Sonntag, 1. Juni 2014

Warteschleilfe -- Zeitschleife


Vor einigen Wochen habe ich nun an unsere Hausverwaltung geschrieben und sie gebeten, mir doch wegen des Katzennetzes Bescheid zu geben, oder mir zu sagen, wann nun die Eigentümerversammlung stattfindet. Bisher habe ich weder das eine noch das andere erfahren.
Letztes Jahr im August wurde mir ein Zahn operativ gezogen. Im November wurde das Implantat eingesetzt. Am 7. April wurde das Implantat freigelegt. Danach sollte ich einen Kostenvoranschlag für eine Krone vom Zahnarzt einholen, um dann mit diesem Heil- und Kostenplan bei der Kasse die Kostenübernahme zu beantragen. Am 2. Mai hatte ich einen Termin. Hier wurde mir außerdem noch eröffnet, dass ein Abdruck gemacht werden muss, dass der Arzt danach, sobald die Krone fertig ist, diese erst einmal probehalber einsetzt, und erst dann die fertige Krone auf geschraubt wird, eventuell auch mit Zement.
Der Arzt sagte mir auch, dass er zusammen mit der Masse des Abdruckes den Stutzen für das Implantat in meinem Mund halten muss. Da ich sehr schnell würgen muss, und schlecht Luft bekomme, könnte es sein, dass ich Panik bekomme und dies nicht aushalten werde. Daher müssen wir nun überlegen, ob ich eventuell eine Beruhigungsspritze bekommen muss. Ich werde es erst einmal so versuchen, aber es könnte sein, dass ich kurz schlafen gelegt werden müsste. Auch dies müsste man separat bei der Kasse beantragen.
Bis heute habe ich keinen Kostenvoranschlag des Zahnarztes erhalten. Ich habe bereits zweimal angerufen, beim ersten Mal sagte man mir, es sei vom Dentallabor noch kein Kostenvoranschlag beim Zahnarzt eingegangen. Beim zweiten Mal hieß es, der Kostenvoranschlag des Labors sei nun da, der Zahnarzt müsse diesen aber noch prüfen. Ich weiß nicht, wie lange diese Prüfung dauern wird. Der Kostenvoranschlag soll direkt an meine Betreuerin gehen. Sie muss dann die Kostenübernahme beantragen und auch ein geringes Einkommen geltend machen, da bei der Krone 400-500 € Eigenbeteiligung vorgesehen sind. Auch dies wird sicher noch einmal vier Wochen dauern.
Am 26. Juni sollte eigentlich die Nasen-OP sein. Der Kieferchirurg, der auch Gesichtschirurg ist meinte, bis dahin werden wir ja wohl das Implantat mit der Krone fertig haben. Nun muss ich leider die OP verschieben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass das Implantat bis dahin überkront ist. Wenn ich gewusst hätte, wie schwierig das Ganze werden würde, hätte ich lieber die Zahnlücke gelassen. Eine Brücke kam für mich nicht infrage, da hier die beiden benachbarten gesunden Zähne abgeschliffen werden müssten. Sollte die Brücke dann heraus brechen, und sollte sie nicht halten, hätte ich dann eine Lücke mit links und rechts zwei Zahnstümpfen.  Außerdem dachte ich, so viele Brücken und Lücken im Mund bilden ein schlechtes Fundament, falls einmal eine Teilprothese notwendig würde. Da ist ein festes Implantat, welches tief im Kieferknochen steckt, vielleicht die sichere Variante. Aber nun stellt sich heraus, dass jedes Mal, wenn ich einen Schritt vollzogen habe, und wenn ich glaube, dem Ziel näher gekommen zu sein, ein weiterer Schritt angekündigt wird, der mich wiederum von meinem Ziel entfernt. Ich wollte eigentlich an Ostern wieder auf beiden Seiten kauen können. Dann dachte ich, es könnte zu Pfingsten klappen. Jetzt habe ich ein endgültiges Ultimatum gestellt: sollte bis August dieser Zahn nicht fertig sein, breche ich ab, egal, wo die Behandlung gerade ist. Das Motto: Jetzt sind wir schon so weit gekommen, jetzt hören wir nicht auf, wäre unsinnig, denn am Schluss muss ich vielleicht sowieso aufgeben, und dann ärgern mich die vielen Schritte, die ich umsonst gemacht habe umso mehr. Ich glaube nicht mehr daran, dass dieses Implantat jemals überkront  wird. Außerdem besteht wahrscheinlich die Schutzkappe aus Nickel, so dass ich dauernd mit Neurodermitis zu kämpfen habe. An der rechten Hand ist es besonders schlimm, da ich hier zusätzlich auch noch meine Uhr mit einem metallenen Zugarmband trage. Die ganze Zeit hatte ich das vertragen, aber mit dem zusätzlichen Faktor Nickel im Mund ist dies doch zu viel. Nun laufe ich die ganze Zeit ohne Uhr herum. Bei Zugfahrten mache ich da aber eine Ausnahme. An den anderen Tagen ist es egal, da an der Dialyse genug Uhren sind. Meine Taxifahrerin ist sowieso immer pünktlich.
Ich komme keinen Schritt weiter, weder mit dem Katzennetz noch mit meinem Implantat. Daran hängt so viel. Ich hätte jetzt am 26. Juni die Besprechung wegen der Ergebnisse bezüglich der ADHS-Diagnostik gehabt. Da aber hier die Nasen-OP sein wird, musste ich den Termin absagen. Ich hätte ihn aber auch genauso gut annehmen können, da die OP mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin verschoben werden muss.
Ich fühle mich wie in einer Zeitschleife. Natürlich erzählt mir mal wieder jeder, es ginge ihm genauso. Wie hätte es auch anders sein können. Dann werden die Highlights aller Wartezeiten herausgekramt, zum Beispiel, dass eine Frau mir erzählte, sie habe zwei Jahre auf das Ergebnis ihrer Mammographie gewartet. Nur ist das bei mir so, dass ich auf jeden Mist viel länger warten muss. Dieses Labor hat sicher nicht zum ersten Mal eine Krone angefertigt, somit könnten Sie einen Kostenvoranschlag innerhalb von zwei Tagen an den Arzt faxen, der mir dann innerhalb von zwei Wochen einen Kostenvoranschlag schicken kann. Vom Gefühl her hätte ich nicht erwartet, dass es länger dauert als zwei Wochen. Aber ein Monat ist einfach zu viel.
Vor einigen Tagen war dann auch meine Karte mit den Kilometern voll, die wir als Behinderte erhalten.  Ich habe noch viele Freikilometer, aber da ich sehr viele kleine Fahrten gemacht habe, gibt es keinen Platz mehr auf der Tabelle, und ich muss eine neue Karte beantragen. Beim letzten Mal bin ich einfach in die Außenstelle gefahren, wobei ich mich zuvor angemeldet hatte, obwohl man angeblich keinen Termin machen müsste. Als ich ankam, war der "Spezialist", der normalerweise die neuen Karten herausgibt, nicht da. So hat ihn jemand angerufen und mit Mühe und Not eine neue Karte für mich ausgefüllt, damit ich sie mit den übertragenen Restkilometern mitnehmen konnte. Diesen Ärger wollte ich mir dieses mal ersparen und habe daher die Karte direkt an das Amt geschickt. Da ich noch zwei alte abgelaufene und fertig ausgefüllte Karten da hatte, dachte ich, die könnte ich auch gleich mit schicken, damit ich sie los habe. Es ist zwar nicht Pflicht, diese Karten zurückzuschicken, aber stichprobenartig wollen die diese Karten vielleicht irgendwann haben, und so lange liegen sie dann bei mir in der Schublade herum. Nun warte ich auch hier wieder, wobei mir klar ist, dass unter zwei Wochen sicher nichts passieren wird. Eigentlich müsste die Dame die verbleibenden Kilometer nur auf die neue Karte übertragen und sie mir zurückschicken. In der Zwischenzeit habe ich nun keine Karte und kann nicht meine Freikilometer nutzen. Ich bin gespannt, wie sehr ich hier wieder kämpfen muss, wie sehr ich hier wieder für Verwirrung gesorgt habe, dass ich die alten Karten mitgeschickt habe, obwohl ich in meinem Anschreiben extra erklärt habe, welches die aktuelle Karte ist. Ich bin gespannt, ob der Name der Dame überhaupt stimmt, oder ob da niemand den Brief erhält, da es eine Dame dieses Namens vielleicht gar nicht gibt. Er lautet so ähnlich wie Gutdiensthuber, nur eben anders, , aber diesen darf  ich ja hier  zur Wahrung der Privatsphäre nicht erwähnen. Auch hier werde ich sicher wieder auf die Warteschleife gesetzt.
Ich kann nur hoffen, dass irgendwann einmal wieder etwas weitergeht. Ich kann es aber gar nicht mehr glauben und es MIR gar nicht mehr vorstellen.

 

Katholikentag MinusKatholikentag Minus


Vor einigen Wochen bekamen wir eine E-Mail, wer Lust habe, beim Katholikentag im Dunkelgang mitzuhelfen. Da ich früher einmal hauptamtlich bei uns im Dunkelgang tätig war, habe ich mir überlegt, ob das etwas für mich wäre. Dies ist aber körperlich sehr anstrengend, und aufgrund meiner Dialyse kann ich das heute nicht mehr machen. Es wurde mir auch davon abgeraten, da ich jeden Tag 1 Stunde hin und 1 Stunde zurück fahren müsste. Ich hörte, dass es beim Katholikentag einen Begleitdienst für Behinderte geben würde. Da ich nicht weit weg wohne, dachte ich, wenn der Katholikentag schon einmal so nah ist, könnte ich die Gelegenheit nutzen, auch wenn ich nicht mehr Mitglied in der Kirche bin, dort vielleicht einige Workshops zu besuchen. Ich erhoffte mir, dort einiges mit dem Thema Kirche von unten, wir sind Kirche , Theologie der Befreiung, fairer Handel und Dritte-Welt machen zu können.

 

Ich schrieb also an die angegebene E-Mail-Adresse und bat um eine Begleitung. Eigentlich wollte ich am 1. Juni dorthin, da dies ein Sonntag ist, und ich keine Dialyse habe. Am 29. hatte ich mich bereits mit einer Frau verabredet, mit der ich öfter einmal Kaffee trinke, da ich ihr einmal mit Spanisch geholfen hatte. Da aber am Sonntag den 1. Juni nur noch ein Gottesdienst stattfinden würde, gab es keinen Begleitdienst an diesem Tag. Ein Gottesdienst war sowieso nicht in meinem Interesse. Somit fragte ich die Bekannte, ob wir uns an einem anderen Tag treffen könnten, und meldete mich für den Begleitdienst am 29. Mai an. Ich sagte der Dame noch, dass ich erst am Freitag Zeit hätte, einen Zug herauszusuchen, da ich am Donnerstag den 22. noch unterwegs war. Die Dame hatte mir mit ihrer persönlichen E-Mail-Adresse geschrieben. Somit hatte ich die ganze Zeit auf diese Adresse geantwortet. Als ich nun am Freitag den 23. meine genaue Ankunftszeit durchgab, bekam ich keine Antwort. Also schrieb ich am Montag noch einmal hin, und erhielt eine automatisch generierte Mail, dass die Dame bis zum 2. Juni nicht erreichbar sei. So schrieb ich zweimal an die offizielle E-Mail-Adresse, und daraufhin schrieb sie mir zurück. Sie wolle noch das Gleis wissen, dann würde ich abgeholt. Ich gab das Gleis durch, und schickte auch gleich die genaue Zugnummer mit. Das Datum schrieb ich nicht mehr dazu in der Annahme, dass wir das ja besprochen hatten, dass ich nun am 29. kommen würde. Dies stand auch in den beiden vorherigen Mails, in denen ich nun um konkrete Antwort bat, ob man mich abholen könnte.

 

Ich fuhr also am 29. los. Eigentlich wollte ich im Zug frühstücken, wachte aber 1 Stunde zu früh auf und dachte, es sei schon später, bis ich zu meiner Überraschung genauer hinsah, und es erst 7:00 Uhr war. So konnte ich noch in Ruhe zuhause frühstücken. Als ich dann in Regensburg ankam, war natürlich niemand vor Ort. So rief ich bei der Telefonnummer an, die mir für die spontane Inanspruchnahme des Begleitdienstes gegeben wurde. Man habe meine Ankunftszeit, wisse aber den Tag nicht. Somit wurde ich von der Bahnhofsmission abgeholt, und musste dort warten, bis jemand von der Malteser-Jugend zum Bahnhof kam. Dann warteten wir noch eine halbe Stunde, bis wir endlich den Fahrdienst erhielten. In der Zwischenzeit blätterten wir das 600 Seiten dicke Programmheft durch. Die junge Frau, die ein freiwilliges Soziales Jahr bei den Maltesern absolvierte, konnte nichts nach meinem Geschmack finden. Es gab neben zahlreichen Gottesdiensten, Konzerten und Diskussionen über die Kirche zum Beispiel den Programmpunkt „Gott loben mit afrikanischen Gesängen“. Afrikanische Musik interessiert mich sehr, aber es hatte bereits begonnen. Dann gab es noch Gospels und Spirituals.  Das hörte sich auch interessant an und war außerdem in der Nähe des Dunkelgangs  und des Dunkelcafés. Wir ließen uns also dort hinfahren. Zu meinem Schrecken hörte ich dann, dass der Katholikentag 25 € Eintritt kostet, für Behinderte und Geringverdiener 20 €. Ich war ziemlich empört darüber, dass ein Mensch mit geringem Einkommen sich so einen Tag kaum leisten kann. Ich hatte angenommen, dass der Katholikentag umsonst sei. So habe ich die Zähne zusammengebissen und 20 € abgedrückt. Die taten mir richtig weh. Im Auto wurde dann auch meine Eintrittskarte genau geprüft. Als wir beim Dunkelgang waren, hörte ich schon bekannte Stimmen aus meiner eigenen Stadt, die dort Dienst taten. Wir begrüßten uns, und dann warteten wir, bis wir in den  kleinen Container gelassen wurden. Es war ziemlich eng, es gab unterschiedliche Bodenbeläge, man hörte ein Plätschern, und an der Wand konnte man einiges berühren. Danach wurden wir in den angrenzenden Raum geführt, in dem das Dunkelcafé war. Dort gab es Musik und eine kleine Bar, an der man aber stehen musste. Es gab kein Essen sondern nur Getränke. Wir waren nur zu viert, und eine Frau neben mir behauptete laufend steif und fest, dass sie die Frau hinter der Theke sehen könne. All meine Erklärungen, dass dies nur ihre eigene Projektion sei, da ihr Gehirn ihr einen Streich spielt, waren fruchtlos, denn mir glaubt ihr sowieso niemand etwas. Es stellte sich aber heraus, dass das Lämpchen der Stereoanlage doch noch eine Lichtquelle darstellte. Diese war aber so gering, dass man die Silhouette der Bar Frau nicht erkennen konnte. So beschrieb die Dame munter das Aussehen der Frau hinterm Tresen, sie habe einen weißen Pullover an. Prompt widersprach die Dame und meinte, der Pullover sei blau. Somit war eigentlich bewiesen, dass sie nichts sehen konnte. Dennoch beharrte sie stets darauf, und auch mein Argument, dass sie schließlich über das Gehör die Frau lokalisieren könne, blieb fruchtlos.. Immerhin hatte ich eine längere Erfahrung im Dunkelbereich. Und neurologisch kenne ich mich auch ein klein bisschen aus. Auch die Dame hinter dem Tresen bestätigte meine Theorien des Phantomsehens. Meine Begleiterin und ich teilten uns eine Flasche Apfelsaft schorle, und sie war sehr interessiert. Danach gingen wir aus dem Dunkelcafé und in Richtung des Konzerts. Ich war begleitet von drei Malteser-Jugendlichen..  Alle waren nicht aus Regensburg, und so mussten wir eine Weile suchen. Als wir dann ankamen, gefiel mir die Musik überhaupt nicht, denn es war kein lebhafter Gospelchor, sondern eher eine Art Pop oder Soul, eher wie bei einem Musical. Ich fand die Musik so schrecklich, dass wir entschieden, ins nächste Café zu gehen. Wir hatten noch versucht, einige andere Programmpunkte zu planen. Danach hätte es in der Universität einen Vortrag über Jugendliche in Brasilien gegeben. Parallel dazu gab es eine Podiumsdiskussion über Politik der Globalisierung. Die Helferin meinte, dass die Universität ziemlich weit weg sei. Somit entschieden wir uns für den Polit-Talk. Es regnete, und ich hatte meine Ballerinas an. Ich war natürlich wieder einmal naiv und dachte, beim Katholikentag würde ich in einem Workshop sitzen und müsste nicht viel laufen. Gott sei Dank hatte ich meine warme Jacke dabei. Das Kopfsteinpflaster war schrecklich, meine Schuhe waren zu dünn, meine Einlagen zu dick, und ich kippte dauernd aus meinen Schuhen. Wir liefen fast eine Dreiviertelstunde, und es war extrem ermüdend. Als ich dort ankam, war ich nur noch am Klagen. Natürlich kamen wir eine halbe Stunde zu spät, und so konnte ich nur noch die letzte halbe Stunde der Diskussion mitverfolgen. Es gab einen Schichtwechsel, und nun wurde ich von zwei Herren begleitet. Einer von beiden hatte eine Katholikentags-App, und  er meinte, es gebe sehr viele Workshops. Allerdings konnte auch er nichts finden, was zeitlich passte. Es hätte noch eine Diskussion über katholische Frauen in der Politik an der Universität gegeben. Aber das war zu weit, und da hätte ich zuvor in den Vortrag über Jugendliche in Brasilien gehen müssen, um nicht solche weiten Wege zu haben. Da der Programmpunkt „Gott loben mit afrikanischen Gesängen“ nochmals stattfand, entschieden wir uns dafür, dorthin zu gehen. Wir wurden einmal im Kreis geschickt, da der einheimische uns nicht einmal den Weg richtig erklären konnte. Dann waren wir endlich auf einer freien Fläche, wo wild getrommelt wurde. Die Gesänge waren immer die gleichen, und die Trommeln waren extrem laut. Es gab auch andere Programmpunkte, wobei es nur um Gemeinden, moderne Kirchenmusik, Ökumene und andere innerkirchliche Dinge ging. Ich wurde schon von einem Freund vorgewarnt, dass der Katholikentag von unten nicht im Programm vertreten sei, und daher ein getrennter Katholikentag Plus stattfinden würde. Wo der sei, konnte mir niemand sagen. Er stand weder im Programm, noch im Internet. Wahrscheinlich gab es eine separate Seite, die wir aber nicht kannten. Es war schade, dass die kritischen Stimmen überhaupt nicht anwesend waren, sondern komplett ausgelagert wurden. Als das Trommeln sehr wild wurde, gestand mir mein Begleiter, dass er lieber Kirchenmusik und Klavier hört. Er war erst 16 Jahre alt, aber er erklärte mir, er möge nur klassische Musik, er spielt Orgel, und er sei in der Kirche sehr als Ministrant  engagiert. Ihm sei die Kirche heute zu modern, und er sei in der Petrus-Bruderschaft. Somit hatte ich ein Thema, und ich konnte ihn genau ausfragen, was es mit der Pius-Bruderschaft und alldem auf sich hat. Ich merkte schon, dass es wenig Sinn hatte, mit ihm zu diskutieren, oder ihm eine andere Meinung aufzuzwingen, sonst würden sich die Fronten nur verhärten. So verfuhr ich nach dem Motto: Stelle Dich dumm, dann erfährst Du etwas. Das Dummstellen fiel mir sowieso nicht allzu schwer, da mein Wissen auf diesem Gebiet ohnehin  sehr "versprenkelt" ist.  Ich befragte ihn nach verschiedenen Themen, wie zum Beispiel, was er von  der Wiedereinführung der tridentinischen Messe,  vom Bischof von Limburg und von der Fürbitte am Karfreitag für die Juden hält. Er hatte zwar eine extrem konservative Meinung, doch konnte ich ziemlich viele Informationen herausziehen. So sagte er mir zum Beispiel, dass man von dem neuen Papst keine größeren Reformen erwarten könne. Er habe lediglich die roten Schuhe verweigert und hätte eine einfachere Art. Später unterhielten wir uns noch über Befreiungstheologie, von der er überhaupt nichts hielt. Aber ich erfuhr viel, was ich zuvor noch nicht wusste. Er sei in einem Forum, das parallel zum Laienkomitee gegründet worden sei. Dieses habe sich abgespaltet, da das Laienkomitee Ihnen zu fortschrittlich sei. Er erzählte mir auch, dass eine Vorsitzende von wir sind Kirche exkommuniziert worden sei, da sie die Eucharistie gefeiert hätte, was sie als Frau nicht dürfe. Daran könne ich ja sehen, dass der Papst eben nicht fortschrittlich sei. Ihm hat das natürlich gefallen, aber ich hatte somit auch viele neue Informationen. Wir entschieden uns, von dem Platz weg zu gehen, da uns die Trommeln zu laut wurden. Dann stellte sich auch noch heraus, dass das afrikanische Konzert ganz woanders war, und wir nur noch die letzte Viertelstunde mitbekommen haben. Auch dort wurde dann heftig getrommelt, was mir dann auch zu laut wurde. Da mein Zug bereits um 17:19 Uhr fuhr, konnte ich überhaupt nichts mehr machen, denn alles dauerte bis 18:00 Uhr. Somit entschieden wir uns, zum nächsten Punkt zu gehen, ab dem der Fahrdienst fahren würde. Da ich die ganze Zeit gestanden war, und da ich extrem viel in meinen dünnen Schühchen gelaufen war, und sowieso Probleme mit den Sehnenansätzen der Fersen habe, (im Sinne eines Fersensporns), hatte ich solche extremen Schmerzen in den Füßen, dass ich es kaum noch schaffte, zu dem kleinen Bus sind zu laufen. Auf dem Weg dorthin sahen wir einen Stand mit kirchenkritischen Prospekten. Darauf stand zum Beispiel: „Kinderficker“. Inhaltlich teile ich natürlich vollkommen die Kritik, aber die Art, wie sie dargeboten wurde, schreckte die Leute eher ab. Es waren nur zwei Stände  inmitten all dieser Kirchenbefürworter, was dann eher destruktiv wirkte, und natürlich wieder Wasser auf die Mühlen derer war, die keine Kritik wollen . Die Stände nahmen sich so einsam aus, was wahrscheinlich auch so gewollt war. Es war irgendwie so inszeniert, dass jede Kritik schlecht sein soll. Natürlich regte sich mein Begleiter furchtbar darüber auf. Der andere, der mit dabei war eher gemäßigt. Als wir dann aus dem Bus ausgestiegen waren, fragte der eine Begleiter, ob wir zu McDonald's gehen wollten, bis der Zug kommt. Obwohl wir so unterschiedlicher Meinung waren, riefen wir wie aus einem Munde: „nein, niemals!  Hier sind sich konservative und progressive doch einig. Dann unterhielten wir uns noch etwas über die Rolle der Frau in der Kirche, Scheidung, und den Zölibat. Natürlich kannte ich seine Ansichten, aber es interessierte mich dennoch, und so hatten wir eigentlich unseren kleinen Katholikentag. Auch wenn ich kaum Workshops und Veranstaltungen besuchen konnte, war dies der interessanteste Teil.

 

Ich fuhr dann nachhause und traf auf die beiden Helfer vom Dunkelgang, die 2 Stunden früher als geplant nachhause fuhren, da fast nichts los war.

 

Insgesamt hätte ich mir diese Fahrt auch sparen können, und besonders die 20 € waren völlig fehlinvestiert, denn wenn ich mir ein Taxi vom Bahnhof genommen hätte, und hätte mich zur Stelle der Malteser-Jugend fahren lassen, und wäre dann mit dem Taxi wieder zurückgefahren, wäre es billiger gewesen, und niemand hätte auf den offenen Plätzen kontrolliert, ob ich eine Eintrittskarte für 20 € erworben hatte. Das Taxi wäre wahrscheinlich wesentlich günstiger gewesen. Aber das weiß man auch nicht. Nun bin ich um eine Erfahrung reicher, und es war überhaupt nicht so, wie ich es mir erhofft hatte, und es war sehr schade, dass ich den Katholikentag Plus nicht gefunden hatte. Das stellt man sich so einfach vor, man geht zum Katholikentag von unten, diskutiert mit, geht zu den Workshops und hat einen interessanten Tag. Dabei bin ich nur gelaufen, habe nur gesucht, und war immer zur falschen Zeit am falschen Ort, wie es halt so meine Art ist. Es war natürlich schön, dass es diese Helfer gab, ohne die es überhaupt nicht gegangen wäre. Aber nun weiß ich, auf einen Katholikentag Brauch ich so schnell nicht mehr zu gehen. So schnell wird auch keiner mehr in meiner Nähe stattfinden

Sonntag, 4. Mai 2014

Katzennetz oder Fernseher?


Katzennetz  oder Fernseher?

 

Da Isidor auf so traurige Weise ums Leben gekommen ist, möchte ich mir keine Katze mehr anschaffen, ohne sicherzugehen, dass sie nicht mehr auf die Straße kann. Hierfür benötige ich ein Katzennetz. Ich habe mich bei einem professionellen Dienst erkundigt, der solche Netze anbringt. Zuvor hatte ich einmal vor langer Zeit über das Radio jemanden gesucht, der mir ein Katzennetz anbringen könnte. Es hat sich ein ziemlich seltsamer Typ gemeldet, der zunächst versprach, nur das Material zu verlangen und sonst nichts. Dennoch hat er hinterher 400 DM gewollt. Das Katzennetz war total löchrig und instabil. So konnten alle meine Stubentiger ausbrechen. Dieses Mal wollte ich es wirklich mit Hand und Fuß angehen. Der Mann am Telefon sagte mir, ich müsse zunächst das Einverständnis meiner Vermieterin und der Eigentümer einholen, denn wenn er das Katzennetz an brächte, könnten sogar die Nachbarn sich beschweren und darauf bestehen, dass ich das Katzennetz ab montieren lasse, und dann hätte ich das ganze Geld umsonst ausgegeben. Da meine Vermieterin seit langem abgetaucht ist, hatte ich die Befürchtung, schon über diesen Schritt nicht hinaus zu kommen. Ich habe ihr daher eine Mail geschrieben und über die Verwaltung mit Mühe und Not ihre jetzige Adresse erfahren. Auf die Mail hat sie sogar erstaunlicherweise geantwortet. Als dreifache Katzenbesitzerin habe sie Verständnis und würde der ganzen Sache zustimmen. Nun blieb noch die Aufgabe, die Eigentümerversammlung dazu zu bringen, dass Katzennetz zu genehmigen. Da ich wegen einer Katzenklappe schon einmal einen Antrag auf Genehmigung an die Eigentümerversammlung gestellt hatte, und dieser überhaupt nicht beantwortet und nicht einmal bearbeitet wurde, hatte ich große Angst. Ich rief also, wie mir auch die Vermieterin geheißen hatte, nochmals bei der Verwaltung an, wobei der Verwalter sehr kulant war und meinte, die Vermieterin würde zwar diesen Antrag selber nicht stellen, soweit kenne er sie, aber er würde das dann einfach für mich tun. Ich besprach mich mit der Nachbarin, die mir damals den Stoffe gebracht hatte, dass ich zunächst einmal den Mann mit dem Katzennetz kommen lassen sollte, damit er mir erklärt, wie das Katzennetz angebracht würde. Denn dann könnte ich eventuelle Fragen beantworten, die die Eigentümer vielleicht haben könnten, oder Bedenken aus dem Weg räumen. Wir beschlossen, danach durch das Haus zu gehen und alle um Ihre Zustimmung zu bitten. Meine Nachbarin hat mich auf mein Bitten hin dann nämlich begleitet. Das Katzennetz würde nur mit ein paar kleinen Schrauben angebracht, die man aber danach wieder entfernen und den Verputz reparieren könne. Somit gingen wir durchs Haus und rannten offene Türen ein. Denn jeder sagte, es sei ihm herzlich egal, ob ich mir ein Katzennetz anbringen lassen würde oder nicht. Es gäbe hier überhaupt keine Probleme. Meine unmittelbare Nachbarin, die auch Eigentümerin ist, haben wir aber noch nicht erreicht. Daher warte ich jetzt noch, bis die Eigentümerversammlung über die Bühne gegangen ist, denn ich habe schon Pferde kotzen sehen. Es braucht nur jemand dabei sein, der mich ärgern will, oder der aus Prinzip einfach gegen alles ist. Der findet dann irgendeine Vorschrift, weshalb es nicht möglich ist, ein Katzennetz anzubringen. Aber bisher verläuft es positiv. Ich habe nur langsam bedenken, dass ich überhaupt niemals von dieser Eigentümerversammlung erfahren werde. Jedes Mal, wenn ich nachfrage, höre ich, es hätte noch keine Eigentümerversammlung gegeben.

 

Momentan gibt es einen Fernseher, dessen Menüführung mit einer Sprachausgabe funktioniert. Da meine Augen immer schlechter werden, kann ich immer schlechter die Filme mit dem eingebauten elektronischen Programmführer meines Festplattenrekorders einprogrammieren. Die Frage war immer, was geht zuerst kaputt: mein alter Röhrenbildschirm oder meine Augen. Leider hat sich das Schicksal für Letzteres entschieden. Es gab bisher nur einen Festplattenrecorder mit Sprachausgabe, welcher 1500 € kostet. Dieser ist sehr unhandlich und hat einen schlechten Support. So wurde es mir zumindest von anderen erzählt, die dieses Gerät haben. So viel Geld möchte ich auch nicht ausgeben. Mittlerweile gibt es eine Firma, die zwei Fernseher herstellt, deren Menüführung Mitsprache funktioniert. Der eine hat eine Festplatte, der andere nicht. Es erscheint mir wenig sinnvoll, einen sprechenden Fernseher zu haben, wenn ich nur das Programm wechseln möchte. Das kriege ich gerade auch noch ohne Sprache hin. Jemand, der ganz blind ist, möchte vielleicht auch wissen, wie der Sender heißt, auf den er gerade schaltet. Ich kann dies noch an den Tafeln vom Videotext erkennen, wenn auch nicht am Logo in der Ecke. Daher würde mich der Fernseher mit der eingebauten Festplatte reizen. Dann könnte ich wieder Spielfilme programmieren, ohne mich jedes Mal zu quälen oder wieder zu warten, bis ich wieder besser dialysiert bin und wieder mehr sehe. Ich würde dann meinen alten Festplattenrekorder für die Sendungen benutzen, die ich fest eingespeichert habe, und die regelmäßig kommen. Daran braucht man dann nichts mehr zu ändern. Dann könnte ich auch vielmehr parallel aufnehmen. Allerdings kann ich dann nichts von der Festplatte anschauen, während ich mit dem Fernseher mit eingebauter Festplatte etwas aufnehme, da der Fernseher wahrscheinlich keinen Twin-Tuner hat.  Aber dann schaue ich eben das, was der Fernseher gerade aufnimmt. Es gibt ja auch Zeiten, in denen ich andere Dinge Tour, und da können die beiden Geräte dann machen, was sie wollen. Ich schaue zwar ziemlich viel fern, aber ziemlich ausgewählte Sachen. So schaue ich mir zum Beispiel gerne die Filme mit Bildbeschreibung für Sehbehinderte an. Dann habe ich noch bestimmte Serien oder bestimmte Talk-Runden,. Wie zum Beispiel Menschen der Woche, das  Nachtcafé oder Menschen bei Maischberger 

 

Nun muss ich mich entscheiden: kaufe ich den Fernseher, der unter Umständen bis zu 900 € kosten kann, oder warte ich noch auf die Eigentümerversammlung, um dann das Katzennetz für 600 € anzubringen?  Einerseits möchte ich bald wieder ein neues Kätzchen, vielleicht ist das auch für Jakob gut. Andererseits habe ich den Eindruck, die Eigentümerversammlung kommt erst am St. Nimmerleinstag. Dann habe ich wenigstens schon einmal den Fernseher. Für das Katzennetz kann ich dann wieder neu sparen. Beides kann ich mir nicht gleichzeitig kaufen. Ich habe bereits mit einer Dame vom Tierheim aus einem Ort in meiner Nähe gesprochen, sie würde mir das passende Kätzchen heraussuchen. Aber der Weg hierhin ist noch sehr lange, da sich in Sachen Katzennetz einfach nichts tut.

 

Andererseits müsste ich erst meinen alten Fernseher loswerden. Ich habe ein bekanntes Ehepaar, die einen kleinen Fernseher möchten, der genau in ihre Ecke passt. Sie hat bereits die Maße genommen, und sie wird mir dann Bescheid geben. Wahrscheinlich muss ich da auch hinterher laufen und anfragen, ob sie ihn nun will oder nicht. Allerdings hat sie mich auch nicht gefragt, was ich für den Fernseher möchte. Sie hat mir angeboten, mir ein paar Brote dafür zu backen, da wir zuvor davon gesprochen hatten, dass sie selbst Brot backt. Ehrlich gesagt möchte ich meinen Fernseher nicht einfach nur für ein paar Brote eintauschen. Andererseits werde ich für die alte Kiste sowieso nichts mehr kriegen und kann froh sein, wenn ich sie überhaupt los werde. Ich finde es schade, Dinge wegzuwerfen, die noch funktionieren. Aber da meine Augen einfach nicht mehr mitmachen, und ich ohne Sprache nichts mehr programmieren kann, zumindest nicht mehr lange, muss ich wohl in den sauren Apfel beißen und mir  diesen Flachbildschirm kaufen. Mir ist so ein Ding eigentlich viel zu groß. Vielleicht passt er auch gar nicht in meine Ecke. Nun muss ich einfach überlegen, was ich mache. Vielleicht kann ich auch immer meine Helferin bitten, mir meine Filme einzuprogrammieren. Aber das kostet dann wieder Stunden.

 

Außerdem ist nun mein Implantat freigelegt. Nun muss ich noch einige schwere Schrittte hinter mich bringen. Zum einen muss ich bei der Kasse den Heil- und Hilfeplan des Zahnarztes vorlegen und hoffen, dass Sie mir einen großen Anteil für die Krone genehmigen. Bei geringem Einkommen kann man beantragen, dass sie alles genehmigen. Ich hoffe, dass das klappt. Dann kommt eine dicke Masse in meinen Mund, um mit dem Stutzen des Implantats den Abdruck für die Krone zu nehmen. Wahrscheinlich muss ich hier ein Beruhigungsmittel nehmen, da ich sonst einen zu starken würge Reiz hätte. Danach wird die Krone einmal probehalber aufgesetzt, dazu muss jedes Mal die Schutzkappe wieder an- und abgeschraubt werden. Dann erst kommt die fertige Krone endgültig auf die Schraube, notfalls muss sie sogar zementiert werden. Wir hoffen, dass dies alles noch vor dem 26. Juni, also vor meiner Nasen-OP vonstatten geht. Da habe ich allerdings meine Zweifel. Im August habe ich den Zahn gezogen bekommen, an Ostern wollte ich schon wieder auf beiden Seiten kauen können. Nun habe ich diesen Wunsch auf Pfingsten verschoben, wahrscheinlich klappt es höchstens und aller frühestens im August. Wahrscheinlich geht es so aus, dass ich kurz vor dem Ziel schlapp mache, und mir dann das Implantat doch nicht vollenden lasse. Jedes Mal denke ich, nun bist du so weit gekommen, nun ist es nicht mehr viel, nun kannst du doch nicht einfach aufgeben. Aber jedes Mal, wenn ich einen Schritt vollzogen habe, und denke, jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Ziel, hängt sich hinter dem letzten Schritt noch ein weiterer hinten dran. Ich bin langsam so weit, dass ich aufgebe. Ich hoffe nur, dass sich wenigstens ein Wunsch erfüllt. Wenn das Implantat erfolgreich beendet ist, und die Krone sitzt, werde ich die Nasen-OP machen. Wenn hier schon kein Erfolg ist, werde ich mir nicht noch einen weiteren Misserfolg zumuten. Schließlich kann es ja auch passieren, dass ich nach Einsetzen der Krone dieselben Schmerzen habe, wie ich sie hatte, bevor der Zahn gezogen wurde. Auch dies wäre ein Misserfolg. In so einem Falle würde ich mir nicht zutrauen, die Nasen-OP zu machen. Denn wenn schon das Implantat schief gegangen wäre, was wird dann erst aus einer Nasen-OP?  Wenn ich vor dem Ziel mit dem Implantat aufgebe, dann habe ich eine Zahnlücke und keine Nasen-OP. Ich hoffe nur, dass es mit dem Abdruck klappt, und das dann nicht noch weitere Torturen folgen. Ich werde mir ein Ultimatum setzen, wenn ich es bis August nicht geschafft habe, die Krone zu haben, und wenn dann immer noch weitere Schritte angehängt werden, werde ich aufgeben, egal, wie weit ich bis dahin gekommen bin. Ich erspare mir dadurch weitere Torturen, denn auch wenn bei einer Aufgabe dann alle bisherigen umsonst waren, würden weitere Schritte der Qual dies nicht besser machen, sondern am Ende nur noch mehr Qualen gefolgt sein, die sich in der Summe dann alle als vergebens herausgestellt haben, wenn am Ende kein Ergebnis mit Erfolg herauskommt. Je schneller ich aufgebe, umso weniger Torturen habe ich vergeblich gemacht. Dann doch lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Dann habe ich am Ende weniger Qualen durchstehen müssen, als wenn ich ewig weitermachen würde, und am Ende dann doch genauso der Misserfolg steht.

 

Es müsste jemanden geben, der zaubern kann, und es schafft, dass ich endlich Erfolg habe. Irgendetwas muss dieses Jahr gelingen. Ob nun das Katzennetz, oder das Implantat, oder die Nase, oder ein Ergebnis einer Suche nach der passenden Diagnose für mich. Auf jeden Fall werde ich früher oder später diesen Fernseher anschaffen. Das ist aber kein Erfolg, denn dafür muss ich lediglich Geld hinlegen. Dennoch ist es etwas Schönes, da ich dann noch mehr gute Unterhaltung habe. Und ich muss mich beim Programmieren nicht mehr so abmühen. Die Entwicklungen gehen immer weiter, wo früher ein Festplattenrekorder mit Sprachausgabe unbezahlbar war, gibt es heute halbwegs erschwingliche kompakte Geräte mit eingebauter Festplatte. Zumindest dies ist ein Entwicklungserfolg. Ich hoffe, dass ich am Ende des Jahres mit zwei Katzen vor meinem neuen praktischen Fernseher sitzen kann und dabei Äpfel und Nüsse auf beiden Seiten kauen werde.

Dienstag, 22. April 2014

Nasen-OP reloaded

Ich hatte ja schon im Jahre 2008 und 2009 eine Nasen-OP gehabt. Im Rahmen meiner kieferchirurgischen Behandlung war ich bei einem Arzt, der unter anderem auch Gesichtschirurg ist. Nun habe ich das neue Implantat, und die Schraube sitzt auch schon darauf. Jetzt muss nur noch die Krone gemacht werden, und zuvor wird ein Heil- und Behandlungsplan erstellt. Dies macht dann mein Zahnarzt. Mir steht auch noch bevor, dass ein Abdruck des Kiefers gemacht wird, wobei eine dicke Masse in den Mund gedrückt wird, und da muss ich bestimmt würgen. Danach kommt dann das Schönste, die Krönung, der Zahn.

Ich hatte also vor vier Monaten, als das Implantat gesetzt wurde, bei dem Kieferchirurgen, der eben auch Gesichtschirurg ist, noch einmal wegen meiner Nase angefragt. Er meinte damals , ich solle zur Kontrolle kommen, er würde sich bis dahin etwas überlegen. Als das Implantat am 7. April freigelegt wurde, schaute er sich dabei auch meine Nase an. Er meinte, die sei vorne zu rund, es würde sozusagen die Zeltstange fehlen. Er meinte, mit seiner OP-Technik könne er das noch einmal operieren. Er würde dann zwischen Nase und Lippe einen Schnitt machen und die Nase anheben. So hätte er die gesamte Nase vor sich. Er gab mir die Aufklärungsbögen mit, die ich unterschrieben beim Kontrolltermin mitbringen sollte. Es stand wieder alles drin, was passieren könnte, unter anderem auch, dass die Operation nicht zufrieden stellend ausfallen könnte. Das schreiben die natürlich rein, um sich abzusichern. Dies ließ ich mir von meiner Helferin vorlesen, und zwei Wochen später erschien ich nun heute zur Nachkontrolle des Implantats und zur weiteren Besprechung eines OP-Termins. Dabei konnte ich noch einige Fragen klären, und er meinte, dass die wenigsten mit dem Ergebnis nicht zufrieden seien. Ich beschloss, zunächst einmal die Sache mit dem Implantat und der Krone zu beenden, und wenn ich damit dann zufrieden sei, würde ich mich an die Nase trauen. Ich hatte immerhin genug Misserfolge, und ich dachte, wenn ich mit dem neuen Zahn dann dieselben Schmerzen hätte wie vorher, dann will ich mir nicht noch ein weiteres Erlebnis von Misserfolg zumuten. Wir haben bereits einen OP-Termin am sechsten 20. Juni vereinbart, den ich aber jederzeit absagen oder verschieben kann. Ich wollte die OP auf keinen Fall in der Praxis machen sondern im Krankenhaus. Der Arzt hat in einem unserer Krankenhäuser Belegbetten, und dort gibt es auch eine Dialyse. Somit riefen wir in dem Krankenhaus an, um einen Termin zu vereinbaren. Ich sollte aber einige Wochen zuvor mich selber dort melden, um die Narkose zu besprechen und den Termin, zu dem ich stationär aufgenommen werden sollte. Die Sprechstundenhilfen wussten aber noch nicht einmal, in welcher Abteilung des Krankenhauses ich mich melden musste, um diese Dinge abzuklären. Nun habe ich lediglich die Nummer des Krankenhauses und muss mich nun selber durchschlagen und hoffe, bei der richtigen Stelle herauszukommen. Nun ist dies die dritte Auflage meiner Nasen-OP. Ich kann nur hoffen, dass es dieses Mal besser wird. Wenn nicht, dann soll es so sein, und es ist einfach vorbestimmt, dass die Nase nicht besser wird. Aber ich kann ja auch mal Erfolg haben.

Musikfreizeit 2014

Vom 25. März bis zum 1. April war ich wieder wie letztes Jahr bei der Musik Freizeit. Da ich am 1. April wieder an die Dialyse musste, habe ich eine Nacht drangehängt, um dann erst am Dienstag den 2. April zu fahren. Eine der Teilnehmerinnen, mit der ich mich letztes Jahr gut verstanden hatte, hat ebenso einen Tag länger gemacht, damit wir noch etwas zusammen unternehmen können. Dieses Jahr gab es wenig Förderung. Das fand ich etwas schade, zumal ich dieses Jahr finanziell etwas knapp dran war.

Dieses Mal verlief die Zugfahrt reibungslos. Ich kam also pünktlich an und hatte genügend Zeit, meinen Koffer auszupacken. Beim Abendessen dachte ich, vielleicht finde ich dieses Mal schneller einen Platz bei der Gesellschaft, da ich mehr Leute kenne als damals. Als ich in den Speisesaal kam nahm mich sofort die Helferin bei der Hand und setzte mich an einen Tisch mit Mutter und Sohn, die ich vom letzten Jahr her noch nicht kannte. Er hat aber meinen Bruder bereits in einem anderen Jahr kennen gelernt. So saßen wir zu viert am Tisch, die Helferin, Mutter und Sohn und ich. Ich war schon etwas verärgert, da ich das Gefühl hatte, wieder an einem „Reste-Tisch“ zu sitzen, wo nur diejenigen sind, die einander gar nicht kennen und sich dann genauso wenig unterhalten. Dann hörte ich die Stimme meiner Bekannten und ging nach hinten. Dort war eigentlich für mich eingedeckt gewesen. Das freute mich sehr. Ich saß bei zwei ganz neuen Teilnehmerinnen, wobei mir besonders die eine sehr angenehm auffiel. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass ich sie von irgendwoher kenne. Die andere der beiden Tischnachbarn wusste alles besser, ihr Mann sei auch an der Dialyse gewesen, und sie sehe ja auch sehr schlecht, könne aber noch so viel machen. Meine Bekannte, die sich an unseren Tisch gesetzt hatte, lobte diese äußerst und bewunderte die Frau sehr. Daraufhin merkte ich dezent an, dass ich auch nach meine Augen OP bereits wieder in eine fremde Stadt fuhr und dort eine Wohnung gesucht hatte. Ich dachte, was die kann, kann ich auch.

Am nächsten Tag hatten wir in der Früh schon eine Chorprobe. Mir fiel es ziemlich schwer, mir die ganzen Stücke zu merken. Kaum hatte ich mir meine Stimme eingeprägt, hörte ich die anderen Stimmen und vergaß meine wieder. Da ich noch den Termin in der Gedächtnisambulanz vor mir hatte, hoffte ich, dort eine Erklärung für mein schlechtes Gedächtnis zu bekommen. Dies ist, nebenbei bemerkt, nicht der Fall, da ich bei den Tests hervorragend abgeschnitten hatte. Unter Laborbedingungen kann ich mir ziemlich viel merken. Im Alltag, wo sehr viele Eindrücke und Reize auf einmal auf mich ein strömen, klappt dies nicht so gut. Ich musste dann früher weg, da ich ja wieder zur Dialyse musste. Ich hatte angefragt, ob ich den Kuchen, den es am Nachmittag gibt, mitnehmen könne. Leider war er aber noch nicht aufgetaut. Am Abend kam ich von der Dialyse zurück und hatte schöne Gespräche mit meinen Tischnachbarinnen. Die Dialyse ist gut verlaufen, die Schwester, die mich punkttierte, hat dies hervorragend gemacht, so dass ich überhaupt nichts spürte. Allerdings ging mit dem Taxi etwas daneben. Schon bei der Hinfahrt wurde ich gefragt, wann ich den fertig sei. Ich sagte, schätzungsweise um 18:00 Uhr. Per Funk wurde dann durchgegeben, dass ich voraussichtlich um 18:00 Uhr fertig sei, aber noch einmal anrufen würde. Natürlich war ich schon um 17:45 Uhr fertig. So rief die Schwester an und fragte, ob ich schon um 17:45 Uhr geholt werden könnte. Dies wurde positiv beantwortet. Eine halbe Stunde später kam dann ein Anruf, man habe mich nun für 18:00 Uhr eingeplant, und man könne dies nicht mehr ändern. Ich war ziemlich sauer. Als ich dann einstieg, sprach mich der Fahrer darauf an, und ich meinte, dass ich schließlich nicht definitiv einen Termin genannt hatte. Er meinte, ich habe aber gesagt, dass ich um 18:00 Uhr fertig sei. Natürlich hatte dann ich wieder die Schuld.

Als Ausflug war diesmal eine so genannte Kremser-Fahrt geplant. Ich hatte darum gebeten, dass man dies doch am Donnerstag machen könnte, wo ich nicht zur Dialyse muss. Leider hat dies nicht geklappt. Somit fragte ich an der Dialyse an, ob ich am Freitag ausnahmsweise schon am Vormittag kommen könnte. Sofort wurde mir zugesagt. Das fand ich total schön. Am Donnerstag konnte ich viel mit den anderen proben. Zum Beispiel haben wir mit meiner Bekannten einen Mandoline Boogie zusammen mit Gitarre und Keyboard geübt. Außerdem spielten wir zu dritt, eine Bass Flöte, Gitarre und Mandoline. Die Stücke waren nicht einfach, aber man konnte sie spielen. Sie waren von einem gewissen Hasse, einem Zeitgenossen Mozarts. Ich fand, dass eine klang ziemlich wie ein russisches Volkslied. Daher verulkten wir das Stück und spielten es wie ein melancholisches russisches Volkslied mit viel Tremolo und Schmalz . Bei dem Stück mit dem Keyboard wusste die Frau mit der Mandoline nicht, wann sie nach dem Keyboard-Solo wieder einsetzen musste. Daher schlug ich als Gag vor, dass unser Keyboard Spieler einfach auf Russisch bis vier zählt. Da viele Leute aus dem Osten da waren, wirkte das ziemlich lustig.

Am Freitag war dann unsere Kutschfahrt. Es war nicht so warm, wie wir erwartet hatten. Ich hatte aber meine schöne warme Jacke dabei. Die anderen wickelten sich entdecken ein. Es sollte auf der Kutschfahrt auch Kaffee und Kuchen geben. Irgendwann stellte uns der Kutscher eine Thermoskanne mit Kaffee und Kuchen hin, den wir selber verteilen mussten. In den Tischen waren Löcher, damit die Tassen nicht umfallen. Wir hatten nicht einmal Teller, und der Kuchen war ziemlich klebrig. So reichten wir die Stücke von Hand zu Hand weiter. Einige Leute, die etwas besser sehen konnten, schenkten Kaffee ein. Wir fanden den Service nicht sonderlich gut. Aber wir hatten einen sehr großen Spaß. Das Trio Die blinden Hühner sangen ein wunderschönes Lied aus dem Erzgebirge. Dies habe ich mir später dann aufnehmen lassen. Dieses Jahr war der Zusammenhalt wesentlich besser, da wir wesentlich weniger Leute waren. Auch hatte ich dieses Jahr vielmehr Kontakt zu denen, zu denen ich letztes Jahr überhaupt keinen hatte, oder die ich zu Anfang gar nicht mal mochte. Jetzt aber hatte ich einen guten Bezug. Am Ende hat mir meine Bekannte erzählt, dass der Kutscher ihr zu wenig rausgegeben hatte, sich also einfach selbstständig ein Trinkgeld genommen hatte. Ich wollte ihm eigentlich auch ein Trinkgeld geben, aber wir befanden dann, dass er sich nicht sehr viel Mühe mit uns gegeben hatte. Aber insgesamt war diese Kutschfahrt ein wunderbares und großartiges unvergessliches Erlebnis.

Am Samstag musste ich ja wieder zur Dialyse. Da ich mir die Stücke einfach nicht merken konnte, hat eine der blinden Hühner ihr Musikprogramm genommen und hat mir die Noten in Musik umgewandelt und auf mein Notizgerät gespielt. So konnte ich mir die Stücke in meiner Stimme so oft anhören, wie ich wollte. Sie meinte, dass sie auch mit diesem Programm gelernt hat. Am Samstagabend sollte ja dann der bunte Abend stattfinden. Wir hatten am Nachmittag noch einmal eine Chorprobe. Ich kann sowieso ziemlich schlecht stehen. Das konnte ich auch schon vor der Dialyse nicht gut. Nun, da ich durch die Dialyse insgesamt nicht mehr so eine gute Kondition habe, fällt mir dies noch wesentlich schwerer. Wir haben schon zuvor im Frauenchor gestanden, wo wir ein ziemlich modernes Stück nach Wilhelm Busch gesungen und geprobt haben. Ich habe dieses Jahr sowieso bei ziemlich vielen Gruppen mitgemacht. Als dann der gesamte Chor zusammen kam, hatte ich schon eine ganze Weile gestanden, und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Ich fragte also die Chorleiterin, ob ich mich hinsetzen könne. Sie meinte, während der Aufführung seien dann immer wieder Pausen, wo etwas anderes aufgeführt wurde, und da könne ich mich setzen. Ich fragte aber, ob ich mich auch jetzt schon hinsetzen könne, da ich nicht mehr stehen könne. Da meinte sie, und wurde auch noch von anderen sekundiert, nein, jetzt musst Du stehen bleiben, da müssen wir jetzt durch, jetzt gibt es ja schließlich keine Pause. Ich war ziemlich sauer und fand dies ziemlich unsensibel. Ich habe aber nichts gesagt, denn meistens verstehen dass die Leute nicht oder schieben dann die Schuld auf mich. Aber einen inneren Groll habe ich seitdem schon gehegt. Am Abend hat dann die Frau, deren man auch an der Dialyse war, immer dafür gesorgt, dass ich mich ganz schnell hinsetzen konnte. Sie meinte, sie wisse, wie das ist. Offenbar muss man erst Kenntnisse haben, um dafür Verständnis zu haben. Am Abend lief alles prima, außer, dass ich mich ein paarmal versungen habe, gerade bei den Stücken, wo ich eigentlich sicher war. Zum Beispiel haben wir, zwei Leute, meine Chorleiterin und ich, einen bayerischen Dreig'sang eingeübt, den ich eigentlich ziemlich gut konnte. Aber gerade bei der Aufführung habe ich auf einmal total falsch gesungen. Gott sei Dank hat unsere Chorleiterin mir dabei geholfen, wieder in die Band zu kommen. Aber geärgert hat es mich trotzdem. Bei unserem Boogie haben wir dann also die Nummer gebracht, dass der Keyboardspieler auf Russisch gezählt hat. Alle haben sich weggeschmissen vor Lachen. Das war der große Renner, und es war das einzige Stück, wo wir eine Zugabe geben mussten. Da war ich richtig stolz drauf. Zuvor war noch das Keyboard kaputtgegangen, so dass wir es durch ein anderes ersetzen mussten. Im Jahr zuvor hat ja die Generalprobe prima geklappt, aber bei der Aufführung gab es Probleme mit dem Keyboard. Dieses Mal war es zum Glück umgekehrt, und wir konnten den Defekt noch rechtzeitig bemerken. Nach einigen inoffiziellen Aufführungen war dann auch dieser Tag zu Ende.

Am nächsten Tag, dem Sonntag war ja unser Ausflug dran, den wir dann wieder privat gestalten wollten. Zuvor hatten wir noch ein Taizé- Gebet, für das wir ebenfalls viel geprobt hatten. Hier musste ich mir auch sehr viele Kanons merken. Ich war am Ende gar nicht mehr bei Stimme, da ich aufgrund der Sommerzeit 1 Stunde weniger geschlafen hatte, und die Singerei langsam anstrengend wurde. Mir tat nach dem Gebet ziemlich der Hals weh. Bei dem Ausflug gingen wir wieder zur Burg, da wir dort einige Andenken besorgen wollten, von denen ich letztes Jahr einige mitgebracht hatte, und die zuhause sehr bewundert wurden. Zum Beispiel gibt es Brockenhexen, die man mit einem Magnet an den Kühlschrank befestigt. Dieses Mal waren wir zu viert. Die Frau, deren Mann ebenfalls an der Dialyse war, war auch mit dabei. Da wir etwas weit weg von der Haltestelle standen, fuhr der Bus vorbei. Nach einigen gegenseitigen Beschuldigungen beschlossen wir, mit dem Taxi zu fahren. Dies war wesentlich billiger, da wir direkt zur Burg fahren konnten. So sparten wir uns die Kutsche oder die Bimmelbahn. Jeder musste nur drei Euro zahlen. Im Andenkenladen gab es leider diese Hexen nicht mehr. Es gab nur andere. Wir sind dann sogar zu zwei verschiedenen Läden gegangen. Insgesamt war die Stimmung etwas aufgeladen, zumal meine Bekannte die andere Frau, die mich führte, aus schimpfte, weil sie sich so weit in die andere Richtung entfernt hatte, bis die anderen beiden aus dem Laden kamen. Ich fand das etwas unverhältnismäßig. Denn es war ja nichts passiert. Später hat dann meine Bekannte einmal eingeräumt, dass sie die Frau zu sehr bewundert hatte, die doch noch ziemlich gut sieht, und daher deshalb auch noch so viel kann. Dann hatte die Frau, die mich begleitete, auch noch fast kein Geld dabei. Dies fand ich äußerst seltsam. Als wir dann ins Café gingen, bot ich ihr an, ihr einen Kaffee auszugeben. Sie wollte es aber nicht annehmen. Das fand ich ziemlich doof. Wir haben aber dort gut gegessen, und dann sind wir noch etwas herumgelaufen und haben später dort nochmal ein Eis gegessen. Von den anderen hat sie sich dann dort einladen lassen. Mich ärgert so etwas immer, da andere bei mir größere Probleme haben, etwas anzunehmen.

Insgesamt war aber dieser Tag sehr schön. Am Abend habe ich mich dann mit meiner Chorleiterin gestritten. Ich habe ihr erklärt, dass ich trotz vieler Übung nicht besser Querflöte kann. Dauernd versuchte sie, mir irgendwelche Ratschläge zu geben. Mir ging das auf die Nerven, da ich Ratschläge prinzipiell nicht mag, schon gar nicht solche psychologischen, dass ich mich doch endlich mit dem oder jenem abzufinden hätte. Wir hatten uns schon einmal per E-Mail darüber ausgetauscht, dass ihr Seelsorger, bei dem sie Organistin war, damals genauso war und ihr immer irgendwelche Ratschläge gegeben hatte. Sie hat mir gestanden, dass ihr das ziemlich auf die Nerven ging, denn man muss nicht immer alles dagegen reden. An diese Mails erinnerte ich sie und meinte, dass sie es ja nun genauso macht. Sie meinte aber nur, was solle sie denn sagen, wir alle müssen uns mit irgendetwas abfinden, wir seien alle sehbehindert oder blind, und jeder müsse sich mit irgendetwas abfinden. Als ich ihr sagte, dass sie nun genau dieselben Ratschläge anwenden würde, war sie dann beleidigt, und meinte, sie würde jetzt aufpassen, was sie sagt, und ich würde ihr ein schlechtes Gewissen machen. Bei dieser Gelegenheit sagte ich ihr auch, dass mich Ihre Härte bei der Chorprobe ziemlich geärgert habe, dass ich mich nicht hinsetzen durfte. Da meinte sie gleich, sie sei eine schlechte Chorleiterin und unsensibel, und sie würde sowieso alles falsch machen. Außerdem hätte ich mir ja selber einen Stuhl holen können, auch wenn sie nein gesagt hat. Genau das wollte ich ja nicht, und außerdem sehe ich ja viel zu schlecht, um mir selbst einen Stuhl zu suchen und dabei noch leise zu sein, und wenn Sie mir dies nicht erlaubt hatte, wollte ich dies auch nicht einfach machen. Sie habe ja 15 Leute, und da könne sie sich nicht um jeden einzelnen kümmern. Sie gab aber zu, dass dies ziemlich unsensibel war. Ich erklärte ihr auch, dass einige der anderen genauso geredet hätten, und dass mich das insgesamt in der Gruppe gestört hat. Sie meinte, in der Kritikrunde solle ich dies äußern, und dann würde sie mir auch beistehen.

Am Montagmorgen war dann die Runde, in der wir kritisieren sollten. Ich sprach das Thema an, wobei ich hoffte, nun Hilfe zu erhalten, die mir versprochen wurde. Stattdessen hörte ich wieder, sie habe 15 Leute, und sie habe ja auch viele Schüler, und die würden auch oft quengeln, dass sie nicht mehr stehen könnten, und da könne sie schließlich nicht immer wissen, ob das wirklich so ernst sei. Daraufhin sprang meine ehemalige Schwägerin für mich in die Bresche, von der ich es am wenigsten erwartet hatte, und sie meinte, schließlich sei ich ja Dialysepatientin, und dies sei mein Dialysetag gewesen. Die Chorleiterin meinte, sie habe ja schließlich gesagt, dass wir lange stehen müssten, und ich hätte das wohl überhört, und ich solle mir doch das nächste Mal einen Stuhl vorbereiten. Ich sagte ihr, dass auch dann, wenn man dies nicht vorbereitet, es zu jeder Zeit möglich sein müsse, sich zu setzen, schließlich seien wir hier alle erwachsen und im Urlaub, und jedem könne es einmal nicht gut gehen, und man müsse dies nicht erst jedes Mal erklären. Irgendwie hat sie schon gemerkt, dass sie da nicht richtig gehandelt hatte, mich hat nur gestört, dass immer der Schwarze Peter auf mich abgewälzt wurde, und von mir zuvor eine Vorbereitung erwartet wurde. Und mir ging es einfach darum, dass man ja jederzeit einmal, und zwar jeder, in die Lage kommen kann, wo er etwas braucht, und dass wir nicht im Kindergarten sind, sondern eben dann entsprechende Massnahmen ohne Erlaubnis treffen könnten. Später hat mir meine Tischnachbarin, mit der ich nach einer Woche noch einmal telefoniert hatte, gesagt, sie hätte schon den Eindruck gehabt, dass ich das bekommen hätte, was mir wichtig war, und dass ich eine Art Entschuldigung erhalten hätte. Wahrscheinlich sind da unsere Eindrücke einfach unterschiedlich. Zumindest habe ich mit dem einen Taxifahrer, der mich am letzten Tag abgeholt hat, auch noch mal darüber gesprochen, dass es am Montag schief gelaufen war. Da meinte er, er würde jetzt zwar seinen Kollegen in die Pfanne hauen, aber er müsse mir schon sagen, dass dies nicht meine Schuld war, dass sie eine Viertelstunde zu spät waren, sondern dass einfach zu viel los war, und sie daher den Termin nicht einhalten konnten. Es hatte also nichts damit zu tun, dass ich erst von 18:00 Uhr gesprochen hatte. Schließlich muss ja nicht jedes Mal der Fehler bei mir liegen.

Als ich am Montag von der Dialyse kam, waren wir nur noch zu fünft. Eine Frau war noch dageblieben, die später eine Reisegruppe in diese Pension begleiten wollte, und daher einiges klären musste. Die Chorleiterin, der Keyboard Spieler und meine Bekannte waren auch noch da. Wir haben noch sehr schön miteinander musiziert und viele verschiedene Stücke gespielt. Unsere Chorleiterin hat sehr viele Saiteninstrumente, aus denen sie, selbst wenn sie noch so klein sind, die schönsten Töne hervorzaubern kann. So gibt es zum Beispiel einen String-Gameboy, ein Holzkästchen mit Saiten, der das Gegenstück zum elektronischen Gameboy sein soll. Es gibt zwar nur eine Tonleiter, wobei nicht alle Halbtöne aller Tonleitern da sind, und man also bei den Akkorden auch einiges weglassen muss. Dennoch gelang es wunderbar, als wir unseren bayerischen Dreig'sang mit Mandoline, Gitarre und String-Gameboy spielten. So haben wir uns vom Kinderlied bis zur Popmusik in allen Stilrichtungen bewegt.

Sogar am nächsten Tag habe ich noch mit der Gitarre etwas eingespielt, was für das nächste Treffen einer anderen Gruppe gebraucht wurde, und was sie bereits zuvor haben sollten. Bis zum Schluss hatte ich also die Gitarre noch nicht eingepackt, und dann musste ich mich beeilen. Alles in allem war es sehr schön, und es gab ein paar lustige Momente. Zum Beispiel musste ich an einem Nachmittag, als wir noch sehr viele neue Sachen lernten, jedes Mal niesen, sobald der Einsatz kam. Dies führte zu einigen Lachern, und so konnte ich doch einiges zur Unterhaltung beitragen, wenn auch unfreiwillig.

Ansonsten war die Gruppe wirklich toll, und ich konnte wieder sehr viel Musik machen. Ich weiß nicht, ob ich nächstes Jahr noch einmal hingehe, zum einen ist es eine Geldfrage, zum anderen geht es mir schon auf die Nerven, wie stressig die Proben sind, und dass dann vor der Aufführung, wie in jedem Chor, immer so eine große Spannung ist, dass der einzelne untergeht. Außerdem kann ich mir so viele Stücke gar nicht merken, und das belastet mich schon sehr. Dadurch, dass ich einige Proben wegen der Dialyse nicht mitmachen kann, bin ich immer etwas im Verzug mit dem, was ich lernen muss. Außerdem möchte ich nicht jedes Jahr dasselbe machen. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr zu dem Treffen, für das es auch eine Kassettenzeitschrift gibt. Dort geht es nicht ganz so genau zu, und jeder spielt einfach mit, und man muss nicht so viel Proben.

Die Rückfahrt verlief auch wieder reibungslos, außer, dass ich an meinem Heimatort beim Ausstieg vergessen wurde. Ein Passant hat mir geholfen und mich zum Informationspunkt gebracht, wo bereits meine Taxifahrerin wartete, , da ich das Taxi zuvor über Handy bestellt hatte. Somit ist es auch sehr praktisch, einen festen Dialysefahrer zu haben, dem man auch für solche Dinge anrufen kann. Hinterher haben wir noch einige E-Mails ausgetauscht, in denen wir uns lustige Aufnahmen geschickt haben. Diese werde ich bei mir behalten, und ich werde die Chorfreizeit in ganz guter Erinnerung haben.

Musikfreizeit 2014

Vom 25. März bis zum 1. April war ich wieder wie letztes Jahr bei der Musik Freizeit. Da ich am 1. April wieder an die Dialyse musste, habe ich eine Nacht drangehängt, um dann erst am Dienstag den 2. April zu fahren. Eine der Teilnehmerinnen, mit der ich mich letztes Jahr gut verstanden hatte, hat ebenso einen Tag länger gemacht, damit wir noch etwas zusammen unternehmen können. Dieses Jahr gab es wenig Förderung. Das fand ich etwas schade, zumal ich dieses Jahr finanziell etwas knapp dran war.

Dieses Mal verlief die Zugfahrt reibungslos. Ich kam also pünktlich an und hatte genügend Zeit, meinen Koffer auszupacken. Beim Abendessen dachte ich, vielleicht finde ich dieses Mal schneller einen Platz bei der Gesellschaft, da ich mehr Leute kenne als damals. Als ich in den Speisesaal kam nahm mich sofort die Helferin bei der Hand und setzte mich an einen Tisch mit Mutter und Sohn, die ich vom letzten Jahr her noch nicht kannte. Er hat aber meinen Bruder bereits in einem anderen Jahr kennen gelernt. So saßen wir zu viert am Tisch, die Helferin, Mutter und Sohn und ich. Ich war schon etwas verärgert, da ich das Gefühl hatte, wieder an einem „Reste-Tisch“ zu sitzen, wo nur diejenigen sind, die einander gar nicht kennen und sich dann genauso wenig unterhalten. Dann hörte ich die Stimme meiner Bekannten und ging nach hinten. Dort war eigentlich für mich eingedeckt gewesen. Das freute mich sehr. Ich saß bei zwei ganz neuen Teilnehmerinnen, wobei mir besonders die eine sehr angenehm auffiel. Ich hatte die ganze Zeit den Eindruck, dass ich sie von irgendwoher kenne. Die andere der beiden Tischnachbarn wusste alles besser, ihr Mann sei auch an der Dialyse gewesen, und sie sehe ja auch sehr schlecht, könne aber noch so viel machen. Meine Bekannte, die sich an unseren Tisch gesetzt hatte, lobte diese äußerst und bewunderte die Frau sehr. Daraufhin merkte ich dezent an, dass ich auch nach meine Augen OP bereits wieder in eine fremde Stadt fuhr und dort eine Wohnung gesucht hatte. Ich dachte, was die kann, kann ich auch.

Am nächsten Tag hatten wir in der Früh schon eine Chorprobe. Mir fiel es ziemlich schwer, mir die ganzen Stücke zu merken. Kaum hatte ich mir meine Stimme eingeprägt, hörte ich die anderen Stimmen und vergaß meine wieder. Da ich noch den Termin in der Gedächtnisambulanz vor mir hatte, hoffte ich, dort eine Erklärung für mein schlechtes Gedächtnis zu bekommen. Dies ist, nebenbei bemerkt, nicht der Fall, da ich bei den Tests hervorragend abgeschnitten hatte. Unter Laborbedingungen kann ich mir ziemlich viel merken. Im Alltag, wo sehr viele Eindrücke und Reize auf einmal auf mich ein strömen, klappt dies nicht so gut. Ich musste dann früher weg, da ich ja wieder zur Dialyse musste. Ich hatte angefragt, ob ich den Kuchen, den es am Nachmittag gibt, mitnehmen könne. Leider war er aber noch nicht aufgetaut. Am Abend kam ich von der Dialyse zurück und hatte schöne Gespräche mit meinen Tischnachbarinnen. Die Dialyse ist gut verlaufen, die Schwester, die mich punkttierte, hat dies hervorragend gemacht, so dass ich überhaupt nichts spürte. Allerdings ging mit dem Taxi etwas daneben. Schon bei der Hinfahrt wurde ich gefragt, wann ich den fertig sei. Ich sagte, schätzungsweise um 18:00 Uhr. Per Funk wurde dann durchgegeben, dass ich voraussichtlich um 18:00 Uhr fertig sei, aber noch einmal anrufen würde. Natürlich war ich schon um 17:45 Uhr fertig. So rief die Schwester an und fragte, ob ich schon um 17:45 Uhr geholt werden könnte. Dies wurde positiv beantwortet. Eine halbe Stunde später kam dann ein Anruf, man habe mich nun für 18:00 Uhr eingeplant, und man könne dies nicht mehr ändern. Ich war ziemlich sauer. Als ich dann einstieg, sprach mich der Fahrer darauf an, und ich meinte, dass ich schließlich nicht definitiv einen Termin genannt hatte. Er meinte, ich habe aber gesagt, dass ich um 18:00 Uhr fertig sei. Natürlich hatte dann ich wieder die Schuld.

Als Ausflug war diesmal eine so genannte Kremser-Fahrt geplant. Ich hatte darum gebeten, dass man dies doch am Donnerstag machen könnte, wo ich nicht zur Dialyse muss. Leider hat dies nicht geklappt. Somit fragte ich an der Dialyse an, ob ich am Freitag ausnahmsweise schon am Vormittag kommen könnte. Sofort wurde mir zugesagt. Das fand ich total schön. Am Donnerstag konnte ich viel mit den anderen proben. Zum Beispiel haben wir mit meiner Bekannten einen Mandoline Boogie zusammen mit Gitarre und Keyboard geübt. Außerdem spielten wir zu dritt, eine Bass Flöte, Gitarre und Mandoline. Die Stücke waren nicht einfach, aber man konnte sie spielen. Sie waren von einem gewissen Hasse, einem Zeitgenossen Mozarts. Ich fand, dass eine klang ziemlich wie ein russisches Volkslied. Daher verulkten wir das Stück und spielten es wie ein melancholisches russisches Volkslied mit viel Tremolo und Schmalz . Bei dem Stück mit dem Keyboard wusste die Frau mit der Mandoline nicht, wann sie nach dem Keyboard-Solo wieder einsetzen musste. Daher schlug ich als Gag vor, dass unser Keyboard Spieler einfach auf Russisch bis vier zählt. Da viele Leute aus dem Osten da waren, wirkte das ziemlich lustig.

Am Freitag war dann unsere Kutschfahrt. Es war nicht so warm, wie wir erwartet hatten. Ich hatte aber meine schöne warme Jacke dabei. Die anderen wickelten sich entdecken ein. Es sollte auf der Kutschfahrt auch Kaffee und Kuchen geben. Irgendwann stellte uns der Kutscher eine Thermoskanne mit Kaffee und Kuchen hin, den wir selber verteilen mussten. In den Tischen waren Löcher, damit die Tassen nicht umfallen. Wir hatten nicht einmal Teller, und der Kuchen war ziemlich klebrig. So reichten wir die Stücke von Hand zu Hand weiter. Einige Leute, die etwas besser sehen konnten, schenkten Kaffee ein. Wir fanden den Service nicht sonderlich gut. Aber wir hatten einen sehr großen Spaß. Das Trio Die blinden Hühner sangen ein wunderschönes Lied aus dem Erzgebirge. Dies habe ich mir später dann aufnehmen lassen. Dieses Jahr war der Zusammenhalt wesentlich besser, da wir wesentlich weniger Leute waren. Auch hatte ich dieses Jahr vielmehr Kontakt zu denen, zu denen ich letztes Jahr überhaupt keinen hatte, oder die ich zu Anfang gar nicht mal mochte. Jetzt aber hatte ich einen guten Bezug. Am Ende hat mir meine Bekannte erzählt, dass der Kutscher ihr zu wenig rausgegeben hatte, sich also einfach selbstständig ein Trinkgeld genommen hatte. Ich wollte ihm eigentlich auch ein Trinkgeld geben, aber wir befanden dann, dass er sich nicht sehr viel Mühe mit uns gegeben hatte. Aber insgesamt war diese Kutschfahrt ein wunderbares und großartiges unvergessliches Erlebnis.

Am Samstag musste ich ja wieder zur Dialyse. Da ich mir die Stücke einfach nicht merken konnte, hat eine der blinden Hühner ihr Musikprogramm genommen und hat mir die Noten in Musik umgewandelt und auf mein Notizgerät gespielt. So konnte ich mir die Stücke in meiner Stimme so oft anhören, wie ich wollte. Sie meinte, dass sie auch mit diesem Programm gelernt hat. Am Samstagabend sollte ja dann der bunte Abend stattfinden. Wir hatten am Nachmittag noch einmal eine Chorprobe. Ich kann sowieso ziemlich schlecht stehen. Das konnte ich auch schon vor der Dialyse nicht gut. Nun, da ich durch die Dialyse insgesamt nicht mehr so eine gute Kondition habe, fällt mir dies noch wesentlich schwerer. Wir haben schon zuvor im Frauenchor gestanden, wo wir ein ziemlich modernes Stück nach Wilhelm Busch gesungen und geprobt haben. Ich habe dieses Jahr sowieso bei ziemlich vielen Gruppen mitgemacht. Als dann der gesamte Chor zusammen kam, hatte ich schon eine ganze Weile gestanden, und irgendwann konnte ich einfach nicht mehr. Ich fragte also die Chorleiterin, ob ich mich hinsetzen könne. Sie meinte, während der Aufführung seien dann immer wieder Pausen, wo etwas anderes aufgeführt wurde, und da könne ich mich setzen. Ich fragte aber, ob ich mich auch jetzt schon hinsetzen könne, da ich nicht mehr stehen könne. Da meinte sie, und wurde auch noch von anderen sekundiert, nein, jetzt musst Du stehen bleiben, da müssen wir jetzt durch, jetzt gibt es ja schließlich keine Pause. Ich war ziemlich sauer und fand dies ziemlich unsensibel. Ich habe aber nichts gesagt, denn meistens verstehen dass die Leute nicht oder schieben dann die Schuld auf mich. Aber einen inneren Groll habe ich seitdem schon gehegt. Am Abend hat dann die Frau, deren man auch an der Dialyse war, immer dafür gesorgt, dass ich mich ganz schnell hinsetzen konnte. Sie meinte, sie wisse, wie das ist. Offenbar muss man erst Kenntnisse haben, um dafür Verständnis zu haben. Am Abend lief alles prima, außer, dass ich mich ein paarmal versungen habe, gerade bei den Stücken, wo ich eigentlich sicher war. Zum Beispiel haben wir, zwei Leute, meine Chorleiterin und ich, einen bayerischen Dreig'sang eingeübt, den ich eigentlich ziemlich gut konnte. Aber gerade bei der Aufführung habe ich auf einmal total falsch gesungen. Gott sei Dank hat unsere Chorleiterin mir dabei geholfen, wieder in die Band zu kommen. Aber geärgert hat es mich trotzdem. Bei unserem Boogie haben wir dann also die Nummer gebracht, dass der Keyboardspieler auf Russisch gezählt hat. Alle haben sich weggeschmissen vor Lachen. Das war der große Renner, und es war das einzige Stück, wo wir eine Zugabe geben mussten. Da war ich richtig stolz drauf. Zuvor war noch das Keyboard kaputtgegangen, so dass wir es durch ein anderes ersetzen mussten. Im Jahr zuvor hat ja die Generalprobe prima geklappt, aber bei der Aufführung gab es Probleme mit dem Keyboard. Dieses Mal war es zum Glück umgekehrt, und wir konnten den Defekt noch rechtzeitig bemerken. Nach einigen inoffiziellen Aufführungen war dann auch dieser Tag zu Ende.

Am nächsten Tag, dem Sonntag war ja unser Ausflug dran, den wir dann wieder privat gestalten wollten. Zuvor hatten wir noch ein Taizé- Gebet, für das wir ebenfalls viel geprobt hatten. Hier musste ich mir auch sehr viele Kanons merken. Ich war am Ende gar nicht mehr bei Stimme, da ich aufgrund der Sommerzeit 1 Stunde weniger geschlafen hatte, und die Singerei langsam anstrengend wurde. Mir tat nach dem Gebet ziemlich der Hals weh. Bei dem Ausflug gingen wir wieder zur Burg, da wir dort einige Andenken besorgen wollten, von denen ich letztes Jahr einige mitgebracht hatte, und die zuhause sehr bewundert wurden. Zum Beispiel gibt es Brockenhexen, die man mit einem Magnet an den Kühlschrank befestigt. Dieses Mal waren wir zu viert. Die Frau, deren Mann ebenfalls an der Dialyse war, war auch mit dabei. Da wir etwas weit weg von der Haltestelle standen, fuhr der Bus vorbei. Nach einigen gegenseitigen Beschuldigungen beschlossen wir, mit dem Taxi zu fahren. Dies war wesentlich billiger, da wir direkt zur Burg fahren konnten. So sparten wir uns die Kutsche oder die Bimmelbahn. Jeder musste nur drei Euro zahlen. Im Andenkenladen gab es leider diese Hexen nicht mehr. Es gab nur andere. Wir sind dann sogar zu zwei verschiedenen Läden gegangen. Insgesamt war die Stimmung etwas aufgeladen, zumal meine Bekannte die andere Frau, die mich führte, aus schimpfte, weil sie sich so weit in die andere Richtung entfernt hatte, bis die anderen beiden aus dem Laden kamen. Ich fand das etwas unverhältnismäßig. Denn es war ja nichts passiert. Später hat dann meine Bekannte einmal eingeräumt, dass sie die Frau zu sehr bewundert hatte, die doch noch ziemlich gut sieht, und daher deshalb auch noch so viel kann. Dann hatte die Frau, die mich begleitete, auch noch fast kein Geld dabei. Dies fand ich äußerst seltsam. Als wir dann ins Café gingen, bot ich ihr an, ihr einen Kaffee auszugeben. Sie wollte es aber nicht annehmen. Das fand ich ziemlich doof. Wir haben aber dort gut gegessen, und dann sind wir noch etwas herumgelaufen und haben später dort nochmal ein Eis gegessen. Von den anderen hat sie sich dann dort einladen lassen. Mich ärgert so etwas immer, da andere bei mir größere Probleme haben, etwas anzunehmen.

Insgesamt war aber dieser Tag sehr schön. Am Abend habe ich mich dann mit meiner Chorleiterin gestritten. Ich habe ihr erklärt, dass ich trotz vieler Übung nicht besser Querflöte kann. Dauernd versuchte sie, mir irgendwelche Ratschläge zu geben. Mir ging das auf die Nerven, da ich Ratschläge prinzipiell nicht mag, schon gar nicht solche psychologischen, dass ich mich doch endlich mit dem oder jenem abzufinden hätte. Wir hatten uns schon einmal per E-Mail darüber ausgetauscht, dass ihr Seelsorger, bei dem sie Organistin war, damals genauso war und ihr immer irgendwelche Ratschläge gegeben hatte. Sie hat mir gestanden, dass ihr das ziemlich auf die Nerven ging, denn man muss nicht immer alles dagegen reden. An diese Mails erinnerte ich sie und meinte, dass sie es ja nun genauso macht. Sie meinte aber nur, was solle sie denn sagen, wir alle müssen uns mit irgendetwas abfinden, wir seien alle sehbehindert oder blind, und jeder müsse sich mit irgendetwas abfinden. Als ich ihr sagte, dass sie nun genau dieselben Ratschläge anwenden würde, war sie dann beleidigt, und meinte, sie würde jetzt aufpassen, was sie sagt, und ich würde ihr ein schlechtes Gewissen machen. Bei dieser Gelegenheit sagte ich ihr auch, dass mich Ihre Härte bei der Chorprobe ziemlich geärgert habe, dass ich mich nicht hinsetzen durfte. Da meinte sie gleich, sie sei eine schlechte Chorleiterin und unsensibel, und sie würde sowieso alles falsch machen. Außerdem hätte ich mir ja selber einen Stuhl holen können, auch wenn sie nein gesagt hat. Genau das wollte ich ja nicht, und außerdem sehe ich ja viel zu schlecht, um mir selbst einen Stuhl zu suchen und dabei noch leise zu sein, und wenn Sie mir dies nicht erlaubt hatte, wollte ich dies auch nicht einfach machen. Sie habe ja 15 Leute, und da könne sie sich nicht um jeden einzelnen kümmern. Sie gab aber zu, dass dies ziemlich unsensibel war. Ich erklärte ihr auch, dass einige der anderen genauso geredet hätten, und dass mich das insgesamt in der Gruppe gestört hat. Sie meinte, in der Kritikrunde solle ich dies äußern, und dann würde sie mir auch beistehen.

Am Montagmorgen war dann die Runde, in der wir kritisieren sollten. Ich sprach das Thema an, wobei ich hoffte, nun Hilfe zu erhalten, die mir versprochen wurde. Stattdessen hörte ich wieder, sie habe 15 Leute, und sie habe ja auch viele Schüler, und die würden auch oft quengeln, dass sie nicht mehr stehen könnten, und da könne sie schließlich nicht immer wissen, ob das wirklich so ernst sei. Daraufhin sprang meine ehemalige Schwägerin für mich in die Bresche, von der ich es am wenigsten erwartet hatte, und sie meinte, schließlich sei ich ja Dialysepatientin, und dies sei mein Dialysetag gewesen. Die Chorleiterin meinte, sie habe ja schließlich gesagt, dass wir lange stehen müssten, und ich hätte das wohl überhört, und ich solle mir doch das nächste Mal einen Stuhl vorbereiten. Ich sagte ihr, dass auch dann, wenn man dies nicht vorbereitet, es zu jeder Zeit möglich sein müsse, sich zu setzen, schließlich seien wir hier alle erwachsen und im Urlaub, und jedem könne es einmal nicht gut gehen, und man müsse dies nicht erst jedes Mal erklären. Irgendwie hat sie schon gemerkt, dass sie da nicht richtig gehandelt hatte, mich hat nur gestört, dass immer der Schwarze Peter auf mich abgewälzt wurde, und von mir zuvor eine Vorbereitung erwartet wurde. Und mir ging es einfach darum, dass man ja jederzeit einmal, und zwar jeder, in die Lage kommen kann, wo er etwas braucht, und dass wir nicht im Kindergarten sind, sondern eben dann entsprechende Massnahmen ohne Erlaubnis treffen könnten. Später hat mir meine Tischnachbarin, mit der ich nach einer Woche noch einmal telefoniert hatte, gesagt, sie hätte schon den Eindruck gehabt, dass ich das bekommen hätte, was mir wichtig war, und dass ich eine Art Entschuldigung erhalten hätte. Wahrscheinlich sind da unsere Eindrücke einfach unterschiedlich. Zumindest habe ich mit dem einen Taxifahrer, der mich am letzten Tag abgeholt hat, auch noch mal darüber gesprochen, dass es am Montag schief gelaufen war. Da meinte er, er würde jetzt zwar seinen Kollegen in die Pfanne hauen, aber er müsse mir schon sagen, dass dies nicht meine Schuld war, dass sie eine Viertelstunde zu spät waren, sondern dass einfach zu viel los war, und sie daher den Termin nicht einhalten konnten. Es hatte also nichts damit zu tun, dass ich erst von 18:00 Uhr gesprochen hatte. Schließlich muss ja nicht jedes Mal der Fehler bei mir liegen.

Als ich am Montag von der Dialyse kam, waren wir nur noch zu fünft. Eine Frau war noch dageblieben, die später eine Reisegruppe in diese Pension begleiten wollte, und daher einiges klären musste. Die Chorleiterin, der Keyboard Spieler und meine Bekannte waren auch noch da. Wir haben noch sehr schön miteinander musiziert und viele verschiedene Stücke gespielt. Unsere Chorleiterin hat sehr viele Saiteninstrumente, aus denen sie, selbst wenn sie noch so klein sind, die schönsten Töne hervorzaubern kann. So gibt es zum Beispiel einen String-Gameboy, ein Holzkästchen mit Saiten, der das Gegenstück zum elektronischen Gameboy sein soll. Es gibt zwar nur eine Tonleiter, wobei nicht alle Halbtöne aller Tonleitern da sind, und man also bei den Akkorden auch einiges weglassen muss. Dennoch gelang es wunderbar, als wir unseren bayerischen Dreig'sang mit Mandoline, Gitarre und String-Gameboy spielten. So haben wir uns vom Kinderlied bis zur Popmusik in allen Stilrichtungen bewegt.

Sogar am nächsten Tag habe ich noch mit der Gitarre etwas eingespielt, was für das nächste Treffen einer anderen Gruppe gebraucht wurde, und was sie bereits zuvor haben sollten. Bis zum Schluss hatte ich also die Gitarre noch nicht eingepackt, und dann musste ich mich beeilen. Alles in allem war es sehr schön, und es gab ein paar lustige Momente. Zum Beispiel musste ich an einem Nachmittag, als wir noch sehr viele neue Sachen lernten, jedes Mal niesen, sobald der Einsatz kam. Dies führte zu einigen Lachern, und so konnte ich doch einiges zur Unterhaltung beitragen, wenn auch unfreiwillig.

Ansonsten war die Gruppe wirklich toll, und ich konnte wieder sehr viel Musik machen. Ich weiß nicht, ob ich nächstes Jahr noch einmal hingehe, zum einen ist es eine Geldfrage, zum anderen geht es mir schon auf die Nerven, wie stressig die Proben sind, und dass dann vor der Aufführung, wie in jedem Chor, immer so eine große Spannung ist, dass der einzelne untergeht. Außerdem kann ich mir so viele Stücke gar nicht merken, und das belastet mich schon sehr. Dadurch, dass ich einige Proben wegen der Dialyse nicht mitmachen kann, bin ich immer etwas im Verzug mit dem, was ich lernen muss. Außerdem möchte ich nicht jedes Jahr dasselbe machen. Vielleicht gehe ich nächstes Jahr zu dem Treffen, für das es auch eine Kassettenzeitschrift gibt. Dort geht es nicht ganz so genau zu, und jeder spielt einfach mit, und man muss nicht so viel Proben.

Die Rückfahrt verlief auch wieder reibungslos, außer, dass ich an meinem Heimatort beim Ausstieg vergessen wurde. Ein Passant hat mir geholfen und mich zum Informationspunkt gebracht, wo bereits meine Taxifahrerin wartete, , da ich das Taxi zuvor über Handy bestellt hatte. Somit ist es auch sehr praktisch, einen festen Dialysefahrer zu haben, dem man auch für solche Dinge anrufen kann. Hinterher haben wir noch einige E-Mails ausgetauscht, in denen wir uns lustige Aufnahmen geschickt haben. Diese werde ich bei mir behalten, und ich werde die Chorfreizeit in ganz guter Erinnerung haben.

Sonntag, 20. April 2014

Vergangenheitsbewältigung

Im Rahmen einer Diagnostik, bei der ich mir erhoffte, dass endlich einmal gesehen wird, dass meine Internatszeit und Schulzeit traumatisch war, hatte ich einen Klassenkameraden, der sich nicht an dem Mobbing-Aktionen beteiligt hatte, gebeten, mir aus seiner Erinnerung einiges dazu zu schreiben. Hier ist nun das, was er geschrieben hat: "Ich versuche mal zu schildern, an was ich mich noch erinnern kann: Zunächst einmal kann ich mich erinnern, dass es besonders in der 5. und 6. Klasse immer wieder zu moderierten Gesprächen zwischen dem Klassenleiter und den Schülern kam. Es ging darum, Dich vor allem in der Pause stärker zu integrieren. Das hielt ich damals schon für vollkommenen Unfug, weil wir immer Fangen gespielt haben. Einige Schüler haben das ausgenutzt und Dich in das Fangenspiel integriert, was natürlich lediglich deren Belustigung über Deine Hilflosigkeit gedient hat. Genau so warst Du meistens in der ersten Reihe ohne Tischnachbarn gesessen. Der Platz neben Dir war meist frei und wurde von den Lehrern als, ich sage mal Strafbank, genutzt. Wer also was angestellt hatte, musste sich da hin setzen, während die Schüler noch gröhlten "ab auf die Strafbank zur Smottle". In dem Zusammenhang fällt mir auch der Spitzname wieder ein. Ich wusste aber nie, wie er entstanden ist. Jedenfalls, spätestens nach dem Gröhlen der Schüler, hätten es die Lehrer erkennen müssen und es nicht weiter als "Bestrafung" verwenden dürfen. Was die Lehrer anbelangt habe ich aus heutiger Sicht den Eindruck, dass Sie überhaupt nicht dafür ausgebildet waren und vollkommen überfordert waren. War es nicht ein Modellversuch, behinderte Kinder zu integrieren? Es gab doch noch 2 oder 3 andere sehbehinderte Kinder oder? Den Versuch würde ich aber jedenfalls als gescheitert einstufen. Woran ich mich auch erinnern kann, dass immer nur Du im Sexualkunde Unterricht vom Biolehrer abgefragt wurdest. Dies hat auch zur Belustigung der ganzen Klasse beigetragen, weil es natürlich jedem peinlich war. Auch hier ein Beispiel, wie die Lehrkräfte mangelndes Feingefühl hatten. Im Physikunterricht in der 8. hat Dir mal jemand eine Tube Uhu auf dem Sitz ausgedrückt und Du hast Deine Kleidung und Haare damit ruiniert. Normalerweise wurden die Untaten von den Jungs durchgeführt. In diesem Fall war es ein Mädchen. Sie hatte glaube ich eine Wette verloren und das war der Einsatz. Du hattest mal eine Zeit lang einen Schlüsselanhänger, der auf ein Pfeifsignal gepiepst hat. Wochenlang haben die Jungs in der Klasse während dem Unterricht gepfiffen, damit der Schlüsselalarm losgeht. Das hat Dich fast an den Rand des Wahnsinns gebracht. Du hast Dir damals immer sehr heftig in die Hand gebissen, wenn was nicht geklappt hat. Das war Deine Reaktion auf das Pfeifen und das wollten die Schüler provozieren. Das Beissen in Deine Hand hast Du auch gemacht, wenn Du was nicht konntest oder was nicht wusstest, z.B. In Klausuren oder bei mündlichen Abfragen. Im Rahmen des Geschichtsunterrichts über das Dritte Reich, ging es um Euthanasie. Hier waren einige Schüler der Meinung, dass Du heute noch mal Glück gehabt hast. Es gab Parolen und Tafelschmierereien mit "Smottle ins KZ". Und die Lehrer haben es auch gelesen und nicht gehandelt! Dann gab es noch die Aktion mit der Blindenbinde bzw. Ansteckzeichen, die Dir einer geklaut hat, weil sie ein anderer, in einer höheren Klasse kaufen wollte. Und ich erinnere mich, dass Dir mal jemand den Stuhl entfernt hat, den Du dann suchen musstest." Diese Aufzeichnungen habe ich nun mehreren Ärzten und Therapeuten vorgelegt. Das Ergebnis war, dass man mich einmal als histrionische Persönlichkeit bezeichnet hat, die gerne im Mittelpunkt steht, und die viel Aufmerksamkeit fordert. Ansonsten kamen entweder gar keine Rückmeldungen, oder man hat keine Zeit für mich. Ich bin auch an unser Trauma Hilfe- Zentrum gegangen, welches neu eröffnet wurde. Dort hat man mir gesagt, ob ich traumatisiert sei, bräuchte mir niemand zu bestätigen, schließlich wisse ich das selber, und wenn ich von mir glaubte, traumatisiert zu sein, dann sei das wohl auch so. Dazu brauche ich nun wirklich keinen Spezialisten, wenn die mir dann nur sagen, es hinge von meiner eigenen Beurteilung ab. Das nächste Mal gehe ich zum Zahnarzt, und er wird mir sagen, wenn Sie glauben, dass sie ein Loch haben, dann ist das wohl auch so. Zum einen möchte ich eine Entlastung, dass ich nicht einfach verrückt bin und verrückt reagiert habe auf normale Ereignisse, sondern dass ich tatsächlich berechtigterweise mit einem Trauma reagiert habe. Zum anderen möchte ich, dass man mich schließlich auch behandelt. Bislang wurden die Einflüsse, die von außen auf mich eingewirkt haben, in der Diagnostik immer übersehen. Ich finde es nur recht und billig, dass dies auch nun endlich mal mit berücksichtigt wird, und meine Reaktionen und Verhaltensweisen vor diesem Hintergrund gesehen werden. Außerdem wird mir immer gesagt, ob man traumatisiert sei, hinge nicht von der Tat als solche ab sondern davon, wie gut oder schlecht man etwas wegsteckt. Ich hätte gerne einmal gehört, dass mir jemand sagt: egal, wer Du bist, welche Störungen Du sonst hast, wie empfindlich oder stark Du sonst bist, diese Tat hätte jeden verletzt. Dann wäre es die Tat, die mich verletzt hat und nicht ich, die negativ darauf reagiert hat, weil sie zu schwach ist. Wer würde bei einer Frau, die vergewaltigt wurde, sagen, ob man traumatisiert wird, hinge nur davon ab, wie gut man die Tat wegsteckt? Ich glaube, dass endlich anerkannt werden muss, dass auch Mobbing zum Trauma führt, und das emotionale Misshandlungen genauso schlimm sein können wie körperliche oder sexuelle Misshandlung. Ob man von Mobbing traumatisiert ist, hängt ja wahrscheinlich eher davon ab, ob man dem Mobbing entkommen konnte, oder ob man den Mobber vertreiben konnte. Ein Trauma ist ja immer das Missverhältnis von benötigten und de facto vorhandenen Ressourcen. In diesem Falle ist es nur mehr als logisch, dass meine Ressourcen nicht ausreichen konnten außerdem muss man auch auf äußere Ressourcen zurückgreifen können, die in meinem Falle nicht vorhanden waren. Damals wurde mir nicht geglaubt, und man hat mir sogar noch die Schuld an dem Mobbing gegeben und gemeint, ich würde übertreiben. Zumindest habe ich nun in meiner Familie ein bis zwei Leute, die mir zumindest jetzt endlich glauben, dass ich damals nicht bloß übertrieben habe. Allerdings würde ich mir auch den Rückhalt wünschen, dass jemand mich dabei unterstützt, endlich dafür zu sorgen, dass ich auch bei Therapeuten und Ärzten ernst genommen und gehört werde. Schließlich möchte man einfach auch einmal sagen können, ich will gesehen werden, mit dem, was mir passiert ist. Immerhin habe ich eine Therapeutin erlebt, die aber eine lange Warteliste hat, die meinte, man müsse jemandem auch sagen, dass bestimmte Dinge schlimm waren, weil der Patient das selber gar nicht mehr kann. Sie hat mir einige empfohlen, wobei ich mit einer schon länger telefoniert habe, die mir ebenfalls sagte, es sei wichtig, auch einmal in seiner Wahrnehmung, dass Dinge schlimm waren, bestätigt zu werden. Allerdings muss man diese Therapeutin selber bezahlen, da sie keine Kassenzulassung hat. Ob sie dann auch noch hilft, wenn ich vor ihr sitze, weiß ich nicht. Irgendetwas habe ich an mir, was die Therapeuten zur Abwehr zwingt. Aber eigentlich müssten diese Menschen dafür ausgebildet sein, dass man vielleicht als Patient größere Schwierigkeiten hat, eine menschliche Verbindung aufzubauen. Schließlich kommt man ja genau deshalb in die Praxis