Samstag, 16. Januar 2010

Hilfe, mein Gefängnis wird immer kleiner! Wer holt mich raus?!!!!!!!!

Nun habe ich Berge von neuen Hörbüchern, Mp3-Musik, es regnet CDs, Alben, Hörfilme, Hörspiele. Aber ich komm nicht mehr raus!

Heute wollte ich zu einem Konzert. Ein Bekannter, der mit mir im selben Chor singt, bat mich, folgende Mail herumzuschicken: Er gibt ein Country-Konzert in einer Kneipe in der C.... Straße 66. Ich mailte alles herum. Sogar bei unserem Radioprojekt
hatte ich die Chance, diese Meldung im Veranstaltungskalender höchst persönlich aufzusprechen. Ich war sehr stolz, daß ich so etwas bewerkstelligen konte.

Da mir alles bis über beide Ohren über den Kokpf wächst, ich einzukaufen hatte, dann noch ein Interview für u nser Radioprojekt vorbereiten mußte, morgen Waschtag angesagt ist, und ich obendrein noch Nachhilfe erteilen mußte, ließ ich die Zusatzdialyse heute einmal ausnahmsweise ausfallen. Das hatte den Nachteil, daß ich nicht wie sonst üblich, gleich nach der Dialyse direkt zu dem bgesagten Konzert hingefahren werden konnte. Ob ich nälich nach Hause kutschiert werde oder gleich zu einem Restaurant, einer Kneipe etcl, ist dem Taxifahrer egal. So entschied ich m ich, eben ein Taxi von zu Hause auf eigene KOsten bzw. auf Taxischeine zu nehmen, um mich zu dem KOnzert hinfahren zu lassen.

Ich gab die Adresse C.... Straße 60 an. Wir suchten und suchten und suchten, aber es fand sich keine Kneipe mit dem Namen Luke. Wir fragten 10 Passanten, der Taxifahrer ging in eine andere Kneipe und fragte nach besagter, aber niemand kannte diese Kneipe. Ich versuchte, die Auskunft anzurufen, um die Telefonnummer dieses Ortes herauszufinden, aber es kam keine Telefonverbindung zustande.

Bitterlich weinend und traurig ließl ich mich wieder heimfahren. Ich habe SECHS Taxischeine für je 5 Euro vergeigt! Es war die Hausnummer 66, ich hatte sie mir verkehrt gemerkt. Aber kann ein Taxifahrer denn nich trotzdem drei Häuser weiter auf der Seite mit den geraden Nummern ein Kneipenschild erkennen? Hätte ich 60 anstatt 600 gesagt, hätte ich mir in den Allerwertesten gebissen und mir selbst den IKopf abgerissen! Aber DREI Häuser weiter wäre es gewesen, und NIEMAND konnte mir sagen, wo diese Kneipe ist!

Ich vermute, daß es einfach nicht sein sollte. Wenn ich bedenke, wie oft ich früher ausging, daß ich sogar reisen konnte, daß ich so viel unternehmen konnte, und jetzt schlägt mir mein Zustand und alles drum herum dauernd ein Schnippchen. Ich bin verdammt, immer nur daheim zu sitzen, habe nur noch meinen Festplattenrekorder, der mir zwar viel Freude bereitet, aber Fernsehen ist nicht alles im Leben. Ich höre so viele HÖrbücher und so viele Musik-CDs an der Dialyse, aber das kann doch nicht alles sein! Ich muß do ch auch mal raus! Ich komme mir vor wie in einem Gefängnis! Ich habe lebenslänglich! Was habe ich verbrochen! Wer kann mich da rrausholen!???

Donnerstag, 31. Dezember 2009

Rück- und Vorschau in einem Aufwasch

Was das alte Jahr gebracht hat, und das neue Jahr bringen wird, ist leicht vorherzusagen. Man gewinnt in dieser Situation fast schon hellseherische Fähigkeiten, da sich Vieles leicht ausrechnen lässt.
Ich vermute, dass das neue Jahr genauso wird wie das alte Jahr.

Meine Nasen-OP ist leider nicht gelungen, und ob ein dritter Anlauf was bringt, ist genauso zweifelhaft wie bei den ersten beiden OPs.

Ich konnte keinen Führhund haben und bin weiterhin mit Stock unterwegs.

Mein Shunt ist wahrscheinlich immer noch nicht in Ordnung. Es wurde das ganze Jahr über nicht bemerkt und wird es auch im nächsten Jahr nicht. Ich habe auch nichts mehr gesagt und werde es auch im nächsten Jahr nicht tun. Mir ist immer noch übel vor der Dialyse, weil die Wirkung nicht das ganze Intervall vorhält, und ich schon am Morgen des Dialysetages total vergiftet bin, fast nichts mehr sehe und kaum noch körperlich etwas machen kann.

Ich sehe immer noch Rosa und Grün, was sich zeitweise wieder gibt, oder die Augen sich in der Farbwahrnehmung abwechseln. Mal ist links Rosa und rechts Grün, mal umgekehrt. Nächstes Jahr wird es rechts Rosa und links Grün und umgekehrt sein.

Ich habe dieses Jahr einen neuen Kater bekommen. Er ist leider nicht sehr zutraulich, ob sich das noch ändert, ist fraglich. Er ist aber ein sehr schöner Kerl. Er hat dieses Jahr viele Tierarztkosten verursacht, und nächstes Jahr stehen immer noch Impfungen aus, somit sind die Kosten auch wieder absehbar.

Mein Kater Jakob war letztes Jahr so verschmust und ging abends seine Runde, das wird er hoffentlich noch viele Jahre beibehalten können.

Letztes Jahr um diese Zeit hat meine Beziehung begonnen. Sie wurde in letzter Zeit immer schwieriger, so dass ich sie beendet habe. Das weiß aber noch niemand aus meiner Familie, ich muß es Ihnen langsam beibringen. Es war doch ein schönes Gefühl, mal sagen zu können: Ich habe einen festen Freund. Da hat man gleich ein anderes Ansehen. Aber irgendwie hat es nicht mehr geklappt aus mehreren Gründen, die sich nicht besserten, so sehr ich auch eine Besserung anmahnte. Daher stelle ich fest, dass ich besser dran bin, allein zu bleiben und für eine ebenbürtige und gleichwertige Beziehung auf Augenhöhe nicht geeignet bin. Ich werde allerdings die tatkräftige Hilfe vermissen. Nur ist dies genau der Grund, warum es nicht klappt: Jemand, der einem hilft, ist einem überlegen und fühlt sich auch so. Wenn man sich helfen lässt, zahlt man den Preis, dass der andere sich auch in Dinge einmischt oder einen bei Sachen bevormundet, wo man das nicht brauchen kann. Die Menschen verwechseln Freundschaft mit einem „Sozialarbeiter“.

Ich werde wohl auch im nächsten Jahr keine Grenzen setzen können, mich wenig durchsetzen können und wenig Recht haben oder mein Wissen anwenden können. Und man wird mir auch im nächsten Jahr tausend Ratschläge geben, wie ich das ändern kann, die dann wieder nur ein Schuß in den Ofen sind. Daher lasse ich es lieber gleich bleiben.

Ich werde nächstes Jahr weiterhin Hörfilme aufnehmen, wobei es mal besser und mal schlechter klappen wird, wie dieses Jahr auch.

Ich werde hoffentlich weiter bei unserem Radio-Projekt mitmachen, und man kann uns alle zwei Monate in unserer Region im Alternativen Radio hören.

Ich werde hoffentlich weiterhin mit meiner Bekanntschaft, die ich dieses Jahr beim Mittelalterfest gemacht habe, Musik austauschen und hören und auf Veranstaltungen gehen.

Ich bekomme einen neuen Helfer und wechsele von der Caritas ins persönliche Budget, wo man das Geld überwiesen bekommt und sich die Hilfe von verschiedenen Anbietern einkaufen kann. Ich werde mich hierbei aber auf die praktischen Hilfen beschränken, da die Gespräche zur Bewältigung nicht sehr hilfreich waren.

Ob die Niere kommt, und ob ich sie dann annehme, steht in den Sternen.

Ich hoffe, das neue Jahr wird ein paar neue Dinge bringen, wie zum Beispiel die Etikettierung meines CD-, DVD- und Videobestandes. Dann kann ich endlich wieder eine CD oder einen Film gezielt aussuchen. Solche (kleinen) Verbesserungen sind schon ein großer Fortschritt. Vielleicht gibt es noch ein paar solcher (kleiner) Verbesserungen. Das wäre super!

Ich hoffe, dass der Hund meines Bruders keine Metastasen mehr bekommt. Ich hoffe, dass es für alle, die es sich wünschen, Verbesserungen gibt. Ich wünsche mir, dass politisch mehr für das Klima getan wird, und dass die Konfliktherde auf der Erde endlich beruhigt werden können. Ich hoffe, dass es in der Medizin Fortschritte geben wird. So las ich kürzlich von einem tragbaren Dialysegerät. Ich hoffe, dass die Krankenkassen weiterhin alles Notwendige und auch alles, was lindert und die LEBENS QUALITÄT verbessert, auch wenn es teuer ist weiterhin bezahlen. Außerdem hoffe ich, dass es keinen weiteren Sozialabbau gibt trotz Schwarz-Gelb, damit die „Abgehängten“ nicht noch weiter in die Armut rutschen.

Dies sind nun alle meine frommen Wünsche für 2010

Darf es noch was sein?

Gestern ging ich zum Metzger, da ich für Sylvester etwas Besonderes zu Essen kaufen wollte. Ich war vorher schon beim Obsthändler, und da dieser die Filiale in meiner Nähe geschlossenhatte, musste ich eine ganze Strecke weiter gehen bzw. Mit der Straßenbahn fahren. Ich war schon ziemlich ko, als ich daheim wieder ankam, aber es blieb mir nichts anderes übrig, als zum Metzger zu traben, wenn ich etwas Gutes für Sylvester haben wollte und nicht nur das Übliche essen wollte, was ich so daheim habe. Vor mir war nur ein einziger Kunde. Genauestens wurde besprochen, welchen Teil vom Schinken er haben wollte. Alles wurde haarklein angegeben. Da es mir schon wie immer vor der Dialyse, ganz schön schlecht war, und ich nicht mehr stehen konnte, setzte ich mich auf die Taschenablage vor der Glasvitrine. Der Einkauf des Kunden vor mir ging weiter. „Darf es noch etwas sein?“ „30g Gelbwurst, bitte“. Nach 3 Minuten ertönte wieder die Frage: „Darf es noch etwas sein?“ „Dann bitte noch 50g Fleischwurst.“ -- „Darf es noch etwas sein?“ -- „Dann bitte noch 30g….“ Da hielt ich es nicht mehr aus und ging. Ich hatte ca. 15 Minuten vergeblich drauf gewartet, bedient zu werden. Wäre vor mir eine lange Schlange gewesen, und jeder hätte zügig eingekauft, wäre es wahrscheinlich schneller gegangen. Die Schlange wäre geschrumpft, und man hätte ein Ende absehen können. Zudem hätte ich dann jemanden fragen können, ob er mich vorlässt, weil es mir schlecht ist, und ich nicht mehr stehen kann. Aber dieser Kunde hörte einfach nicht auf einzukaufen. Ich war nahe dran, ihm zu sagen: „Bitte hören Sie doch jetzt auf, andere möchten auch noch einkaufen heute.“ Aber das kann man ja schlecht tun. Ich ging also total entkräftet und verzweifelt nach Hause. Auf dem Weg begegnete mir noch eine Nachbarin, der ich die Begebenheit fast schon unter Tränen erzählte. Es wäre eine Fügung des Himmels gewesen, wenn sie jetzt einfach gesagt hätte, sie habe ein Stück Butter und eine Bratwurst, die sie mir für ein Entgelt abgeben könnte, oder sie würde mir beim Metzger was mit für mich einkaufen. Aber so weit geht die menschliche Nächstenliebe nun doch nicht. Ich bat sie auch nicht darum, hoffte aber insgeheim, sie würde selbst drauf kommen. Mir wäre das in umgekehrter Rollenverteilung sicher eingefallen. Ich suchte daheim im Internet die Nummer der Metzgerei heraus, erklärte meine Situation und wurde auch gleich identifiziert. „Sie sind die blinde Frau, ich erkenne Sie an der Stimme.“ Sie meinte, der Laden sei dann ganz leer gewesen, nachdem ich gegangen bin. Manchmal frage ich mich schon, ob es Tücken gibt, die absichtlich so ablaufen. Wäre ich dort geblieben, hätte der Mann noch scheibchenweise die ganze Theke leergekauft, aber sowie ich gegangen bin, löste sich der Knoten. Ich suchte mir zwei Wienerle im Blätterteigmantel aus, bestellte das benötigte Päckchen Butter, und wir machten aus, dass ich am nächsten Tag kommen sollte, mich hinsetzen konnte, und dann jemand nach mir schauen würde, da ich ja auf einem Stuhl schlecht zu bemerken bin. Ich ging also sehr früh los, damit ich nicht in eine komplett volle Metzgerei kommen würde. Ich stellte mich an die hintere Theke mit den warmen Speisen. Da hörte ich scho nwieder so einen alten Knörz: „Ich hätte gern zwei Flaschen Bier, die eine trinke ich daheim, die andere gleich hier. Ich will noch einpaar Bratwürste, einen Leberkäs, aber bitte mit Brötchen, haben Sie auch die Brötchen? Und ich will die zwei Flaschen Bier, und sowohl beim Leberkäs als auch bei den Bratwürsten zwei Brötchen dazu. Das alles im schönsten schwäbischen Dialekt, der in unserer Region ganz ungewöhnlich und daher noch auffälliger ist. Ich saß da, und als der Mann endlich seine ellenlange Rechnung mit all diesen Posten bezahlt hatte, die lediglich 7 Euro machte, spritzte ich auf und ging sofort auf die Theke zu. Die Metzgerin hatte noch nicht mit meinem Erscheinen gerechnet. So musste ich mich nochmals hinsetzen und warten, bis sie die Wienerle im Blätterteig zurecht gemacht hatte. Da ich noch nicht gefrühstückt hatte und vorhatte, mir ein paar Brötchen mitzunehmen, überlegte ich, ob ich lieber heimgehen und später nochmals kommen sollte. Aber da wäre der Laden dann sicher brechend voll gewesen, und ich hätte ein DRITTES MAL für diese vermalledeihten Wienerle anstehen bzw. ansitzen müssen. So entschied ich mich zu warten, und bald waren die Wienerle fertig. Ich nahm noch die Butter und die beiden Brötchen mit und trottete zufrieden nach Hause.

Komisch, dass immer grad vor den Feiertagen die Leute einkaufen, als stünde der 3. Weltkrieg bevor. Man kann doch am Samstag wieder Einkaufen gehen. Und man kann auch ¼ gemischten Aufschnitt, oder 150g gemischten Käseaufschnitt kaufen, anstatt jede Scheibe einzeln anzugeben. So mache ich es zumindest immer.

Diese Art von Einkäufen kennt sicher jeder, wo irgendjemand ohne Rücksicht auf die hinten Anstehenden jedes Fitzelchen einzeln einkauft und eine Auswahl trifft, als ginge es um eine Lebensentscheidung und nicht um drei Scheiben Wurst, die nach zwei Minuten verschlungen sind. Aber es ist schon ein Unterschied, ob einem dabei hundeelend ist, und man keine andere Wahl hat, wenn man was Gescheites zu Essen haben möchte. Meine Katzen kann ich ja schlecht schicken, die würden alles gleich vor Ort verzehren.

Bye-bye Kapten

Da ich meinem Freund etwas bringen wollte, was ihm einiges deutlich sagen sollte, machte ich mich auf den Weg in seine Straße, denn das Paket war zu groß, und es hätte zu viel Porto gekostet. Am Morgen hatte ich beschlossen, den Kapten wieder abzugeben und dachte mir, dass ich ein letztes Mal damit arbeiten wollte. Ich gab also den Straßennamen und die Hausnummer ein. Das Gerät gab mir auch tatsächlich die richtige Straßenbahnlinie an. Als ich an der Endhaltestelle ausstieg, sprach mich eine Frau an und fragte, wo ich denn hin wolle. Als ich ihr den Straßennamen nannte, meinte sie, es gäbe dorthin einen Bus. Der fuhr auch gerade los. Die Haltestelle hatte genau den Straßennamen, zu dem ich wollte. Das Gerät sagte die ganze Zeit nichts. Daher gab ich alle gewünschten Zieldaten nochmals und abermals ein. An der Haltestelle führte mich das Gerät dann also in die richtige Straße. Die Straße hatte zwei Schenkel, und das Gerät zeigte mir den richtigen Weg. Aber bei der Hausnummer, da verließen sie ihn. Es führte mich nur bis Hausnummer 33, und als ich alle Zieldaten abermals eingab, führte es mich wieder nur genau zur Nummer 33. Ich musste also wieder jemanden fragen. Der Mann brachte mich zur richtigen Hausnummer. Und siehe da, es war das vom Gerät fälschlich als Nr. 33 ausgewiesene Haus. Das Haus war richtig gewesen, aber das Gerät gab einfach die falsche Nummer an, so dass ich weiterlief, in der Annahme, ich sei noch nicht am Ziel. Dort angekommen gab ich mein Paket ab. Ich musste es in den Hausflur stellen, da mein Freund nicht zu Hause war.

Nun trat ich den Rückweg an. Ich versuchte wieder, den öffentlichen Nahverkehr mit einzubeziehen. Leider gab mir das Gerät nicht die nächste Bushaltestelle an sondern schickte mich bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn. Damit war ich nicht einverstanden, aber das Gerät überhörte dies und ließ mich loslaufen. Ein paar Mal drehte ich mich im Kreis, da ich mich falsch in die Straße eingefädelt hatte, oder da eine Straße um die Ecke führte, und der Straßenname dennoch der gleiche blieb. Ich lief und lief. Das Gerät schickte mich lange Straßen entlang. Dann sagte es auf einmal Straßennamen, die viel weiter weg von derEndhaltestelle waren. Ich sollte wenden und fädelte mich übermehrere Ecken wieder in die längere Straße ein. Auf einmal war ich an einem Platz, der bereits drei Haltestellen von der Endhaltestelle weg war. Dort war eine Baustelle, und so lief ich im Labyrinth hin und her, bis mir jemand half, den richtigen Weg zu finden. Denn Das Gerät kann einen nicht um Baustellen herumlotsen. Ich dachte, ich ziehe offenbar immer größere Kreise von meinem Wunschort weg. Ein Mann erklärte mir, daß die Endhaltestelle schon ein ganzes Stück weg sei. Ich aber lief stur nach den Anweisungen des Navis. Einmal wollte ich es schaffen! Ich ging also weiter. Es kamen Straßennamen, die sich nach Haltestellen anhörten, die immer näher in Richtung meiner Adresse führten. Ich hörte auch die Straßenbahn, aber ich wollte nicht aufgeben und einfach in eine Bahn einsteigen. So lief ich weiter. Auf einmal hörte ich wieder einen Straßennamen, der entlang der Stadtmauer lief. Ich dachte wieder, ich müsste nun lange Kreise um meinen Zielort ziehen. Auf einmal kamen lange Stadtmauerstraßen, die sich immer mehr nach meiner Gegend anhörten. Als dann auch noch ein Torgrabennamen viel, der wirklich ganz bei einem Platz in meiner Nähe war, und ich mittlerweile schon übereine Stunde unterwegs sein musste, schwante mir, dass dieses Gerät, dieser Sauhund, mich einfach zu Fuß nach Hause geleitet hat, anstatt mich zur nächstgelegenen Haltestelle zu leiten. So kannte ich mich allmählich wieder aus und schleppte mich mit allerletzter Kraft in der Kälte nach Hause. Es hatte bereits zu schneien begonnen, und ich war durstig, hungrig umd müde. Aber ich hatte es geschafft, ich war nach den Anweisungen des Gerätes gelaufen. Es liegt also nicht an meiner Dummheit, wenn ich mit dem Gerät nicht zurechtkomme. Es erfüllt einfach nicht die Wünsche und Anforderungen, die ich an das Gerät habe. Es sollte mich haargenau zu einer Hausnummer bringen, da das genau mein Problem ist, eine bestimmte Hausnummer oder ein bestimmtes Geschäft nicht auffinden zu können. Aber es ist bei mir ja immer so: Genau das, worin ich Probleme habe, kann ein Hilfsmittel dann auch wieder nicht leisten. Wie mit dem Hund und der Ampel.

Das Gerät hat Schwierigkeiten, die Fahrten mit dem ÖPNV mit einzubeziehen. Es kann nicht die nächstgelegene Haltestelle ansagen, und es integriert die Fußwege zu der Haltestelle nicht in den Gesamtweg. Es müsste Etappenziele einbauen: Weg zur Haltestelle, Weg von der angefahrenen Haltestelle zum Zielort. Aber dann führt es einen einfach nach Hause und berücksichtigt den ÖPNV nicht mehr.

Somit ist das Gerät für mich ungeeignet. Ich brauche eines, das mich sehr genau zu der gewünschten Adresse leitet, und das die Fahrt mit Bus, Straßenbahn und S-Bahn richtig mit einbindet.

Auch tue ich mir schwerer, eine Straße zu finden, die „halblinks“ oder „ leicht rechts“ abgeht. Ich kann mich da nicht einfädeln, da ich es nicht sehe, wo es hingeht. Andere haben da sicher ein besseres Gespür, aber ich kann nur in Straßen einbiegen, die rechtwinkelig abgehen. Ich habe mich auch dran gewöhnt, dass das Gerät sagt: „Gehen Sie weiter für 100 Metern (sic) bis Bücherstraße“, obwohl man bereits in der Bücherstraße ist. Dies verwirrt mich nicht mehr. Auch war ich am Ende nicht mehr verwirrt, wenn das Gerät nur alle 100 Meter etwas sagte. Es störte mich auch nicht mehr, wenn das Gerät erst, nachdem ich die Kreuzung bereits überquert hatte, sagte: „Gehen Sie an der nächsten Kreuzung geradeaus.“ Dennoch brauche ich etwas präzisere Anweisungen und eine bessere Auflösung. Es hilft mir persönlich wenig, wenn das Gerät bis auf 20 Meter genau ist. Gerade das Auffinden von Türen ist für mich das Problem. Ungefähr, wo ein Haus oder ein Geschäft ist, weiß ich selbst.

Nun habe ich bei dem Versandhaus angegeben, dass sie das Gerät wieder abholen. Ich kann nur hoffen, dass es bald ein noch genaueres Gerät gibt. Vielleicht wäre für mich ein Handy mit Sprachausgabe und ein damit verbundenes Navi am besten. Aber ich bräuchte einen Gönner, der mir das teure Gerät bezahlt und jemanden mit ENGELSGEDULD, der mir dann alles genau erklärt.

Freitag, 25. Dezember 2009

Vielleicht doch mal eine Lösung?

Als ich am Dienstag von unserer Weihnachtsfeier kam, bei welcher der Chor gesungen hat, standen zwei Pakete vor meiner Wohnungstür. Ich nahm sie mit hinein in der Annahme, es seien die vom Apothekenjungen gebrachten Pakete mit Spezialseife und Speziallotion. Ich öffnete die sehr fest verklebten Pakete, indem ich irgendwo mit der Schere reinstach. Heraus kam das bestellte Etikettiergerät. Wieder waren einige nicht definierbare Teile dabei. Es fand sich ein Netzstecker, bei dem man zwei Stäbe hochklappen mußte, um einen Adapter für deutsche Steckdosen einzustecken. Den USB-Port am Etikettiergerät selbst suchte ich vergebens. Ich war schon fast am Verzweifeln, als es an meiner Wohnungstür klingelte. Der Nachbar hatte die Apoothekenlieferung angenommen und verkündete mir, daß der Postbote, der die beiden größeren Pakete geliefert hatte, morgen wieder käme, um den Kapten abzuholen (siehe vorheriger Post). Ich fragte den schon etwas älteren Mann, ob er mir beim Suchen des USB-Ports helfen könne. Er fand ihn natürlich auch im Gegensatz zu mir. Es war eine Gummierung darüber, die man erst hochziehen mußte. So konnte ich das Etikettiergerät laden. Als ich mich ans Öffnen des zweiten Paketes machte, kam genau dasselbe heraus. Die hatten mir zwei Etikettenleser geschickt. Da ich den Kapten noch eine Weile ausprobieren wollte, gab ich dem Postboten, der am nächsten Tag kam, nicht den Kapten sondern das zweite Etikettiergerät mit.

Das Etikettiergerät funktioniert so: Man hat RFID-Aufkleber. Das Etikettiergerät wird an einen Aufkleber gehalten, man drückt die Aufnahmetaste und Spricht auf, was auf dem Etikett stehen soll. Fährt man dann später einmal mit dem Etikettenleser über dieses Label oder Tag, hört man, was man gesagt hat. So möchte ich meinen gesamten Bestand an CDs, DVDs, Videos, Kassetten und Schallplatten beschriften. Es sind auch einige waschfeste Etiketten dabei, die man in T-shirts etc. kleben kann, um sie farblich foneinander zu unterscheiden, beispielsweise: "Das ist das dunkelrote T-shirt". Da auch einige Plastikchips dabei sind, kann man darauf ebenfalls Etiketten kleben, wenn man Dosen oder andere Einwegprodukte beschriften will, damit man nicht versehentlich Aprikosen anstatt Erbsen zum Schnitzel ißt. Den Plastikchip kann ich immer wieder abnehmen und das Etikett neu aufsprechen und auf eine andere Dose kleben. Es hat beim Testen super funktioniert. Ich riß eines der Päckchen mit den 600 mitgelieferten Etiketten auf, hielt das Gerät nach mehrmaligem Lesen der kurzen Gebrauchsanweisung an eines der Etiketten und vollführte die oben erklärte Prozedur. Die Tonqualität läßt sehr zu Wünschen übrig, aber ansonsten klappte alles wunderbar. Heute habe ich bereits vier meiner CDs beschriftet. Zu den Restlichen benötige ich sehende Hilfe, da ich ja nicht weiß, welche CD ich in Händen halte. Die CD, die ich heute mit Hilfe meines Freundes zum Anhören aussuchte, konnte ich natürlich sofort beschriften.

Ich finde, diese Technik ist ein großer Segen. Ich kann die Punktschrift nur sehr schlecht und werde sie auch niemals wirklich erlernen können. Auch ist es mühselig, ein Dymoband in eine Punktschriftmaschine einzuspannen und dann die hintere Folie abzuziehen, um das Dymoband aufkleben zu können. Die Etiketten, die von den Blindenhilfsmittelfirmen angeboten werden, lassen sich ebenfalls schlecht abblösen, da die Klebefolie genauso groß ist wie das Etikett, und man daher nirgendwo angreifen kann. Die runden RFID-Tags sind auf einem Blatt, so daß man sie leicht von der Unterfolie abziehen kann.

Ich kann nur hoffen, daß meine gewünschte Aktion mit der Etikettierung meiner Tonträger usw. gut klappt, denn ich muß ja auch mal eine Lösung finden können.

Den Kapten habe ich gestern nochmals ausprobiert. Ich bin zudumm für dieses Gerät. Lutz hat die Ansagen mit den Straßennahmen verglichen, und nichts hat gestimmt. Ich wäre auch, wäre ich stur nach den Ansagen gegangen, gegen die Wand gelaufen oder in den Burggraben gefallen. Auch sagt es oft einfach gar nichts, oder es gibt Anweisungen, die längst durchgeführt sind, oder es schickt einen weiter, obwohl man bereits am Ziel ist. Auch sind die Anweisungen für mich oft mehrdeutig, da ich nicht weiß, ob das Gerät die Querstraße ansagt, über die ich gehe, und ich dann rechts abbiegen muß, oder ob ich weiter geradeausgehen muß, weil es die Längsstraße, auf der ich entlanglaufe, meint. Auch sind oft Baustellen zu umgehen, die das Gerät ja nicht einprogrammiert hat, und man muß diese umgehen, so daß das Gerät einem nicht sagen kann, wie man drum herumlaufen soll. Wenn es sich nicht bewährt, wird das Gerät bald wieder seine Heimreise antreten. Der Traum vom Navi, das einen genaud ort hindirigiert, wo man hin muß, wird sich für mich nicht erfüllen. Diejenigen, die fit genug sind, die können damit umgehen, aber die bräuchten es dann wiederum auch nicht. Die Turbobehinderten wie ich, die eh unfit sind, die kommen auch wiederum mit so einem Gerät nicht zurecht. Da beißt sich die Katze in den Schwanz, wie damals beim Führhund. DAS Hilfsmittel, welches so jemandem wie MIR helfen kann, das wird es niemals geben.

Die dritte Matratze ist da

Am Mittwoch den 23. kam die neu ausgesuchte Matratze. Ich kaufte sie vom Weihnachtsgeld meiner Eltern und kam mit dem Budget gut hin. Nun mußte die Caritas-Matratze wieder an ihren Ausgangsort zurückgeschafft werden. Die Lieferung meiner neuen Matratze kostete 17 Euro. Die Entsorgung einer alten sollte 6 Euro kosten. Nun fragte ich, ob er mir die Caritas-Matratze wieder dort hinfahren würde. Das würde aber 17 Euro kosten, meinte er, da dies eine Lieferung sei. Da dachte ich laut: "Ich meinte, ob die Matratze nun zum Recyclinghof oder an eine andere Adresse gefahren wird, macht doch wenig Unterschied. Ich hätte Ihnen jetzt 10 Euro geboten, um die Matratze zur Caritas zu fahren." Da schlug er ein, und der Deal war gemacht.

Am Abend probierte ich die Matratze aus. Sie ist nicht viel weicher als die andere. Aber es ging. Nachts wäre ich beinahe aus dem Bett gefallen. Nun habe ich sie schon etwas eingelegen, und ich hoffe, daß es noch besser wird. Sie hatt einige Vertiefungen quer drüber, die etwas gewöhnungsbedürftig sind. Es ist eine Siebenzonenmatratze.

Ich denke, daß der Lattenrost sicher auch eine Rolle spielt, da dieser keine Querlatten sondern Längslatten hat, und amKopfende ist ein Brett, da man das Kopfteil hochstellen kann. Wir werden sehen, ob es was taugt.

Sonntag, 20. Dezember 2009

Katzenalltag und Hundeleben

Jetzt wird net wieder Remmidemmi g'macht!
Futter gibt's erst um acht!
Ich hab's Euch doch g'sacht!
Daß Ihr allerweil so'n Krach macht!

Habt Ihr schon wieder REmmidemmi g'macht
heut' Nacht!
Ich hab Euch doch g'sacht,
daß ma des net macht!
Es ist wieder was runtergekracht
heut Nacht!
Und ich hab gar net g'lacht!
Wird denn da gar nix beacht',
was ma sacht!?
Und Frühstück gibt's erst um acht,
hab' ich doch g'sacht!



Stoffel ist übrigens am Donnerstag kastriert worden, weil er zu spritzen anfing. Eigentlich hatten wir ja wie im vorherigen Post beschrieben, einen minutiös ausgeklügelten Plan, wann geimpft wird, und wann die Kastration stattfinden soll. Aber nachdem ich die Markierung gerochen hatte, habe ich umgehend die Tierärztin angerufen, und da wurde mir erklärt, daß man so schnell wie möglich kastrieren muß, wenn er zu spritzen anfängt, weil er sich das sonst auch nach der Kastration nicht mehr abgewöhnt. Somit wurde der Termin für Donnerstag den 17. Dezember um acht Uhr ausgemacht. Dabei wurde er auch gechipt und tätowiert, damit man ihn mir zuordnen kann, wenn er verlorengeht. Die Chipnummer wird beim Tasso Heimtierservice registriert. Wenn jemand den Kater findet, und der Chip mit einem speziellen Scanner ausgelesen wird, ruft derjenige, der ihn gefunden hat, dort an, und es wird dieser Kater der Nummer und somit dem Besitzer zugeordnet, und ich werde verständigt. Die Tätowierung ist in beiden Ohren, wobei der Anfangsbuchstabe des Namens der Tierärztin und deren fortlaufende Tatoo-Nummer eingebrannt wird, auf der anderen Seite steht das Ortskürzel und das Jahr. Er hat alles gut überstanden und springt schon wieder herum wie ein Verrückter. Er geht aber immer noch nicht zu mir, es sei denn, ich hole ihn, und dann komt immer was dazwischen, so daß ich gar nicht ausgiebig mit ihm schmusen und ihn durchkraulen kann. Hoffen wir, daß das noch besser wird. Jakob und Stoffel kuscheln bereits miteinander, habe bereits Photros gemacht. Es sieht allerliebst aus.

Nun muß ich noch berichten, daß der Hund meines Bruders tatsächlich Krebs hat. Die Zehe ist amputiert, und man weiß nicht, ob der Krebs bereits gestreut hat. Er kann jetzt nur abwarten und beobachten, ob sie nochmal Probleme bekommt. Sie hüpft momentan auf drei Beinen herum und macht sich einen Sport draus, wie schnell sie rennen kann. Sie ist sehr tapfer, beklagt sich nicht und scheint das ganz locker zu nehmen. Hunde können sich nicht selbst bedauern oder reflektieren, daß sie jetzt arm dran sind, und daß ihnen jetzt was fehlt. Sie machen einfach weiter und schauen drauf, daß sie so weiter leben können und suchen einen Weg, wie sie dennoch alles tun können, was sie möchten und entwickeln neue Strategien. Sie denken halt ganz anders als wir oder denken vielleicht gar nicht viel?