mich, und sie schien mich irgendwie zu überwachen. „Nein, Ansgar, du darfst nicht hochspringen." Das war mir aber egal. Frauchen stand unten, schaute hinauf und schimpfte. Ich blieb daher erst recht mal lieber oben.

Ein paar Tage später bekam ich kein Futter. Ich war total irritiert. Ich hatte Angst. Ich saß in dem Raum auf dem Holzbrett über dem Kühlschrank, wo ich normalerweise nicht hindarf. Frauchen kam ganz vorsichtig und streichelte mich ganz sanft, fast wie meine Züchterin. Es war wie damals, als meine Züchterin mich an diesen seltsamen Mann weggab. „Ich habe dich sehr lieb. Du wirst jetzt operiert. Frauchen holt dich nachher wieder. Du bist in guten Händen, das ist eine Koryphäe. Du wirst es schaffen." Und so redete sie noch eine Weile mit sanfter leiser und eindringlicher Stimme auf mich ein. Ich ließ sie mich anfassen, da sie im Gegensatz zu sonst sehr vorsichtig war.

Der Katzenkorb kam, die Frau mit dem rollenden Ding, welches man Auto nennt, kam, der Katzenkorb schwebte zur Frau in Blau. Ich dachte an den Tag zurück, als meine Züchterin mich und meine Geschwister wieder einmal sanft streichelte, und als plötzlich die 3 Töne ihrer Klingel an der Tür zu hören waren. Herein kam ein großer, kräftiger und grob wirkender Mensch. Er rannte direkt auf mich zu und sprach mit lauter und tiefer Stimme. Er schaute mich und auch meine beiden anderen Geschwister an, die noch da waren. „Ich will den da." Die Züchterin sprach noch eine Weile mit ihm, und ich merkte, dass sie ihn nicht mochte. Ihr Gesicht verzog sich, ihre Augen wurden schmal, ihre Stimme wurde etwas steifer. Der Mann roch ziemlich säuerlich. Besonders wenn er ausatmete, kam ein scharfer Geruch heraus. Er sprach ziemlich energisch und bestimmend mit der Züchterin. Dann holte er so ein flaches eckiges Ding heraus und sprach hinein. Eine andere Stimme kam aus dem Ding heraus, die ich schon mal gehört hatte. Die Züchterin schien sich etwas zu entspannen. Noch immer etwas vorsichtig hob sie mich hoch. Sie nahm mich in ihren Arm und drückte mich fest. Dort blieb ich für einige Minuten. Dann setzte sie mich in einen Katzenkorb, den der Mann wohl mitgebracht hatte. Er roch so, als sei noch nie eine andere Katze darin gewesen. Die Kissen rochen auch nicht nach Katze. Der Mann legte einige bunte Blätter auf den Tisch, die Züchterin wedelte auch mit großen Blättern, rief ihm noch etwas hinterher, aber er rannte schon mit mir hinaus. Er warf den Katzenkorb auf ein weiches Kissen, es gab einen lauten Knall, auf einmal saß er neben mir, es gab noch einen lauten Knall, und dann brummte es, und der Katzenkorb wackelte. Dann hörte das Rumpeln auf, der Katzenkorb wurde gepackt, irgendwann knallte der Korb dann auf den Boden. Der Deckel wurde gehoben, und der Mann packte mich grob am Genick, wie es meine Mama immer gemacht hatte. Allerdings hat es bei ihr niemals weh. Und sie tat es auch nicht mehr, nachdem ich schwerer geworden war und selbst richtig laufen konnte. Der Mann knallte etwas vor mir auf den Boden, was nach Futter roch. Ich hatte aber solche Angst, dass ich das Futter nicht anrühren mochte. „Jetzt friss schon!" Er packte mich und tauchte mich einfach in den Futternapf. Dann knurrte er irgendetwas und stapfte davon. Eine Weile später kam dann eine Frau, die schrie mit schriller Stimme. „Ach, wie süß, das ist dein neuer Kater?" Sie roch extrem süßlich und unangenehm. Ich hatte mich in eine Ecke verkrochen, doch sie packte mich und hob mich hoch. Dann setzte sie sich mit mir hin und klemmte mich zwischen ihre Beine. Sie fasste mich überall an und zog mir an den Ohren, am Schwanz, und sogar an meinen Schnurhaaren, und dabei stieß sie immer wieder schrille Laute aus. Irgendwann kratzte ich sie und rannte in eine Ecke. „Du blödes Vieh, hör auf, meine Freundin zu kratzen." Er rannte hinter mir her, aber ich verkroch mich in einer anderen Ecke, so ging das eine Weile. Die Luft roch immer schärfer, sie wurde immer trüber, ich bekam kaum noch Luft. Die beiden tranken irgendwelches Zeug, was ebenfalls ziemlich scharf roch. Danach wurden sie extrem laut, irgendwann packte der Mann die Frau, die machte sich los, schlug ihm ihre Pfote ins Gesicht und rannte schreiend hinaus. „Du Scheißkerl! Nie wieder siehst Du mich, nie wieder, nie wieder..." Was das bedeutete, verstand ich nicht, aber ich verstand sie, dass sie bei diesem Kerl nicht bleiben wollte. Der trank noch mehr von diesem Zeug, bis er irgendwann reglos auf den weichen Kissen lag. Das gab mir genügend Zeit, das Revier zu erkunden. Es war ein riesengroßes Revier. Es gab viele verschiedene Kästen, Löcher, darin waren viele Gegenstände. Überall war dieses weiche Gras aus Stoff, und die Fenster waren riesengroß.

Am nächsten Morgen kam der Mann dann noch übler gelaunt herein, knallte mir mein Futter hin, ging aus seinem Revier und haute die Luke davor zu. Vorher schrie er noch: „Das du mir hier ja nichts kaputt machst, du dämliches Vieh!" Abends kam er dann sehr spät zurück, den ganzen Tag über habe ich gehungert. Dieses Mal war wieder eine andere Frau dabei. Die roch noch schlimmer. Die Luft wurde immer schlechter. Ich hätte beinahe husten müssen. Sie tranken wieder dieses scharfe Zeug, dieses Mal lagen sie dann beide auf dem großen weichen Kissen. Ich hörte irgendwelche seltsamen Töne, ich glaube, dass passiert, wenn Menschen sich paaren. Mich hatte er ganz vergessen. Ich hatte solchen Hunger und solchen Durst, dass ich irgendwann ein klägliches Miau von mir gab, sodass er dann aufstand und brüllte: „mitten in der Nacht machst du hier solchen Radau." Er knallte mir etwas Futter hin, und ich stellte mich noch an den leeren Napf, in den eigentlich das Wasser hineinsollte. „Was denn noch?!" ich sprang zu der glänzenden Quelle, aus der das Wasser herauskommt. „Runter da!" Ich leckte an dem glänzenden Ding, bis er dann merkte, dass er den Napf mit Wasser füllen musste. Am Morgen ging diese Frau dann weg, die habe ich auch nie wieder gesehen. Er knallte mir wieder etwas Futter hin, war wieder übel gelaunt, dann knallte er die Luke zu, und ich war wieder den ganzen Tag allein. So ging das ab jetzt immer. Ich hatte Angst vor diesem Kerl. Ich traute mich auch nicht mehr, irgendetwas zu beschnuppern oder damit zu spielen. Es gab für mich überhaupt kein Spielzeug. Das Revier war sehr groß, daher konnte ich mich in viele Ecken zurückziehen. Ich hatte auch das Gefühl, dass er froh war, wenn er nichts von mir mitbekam. Manchmal vergaß er einfach, mir Futter und Wasser hin zu stellen. Einmal in der Woche kam eine ältere Frau, die fuhr mit einem feuchten Stoff durch sein Revier, und zum Glück lehrte sie auch die Katzentoilette. Die blieb dann für den Rest der Zeit, bis sie wieder kam, voll mit meinen Klumpen. Es roch so furchtbar, dass ich ab und zu nicht in diese Toilette wollte und dann eben vor die Toilette machte. „Du dreckiges Vieh, bist du zu blöd, aufs Katzenklo zu gehen?" Er packte mich und schleuderte mich grob in die Kiste mit dem ganzen Dreck. Ich verkroch mich irgendwo und ließ mich den Rest des Tages nicht mehr blicken. Die ältere Frau, die die Katzentoilette sauber machte, murmelte die ganze Zeit vor sich hin. „Künstler, Künstler eben, Geld und Nix dahinter. Aber eine Katze haben wollen. Künstler eben." Ich versteckte mich aber, sodass sie mich überhaupt nicht zu Gesicht bekam. Ich dachte, vielleicht packt sie mich sonst auch und schleudert mich in die Katzentoilette. Oder sie wischt mit ihrem feuchten Stoff auch über mich drüber. So ging das weiter, das war nun mein Leben.

Die Frau in Blau kraulte mich, es kam der Peaks, mehr weiß ich nicht mehr. Als ich wieder aufwachte, lag ich auf etwas Weichem. Ich hörte viele Stimmen. Eine andere Frau in Blau streichelte mich vorsichtig und rief meinen Namen. Um meinen Kopf schien irgendetwas herum gewickelt zu sein. Über mir ging wieder ein Deckel zu. Offenbar war ich in meinem Katzenkorb. Der wurde angehoben und schwebte ein Stück, bis ich die Stimme meines Frauchens hörte. Der Katzenkorb wackelte, und auf einmal stand er still. „Vorsicht, er muss jetzt ganz ruhig liegen bleiben." Behutsam schwebte der Katzenkorb nach Hause.

Für den Rest des Tages muss ich wohl geschlafen haben. Als ich aufwachte, roch es nach dem Revier von meinem Frauchen. Ich hörte ihre Stimme. „Da sind wir wieder, du bist ja wieder wach. In 2 Stunden darfst du was fressen." Vorsichtig strich sie mir über das Fell. Ich hatte einen Mordshunger. Ich wollte schon aus der Kiste heraus. „Nein, Ansgar, du darfst noch nicht raus, du musst noch eine Weile ruhig liegen." Sie machte einfach den Deckel über mir zu. Ich war aber zu schwach, um mich zur Wehr zu setzen. Mein Kopf tat entsetzlich weh, und alles drehte sich noch ein bisschen.

Nach einer Weile schwebte der Katzenkorb in die Küche, wo mein Futter war. „So, jetzt darfst du fressen. Ich habe etwas ganz Besonderes für dich." Ich hörte das typische Geräusch, wenn das glänzende runde Ding aufgemacht wurde. Und der Geruch aus diesem Ding Namensdose kam mir bekannt vor, ich hatte ihn aber schon lange nicht mehr gerochen. Der Geruch kam näher, und mein Frauchen stellte meinen Napf direkt in meinen Katzenkorb hinein. „Rate mal, was du heute kriegst. Zur Feier des Tages gibt es, na? Fisch! Ich bin so froh, dass du alles überstanden hast. Aber friss langsam." Was immer sie da erzählte, der Geruch von Fisch stieg mir jetzt ganz durchdringend in die Nase. Ich hob den Kopf und fing an zu fressen. Es war etwas weniger als sonst, aber mehr hätte ich jetzt auch nicht geschafft. Ich schlief noch eine Weile, und als ich wieder aufwachte, hatte ich schon fast keine Kopfschmerzen mehr. Und der Korb schien sich auch nicht mehr zu drehen. Ich stand vorsichtig auf und war noch etwas wackelig auf meinen 4 Pfoten. Ich versuchte, mich in dem Katzenkorb etwas zu strecken. Vorsichtig hob ich ein Bein hinaus, dann das andere, und dann alle vier. Ich lief durch die Wohnung und beschnupperte alles. Alles roch wie zuvor. Mein Frauchen saß auf ihren großen weichen Kissen und beobachtete mich. Sie sah sehr glücklich aus. Sie gab lauter freudige Töne von sich. Ich war so froh, wieder in unserem Revier zu sein. Jetzt war alles wieder völlig entspannt. Ich machte ein paar Sprünge, dann kuschelte ich mich in einer Ecke der großen weichen Kissen zusammen. Ich war in Sicherheit.

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Die Stille

So langsam ließen meine Kopfschmerzen nach, und ich fiel auch nicht mehr vom Schrank. Ich musste noch ein paar Mal mit dem Katzenkorb zu der Frau in Blau. Sie war sehr zufrieden mit mir, kraulte mich, aber es gab keinen Peaks mehr. Mein Frauchen gab ihr ein paar bunte Blätter. Das freute die Frau in Blau sehr. Danach musste ich nicht mehr so häufig zum Tierarzt.

Der Sommer war sehr ruhig. So langsam gewöhnte ich mich an mein Frauchen, ich ließ sie auch immer näher an mich heran. Manchmal legte ich mich ziemlich nah bei ihr auf die großen weichen Kissen. Sie versuchte manchmal, mich auf ihren Schoß zu nehmen, aber das wollte ich nicht, dann machte ich mich schnell los und sprang auf den Schrank. Sie schaute dann zwar immer etwas traurig, aber nach einer Weile beschäftigte sie sich wieder mit ihren eckigen Kisten.

Eines Tages war offenbar mein Frauchen krank. Sie gab mir zwar mein Futter, aber sie legte sich immer wieder in ihr Körbchen zurück. Sie war ziemlich weiß im Gesicht. Sie war auch nicht so laut wie sonst. Sie fraß auch ziemlich wenig. Einmal wickelte sie den ganzen Stoff um sich, und nach ein paar Stunden kam sie wieder nach Hause. Sie sprach in ihre kleine eckige Kiste, und dann schnappte sie sich den großen schwarzen Beutel und stopfte ein paar Stoffe hinein. Hektisch warf sie noch einige andere Sachen aus dem Badezimmer in den Beutel. Dann plapperte sie wieder in ihre kleine schwarze Kiste. Dann nahm sie ihren weißen Stock, schnappte sich den großen Sack namens Reisetasche, und dann schrie sie noch: „Wiedersehen, mein Kater, Robbie schaut nach dir." Ich sah aus dem Fenster, und mein Frauchen warf den Sack in eines dieser großen rollenden und brummenden Autos, mit denen ich sonst immer zum Tierarzt fahre. Dann hüpfte sie selber hinein, und sie war weg.

Es war still, nichts passierte. Ich wusste nicht, was los war. Nach einer Weile bekam ich Hunger und Durst. Es wurde dunkler. Ich dachte an die große Stille damals, nachdem das Schreckliche bei meinem früheren Herrchen passiert war.

Er war da, aber er war auch wiederum nicht da. Ich gab ein paar klägliche Töne von mir, aber er schien mich nicht zu hören. Es blieb still. Er schrie auch nicht, er schimpfte nicht, ab und zu kamen Töne aus seinen vielen kleinen Kisten in den verschiedenen Räumen. Sonst sprang er immer wie verrückt zu einer dieser Dinger und brüllte hinein. Aber dieses Mal tat er gar nichts. Ich hatte immer größeren Hunger und immer größeren Durst. Es wurde dunkel, hell, dunkel, hell, aber nichts passierte. Irgendwann wurde die Luft irgendwie schlecht. Auch mein Katzenklo wurde immer voller. Aber das war ich ja gewohnt. Ich lief durch die Wohnung, aber außer ihm war ja niemand da.

Irgendwann hörte ich dann die 3 Töne seiner Klingel an dem Brett vor seinem Revier. Irgendjemand schien dagegen zu klopfen. Die Klingel ertönte mehrmals schnell hintereinander, und ich hörte eine männliche Menschenstimme rufen. "Bruno, Bruno, mach auf, hörst du denn nicht, jetzt mach auf, jetzt lass die Scheiße, Bruno!" Ich miaute, aber der Mensch davor brüllte selbst so laut, dass er mich nicht hörte. Nach einer Weile hörte das Rufen und Klopfen auf. Wieder war es still.

Mehrere Male wurde es noch hell und dunkel, mehrere Male hörte man noch die vielen kleinen Kisten in allen Räumen, die alle andere Töne von sich gaben. Mein Herrchen blieb still. Mein Hunger und mein Durst wurden unerträglich. Irgendwann knackte es dann ganz laut an dem Brett vor dem Revier, und ein ganzes Rudel von Menschen-Männchen in grüner Kleidung kam hereingestürmt. Sie riefen alle durcheinander, dann suchten sie mein Herrchen und fanden ihn. Er musste sie wohl ziemlich erschreckt haben, obwohl man ihn gar nicht hörte. Sie wirkten sehr aufgeregt.

Mich hatten sie nicht gehört. Bei dem Lärm fiel gar nicht auf, dass ich auch noch da war. Einer der Männer rannte durch die Wohnung, und ich hatte solche Angst, dass ich mich verkrochen hatte. Sie trugen mein Herrchen hinaus, befestigten wieder das Brett vor dem Revier und gingen.

Die Wohnungstür klapperte, jemand kam herein. Es war aber nicht das Frauchen. Es war ein Mann, er hatte eine große dicke schwarze Haut um sich gewickelt, die roch etwas scharf. Er hatte ein Büschel Haare im Gesicht. Ich wollte mich gerade schon verkriechen und hatte Angst. „Hallo, Ansgar, na, wo bist du denn? Jetzt gibt es Futter. Na, komm schon her. Ich tue dir nichts." Ich hatte zwar immer noch Angst, aber die Stimme klang sehr gutmütig. Ich wollte aber lieber doch warten, bis der Typ weg war, bevor ich dann zu meinem Napf gehen wollte. „Na, willst du nichts fressen? Du musst doch Hunger haben. Hier ist auch frisches Wasser. Na dann lass ich dich doch mal lieber allein. Morgen komme ich wieder." Als er weg war, ging ich zu meinem Futter und Fraß und trank. Mehr schien heute nicht mehr zu passieren.

Am nächsten Morgen ging wieder die Türe auf, der Mann mit der dicken schwarzen Haut um sich herum und dem rauchigen Geruch kam wieder herein, stellte Futter und Wasser hin, sah zu mir hoch auf den Schrank und sprach mit mir. Dann ging er wieder. Ich rannte wieder zu meinem Futter. Das ging einige Male so, bis ich mich dann sogar getraute, zu fressen, während er noch da war. „Ich fresse dir schon nichts weg." Er versuchte, mich zu streicheln, aber ich machte einen Buckel. Dieses Signal kannte er offenbar, denn er zog seine Hand zurück. „Du bist ja ziemlich scheu." Was immer das bedeutete, aber es schien wohl zu stimmen. Sehr zutraulich war ich wirklich nicht mehr. Ich hatte all das Vertrauen, das ich bei meiner Mama und meiner Züchterin noch hatte, mit den Jahren verloren. Es kam nur noch selten vor, dass ich dieses Gefühl von Vertrauen und Geborgenheit spürte. Wenn mein Frauchen mich ganz vorsichtig und ruhig streichelte. Dann kam es manchmal wieder zurück.

Nach ein paar Tagen und Nächten hörte ich dann draußen das vertraute Gepolter, der Stock klopfte auf den Boden, die Wohnungstür sprang auf, und mit lautem Getöse kam mein Frauchen herein. „Hallo, da bin ich wieder. Na, mein lieber Kater, wo bist du denn? Hat Robbie dich gut versorgt? Mann war das eine Scheiße im Krankenhaus. Gott sei Dank bin ich wieder daheim. Da gehe ich nie wieder hin, nie wieder!" Sie schleuderte die Reisetasche auf den Boden, warf ihre Häute aus Stoff ab, schleuderte den Stock in die Ecke und rannte ins Badezimmer. Dann riss sie alle Fenster auf, rannte zum Kühlschrank und füllte meinen Napf. Danach schepperte und quietschte es wieder aus den großen schwarzen Kisten auf dem Schrank. Frauchen drückte auf ihren eckigen Brunnen auf dem Kühlschrank. Das Ding ratterte los, und in Frauchens Trinknapf floss wieder die merkwürdig riechende braune Brühe, die sie so gern säuft. Noch nie war ich so froh, wieder diesen Radau und diesen Rabatz um mich zu haben.

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Die Vibrations

Frauchen lag noch ein paar Tage in ihrem Körbchen, dann stand sie wieder auf und ging ihren alltäglichen Tätigkeiten nach: eckige Kisten anschauen, singen, schimpfen, Krach machen, herumrennen, Leute rein- und rauslassen, weggehen und wiederkommen.

Drei Tage nachdem sie wieder nach Hause gekommen war, schepperten die kleinen Dinger, die sie überall in ihren Räumen verteilt hat, wie auch mein früheres Herrchen. Sie sprang zu einem davon hin und nahm es hoch. Mehr und mehr verfinsterte sich dabei ihr Gesicht. Sie hörte eine Weile zu, sprach mit dem Ding, aus dem eine ziemlich eindringliche Stimme kam. Dann legte sie auf. „Der Doktor spinnt doch. Was machen die so ein Theater wegen dem Virus." Aber ich bemerkte, dass ab dann immer weniger Leute zu ihr kamen.

Wenn ich aus dem Fenster schaute, sah ich immer weniger Menschen mit ihren Hunden draußen herumlaufen. Eine merkwürdige Stimmung lag in der Luft. Ich konnte das mit meinen sensiblen Antennen spüren. Die Menschen liefen auch viel angespannter. Frauchen drückte jetzt auch laufend auf ihre eckigen Kisten. Bei ihr wurde es immer stiller, aber die eckigen Kisten ertönten immer häufiger. Die Stimmen der Menschen, die man darin hörte, wurden immer angespannter. Und man hörte einen Laut immer häufiger: „Crna, Corora, Crona, Corona." So ähnlich klang es zumindest. Und wenn dieser laut ertönte, klang die Stimme immer sehr traurig und aufgeregt. Mein Frauchen verzog dann auch jedes Mal das Gesicht, und ihre senkrechten Falten zwischen den Augen wurden tiefer. Dieses Ding musste ziemlich gefährlich sein. Die Menschen trauten sich nicht mehr raus, aber die Vögel waren immer noch zu hören. Die Leute, die zu meinem Frauchen kamen, verhielten sich auch sehr merkwürdig. Sie sprachen weniger, mein Frauchen und diese Leute gingen sich etwas aus dem Weg. Auf einmal sah ich, dass die Menschen Tücher vor ihrem Gesicht hatten. Auch die, die zu meinem Frauchen kamen, hatten diese Tücher vor Mund und Nase. Auch mein Frauchen bahnt sich ein Tuch vor Mund und Nase, wenn Leute da waren, oder wenn sie aus dem Haus ging. Sie ging nur noch sehr selten raus. Offenbar lief draußen ein gefährliches Tier herum, und die Leute hatten Angst, gebissen zu werden. Oder sie wollten andere Menschen nicht beißen, drum hatten sie die Tücher vor Mund und Nase gewickelt. Ein paar Wochen war es sogar ganz still. Mein Frauchen hat es sich dann auch häufig gemütlich gemacht. Sie hatte wohl weniger zu tun, und da sie weniger rausging, und weniger Leute zu ihr kamen, hatte sie mehr Zeit. Sie war auch nicht so hektisch wie sonst. Es breitete sich eine gewisse Ruhe in ihrem Revier aus. Sie schien sich an die Situation zu gewöhnen. Ich traute mich auch immer häufiger auf die weichen Kissen neben ihr, um ihr etwas Gesellschaft zu leisten. Sie machte oft den Eindruck, als wolle sie auch gerne einmal gekrault oder gestreichelt werden. Menschen kraulen oder streicheln uns häufig, weil sie selbst gerne gekrault und gestreichelt werden möchten. „Komm, Ansgar, komm doch mal zu mir. Lass dich doch mal streicheln. Komm doch mal auf meinen Schoß. Komm doch mal ein bisschen näher her." Tut mir leid, ich bin eben nun einmal keine Schusskatze.

Früher, als ich noch bei meiner Züchterin war, ließ ich mich gerne von ihr streicheln, kraulen, auf den Arm nehmen und liebkosen. Auch meine Mama und meine Geschwister rieben die Köpfe aneinander oder leckten sich gegenseitig das Fell, und ich war mittendrin in dem Knäuel. Wir Balinesenkatzen sind eigentlich sehr verschmust und suchen normalerweise gerne und oft die Nähe der Menschen, die um uns herum sind. Aber seitdem dieser Mann gekommen war und mich mitgenommen hatte, und dann das Schreckliche passiert war, habe ich gelernt, vor den Menschen eine gewisse Angst zu haben. Er war nicht nur zu mir böse und ekelhaft, er behandelte auch andere Menschen schlecht, und am Ende war er sogar böse zu sich selbst. Eines Abends trank er wieder dieses widerliche scharfe Zeug. Er fluchte und schimpfte, er jaulte und jammerte, mich hatte er total vergessen. Es lag etwas in der Luft. Ich konnte es am ganzen Körper vibrieren spüren. In dieser Nacht würde etwas ganz Furchtbares geschehen. Und dann nahm er einen dieser langen Dinger und fuhr damit über ein Blatt. Das legte er auf den Tisch und knallte einen dieser Näpfe mit den übelriechenden gelben Röllchen darauf, die überall in seinem Revier herumstanden und die ganze Luft dort so dick und grau machten, dass ich manchmal kaum atmen konnte. Dann schleuderte er das lange Ding in seiner Hand voller Wut und Hass durch den Raum, stand ruckartig und kerzengerade auf und stapfte in eines seiner Zimmer. Ich blieb dort, wo ich war und hörte, dass er irgendwo drauf kletterte. Dann polterte es fürchterlich, ich vernahm noch einen langgezogenen, immer tiefer werdenden laut, und dann war es ganz still. Ich wartete sehr lange, dann lief ich durch das Revier. Irgendwann traute ich mich dann auch dorthin, wo er sich zurückgezogen hatte. Normalerweise hätte ich Angst gehabt, dass er mich anschreit und packt und hinauswirft. Aber ich hatte das Gefühl, als ob er gar nicht da sei. Ich lief also in dieses Zimmer, und mein Herrchen war ganz weit oben, und seine Füße hingen in der Luft. Ich stupste dagegen, aber er rührte sich nicht. Das Bein schaukelte vor und zurück, wenn ich daran stieß. Aber er tat mir nichts, alles Bedrohliche und Böse war aus ihm fortgeflogen. Ich stieß an das andere Bein, das gleiche war der Fall. Und wieder reagierte er nicht. Ich ging also wieder und wartete, bis er herunterkam, um mir vielleicht doch etwas zu fressen zu geben. Schließlich hat es sonst auch immer etwas länger gedauert, bis er mir, nachdem er dieses scharfe Zeug gesoffen hatte, doch noch meinen Napf mit Futter und vielleicht auch noch den anderen mit Wasser füllte. Aber es passierte lange Zeit nichts. Es wurde hell, aber ich hörte mein Herrchen nicht. Ich ging in das Zimmer, er hing immer noch in der Luft. Es wurde dunkel, nichts passierte. Mehrere Male schepperten seine kleinen eckigen Kisten, mehrere Male klopfte etwas gegen die Tür vor seinem Revier, und ich hörte mehrmals die Klingel. Aber mein Herrchen ging nicht an diese Kisten, und mein Herrchen machte sein Revier nicht auf. Nichts passierte. Dann knackte die Tür vor dem Revier, und es kamen diese Männer in Grün. Es krachte, sie kamen herein, sie rannten durch die Wohnung. Ich verkroch mich. „Mein Gott, das stinkt hier aber." „Das ist normal." „Das stinkt auch noch nach eingeschissener Hose. Und außerdem stinkt es nach Katzenpisse. Der hat wohl auch noch eine Katze." „Ich sehe keine." "Der Gestank kommt aus dem Bad. Da ist ein Katzenklo." „Los, zieht euch jetzt mal die Handschuhe an, wir machen den jetzt erst mal ab." Ein paar Männer rannten herum. "Hallo, ist da noch wer in der Wohnung? Bitte melden Sie sich. Hier ist die Polizei." „Da in der Küche stehen 2 Fressnäpfe." „Was kümmert uns das, wir müssen uns um die Leiche kümmern und um die Spurensicherung. Die Katze ist doch bestimmt längst abgehauen." Ich blieb still in meinem Versteck. "Komm, gehen wir." Plötzlich hörte ich ein leises klägliches Miauen. Das Miau wurde immer lauter. Auf einmal merkte ich, dass dieser laut aus meiner eigenen Kehle kam." Da ist doch eine Katze. Mietz-Mietz-Mietz…" „Los, komm, da soll sich der Tierschutzbund drum kümmern." Ein paar der grünen Männer trugen mein Herrchen auf der Schulter aus seinem Revier hinaus. Er war in eine große dicke schwarze glänzende Haut eingewickelt, aber es roch nach meinem Herrchen, und es war auch so groß wie mein Herrchen. Die Tür vor dem Revier wurde verschlossen, ich war allein. Ich hatte Hunger, ich hatte Durst. Irgendwie spürte ich, dass es nicht mehr lange dauern könnte, und ich würde sterben. Ich vergaß die Zeit, ich schlummerte und döste vor mich hin. Plötzlich knackte es wieder an der Luke von dem Revier, welches früher mal das Revier meines Herrchens war, der ja jetzt weg war. Ich hörte 3 Menschen, ein Weibchen und 2 Männchen. Sie liefen umher und riefen. Ich blieb in meinem Versteck, ich war sowieso schon ganz verwirrt vor Hunger und Durst. Ich regte mich nicht. Irgendwann wurde ein Netz über mich geworfen, ich wurde hochgehoben von etwas. Ich landete in der Katzenkiste, in der mein Herrchen mich Herr gebracht hatte. Die Kiste wurde angehoben und schwebte durch die Gegend. Mir war alles gleichgültig. Irgendwann landete die Kiste in einem Auto. Ich hörte die Stimme der Frau, die sanft in meine Richtung sprach. Ich bekam es kaum noch mit. Irgendwann hörte das Gebrumm auf, die Kiste hob sich an und schwebte mit der Frau in ein Haus hinein. Sie stellte die Kiste ab, und eine Weile regte sich gar nichts mehr. Ich war eingeschlafen. Die Kiste klappte auf, ich wurde herausgehoben, ich konnte kaum noch auf meinen 4 Pfoten stehen. Ein Napf mit Wasser wurde vor mir hingestellt, und die Frau setzte sich vor mich. „Nun, hier ist Wasser, du bist ja schon ganz verdurstet." Automatisch tauchte ich mein Köpfchen hinein und fing zu schlecken an. „Gott sei Dank, er säuft. Er ist gechippt. Nachher kommt der Tierarzt, und wir besprechen in der Katzenkonferenz, in welche Box er kommt." Ich verstand gar nichts. Dann erschien noch ein Napf mit Futter vor mir. „Ganz langsam, du hast sicher tagelang nichts gefressen." Ich schnupperte vorsichtig an den Brocken, aber der Hunger war stärker als meine Angst. Dann schlief ich wieder ein. „So, du kommst in Box 3." Es klapperte, mein Katzenkorb ging auf, und ich stand inmitten von lauter anderen Katzen, die sofort auf mich zu rannten, mich beschnupperten, und die mich abschlecken wollten. Das war mir alles zu nah, ich hatte Panik, und ich fing an, mit den Pfoten um mich zu hauen und laut zu fauchen. "Das gibt sich schon. Er muss sich erst noch eingewöhnen." Was immer das bedeutete, aber es wurde nicht besser. Ich ließ nicht zu, dass mir jemand zu nah kam. Ich hatte viel zu große Angst, noch einmal so etwas Schreckliches zu erleben. Ich wollte in Ruhe gelassen werden. Ich fauchte, schrie, schlug mit den Pfoten um mich und biss. Mir war das alles viel zu eng. So dünn und zierlich wie ich war, aber ich brauchte einfach viel mehr Platz. „Dieser Kerl ist wirklich schwierig. Er ist alles andere als umgänglich. Wem sollen wir denn den vermitteln? Den haben wir da bis an sein Lebensende. Der wird doch nicht mehr. Am besten, wir schläfern ihn gleich ein." Die Leute, die hereinkamen in unsere Box, und die uns das Futter hinstellten, versuchten immer wieder mal, ihre Hand nach mir auszustrecken. Aber ich schlug jedes Mal mit ausgestreckten Krallen darauf. Ich wollte einfach nicht noch einmal so schlecht behandelt werden wie bei meinem Herrchen. Diese Leute wurden auch immer unfreundlicher zu mir. Sie knallten mir das Futter vor meine Nase, streichelten die anderen Katzen, die sich allmählich auch lieber von mir fernhielten, und bedachten mich nur mit einem halbverächtlichen, halbmitleidigen Blick. Nur eine einzige Frau war dabei, die ganz sanft und vorsichtig auf mich zukam. Von ihr ging keine Gefahr aus. Sie bewegte sich sehr ruhig und rücksichtsvoll. Sie sprach mit leiser und sanfter Stimme mit mir. Ich ließ mich zwar nicht von ihr anfassen, aber ich schlug auch nicht mit der Pfote nach ihr. Eines Tages kam sie vorsichtig auf mich zu, umfasste mich und hob mich hoch. Ich hatte keine große Angst vor ihr. Sie trug mich weiter, öffnete eine andere Box und stellte mich hinein. Dann schloss sie die Tür und setzte mich ab und blieb noch eine Weile bei mir. In der Box war ich ganz allein, aber das war mir nur recht, denn dann war ich in Sicherheit. An den Wänden gab es mehrere hervorstehende Äste, die waren zwar kalt und glatt, aber sie waren sehr hoch angebracht, sodass ich von oben herunterschauen und alles im Blick behalten konnte. Wenn die Tür aufging, sprang ich auf eine dieser Flächen und kam erst wieder herunter, sobald die Tür zu war. Die anderen knallten mir weiterhin das Futter einfach in die Box. Sie hingegen kam herein, setzte sich eine Weile auf den Boden und tat einfach gar nichts. Nach einer Weile traute ich mich auch zu ihr herunter. Ich bekam immer weniger Scheu vor ihr. Vorsichtig streckte sie ihre Hand aus und berührte mich am Fell. Ich ließ sie gewähren. Nach und nach streichelte sie mich ganz vorsichtig, und ich fühlte mich fast so sicher bei ihr wie bei meiner Züchterin. „Er wird wieder, er ist nur sehr verängstigt. Er hat etwas Schlimmes erlebt und war total verwahrlost. Kein Wunder, dass er Angst vor den Menschen hat. Er wird wohl ein Einzelgänger bleiben. Den Umgang mit anderen Katzen hat er wohl auch ganz und gar verlernt." Sie kam regelmäßig zu mir, und ich fing an, ihr zu vertrauen. Sie schien mich zu verstehen. Eines Tages kam sie mit einer anderen Person. Es war die Frau mit dem langen weißen Stock, den ausladenden Bewegungen, der lauten Stimme und der hektischen und überschwänglichen Art. „Ich möchte eine Katze, mit der man auch schmusen kann. Ist der denn auch zutraulich?" „Es wird wohl lange dauern. Er hat viel erlebt, er war bei einem Junggesellen aus dem Filmgeschäft, der war stinkreich, aber ziemlich grob. Er hat wohl ziemlich viel gesoffen, und am Ende hat er sich aufgehängt. Der arme kleine Kerl hat das alles miterlebt. Er war auch ganz schön heruntergekommen, er wurde selten gefüttert und war stark vernachlässigt. Er hat das Zutrauen zu den Menschen verloren. Aber wir brauchen ein Zuhause, wo es möglich ist, dass er noch einmal eine Chance bekommt." „Ich hatte schon sehr viele Katzen, es waren auch etwas Schwierigere dabei, aber ich weiß nicht, ob ich mir das auch wirklich zutrauen kann." „Wir suchen jemanden, der Erfahrung mit Katzen hat. Und vor allem muss die Person oft zu Hause sein." „Das ist bei mir gewährleistet. Ich sehe sehr schlecht, ich habe Angst, dass er mir womöglich die ganze Wohnung demoliert oder abhaut." „Er liebt erhöhte Plätze, er traut sich nicht, mit Dingen in der Wohnung zu spielen. Dafür wurde er immer bestraft. Ganz oben fühlt er sich in Sicherheit, daher wird er wohl wenig kaputtmachen. Aber das wichtigste ist, dass sie beide miteinander auskommen. Er ist nun mal ein Lebewesen mit all seinen Bedürfnissen und Gefühlen." „Also gut, ich werde es mit ihm versuchen. Aber wenn es nicht geht, müsste ich ihn wieder bringen." Die junge Frau ging vorsichtig auf mich zu, streichelte mich ganz sanft, und mein neues Frauchen öffnete eine Katzenkiste. Dort setzte mich die Frau vorsichtig hinein und streichelte mich noch einmal kurz zum Abschied. "Alles Gute, Ansgar, so heißt er übrigens. Er ist eine reinrassige Balinesenkatze. Und ich wünsche Ihnen, dass sie viel Freude mit ihm haben werden. Auch wenn es zu Beginn harte Arbeit sein wird. Übrigens frisst er für sein Leben gerne Fisch, damit gewinnen sie vielleicht langfristig auch sein Herz. Liebe geht schließlich auch durch den Magen." So kam ich in meinem neuen Katzenkorb in das Revier meines Frauchens.

Wenn ich ihr doch all das in ihrer Sprache erzählen könnte. Aber mir fehlen die Möglichkeiten, diese vielen unterschiedlichen Laute zu bilden, um mich ihr verständlich zu machen. Wenn ich aber mein Frauchen so ansehe, dann sagt mir mein sensibler Katzeninstinkt, dass auch sie, auch wenn sie eine ganze Menge unterschiedlicher Lautäußerungen und Töne zur Verfügung hat, dennoch nicht die Fähigkeit besitzt, die Dinge, die sie erfahren musste, die sie erlebt hatte, und die sie vorsichtig und misstrauisch, manchmal traurig und zur Einzelgängerin haben werden lassen, ihren Artgenossen offen mitzuteilen. Aber ich war feinsinnig genug, ihre Verletztheit wahrzunehmen, und auch ohne ihre Sprache zu verstehen, erspürte ich die Spannung um sie herum in der Luft vibrieren. Je länger ich aber bei ihr war, umso achtsamer und ruhiger wurde sie im Umgang mit mir. Es kam nur noch selten vor, dass sie ruckartig, unvermittelt laut und stürmisch auf mich losging. Und je vorsichtiger sie wurde, umso mehr verlor ich meine eigene Hab-Acht-Vorsicht. Je weniger sie mir zu nah kam, umso näher ließ ich sie herankommen. Und je leiser sie wurde, umso weniger schüchtern und ängstlich und verschreckt wurde ich.

Die lange Zeit, in der einfach nichts geschah, in der niemand kam, mein Frauchen zu Hause blieb, allgemein weniger los war, und es weniger hektisch zuging, tat uns beiden gut. Wenn nicht dieser seltsame laut "Corona" aus ihren vielen eckigen Kisten gekommen wäre, und wenn die totenstille Anspannung auf der Straße nicht schon fast mit meinen Schnurhaaren spürbar gewesen wäre, die da in der Luft vibrierte, hätte man die Situation fast als Fried voll bezeichnen können. Wie lange dieser Frieden nun anhalten würde, war noch nicht abzusehen. Dass dies kein Dauerzustand sein würde, konnte selbst ich mit meinem kleinen Katzenkopf erahnen.

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Der Trubel

Die angenehme Ruhe hielt tatsächlich nicht lang an. Irgendwann wurde es auf den Straßen wieder lauter, immer mehr Leute mit ihren Hunden liefen herum, und es war fast wieder wie vor der großen Ruhe. Mein Frauchen sprach auch immer wieder in ihre kleinen Kisten, und es kamen allmählich auch wieder mehr Leute ins Revier.

Zum Beispiel ertönte an einem Tag die Klingel, mein Frauchen drückte auf einen Knopf, es brummte, und gleich 3 Leute kamen herein. Die gingen durch das ganze Revier, und mein Frauchen wedelte mit ihren Vorderpfoten, den Armen, wie sie bei den Menschen heißen, und redete laut mit Ihnen. Die Sprachen aber genauso laut, dann hielten sie irgendwelche Stücke an die Wände und an die Fenster, einer drehte überall herum, und einige Sachen fielen herunter. Eine Frau rannte hinaus und kam erst nach einer Weile wieder. Ein anderer stopfte irgendwelche Dinge um die Fenster herum. Dann rannten sie mit ihren Kisten durch die Wohnung, und mein Frauchen rief immer wieder: „es verbindet sich nicht!" Irgendwann wurde es ruhiger, und auf einmal schob sich etwas vor das Fenster, es brummte und ratterte, und dann war es dunkel. Mein Frauchen drückte wieder auf eine andere Kiste, und auf einmal hob sich etwas vor dem Fenster, und es wurde wieder heller. Oder das Ding vor dem Fenster namens Rollo bekam auf einmal große Löcher. Mein Frauchen war ganz begeistert. Dann rannten sie an die heißen harten Dinger, die überall an den Wänden hingen und Heizung genannt werden, dort drehten sie dann auch herum und stopften wieder etwas hinein. Dann rannte mein Frauchen wieder durch die Gegend und rief: „wie geht denn das?" Die Männer rannten wieder herum, drückten auf alle möglichen Kisten, Sprachen miteinander und in ihre Kisten hinein, und auf einmal schrie mein Frauchen: „Jetzt geht es!" Die beiden Männer gingen wieder, und eine Frau und das Frauchen blieben alleine, drückten auf die Kisten, und vor dem Fenster wurde es dunkel und hell, dunkel und hell, dunkel und hell. Dabei brummte und ratterte es, und mein Frauchen freute sich.

Einige Wochen später kam schon wieder jemand, riss einige Bretter von der Wand in der Küche, dann kamen sie, dass Frauchen und der Mann, wieder, und er klebte etwas an die Wand. Dann hielt er einen Ast vor die Wand, es wurde fürchterlich laut, und er ließ den Ast los, und mein Frauchen jubelte: „Es hält, sieht super aus!" Dann stellte sie alle möglichen Dinge auf den Ast. Ein zweites Mal schepperte es ganz laut, und ein zweiter Ast namens Regal hing an der Wand. Die beiden rannten herum, schoben alles Mögliche hin und her, und danach war es wieder ruhiger.

Die heilige Ruhe hielt aber nur für ein paar Tage an. Der Mann kam wieder, mein Frauchen öffnete alle möglichen Schränke in dem Raum, und dann riss sie sämtliche Gegenstände darin heraus und packte sie in Kisten. Die Kisten schob sie durch ihr ganzes Revier. Ich wusste gar nicht, wo ich mich noch hinsetzen sollte, daher sprang ich auf meinen Lieblingsschrank und schaute von oben zu. Wenn es zu laut wurde, sauste ich hinunter, rannte in ein anderes Zimmer und sprang dort wieder auf einen Schrank. Notfalls hatte ich ja noch meine Höhle, die Reisetasche.

Es kamen mehrere Leute, sie hielten wieder Stäbe vor alle möglichen Schränke, mein

Frauchen redete mit ihnen, dann gingen sie wieder. Ich ahnte schon, dass es demnächst wieder ziemlich lebhaft zugehen würde.

Und tatsächlich, meine Ahnungen wurden bestätigt. Der Mann, der zusammen mit meinem Frauchen sämtliche Kästen und Kisten durch ihr Revier getragen hatte, kam wieder. Nun hob er die ganzen Schränke und Regale von der Wand in unserer Küche weg. Er schlug darauf ein, und die Dinge wurden kleiner. Dann schleppte er jedes einzelne Teil hinaus. Mein Frauchen wedelte mit den Armen, sie unterhielten sich eine Weile. Er blieb sogar die ganze Nacht dar, sodass ich mich im Badezimmer nach ganz oben auf die beiden großen übereinander stehenden Kisten legte, die an einigen Tagen in gewissen Abständen brummten, wackelten und auch warm wurden. Mein Frauchen rannte dann immer um die beiden übereinanderstehenden Kisten herum, riss die Stoffe nass aus der unteren Kiste heraus und stopfte sie oben wieder hinein, das eine Ding schepperte und wackelte, das andere Ding brummte, und nach einer Weile zog sie ihre Stoffe ganz warm und trocken wieder raus. Sie legte sie meistens in einen Korb, und alles roch so gut, dass ich mich schon einmal hineingelegt habe. „Nein, Ansgar, raus aus meinem Wäschekorb. Dann wird ja alles wieder dreckig. Ich hab' doch erst gewaschen." Als ob ich dreckig wäre. Sie riss dann immer alle Stoffe heraus und stopfte sie in den hölzernen Schrank neben ihrem Körbchen. In den Schrank durfte ich aber auch nicht rein. „Ansgar, raus aus meinem Schrank!" Wo es doch dort drin so schön gemütlich und ruhig war.

Am nächsten Morgen fraßen dann der Mann und mein Frauchen zusammen. „Wo ist denn jetzt das ganze Besteck?" Frauchen rannte herum und schimpfte.

Dann kam der Mann mit einem roten und stinkenden Zeug an. Das schmierte er auf einige der Wände, die auf einmal rot wurden. „Das sieht super aus!" Mein Frauchen jubelte begeistert. Dann wurde es wieder laut, und der Mann drückte 2 Flächen aus Glas auf die rote Wand. Dort stellte mein Frauchen nach einer Weile viele Sachen drauf. "Das sieht toll aus, das passt genau dorthin." Beide rannten durch den Raum und freuten sich. Dann gab Frauchen den man einige bunte Blätter, und er schien sich noch mehr darüber zu freuen. Der war nun weg. Der Raum blieb leer. Mein Frauchen rannte überall herum und schimpfte: „Wo sind denn jetzt wieder die Teller?! Genau das, was man braucht, ist immer in der untersten Kiste!" Das konnte ja jetzt eine furchtbar ungemütliche Zeit werden.

Ein paar Tage später ertönte wieder die Klingel, und ein anderer Mann kam rein. Er ging in die Küche, und dann fing er zu schimpfen am: "welches Dreckschwein hat den hier geputzt, hinter der Spülmaschine sieht es ja aus wie Sau!" Mein Frauchen sprach auf ihn ein, dann trugen sie noch das Ding hinaus, auf dem Frauchen ihr Futter heiß machte, und dann trugen sie noch die Kiste hinaus, aus der das schöne Wasser kam, welches Frauchen mir immer in meinen Napf füllte. Ich fürchtete schon, dass ich jetzt verdursten müsste. Der Mann stopfte ein Tuch in ein Loch in der Wand. Es stank aber trotzdem fürchterlich. Dann ging er wieder.

Frauchen rannte nun mehrere Tage durch ihr Revier, schaute in ihre Kisten auf dem Boden und schimpfte hinein, warf Dinge heraus, so lange, bis sie dann das gefunden hatte, was sie wohl gesucht haben musste. Dann warf sie den Rest wieder in die Kiste zurück. Es schepperte fürchterlich.

Zwei Tage später kam der Mann wieder, der die Quelle und den Futter-Heißmacher mitgenommen hatte. Bei ihm war noch ein anderer Mann, und sie trugen sehr viele Kisten in das Revier von meinem Frauchen. Mein Frauchen schien sich darüber sehr zu freuen. Sie rannte begeistert hin und her. Dann verzog sie sich in das Zimmer mit ihrem Körbchen und setzte sich vor ihre flache Kiste, an der sie fast jeden Vormittag saß. Mein Lieblingsschrank in der Küche hing noch an der anderen Wand, auf den setzte ich mich und schaute den beiden zu. Sie rissen hartes Papier von den großen Dingen, die sie hereingeschleppt hatten, warfen es zur Seite, und es kam Holz heraus. Der eine ging dann wieder, Frauchen öffnete noch mal ihre Türe und rief etwas hinaus: „ich bin hier in meinem Zimmer, falls Sie was brauchen." Der Mann, der noch geblieben war, stellte die Hölzer auf, und teilweise wurde es jetzt wieder sehr laut. Er baute die Hölzer zu Kisten zusammen, einige davon hängte er an die Wand. Den Rest stellte er auf den Boden. Er riss im Badezimmer das Fenster auf und hängte eine Schnur hinaus. Dann ging er vor das Revier von meinem Frauchen und stand genau vor diesem Fenster, und es ertönte ein Höllenlärm. Vor ihm war ein riesengroßes und langes Brett. Damit schien er etwas zu machen. Frauchen gab ihm dann auch noch Futter. Das schien ihn auch sehr zu freuen. Nach einer Weile kam wieder der andere Mann dazu. Beide trugen das riesengroße und sehr lange Brett herein. Das hatte 2 große Löcher. Sie legten das riesengroße Brett quer über die Kästen, die nun zu Schränken geworden waren. Dann schob er noch eine Kiste darunter, die glänzte und hatte mehrere abstehende Dinger. In das andere Loch legte er etwas glänzendes. Nach einer Weile rief er dann mein Frauchen. Die fuhr mit der Hand über das lange Brett. „Die Spüle ist aber viel zu weit links." „Das muss so sein." Sie redeten noch eine Weile, mein Frauchen gab ihm noch ein buntes Blatt, und er freute sich. Die Menschen freuen sich immer, wenn man ihnen so ein buntes Blatt in die Hand drückt. Je mehr dieser Blätter es sind, umso breiter wird ihr Lächeln. Der Mann ging, aber es stand immer noch jede Menge an Zeug herum. Mein Frauchen lief durch den Raum und rannte dauernd gegen irgendetwas. Dann schimpfte sie natürlich laut wie immer.

Nach einer Weile kam dann der andere Mann, der das stinkende rote Zeug auf ihre Wand geschmiert hatte. Eröffnete einen der Schränke, und das, was er da wohl sagte, muss das Frauchen sehr aufgebracht haben. „Der Siphon ist viel zu weit von der Spüle entfernt. Die haben das völlig falsch gemacht." Mein Frauchen schrie, schimpfte, stieß mit dem Fuß auf den Boden, und tobte: „dieser Idiot, dieser Hornochse, da hätte er doch fragen müssen, dieser Depp, dieser Trottel!" Sie nahm eine ihrer kleinen flachen Kisten, der Mann hielt sie über das Brett, dann kam er mit dem langen starb, hielt ihn überall hin, und je mehr er den Stab überallhin hielt, umso lauter wurde mein Frauchen. „So ein Pfusch!" Ich zog mich lieber einmal zurück. Sollte sie doch alleine ihr Tamtam veranstalten, ich ging lieber in meine Reisetasche. Dort war ich in Sicherheit. Der Mann sprach noch eine Weile mit meinem Frauchen, dann ging er wieder.

Am nächsten Tag kam noch einmal der andere Mann, der die vielen Kisten zusammengebaut hatte. Mein Frauchen sprach mit ihm, aber es schien, als ob er nicht sehr einverstanden war mit dem, was sie sagte. Sein Gesicht verfinsterte sich immer mehr, und sein Ton wurde immer tiefer. Irgendwann ging er dann. Mein Frauchen schleppte noch ein riesengroßes Brett hinaus, das noch auf einer der kleineren Kisten mit ihren ganzen Sachen am Boden gestanden war. „Jetzt muss ich die alte Arbeitsplatte auch noch alleine nach draußen schleppen." Als der Mann gegangen war, stellte sie viele Dinge auf das lange Brett über den Schränken am Boden. „Nicht mal seinen Dreck hat er richtig weg gemacht. Die ganzen Kartons sind noch in der Ecke." Danach kam dann noch eine andere Frau, und beide rannten vor den Schränken herum, schauten sich alles an, und die andere Frau schimpfte auch etwas." Das mit der Spüle sieht ja wirklich komisch aus." Dann kam wieder der andere Mann, der am Abend zuvor da gewesen war, und dann kam noch eine Frau. Alle saßen da und tranken diese bittere braune Brühe, die auch mein Frauchen so gern säuft. „Wie kriegen wir denn jetzt, in Zeiten von Corona, wo alle Baumärkte zu haben, lange Abflussrohre her?" Das schien eine schwierige Frage zu sein, die sie da untereinander diskutierten. Nach einer Weile waren dann alle weg. Mein Frauchen rannte mit einer ihre Kisten durch den Raum und sprach hinein, und sie hielt die kleine Kiste immer so, dass immer ein anderer Ausschnitt des Raumes zu sehen war. Dabei redete und redete sie. Dann drückte sie auf mehrere Knöpfe, "so, das habe ich jetzt im Kasten, das stell ich jetzt in meinen Status." Jetzt schien sie zufrieden zu sein.

Am nächsten Morgen ganz früh stand schon der eine Mann vor der Tür. Er hatte einen glänzenden Sack dabei, und dann rannte er sofort in die Küche. Dort kroch er dann in einen der Schränke, genau unter der Wasserquelle. Er kroch hinein und hinaus, er und das Frauchen unterhielten sich noch eine Weile, dann ging er wieder. Mein Frauchen schien jetzt etwas beruhigter zu sein.

Am nächsten Tag fing sie dann an, die Kisten mit den vielen klappernden Dingen in die Küche zu ziehen, dann riss sie die Schränke an der Wand auf, griff in die Kisten am Boden, es klapperte fürchterlich, und dann stellte sie alle möglichen Gegenstände querbeet in die Schränke hinein und deklamierte, laut vor sich hinsingend: „Eine Küche ist immer zu klein für eine Frau. Egal, wie groß sie ist. Es ist wie mit den Handtaschen." Und so redete sie vor sich hin. Sie rannte durch den ganzen Raum, schob Dinge hin und her, trug alles wieder woanders hin, aber allmählich lehrten sich die Kisten auf dem Boden. Diese versuchte sie dann zusammenzudrücken, sodass sie flach wurden. Jetzt schien sie sehr glücklich zu sein. Sie hielt wieder ihre kleine Kiste vor die lange Reihe an Schränken mit dem langen Brett darauf und drückte auf ihrer kleinen flachen Kiste herum. „Meine neue Küche, meine neue Küche!" Sie hüpfte darin herum und war ganz begeistert. Sie drehte auch an den hervorstehenden Dingern an der glänzenden Kiste, auf der sie dann wieder ihr Futter warm machen konnte. Sie klappte die Kiste nach vorne auf, dann schaute sie hinein und freute sich. "Mein eigener Herd!" Das schien etwas ganz Besonderes zu sein. Es kamen dann auch noch andere Menschen in die Wohnung. Die schienen sich auch sehr zu freuen und waren offenbar auch sehr begeistert.

Aber die Sache war offenbar noch nicht ausgestanden. Eines Tages kam wieder diese Frau, die mit ihr das Brett angeschaut hatte, und dann hoben sie alle Dinge darauf wieder herunter. „Oh je", dachte ich, „jetzt geht das alles wieder los.“ Es ertönte die Klingel vor ihrem Revier, und herein kamen wieder 2 Männer. Alle sprachen durcheinander, und dann erhob sich die Stimme meines Frauchens: „Zwischen Spüle und Herd brauche ich höchstens 15 cm. Alles andere ist mir egal.“ Dann hoben die beiden Männer das lange Brett hoch und trugen es hinaus. Die Frauen gingen mit, und nach einer Weile kamen alle wieder herein. Vorneweg gingen die beiden Männer mit einem neuen Brett mit 2 Löchern, dass es neu war, konnte ich riechen. Die Männer legten es auf die Schränke, dann steckten sie den glänzenden Brunnen auch wieder dran und schoben das Ding, welches Frauchens Futter warm machte und Herd hieß, auch wieder unter das Brett. Frauchen fuhr mit ihren Pfoten über das ganze Brett. Dann jubelte sie: „Genauso will ich es haben!“ Die beiden Männer verzogen sich. Die Frauen räumten all diese brummenden, klappernden, klingelnden und scheppernden Trümmer, Brocken und Kisten wieder auf das Brett. „Die Micki muss hierhin! Die Fritty kommt dort drüben hin. Die Kaffeemaschine stelle ich dorthin.“ So ging das eine ganze Weile, bis alles wieder an Ort und Stelle war. Die Frauen redeten noch eine Weile, und dann gingen sie gemeinsam weg. Gott sei Dank, ich hatte nun wieder etwas mehr Ruhe. „Hoffentlich macht sie das nicht alle paar Wochen“, dachte ich mir. Und es schien auch so, als ob jetzt etwas Ruhe einkehren würde.

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Die Verbundenheit

Ein paar Monate später, als es schon wieder Sommer war, kamen wieder ein paar Männer herein. Die hatte ich schon zuvor einmal gesehen, da hatten sie mit meinem Frauchen gesprochen, sie zeigten mit den Fingern auf bestimmte Wände, hielten auch wieder die langen Stäbe überallhin und schienen meinem Frauchen etwas zu erklären.

Als ich eines morgens durch das Küchenfenster sah, konnte ich beobachten, dass ziemlich viele Leute draußen herumliefen. Sie wühlten den Boden auf, brachten Gegenstände herbei oder trugen andere Gegenstände weg, und manchmal wurde es ziemlich laut. Ich fand das alles sehr interessant. Ich verbrachte Stunden damit, diese Menschen bei ihrer merkwürdigen Tätigkeit zu beobachten.

Mein Frauchen stellte sich auch einmal zu mir und schaute mit hinaus. „Da guckst du, Ansgar, das sind Bauarbeiten.“ Dann ging sie aber wieder und setzte sich in das Zimmer mit den vielen großen weichen Kissen und schaute in ihre eckige Kiste. Das, was vor ihrem Fenster vor sich ging, schien sie nicht weiter zu interessieren. Vielleicht lag es daran, dass die Menschen in den eckigen Kisten die ganze Zeit mit ihr sprachen. Sie schien nicht sonderlich weit sehen zu können, und vor dem Fenster schien auch niemand viel zu sprechen. Ich hörte nur ab und zu mal ein paar menschliche Laute. Dennoch fand ich das alles höchst spannend. Ihre eckige Kiste hingegen sagte mir wenig, denn das, was da drin passierte, schien mir irgendwie nicht wirklich da zu sein. Und das menschliche Geplapper konnte ich sowieso nicht verstehen. Meinem Frauchen schien es aber sehr zu gefallen, denn sie lachte, oder ihr Gesicht verzog sich, oder sie drehte schnell den Kopf weg.

Dieselben Männer, die mit den hölzernen Stäben bei ihr waren, um ihr bei diesem Fenster etwas zu erklären, kamen nach ein paar Wochen auch wieder. Sie hängten eine große durchsichtige Haut vor das Küchenfenster. Was sollte das jetzt werden? Dann schoben sie die Schränke, die dort im Weg waren, woanders hin. Ich rannte in einen anderen Raum, von dem aus ich aber doch noch etwas beobachten konnte. Zuerst rissen sie das warme Viereck namens Heizung unter dem Fenster ab. Das trugen sie hinaus. Das konnte ich genau erkennen. Auf einmal wurde es höllisch laut. Das Loch in der Wand wurde auf einmal größer, es reichte plötzlich bis zum Boden. Der Krach dauerte mehrere Stunden. Die Luft wurde richtig staubig, obwohl diese durchsichtige Haut vor dem Loch hing. Der Boden wurde immer dreckiger. „Oh Gott, da muss dann aber gründlich geputzt werden." Mein Frauchen schaute etwas besorgt. Sie brachte sich auch selbst in Sicherheit und ging in das Zimmer, in dem ihr Körbchen war. Sie schaute aber immer wieder mal hinaus. Nach einigen Stunden gingen die Männer wieder. Mein Frauchen ging in unsere Küche mit dem neuen großen Loch zurück, aber sie holte nur schnell einige Dinge heraus und setzte sich dann in den Raum mit den großen weichen Kissen. „Morgen geht es weiter. Das kann ja heiter werden." Ich setzte mich neben sie, denn jetzt war endlich Ruhe. Es wurde jetzt doch etwas gemütlicher. Am späten Nachmittag langweilte mich aber ihre eckige Kiste, ich fand es spannender, wieder aus dem Fenster hinaus zu schauen und die „Bauabei" zu beobachten, oder wie immer sie das nannte. Sollte sie doch vor ihrer eckigen Kiste sitzen, für mich war dies hier draußen einfach spannender. In diesem Haus war wirklich für jeden was dabei.

Pünktlich am nächsten Morgen, nachdem die Vögel angefangen hatten zu singen, ertönte wieder die Klingel, diese 3 Töne, die wieder viel Lärm und viele Umtriebe ankündigten. Wieder kamen die Männer herein. Sie trugen ein neues großes Viereck herein, schoben das lange Holzbrett mit den vielen Kissen, auf dem ich seit Neuestem ab und zu auch ganz gerne einmal sitze, nach vorne, es wurde wieder höllisch laut, und dann treten sie so lange an etwas, bis das Ding namens Heizung an der Wand hing. „Da ist jetzt also meine neue Heizung direkt hinter der Bank. Das wird schön warm, wirst sehen, Ansgar!" Dann arbeiteten sie weiter an dem großen Loch, dann schmierten sie etwas um die Ränder des Loches herum, und machten das Loch wieder mit einem Brett zu. Den Sinn des Ganzen verstand ich nun wirklich nicht. Plötzlich trug einer ein großes hölzernes Brett mit einem Glas herein. Zwei Männer hoben dieses Brett auf und nieder, ein anderer rief immer irgendetwas wie: „Höher, tiefer, weiter rechts, weiter links." Irgendwann ließen sie das Brett los, und es hing dort wie die Türen, die ich mittlerweile ja gelernt hatte zu öffnen. Mein Frauchen staunte und strahlte. "Das ist also die Balkontüre." Das schien etwas ganz Tolles zu sein. Auch die Männer freuten sich. Sie verabschiedeten sich und gingen. Mein Frauchen schaute noch ganz begeistert in die Richtung der neuen Tür. "Da kommt unser neuer Balkon hin." Das Wort „Balkon" löste bei Frauchen offenbar ungemeine Glücksgefühle aus. Jedes Mal, wenn Sie es aussprach, konnte ich ein Strahlen in ihren Augen erkennen. Aber jetzt geschah erst einmal eine ganze Weile gar nichts. Mein Frauchen schien das auch nicht sonderlich zu wundern. Der Putzmann kam, der schimpfte allerdings. „So viel Dreck, mein Gott, die haben ja hier ab gehaust. Alles ist voller Staub. Das kriegt man ja nie und nimmer wieder weg." Nach einer Weile war es aber dann nicht mehr so staubig. Frauchen zeigte jedem, der hereinkam, die Balkontüre, und alle staunten und waren genauso begeistert wie sie. Nun schien wirklich endlich Ruhe zu sein. Auf der anderen Seite des Brettes hörte man an einigen Tagen einen ziemlich großen Lärm. Ich erschrak ganz schön, aber mein Frauchen meinte: "Jetzt hängen Sie den Balkon an!" Das schien ein denkwürdiger Moment zu sein. Wieder sah ich das Strahlen in ihren Augen. Das Ganze war zwar fürchterlich laut, aber wenn sich die Laune meines Frauchens dadurch so sehr hob, dann war das für mich Entschädigung genug. Denn dann schimpfte sie nicht laufend und rannte auch nicht lärmend durch ihr Revier. Das kam auch mir zugute, und ich musste mich nicht so häufig in meiner Reisetasche verkriechen, denn ich war immer noch sehr schreckhaft und leicht zu verängstigen. Aber mittlerweile hatte ich volles Vertrauen zu meinem Frauchen gefasst. Es wurde auch allmählich etwas ruhiger, und es kamen nicht mehr ganz so viele Leute, die irgendetwas in ihrem Revier veränderten. Sie schien selbst auch sehr zufrieden darüber zu sein. Ich kannte sie inzwischen auch besser, und sie schien mir weniger unberechenbar. Mittlerweile wusste ich, wenn sich ein Gewitter bei ihr abzeichnete, oder wann ich besser in Deckung gehen sollte, und wann sich ihr Zorn gelegt hatte, und die Luft wieder rein war.

Während dieser Zeit kam auch wieder eine Frau zu ihr, und ein seltsamer laut ertönte öfter sowohl bei ihr als auch aus den vielen eckigen Kisten, aus denen viele menschliche Stimmen zu hören waren. Ich hörte es auch von den Besuchern, die zu ihr kamen. „mpfung". Was war das nur für ein seltsamer laut? Wann immer die Menschen das aussprachen, bekamen sie einen ganz merkwürdigen und aufmerksamen Gesichtsausdruck. Auch mein Frauchen schien sehr gespannt zu sein, was das mit der „mpfung" wohl auf sich hatte. Eines Tages war es wohl so weit, und die beiden gingen aus dem Haus. Frauchen schien ganz aufgeregt zu sein.

Ein paar Stunden später kam sie wieder, sie war recht aufgekratzt. „So, jetzt bin ich geimpft.“ Offenbar war das etwas ganz Besonderes. Es schien mir ein denkwürdiger Tag zu sein.

Aber nach einigen Stunden fing mein Frauchen an sich zu schütteln. Sie fraß kaum etwas, und sie wickelte sich in einen dicken Stoff und legte sich auf ihre weichen Kissen. Das Schütteln wurde immer schlimmer. Sie lief in der Wohnung umher, aber schien sich nicht sonderlich wohl dabei zu fühlen. Nach einer Weile ging sie dann ins Bett. Sie fasste immer wieder an ihren Kopf. Während der Nacht hörte ich sie jammern. „Ich hatte noch nie solche Kopfschmerzen.“ Ich sprang auf die Klinke an der Tür vor dem Raum mit ihren Körbchen und kam herein. Mein Frauchen krümmte sich und hielt ihren Kopf fest. Sie machte Laute und wimmernde Töne, sie schien wohl zu weinen. „Sie hat Schmerzen“, dachte ich mir. Ich konnte es förmlich spüren. Ich setzte mich auf den Schrank und beobachtete sie. Nach einer Weile fing ich an zu schnurren. Meine Mama hat auch immer geschnurrt, wenn einem von uns etwas weh tat. Dann wurde es meistens besser. Ich traute mich aber nicht näher heran, da ich spürte, dass sie jetzt niemanden so nah bei sich haben wollte. Aber es schien ihr gut zu tun, dass ich in Ihrer Nähe war. Ich schnurrte die ganze Zeit und blieb dabei ruhig sitzen, denn mehr konnte ich leider nicht tun. Nach einer Weile bewegte sie etwas an ihrem Kissen und legte den Kopf wieder darauf, der jetzt etwas erhöht lag. Dann schien sie sich etwas zu entspannen. Nach einer Weile war sie eingeschlafen. Am Morgen schien es ihr offenbar besser zu gehen, denn sie wirkte etwas ruhiger. Irgendwann ertönte dann die Klingel, und eine Frau brachte ein kleines Päckchen. Dies schien mein Frauchen sehr zu freuen. Sie fraß etwas davon, und dann ging es ihr sichtlich besser. Ich weiß noch, wie es mir ergangen war, als ich diese schrecklichen Kopfschmerzen hatte, und die Frau in Blau etwas von einem Tumor gesagt hatte. Damals hat sich mein Frauchen auch um mich gekümmert. Ich erinnere mich noch genau, dass irgendetwas gemacht wurde, und dann waren die Kopfschmerzen weg. Daher war ich froh, dass ich meinem Frauchen auch einmal beistehen konnte. Nach einigen Tagen war alles wieder wie zuvor, mein Frauchen war zwar noch etwas gelb im Gesicht, aber sie bewegte sich wieder wie immer und sang, schimpfte oder sprach mit ihren Kisten oder schaute hinein. Draußen konnte ich weiter die „Bauabei" beaufsichtigen.

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Die Freiheit

Abgesehen von dem Lärm vor dem Loch mit dem Brett und den vielen Menschen, die sich davor bewegten, passierte in der nächsten Zeit dann nicht mehr viel. Frauchen ging wieder ihren alltäglichen Beschäftigungen nach, schaute aber immer wieder mal sehnsüchtig zu dem Brett hin, als spräche sie mit ihm. „Wann kommt nun endlich der heiß ersehnte Tag mit der Abnahme?“ Das musste ein ganz besonderer Tag sein, so wie sie immer dabei schaute.

Es war schon Herbst geworden, da ertönte wieder die Klingel vor ihrem Revier. Sie schoss zu dem Ding namens Wohnungstür und riss es auf. Es kamen wieder ein paar Männer herein, einige davon hatte ich schon gesehen. „So, jetzt geht es los!“ Mein Frauchen war total aufgeregt. Nun öffnete einer der Männer die Balkontür. Dann nahmen zwei Männer das Brett weg und trugen es hinaus. Die Öffnung führte zu einer großen Kiste. Einer der Männer ging durch die Öffnung in diese Kiste hinein. Er lief um den Rand der Kiste herum, ging vor und zurück, nach links und nach rechts, fasste an alle möglichen Stellen und kam dann wieder herein. „So, alles in Ordnung, sie können den Balkon ab jetzt betreten.“ Er kam wieder aus der Kiste zu uns herein, und mein Frauchen Stoll zierte ganz aufgeregt in die Kiste hinein und lief darin herum. Sie fasste überall hin, sie lief ein paarmal hin und her, und sie bestaunte auch die Wand auf der linken Seite der Kiste, welche ziemlich hoch war. Der Rest der Wände war niedrig genug, dass sie aus der Kiste hinausschauen konnte. „Ahhh, ohhh!" So machte sie die ganze Zeit. Dann kam sie wieder herein. Die Männer gingen wieder. Frauchen ließ die Tür zu der Kiste noch offen. „Komm, Ansgar, geh doch auch mal auf unseren neuen Balkon.“ Aber ich traute mich nicht. Schließlich war die Kiste nicht Teil unseres Reviers. Wer weiß, vielleicht war das gar eine Falle. Sie wollte, dass ich in die Kiste gehe, dann würde sie die Türe zuschlagen und die Kiste hochheben und mich zum Tierarzt bringen oder sonst wohin. Da gehe ich lieber nicht drauf. „Du traust dich wohl noch nicht.“ Da hatte sie recht, da hielt ich mich lieber fern. Aber einige ihrer Menschen, zum Beispiel der Putzmann oder andere ihrer Besucher traten staunend durch die Tür in diese Kiste und benahmen sich genauso wie mein Frauchen: Sie gingen in der Kiste von einer Wand zur anderen, fassten alles an, schauten über den Rand der Kiste, bewunderten alles und machten „Ahhh" und „Ohhhh". Für Menschen schien diese Kiste etwas ganz Wunderbares zu sein. Sie unterhielten sich ziemlich lange darüber, es schien sie zu sehr vielen Ideen anzuregen.

Nach einigen Monaten, es war schon fast wieder Frühling, kam dann wieder eine der Frauen, die sie öfter besuchten. Die Frauen gingen aus der Wohnung, und nach einer Weile kamen sie wieder mit sehr vielen großen Gegenständen. Sie rannten durch die Küche durch die neue Tür in die Kiste hinein und stellten alles dort ab. Wieder und wieder brachten sie neue Sachen. „Die Kissen für die Rattan-Sessel muss ich aber in die Waschmaschine stecken.“ Bald war die Kiste fast voll. Mein Frauchen rannte aufgeregt darin herum und setzte sich auf verschiedene dieser Gegenstände. „Herrlich!“ Dann brachten sie noch 2 große graue Kästen und hängten sie an den längeren Rand der Kiste. Sie füllten etwas in diese grauen Kästen hinein, und danach kamen sie mehrmals und schütteten Wasser darüber. Sie streuten Körner in die Kästen und schütteten wieder Wasser drauf. „Ansgar wird sicher die Samen ausscharren.“ Ich hörte meinen Namen, verstand aber nichts. „Komm, Ansgar, jetzt ist der Balkon fertig, schau ihn dir doch mal an.“ Sie schien mich zu rufen, aber ich ließ mich nicht locken. Mein Katzenkorb wurde auch immer mit allen möglichen Dingen ausgestopft. Das half aber trotzdem nicht, dass es mir dort drin gefallen würde, wenn man mich darin zum Tierarzt trug. Das würde bei einer noch so großen Kiste nicht anders sein. Irgendwann würde der Deckel draufschlagen, und ich säße in der Falle. Nein nein, da würde ich nicht reingehen.

Mein Frauchen ließ die Türe offen und ging. Lange Zeit kam sie nicht wieder zurück. Sie saß in ihrem Zimmer und schaute in einer ihrer Kisten. Dann rannte sie wieder zum Balkon und hielt ihre kleine flache Kiste hin, drückte auf mehrere Knöpfe und sprach hinein. Bei ihrer neuen Küche hatte sie das genauso gemacht. Danach ging sie wieder und ließ die Türe zu der Kiste namens „Balkon“ offen.

Da sie nicht wieder kam, dachte ich mir, ich könnte doch mal alles beschnuppern, und sobald ich hören würde, dass sie herankommt, würde ich schnell wieder aus der Kiste ins Haus zurückrennen. Ich ging ganz langsam durch die Tür und spazierte in die Kiste. Dann lief ich darin herum und rieb meinen Kopf an den Gegenständen. Ich schaute vorsichtshalber nach oben, ob ein Deckel herunterklappen würde. Dann sprang ich auf den Tisch. Dann spazierte ich etwas um den Rand der Kiste herum. Die eine kürzere Seitenwand war zu hoch, aber die längere Seite und die andere kurze Seitenwand waren nicht so hoch, daher konnte ich darauf springen und ihren Rand abschreiten. Ich schaute mich um, vor mir war kein Netz, die Kiste war immer noch offen. Und vor der Kiste gab es einen schönen Baum. Ich schaute hinauf und schätzte den Abstand zum am besten erreichbaren Ast. Und mit einem Satz war ich oben. Dort setzte ich mich hin und schaute mich um. Und hier sitze ich nun. Ich kann von hier aus ganz weit zwischen den Häusern geradeaus den Weg hinuntersehen. Ich kann rechts und links von mir ein paar Bäume sehen. Ich kann unter mir das Gras und die Blumen sehen. Ich kann in die Fenster der anderen Häuser gucken und den Leuten zu schauen. Ich kann durch die Tür in das Revier meines Frauchens sehen, ich kann beobachten, wie sie darin herumrennt, singt, schimpft, in ihre Kisten spricht. Ich kann aus der Kiste auf den Baum springen und in die Welt hinausgehen, ich kann aber auch wieder durch die Tür in das Revier zurückrennen und mich in meine Reisetasche zurückziehen, um mich in Sicherheit zu bringen. Hier ist mein Zuhause. Ich kann kommen und gehen, wann ich will. Mein Revier ist sogar größer als das von meinem Frauchen. Ich kann die Vögel um mich herum hören, ich kann alles um mich herum riechen, ich kann den weiten Himmel über mir sehen. Ich habe einen Platz bei meinem Frauchen. Ich bin frei. Und ich bin glücklich.

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Die Liebe

Ich denke an unsere erste Familienkatze Brösel, die Getigerte, die irgendwann nicht mehr nach Hause fand. Und ich denke an unseren großen dicken Familienkater Boris, ein König in seinem Revier, aber bei uns im Haus der größte Schmuser vor dem Herrn. Und ich denke an Lulu, die jemand aus unserer Familie ungefragt mitbrachte, und die bei ihrer Kastration schon Katzenjungen im Bauch hatte, und die von unserem großen Hauskater Boris nur geduldet war, wenn sie einander aus dem Weg gingen. Wenn die beiden aufeinandertrafen, flogen die Haarbüschel, Lulu hat uns das alles sehr verübelt. Ich denke an meine Katze Tilly, die so lange gebraucht hatte, sich an mich zu gewöhnen, die sich so freute, als der kleine Kater Moritz bei uns einzog, den sie liebevoll als Ersatzmutter aufzog, dann aber leider verschwand. Und ich denke an Freddy, der sich mich ausgesucht hatte, jede Nacht auf seine Streicheleinheiten bestand, bevor ich ins Bett ging, und der so schwer krank wurde, den wir gesund brachten, und der dann leider überfahren wurde. Und ich denke an Lilo, die so frech war und meinen Kater Moritz schwer traktierte, der sich das gutmütig gefallen ließ, weswegen ich sie aber dann weggeben musste. Und ich denke an Schlumperl, der aus dem Nichts kam, sich unterwegs mit Moritz anfreundete, bei uns einzog, aber nach einem Jahr genauso sang- und klanglos verschwand, wie er gekommen war. Und ich denke an meinen langhaarigen Leonardo, der nicht nur mein Herz gestohlen hatte, und der stolz wie ein König auf dem Kratzbaum saß, den es aber immer wieder nach draußen zog, und der dann leider bei einem seiner langen Streifzüge überfahren wurde. Und ich denke an Lara, die nur kurz hier war, die den Tod von Moritz miterlebte, mit dem Einzug von Nachfolger Ben total überfordert war und deshalb in die Wohnung machte, und als ich sie dann zu grob maßregelte, empört auf den Balkon rannte und dort durch das undichte Katzennetz schlüpfte und für immer verschwand. Ich muss sie um Verzeihung bitten. Und ich denke an Fanny, die ich aus dem Tierheim holte, damit Ben nicht alleine war, und die ich wieder zurückbrachte, weil sie sehr merkwürdig war, und wir keinerlei Bindung aufbauten, genauso wenig wie mit Ben, den ich dann auch weggab. Es tut mir leid, dass dies so geendet hatte. Aber einen besonderen Platz wird immer Moritz einnehmen, der 15 Jahre lang treu, gemütlich und langmütig und hartnäckig an meiner Seite blieb, egal, was passierte, und mich so durch schwere Zeiten getragen hat. Am Ende war er selbst schwer krank, aber wir haben durchgehalten bis zum Schluss. Er war meine Katze fürs Leben. Hätte ich die Wahl, ich würde alles mit ihm noch mal so, auch bis zum Schluss erleben wollen. Aber so einen wie den Moritz, den gibt's kein zweites Mal. Jede Katze ist anders. Wie jeder Mensch anders ist. Ich möchte noch einmal eine zweite Chance für eine Katze fürs Leben, und hoffe, dass sie mir gewährt wird. Und ich hoffe, dass ich dann mehr richtig mache.

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Dienstag, 29. Juni 2021

Jetzt hau' ich hier aber mal so richtig auf die Kacke!

Am 5. März bin ich gegen Corona mit AstraZeneca geimpft worden. Ich habe über die extremen Nebenwirkungen hier auch in meinem Blog in dem Beitrag "Die Hölle aus Dosen" berichtet. Damals habe ich zu meinen Ärzten gesagt, dass es mir danach so schlecht ging. Die Ärzte haben auffällig abwehrend reagiert. Man habe ja selbst auch bei mRNA Impfstoff beim zweiten Mal Schüttelfrost gehabt, und ich könne ja froh sein, so einer meiner Fachärzte, dass ich nicht jung sei und ein geschwächtes Immunsystem hätte, denn im Gegensatz zu jungen Menschen mit einem funktionierenden Immunsystem hätte ich ja noch Glück, dass ich nicht so starke Nebenwirkungen hätte wie die. Ich hätte damals am liebsten gesagt, dann sollen die sich doch auch die Nieren rausnehmen lassen, um sich dann eine Niere transplantieren zu lassen, Immunsuppressiva schlucken und dann die Vorteile davon genießen. Da mehrere Ärzte auffällig abwehrend reagiert hatten, und das war noch vor der Zeit, als man AstraZeneca nur an Menschen über 60 verabreicht hatte, kam mir das komisch vor. Ich spürte, dass hier etwas faul war. Und damit meine ich jetzt keine Verschwörung, sondern das Gefühl, dass die schon damals den Eindruck hatten, dass dieser Impfstoff für mich nicht geeignet sei, mir aber einfach aus aktuellen Gründen nicht recht geben wollten. Als ich danach, als AstraZeneca nur für Menschen über 60 zugelassen war, zu meinem heimatlichen Neurologen gegangen war, sagte dieser mir ja, sie dürften eigentlich kein AstraZeneca bekommen, da sie unter 60 sind uns so negative Erfahrungen der mitgemacht hatten. Da wurde ein ganz anderes Lied gesungen. Heute kam ich wieder einmal in das Zentrum, wo ich aufgrund meiner Behinderung regelmäßig aufkreuze, um bestimmte Tests zu machen oder bestimmte Verläufe zu kontrollieren. Wir kamen wieder auf den Impfstoff zu sprechen. Da sagte mir mein Arzt folgendes: jetzt könne er es mir ja sagen, er habe bereits im Februar mit dem Professor der Nephrologie an unserer universitären Klinik gesprochen, einer meiner Lieblingsprofessoren, und der habe ihm gesagt, dass Menschen mit einer Nierentransplantation AstraZeneca nicht bekommen sollten. Ich finde das eine Frechheit, dass ich das trotzdem bekommen habe. Ich hatte damals schon das Gespür, dass ich eigentlich einen anderen Impfstoff gebraucht hätte, und dass es mir nicht umsonst so dreckig gegangen war. Aber er erklärte mir dann wieder, dass es doch ein gutes Zeichen gewesen sei, dass ich so heftig darauf reagiert hätte, denn das bedeutet, dass der Wirkstoff angeschlagen hätte. Ich finde das nachgerade zynisch. Wenn ich daran denke, dass einige Leute, die gute Beziehungen haben, den mRNA-Impfstoff bekommen haben, obwohl bei Ihnen damals auch AstraZeneca indiziert gewesen wäre, und dass sehr viele, wesentlich jüngere und wesentlich fittere und gesündere Menschen ebenfalls den besseren Impfstoff gekriegt haben, dann sehe ich, dass sich dies mit meinen restlichen Erfahrungen deckt. Früher, als ich noch jünger war, habe ich eine relativ gute und zuvorkommende Behandlung erhalten, da ich zwar noch nicht schwer krank, aber immerhin schon nierengeschwächt und sehgeschädigt war. Man wusste, dass ich irgendwann mal mehr oder weniger erblinden würde, und dass ich an die Dialyse käme. Ich hatte immer das Gespür, dass man mit mir besonders vorsichtig umging, dass man mich zwar nicht bevorzugte aber zuvorkommend behandelte, sodass ich merkte, dass die Leute schon wussten, und es ihnen schon klar war, dass ich krank bin, und dass die Ärzte etwas auf mich schauten. Nach einer Narkose wurde ich beispielsweise länger im Aufwachraum gelassen, man schaute, dass ich ein besonders verträgliches Narkosemittel bekam, man betonte mir gegenüber auch, dass ich ja schon einiges mitgemacht hätte, wobei da noch alles vor mir lag, haha. Ich bin nach der Impfung gegen Corona freiwillig anstatt 15 Minuten ganze 30 Minuten geblieben, wobei ich das aus mir selbst heraus so machte, es aber mir niemand ans Herz legte. Zumindest war ich froh, dass ich immerhin priorisiert worden war, aber hätte ich gegen AstraZeneca protestiert, dann hätte ich vielleicht warten müssen. Ich hatte damals extra noch in der Nierenambulanz angerufen und nachgefragt, da hieß es, wir raten zu, AstraZeneca ist besser als nichts. Damals dachte ich schon, jetzt kriege ich einen Besser-als-Nix- Impfstoff. Und das bei einer schweren Erkrankung. Hätte ich abgelehnt und wäre an Corona erkrankt, hätte es geheißen, siehst du, hättest du zugesagt. Daher war ich natürlich auch unter Druck. Hatte man denn nicht Kontakt mit diesem Professor gehabt, der bereits im Februar von AstraZeneca für Menschen mit einer Nierentransplantation abgeraten hatte? Oder haben die einfach sich selbst ständig eine Meinung gebildet? Oder gab es halt einfach nichts anderes in dem Moment? So musste man nehmen, was da war. Ich dachte, die längeren Wartezeiten, dass Mauern, die Kämpfe um Untersuchungen, die mangelnden Antworten, die passive Haltung, die ich manchmal spüre, kämen daher, dass gespart werden müsste. Mein Bruder ist etwas schwerer krank als ich, und bei ihm schaut man auf alles. Ist auch richtig so, aber ich spüre eben die Diskrepanz zwischen mir und ihm. Ich finde, das, was ich habe, ist auch schon genug. Ich glaube, man mag mich einfach nicht, das deckt sich auch mit den anderen Erfahrungen, dass ich allem hinterherlaufen muss. Normalerweise müsste ja ein Arzt auf den Tisch hauen und sagen, die Frau hier ist schwer krank, wir haben eine Direktive, dass diese Leute kein AstraZeneca kriegen sollten, und da wird etwas drauf geachtet. Ich falle aber überall irgendwie hinten runter und durch die Maschen. Ich finde es schon bitter, ich wollte immer Ärztin werden, das wäre mein Traumberuf gewesen, und aufgrund meines Studiums zur medizinischen Fachübersetzerin und durch meine eigenen langjährigen Erfahrungen als Patientin habe ich mit Sicherheit die Hälfte des Wissens eines Hausarztes. Und ich, wenn ich Ärztin hätte werden dürfen, hätte niemandem mit meiner Erkrankung AstraZeneca gegeben, und wenn ich auch Nephrologin hätte werden können, hätte ich in dem Bereich, wo ich was zu melden gehabt hätte, kein AstraZeneca eingesetzt. Ich habe in einem ernst zu nehmenden Newsletter eines Fernsehsenders aus den regionalen Dritten gelesen, dass AstraZeneca als Vektorimpfstoff ja so gestaltet ist, dass harmlose Schnupfenviren gebrütet werden, damit sie dann als Taxi die Information über Corona in die Zelle bringen. Es gäbe aber Menschen, die ein altes Programm hätten, dass sie, wenn sie in Berührung mit anderen fremden menschlichen Zellen kommen, darauf mit Unverträglichkeit reagieren. Allergisch kann man es ja wohl nicht nennen, denn Allergien laufen, egal welcher Stoff es ist, immer nach dem gleichen Prinzip ab. Es werden ja Embryonen benutzt, um den Wirkstoff zu brüten, wobei dies für mich ethisch kein Problem ist, denn soviel ich das verstanden habe, sind die Embryonen, die irgendwann mal abgetrieben wurden, von Frauen, die wahrscheinlich, wenn sie nicht bereits tot sind, längst nicht mehr im gebärfähigen Alter sind. Da ich sowieso für die Wahlfreiheit der Frau bin, macht mir das nichts aus. Aber es sind ja nicht meine Embryonen, und wenn man die Dinge, die einem fremd sind, schlecht verträgt, brauche ich mich nicht zu wundern, dass ich so reagiert habe. Dann liegt die tolle wundersame heftige Reaktion von meinem Körper nicht daran, dass ich etwa besonders toll auf den Impfstoff reagiert hätte, sondern einfach daran, dass sich offenbar eine Menschen Allergie habe. Oder, pardon, eine Menschenunverträglichkeit. Ich glaube, diese habe ich auch im übertragenen Sinne. Man sollte wirklich zu einem Misanthropen werden, wenn man das erfährt. Meine Niere vertrage ich aber wunderbar. Gott sei Dank. Eigentlich müsste ich dann auch diese Impfstoffe gut vertragen. Aber vielleicht sind das wieder andere Dinge, die da drin sind, die eine solche Reaktion auslösen. Die Schnupfenviren können es ja nicht sein. Aber irgendetwas ist drumherum, was ich nicht gut vertragen kann. Meine Schwester erzählte mir, dass sie einer Frau aus einem Heil- und Hilfsberuf kennt, welche nur über Vitamin-B an den mRNA-Impfstoff kam, da sie mit einer der Krankenkassen gute Beziehungen hätte. Und da muss ich mich noch von Leuten belehren lassen, dass doch in den Beipackzetteln ziemlich viel Zeug drinsteht, was es an Risiken und Nebenwirkungen gibt, und man doch darauf nichts zu geben bräuchte. Aber ich hatte ja Nebenwirkungen, und wahrscheinlich waren auch einige Risiken dabei. Ich möchte nicht wissen, wie viele Leute kleine vorübergehende Thrombosen hatten, die sich aber vielleicht schnell aufgelöst hatten, und die wegen ihrer Kopfschmerzen nicht zum Arzt gingen. Verifizieren kann man das im Nachhinein natürlich nicht mehr. Der Facharzt meinte, machen sie einen Haken dran. Ich finde es immer sehr spannend, welche Empfehlungen mir andere geben, wie ich persönlich mit Dingen, die mir widerfahren, umzugehen habe. Ich hätte am besten sagen sollen, ja, wenn es ihnen hilft. Denn eigentlich geht es nur darum, mir immer zu widersprechen, immer dagegen zu reden und keine Empathie zu haben, sondern möglichst schnell die Sache vom Tisch zu wischen, um sich nicht mit mir auseinanderzusetzen. Ich hätte gute Lust, einfach mal ganz unschuldig an diesen Professor zu schreiben und nachzufragen, warum das passieren konnte, wo doch die Empfehlung lautete, dass Menschen mit einer Nierentransplantation kein AstraZeneca kriegen sollten, ich das aber trotzdem erhalten habe. Eigentlich bin ich damit nicht lege artis behandelt worden, und ich erachte das als Diskriminierung. Mein Bruder hat natürlich den Impfstoff gut vertragen, da er den anderen hatte, und meine Mutter betonte immer wieder, aber dein Bruder hat es doch gut vertragen. Ich sagte mehrfach, aber er hat auch was anderes bekommen. Als ich ihr das schließlich darlegte, flüchtete sie sich in Ausreden und meinte, sie sei doch eine alte Frau und können nicht wissen, was das für Medikamente sind. Dafür war sie aber zunächst ziemlich überzeugt gewesen. Statt mal zu sagen, du hast recht, da habe ich dir Unrecht getan. Aber es muss halt wieder mal so sein, dass ich die Wehleidige in der Familie bin. Und dass der Mensch, der wesentlich kränker und ärmer dran ist als ich, natürlich auch der tapferere von uns beiden ist und kein so ein Theater macht. Kurz um, das deckt sich alles damit, dass ich auch in meinem sonstigen Leben allem nachrennen muss, überall erst einmal an Grenzen stoße, um alles erst einmal kämpfen muss, und dann ewig auf Antwort warten muss, am Ende denkt man dann, die ist ein einziger Querulant. Ein Teufelskreis, den man offenbar nicht mehr aufbrechen kann. Ich möchte einfach nur etwas zuvorkommender und 8 Samer behandelt werden. Dies hat nichts mit Bevorzugung zu tun. Und ich kann da keinen Haken dran machen, wenn ich wiederum befürchten muss, die schlechteren Medikamente zu kriegen, mehr darum kämpfen zu müssen, etwas zu erhalten, oder bei Krankheit verstärkt um einen Arztbesuch bei mir zu Hause und um Hilfe vom Notdienst der KV ringen zu müssen, oder weniger an Entgegenkommen von allen möglichen Dienstleistern zu erhalten. Das deckt sich auch mit allen anderen Dingen, die ich so erlebe. Da wird in meinem Alltag von Dienstleistern einfach mal kurzfristig abgesagt, dann wird nicht zurückgerufen, dann wird niemand für mich gefunden, irgendwie habe ich das Gefühl, als sei ich einfach von der Gesellschaft auf die schwarze Liste gesetzt worden. Ich hoffe, dass ich beim nächsten Mal dann wieder einen mRNA-Impfstoff erhalte. Der einzige Vorteil ist, dass die Kombination dieser beiden Wirkstoffe sich optimal ergänzt, denn schließlich setzen die Impfstoffe an unterschiedlichen Stellen an, und der Wirkstoff ist ja jeweils draußen, wenn der andere kommt, und der Schutz soll besonders gut sein. Ich bin prinzipiell ein richtiger Impf-Junkie. Was gemacht werden kann, lasse ich auch machen, und ich bin froh, wenn es Möglichkeiten gibt, sich zu schützen. Nur möchte ich nicht das Gefühl haben, dass ich ein Außenseiter der Gesellschaft bin, für den niemand den Arsch in der Hose hat, sich auch mal einzusetzen. Und wenn man dann kämpft, heißt es, die ist schwierig. Wenn man nicht kämpft, fällt man hinten runter.

Ha-Ha-Ha-Hauptsache, Du selbst weißt, was Du wert bist....

Es heißt zwar immer, Hauptsache, man selbst ist sich was wert, aber stellt man sich mal folgendes vor: es gäbe eine alte Kommode, die hat 3 Beine, sie sieht sehr alt und wurmstichig aus. Alles ist schon abgeblättert. Morgen kommt jemand, und schmeißt sie auf den Sperrmüll. Doch dann geschieht ein Wunder: ein Restaurator kommt und sieht, dass es sich um eine Kommode aus dem vorherigen Jahrhundert handelt, dass sie in einem reichen Haushalt gestanden war, und dass sie zu einem Möbelensemble gehört, und somit eine Rarität und eine Antiquität darstellt. Daher wird sie abgebeizt, das fehlende Bein wird ersetzt, und die Kommode wird gesäubert. Sie wird nicht weggeworfen. Sie kommt in die Ausstellung mit den anderen Möbeln des Ensembles und liefert für Besucher wertvolle Informationen aus der entsprechenden Zeit. Einer Kommode kann das natürlich egal sein, was mit ihr passiert, oder ob man sie überhaupt sieht und sie wertschätzt. Einem Menschen ist es aber nicht egal. Es gibt ja im Internet so nette kleine Vorträge darüber, dass ein 50 € Schein zerrissen, zertreten, zerknüllt, verschluckt, verbrannt etc. werden könne, er bliebe immer noch 50 € wert. Auf Gold muss aber immer Licht fallen, ohne Licht glänzt Gold nicht. Manche Menschen scheinen wohl von innen heraus zu leuchten, mir gelingt das offenbar nicht so sehr. Ich finde schon, dass man auch von außen definiert wird, und dass der soziale Wert, nicht der menschliche Wert an sich schon von der Gesellschaft mit definiert wird. Was nützt es mir, wenn ich selbst weiß, was und wer ich bin, wenn es sonst keiner weiß? Das soll jetzt nicht narzisstisch klingen, auch wenn man es wahrscheinlich nicht äußerlich von Nazismus unterscheiden kann, wenn ich sage, ich werde unterschätzt. Oft wird meine Behinderung unterschätzt, meine Möglichkeiten werden überschätzt, und mein Können wird unterschätzt. Es gibt jetzt zum Beispiel bei uns die Möglichkeit, zusammen mit behinderten und nicht behinderten eine Stadtführung zu machen, ich bot auch an, auf Englisch Stadtführungen zu machen, da ich ein Jahr in England und ein Jahr in Amerika gelebt habe. Es stellte sich dann raus, dass die Dame, die all das koordiniert, sogar als Dolmetscherin schon gearbeitet hat und auf der gleichen Universität war wie ich. Sie meinte dann, ja, das kriegt auch ein Übersetzer hin. Ich finde aber auch, dass das wenig mit Übersetzen zu tun hat, wenn ich einen Text selbst hervorbringe und mich dann hinsichtlich der Terminologie zuvor in Ruhe vorbereiten kann. Selbst jemand mit einem englischsprachigen Elternteil, der nicht Übersetzer oder Dolmetscher ist kann das. Außerdem habe ich einmal eine Quereinsteigerrin erlebt, die gedolmetscht hat, was für mich wirklich zum Niederknien war. Das hätte ich im Leben nie so hingekriegt, und ich schwärme heute noch davon. Es läge mir aber fern, ihr zu sagen, das haben sie aber gut gemacht, denn in dieser Position bin ich nicht. Dennoch habe ich ihr gegenüber meine Begeisterung ausgedrückt. Lob finde ich immer ziemlich gönnerhaft. Mir sagte mal einer, als ich über meine technischen Probleme erzählte, und wie ich sie dann überwunden habe, „du bist über Dich hinausgewachsen“, was für mich wie die Kopfnote auf einem Halbjahreszeugnis klang. Es ist noch nicht klar, ob ich damit machen kann, da viele bereits als Tandem gekommen sind, und nun komme ich in die 2. Ausbildungsgruppe. Aber ich hoffe, dass es klappt. Sinnesbehinderte sind ja bereits in der Arbeitswelt schon eine Herausforderung für die Umwelt, und wahrscheinlich auch in der Freizeitgestaltung. Ich wurde nochmals angerufen, um mir Bescheid zu geben, dass ich noch im Rennen für die zweite Runde bin, und dass man dran ist. Einige Tests wurden jetzt angeboten, zum Beispiel von einer Supermarktkette, die Probanden suchte, die die Barrierefreiheit ihrer Homepage testen. Man musste ein Casting durchlaufen, indem man kurz erklärt, warum man dort mitmachen wollte. Ich sagte, dass ich so ziemlich die unterste Grenze bin, wenn ich es schaffe, diese Homepage zu bedienen, dann schafft es jeder. Ich erhielt erst einmal wochenlang keine Antwort, und danach bekam ich eine E-Mail, das Los habe entschieden, und ich sei leider nicht dabei. Warum die dann aber ein Casting machen, verstehe ich nicht, und warum ich mich dann hinsetze und das Ganze aufnehme, was ja für mich auch einen gewissen Aufwand bedeutet. Zum Glück war das nicht so umständlich, aber dennoch hätte dann auch eine kurze Bewerbung per E-Mail gereicht. Dann wurde noch die Ästhetik von Blinden getestet, denn man wollte Tastenfelder und Bedienelemente haptisch anders gestalten, oder zum Beispiel mehr Kontrast verwenden. Auch hier war alles schon voll, kein Platz mehr. Nun habe ich mich noch für eine Studie beworben, die ausgeschrieben wurde, wo es um die Entwicklung eines offline-Sprachsystems ging. Ich fragte auch gleich nach, ob ich für unseren Radiosender ein Interview machen könnte. Man wolle den Professor fragen, ob das geht. Ich bin gespannt, ob ich da noch mal was höre. Ich finde das schon irgendwie traurig, früher habe ich mich immer auf Arbeitsstellen beworben und bin abgelehnt worden, jetzt suchen diese Leute schon Probanden und Probandinnen , und eigentlich bin ich doch jetzt diejenige, die etwas anbietet, nämlich mich selbst, meine Erfahrungen und meine Bedürfnisse, damit die etwas dementsprechendes entwickeln können, und trotzdem muss ich klinken putzen. So langsam habe ich keine Lust mehr. Auch finde ich im Moment kaum eine Assistenz. Meine Assistenz ist ja leider nicht mehr im Einsatz, da sie sich noch mal den Fuß gezerrt hat. Die andere hatte ich nicht mehr haben wollen, da die Zusammenarbeit mit ihr nicht mehr so gut war. Eine habe ich noch, die kann aber aufgrund ihrer Weiterbildung oft nicht kommen. Nun kam wieder einer, der bereits einmal bei mir war, der sich aber jetzt weitergebildet hatte. Aber der ist weder geimpft noch getestet, und er möchte keine Maske tragen, er hätte damit Probleme. Ich kann also mit ihm kaum wohin. Und das sagte er mir, nachdem bereits alle Termine mit den Geschäften klargemacht waren. Eine andere Assistenz sollte ich dann kriegen, aber die ist jetzt auch schon voll, obwohl sie neu ist. Ich frage mich, ob da vielleicht frühere Assistenten schon ihren Erfahrungsaustausch über die Kunden mit den neuen machen. Eigentlich heißt es immer, der Kunde soll König, aber ich bleibe immer der die Bettlerin. Außerdem habe ich eine Heilerziehungspflegerin, mit der ich abgesprochen hatte, dass sie nur bei Bedarf zu mir kommt. Es bringt mir nichts, wenn jemand regelmäßig bei mir aufschlägt, wenn ich in der Zeit Besseres zu tun habe, denn meine Probleme kommen nicht nach Stundenplan. Es kann sein, dass ich relativ spontan jemanden brauche, da ich ins Krankenhaus muss, dort vielleicht Unterstützung bräuchte, oder da etwas besorgt werden muss. Das kann sie allerdings nicht leisten, sie hat nur einige kleine Zeitfenster. Ich hatte aber schon erwartet, dass sie ab und zu einfach mal nachfragt, wie es mir geht. Es kam über ein Jahr fast nichts, und wenn ich etwas von ihr wollte, dann hatte sie keine Zeit, und diesbezüglich gab sie mir auch erst kurz vor dem Termin nach Aufforderung Bescheid. Da jetzt wieder die Frage anstand, ob mein persönliches Budget so weiter fortgesetzt wird, bat ich meine Betreuerin, ihr doch mal zu schreiben und zu fragen, ob sie denn noch Lust hätte, mit mir zu arbeiten. Daraufhin kam dann eine relativ förmliche E-Mail, ich hätte nur vor einem Jahr etwas von ihr gewollt, ich hätte ja mit ihr abgesprochen, dass sie sich nur bei Bedarf meldet, und sie habe nur 2 kleine Zeitfenster dann und dann und könne nicht spontan zu mir kommen. Ich schrieb ihr daraufhin persönlich und meinte, ob sie denn nicht Lust hätte, ab und zu mal nach mir zu fragen, wie es mir geht, damit wir vielleicht kurz besprechen, was in der Zwischenzeit passiert war, um sie auf dem Laufenden zu halten, denn ich dachte eigentlich, bei ihr läge ein intrinsisches Interesse an mir vor. Denn die Präsenztermine lassen sich doch auch besser gestalten, wenn man weiß, wie es dem anderen in der Zwischenzeit ergangen ist. Meine Betreuerin meinte, das könne sie doch nicht abrechnen. Natürlich kann sie das, denn sie kann ja 10 Minuten jeweils zusammenzählen, sodass es dann 1 Stunde gibt. Außerdem hat sie mir auf einige Anfragen, auf die sie mir keine hilfreichen Antworten gegeben hat, nicht weiter reagiert, nachdem ich ihr rückgemeldet hatte, dass mir das bisher nichts geholfen hat. Da hätte sie ja normalerweise weiter dranbleiben müssen. Die Betreuerin nahm sie aber mehr oder weniger in Schutz, der Brief sei doch freundlich gewesen, und sie habe vielleicht auch geglaubt, der Vertrag sei beendet. Aber ein Vertrag endet ja nicht einfach so, wenn ich ihn nicht aktiv storniere. Und normalerweise fragt man daher noch mal nach, wenn man den Eindruck hat, die Zusammenarbeit sei nicht mehr erwünscht. Die Nachfrage ging aber jetzt von mir aus. Die Heilerziehungspflegerin meldete sich noch mal bei mir und meinte, ich könne ja von dann bis dann kurz mit ihr telefonieren. Ich bekam also mehr oder weniger eine halbe Stunde, um ihr im Schweinsgalopp ein Update darüber zu liefern, was innerhalb der letzten eineinhalb Jahre passiert ist. Wir könnten das jetzt alle Monate so machen, wenn ich das wollte. Mir reichen auch alle 2-3 Monate, aber dies wäre eigentlich die Grundlage für Präsenztermine. Daher fragte ich sie, ob sie denn auch mal mit mir Schuhe kaufen wollte, da ich gerade neue Sandalen bräuchte. Da meinte sie sofort, das wird aber dann bestimmt länger dauern als die 2 Stunden, die sie jeweils als Zeitfenster zur Verfügung hätte. Sie hat also den Fall der Fälle bereits vorweggenommen, ohne einfach mal zu sagen, klar, machen wir, vorausgesetzt, es dauert nicht länger als 2 Stunden. Sie weiß ja gar nicht, wie lange ich zum Kauf von Schuhen brauche. Ich hatte somit den Eindruck, dass sie gar kein sonderliches Bestreben hat, dass wir auch mal sowas mit einander machen. Vielleicht müsste ich sie dann regelmäßig nehmen, und dann würde sie 2 Stunden hier sitzen und sich mit mir unterhalten. Keine Ahnung, ich kann den Leuten nur vor die Stirn schauen. Ich bräuchte aber jemanden, der mit einem gewissen Vorlauf auch mal spontan etwas für mich tun kann, mit dem ich auch kurz mal telefonieren kann, wenn was ist, ich glaube aber, das würde sie dann schon machen. Ich habe nur das Gefühl, ich muss alles aus der Nase ziehen. Selbst meine Friseurin hat zwischendurch mal nachgefragt, wie es ihren Kunden geht, und das kann sie auch nicht abrechnen, ich fühle mich bei dieser Dame daher mehr wie bei einem Nagelstudio, wo man nur hingeht, wenn man zu lange Nägel hat. Das ist aber eine andere Art der Zusammenarbeit. Seit 20 Jahren gehe ich zur selben Kosmetikerin. Die arbeitet mit Wachs für die Haarentfernung, sie macht mir die Füße, wir haben Freud und Leid geteilt, ich bin immer in dieses Geschäft gegangen, es gab dort mehrere Beschäftigte, Eigentümerinnen und Mitarbeiterinnen. Ich hatte also dort einen Termin für die Fußpflege, und die war ja auch nun in Zeiten von Corona wieder erlaubt. Als ich hinkam, war die Türe zu, man hatte mir den Termin nicht abgesagt. Mittlerweile habe ich jemand anderen, die in der Zwischenzeit eingesprungen ist, und die macht jetzt eigentlich das Meiste. Zufällig war ich mal wieder in dieser Gegend, und meine Taxifahrerin sah, dass an dem Laden ein Schild hing, zu verkaufen. Ich sagte, du irrst dich, das ist ein alteingesessener Laden, das kann nicht sein. Ich wählte also deren Nummer, dort ging dann auch die Juniorchefin hin. Sie erklärte mir, sie seien umgezogen, sie wären jetzt in einem Ort in der Nähe, aber der käme ich ja sowieso nicht hin. Ihre Mutter und sie würden das jetzt alleine weitermachen, die Angestellte sei nicht mehr da. Es wurde also auch wieder bereits vorweggenommen, dass ich da sowieso nicht hinkomme. Ich hätte schon erwartet, dass man zumindest ein Kärtchen allen Stammkundinnen in den Briefkasten wirft und sagt, wir sind umgezogen. Es müsste ja dann der Kundin überlassen sein, ob sie dorthin will und den Weg auf sich nehmen möchte, um sich dort behandeln zu lassen. Ich wurde auch nicht angerufen, ich erhielt keinerlei Nachricht. Rein zufällig bin ich dort vorbeigekommen, und meine Taxifahrerin musste mir sagen, dass der Laden weg ist. Und nur nach einem Anruf dort hat man mir erklärt, dass man nicht mehr dort ist. Und das nach über 20 Jahren. Das bin ich als Kundin wert. Man könnte jetzt spekulieren, dass ich denen sowieso zu viel war, sie mussten mir helfen, sie mussten mich führen, sie mussten sich meine Erzählungen anhören, vielleicht war mein Trinkgeld auch nicht groß genug. Es gebe auch noch andere Spekulationen, warum das jetzt nur noch zu zweit gemacht wird, ich weiß ja nicht, wo die beiden privat wohnen. Ich habe jetzt versucht, mir meine traumatische Zeit im Internat anerkennen zu lassen. Es kam also eine Frau, die mit solchen Leuten spricht. Allerdings falle ich nicht in den genannten Zeitraum, indirekt ist ja auch meine frühere Sehbehindertenschule mit verantwortlich , was danach an heftigem Mobbing in der Regelschule und im dortigen Internat passiert ist, denn sie hätten ja erkennen müssen, dass ich mehrfach behindert bin, und dann hätte man mich auch auf ein Gymnasium für Blinde und nicht in ein Gymnasium für Sehende schicken können. Damals gab es dieses Pilotprojekt, in dem ich extrem unglücklich war, wovon ich auch hier in diesem Blog berichtet habe. In der Sehbehindertenschule haben sie zunächst einmal lange mein eingeschränktes Gesichtsfeld nicht erkannt. Sie haben auch nicht mitbekommen, dass ich Probleme mit der Motorik, der Koordination und im Gleichgewicht hatte, und dass ich einen atypischen Autismus und eine ADHS habe. Viele dieser Diagnosen gab es damals einfach noch nicht, aber es gab eine Frühförderung, und es gab die Möglichkeit, motorische Entwicklungsverzögerungen zu erkennen. Und man hätte auch eine Frühförderung einleiten können. Dafür hat man mich 3 Stunden jeden Freitag und 3 Stunden jeden Sonntag mit dem Bus durch die Gegend gekarrt, um alle behinderten einzusammeln und sie in die entsprechenden Heime zu verfrachten. Unser Heimweh wurde nicht sonderlich beachtet, wenn man wegen vieler Dinge geweint hat, wurde man noch geschimpft, mir wurde verboten, mit den Händen zu tasten, ich solle bitte schauen und nicht fühlen. Emotional wurden wir ziemlich auf uns selbst zurückgeworfen, die Erzieher durften uns auch nicht in den Arm nehmen, und außerdem hatten wir ziemlich viele dieser psychologischen Maßnahmen. Wir hatten ein Punktesystem, wer sich gut verhalten hat, bekam ein Kärtchen, und wer bestimmte an Gewohnheiten, die zuvor in einer Liste an einer Pinnwand festgelegt wurden, nicht abstellte, bekam. Punktabzug und kein Kärtchen und durfte dann somit nicht mit zu den Gruppenaktivitäten. Ich finde es nicht schlimm, Konsequenzen einzuleiten, aber Ausschluss von Gruppenaktivitäten sollten niemals stattfinden. Es gibt auch andere Möglichkeiten, negative Konsequenzen folgen zu lassen. Außerdem war alles immer ziemlich förmlich, jegliche Nestwärme hat gefehlt, wir wurden häufig mal in irgend so einem Stuhlkreis mit der Kamera aufgenommen, was dann auch, ohne uns zu fragen, weitergegeben wurde, das hat mich dann auch während der Integration, wo wir uns zu bestimmten Wochenenden in der sehbehinderten Schule trafen, ziemlich geärgert. Ich sagte damals, ich bin doch auch eine Persönlichkeit und möchte nicht, dass ungefragt irgendwelche Filme von mir weitergegeben werden. Den Status eines Kindes verliert man hier wohl nie, das wurde dann auch belächelt. Wir mussten uns selbst oder andere spielen, um bestimmte negative Eigenschaften an uns zu zeigen oder an anderen, es gab diese merkwürdigen heißen Stühle, die in den siebziger Jahren total modern waren. Ich fand diese psychologischen Spielchen im Nachhinein fürchterlich. Sie haben nur meinen Selbsthass gefördert, denn ich habe mich immer als jemanden gespielt, die überall anstößt, und eigentlich hätte das Betroffenheit bei den Erziehern auslösen müssen. Wenn ein Kind sich so sieht, dann ist das eigentlich schlimm. Denn ich wurde noch immer als Träumerin hingestellt, wenn ich überall dagegen lief, wenn ich Dinge über Saar oder Leute umrannte. Außerdem hat man mich immer verdächtigt, das zu sehen, was ich sehen will, oder dass ich einfach nur faul bin. Dafür hätte man mich nicht in eine Sehbehindertenschule stecken müssen. Daher lautete eben mein Vorwurf, hätte man damals bemerkt, dass ich nicht nur einfach sehbehindert, sondern fast blind und mehrfach behindert bin, hätte man mich ganz anders behandelt, hätte ein ganz anderes Verständnis für mich gehabt, und man hätte mich auch nicht auf diese schreckliche weiterführende Schule geschickt. Die Frau meinte dann, es täte ihr leid, dass mir das alles passiert sei. Ich freute mich, endlich erkennt das mal jemand an. Dann aber schwenkte sie wieder um, wie ferngesteuert und meinte, es täte ihr leid, dass ich das subjektiv so empfunden hätte, für andere sei das vielleicht gar nicht schlimm gewesen, für andere sei wieder etwas anderes schlimm gewesen, und es sei aber nicht ihre Aufgabe, das zu beurteilen. Ich finde, das ist schon ihre Aufgabe, denn hätte ich ihr lauter Blödsinn erzählt von wegen, ich durfte nicht so lange Fernsehen, wie ich wollte, oder ich habe nicht genügend Süßigkeiten gekriegt, oder ich durfte kein Kaninchen im Zimmer halten, dann wäre das zwar vielleicht subjektiv für einige Menschen auch schlimm gewesen, aber es geht ja nicht darum, dass ich anerkannt werde, weil für mich etwas schlimm war, sondern Anerkennung bedeutet ja, dass andere sehen und erkennen, dass es wirklich schlimm war. Es gibt ja schon ein gewisses Maß, welches objektiv anzulegen ist. Wenn ich zum Beispiel nicht genügend zu essen bekommen hätte, oder wenn ich nicht genügend Schlaf gehabt hätte, gibt es ja da auch ein objektives Maß und ein subjektives Bedürfnis. Ich finde schon, dass man das unterscheiden muss. Und ich finde, es gibt auch ein objektives Maß an emotionaler Zuwendung und Förderung, und es gibt Menschen, die subjektiv den Eindruck haben, man habe ihnen nicht genügend gegeben, obwohl es schon im Bereich des Normalen war. Aber ich finde, wir hatten auch objektiv sehr wenig an emotionaler Unterstützung, die man gerade als schwer mehrfach behindertes Kind braucht. Sonst hätte ich auch zu Hause bleiben können. Es gibt natürlich auch Schlimmeres, Kinder, die geschlagen wurden, oder die ihr Erbrochenes aufessen mussten, oder die sogar sexuell missbraucht wurden, aber ich sagte ihr, es ärgert mich, wenn man nur dann anerkannt wird, wenn man geschlagen wurde, oder wenn sexueller Missbrauch im Spiel war. Sie sagte, dass, was mir passiert sei, sei emotionale Verwahrlosung. Aber dann kam natürlich gleich wieder das obligatorische Gerede: manche Kinder hätten sich das woanders holen können, manche Kinder hätten auch nicht so viel gebraucht. Das ist aber doch nicht deren Verdienst. Da hatten die einfach Glück. Außerdem suggeriert sie mir ja damit, ich sei einfach nur besonders sensibel und besonders bedürftig. Und man kriegt keine Anerkennung dafür, dass man einfach nur eben besonders sensibel und besonders bedürftig ist, sondern, dass objektiv Dinge gefehlt haben. Damit gibt sie mir ja eine Teilschuld und befreit mich nicht davon, es einfach nur falsch empfunden zu haben. Früher sagte man mir, du bildest dir das alles nur ein, heute sagt man, es war eben für dich so. Das ist aber das gleiche, als wenn man mir sagen würde, es war nur in deinem Kopf. Das wäre so, als würde ich zu einem Schreiner gehen und ihm ein Brett mit 4 Kugeln hinhalten und sagen, das ist doch kein Tisch. Und er sagt dann, wenn das für Sie kein Tisch ist, dann ist das für Sie kein Tisch. Vielleicht möchte ich aber sein objektives Urteil darüber, ob es wirklich ein Tisch ist, da man mir das Ding für einen Tisch verkauft hat, und ich jetzt wissen möchte, ob ich das wirklich zahlen muss, oder ob ich Nachbesserung verlangen kann. Dann hilft mir die Aussage, für sie ist das eben kein Tisch, herzlich wenig. D. h. ja geradezu, eigentlich hattest du genug, aber du bist eben nicht zufriedenzustellen. Ich habe ihr dann noch mal das Gutachten geschickt, dass ich wegen meiner Diagnostik hinsichtlich eines Traumas habe machen lassen, und sie schrieb mir dann, es täte ihr leid, dass bei mir der Eindruck entstanden sei, dass sie mir nicht geglaubt hätte. Ich schrieb ihr, natürlich habe ich bemerkt, dass sie mir glaubt, nur habe sie das Ganze eben so eingeschätzt, dass es für mich subjektiv schlimm sei, und dafür sei eine Anerkennung ja nutzlos, denn es ging mir um die ideelle Anerkennung dessen, was mir passiert war. Wenn es nur mein Eindruck gewesen wäre, dass sie es nicht anerkennt, müsste ich mich eigentlich bei ihr entschuldigen. Das sage ich jetzt immer, wenn ich solche Entschuldigungen 2. Klasse kriege. Politiker sagen auch immer, es tut mir leid, wenn sie sich auf den Schlips getreten fühlen. Das wäre ja so, als wenn ich jemanden schlagen würde und dann sage, es tut mir leid, dass der Schlag ihnen so wehgetan hat, andere empfinden das nicht so. Man stelle sich mal vor, ein Kardinal würde sich hinstellen und zu den Missbrauchsopfern sagen, es tut mir leid, dass sie sich missbraucht gefühlt haben. Warum tun ihm die Gefühle des anderen Leid? Das ist wie ein Freispruch 2. Klasse. Eigentlich kann einem doch nur das leid tun, was man getan hat und nicht das, was der andere wegen einer vermeintlich harmlosen Geste fühlt. Damit wird der Geschädigte mit ins Boot der Verantwortung genommen. Mir ging es nur darum, dass mir einfach mal jemand sagt, das war objektiv schlimm, nicht nur, weil du irgendwie besonders komisch bist, und es tut uns leid, dass dir das passiert ist. Das wäre eine Erlösung für mich gewesen davon, dass ich einfach nur selbst schuld war, oder dass ich mir alles nur eingebildet habe. Es hätte meine Wahrnehmung bestätigt. Das Gefühl zu haben, heute würde man das nicht mehr so machen, das war tatsächlich falsch. Irgendwie bin ich in der alten Zeitschleife hängen geblieben, bei anderen heißt es immer, man müsse deren herausfordernde Verhaltensweisen als einen Versuch werten, mit den Dingen klarzukommen. Das hätte ich mir damals gewünscht, als ich im Internat war und dort dann, da mich niemand hörte, ziemlich viele dieser Art von Verhaltensweisen an den Tag gelegt hatte. Heute heißt es überall, man müsse solche Verhaltensweisen deuten, meistens sei es ein Problem der Umwelt. Wenn ich aber komme, heißt es, du musst dich anpassen, die Welt ist nun mal böse, mit unsichtbaren Behinderungen kann man eben nicht umgehen, und du möchtest doch integriert werden, also musst du dich behandeln lassen, um dich zu verändern. Bei anderen heißt es, es ist normal, verschieden zu sein, Mobbing ist immer falsch, es ist nie das Opfer schuld, und jeder darf so sein, wie er ist, und wenn er sich merkwürdig verhält, dann liegt das vielleicht an den Umständen um ihn herum, mit denen er nicht mehr klarkommt. Man achtet immer mehr darauf, dass die Umwelt weiß, was ein behinderter Mensch braucht. Ich würde mir auch wünschen, dass man dies bei mir tun würde, aber da heißt es, sie müssen sich anpassen. Damals hieß es auch immer, wenn du integriert werden möchtest, musst du dich ändern, die anderen kannst du nicht ändern. Bei einem Rollstuhlfahrer würde niemand sagen, du musst eben laufen lernen, wir machen die Stufen nicht weg. Wenn ich mir aber wünsche, dass sich die Umwelt auf meine Behinderungen einstellt, wird dies als mein Freibrief gewertet, dass ich mich schlecht verhalten möchte, um meine Behinderung als Entschuldigung herzunehmen, bequem zu sein. Dabei habe ich mich nie besonders extrem schlecht verhalten, ich habe niemandem geschadet, ich bin nicht besser oder schlechter als andere. Es geht mir nur darum, dass meine Behinderungen nicht als ein schlechter Charakter, als Faulheit, als Ungeduld, Egoismus und anderes angesehen werden, sondern dass man all dies im Licht meiner Behinderungen sieht. Ich bemühe mich redlich, und ich finde es menschenverachtend und eine böswillige Unterstellung, wenn man immer gleich die schwarze Pädagogik anwendet, der Mensch müsse sich anpassen, sonst würde er ja seine Behinderung als Entschuldigung hernehmen, um sich schlimm zu verhalten, oder um sich bedienen zu lassen. Als ob ich jetzt den Paragraf 51 oder einen „Jagdschein“ beantragen wollte, um munter drauf los Leute umzubringen, um das dann auf meine Behinderung zu schieben. Andere Menschen in anderen Kontexten, zum Beispiel die Umpolung von Linkshänder auf Rechtshänderin, oder von homosexuell auf heterosexuell wird ja heutzutage auch nicht mehr praktiziert, man würde sich bei diesen Leuten heute entschuldigen und sagen, es tut uns leid, dass sie so ein Leid erfahren haben. DA würde ja auch keiner hergehen und sagen, bei dir machen wir eine Ausnahme, du musst weiterhin um trainiert werden. Aber sobald ich komme, wird mir erklärt, dass die Welt nun mal böse ist, und dass die Menschen halt so sind, und dass ich mich bitteschön damit abfinden soll. Ich soll bitteschön in Reparatur gehen, so wie man es früher während meiner Zeit im Internat auch mit mir gemacht hat, du musst halt lernen, mit den Dingen klarzukommen. Denn bei mir sei es ja angeblich der Charakter, keine Behinderung, die mein nahes Umfeld verstehen und sich dementsprechend anpassen könnte. Es wäre eine Dreistigkeit, so hat mir das mal eine Ergotherapeutin gesagt, dass zu erwarten. Selbst von meinem engsten Umfeld könne ich das nicht verlangen. Da müsse ich schon eine Therapie machen, den Leuten klarzumachen, was ich brauche. Da müsse ich schon selbst auf den Tisch hauen, und sie belehrte mich eben, dass die Welt nun einmal ganz, ganz böse sei. Das hat man mir schon in den achtziger Jahren gesagt. Kinder sind eben grausam, das ist eben so. Für mich hat sich also nichts geändert, während es heute sehr viele Aktionen gegen Mobbing gibt, bei denen ganz klipp und klar gesagt wird, so etwas geht nicht, egal, wie man ist. Es gibt reihenweise Vorträge von Autismusexperten, wie man mit Autisten umgeht, und dass man sie und ihr Verhalten besser versteht. Und wenn sie sich irgendwie anders verhalten, dann müsse man das als Versuch verstehen, die Situation zu bewältigen. Daher fühle ich mich selbst sozial so Unwert, denn ich habe immer eher das Gefühl, die Leute sind noch oft genauso genervt, passiv aggressiv, abwehrend und ablehnend mir gegenüber, wie sie es damals waren, als ich im Internat so verzweifelt war und mit allen Mitteln um Hilfe gerufen habe. Und das einzige an Anerkennung und Würdigung, wohlwollender Betrachtung und Verständnis, was ich kriege, ist dann, es tut mir leid, wenn das für Sie so schlimm war. Solange die Außenwelt nicht anerkennt, dass es nicht an mir gelegen hat, sondern dass die Bedingungen gerade in diesem Internat und auch heute manchmal für mich zu schwer sind, und dass ich nicht nur einfach faul oder bequem, ungeduldig, unreif, verwöhnt oder naiv bin, oder keine Frustrationstoleranz hätte, und dass auch die Außenwelt hier mehr tun müsste, um diese sozialen Barrieren für mich abzubauen, wird sich daran auch nicht viel ändern. Wenn mal jemand sehen würde, dass ich mir viel Mühe gebe, dass ich vieles aushalte, und dass ich mich sehr anstrenge, würde mir das auch mal guttun. Ich nehme wirklich die Dinge in die Hand, bin wirklich kreativ und aktiv, aber es stellt sich viel in den Weg, statt das dann mal einer sagt, Mensch, du machst wirklich viel und gibst dir Mühe, ergreifst die Initiative, aber es ist wirklich schwer, komme ich mir noch vor, als sei ich einfach nur jemand, die er rummeckert, wenn nicht alles gleich auf Anhieb klappt. Aber die Dinge summieren sich eben auch. Und das sieht keiner. Und dann kommen so Sätze wie, das Leben verläuft eben nicht immer gerade, das Leben ist nun mal ein Kampf, das Leben ist nun mal kein Ponyhof, es kann ja nicht immer alles glatt gehen, das wäre ja langweilig. Ich habe dann mal zu einer Assistentin gesagt, wenn ihnen ihr Leben zu langweilig ist, können wir gerne tauschen. Solange alle gnädig etwas für mich tun, und ich nicht als Kundin die Königin bin, sondern auch noch dankbar sein darf, dass man sich mit mir abgibt, obwohl ich auch Geld bringe, werde ich weiterhin in der Rolle der dankbaren oder undankbaren Bettlerin bleiben und als jemand gesehen werden, die einfach nur zu anspruchsvoll ist. Du weißt halt auch, was du willst. Das kann man zwar als Lob auffassen, aber in gewissen Kontexten klingt das mehr, als sei man einfach nur besonders fordernd und anspruchsvoll. Und das sogar dann, wenn es sich um ganz selbst verständliche Dinge handelt, für die man ja auch bezahlt hat, und die man ja dann auch schön haben will. Ich kann schon zwischen Schikane und einer berechtigten Forderung eines Kunden unterscheiden. Nur wurde ich halt nie darin bestärkt, selbst dann nicht, wenn es berechtigt gewesen wäre. Wer zahlt, schafft an, und wer zahlt, bestimmt die Musik. Das sollte zumindest so weit gelten, dass man nicht noch auf Knien rutschen muss, damit einem jemand hilft. Dafür hat man doch als behinderter jetzt diese vielen Möglichkeiten. Aber offenbar hat sich da noch nicht wirklich viel geändert.

Sonntag, 27. Juni 2021

Die Rolle der Ökologie und andere Kämpfe

Seit mehreren Wochen versuche ich, um der Umwelt etwas Gutes zu tun, eine Dämmfolie hinter meine Heizungen zu bekommen. Es ist zwar jetzt Sommer, aber wir alle wissen, der Sommer ist auch irgendwann mal wieder vorbei. Die Platten hätten zwar nur 8 € das Stück gekostet, aber wenn man sie mit dem großen weltweiten Versandhandel hätte schicken lassen, hätte die Sendung von 5 Platten 40 € Porto gekostet. Daher habe ich mich dann für eine Rolle mit Folie aus dem Baumarkt entschieden, die ich mir schicken lassen wollte, um nicht extra dorthin fahren zu müssen. Ich habe also die Rolle am 1. Juni bestellt. Die Rolle kam nicht. Zuvor hatte ich auch noch ein Medikament bestellt, welches mir über eine Internetapotheke zugeschickt werden sollte, da es privat bezahlt werden muss, dort wurde ich vergessen. Ich habe angerufen, und man hat schnell behauptet, die Versandbestätigung sei gerade rausgegangen, sie kam aber erst 3 Stunden später bei mir an. Offenbar war hier etwas untergegangen, was man ganz schnell nachgeholt hat. Das kenne ich ja. Gezahlt war es schon, denn ich hatte über PayPal per Vorkasse den Betrag bereits entrichtet. Die Rolle kam nicht. Eine Assistentin von mir rief also bei dem Baumarkt an. Man würde sich darum kümmern. Es geschah nichts. Die Assistentin ist mittlerweile wieder auf Reha, denn sie hat noch mal einen Unfall gehabt. Schade, denn sie hat ziemlich viel draufgehabt, sie hat mir sogar meinen Klodeckel angeschraubt, wofür jemand anderes beim vorherigen Deckel Stunden gebraucht hat. Ich dachte, jetzt habe ich wieder jemanden, der was kann. Aber wie gewonnen so zerronnen. Nachdem das Versprechen vom Baumarkt leer geblieben war, habe ich noch mal dort angerufen. Es kam dann heraus, dass die Rolle irgendwo am Hafen hängen geblieben war, da sie mit einem anderen Versand Anbieter außer Hermes und DHL versandt wurde. Ich rief also dort an, wurde nach mehrmaligem Warten dann endlich mal zu jemandem durchgestellt, dann stellte sich raus, dass meine Tracking-ID falsch war, ich habe also noch mal nachgeschaut. Ich hätte einfach nur in der Versandbestätigung auf diese ID draufklicken müssen. Das wusste ich auch nicht. Dort hieß es dann, in irgendeinem dieser Klitschen ist das Paket abgegeben worden. Nur in welcher? Ich rief also bei einer dieser Kl… An, aber dort wurde ich wieder zur Zentrale dieses BUMS- Versandanbieters weitergeleitet. Keine Chance. Ich wäre jetzt aufs Geratewohl zu dieser Kl… Hingelaufen, aber zum Glück hat mich dann der Baumarkt noch mal verständigt, wo die Rolle abgeblieben war, und sie gaben mir direkt die Adresse von genau dieser Punkt.. In der Nähe. Mit meinem tollen Navigürtel bin ich dann dorthin geflogen, über Gras, Stock und Stein, und die Frau hat dann auch irgendwann die Rolle, die in einem flachen Paket verpackt war, gefunden. Sie hat sogar einen Henkel aus Tesafilm geformt, damit ich das Ding nach Hause tragen konnte. Bei Stiftung Warentest hieß es, man könne seine Fenster jetzt mit Folie bekleben, damit die Folien dann die Hitze reflektieren, um diese draußen zu halten. Die größte Hitzewelle ist ja jetzt sowieso schon vorbei. Es wurde eine dieser großen Folienhersteller genannt, tatsächlich fand meine Assistenz einen. Aber schön und wahr sind 2 Gegensätze, die sich nicht vereinen lassen. Daher habe ich also dorthin geschrieben, und man schrieb mir zurück, dass man diese Folien nicht führt. Obwohl eigentlich dieser Hersteller genau dafür da sein soll. Ich habe denen also geschrieben und gesagt, dass ich das von Stiftung Warentest gehört hätte, dass ich schwer mehrfach behindert bin, und dass ich niemanden sonst finde. Man hat mir dann zur Beruhigung einfach mal irgendeine Adresse zugeschickt, um mir das Maul zu stopfen. Ich habe natürlich erst mal gedacht, wie nett, dass er sich noch mal Mühe gibt und mir eine andere Adresse zusendet. Ich habe dann bei einer Selbsthilfefirma angerufen, die mir schon mal mit meinen Fliegengittern geholfen hatte. Die Fliegengitter waren das Einzige, was bisher ohne Kampf geklappt hatte. Dazu habe ich auch hier etwas geschrieben in meinem Blog. Sie meinten, sie könnten mir zwar die Folie hinter die Heizung machen, aber sie könnten mir nicht die Folien auf die Fensterscheiben auftragen. Ich sagte dann, wenn Sie mir jetzt jemanden besorgen, der mir die Folien auf die Fenster aufträgt, bekommen Sie den Auftrag für hinter die Heizung. Tatsächlich rief sie mich dann sofort an und gab mir die Nummer einer Dienstleistungsfirma, die das macht. Sie hatten sogar schon mit ihr gesprochen, die Frau dort war sehr nett. Ich rief also an, und die dachten, sie müssten das auch mit der Heizungsfolie erledigen. Wir machten aber zunächst mal einen Termin für die Fenster aus, denn die Heizungsfolie sollte ja dann diese Selbsthilfefirma anbringen. Meine Assistenz war ja mittlerweile schon wieder im Krankenstand, so sollte also ein anderer kommen. Zuvor war aber noch der Termin mit der Selbsthilfefirma für die Folien hinter der Heizung. Der Mann war denkbar unfreundlich, er erklärte mir, man müsse dann die Heizkörper abschrauben, und er könne das nicht tun, und er könnte mir auch niemanden organisieren, der das macht. Ich sagte, sie sind doch eine Firma für Behinderte, nein, wir sind ein Dienstleistungsunternehmen. Warum die dann unter dem Dach eines sozialen Trägers laufen, ist mir schleierhaft. Ich hatte diese Selbsthilfefirma auch gefragt, ob sie mir die Trennwand an der Stirnseite meiner Badewanne montieren könnten, denn zwischen Badewanne und Waschmaschine gibt es jedes Mal eine Überschwemmung, die ich nicht aufwischen kann, weil ich nicht hinkomme. Es ist selbst für meinen Arm einfach schon zu eng. Nein, das könnten sie nicht. Ich fragte ihn, ob er vielleicht eine Rigipsplatte dort montieren könnte, er könne ja dann zur Stabilität auch quer über dem Waschturm noch ein Brett montieren, all dies könnte man mit Silikon gut fixieren, dann hätte ich auch ein neues Brett über dem Trockner, das sähe außerdem noch elegant und sauber aus. Nein, das seien Dinge für den Trockenbau, das könne er nicht, weg war er. Mit der Montage einer Glaswand hatte ich schon vorher Pech. Mein Haushaltshelfer meinte, dies gäbe etwas Größeres, das könne er nicht. Er ist ja eigentlich von Beruf Werkzeugmacher und hat mir schon oft erzählt, was er alles Schönes macht, Bänke, Arbeitsplatten etc. Selbst bei meiner von einem Schreiner gezimmerten Bank hat er noch gemeint, das hätte er besser hinbekommen. Aber das mit der Glaswand an der Stirnseite einer Badewanne, nein, das ginge nicht. Ich hatte einen Handwerker, den mir jemand empfohlen hatte, die ich einmal von der evangelischen Blinden- und Sehbehindertenseelsorge traf, und die mir auch den Tipp mit der Küchenfirma gegeben hatte. Der hat mir zweimal bei etwas geholfen, danach hat er jedes Mal einen Grund gehabt, nicht mehr zu kommen. Er meinte, dass mit der Wand traut er sich nicht zu, er kenne aber einen Kollegen, der macht Bäder, der mache dies professionell, und der würde kommen. Der Kollege kam, er wollte mir sogar eine Eckwand mit Tür einbauen, aber ich sagte, dass ich dies nicht bräuchte. Ich bräuchte nur diese eine Glaswand an der Stirnseite. Ja, er würde das machen, und er würde mir ein Angebot schicken. Ich habe ihm daraufhin dann einen Handtuchhalter mit Saugnäpfen gezeigt über WhatsApp, und ich habe ihn gefragt, ob ich den schon mal bestellen sollte, da mein alter Handtuchhalter, den man ja anschrauben müsse, nicht mehr praktikabel wäre. Seither hat er nicht mehr geantwortet. Ich habe danach gefragt, denn meine Taxifahrerin hat mir einen Bekannten von sich empfohlen, mit dem sie sehr gut befreundet war. Der kam dann mal und der andere hat sich nicht mehr gemeldet. Der Freund meiner Taxifahrerin streckte mir trotz Corona ziemlich energisch und selbstbewusst die Hand hin und forderte mich auf, ihm die Hand zu geben. Er erklärte mir, dass er mir für 100 € den Klodeckel, die Glaswand und die Versetzung eines Klorollenhalters erledigen würde, das Material ginge dann auf Rechnung. Mittlerweile hatten wir ja den Klodeckel bereits befestigt, aber er ging trotzdem mit dem Preis von 100 € nicht runter, obwohl er jetzt ein Trumm weniger zu machen gehabt hätte. Dann rief er mich an, er habe 3 Stunden in Baumärkten zugebracht, um die passende Wand zu finden, aber entweder man müsse sie individuell anfertigen lassen oder eine andere Wand zuschneiden lassen, das koste sehr viel Zeit, er müsse sehr viel fahren, er müsse zum Glaser usw. und sofort. Ich sagte, auf Deutsch gesagt, dann kommt es auf 300 € raus, egal, für welche der beiden Varianten ich mich entscheide. Ja, das sei wohl so. Ich schlug ihm also vor, dass er sich das mal mit einer MDF-Platte oder mit einer Rigipsplatte überlegen sollte, vielleicht wäre das die beste Lösung. Dann erwähnte ich noch Onlinemöglichkeiten, so ein Glas individuell anfertigen zu lassen. Nein, das ginge nicht, man müsse ja auch Löcher ins Glas machen, und man bräuchte ja auch eine Schiene. Das waren allerdings alles bat Hersteller, daher ging ich mal davon aus, dass die das nötige Zubehör schon mitliefern, oder dass er weiß, was er noch dazu anfordern muss. Ich bat ihn, sich doch dort mal umzuschauen, und sich mal von mir vor Ort zeigen zu lassen, was ich mir vorgestellt hätte, wenn das mit dem Glas nicht geht. Er würde also noch mal mit seinem Fachmann vorbeikommen, erklärte er mir, was er aber nicht getan hat, er hat aber auch nicht abgesagt. Daraufhin habe ich dann noch 2 weitere professionelle Badtechnikfirmen angerufen, mit einer hatte ich dann einen Termin, es war dann noch jemand dabei, denn ich dachte, dann nimmt er mich mehr für voll und kann mich nicht betrügen. Bei meinem Elektronischen Schloss hat das auch geklappt, da kam jemand, schaute sich das an, und da war noch nicht mal jemand anderer dabei. Trotzdem hat er es bestellt und mir dann ziemlich teuer eingebaut, aber es hat dann auch alles gepasst. Teu-Teu-Teu. Daher dachte ich, das wird jetzt sicher genauso gehen. Der Mann bot mir also an, mir 2 Angebote zu schicken. Mittlerweile hatte dann der Freund meiner Taxifahrerin auf einmal wieder angerufen. Er hätte nur ein Glas mit einem Mindestpreis von 166 € im Internet gefunden. Er habe sich jetzt doch einmal bei diesen Onlinefirmen erkundigt, ich sagte ihm, dass ich jetzt mittlerweile 2 Angebote von einem anderen Anbieter bekommen würde. Da sagte er dann, er habe jetzt schon alles bestellt. Ich erklärte ihm, nachdem er behauptet hätte, dass dies nicht möglich wäre, mich obendrein auch noch versetzt hätte, und noch nicht mal nachgefragt hätte, ob er nun für mich das Glas bestellen sollte, sei das nun sein Problem, ich nehme das nicht mehr. Er legte natürlich beleidigt auf. Mittlerweile habe ich 2 Angebote von dem professionellen Sanitärtechniker erhalten, über WhatsApp habe ich mich mit meiner ehemaligen Assistentin ausgetauscht, er hat mir dann sogar über E-Mail noch mal dieses Angebot zugeschickt, das Glas kostet 109 €, das billigere hätte sogar nur 100 € gekostet. Die Montage kostet 139 €. Was will man mehr. Ich habe jetzt so gesagt und hoffe, dass es klappt. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Bestimmt kriegt er das Glas nicht her. Mittlerweile habe ich dann ja die Rolle für die Heizungen bekommen. Außerdem sollte ja jetzt dieser andere Assistent kommen, da am 21. um 8:00 Uhr die Firma mit den Fensterfolien anrücken wollte, um einige Proben vorzuführen. Wer nicht kam, war der Assistent, über WhatsApp teilte er mir mit, sein Zug hätte Verspätung. Eine halbe Stunde später war er da, aber die Firma war dann schon längst wieder weg. Ich dachte mir, sowas kann ja mal vorkommen. Die Firma hat gemeint, ich solle die besten Folien nehmen, die seien mittlerweile aus Keramik, die seien zwar am teuersten, aber sie würden im Verhältnis zur Hitzerückhaltung das meiste Licht durchlassen. Er würde mir ein Angebot zusenden. Es kam dann auch ein Angebot, aber nicht mit der Keramik, denn wegen Corona würde dieser Kunststoff, der offenbar wie Keramik war, nicht hergestellt. Ich fragte ihn dann über E-Mail, ob es dann überhaupt noch lohnenswert wäre für diesen Sommer, die 1. Hitzewelle sei schon vorbei, und er könne ja jetzt auch nicht morgen kommen, um die günstigere Variante an zu kleben. Dann würde es sich doch lohnen, einfach bis nächstes Jahr zu warten. Er meinte, es würde zwar momentan alles teurer, aber ich solle mich dann halt einfach im Februar noch mal melden. Ich habe dann einfach noch mal bei der anderen Firma angerufen, die mir, um mich abzuwimmeln, von dem Hersteller genannt wurde, der von der Stiftung Warentest so gelobt wurde. Tatsächlich war das lediglich eine Firma, die Werbefolien auf Fensterscheiben klebt. Das war es dann. Ich habe ihm noch mal eine ziemlich böse E-Mail geschrieben, dass ich das Dummchen bin, für welches er mich verkauft hat, denn ich habe tatsächlich dort angerufen und bin natürlich abgespeist worden, denn er hatte ja einfach nur, damit ich Ruhe gebe, eine Adresse geschickt, die wieder mal ins Leere gelaufen ist, wie mir das immer passiert. Der Assistent sollte mit mir auch zum Schuhkauf gehen. Denn alle beiden Paare Sandalen waren jetzt abgetragen und konnten vom Schuster auch nicht mehr repariert werden. Sie waren meine Lieblingssandalen, ich hatte sie 2006 und 2007 gekauft. Ich habe sie leider zu Grabe tragen müssen mit großer Trauer, denn ich hätte nie wieder andere gewollt. Das kann man auch verstehen, wenn man bedenkt, wie viel Kampf im Gegensatz zu normalen Menschen für mich ein Einkauf bedeutet. Denn der Assistent sagte, er wolle sich weder impfen noch testen lassen. Ich solle mal nachfragen, ob er auch so rein kann. Ich rief also 2 Schuhgeschäfte an, bei dem einen hatte ich letztes Jahr ein schönes Paar Lack-Lederschuhe gekauft, und da wollte ich wieder hin. Es ging niemand dran, aber nach einer Weile rief die Dame zurück, um mir zu erklären, dass sie umgezogen seien, und dass dasselbe Sortiment bei einem anderen Schuhladen an meinem Ort zu haben wäre. Ich kündigte also mein Kommen an, und ich hatte noch ein anderes Schuhgeschäft klargemacht. Ich schrieb meinem Assistenten, dass wir in 2 Schuhgeschäfte gehen können, und er hatte sogar Zeit, obwohl er erst meinte, dass er an diesem Tag eine Vertretung anderswo hätte. Ich freute mich also schon. Am nächsten Morgen habe ich dann eine WhatsApp von ihm gelesen, die um 0:00 Uhr abgeschickt worden war, er habe Klaustrophobie und könne keine Maske tragen. Er könne nicht mit mir Einkaufen gehen. Ich habe ihm zurückgeschrieben, dass er doch das eigentlich mit der Klaustrophobie bereits gewusst haben musste, und dann hätte er doch gar nicht zusagen dürfen. Er wollte sich ein Attest von der Ärztin beschaffen, sie konnte ihm aber keines geben, und ich sagte ihm, dass ein Attest völlig nutzlos ist, denn schließlich hat der Ladenbesitzer oder die Ladenbesitzerin das Hausrecht, wenn sie nicht will, dass jemand ohne Maske reingeht, dann darf er nicht rein. Das Attest dient nur dazu, keine Bußgelder zahlen zu müssen. Aber es ist Privatsache des Eigentümers eines Anwesens, denn er oder sie entscheidet, dass jemand nicht reinkommt. Auch Menschen mit einem Blindenführhund dürfen wegen des Hausrechts nicht hinein, so sehr die Hygiene des Hundes auch bestätigt wurde, und so sehr es auf der Hand liegt, dass die Person auf den Hund angewiesen ist. Das muss meiner Meinung nach allerdings geändert werden. Meiner Ansicht nach ist es nämlich mit der Pflicht, eine Maske zu tragen, etwas anders, denn schließlich gefährdet man ja damit die Umwelt. Denn niemand hat vom Arzt ein Attest, das in seinem Mund keine Coronaviren sind. Nun saß ich wieder enttäuscht zu Hause. Nun habe ich bei dem Architekten, der die Balkone in unsere Wohnblocks einbaut, eine E-Mail geschrieben und angefragt, ob ich ebenfalls eine Fliegengittertür einsetzen könnte, ob es möglich wäre, hier etwas Platz zu lassen, und ob er das beim Einbau meiner Balkontür mitberücksichtigen könnte. Es kam erst mal keine Antwort. Nach einigen Tagen habe ich ihm dann noch mal eine E-Mail mit einer Lesebestätigung zugeschickt. Die Lesebestätigung wurde angeklickt, die Antwort kam nicht. Das irritierte mich. Denn das kenne ich, wenn jemand eine Lesebestätigung schickt, kommt danach meist keine Antwort. Wenn jemand, dem ich eine Mail mit Lesebestätigung schicke, wirklich antworten will, klickt er bei der Lesebestätigung auf Nein und schreibt mir dann direkt zurück. Ich mache beides, ich klicke auf Jahr bei der Lesebestätigung und antworte dann. Ich habe jetzt einfach im Internet das Architekturbüro rausgesucht und dort direkt angerufen. Es war der Chef dran, ich habe ihm den Sachverhalt erklärt, er wolle dem Architekten das ausrichten, aber da kam erst mal nichts. Ich habe dann noch mal hingeschrieben, dass ich das als mangelnde Wertschätzung aufweise, wenn ich keine Antwort kriege. Allerdings hat er mich dann umgehend zurückgerufen. Er musste nämlich erst noch den Schreiner fragen, wie wir es machen können. Das wusste ich natürlich nicht. Aber ich war dann froh, er hat sich dann viel Zeit genommen. Es gebe 3 Möglichkeiten, die eine wäre, ein Fliegengitter als Vorhang, aber wenn ich eine Katze will, könnte sie es dann zerstören. Die 2. Möglichkeit wäre einen Rollladen, aber da hätte man die Tür anders gestalten müssen, damit alles zwischen den normalen Rollladen und die Tür passt. Die 3. Möglichkeit ist eine normale Türe, aber dann darf auf dem Balkon nicht viel stehen, denn die Tür möchte man ja auch öffnen. Es gebe aber auch die Möglichkeit, 2 Türflügel zu haben, dann ragt die Tür nicht so weit in den Balkon hinein. Sie könnte ja dann, wenn die Balkontür offen ist, in beide Richtungen schwingen. Er meinte, dass man oben noch den Rollokasten hinter einer Schabracke verbergen müsste, also man wolle jetzt nicht eine alte Frau dorthin hängen, sondern wegen des Denkmalschutzes müsse man eben den Rollokasten verdecken. Das Wort Schabracke fand ich total lustig. Oben ist der Fensterausschnitt rund, oder zumindest die 1. Hälfte, die zwar wahrscheinlich nicht ausgebrochen wird, die aber oben für die Befestigung des Fliegengitter nicht ganz gerade ist. Man könnte also den 1., den oberen Teil, unbeweglich machen, und ab ungefähr 2 m oder 1,90 m kommen dann die Türen. Ich muss das allerdings noch mit der Firma für die Fliegengitter besprechen. Das wird ziemlich aufwendig, aber ich möchte hier in dieser Wohnung auch länger bleiben. Da fange ich schon gleich an, wenn im Oktober der Balkon abgenommen wird, mit dieser Firma dann gleich einen Termin zu machen. Den Winter über können Sie ja dann planen, und im Frühjahr können sie mir dann die Tür einsetzen. Im Frühjahr muss ich mich ja auch wegen der Fensterfolien bei der anderen Firma melden. Ich glaube, der Berliner Flughafen war leichter zu planen. Ansonsten wird alles wohl planmäßig verlaufen mit dem Einbau des Balkons. Es soll wohl auch eine Zwangslüftung eingebaut werden, eine Art Bimetall, das sich dann bei Hitze ausdehnt, dann kommt Luft rein, und bei Kälte zieht es sich zusammen, und das Fenster geht ganz zu. Ich hoffe, dass das dann auch klappt. Und ich hoffe auch, dass das Bimetall sich nicht erst bei Minusgraden zusammenzieht sondern schon dann, wenn es mir zu kalt wird. Ich habe einige Bücher gekauft, die ich leider nicht lesen kann, und die man normalerweise dann einscannen muss. Es gibt aber auch einen Dienst, der diese Bücher aufliest. Ich habe die Bücher direkt an diesen Dienst schicken lassen, was zuvor abgesprochen war. Für die Bücher habe ich insgesamt 105 € bezahlt, allerdings war da auch eine Box mit CDs dabei. Es kam keine Antwort mehr, daher fragte ich danach, wobei es dann irgendwann hieß, man bitte mich um Geduld, man habe noch keinen gefunden, der die Bücher auflesen möchte. Das hätte man mir ja auch mal sagen können, denn ich dachte schon, die Bücher seien verloren gegangen. Das ist schon wieder ein paar Monate her, bisher hat sich offenbar noch keiner gefunden, der bereit ist, gegen Geld die Bücher auf zu lesen. Das Geld für die Bücher habe ich jetzt umsonst ausgegeben. Wir reichen Blinden müssen ja die Bücher kaufen und dann auch noch für teures Geld aufsprechen lassen, denn wir sind ja hier die Edelbehinderten. Wir lesen nicht selbst. Und wir haben Blindengeld. Ich finde es schon schlimm, wie ich zuweilen von einigen Leuten behandelt werde. Ich habe das Gefühl, ich bin sozialer Bodensatz, ich werde einfach ausgesondert, und ich werde einfach an den Rand gedrängt. Egal, wie sehr ich mich ins Leben einmische, ich werde ausgestoßen. Es gibt für mich nichts mehr anderes als Medienkonsum oder Essen und Trinken. So könnte ich dann weiterleben, bis der Herr mich ruft, also bis ich im Grab liege, und dann könnte ich mir noch den Sarg mit einem USB-Anschluss, Internetanschluss und Streaming Diensten ausstatten lassen und hätte bis zum jüngsten Gericht Unterhaltung. So sieht es bei all denen aus, die aufgegeben haben. Wenn man nicht aufgibt und die Klappe aufmacht, dann gilt man als schwierig. Dafür habe ich studiert, dafür habe ich diesen steinigen Weg auf mich genommen. Aber es ist gewollt, dass so jemand wie ich zu Hause sitzt, frisst, säuft und Privatfernsehen schaut. Ich bin nur noch ein Konsument, der Geld in die Kassen der großen Streamingdienste spült. Das ist meine Aufgabe hienieden. Es ärgert mich, wie schwer man es einem macht, auch ökologisch was zu tun. Denn alle Hausbauer kriegen Förderung, wenn sie Energie sparen, nur ich nicht. Man macht es einem kleinen Haushalt ja geradezu schwer bis unmöglich, man lässt einen ja gar nicht ökologisch handeln. Und man lässt einen ja auch nicht gute Bücher lesen, wenn dann niemand mir die Sachen aufliest. Ich habe mal ein Buch dort bestellt mit dem Titel "Geborgenheit", und da kamen "Durchreichungen eines Sektengurus". Das alles war total verquast und verschwurbelt. Es war irgendein Heiliger, der seinen Anhängern Durchreichungen gab. Gegen religiöse Texte an sich habe ich nichts, aber das war sehr zweifelhaft. Ich habe denen daraufhin gesagt, dass sie mal besser aufpassen, was sie da als "Buch des Monats" anbieten. Ich habe es nicht zahlen müssen. Aber seither bin ich dort wohl als Querulantin abgelegt und werde offenbar nicht mehr bedient. Auch habe ich mich beklagt, dass sie ein Buch von Baghdi feilgeboten haben, einem umstrittenen Virologen. Aus Gründen der Rechtslage soll sich jeder undjede lieber selbst ein Bild machen, sonst kriege ich noch Ärger . Aber seither lesen die wohl meine Aufträge nicht mehr auf. So schaut es zumindest aus. Vielleicht kommt ja noch was. Ich hatte dort mal ein Buch hingeschickt, das recht merkwürdig war, das ich aber nichtmehr hier erwähnen darf, und das war selbst mir als Auftraggeberin schon wieder peinlich, vielleicht denken die, dass das wieder so etwas ist. Aber es ist was über den NSU-Prozess, das sieht man schon am Titel. Insgesamt ist es ein Kampf, den man nicht mehr ertragen kann. Es raubt mir die Kraft, und es bremst mich völlig aus. In all meinen Lebensäußerungen und in meiner ganzen Bewegungsmöglichkeit.

Samstag, 29. Mai 2021

Click and Meet

Schon einmal hatten wir ja das aufregende Erlebnis, das ich mit einem Termin zum Einkaufen musste, als ich den Rahmen für ein Gemälde machen ließ, welches meine Schwester von ihrer Katze gemacht hat, die einen Vogel auf einem Baum beobachtet hat. Das Gemälde hat sie mir zugeschickt, und da es den langen Weg aus dem Ausland zu mir gemacht hat, und sie noch einige andere Dinge mitgeschickt hatte, waren einige Löcher in dem Leinen. Es sollte also professionell gerahmt werden. Das war schon aufregend, dann bei einem Geschäft anzurufen, um einen Termin für einen Einkauf zu buchen. Das war ein kleiner Laden mit einer älteren richtigen Handwerkerin. Das hat alles auch prima geklappt. Damals hab ich dann vor lauter Freude folgendes gereimt: Ich hab ein Stelldich ein beim Mann von Obi Ja das lob I mir ja so sehr! Denn komm ich sonst in'n Laden von dem Obi, ja dann tob i, denn der ist leer. Komm ich ums Eck, dann ist er weg, in sein'm Versteck, die Kundschaft kümmert ihn 'nen Drec! Doch heut hab ich ein Stelldichein beim Obi, die Baumarktphobie ist nun passé. Denn kaum bin ich im Laden von dem Obi, dann ruft man Tobi, dass ich ihn seh. Bin ich dann weg, ist er ums Eck, in sein'm Versteck, doch das nun kümmert mich 'nen Dreck. Denn ich hatt' mein Stelldichein beim Mann vom Obi, und jetzt tob i vor lauter Freud!!! Das hätte ich jetzt auch über jeden anderen Laden singen können. Nur es hat sich halt so schön gereimt. Obi denotiert also auch alle anderen Möbelläden, Baumärkte oder Großmärkte dieser Art. Nun war es wieder mal soweit, ich brauchte einen neuen Klodeckel, denn ich wollte einen mit Soft-Close, der mir nicht aus der Hand gleitet und auf die Brille oder mir auf die Finger schlägt. Ich hatte einen von einem Baumarkt, der war aber relativ schnell kaputt. Das Dekor war schon ab, und die Schrauben lösten sich, und die Bremsen versagten, sodass der Deckel jedes Mal gnadenlos nach unten krachte. Ich brauchte außerdem noch ein schönes großes Glas, in das ein Kilo Kaffeebohnen reingeht für meinen Vollautomaten. Man hatte mir empfohlen, einmal in einem Geschäft zu suchen, welches auch ziemlich viel Kleinkram hat. Beide Dinge würde ich also dort finden. Ich schaute im Internet, und ich fand auch die Homepage. Ich wurde sofort aufgefordert, mir ein Datum auszusuchen. Nach ein paar Versuchen gelangte ich dann auch zu der Stelle, wo ich mir ein Zeitfenster buchen konnte. Es sollte dann eine E-Mail mit einem Strichcode an mich gehen. Das geschah leider nicht. Daher probierte ich es noch ein 2. Mal, dann kam zum Glück die E-Mail mit dem heiß ersehnten Strichcode. Ich wollte noch wissen, ob es ein Testzentrum auf dem Gelände gibt, den es stand etwas davon in einem kleinen Absatz unter den Informationen zur Hygiene. Ich fand aber mal wieder nichts. Daher rief ich dort an, aber dort wurde ich dann wieder auf die Homepage verwiesen. Auf der Homepage gab es eine Liste mit all den Zweigstellen deutschlandweit. Ich tippte also auf meinen Ort, und dort hieß es wieder, unter diesem Link hier unten gibt es Informationen, wo es Testzentren auf dem Gelände gibt. Also tippte ich dort drauf und landete wieder bei der Liste, die alle Filialen deutschlandweit anzeigte. Ich tippte also wieder auf meine Stadt und landete wieder auf der vorherigen Seite. Durch meine kognitiven Schwierigkeiten drehe ich mich gerne mal immer im Kreis, da ich dann, mangels abweichendem Denken nicht auf die passende Idee komme, wie ich daraus komme. Meine Assistentin meinte übrigens, sie habe mich jetzt 4 Jahre nicht gesehen, denn ich habe jetzt wieder jemanden, die ich lange nicht hatte. Und ihr sei aufgefallen, dass ich geistig schon etwas nachgelassen hätte. Ich hätte früher bestimmt nicht so lange mit einer Homepage gekämpft. Außerdem hätte ich dauernd auf meinen Einkaufszettel geschaut, als wir in der Drogerie waren. Das hätte ich früher auch nie gemacht. Und ich hätte zehnmal nachgeguckt, ob ich beim Tischdecken auch nichts vergessen hätte, das wäre mir früher auch nicht so ergangen. Es sei ihr also schon aufgefallen, nicht nur, weil ich jetzt ausdrücklich gefragt hätte. Denn ich äußerte schon auch von mir aus, dass mein Gehirn irgendwie nicht mehr richtig funktioniert. Sonst hätte sie vielleicht auch gar nichts gesagt. Daher war ich schon etwas schockiert, allerdings sind ja auch alle Internetseiten anders. Dennoch merke ich, dass ich größere Schwierigkeiten habe als andere Behinderte. Auch wenn die Seite als barrierefrei ausgewiesen ist, schaffe ich es trotzdem nicht. Das bedeutet, eigentlich müsste ich es können, aber es liegt an anderen Schwierigkeiten, warum es nicht klappt. Konkret kann man sagen, wenn jemand keine Arme hat, nicht hört oder nicht sieht, kann man dies einfach ersetzen, oder auch nicht so einfach. Aber wenn man komplex schwer mehrfach behindert ist, weiß man nicht genau, woran es liegt. Man kann ja nicht für jede kognitive Beeinträchtigung oder jede Verarbeitungsstörung eine eigene Homepage machen. Außerdem müsste dann jemand die Zeit haben, sich hinzusetzen, um zu analysieren, woran genau es liegt, oder wo mein Denkfehler ist. Meine Assistentin fand zumindest mühelos heraus, dass es zwar ein Testzentrum auf dem Gelände gab, dass sie aber keine Lust hatte, dort an zu stehen, und sich daher einen Tag vorher testen lassen wollte. Ich bin ja schon zweimal geimpft, daher brauche ich nur den Impfpass, wenn ich irgendwohin möchte. Die Assistentin fand auch heraus, dass es in unserer Filiale kein Zeitfenster geben würde. Wir konnten also so lange bleiben, wie wir wollten. Denn wir hatten das Problem, dass ich um 10 kommen konnte, sie hätte erst um 10:15 Uhr Einlass gefunden. Ich hätte aber nicht alleine dort herumlaufen können. Ich hätte höchstens mit ihr warten können, da dies ja nicht von meinem Zeitfenster abgezogen werden konnte, weil es keines gab. Wir hofften aber dennoch darauf, dass man Menschlichkeit walten lassen würde, und wir zusammen rein könnten. Am nächsten Morgen wurden wir also mit dem Taxi abgeholt, da ich bei meiner Taxifahrerin, mit der ich auch zusammen in der Theatergruppe war, schon einen Wunsch geäußert hatte. Ihr Chef musste dann aber jemanden anderen schicken, da sie es nicht schafften. Als wir also dann bei dem Gelände ankamen, fing uns schon ein Wachmann ab und erklärte uns, dass wir unsere Papiere hier und da und da zeigen müssten, und dass wir separat halten sollten. Wir fragten ihn dann, wie es gehandhabt würde, da meine Assistentin ja als meine Begleitperson mit hinein müsste, aber erst eine Viertelstunde später ihren Termin hatte. Er meinte, wenn es dumm kommt, müssen sie eben getrennt rein. Ich dachte, das ist wieder mal so typisch deutsch. Als wir dann an diesem Kontrollposten waren, gelang es mir wie immer nicht, den Strichcode in meiner E-Mail anzuzeigen. Jedes Mal, wenn ich mit der Bahn fahre, und der Schaffner meinen Strichcode kontrollieren will, wird der Strichcode entweder nicht hell, oder er zeigt sich nicht. Sobald der Druck weg ist, und der Schaffner weitergeht, klappt es mühelos. Wenn ich ein Päckchen aufgeben will, muss ich immer den Strichcode ausdrucken, denn es klappt nicht, dass ich den Code bei der Annahmestelle vorzeigen kann. So war es natürlich auch diesmal. Wenn ich unter Stress bin, gelingt mir nichts mehr. Ich sagte also dem Mann beim Einlass, dass ich schwerst behindert bin, das nehme ich schon auch ganz unumwunden in meinem Fall für mich in Anspruch, und er merkte auch, dass ich große Schwierigkeiten hatte. Wir zeigten ihm meinen Impfpass, meine Assistentin zeigte ihm ihren Test, und ich hatte für den Notfall auch noch die Papiere vom Impfzentrum mit einem Strichcode dabei. Aber der Kontrolleur begnügte sich mit dem Impfpass. Er ließ uns mühelos und anstandslos durch, nachdem er dann ein Formular für mich ausfüllte, weil das mit dem Strichcode ja nicht geklappt hatte. Wir gingen also hinein, und es war wie immer schwierig, mit den Masken vor dem Gesicht durch die Serpentinen zu laufen, die man absolvieren muss, damit man ja auch alles mitnimmt, Schlafzimmer, Wohnzimmer, Arbeitszimmer, könnte man ja alles kaufen wollen. Meine andere Assistentin nannte das immer Zwangssteuerung. Irgendwann kamen wir dann tatsächlich zu einer Küche, auf der genau das Glas stand, welches ich brauchen konnte. Wir schleppten es jetzt noch nicht mit herum, aber wir merkten uns die Stelle. Dann kamen wir zu einer Verkäuferin, sie war sehr ruhig, freundlich, sie hatte scheinbar den Überblick über das gesamte Sortiment. Sie erklärte uns in aller Ruhe, dass die Klodeckel unten im Erdgeschoss in der Badeabteilung seien. Sie beschrieb uns genau den Weg dorthin. Sie wusste genau, dass 2 verschiedene Klodeckel angeboten wurden. Wir waren wirklich erstaunt. Als wir hin kamen, fanden wir genau das, was ich suchte. Ich dachte, in Anthrazit, aus Holz, und dann mit Soft-Close, das wäre es. Es wurde ein schwarzer und ein grauer Deckel aus Holz mit genau dieser Funktion angeboten. Der Graue paste haarscharf, ich dachte, der ist es. Wir gingen dann weiter und fragten, wo die Klodeckel nun zu haben wären. Tatsächlich war es nur 3 Schritte um die Ecke, und da gab es sogar noch 3 verschiedene Farben. Aber ich wollte ja den grauen, und der war sogar noch da. Wir fragten dann noch nach dem Glas, wir mussten nicht noch mal in die Küchenabteilung, wo wir so eines gesehen hatten, dass ich wollte. Zum Glück, bei dem Kleinkram war es auch dabei. Das Glas konnte man mit 2 Deckeln haben, einem aus Bambus und einem aus Glas. Ich nahm gleich beide, wer weiß, welcher besser geeignet sein würde. So billig würde ich sowieso kein Glas mehr bekommen, und für den Preis war das wirklich ideal. Ich habe dann noch einige Leckereien mitgenommen, zum Beispiel sehr gute Plätzchen mit Zimt in einer Dose, und die kann ich dann auch für Weihnachtsplätzchen oder andere Dinge benutzen. Inhalt samt Dose kostete nur 4 €. Das kriegt man auch nicht überall. Meine Lieblings-Knusper-Brot-Schiffchen haben wir zwar nicht gefunden, aber wir waren mehr als zufrieden. Alle waren total nett, locker und entspannt. Es war wenig los, man konnte wirklich gut herumlaufen. Wir brauchten auch überhaupt nicht lange, selbst ein Zeitfenster hätte genügt. Am Ausgang wurden wir freundlich verabschiedet. Wir riefen dann unser Taxi, und es ging heimwärts. Der Klodeckel ließ sich dann auch sehr rasch und mühelos montieren. Er macht sich wunderbar in meinem Bad, denn meine Möbel sind aus hellem Holz, die Vorleger sind orange und rot, die Vorhänge sind rot, der Boden ist schwarz. Es sieht also wirklich sehr edel aus. Und das Material ist angenehm warm. Wenn das immer so laufen würde, könnte ich das oben gereimte Lied noch öfter singen. Nur an ihrem Internetauftritt und der wirklich ein-eindeutigen Barrierefreiheit müssten noch einiges getan werden. Ich glaube, wäre ich die Testperson, würde es hinterher bestimmt jeder können. Ich finde, nach Corona könnte das mit den Terminen ruhig so beibehalten werden. Wenn wir dann alle geimpft sind, fällt ja schon mal die Testpflicht weg, dann gibt es eine Hürde weniger, und man hat einen entspannten Einkauf.