Samstag, 4. Januar 2025

Meine Hollandreise

Wie ich schon im letzten Beitrag erzählt habe, bin ich nach dem Chorwochenende mit meiner Freundin zusammen nach Holland weitergefahren, da sie dort schon seit vielen Jahren mit ihrem Mann lebt, und ihre Kinder auch dort wohnen. Zunächst einmal wäre die Reise fast ins Wasser gefallen, da ich von meiner Ärztin gegen Herpes zoster und Grippe gleichzeitig geimpft wurde. Am Tag zuvor hatte ich noch mit meiner Freundin den Speiseplan aufgestellt, da sie ja einmal die Woche ihren Einkauf bestellen muss mangels anderer Möglichkeiten, und daher schon wissen wollte, was wir wann essen. Ich fand es sehr nett und goldig, wie sie auf ihr Diktiergerät auf Niederländisch dann immer sprach, am Montag essen wir Pfannkuchen, am Dienstag essen wir Pizza, und am Mittwoch essen wir Fisch usw. Das hat sich sehr gut angehört. Ich habe versucht, meine Ärztin klarzumachen, dass ich mit meiner Nierentransplantation besser nur eine Impfung auf einmal bekomme, und dass ich die zweite Impfung gegen Herpes zoster lieber nach meinem Urlaub erhalten würde. Doch das war ihr egal, sie meinte, spritzen wir in Hand, macht Nix, geht schon. So bekam ich alle beide spritzen, und damit ich nicht wieder als überängstlich dargestellt werde, habe ich einfach gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Im Laufe des Tages bekam ich immer stärkeren Schüttelfrost und befürchtete schon, zu Hause bleiben zu müssen. Da wir uns nun endlich einmal sehen wollten, und weil sie so nett den Speiseplan schon so detailliert aufgestellt hatte, und sich das so toll anhörte, und ich mich so sehr auf den Besuch freute, wäre es blöd gewesen, wenn alles ins Wasser gefallen wäre. Mein Kater legte sich auf meinen Schoß, was er normalerweise nie tut, aber wenn er merkt, dass mir irgendwas wehtut, legt er sich automatisch da drauf. Das tut er aber nicht nach Aufforderung sondern nur von selbst. Man muss ihn dann machen lassen. Als ich einmal Halsschmerzen hatte, legte er sich quer über meinen Hals, wenn ich husten habe, legt er sich auf meine Brust, und wenn mir die Hand wehtut, legt er sich auf meine Hand. Und dann wird es auch sofort besser. Er ist die einzige Katze, die ich bisher hatte, die das kann. Auf jeden Fall fühlte ich mich dann schon wesentlich besser, und am nächsten Tag schien schon wieder alles in Ordnung zu sein. Auf jeden Fall wäre meine Reise noch aus einem anderen Grund fast geplatzt, weil meine Katzenbetreuerin krank wurde, ihr Sohn lag mit einer Lungenentzündung im Bett, er hätte fast ins Krankenhaus gemusst, und sie hätte sonst niemanden gehabt, der nach meinen Katzen sieht. Notfalls hätte sie ihre Tochter geschickt, aber das wäre alles auf sehr tönernen Füßen gestanden. Auch das hat sich zum Glück wieder gelöst, denn ihr ging es dann wieder besser. Ich habe dann noch mit der Bahn alles abgesprochen, die Firma Hermes hat schon den Koffer abgeholt, das wäre jetzt wirklich dumm gewesen, wenn der Koffer in dem Gästehaus gewesen wäre, und ihn niemand mehr von dort hätte zurückholen können. Die Umsteigehhilfe war ebenfalls schon bestellt. Als ich also dann am besagten Tag losfuhr, stellte sich aber am Infopoint heraus, dass sie nichts von einer Einsteigerhilfe wussten. Eine Rollstuhlfahrerin beruhigte mich und meinte, die sind da aber sehr schnell, die finden jemanden. Tatsächlich kam dann auch jemand, und ich schaute sicherheitshalber noch mal nach, ich hatte eigentlich alles bestellt, und alles war auch ordnungsgemäß bestätigt worden. Die Rollstuhlfahrerin, die neben mir auf ihre Mobilitätshilfe wartete, meinte, sie würde mich bewundern, dass ich so mutig sei, alleine zu reisen. Ich dachte mir, das könnte ich ja genauso gut über sie sagen. In solchen Fällen beunruhigt mich die Bewunderung mehr, denn wenn Leute mit einer anderen Behinderung eine schon bewundern, wie mutig man doch ist, etwas zu machen, heißt das, dass sie einem das eigentlich nicht zutrauen würden, und das gibt mir zu denken. Offenbar wirke ich so unselbstständig und behindert, dass mich sogar andere behinderte bereits bewundern, dass ich mich überhaupt raus traue. Eigentlich sollte man uns alle bewundern, dass wir uns in Anbetracht der unsicheren Lage in Hinblick auf Barrierefreiheit oder der Unsicherheit, ob die Mobilitätshilfe auch wirklich kommt, alleine raustrauen und nicht aufgrund unserer jeweiligen Fertigkeiten und Fähigkeiten. Ich habe auch schon Rollstuhlfahrerinnen erlebt, die mir über den Arm gestreichelt haben, sodass ich immer einen gewissen Sicherheitsabstand wahre , weil ich das sowieso schon immer erniedrigend finde. Dass man das aber unter seinesgleichen auch so macht und dann noch abstuft, finde ich besonders schlimm. Auch wenn es nett gemeint ist, Komplimente und Bewunderung zu bekommen, es ist genauso nett gemeint, als wenn eine alte gebrechliche Dame für einen Jungen Mann aufstehen würde. Die Zugfahrt verlief gut, natürlich wie bei der Deutschen Bahn üblich mit Verspätungen, und ich rief daher bei einer der drei Handynummern an, die ich mir von den freiwilligen Helferinnen eingetragen hatte, damit diese mich noch vom Bahnhof abholen würden. Dies geschah dann auch, und ich kam noch rechtzeitig zum Abendessen im Gästehaus an. Alles andere vom Chorwochenende habe ich ja im anderen Beitrag bereits berichtet. Nach dem Wochenende fuhren wir dann mit dem Auto ihrer Begleitperson und früheren Assistenz ihres Mannes nach Holland. Dort schaffen wir erst mal alles nach oben, und die beiden holten noch die Luftmatratze aus dem Keller, die mit einem Motor aufgepumpt wurde. Erst einmal war es schwierig, das Bettzeug aus dem verknoteten Sack zu kriegen, und meine Freundin schimpfte, weil die Haushaltshilfe alles so merkwürdig verschlossen und verknotet hatte. Aber auch das haben wir geschafft. Eigentlich wollten wir an dem Tag noch anstoßen, aber wir fielen nur noch todmüde in unser Bett. Am nächsten Morgen erhielt ich dann eine Nachricht von meiner Betreuerin, und ich konnte die Telefone meiner Freundin nicht bedienen, die eine kostenlose Verbindung nach Deutschland hat. Das Mobiltelefon wäre mir zu teuer gewesen, im WLAN war ich da noch nicht drin, einen anderen Messanger hat meine Betreuerin nicht, Eine Signalnachricht habe ich auch nicht hinbekommen, und ich bin schon fast in Panik geraten. Zuvor hatte mir das Essen auf Rädern leider ein Gericht mit Fleisch geschickt, und ich wollte das reklamieren. Endlich hat es dann funktioniert, und ich konnte mit meiner Betreuerin sprechen. Eine der Angestellten hatte nämlich gesagt, ich müsse das Gericht aufheben und beim nächsten Mal dem Fahrer mitgeben. Ich fand das einen Unsinn, denn schließlich muss ich ja dann das Gericht erst einmal wieder in einen verschließbaren Behälter stecken. Was sollen die denn damit noch anfangen? Die Chefin hat aber dann gemeint, das sei alles nicht nötig, und es täte ihr leid, ich würde eine Rückerstattung erhalten. An diesem Tag sollte auch eine Haushaltshilfe zu meiner Freundin kommen, die normalerweise nicht da ist, denn die ursprüngliche Haushaltshilfe meiner Freundin war krank. Ich stellte schnell fest, dass sie ähnliche Schwierigkeiten und Hürden zu meistern hatte wie ich. Sie wusste nicht, wie diese Frau wohl sein würde, aber sie rief sofort an und sagte, sie wäre jetzt gleich da und würde mit dem Fahrrad kommen. Auch wenn ich kein Wort verstand von dem, was sie sagte, machte diese Frau auf mich einen sehr zuverlässigen Eindruck. Meine Freundin hatte ziemlich viele Dinge gekauft, die ich einmal probieren konnte. Es gab zum Beispiel sehr guten eingepackten Kuchen mit Apfelgeschmack, dann hatte sie so eine Art Zwieback, die sind in Holland rund, und die bewahrt man in einer Trommel auf. Diese Trommel hat sogar eine Art Aufzug, man kann mittels eines Hebels die Rolle raus heben und sich immer wieder den obersten Zwieback nehmen. Der Geschmack liegt zwischen Toast und Zwieback, mir hat es sehr gut geschmeckt. Ich habe auch gleich zwei Rollen gekauft. Außerdem hatte sie dann noch Rosinenbrötchen, die konnte ich auch noch versuchen, sie hatte auch noch Sirupwaffeln und eine Art Pfefferkuchen, alles Dinge, die es bei uns zu Hause nicht gibt. Besonders gut hat mir der Hexenkäse geschmeckt, den gibt es vegan und mit Milch. Wegen mir hatte sie auch viel Obst gekauft, aber ihr wurde sowieso geraten, viel Obst und Gemüse zu essen, somit hatten wir dann genügend, was wir verputzen konnten. Am Nachmittag würde dann ihr freiwilliger Helfer kommen, der mit uns über den Markt laufen würde. Der hatte überhaupt keine Probleme, zwei blinde, eine links und eine rechts, zu nehmen. Mir fiel auf, dass er überall gegrüßt wurde. Dies passiert offenbar auch nicht jedem in Holland, er war offensichtlich ein besonderes Phänomen. Er war ein großer sehr geschickter älterer Herr, früherer Polizist, und er machte offenbar einen sehr offenen, freundlichen und seriösen Eindruck. Mir war er von Anfang an sehr sympathisch. Wir gingen dann in ein Selbstbedienungskaffee, und er holte dann unsere Sachen. Während wir beide da saßen und Kaffee tranken und Kuchen aßen, machte er die Einkäufe, damit er nicht beide Frauen durch die Gegend schleppen musste. Das war sehr praktisch, obwohl ich zu Hause schon was gegessen hatte, meinte er, genießt es doch, obwohl ich Angst hatte, wenn ich aus Holland zurückkomme, würde ich wahrscheinlich 1 t zu legen. Meine Freundin hatte auch sehr gute Erdnüsse mit Schokolade umwickelt, das ist eine Spezialität, dass sind Sachen, die es in holländischen Supermärkten gibt, und diese Brocken habe ich dann fast alle auf einmal aufgefuttert, weil die so lecker waren, dass ich nicht widerstehen konnte. Ich hab mir dann später eine Packung mitgenommen, die habe ich mir dann aber doch etwas besser eingeteilt. Wir liefen dann noch über den Markt, das waren Geschäfte, bei denen die Theke nach außen ging, sodass man nicht in den Laden musste. Dort haben wir dann Fisch, Wurst und Käse besorgt. Einiges davon habe ich dann übernommen, sozusagen als Dankeschön für die Übernachtung. Am Abend haben wir dann auch noch angestoßen, was wir am Tag zuvor machen wollten. Sie hatte einen sehr guten Herrn Likör, den sie mitgenommen hatte, als die blinden Autoren ein Mitglied besuchten, der mittlerweile sehr alt ist und ein sehr wunderbares Buch namens 50 Millionen über den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht hatte. Dieses ist mittlerweile als Hörbuch erschienen. Dort konnte man wohl in einem Hofladen Herrn Likör kaufen. So eine Art Herrencreme als Likör. Jeden Tag haben wir zwei Spiele mit der A Dame gemacht, die ich jetzt auch zu Hause eingeführt habe. Leider bin ich nicht sehr gut, der Mann von meiner Freundin konnte oft alles so aus dem Bauch heraus erraten, wenn wir ihn fragten, wie er das macht, antwortete er immer, habe ich geraten. Das war sehr erstaunlich. Wir haben auch einige Hörfilme "geschaut", sie hat mir auch einige davon heruntergeladen. Insgesamt wohnen die beiden zwar zentral, aber eine riesengroße Straße ist im Weg, sodass sie nicht alleine ins Stadtzentrum laufen können. Außerdem ist dort eine Bahnschranke zu überwinden. Zu der Bahn Schranke gibt es noch eine ziemlich heftige Geschichte. Am Dienstagabend hatte ich dann noch das Interview mit einem holländischen Esperantisten, der mir etwas zum Thema über die Geschichte des Radios erzählte. Das war gut, dass ich dies in Holland machen konnte, da ich dann keine Telefongebühren hatte, denn sein Mikrofon, um mich über WhatsApp anzurufen, hat wohl offenbar nicht funktioniert. Unser Esperanto Abend ist so gestaltet, dass ein Vortrag dargeboten wird, welcher hinterher dann als Radiosendung kommt. Daher bestand ich darauf, dass Interview noch vor dem Vortrag und dem Esperantoabend zu machen, weil es so häufig mit der Verbindung der vortragenden nicht klappt. Dann muss wieder improvisiert werden, und das wollte ich vermeiden. Tatsächlich schaffte er es nicht, in das online Veranstaltungszentrum zu gelangen, sodass es gut war, dass unser Vorsitzender das Interview schon aufgezeichnet von mir im klaut Speicher hatte. Ich schaute an dem besagten Abend mal kurz rein in das Online-Veranstaltungszentrum und fragte nach, denn der Interviewpartner hat mich über WhatsApp verständigt, dass er nicht rein kam. Deswegen informierte ich dann die anderen, dass sie nun das, was ich geschickt hatte, abspielen müssen, weil er nicht reinkommt. Ich selbst wollte aber nicht mithören, weil ich ja bei meiner Freundin zu Besuch war. Es war trotzdem von Vorteil, dass ich zumindest erreichbar war und alles so dement sprechen weitergeben konnte. Daher war dann der Abend gerettet. Später haben wir das dann noch mal im Radio gebracht, nachdem ich es noch einmal etwas geschnitten und zusammengebaut hatte. Es stellte sich dann heraus, dass sein Headset, welches er benutzen wollte, nicht funktionierte, weder in WhatsApp noch bei seinem Vortrag während der Veranstaltung. Das hat er dadurch dann bemerkt. Am Mittwoch kam dann die Assistenz des Mannes meiner Freundin. Die half ihm, da er im Rahmen seiner ahnen Forschungsprojekte Fotos sichtete und Dinge zusammenstellte. Er hat wohl schon für den historischen Verein ein Buch über seine Familie geschrieben. Das fand ich sehr interessant, er hat mir einiges davon erzählt. Die Assistentin machte uns dann Pfannkuchen. Darauf hatten wir uns riesig gefreut, denn auch meine Freundin kann genau wie ich die Pfannkuchen nicht umdrehen. Für blinde gibt es den Trick, Pfannkuchen in Waffeleisen zuzubereiten, das muss man aber erst mal haben und dann auch wieder sauber machen. Die meisten lassen Sie sich daher dann halt einfach von ihrer Assistenz machen, das habe ich auch schon so gehalten. Die Frau fragte mich dann, ob ich an der Tür irgendwelche Markierungen hätte, um nicht dagegen zu laufen. Ich sagte, dass ich zu Hause immer meine Türen entweder offen oder zu habe, da kam dann auch wieder, das geht uns sehenden aber genauso, dass wir gegen die Tür laufen. Ich finde das immer fürchterlich, warum fragen die mich dann eigentlich? Und da würde ich am liebsten immer sagen, ja, bei mir ist es die Blindheit, was es bei euch ist, nun ja. Die können ja schauen. Eine Assistentin von mir meinte auch mal, pass auf, vor deinem Haus liegt direkt ein Hundehaufen, nicht, dass du reintrittst, und dann veränderte sich ihre Stimme auf einmal, und sie meinte noch so merkwürdig angespannt hinterher, ja, aber das kann uns sehenden schließlich auch passieren. Ich habe mich schon gefreut, da ist mal jemand mitfühlend, und da hat mal jemand mitgedacht und sich in mich hinein versetzt, und schon wird wieder herumgezittert, ich hab auch Auer. Ich weiß, sehende stoßen auch gegen Türen und treten auch in Hundehaufen, aber ich bin als Kind und auch als Erwachsene, wenn ich nicht wusste, dass die Tür von irgend jemandem wieder nur halb offen gelassen wurde, schon so heftig gegen eine Tür gelaufen, dass ich eine Platzwunde am Kopf hatte. Und dann frage ich mich auch, wieso die sich dann erkundigen, ob ich irgendwelche speziellen Markierungen an der Tür habe, und warum sie die dann nicht auch hinmachen, wenn es ihnen doch genauso geht. Ich hab ja nichts dagegen, wenn Fragen gestellt werden, und ich erkläre auch gerne, aber mittlerweile habe ich dazu keine Lust mehr, wenn man die Antwort nicht einfach mal stehen lassen kann und als Information über die Lebensrealität einer behinderten Person nehmen kann. Auf jeden Fall half sie dann auch meiner Freundin, denn die wollte mit einem Programm etwas überweisen, aber die Bank, zu der sie es überweisen wollte, hatte eine nicht barrierefreie Seite. Selbst ich, die ich kein Holländisch verstehe, habe die Frau am anderen Ende verstanden, die ziemlichen Blödsinn von sich gab. Sie hat eigentlich nur abgewiegelt und sie abgewimmelt, bis dann die Assistentin eingegriffen hat und mit ihr sprach, ab da hatte sie sich zumindest bereit erklärt, das Problem weiterzugeben. Ich habe mir die ganze Zeit an den Kopf gefasst und an die Stirn getippt, die Frau soll sogar gefragt haben, ob meine Freundin überhaupt ihr Handy geladen hatte. Auf jeden Fall hat meine Freundin oft ähnliche Probleme wie ich mit dem Handy, und ich habe auch erlebt, dass sie oft genauso stinksauer wurde und rief, das Ding fliegt jetzt gleich gegen die Wand. Die Assistenz hat dann wunderbare Pfannkuchen gemacht, wir hatten Pilze, Zwiebeln, Käse und Paprika, es war wirklich ganz wunderbar, und einige davon aßen wir später dann mit Apfelbrei. Richtig gute selbst gemachte Pfannkuchen zu essen ist schon etwas Besonderes. Beinah wäre die Assistenz krank gewesen, sie war nämlich erkältet, aber sie ist nur wegen uns gekommen, damit sie uns mit den Pfannkuchen nicht hängen lässt. Das hat man auch nicht oft. Sie war wohl hinterher noch ziemlich krank, hat mir meine Freundin dann noch erzählt. Zwischenzeitlich habe ich dann auch meine Freundin interviewt, da sie ja zwei Bücher geschrieben hat , und da wir ja beide bei den blinden Autoren sind. Das Interview haben wir jetzt in zwei Teile geschnitten, sodass der eine Teil über sie in der einen Sendung und der andere über die blinden Autoren in der anderen kommt. Es hat ziemlich lange gedauert, die Datei zu bearbeiten, aber es hat sich dann gelohnt. Am Freitag sollte ein Bekannter von meiner Freundin kommen, denn wir wollten schauen, ob schon Angebote für Smartphone -Uhren im Rahmen von Black Friday im Angebot sind. Er hat auch unbedingt mit uns essen gehen wollen, sodass wir in ein Schnellrestaurant gingen, um dort asiatische Panierte Scheiben zu essen, die man in bestimmte Ketschupsorten eintauchen kann mit oder ohne Pommes. Das habe ich noch nie probiert, so dachte ich, dann nimmst du am besten eine Scheibe und Pommes. Er ging also mit uns los, sie sagte schon, dass er eine Behinderung hätte und dadurch kognitiv eingeschränkt sei. Er meinte, ich solle mich bei meiner Freundin festhalten, da er nicht zwei blinde führen könnte. Als wir Dorn in dem Restaurant waren, organisierte er das Essen und auch das Wasser für uns, behielt es aber bei sich und sagte, das kriegt ihr erst, wenn das Essen kommt, sonst habt ihr ja schon alles leer getrunken. Ich dachte mir, rutsch mir den Buckel runter und schnappte mir das Wasser. Ich bin doch kein Kleinkind. Ich fragte ihn dann, wie denn das Restaurant hieße, da fuhr er mich an, ich kann doch nicht alles wissen. Ich fand ihn nicht sehr sympathisch. Danach gingen wir los zu einem Geschäft, wo sich meine Freundin eine dieser Uhren anschauen wollte. Darin war es so heiß, und ich hatte immer noch solchen Durst, und ich hatte meine Jacke an, wir mussten ewig lange stehen, es dauerte ewig, bis man bedient wurde. Die Leute wurden ewig lange beraten und ließen sich sehr lange Zeit für Ihre Auswahl. Es war wie auf einer Bank oder einer Sparkasse. Dann ermahnte er uns auch noch, wir sollten leise sein, ich kam mir vor wie ein kleines Kind, dem man den Mund verbietet. Ich habe nicht verstanden, warum wir hier flüstern müssen, wobei er selbst nicht flüsterte. Wir standen ewig lange in der Schlange, und ich sagte irgendwann, ich kann nicht mehr stehen. Da schimpfte er, warum ist die denn dann überhaupt mitgegangen, wenn sie nicht stehen kann? Er selbst hätte eigentlich auf Toilette gehen müssen, da hätte er eigentlich auch rausgehen können, und dann hätten wir draußen warten können, bis meine Freundin fertig ist, oder er hätte ja mal schnell für uns nachfragen können, ob derlei Angebote bereits verfügbar sind, dann wären wir schnell wieder weg gewesen. Das hätte man auch mal zwischen rein fragen können. Ich war zumindest fast am durchdrehen, weil ich nicht mehr stehen konnte. Wir baten dann um einen Hocker, und der Verkäufer war unheimlich nett, während er meine Freundin beriet. Leider gab es sowieso noch keine Angebote mit Vergünstigung. Sie musste also die Woche drauf noch mal kommen. Er verkündete aber gleich, er könne da nicht, weil bei ihm im Haus renoviert würde, als ob er da mitarbeiten müsste. Das ist dann immer für uns blinde ein Problem, wieder jemand zu finden, der noch mal mit uns wohin geht. Ihr neues Konto war auch noch nicht aktiviert, da hätte sie auch fast noch einmal in die Stadt gehen müssen. Zum Glück konnte sie wenigstens ihren Account aktivieren, weil der Mann, bei dem sie das in dem Laden tat, meinte, sie solle später noch mal kommen und jetzt erst mal Besorgungen machen, und dann könne sie ihr Telefon später bringen, es wäre dann alles aktiviert. Die beiden wollten dann zum Einkaufen gehen, und der Mann erklärte mir, du wartest draußen , wir gehen einkaufen, du musst vor der Tür sitzen bleiben. Und da es keine Bank mehr gab, auf die ich mich hätte hinsetzen können, musste ich auch noch die ganze Zeit stehen, bis sie wieder rauskamen. Ich wollte dann unbedingt so eine Zwiebacktrommel haben, daher ging er mit uns dann in ein billiges Geschäft, so eine Art ein Euro Laden, dort war aber die Frau extrem unfreundlich und drückte mir nur das hässlichste Teil in die Hand. Er behauptete, sie hätte gesagt, dass sie keine anderen hat, das stimmt aber nicht. Wir waren noch in anderen Läden, fanden aber absolut nichts. Ich erlebe das häufig, dass die Verkäufer zu mir nicht sehr nett sind. Aber er hat auch nicht irgendwie geholfen und gesagt, zeigen Sie uns doch einfach mal, wo die Teile stehen, dann können wir selbst schauen. Wir gingen also wieder raus, und ich habe leider nicht das gekriegt, was ich wollte. Auf dem Heimweg mussten wir dann über eine Straße und warteten, bis wir rübergehen konnten . Ein Radfahrer fuhr so dicht an uns vorbei, dass der Stock, den meine Freundin in der Hand hielt, zur Seite geschleudert wurde und mich im Gesicht traf. Ich dachte, der Radfahrer hätte mich getroffen und schimpfte wie ein Rohrspatz, was dies den solle, ich finde das eine Frechheit, wenn jemand zu dicht an uns vorbei fährt. Der bekannte meiner Freundin schimpfte dann, sie hätte ihren Stock nicht daraus zu halten brauchen, und außerdem würde ich so viel reden, und das ging ihm auf die Nerven. Ich fand diesen Typen einfach schrecklich. Ich hoffte, wenn wir zu Hause sind, dass er schnellstmöglich wieder verschwindet. Er trank dann noch seine allübliche Cola, und dann war er weg. Der Mann meiner Freundin sagte, ihn könne er auch nicht leiden. Der Typ ist tatsächlich zu dem Mann meiner Freundin und hat auf seine Sessellehne geklopft und gerufen, aufwachen, Hallo, und der Mann meiner Freundin ist aufgrund seiner Behinderung sehr schreckhaft. Ich finde das sowieso unhöflich, sich einem Menschen gegenüber so zu verhalten, der in seinem Sessel sitzt und liest, und schon gar nicht im Alter, das finde ich respektlos, dann auf dessen Sessellehne zu klopfen und ihn aufzuwecken. Später hat mir dann meine Freundin erzählt, dass dieser Mann sie mal begleitete, und als sie über diese Bahnschranke mussten, die zwischen der Innenstadt und ihrer Wohnung liegt, hatte sich die Bahnschranke bereits geschlossen, und der Typ sei mit ihr noch schnell durchgerannt, auf der anderen Seite wären sie aber nicht mehr rausgekommen, und der Zug sei schon hörbar gewesen. Sie hat wohl um ihr Leben geschrien, und sie dachte, sie würde jetzt vom Zug überfahren, und sie schrie aus Leibeskräften um Hilfe, und irgendjemand hat sie dann rausgezogen. Ich hab das dann dem anderen Typen erzählt, der so nett war, und der meinte, der hat wirklich nur Pappkarton im Kopf. Eine Zeit lang ist meine Freundin mit dem dann auch nicht mehr gelaufen. Ich war froh, dass ich den dann nicht mehr wiedersehen musste. Ich glaube, ihm ist es genauso gegangen, und meine Freundin meinte, er sei schon lange nicht mehr so pampig und unfreundlich und garstig gewesen wie bei mir. Am Samstag kam niemand, und wir haben gründlich ausgeschlafen, denn am Sonntag musste ich ja schon wieder fahren. Am Montag hatte ich zwei Termine und wollte daher am Sonntag fahren, um am Montag rechtzeitig und in Ruhe zu Hause zu sein. Leider konnte die Tochter meiner Freundin nicht kommen, sie hatte wohl irgendwie zu viel zu tun, und meine Freundin war ziemlich enttäuscht, weil sie auch die Nägel von ihr gemacht haben wollte. Ich hätte sie auch gerne mal kennengelernt. Für den Notfall war also vorgesehen, dass der freiwillige ältere Helfer dann kommen würde, um mich zum Bahnhof zu bringen. Zum Glück haben wir den dann noch erreicht, denn ich war schon in Panik, weil er zunächst nicht geantwortet hatte, und ich dachte, ich müsse mir jetzt ein Taxi nehmen. Ob der Fahrer dann geholfen und gewartet und mich in den Zug gesetzt hätte, ist die Frage. Aber zum Glück kam dann der frühere Polizist, und er meinte, helfen sei doch so etwas Schönes, und es würde ihm Spaß machen. Eigentlich hat sich die Organisation, bei der er tätig ist, gar nicht mehr gemeldet, aber er macht trotzdem weiter. Das finde ich sehr nett. Ich habe ihn etwas versucht, über seine frühere Tätigkeit als Polizisten aus zu fragen, aber da hat er ziemlich verschlossen und abweisend reagiert, das hat mich sehr überrascht, da das nicht zu dem Rest seiner Art passte, wie schroff er meine Fragen da abgehandelt hat, wahrscheinlich wollte er diese Zeit einfach hinter sich lassen. Er war sehr nett und hat mich dann wie gewünscht in den Anfang des Zuges reingesetzt. Da beide meine Freunde ganz blind sind, hatten sie oft kein Licht an oder sogar die Rollläden zu. Es war offenbar sehr schwer, diese Rollläden runter und rauf zu machen, was sie schon häufiger reklamiert hatten, es geht aber immer wieder kaputt. Deswegen blieb die eine Hälfte des großen Zimmers immer dunkel, und ich, die ich noch etwas sehen kann und sehr visuell und nach Licht hin orientiert bin, musste immer wieder mal Licht machen , um irgendeinen Punkt zu haben, auf den ich schauen kann. Für blinde ist das dann schwierig, weil sie ja dann den Überblick verlieren, welche Schalter nun an und welche aus sind. Manche Zimmer haben ja auch zwei Schalter, wenn der eine gekippt ist, denkt man, das Licht sei aus, aber der andere Schalter wurde ja betätigt, so ist das Licht an. Ich habe immer versucht, das Licht wieder auszuschalten, aber ich lasse automatisch das Licht brennen, wenn andere Leute noch im Raum sind, obwohl ich ja eigentlich weiß, dass die sowieso nicht sehen. Aber es ist irgendwie ein komisches Gefühl, Leuten das Licht abzudrehen. Daran musste ich dann immer denken. Sie meinten außerdem, dass die Leute von der Straße immer rein sehen, und dass die wohl recht neugierig sind, was die Blinden hier so alleine machen. So etwas finde ich ziemlich spießig und gruselig, ich dachte eigentlich, dass man in Holland etwas offener ist, aber da gibt es halt auch solche Leute. Insgesamt ist die Wohnung sehr geräumig, aber einige der Räume , Bad etc. haben kein Fenster, und überall hört man dann diese laute Lüftung. Nach vorne geht die Wohnung in einen Laubengang über. Sie wäre wahrscheinlich heller, wenn die Rollläden überall ganz offen wären, aber die beiden meinen, so haben wir es wärmer und müssen nicht dauernd die Rollläden hochziehen und wieder runterlassen. Dafür habe ich zum Glück mein Smart Home, aber einer meiner Rollläden hat sich auch schon verabschiedet aus dem System und lässt sich nur noch über die Fernbedienung steuern, aber immerhin. Die Rückfahrt war dann auch ganz interessant, ich wurde überall wunschgemäß abgeholt. Das Problem war nur, dass der Zug sich irgendwo wohl gedreht hatte, und dass das, was zuvor vorne war, jetzt hinten war. Deswegen konnte mich der Umsteigehhelfer erst nicht finden, Gott sei Dank hat mir aber dann eine Frau geholfen und ihn gesucht. Ich durfte dann sogar in dem Häuschen der Bahnangestellten warten, wo es schön warm war. Auf der Rückfahrt musste ich mehrfach umsteigen, was aber relativ gut geklappt hat. Natürlich hatten wir wieder die übliche Verspätung, sodass ich zu Hause etwas verspätet eintraf. Zu Hause hörte ich dann noch am Bahnhof eine ganz lustige, komische oder vielleicht tragikomische Geschichte. Einer der Bahnbeamten erzählte dem anderen, dass ein junger Mann seinen Koffer in Berlin Gesundbrunnen vermisst hätte, dass er ihn wohl im Zug hätte gelassen. Er hat dann bei dem Fundbüro nachgefragt, und die haben das Gepäckstück sichergestellt. Was er aber nicht wusste, war, dass jedes Gepäckstück, welches alleine herumsteht, auch durchsucht wird, und so fanden sie das Gepäckstück vollgepackt mit Drogen. Er solle es sich dann in Berlin Gesundbrunnen abholen, und als er dort eintraf, musste ihm die Bahnpolizei wohl einen dementsprechend würdigen Empfang bereitet haben. Zum einen, wer ist so dämlich und transportiert einen ganzen Koffer oder Rucksack voller Drogen? Wer ist dann noch so dämlich und lässt das Gepäckstück im Zug zurück? Und wer ist dann noch so bescheuert und meldet dies als verloren beim Fundbüro? So viel Dummheit und Blödheit muss ja bestraft werden. Vielleicht war er selbst drogenabhängig, keine Ahnung. Er muss wohl ziemlich entspannt gewesen sein und auch so gewirkt haben. Vielleicht hat er im Drogenrausch dann all diesen Blödsinn gemacht. Einerseits komisch und tragisch, andererseits natürlich auch traurig, aber immerhin wurde so ein großer Drogenfund sichergestellt, und so erfährt man so nebenbei auch ganz interessante Sachen, die im Leben passieren können. Insgesamt fand ich die Reise und die Fahrt sehr schön und sehr interessant. Ich habe festgestellt, dass, was Assistenz und Elektronik angeht, meine Freundin und ihr Mann auch ganz schön zu kämpfen haben, und dass sie genau wie ich auch ziemlich auf fremde Hilfe angewiesen sind. Die Bedingungen sind oft so, dass man gar nicht alleine raus kann, oder dass es mit zunehmender gesundheitlicher Verschlechterung oder mit zunehmendem Alter zumindest immer schwieriger wird. Daher war es gut, dass wir ab und an mal eine Assistenz und eine Hilfe hatten, die einiges für uns machen konnten. Meine Freundin war aber froh, dass ich mich auch hin und wieder selbst beschäftigen konnte, da sie sich der Vorbereitung unserer Zeitschrift für die Blinden Autoren widmen musste, einen Adventskalender für uns erstellte und auch sonst sich ziemlich viel mit dem PC herumschlagen musste, und dass sie nicht die ganze Zeit über bei mir bleiben musste, weil ich mir hin und wieder auch gerne mal einen Hörfilm ansah bzw. anhörte, und die, die ich dort nicht anhören konnte, mit nach Hause nahm. Zwischendurch musste auch ich ja mal meine Nachrichten durchgehen, damit ich nicht, wenn ich zu Hause ankam, einen ganzen Berg nicht enden wollender Nachrichten abzuarbeiten hätte. Meine Katzen begrüßten mich, die kleine Katze begrüßte mich schon schreiend, und danach wich sie mir wochenlang nicht mehr von der Seite. Während meines Urlaubs hatte ich auch großes Heimweh nach meinen Katzen und fragte mich immer wieder, was sie jetzt machen, und ich freute mich sehr auf sie. Noch heute sitzt sie sehr häufig und sehr gern auf meinem Schoß, früher war sie da immer etwas zurückhaltender. Mit der Katzenbetreuerin hat alles geklappt, die beiden neuen Näpfe sind auch ganz hübsch, wenn sie auch günstiger zu haben gewesen wären, wenn man einfach zu irgend einem Baumarkt, einem Kaufhaus oder zu einem Fachgeschäft oder Gemischtwarenladen geht, um zwei Keramik Näpfe ohne das Holzgestell hätte kaufen können, das hätte dann nicht 40 € sondern vielleicht zehn Euro gekostet. Sie hat mir aber wohl die Näpfe geschenkt, dafür musste ich natürlich auch ziemlich viel pro Tag hinlegen, dass sie die Katzen betreut. Die alten beiden Näpfe, die in einem Metallgestell waren, welches nach unten hin verschlossen war und daher schnell verschimmelt, habe ich mittlerweile entsorgt. Katzen fressen auch irgendwann nicht mehr aus einem Napf , wenn er zu alt wird. Die neuen lassen sich gut reinigen, obwohl wir anfangs befürchteten, dass ich sie immer auskochen müsste. Mein Kater hat mich am nächsten Tag nochmal so richtig fest in den Schwitzkasten genommen und gebissen, er packte mich mit seinen Pfoten, hielt mich fest und bis einmal richtig fest zu, nach dem Motto, so, das ist die Strafe dafür, dass du so lange weg warst. Danach war er wieder friedlich. Aber er wollte es mir halt einfach mal gesagt haben, dass er sauer war. Am Tag meiner Abreise hat er mich auch gebissen, das hatte ich aber damals falsch interpretiert, ich dachte, er war sauer, weil ich den Bade vorlege unter ihm weggezogen hatte, aber offenbar hatte er da schon sagen wollen, dass er sauer war, dass ich weggehen würde. Die Tiere verstehen doch jede Menge mehr als das, was wir ihnen zutrauen. Zumindest bin ich froh, dass ich wieder zu Hause bin, obwohl ich gerne auch mal jemanden besuche, finde ich es doch auch insgesamt anstrengend, weil man einfach nicht in seiner gewohnten Umgebung ist, weil man anders schläft, und weil man natürlich seine Sachen auch ganz anders einräumen muss und finden muss. Zum Glück hatte ich einen ganzen Sessel für mich für die Klamotten, daneben war das Eck mit meiner Tasche, sodass ich alles bequem nach meinem System einrichten konnte und alles wiederfand, aber zu Hause ist es halt doch bequemer. Trotzdem fand ich es schön, dass wir uns mal Leif und in Farbe haben kennenlernen dürfen.

Mittwoch, 1. Januar 2025

Singwochenende

Es gibt einen Chor, der bundesweit blinde und sehbehinderte Mitglieder hat, die sich entweder treffen oder Chorprojekte online realisieren. Bei einem online Projekt habe ich bereits mitgemacht. Hierzu habe ich auch Tonspuren mit Querflöte und Gitarre eingereicht. Das Projekt konnte sich hören lassen. Dabei hat sich dann herausgestellt, dass ich im Tenor besser aufgehoben bin, den ich immer den Altweibersopran nenne. Früher sagte mir meine Chorleiterin, sie könne es nicht verantworten, mich in den Tenor zu stecken, und sie hat es auch geschafft, mich ziemlich hoch zu bringen. Aber das ist eine Weile her. „Im Alter sackt die Stimme nach unten, da kannst du nichts machen“, sagte die Organisatorin. Damit musste ich mich jetzt wohl abfinden. Ich habe auch von einer anderen gehört, die sagte, früher habe ich im Sopran gesungen, jetzt singe ich im Alt. Man könnte auch sagen, früher habe ich im Sopran gesungen, jetzt bin ich alt. Diejenigen, die früher im alt gesungen haben, werden dann immerhin sehr alt. Eine Freundin von mir ist ebenfalls in diesem Chor, und sie hat mich dazu animiert, doch einmal auf ein Chorwochenende mitzukommen. Da der Workshop in der Nähe der holländischen Grenze stattfinden würde, schlug sie mir vor, dann gleich mit ihr nach Hause zu kommen, da sie seit Jahrzehnten in Holland verheiratet ist. Bisher hatten wir ein Treffen noch nicht verwirklichen können, weil ich sehr weit weg wohne, und die Reise sehr lange dauern würde. Mittlerweile hatten wir aber so viel korrespondiert und uns so viel erzählt, dass wir uns jetzt unbedingt mal live und in Farbe treffen wollten. Für sie und ihren Mann ist es schwierig, mich zu besuchen, da ihr Mann aufgrund seines Alters und seiner Behinderungen eine so lange Reise nicht mehr unternehmen könnte. Ich hatte also über die Bahn eine Verbindung herausgesucht, und ich konnte sogar von meinem Heimatort bis zu dem Ort des Workshops komplett durchfahren. Allerdings würde ich dann relativ spät ankommen, aber der Abholdienst war auch noch bis dahin in Funktion, das hatte ich zum Glück abgeklärt. Meine Freundin hatte ihre Assistentin dabei, die mittlerweile aber schon pensioniert ist und dies ehrenamtlich tat, wir teilten uns aber in ihre Unterkunft hinein. Denn dann konnte ich auch von ihr begleitet werden, und sie nahm uns nun beide in Schlepptau. Die beiden teilten sich ein Zimmer, ich hatte ein Einzelzimmer. Wir hätten auch noch jemanden für mich finden können, aber die meisten kennen sich, und mir war kaum jemand bekannt. Eine von meinen Assistentinnen, die ich mittlerweile nicht mehr habe, brachte dann laufend irgend welche Einwände daher von wegen, eine Assistenz kann doch nicht in selben Zimmer mit ihrer Kundin übernachten, die braucht doch auch mal ihre Ruhe, und diese Stadt, in der wir sein, sei doch riesengroß, und das Hotel sei doch sicher auch sehr groß. Und das sei doch für die Assistenz anstrengend, uns den ganzen Tag herum zu führen, und sie bräuchte doch auch mal Zeit für sich, und da sollten doch wir beide in ein Zimmer und die Assistenz ein Einzelzimmer nehmen lassen. Ich wusste aber, dass das nicht stimmt, denn wir waren in einem Gästehaus untergebracht, und ich weiß, wie groß eine Stadt ist und wie Nicht. Ich fragte auch noch mal sicherheitshalber meine Freundin, und die beiden kennen sich so lange und so gut, dass das für die beiden überhaupt kein Problem war. Meine frühere Assistenz arbeitet nämlich normalerweise bei jüngeren Leuten mit Mehrfachbehinderung, wo sie dann wirklich gefordert ist und sehr viel tun muss, und wo dann die Assistenten untereinander sich auch mal unterhalten möchten und Feierabend brauchen. Da ist das vielleicht ja auch noch was anderes, aber sowas hat man schon im Gespür. Den Koffer hatte ich vorher aufgegeben, danach würde er mit dem Auto mit uns nach Holland fahren. Leider war es auf der Rückfahrt nicht möglich, eine Verschickung des Koffers zu organisieren, da wir leider keine Möglichkeit fanden, von Holland aus den Koffer aufzugeben, Denn Hermes arbeitet offenbar nur in Deutschland. die Lieder hatten wir bereits zugesandt bekommen, wir konnten sie uns anhören, der Link zu den Originalinterpreten war auch dabei, die Texte wurden uns sowohl als Word Datei als auch als Datei für den Ausdruck in Blindenschrift zugeschickt. Meine Katze hatte meinen Blindenschriftdruck heruntergeworfen, daher konnte ich sie mir nicht in Blindenschrift ausdrucken, aber wir würden Sie dort sowieso in Punktschrift erhalten. Zu Hause übte ich dann am PC. Es waren vier Lieder, zuerst gefiel mir nur das eine, zwei davon fand ich ziemlich kitschig, und das andere wiederholte sich laufend. Aber ich lernte fast alles auswendig, damit ich möglichst nicht so viel in Punktschrift würde lesen müssen, da ich nicht so schnell bin, zumal ich ja die Punktschrift erst später erlernt hatte. Früher konnte ich ja noch normal , also Schwarzschrift lesen und fing erst mit 42 Jahren an, Blindenschrift zu lesen. Ich hatte also die Lieder relativ gut auswendig gelernt außer dass eine, welches mir ursprünglich nicht gefallen hatte. Das hat sich aber dann geändert. Nach einem guten Essen, bei dem ich meine Freundin noch nicht entdeckt hatte, trafen wir uns dann alle im Probenraum. Dort habe ich sie dann endlich gesehen. Wir haben uns fest umarmt und gedrückt, und ihre Begleitung habe ich dann auch gleich kennengelernt. Sie und ich saßen im Tenor, die Begleitung im Sopran. Bei uns im Tenor war ein Mann in meinem Alter, bei dem mir auffiel, dass er extrem stimmfest war, und ich sagte ihm immer wieder, du musst laut singen, du kannst dir das so schnell merken. Am Ende verließen sich alle im Tenor nur noch auf ihn, weil er so eine schöne Stimme hatte und so sicher war und alle Stücke so gut konnte. Er erzählte mir, dass er zu Hause in zwei Chören sinkt, wie ich ebenfalls Spanisch spricht, und er hatte auch sonst sehr viel Allgemeinwissen und wirkte sehr sympathisch und hatte diese schöne Stimme. Ich hätte mich fast ein bisschen in ihn verschaut, aber er hatte seine sehende Freundin dabei. Er hätte mir zumindest sehr gut gefallen. Am Ende, bevor wir alles aufgenommen hatten, ist er noch mal hingefallen, und wir hatten alle große Angst, dass er möglicherweise ausfallen könnte, und wir brauchten ihn doch so unbedingt, denn der ganze Tenor hatte sich auf ihn gestützt. Aber zum Glück hatte er sich nur etwas den Finger aufgeschürft. Der Chorleiter hatte sehr viel Geduld, und wenn er mal etwas zu bemängeln hatte, tat er das mit so viel Witz und Charme, dass wir alle lachen mussten. Er hat es wirklich gut verstanden, uns bei der Stange zu halten, dabei machte er viele Späße, ahmte Leute nach, wie zum Beispiel Horst Schlemmer, oder machte andere Witze. Außerdem konnte er wirklich alle Stimmen in jedweder Höhe singen. Begleitet hat er auch ganz wunderbar, und wenn wir reinkamen, hat er immer sehr schön auf dem Klavier improvisiert und einfach vor sich hin gespielt. Er hatte eine riesengroße Technik dabei, da stand jede Menge Zeug herum, da hätte sich keiner außer ihm ausgekannt. Es hat auch keiner irgendwohin gefasst, und er erklärte uns, dass die Sachen ziemlich teuer sind. Während der Proben ging immer jemand mit Kaffee herum, und wir erhielten kostenlos bei Bedarf immer wieder eine neue Flasche Wasser. Somit war dafür gesorgt, dass jeder genug Flüssigkeit bekam, ohne, dass man eben viel Geld ausgeben musste. Am Abend habe ich wenig getrunken, denn der Monat war sowieso schon extrem teuer gewesen, und ich dachte mir, nachdem ich sowieso fast nur Wasser trinke oder mal einen Cappuccino, und weil das Wasser beim Essen sowieso kostenlos zur Verfügung stand, sah ich nicht ein, dann in der Kneipe dafür zu bezahlen. Wir luden uns ab und zu mal gegenseitig zu etwas ein, meine Freundin teilte sich mit jemand anderem eine Flasche Wein und trank auch so mal einen Schoppen, und ich könnte mir ab und an mal einen Cappuccino, war aber ansonsten so sparsam wie möglich. Das Essen war sehr gut, die nach Speisen waren prima, und das Personal in der Küche war sehr freundlich. Unsere Begleitung half uns auch immer, sie holte uns die Sachen, manchmal kam es vor, dass sie uns nicht alles aufzählen konnte, und wir dann hinterher erst erfuhren, was es sonst noch gegeben hätte. Aber insgesamt schmeckte es sehr gut. Sie hatte allerhand mit uns zu tun, uns beide zu bewirten. Sie hatte allerdings ziemlich große Probleme, uns beide zu führen, und ich, die ich extrem ungeschickt und nicht so mobil bin, hing an dem Arm meiner Freundin und stieß an alles, was nur irgendwie in meiner Nähe war. Mehrfach hat meine Freundin mich daraufhin ermahnt, doch meinen Stock einzusetzen, aber das war manchmal gar nicht so einfach. Denn alles war ziemlich eng, und die Begleitperson war ein bisschen unsicher, uns beide zu führen. Manche haben da mehr Übung und andere weniger. Manchmal ließ ich mich aber auch von jemand anderem führen oder hangelte mich irgendwie so zur Toilette während der Pausen. Wenn zum Beispiel etwas ausgeteilt wurde wie Obst etc., musste ich schon manchmal laut werden oder wirklich mehrfach schreien, irgendwann wedelte ich dann mit den Armen hoch und runter und rief immer wieder, ich will Obst, ich will Obst, weil mich keiner gehört hat. Die vor mir fragte schon, was hast du denn geraucht, aber ich habe ihr dann erklärt, dass ich zuvor schon mehrfach gerufen hätte, und dass sich kein Gehör fand. Meinen Sitznachbarn hatten sie auch fast vergessen, aber hätte er sich so oft gemeldet wie ich, wäre ihm das sicher nicht passiert, wohingegen das bei mir, egal, wie laut ich rufe, regelmäßig so ist, und ich erst dann was bekomme, wenn ich fast die geistesgestörte mimen muss. Aber es hatte ja dann geklappt. An einem der Abende führte uns unsere Begleitung dann über einen kleinen Markt mit gebrannten Mandeln und anderen Sachen und lud uns zu gebrannten Mandeln und Kaffee ein. Das fand ich sehr nett, das hätte sie eigentlich nicht tun müssen, nachdem sie uns ja half, aber sie wollte sich wohl dafür bedanken, dass wir ihr die Unterkunft bezahlten. Sie und ich wurden nicht wirklich miteinander warm. Ich hab zum Beispiel erzählt, als ich am Tresen stand und etwas wollte, und der Mann dann etwas komisch war, und dass er nicht verstand, dass ich nicht sah, was er von mir wollte, und sie ihn gleich in Schutz nahm, mir würde man ja schließlich nicht anmerken, dass ich blind bin, und die Leute seien unsicher, die Leute seien ja hilflos, und die Leute seien unwissend, also der allübliche Kram, den ich mir jedes Mal anhören muss, wenn irgendjemand mit mir so umgeht, wie man mit anderen Randgruppen heute nicht mehr unbedingt umgehen würde. Immerhin ist man da so achtsam geworden mittlerweile, und ich soll immer noch für jeden Mist Verständnis haben. So schlimm war es zwar nicht, aber trotzdem hat es mich gestört, dass er nicht die Geduld hatte und das nicht verstand, dass ich irgend was nicht gesehen habe. Wir waren ja alle blind, und wir alle sind ja ab und zu mal zum Tresen bekommen und wollten irgendwas. Da hat er gemerkt, dass es sich um eine Gruppe blinder handelte. Auch hat sie mit mir zu diskutieren angefangen, weil ich sagte, es gibt Menschen, die nicht so behindert sind wie ich, und die brauchen nicht so zu tun, als ginge es allen Menschen überall immer gleich, und die haben kein Recht, sich mit mir ständig gleichzusetzen. Eine Frau, die mir sagt, ich hab auch Kinder, handelt wirklich unangemessen, denn Kinder gehen aus dem Haus, eine Behinderung nicht, und auch wenn man die Kinder alleine großziehen muss, würde ich lieber mit ihr tauschen als umgekehrt. Aber sie behauptete, jeder hat doch irgendwas, und man weiß doch nicht, was die Leute hinter den Kulissen alles haben. Damit setzt man aber voraus, dass jemand, der blind oder krank ist, sonst nie was anderes hat und sonst keine anderen Sorgen hätte. Aber so gerecht ist die Welt nun mal nicht verteilt. Das können aber viele nicht nachvollziehen. Es sind nicht alle Päckchen gleichgroß, und deswegen machen es manche besser und manche nicht so gut, was nicht daran liegt, dass manche schwächer sind, sondern dass manche eben einen Haufen zu schleppen haben, wohingegen andere vielleicht mehr Glück haben. Die brauchen sich dann aber nicht so hinzu stellen und sagen, sie mal, mir geht es doch auch so, und ich schaffe es doch auch. Das finde ich dann halt nicht gerecht. Nur das will ich erreichen oder bezwecken, und nur das will ich damit sagen. Es war um meine Katzenbetreuerin gegangen, die hatte nämlich in einer Nachricht gemeint, der Napf meiner Katzen sei verschimmelt, sie habe neue gekauft, und ich sagte, das verschimmelt nach einer Weile genauso, denn das könne ich so oder so nicht sehen, und wie soll ich denn das machen, und als blinde sei das doch alles sehr schwierig, und da fing sie an, ja sie habe ja auch mehrere Kinder, und das sei ja auch nicht so einfach usw. da habe ich der aber ein paar Takte erzählt und gesagt, die Gesundheit ist das wichtigste, was jemand hat, und man könne Kinder doch nicht mit Krankheiten vergleichen. Und sofort. Wenn die Kinder oft wüssten, dass die mit einer Krankheit oder einer Behinderung verglichen werden, ich glaube, die würden sich schön bedanken. ich finde es schwer, manche Dinge zu bewerkstelligen, wenn man das nicht sieht, und wenn dann auch noch die Gefahr von Schimmel oder sonstigen Dingen besteht. Das hat die Begleitung mitbekommen und gemeint, das ging ja wohl zu weit, ich könne doch anderen nicht das Recht absprechen, dass sie Probleme hätten. Ich sage auch nicht, dass sie keine haben, aber sie haben schlimmstenfalls andere und bestenfalls nicht ganz so viele. Und das muss man ja wohl auch noch sagen dürfen. Sie hat uns aber schön nach Hause dann gefahren und bei meiner Freundin abgeliefert, und insgesamt hat sie uns auch gut begleitet. Am Sonntagmorgen haben wir dann alles aufgenommen, und wir haben auch die einzelnen Stimmen noch aufgezeichnet, falls sie mal gebraucht werden, damit andere sie üben können, wenn man sie ihnen vorab zusendet. Ich war schon aufgeregt, weil es hieß, man dürfe keinen Ton von sich geben. Auch würde ja der Alarm für die Tabletten losgehen, ich hatte das auch extra gesagt, aber als es Zeit war, hat keiner irgendwie was gesagt. Ich hab sie dann trotzdem genommen, nachdem einige Leute auch ihre Flaschen ein paarmal umgeworfen hatten, deswegen war mir das dann egal, schließlich müssen sie ja eingenommen werden. Danach hat dann der Chorleiter gefragt, da war doch jemand, die Tabletten nehmen wollte, ich meinte, das habe ich jetzt schon gemacht. Das ist schwierig, wenn man keinen Laut von sich geben darf, andererseits hatten sie aber auch Glocken im Hintergrund, und die könne man dann rausfiltern, hieß es. Das würde mich mal interessieren, wie man das macht, denn wenn etwas auf der Aufnahme ist, ist es eigentlich drauf. Wahrscheinlich kann man das runterdimmen . Gehört hat man die Glocken oder andere Geräusche jedenfalls nicht, wir haben mittlerweile die Ergebnisse, und sie klingen sehr gut. Ich mache ja auch häufig Tonbearbeitung, aber ich wüsste nicht, wie man Nebengeräusche rauskriegt. Die haben das aber wirklich gut zusammengeschnitten, auch das Lied, welches wir eigentlich nicht offiziell gespielt haben, wurde noch zugeschnitten, als hätten wir das so gespielt. Wir hatten eigentlich nur drei Lieder geschafft, bekamen aber dann doch vier Stück. Insgesamt hat es viel Spaß gemacht. Ich fand sogar dann das Stück, welches mir am Anfang am wenigsten gefallen hat, am Ende das beste. Das war wirklich etwas, was richtig Schwung hatte, und es hat richtig Freude gemacht, es einzusingen. das Hat dann riesengroßen Spaß gemacht, und es war sehr entspannt, mit der vorbereiteten Musik mit zu singen, was normalerweise ein ziemlicher Stress ist, da die Musik ja gnadenlos weiterläuft. Hier war es aber im Gegenteil so, dass es eher half, weil man dann immer wusste, wo man war, was genau man zu singen hat, und in welcher Tonart es jetzt weitergeht. Zuvor habe ich schon mal mit Hintergrundmusik gesungen, das ging dann damals so schnell, dass man eher verunsichert wurde. Das war diesmal nicht der Fall. Am ersten Abend hatte ich erst mal kaum Kontakte, so saßen meine Freundin und ich da und unterhielten uns. Beim zweiten Abend war es dann besser, so hatte ich mich mit einigen Leuten unterhalten. Auch saß ich mit einer Frau zusammen, von der ich mal ein Buch kostenlos überlassen bekommen hatte, wir hatten damals auch einen Briefwechsel per E-Mail, der dann aber eingeschlafen war. Ich fand sie dann aber nicht sonderlich nett, denn ich hatte ihr im Lauf der Unterhaltung erzählt, dass manche Leute so doof sind, weil mir einer meiner Mobilitätslehrer einmal ein Töpfchen mit Fett für meine Stockspitze gab und meinte, hier, ein Fettnäpfchen, du trittst doch so gerne ins Fettnäpfchen, und den hat sie dann auch noch in Schutz genommen. Ja, das sei doch schließlich kein Psychologe. Muss man da erst Psychologie studiert haben, dass man sowas nicht sagt? Ich verstehe nicht, wie man jeden, der jeden Mist erzählt, immer in Schutz nehmen kann, wenn ich mir solche Beleidigungen anderen gegenüber erlauben würde, dann wär aber was los. Außerdem meinte sie, siehst du, andere haben auch Probleme, und eine Krankheit ist nur eine Frage der Bewertung. Ich finde das unsinnig, denn wenn jemand also seinen Schnupfen so hoch bewertet wie beispielsweise Krebs, heißt das nicht, dass Schnupfen tatsächlich so schlimm ist, und wenn jemand eine schwere Krankheit hat, dann würde jeder diese als schwer bewerten, es gibt objektive Kriterien. Zehn Jahre Dialyse sind nicht etwas, was man als leichten Husten oder als vergleichbar mit Windpocken bewerten könnte. Ich verstehe nicht, warum ich da so ganz anders denke als andere Menschen. Ich sagte ihr dann, stell dir mal vor, du hättest Krebs, würdest du dann auch noch so reden und sagen, es ist alles nur eine Frage der Bewertung? Da wurde sie böse und meinte, sie habe ein erhöhtes Krebsrisiko, und sie hätte keine Lust mehr, darüber zu diskutieren. Also, dann ist doch das mit der Bewertung, was sie da behauptet, schon widerlegt. Mich ärgert das immer, denn ein Osteopath meinte mal in einem Vortrag , er würde die Leute fragen, woher sie diese oder jene Operationsnarbe hätten, und diese Leute hätten das dann oft vergessen, was da gemacht wurde. Daraufhin meldete ich mich und sagte, wie kann man denn vergessen, woran man operiert wurde, ich habe zum Beispiel eine Niere transplantiert bekommen, das vergisst man doch nicht. Da haben alle einhellig gemeint, das sei eine Frage der Bewertung, für den einen sei es viel, für den anderen wenig. Das ist eine Einstellung, die ich einfach nicht verstehen kann, und wo ich völlig anders denke als normale Menschen. Ich glaube schon, dass man das nicht vergessen kann. Dass es Leute gibt, die das Datum ihrer Transplantation nach vielen Jahren vergessen, kann ich mittlerweile verstehen, aber dass man vergisst, woher die Nabe kommt, das kann ich mir nicht vorstellen. Ich kann mir das nur vorstellen, wenn es eine Nabe ist von einem Sturz oder einem Fahrradunfall, deren viele Menschen ja viele haben. Aber die Nabe am Hals, wo man mir die Schilddrüse entfernt hat, die würde ich doch nicht vergessen. Man muss ja schon dement sein, dass man solche Sachen nicht mehr weiß. Da müsste man ja ein Buch mitführen, wenn man mal zum Arzt geht, und der eine Anamnese mit einem durchführt. Ich denke jetzt auch nicht den ganzen Tag, ich bin transplantiert, und ich zähle jetzt nicht den ganzen Tag meine Operationsnarben, aber trotzdem finde ich es objektiv, welchen Stellenwert bestimmte Sachen haben, und ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei anderen anders ist. Deswegen ärgern mich solche Dinge immer, weil es dann so scheint, als seien Dinge eigentlich nie per se gut oder schlecht oder schlimm oder weniger schlimm, sondern es sei lediglich der Wert, den ein schwaches oder stärkeres Individuum Ihnen gibt. Damit wird alles auf das Individuum geschoben, und dagegen möchte ich mich verwahren. Aber das sind Diskussionspunkte, wo ich immer wieder mit anderen aneinandergerate.. Ich hatte auch eine ziemlich merkwürdige Frau getroffen, die einen ziemlich seltsamen Namen hatte. Ich fragte sie, woher der Name käme, und sie wurde böse und meinte, warum muss denn ein Name immer aus dem Ausland kommen, schließlich kommt ja Marcel oder Dennis oder was auch immer aus dem Ausland. Aber ich fand ihren Namen schon extrem merkwürdig, und ich wollte einfach wissen, weil ich von Haus aus neugierig bin, wo der Name her war. Aber nachdem sie sich so stur stellte, sagte ich, lass bleiben, ich streite mich doch nicht rum. Sie hat dann schon gemerkt, dass das ein bisschen über dem Durchschnitt war, wie sie reagiert hat, und das hat ihr dann wohl leid getan. Ich habe aber dann später von Leuten erfahren, dass sie diesen Namen erfunden hatte, und dass sie mit vielen Leuten so umgeht, und dass viele mittlerweile schon einen Bogen um sie machen, weil sie die Leute oft so schroff angeht. Und ich dachte, es habe mal wieder an mir gelegen. Ich hätte sie auch wesentlich jünger geschätzt, denn sie machte auf mich einen sehr jugendlichen Eindruck. Aber sie scheint wohl bekannt zu sein und muss manchmal mit Vorsicht betrachtet werden. Mittlerweile gab es wieder ein Onlineprojekt, das war aber mit Synthesizer und leider nicht mit natürlichen Instrumenten, und meine Produkte aus Gitarre und Querflöte wurden leider nicht gebraucht dieses Mal. Ich hab dann selbst was produziert, aber das fand dann nicht wirklich gefallen. Entweder, man sagte mir dies ehrlich, oder ich bekam erst gar keine Reaktion. Ich habe es auch nur ein paar Leuten zugesendet. Vielleicht mache ich mal wieder bei einem solchen Wochenende mit, aber es ist auch teuer, auch wenn es insgesamt natürlich so günstig wie möglich gehalten ist, nur muss man es sich halt auch leisten können, und ich hatte ja noch den Punktschrift Brugger zu reparieren, den meine Katze bei ihrem Schreckenssprung vom bei Stellcontainer gefegt hatte. Ich habe das jemandem gesagt, und die hat dann natürlich auch wieder nicht locker gelassen und gemeint, ja, sie hätte auch nur Grundsicherung, und sie würde das auch machen, sie habe erst ein neues Smartphone gebraucht, und sie hätte sich das trotzdem leisten können, und wenn man will, geht das auch. Bei mir gibt nie jemand mal nach. Wenn ich jetzt gesagt hätte, ich habe fünf Kinder zu ernähren und drei Katzen und noch einen kranken Opa, hätte sie bestimmt auch noch weitergemacht, dass sie das auch alles hat, und dass sie trotzdem das Geld aufbringt. Man weiß doch nicht, welche Prioritäten jemand hat, welche anderen Verpflichtungen, Außenstände oder Forderungen und Verbindlichkeiten ein Mensch sonst noch hat. Das ist ja schön, wenn jemand das so hinbekommen kann, aber man kann doch nicht immer so unerbittlich und gnadenlos sein, man muss doch auch mal nachgeben und was stehen lassen und einfach sagen: ach so, na dann, das ist ja dann auch was anderes. Aber das macht man bei mir nicht. Deswegen glaube ich ja, dass ich verhext bin. Ich möchte mal mit einem nicht diskutieren sondern jemanden, der einfach sagt: ja stimmt, ach so, dann hast du natürlich recht. Aber das macht bei mir nie einer, da könnte ich so gut argumentieren und so schlüssige Begründungen bringen, wie irgend möglich, aber es geht nicht, weil ich eben verhext bin. Deswegen überlege ich es mir dann, auch wenn ich es mir leisten könnte, dreimal, ob ich immer so gerne unter die Leute gehe. Aber der Gesang hat schon großen Spaß gemacht.

Kirchweihbesuch

Jedes Jahr ist im Nachbarort die Kirchweih, und mit verschiedenen Gruppen war ich auch immer dort. Sie haben jedes Mal handwerklich sehr wunderschöne Dinge. Auch hatte ich mir zum Beispiel ein paar Jogginghosen gekauft, die an der Seite einen Streifen aus glitzernden Perlen haben, und ich wollte noch mal so eine Hose. Leider haben wir natürlich diesen Stand nicht wieder gefunden, aber wir hofften, etwas Ähnliches zu sehen. Da ich laufend meine Ohrringe verliere, weil sie mir irgendwo runter fallen, und ich dies erst zu Hause bemerke, wollte ich mir in die oberen zusätzlichen Ohrlöcher Piercings einsetzen lassen. Denn diese werden ja hinten regelrecht verschraubt. Die hätte ich mir nicht mal mehr extra stechen müssen. Außerdem wollte ich mich noch zusammen mit der Assistenz mit einem Ehepaar treffen, die neu in unsere Gegend gekommen waren, und die noch nichts von der Kirchweih und dem traditionellen Besuch von uns Blinden mit verschiedenen Gruppen wussten. Die Assistenz wollte zunächst nicht so recht und meinte, wir haben doch ausgemacht, dass wir zusammen einfach über den Markt gehen, aber ich sagte, ich bin die Kundin, und das ist mein Wunsch. Ja, dann sagen wir kurz Hallo und gehen dann aber wieder eigene Wege. Es wäre eigentlich geplant gewesen, dass wir dann irgendwann zusammen essen, denn das ist ja dann auch meine Entscheidung, ich muss ja nicht vorher schon ausmachen, dass ich mich nur dann und genau dort mit wem auch immer treffe, die Assistenz ist ja für meine Freizeitbegleitung und für die Verwirklichung meiner Teilhabe zuständig, und dazu gehört auch, mir ein Treffen mit anderen Leuten zu ermöglichen, wie ich das will. Ich bat sie also, dass wir schnell stehen bleiben und die Leute anrufen, aber sie wollte erst mal auf das Gelände gehen. Wir haben dann die Leute zum Glück zufällig getroffen. Leider konnten wir mit ihnen nicht essen gehen, weil wir nichts Geeignetes fanden, ich esse ja kein Fleisch, und dort gab es überwiegend Fleisch oder in Fett heraus gebratene Süßigkeiten, und diese Art von Teig kann ich nicht wirklich ausstehen. Somit entschieden wir uns, nachdem wir noch mal kurz mit ihnen telefoniert haben, dass wir weiterhin unserer Wege gehen, und sie nun nach Hause gingen. Wir haben unterdessen dann einen Stand mit Piercings gefunden, und ich fand auch ein schönes Paar Ohrringe, und wenn man zwei Ohrringe nahm, und das war ja bei einem Paar der Fall, bekam man das Einsetzen auch umsonst. Ich ging also mit dem man in seinen Wohnwagen und setzte mich auf die Liege. Er wollte mir zunächst nicht glauben, dass man die Piercings nicht neu stechen muss, denn diese zusätzlichen Ohrlöcher hatte ich schon über mehrere Jahrzehnte nicht mehr benutzt. Ich fühlte aber, dass sie noch gehen, dass eine ging zumindest noch rein. Bei dem anderen meinte er, das muss ich Ihnen neu stechen. Dann hätte ich aber diese Ohrringe erst nach ein paar Wochen einsetzen können und hätte zunächst medizinische Ohrringe tragen müssen. Ich sagte ihm Nein, das muss funktionieren. Er habe ja schon 15 Jahre Erfahrung, er wisse, dass das nicht geht. Ich nahm den anderen unteren Ohrring heraus, der auch noch in meinem Ohrläppchen war, und mit einem Mal konnte er das Piercing korrekt in das gewünschte Loch einsetzen. Gesagt hat er aber nichts mehr. Ich bin zumindest sehr zufrieden, bisher halten sie, wenn auch das keine Garantie ist, aber es ist besser als die kleinen Stecker, die man nur so notdürftig draufschraubt. Wenn ich mal in den Kernspin muss, müssen wir sie halt herausnehmen, dann hoffe ich, dass sie nicht verloren gehen. Wir haben dann doch noch etwas Nettes zu essen gefunden, ich hab dann Apfelpfannkuchen genommen , die mag ich ganz gerne, und ich habe mir noch ein paar schöne bessere und stabilere Hausschuhe gekauft. Letztes Jahr hatte ich mir welche ohne Sohle ausgesucht, dieses Mal haben sie eine dicke Gummisohle, man könnte die Lammfellschuhe theoretisch auch draußen anziehen, wenn man sie einsprüht . Sie halten schön warm, und selbst dann, wenn ich in der Küche über nassen Boden gehe, löst sich die Sohle nicht ab. Wir haben auch noch ein schönes Ausweismäppchen gefunden. Denn meine Brieftasche, die ziemlich teuer war, und die eine lebenslange Garantie hat, hat sich an dem Teil mit der Klarsichthülle in Wohlgefallen aufgelöst. Für mich ist es wichtig, eine Brieftasche möglichst lange zu haben, weil ich ja nicht sehe, wie die Karten aussehen, und welche Karte ich habe, und ich mir daher exakt merken muss, wo ich was in welches Fach hineingesteckt habe. Wenn ich da jedes Jahr eine neue Brieftasche kaufen muss, muss ich mir das jedes Mal wieder neu merken und verwechsle dann alles. Deswegen wollte ich eine, die ein Leben lang hält. Ich hab mich dann endlich mal dazu durchgerungen , die Brieftasche auszuräumen , den Inhalt in einen alten Geldbeutel umzusiedeln und die Brieftasche einzuschicken. Dazu musste ich sie erst mal ins Geschäft tragen, ich erhielt dann einen Zettel und das Versprechen, dass man mich anrufen würde. Da sich auch nach einem Anruf nach einer Woche und dann nach weiteren drei Wochen immer noch nichts getan hatte, habe ich mich also entschieden, auf der Kirchweih doch noch eine zweite zu kaufen. Ich erhielt sie billiger zum Messepreis, und sie gefiel mir sehr gut. Als ich aber dann zu Hause meine Sachen hineinstecken wollte, stellte sich heraus, dass kein einziges Teil hineinpasste, sondern alles, wie auch immer ich es hineinsteckte, um einen halben Zentimeter zu groß war. Ich war natürlich am Boden zerstört. Einen Tag, nachdem ich mir diese Ersatzbrieftasche gekauft hatte, klingelte dann das Telefon, die alte Brieftasche sei nun wieder vollständig repariert, denn als ich sie eingeliefert hatte, sagte man mir, es könne durchaus möglich sein, dass sie nicht wieder herzurichten sei. Ich war wirklich sauer. So ein Pech kann wirklich nur ich haben. Der Kauf der Brieftasche auf der Kirchweih war also tatsächlich völlig unnötig gewesen, da strickt einem das Leben wirklich die Zunge raus, wenn dann genau einen Tag später der ersehnte Anruf kommt, dass nun doch alles repariert werden konnte, und das Ersatzteil, was man sich dann schnell besorgt hat, noch nicht mal passt. Aber ich hatte dann doch noch Glück im Unglück, eine Freundin von mir brauchte eine schöne Brieftasche und hat mir die von der Kirchweih abgekauft. Sie findet sie sehr geräumig. Sie ist in der Tat auch geräumig, aber einfach nur zu kurz. Das nächste Mal muss ich halt alles ausprobieren , rausholen und alles reinstecken, um zu schauen, ob es auch wirklich passt. Aber ich hoffe, dass die alte Brieftasche jetzt so schnell nicht wieder kaputt geht. Die Verkäuferin hat mir aber leider die Rechnung nicht mehr mitgegeben, ich hab nur den Beleg, dass ich sie einmal habe reparieren lassen. Ich fragte nach, wo denn nun die alte Rechnung sei, ob ich diese ihr denn nicht gegeben hätte, aber Sie war etwas genervt und meinte, dass man doch daran, dass ich sie habe reparieren lassen und anhand der Marke schon sieht, dass ich eine lebenslange Garantie habe. Ich bezweifle aber, dass ich, wenn das Teil noch mal kaputt geht, noch mal eine Reparatur bekomme. Irgendwie ist die Rechnung verloren gegangen, obwohl ich sie damals extra kopiert hatte, da das Thermopapier, welches ich beim Kauf erhalten hatte, ja nach einer Weile verblasst. Die Kopie der Rechnung hatte ich dorthin mitgenommen, habe aber vergessen, vor lauter Zettel oder Abholscheinen , die ich ja alle nicht wirklich optisch unterscheiden kann, wo ich letztendlich die Kopie der Rechnung gelassen hatte. Ich hoffe also, dass das Teil nicht noch mal kaputt geht, und wenn, dass trotzdem die Brieftasche dann auch wieder repariert wird. Auf jeden Fall ging dann doch noch alles gut aus. Insgesamt hat es mir wieder gut auf der Kirchweih gefallen, leider bekamen wir keinen Zwiebelkuchen, obwohl das mein Lieblingskuchen ist. Den hatte ich ja dann zum Glück doch noch gekriegt, als ich mit meiner Assistenz zu der Ausstellung fuhr, bei der eine Wohnung für alte Menschen vorgestellt wurde mit verschiedenen neuen Technologien. Auf dem Rückweg zum Bahnhof, als wir an diesem Kaffee vorbeikamen, wo ich noch schnell etwas zu essen holte, hatten sie einen guten Zwiebelkuchen. Ich kann nur hoffen, dass sie nächstes Jahr wieder schöne Leggings haben, denn dann werden die anderen sicher schon kaputt sein, so teuer waren sie ja nicht mit 15 €. Die Ohrringe habe ich immerhin noch.

Samstag, 2. November 2024

Siemens ohne Werbung -- ein toller Ausflug

Ohne wirklich Werbung zu machen, möchte ich sagen, dass wir einen wunderschönen Tag bekommen haben. In unserer Bezirksgruppe kam ein Rundschreiben, dass Siemens einen Ausflug zu einem Freilichtmuseum anbietet. Es würden von der Firma Begleitpersonen zur Verfügung gestellt. Ich rief sofort an bei unserer Bezirksgruppe, ja, das sei so, und da ich eine der ersten sei, würde ich auch eine Begleitperson von den Mitarbeitern von Siemens bekommen. Daher musste ich mich nicht mehr selber um eine Begleitperson kümmern, was doch häufig sehr mühsam ist. Erst muss ich einen Assistenten suchen und fragen, ob die Person Zeit hat, und außerdem, wenn diese dann nicht kann, muss ich sie auch noch bitten, mein Gesuch weiter zu reichen, möglicherweise wird dieser Gefallen dann auch noch abgelehnt, und ich muss dann selber noch mal anfragen. Mir ist es auch schon passiert, dass ich die Assistenz lange Zeit vorher schon gefragt hatte, und dann fiel ihr plötzlich eine Woche vorher ein, ich habe an dem Tag eigentlich gar keine Zeit. Oder es hieß dann, ich hätte nicht dazu gesagt, dass es sich um einen Tagesausflug handelt, und nun müsste ich erst abklären, wie lange es dauern würde etc. Auch muss ich dann für die Begleitperson jedes Mal alles mit bezahlen, das Essen wird zwar von dem Verein gestellt, der die Assistenten schickt, aber die Eintritte und die Busfahrt muss ich für die Assistenten mit übernehmen. Somit zahle ich häufig den doppelten Preis, dafür hat man übrigens das Blindengeld. Trotzdem ist es manchmal schon viel, was man da noch zusätzlich an Kosten am Bein hat. Zuerst einmal verpasste ich die U-Bahn, die mir natürlich direkt vor der Nase wegfuhr. Luzifer macht es immer so, dass ich die Straßenbahn oder die U-Bahn immer noch sehen darf, die mir davon fährt. Ich komme nie zwischen zwei Abfahrten, sondern immer so, dass ich noch die Rücklichter betrachten kann. Ich war stinksauer, aber eine liebe Studentin sprach mich an und sagte, ich muss eigentlich lernen, ich wollte jetzt zur Uni, aber ich bring sie schnell zu ihrem Treffpunkt. Für einen Behinderten, auch wenn es immer heißt, es ginge jedem so, ist ja der Umstieg von einem Verkehrsmittel in das andere schwieriger, und die Zeiten sind so getaktet, dass wir dann häufig das erste Verkehrsmittel verpassen, dann warten müssen und obendrein gleich wieder das zweite dann auch nicht mehr kriegen. Wer sich einmal ein Bein gebrochen hat oder einen anderen Unfall hatte, der kann das vielleicht eine Zeit lang am eigenen Leib erfahren. Mit Umarmung verabschiedete sich dann die liebe Studentin, und ich wurde von unseren Leuten in Empfang genommen. Ich stieg in den Bus, und sofort setzte sich einer von der Firma Siemens neben mich und stellte sich vor. Er erklärte mir, dass er in der Informatik arbeiten würde und Programme entwickelt, damit Radiologen Herzklappen einsetzen können, Blutgerinnsel auflösen oder Stents setzen können. Das war mal wieder so richtig nach meinem Geschmack, ich fühlte mich fast wie früher, als ich noch in meinem ersten Leben einmal ein medizinisches Fachgebiet an der Uni studiert hatte. Es war seit langem mal wieder so, dass ich mir nicht lernbehindert vorkam, und dass ich gleich Begriff, was man mir erklärt. In der Tat, ich war mittlerweile sogar schon so weit, mir jemanden zu suchen, der bei mir eine kognitive Einschränkung diagnostiziert. Aber genau aus dem gleichen Grund, aus dem ich diese kognitive Einschränkung habe, gelingt es mir nicht, jemanden zu finden, der mir hilft und sie diagnostiziert. Dies ist ein hermeneutischer Zirkelschluss. Wir kamen dann bei dem Freilichtmuseum an und wurden in mehrere Gruppen aufgeteilt. Wir durften in verschiedene Häuser, und wir konnten verschiedene Gesteine betrachten, es wurden uns unterschiedliche Häuser erklärt, und es gab sogar für blinde extra angefertigte Mappen mit tastbaren Plänen, die mit Blindenschrift versehen waren. Es wurde uns alles beschrieben, außerdem gab es das Angebot, wenn man wirklich alleine kommt und niemanden hat, eine Führung mit eins zu eins Betreuung zu erhalten, wofür man nichts extra außer natürlich den Eintritt zahlen muss. Das ist ein großartiges Angebot. Es wurde uns auch gesagt, dass es mittlerweile überall Stationen mit auditiven Angeboten gibt, und wir sahen auch einige Bildschirme, auf denen bestimmte Sachen dargestellt wurden, die uns dann von unseren Begleitpersonen erklärt wurden. Tiere gab es auch, so gingen wir zum Beispiel einmal in einen Ochsenstall, und es wurde mir dringend empfohlen, mich den Tieren nicht weiter zu nähern, denn sie mögen es nicht so, wenn man von hinten an sie herantritt. Ein Tritt eines Ochsen hätte mir vielleicht auch nicht ganz so gut getan. Mein Begleiter erklärte mir einmal , dass Hühner herumlaufen, und dass sogar in dem Moment ein Huhn unseren Weg gekreuzt hätte. Wir hörten einen Hahnkrähen, zunächst dachte jemand, das sei eine Blinden Uhr. Außerdem konnten wir ein kleines einsames Schweinchen in seinem Stall betrachten, welches das letzte seiner Geschwister war, dass noch nicht zum Schlachter gebracht wurde. Uns allen tat es sehr leid, denn geschlachtet werden ist schlimm, als Schwein aber allein zu leben ist nicht viel schöner, kein Schwein ruft mich an, fiel mir da ein. Schweine sind ja schließlich intelligente Tiere. Wir durften auch verschiedene Werkzeuge anfassen, mit denen bestimmte Ornamente gestaltet wurden, zum Beispiel Schnecken, die man aus irgendwelchen Gründen Voluten nennt. Zuerst sah man nur den Gesteinsblock, dann wurden bestimmte Stemmeisen oder Stößel gezeigt, mit denen etwas aus dem Gesteinsbrocken heraus gemeißelt wurde, dann gab es bestimmte Schleifwerkzeuge , mit denen dann der Stein spiegelglatt geschliffen wurde, und dann bei der nächsten Station wurden schon die ersten Formen der Schnecke heraus gemeißelt. Die Geräusche wurden uns über ein Video eingespielt. Wir konnten sehr viele Fachwerkhäuser bewundern, und uns wurde erklärt, dass die Häuser in Blöcken von 50 t zerlegt und in dieses Museum verfrachtet wurden aus verschiedenen Orten unseres Heimatgebietes. Mir fiel der Begriff Gnadenhof für Häuser ein, denn die Führerin erzählte uns, dass sie tagtäglich Anfragen bekommen, ob man Häuser vor dem Verfall retten und hier aufstellen könnte. Sie könnten gar nicht alle Häuser „aufnehmen“. Wir durften auch in die Häuser hinein, und in einem Haus war ein Kachelofen angeschürt, es war dort so wunderschön warm, man fühlte sich sofort pudelwohl. Wir saßen alle um einen Tisch herum, und wir konnten das Tischtuch mit seinen Stickereien abtasten, die Stühle hatten wunderschöne geschnitzte Ornamente. Wir erhielten auch Tastpläne von dem Grundriss dieser Häuser. Keine Wärme, so stellte ich fest, ist so schön wie die Wärme eines Holzofens. Es roch auch sehr angenehm, die Frau erzählte uns, dass ihr die Kollegen immer wieder sagen, man riecht, dass du in diesem Haus warst. Innerhalb der Stube gibt es dann ein kleines Kabinett, darin stehen zwei Betten, welche für kranke oder ältere Menschen vorgesehen sind, damit sie weiterhin am Leben teil nehmen und alles hören können. Darin war es so gemütlich, ich wäre darin am liebsten geblieben, schade, dass man sowas nicht zu Hause einrichten kann. Es gab auch eine Apfelausstellung, mir wurde zum Beispiel eine Mole Busch in die Hand gedrückt, und ich sagte nein, das ist eine Birne. Wir hatten zu Hause sehr viele Äpfel und Birnen, ich werde zu Hause nur die Apfelmühle genannt, und ich kenne zahlreiche verschiedenste Sorten von Äpfeln und Birnen. Daher war ich begeistert, es war sehr verführerisch, ich musste mich schon zusammenreißen, um nicht einfach in einen der Äpfel hinein zu beißen. Es gab auch die kleinen Kornäpfel und die noch kleineren, deren Namen ich jetzt vergessen habe, die ich aber auch schon oft gekauft hatte. Was ich auch interessant fand und noch nie gehört hatte, war, dass es einen Erdkeller gab, soviel ich mich noch erinnere, der einfach mitten im Hof stand, und in welchen ein paar Treppen hinunterführten. Dort war es Sommer wie Winter immer gleich warm. Der Keller im Haus war ebenfalls so konzipiert, dass man die Kartoffeln oder das Obst einfach durch das Kellerfenster werfen konnte, und alles landete in einer Art schütte. So etwas hatte ich auch noch nie gesehen. Es gab auch einen großen steinernen Backofen, dort konnte man 30 Brote backen, und uns wurde dann ziemlich lapidar erklärt, dass man damals schon mal eben einfach so schimmliges Brot gegessen hatte, das war egal, die 30 Brote wurden auf einmal gebacken und dann einfach nacheinander aufgegessen. Und die Leute haben es überlebt. Eigentlich müssten wir ja demnach auch befähigt sein, mit Schimmel fertig zu werden, denn diejenigen, die den Schimmel überlebt haben, haben uns ja ihre Gene weitergegeben. Wären alle daran gestorben, gäbe es jetzt nur noch ein paar Leute, die extrem resistent gegen Schimmel sind. Aber ich würde trotzdem nicht unbedingt Schimmel essen wollen, lach. Die Methode, Brot einfach einzutauchen, kenne ich auch noch. Wenn ältere Menschen harte Brezeln oder hartes Brot noch aufheben, tunken sie es ebenfalls in den Tee, und ich tunke jedes Mal meine Cantuccini , italienische Kekse, in meinen Cappuccino. Dann quellen sie erst so richtig schön auf und schmecken erst so richtig lecker. Die anderen kamen dann am Ende hinzu und berichteten uns, dass sie bei den Schafen waren, dass sie einen Webstuhl gesehen hätten, und dass ein sehr lieber Kater namens mi cash sie begrüßt hätte, der offenbar sehr gerne mit den Touristen schmust. Ich hatte zuvor schon gedacht, dass man das arme kleine einsame Schwein auch hätte Paschik nennen können. Vielleicht gäben die beiden, wenn man sie zusammen täte, ein gutes Empfangsduo ab. Nach der sehr interessanten und sehr aufschlussreichen Führung gingen wir dann in ein Gasthaus, zuvor hatten wir schon bestellt. Ich habe natürlich wieder meine heiß geliebten Käsespatzen bestellt. Und dieses Mal, siehe da, war ich nicht die letzte, die so lange warten und hungern musste. Wir hatten eine gute Unterhaltung, und es war sehr lustig, da einer mir seine Chuck Norris Witze erzählte, die außer ihm und mir niemand witzig fand. Ich schlug vor, „meinen“ Siemensianer auf einen Cappuccino einzuladen als Dank für seine Führung. Er nahm lachend an, aber wir warteten vergeblich auf den Wirt, der einfach nicht abkassierte. Und da erfuhren wir den Grund, Siemens hatte nämlich auch noch das ganze Essen für alle bezahlt, den Cappuccino, den ich für uns beide bestellt hatte, eingeschlossen. Wir waren wirklich sehr erstaunt, es war wirklich total schön. Nach dem Essen stiegen wir wieder in den Bus, und es war insgesamt eine sehr schöne Stimmung. Ich habe meiner Begleitung noch meine E-Mail-Adresse gegeben, da er ein so schönes Foto von dem Ochsenkarren gemacht hat, welcher durch das Freilichtmuseum fuhr. Ob es die beiden Ochsen waren, die wir schon im Stall begrüßt hatten, konnten wir natürlich nicht mehr erkennen. Mir hat der Ausflug so gut gefallen, und es war so schön, einmal nicht ständig alles bezahlen zu müssen, dabei so viel Neues zu lernen und so eine tolle Begleitung zu haben. Es hat auch mal gut, jemanden neben sich zu haben, der ein gewisses Bildungsniveau hat und nicht so auf mich herabsieht und mir dauernd das Gefühl gibt, dass ich irgendwie zurückgeblieben oder weltfremd sei, und der zwanghaft immer Recht haben muss. Wir hatten eine Unterhaltung, die auf Augenhöhe verlief, und ich konnte von meinen Sachen erzählen, und er erzählte von seinen Dingen. Das hat auch mal gut getan, und es gab mir das Gefühl, dass ich nicht nur die hilflose, Behinderte und lebensunfähige Person bin, als die ich mich in meinem Alltag häufig betrachten muss. Ich fand, dass diese Leute sehr sensibel, empathisch und achtsam mit uns umgegangen sind, dass sie viel Neues von uns erfahren wollten, dass sie interessiert und neugierig waren, und dass sie nicht immer alles gleich besser wussten, wie ich das sonst im Alltag oft erlebe. Ich hoffe, dass wir wieder mal einen Ausflug mit Siemens oder vielleicht einem anderen Unternehmen machen. Ich finde es eine gute Idee, das Unternehmen ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen die Möglichkeit geben, einen sozialen Tag einzulegen, denn dann erweitern sie auch ihren Horizont, da sie ja, wie jeder andere Mensch auch in ihren eigenen Bezügen sind, und da die meisten Menschen in ihrem Alltag wenig mit Behinderten zu tun haben. Vielleicht, so wäre meine Hoffnung, werden dann mehr Behinderte eingestellt, wenn man sieht, wie wir "in vivo" sind, sozusagen in der freien Wildbahn oder in unserem natürlichen Lebensraum. Dann fallen vielleicht die Berührungsängste weg, und der Kontakt mit Menschen aus anderen Lebensbezügen dient beiden Seiten, etwas Neues von unterschiedlichsten Menschen zu lernen. Vielleicht wirkt sich das auch auf die Unternehmenskultur aus und damit natürlich auch wieder auf die Produktion oder auf die Ideen für neue Entwicklungen. Es ist auf jeden Fall schon geplant, dass ich mit meinem Taxifahrer nächstes Jahr noch einmal in dieses Freilichtmuseum fahre, damit wir dann die Stationen mit der Audioeinrichtung oder Häuser, die noch nicht besucht habe, noch erkunden können. Und außerdem soll das Örtchen, in dem das Freilichtmuseum ist, ebenfalls sehr reizvoll sein. Auf jeden Fall kann ich mich schon wieder auf was freuen, was wir dann vielleicht um meinen Geburtstag Herumunternehmen.

Freitag, 1. November 2024

Papua Neuguinea

Nachdem ich mit einer Assistenz bei einer Hilfsmittelausstellung war, gingen wir in eine Vortragsreihe über Papua-Neuguinea mit verschiedenen Workshops. Diese wurde von einem ansässigen Seminarhaus angeboten. Zuerst einmal kamen wir ja mitten hinein, weil wir ja noch auf der Hilfsmittelausstellung waren, aber eine Frau, die mich bereits kannte und etwas auf mich schaute, erklärte uns, dass jetzt ein Vortrag zum Thema Tiefseebergbau laufen würde. Dort erfuhren wir, dass in Papua-Neuguinea Firmen Rohstoffe, insbesondere seltene Erden abbauen wollten, und dass es Organisationen gibt, die aus Umweltschutzgründen dagegen waren. Zuvor hatte ich von diesem Thema noch nie gehört, ich kannte nur den normalen Bergbau. Aber klar, in der See muss es ja auch seltene und wertvolle Rohstoffe geben. Komisch war allerdings, dass der Vortrag nicht von einer anwesenden Person gehalten wurde sondern von einem Referenten, der über Zoom zugeschaltet war. Diese Möglichkeit gibt es ja heute, ich finde das aber etwas unheimlich. Allerdings passierte dann ein lustiges Malheur. Obwohl wir ja in einem Raum mit wenden, demnach also auch mit Steckdosen waren, hatte man den Beamer und den Laptop mitten im Raum aufgestellt und nicht eingestöpselt. Auf einmal war der Akku des Laptops leer. Eifrig und geschäftig wurde nach einem Ladekabel gesucht, es wurde sogar im Publikum herum gefragt. Kleinlaut sagte dann jemand, mir wurde gesagt, der Akku vom Laptop hält so lange. Ich war ziemlich amüsiert. Eigentlich hätte man ja auch von vorneherein schon mal das Gerät am Netz hängen lassen können, und zum anderen hätte man dann wenigstens ein Ladekabel bereit halten können. Der Referent, der ja nicht wusste, dass wir keine Verbindung mehr zu ihm hatten, sprach unterdessen munter weiter. Als wir dann wieder Kontakt zu ihm hatten, musste erst jemand ihn navigieren und lotsen, wo wir ihn verloren hatten, damit er in seinen Folien wieder zurück klicken konnte. Das ist das Wunder der Technik, welches man aber doch manchmal nicht überschätzen sollte. Danach gingen wir erst einmal in die Mittagspause, es hätte eigentlich sogar ein Gericht aus Papua-Neuguinea gegeben, aber zum einen esse ich meistens nichts zu Mittag sondern nur etwas Kleines, weil ich sonst so müde werde, und zum anderen wollten wir das auch nicht vorbestellen sondern lieber woanders hingehen. Ich dachte also, wenn wir schon in der Stadt sind, können wir auch in eine Drogerie gehen, um dort ein billiges Parfüm für den Alltag zu kaufen. Wir fanden zwei billige Parfüms, die günstig genug waren, dass man sie jeden Tag aufbringen kann, denn ich habe auch eines für besondere Anlässe, welches aber sehr teuer ist. An der Kasse bekam ich dann eine Papiertüte, die ich zunächst in die Hand nehmen wollte, oder ich erhob die Möglichkeit, schnell nach Hause zu fahren, um meine Beute zu Hause zu verwahren. Da meinte die Assistenz, steck das doch in deine Handtasche, ich machte die Tasche auf, und dann sagte sie doch tatsächlich zu dem Mann hinter der Kasse, sehen Sie mal, so eine große Handtasche und nur zwei Mäppchen drin. Mir war das peinlich und unangenehm, so vorgeführt zu werden. Eigentlich weiß die ja, weil sie mit anderen Behinderten zu tun hat, warum manche Menschen mit Behinderung sich dieses oder jenes und nichts anderes aussuchen, und dass man vermutlich praktische Gründe hat, warum man mit einer Mehrfachbehinderung vielleicht keine Handtasche nimmt, in die man alles mühsam und umständlich hineinknören muss. Ich versuchte, ihr klarzumachen, dass ich froh bin, dass meine Tasche so groß ist, dass ich mit meiner schlechten Motorik die einzelnen Sachen gut rausholen kann, und das ja auch noch eine Sonnenbrille und in den anderen Fächern noch jede Menge anderer Sachen drin sind. Nur in dem Hauptfach sind eben bloß drei Gegenstände, also eben Geldbeutel, Brieftasche und Sonnenbrillenetui drin. Aber das geht ja eigentlich auch niemanden was an, und das sollte auch meine Sache und meine Entscheidung sein. Danach gingen wir zu einer Bäckerei, dort gibt es zwei Displays, man kann sich aussuchen, was man will, und man kann sogar eine Karte mit einem Strichcode dranhalten, wenn man entweder mit EC-Karte oder mit der aufgeladenen Karte der Bäckereikette bezahlen will. Das finde ich sehr praktisch, so eine Karte habe ich mir dann auch später geholt. Wenn man dann bestellt hat, was leider nur mit einem Touchscreen geht, bekommt man einen Pager, sobald das Gewünschte fertig ist, wird man dann angepiept. Es gäbe aber auch noch eine normale Schlange, wo es aber länger dauert. Sie hat erst einmal meines geholt und ist dann noch mal weg, um ihre Mahlzeit zu holen. Ich merkte aber gar nicht, dass sie schon wieder da war, und ich fragte nach einer Weile einfach mal etwas zaghaft und unsicher ins Leere, ob sie wieder da war. Sie antwortete ziemlich energisch, ja, aber das ist doch selbst verständlich, so lang dauert das ja schließlich nicht. Ja, aber ich kann ja nicht wissen, wie es in so einem Café zugeht, wie lange man auch mit einem Pager anstehen könnte, wenn der noch mehrere Leute mit dem gleichen Anliegen sind, oder ob sie vielleicht, meiner Fantasie sind ja hier keine Grenzen gesetzt, zum telefonieren mal raus musste und noch nicht da war. Ich sagte dann, oh, wir dummen Blinden, aber die Ironie hat sie nicht verstanden. Assistenten denken grundsätzlich, dass ich weder Ironie noch Sarkasmus „kann“. Eigentlich kann man ja auch sagen, und das macht man ja auch bei Sehenden, Hallo, ich bin wieder da, guten Appetit. Außerdem hat es schon am Eingang merkwürdig gerochen, was ich ihr auch sagte, und sie klärte mich auf, das nennt man Essen, das riecht nicht komisch. Ich fand schon, aber sie bestand darauf, Das ist Pizza, und das riecht eben so , und daher würde ich das so empfinden. Aha. . Allerdings weiß ich, wie Pizza riecht. Ich weiß ja nicht, mit welchen Leuten die es sonst zu tun hat. Auf jeden Fall kamen wir dann wieder zurück ins Seminarhaus, und dort gab es dann einen super interessanten Vortrag einer Frauenärztin, die lange Zeit in Papua-Neuguinea gearbeitet hat. Sie hat auch hausärztliche Tätigkeiten durchgeführt. Die Leute brachten ihr großes Vertrauen entgegen, denn sie hat einer Frau geholfen, Kinder zu kriegen, da diese eine relativ leicht behebbare Erkrankung hatte, und so hielt man sie für jemanden, die Frauen zum Kinderwunsch verhelfen kann. Sie war aber eine extrem bescheidene Person, und sie erzählte uns auch, dass viele Arbeiten von Krankenschwestern durchgeführt werden, die hierzulande nur Ärzte ausführen dürfen, weil es dort nicht so viele Ärzte gibt. Ich fände es auch gut, wenn man bei uns wieder eine Gemeindeschwester hätte, denn viele Tätigkeiten wie zum Beispiel subkutane Spritzen oder Impfungen, sowie die in Augenschein Name, ob eine Erkältung ernst genug ist, dass ein Arzt sie sich anschauen sollte, könnte vielleicht auch eine hierfür ausgebildete Krankenschwester erledigen. Man muss dann natürlich gewährleisten, dass das nicht, ähnlich wie in dem DDR Spielfilm über eine Gemeindeschwester, lauter so harte Knochen sind, die einen mit einer Lungenentzündung möglicherweise dann immer noch anschreien, stellen Sie sich nicht so an wegen dem bisschen Husten. Das weiß keine Szene aus dem Film, jedoch gibt es ja wirklich solche alten Haudegen. Aber es würde vielleicht einiges leichter machen, wenn wir ein besser gestaffeltes Gesundheitssystem hätten, welches mangels Personal in vielen Ländern der Welt bereits üblich ist. D. h. nicht, dass ich jetzt dafür wäre, dass wir dieselben Zustände wie in Entwicklungsländern haben, aber wenn man flachere Hierarchien schafft, würde dies einiges erleichtern. So weiß ich beispielsweise von einer Freundin aus England, dass Impfungen dort auch in Apotheken durchgeführt werden. Der Vortrag war aber wirklich sehr schön und erhellend, und die Frau war sehr nett, sie zeigte auch einige Bilder und erklärte einiges dazu, sodass ich die Bilder gar nicht unbedingt sehen musste. Sie benutzte die Bilder eigentlich nur als Erinnerungsstütze oder als Anschauungsmaterial, um uns dazu Geschichten zu erzählen. Danach gab es einen Vortrag einer Musikethnologin, die uns erst einmal klarmachte, dass sie den Begriff Musikethnologie nicht erklären könnte, ohne drei Tage dafür zu benötigen. Wieso eigentlich, ich dachte, Musik ist klar, und Ethnologie heißt Völkerkunde. Also es ist die Musik der Völker oder die Völker und ihre Musik. Ich hätte mir erwartet, dass da erklärt wird, welche Instrumente verwendet werden, wie die Harmonien sind, welche Tonleitern es gibt, welche Rhythmen verwendet werden, welche Dinge besungen werden, welche Eigenheiten die Musik aufweist usw. Stattdessen erklärte sie nur, dass sie mit Missionaren einige Lieder gemacht hätte, dass man Musik, wenn man sie aufnimmt, bereits verfälscht, und dass auch Töne der Natur für Musik hergenommen werden können. Dann stellte sie uns ein Lied im Internet vor, von dem sie sagte, das ist Mission, es war ein ziemlich seichter Popsong von Leuten gesungen in wahrscheinlich Pigeon, und dann erzählte sie uns von einem katholischen Radiosender, den die Menschen dort selbst betreiben. Der Höhepunkt war allerdings, dass wir direkt über Zoom am Ende einer Messe teilnahmen, wobei der Einzug noch einmal extra für uns dargestellt wurde, der wie ein Tanz oder eben ganz speziell Landes typisch begangen wird. Aber der Vortrag war trotzdem nicht das, was ich mir erwartet hätte, und auch einer der anderen Teilnehmer fragte, was denn nun dieser Popsong, der ja in jedem Doodle Sender laufen könnte, eigentlich mit Musik aus Papua-Neuguinea zu tun hat. Ich fragte dann eben, um vielleicht doch noch etwas herauszuholen, ob auch in Gottesdiensten solche Musik verwendet wird, die von den Menschen dort ursprünglich gemacht wird, oder ob es zwischen der sakralen Musik und der Volksmusik einen Unterschied gibt. Dann wurde uns noch auf meine Frage hin erläutert, dass es in Würzburg in Marienhill eine Ausstellung mit Musikinstrumenten aus Papua-Neuguinea gibt. Die wäre vielleicht mal besuchenswert. Geplant war dann auch noch eine Modenschau, auf die ich mich ganz besonders freute. Leider zog sich diese hin wie Gummi Arabicum, denn erst einmal kam ein Film der Modeschöpferin, einer Frau aus Papua-Neuguinea, die mittlerweile in Deutschland lebt. Leider wurde in diesem Film kaum gesprochen. Meine Assistenz beschrieb mir leidlich, was in dem Film zu sehen war. Danach gab es die ersten Kleidungsstücke, wobei sie mir versuchte zu erklären, dass der Stoff in den Karomustern des Landes gehalten sei. Also viel konnte ich mir jetzt darunter nicht vorstellen. Sie beschrieb mir aber einige der Kleidungsstücke, so erfuhr ich zum ersten Mal, was ein Pulloverkleid ist, nämlich ein überlanger Kapuzenpullover. Seltsam, dass man sowas trägt. Danach gab es eine ewig lange Pause, in welcher der Film noch mal gezeigt wurde. Eigentlich sollten drei Durchgänge stattfinden. Dann kam aber der Monsignore von Missio und hielt eine kurze Ansprache, danach war es zu Ende. Ich hätte auch einen dritten Durchgang nicht unbedingt sehen wollen, denn sehen wäre bei mir stark untertrieben gewesen. Und meine Assistenz konnte nur mühsam darlegen, um welche Art von Karos es sich handelt. Es gab wohl bunte Karos auf schwarzem Stoff und schwarz-weiße Karomuster. Ich stellte mir das ähnlich wie die Tatens bei einem Schottenrock vor. Wir entschieden uns also, nach Hause zu gehen. Einiges war doch ganz interessant, vielleicht höre ich mal wieder etwas über Papua-Neuguinea, und ich finde es auch toll, dass sich hier so viele Menschen engagieren, um dort die Entwicklung voranzutreiben und den Menschen aus Armut und Hunger heraus zu helfen. Ich glaube der Begriff Mission, wie er früher noch üblich war, so nach dem Motto mit Bibel und Flinte, hat sich ja doch auch ziemlich gewandelt, wenn auch noch einiges auf bestimmte Art und Weise abläuft, aber natürlich drückt die jeweilige Religion der Sache ihren Stempel und ihre Prägung auf.

Hilfsmittelausstellungen

Bei der Hilfsmittelausstellung, bei der Dragon vorgestellt wurde, war ich nicht, da ich bei zwei anderen war. Das nur vorweg, aber ich diktiere gerade mit Dragon. Das ist ja für Sehbehinderte und blinde adaptiert worden, sodass das, was man diktiert, auch wieder wie ein Echo zurückgesprochen wird, damit man weiß, ob das, was man gesprochen hat, wirklich dort steht. Auch gibt es verschiedene Befehle für die Sprachausgabe JAWS, das alles nur nebenbei. Eine Hilfsmittelausstellung wurde weiter weg angekündigt, in der auch eine Wohnung für Menschen im Alter gezeigt würde, wohnen 2.0. Zusätzlich gab es Hilfsmittel für blinde und Sehbehinderte. Dort wollte ich unbedingt hin, weil ich mir einmal so eine Wohnung anschauen wollte. Vor einigen Monaten war bei uns der Malteser Hilfsdienst und hat seinen Hausnotruf vorgestellt. In solchen Wohnungen würden sicher noch andere Hilfsmittel oder Möglichkeiten zur Sturzprävention oder Anzeigen von Stürzen vorhanden sein bzw. Dinge, die das Wohnen im Alter außerhalb eines Heims möglich machen. Ich möchte ja mal mit den Füßen voraus aus meiner Wohnung raus. Ich habe also mit einer Assistenz erst einmal herausgefunden, wie wir dorthin kommen. Aufgrund meiner Entscheidungsschwäche, die nicht darin liegt, dass ich nicht weiß, wie ich mich entscheiden muss, sondern darin, dass ich grundsätzlich die falsche Entscheidung treffe, haben wir natürlich die denkbar schlechteste Verbindung genommen. Ich wollte mit dem ICE den ersten Streckenabschnitt fahren, damit wir nicht so oft umsteigen müssen, und damit wir auf jeden Fall dadurch Fehlerquellen oder Verspätungsrisiken vermindern könnten. Bei der Rückfahrt habe ich mich dann für Regionalzüge entschieden. Ich hatte nicht kapiert, dass auch bei der Hinfahrt mit ausschließlich Regionalzügen nur ein Umstieg benötigt worden wäre. Auch die Assistenz sagte, richtig, wenn wir zweimal umsteigen müssten, wäre es riskanter. Vielleicht meinte sie nur, wenn es so wäre, ohne dazu zu sagen, dass es nicht so ist. Die Verbindungen waren so vielfältig und durcheinander, dass ich gar nicht mit dem Denken hinterherkam, weil ich ja hier doch etwas langsamer bin. Als wir dann am besagten Tag losfuhren, erklärte sie mir bereits, dass nach dem Abschnitt mit dem ICE die Strecke gesperrt wäre, sodass wir dann den Regionalzug, der direkt nach dem Umstieg zu unserem Zielort fahren würde, nicht nehmen könnten wegen Umbauten auf dieser Strecke. Na bravo, jetzt mussten wir nach der ICE-Fahrt sogar wieder ein Stückchen zurückfahren, d. h., mit dem ICE hat erst mal alles geklappt, aber danach ging es erst mal wieder einen Umweg zu einem kleinen Ort, bei dem wir dann frierend auf den nächsten Zug warteten und dann erst weiter kamen. Wir hatten also jetzt zwei Umstiege, was ich ja eigentlich gerade vermeiden wollte. Während des Aufenthaltes in dem Kaff standen wir in einer Buchhandlung, leider konnte ich ja dort die Titel nicht lesen, und meine Assistenz schmökerte sich unterdessen durch den Wühltisch . Insgesamt war unsere Konversation auch sehr spärlich, denn sie schaute auf Instagram, und ich lass in unserer Anthologie, bei der ich mitgewirkt habe. Endlich konnten wir dann weiter, nachdem ICE hatte ich in dem größeren Bahnhof noch zumindest schnell entschieden, dass wir noch zum Zuge rennen, aber an dem kleinen Ort, von dem aus wir dann weiterfahren mussten, hatten wir so oder so einen Aufenthalt, bis der nächste Zug weiterfahren würde, und da waren wir eben in dieser Buchhandlung. Endlich kamen wir dann am Zielort an, und dann rannten wir erst einmal durch den Busbahnhof, um den richtigen Bus zur dieser Ausstellung zu finden. Einige Leute sprachen uns an, da sie meinen Blindenstock sahen, und da sie in die gleiche Richtung wollten. Endlich sind wir also bei der Ausstellung angekommen. Das Wohnen 2.0 sah sehr interessant aus. Es gab zum Beispiel einen Herd, über den eine Kamera angebracht war. Wenn sich eine vergessliche Person vom Herd wegbewegt, und die Person lange Zeit nicht zurückkommt, meldet die Kamera dies dem Herd, und dieser schaltet sich aus. Über den ganzen Boden verteilt sind Sturzsensoren, wenn jemand sich hinlegt und lange dort bleibt, wird dies sofort gemeldet. An der Wand sind ebenfalls Sturzsensoren angebracht. Die Toilette hat einen automatischen Deckel wie mein Mülleimer, der wie ein Lichtsensor funktioniert, auch alle Lampen in der Wohnung schalten sich automatisch ein und aus, wenn man Räume betritt oder wieder verlässt. Es gibt da natürlich auch den Hausnotruf, den man von allen Räumen aus betätigen kann , weil man ja dieses Armband mit dem Notrufknopf trägt. Auch beim Malteser Hilfsdienst erzählten sie uns schon, dass die Reichweite des Notrufs bis über mehrere Wohnungen hinweg reichen würde, und sich manche Leute sogar beschweren, dass sie das in der Nachbarwohnung noch hören. Demnach muss man sich keine Sorgen machen, wenn man weit weg von der Telefonstation ist. Es gibt da außerdem auch ein automatisches Bett. Meinen Humor versteht nicht jeder, denn das Bett stellt sich auf und kippt zur längeren Seite, damit man aufsteht. Ich sagte zu der Assistentin, das ist ein Schleudersitz, wenn du bis 7:00 Uhr nicht aus dem Bett bist, schmeißt das Bett dich raus. Sie hat aber nicht mit gelacht. Ich sagte noch, wenn ich um 8:00 Uhr nicht aufstehe, kann es mich dann rauswerfen. Das ist natürlich eine Hilfe für ältere Leute, damit sie besser aufstehen können. Ich fragte dann noch an der Rezeption, ob es eine Möglichkeit gäbe, an der Decke eine Kamera anzubringen, wenn mir ein Objekt auf den Boden fällt, könnte ich jemanden anrufen, dieser verbindet sich mit der Kamera und schaut dann auf den Boden, wo es liegt. Demnach muss das natürlich jemand sein, der einen Zugang zu diesem Kamerabild hat, selbst verständlich. Das wollte man mir dann noch extra erklären, aber das ist ja wohl trivial. Eine meiner Assistentinnen ist ja sehr fit am PC und kann das dann auch machen. Da könnte man aber eine ganz normale Kamera nehmen, und so eine habe ich ja bereits, und die kann man mit bestimmten Einkaufsdiensten verwenden, wo ich sie auch hier habe. Man kann entweder eine Speicherkarte in die Kamera legen oder sich auch direkt online über sein Mobiltelefon die Sachen anschauen, herunterladen und weiterleiten. Das haben wir auch schon öfter gemacht. Ob dann allerdings kleine Objekte gefunden werden wie Ohrringe, die ich so oft verliere, das ist die Frage. Und größere Objekte würde ich wahrscheinlich selbst noch finden. Vielleicht ist die Idee mit der Kamera bei anderen Gelegenheiten notwendig, wenn irgend ein anderes Malheur passiert. Danach gingen wir in den Raum mit den Hilfsmitteln. Dort sah ich dann einen Stand mit Brailledruckern. Die hatten sie aber nicht dabei. Der, den ich von einem Familienmitglied geerbt hatte, welches letztes Jahr nach sehr schwerer Krankheit gestorben ist, funktioniert nicht mehr. Meine Katze hatte dem Teil dann noch vollends den Garaus gemacht, indem sie ihn mal vom Beistelltisch gefegt hat. Mittlerweile habe ich ihn aber zur Reparatur gegeben, und diese ist sogar relativ erschwinglich. Ansonsten hätte ich geplant, mir einen neuen zu kaufen. Sogar bei eBay hat es einen gegeben, allerdings komme ich mit Endlospapier nicht zurecht. Die mit Einzelblatteinzug sind für gewöhnlich extrem groß, laut und auch extrem teuer. Dieser, den ich habe, ist sehr klein und handlich, man kann auch weniger Blätter reintun, man sollte sogar weniger Blätter reintun, und man kommt auch als Privatperson gut damit zurecht, er lohnt sich also auch, wenn man nicht jeden Tag Mengen von Dokumenten ausdrucken muss. Aber ich wollte mich einfach mal erkundigen, was es da so gibt. Ansonsten gab es ganz verschiedene Hilfsmittel, die ich auch vorher schon gekannt habe. Meistens waren da Küchenutensilien oder Bildschirmlesegeräte oder Braillezeilen. Es gab aber auch den Stand einer Hörbücherei, und von dieser wurde dann auch noch am Schluss eine Lesung angeboten. Zuvor wurden verschiedene Vorträge zu Leitstreifen, dem Umgang Sehender mit blinden oder Problemen der Barrierefreiheit im öffentlichen Raum gehalten. Dabei stellte uns eine Frau das A viv-Prinzip vor, das bedeutet Frühling, im Umgang mit blinden steht dieses Akronym allerdings für: Ansprechen, Vorstellen, Information und Verabschieden. Die meisten kommen aber einfach, packen mich am Arm und zerren mich irgendwohin, verabschieden würden die sich dann sowieso auch nicht. Vielleicht haben es aber doch ein paar Sehende gehört, die sich in eine Hilfsmittelausstellung für blinde verirrt haben. Auch über die Probleme im Altenheim sprach sie, wobei blinde Menschen häufig für dement gehalten werden, weil sie einen hereinkommenden Pfleger dann mit Frau soundso oder Schwester soundso ansprechen, weil sie ja die Person nicht erkennen. Dabei kommt es häufig zu Missverständnissen, weil seegeschädigte ältere Menschen zum Beispiel das Shampoo mit dem Rasierschaum verwechseln. Wenn eine Sehbehinderung noch nicht diagnostiziert ist, kommt es vielleicht zu einer Fehldiagnose von Demenz. Das Publikum war allerdings so laut, und mein Gehör hat doch auch schon ziemlich nachgelassen. Ständig kam jemand raus oder rein, Bonbonpapiere wurden ausgewickelt, es wurde geraschelt und geredet, sodass ich große Mühe hatte, die ich ganz hinten saß, die Referenten zu verstehen. Einige der Referenten sprachen aber auch sehr leise und undeutlich. Andere wiederum konnte man besser verstehen. Amüsant fand ich zum Schluss dann auch noch die Lesung, bei der auch aus Wolfgang Herrndorfs Buch Tschik vorgelesen wurde sowie aus anderen Werken, launig und heiter war es, und alle lachten. Danach gab es allerdings nicht mehr viel zu lachen, denn schon um 15:00 Uhr fuhr kein Bus mehr zum Bahnhof. Allerdings sagte uns jemand, nachdem wir den Busbahnhof mehrfach durchquert hatten, dass der Bahnhof lediglich eineinhalb Kilometer entfernt ist. Ich wollte noch etwas essen, die Assistentin meinte, das schaffen wir nicht mehr. Ich sagte aber, dass wir wenigstens in das Café, welches uns empfohlen wurde, rein könnten, um etwas für unterwegs zu holen. Ich bekam dann dort tatsächlich zu meiner großen Freude einen Zwiebelkuchen, das war der einzige, den ich dieses Jahr bekommen habe. Als wir dann am Bahnhof ankamen, meinte die Assistenz, gut, dass wir schon etwas gekauft hatten, da war ja schon vorher nichts. Genau das wollte ich ihr ja eigentlich zuvor erklären, denn dieser Bahnhof dieser extrem kleinen Stadt sei ja bei unserer Ankunft schon so aus, als ob der nicht rund um die Uhr geöffnet hätte. Die Rückfahrt klappte dann reibungslos. Da entspann sich dann auch eine etwas intensivere Konversation als zuvor, in der sie mir dann erzählte, was sie in ihrer sonstigen Tätigkeit, wenn sie nicht meine Assistenz ist , noch so macht. Als wir dann wieder in den ICE stiegen, fragte sie mich, ob ich wieder meine Kopfhörer aufsetzen und mein Buch lesen wollte. Manches hat mich schon etwas gestört, beispielsweise wollte ich mir meinen Rucksack und meine Handtasche aufladen, und sie nahm dann meine Handtasche vom Boden und sagte, ich nehme die jetzt erst mal, ich geb sie dir nachher wieder. Ich kann mir dabei etwas komisch vor. Auch wenn ich etwas zu lesen oder andere Infos bekam, wollte sie es immer nehmen und einfach den Reißverschluss meiner Handtasche aufmachen und die Sache hineinstecken. Das mag ich eigentlich nicht, denn auch als Behinderte finde ich, dass eine Handtasche etwas Persönliches ist. Ich fasse auch nicht einfach in anderer Leute Handtaschen und Geldbeutel. Viele Menschen, die Behinderten helfen, machen das einfach. Auch erklärte sie mir, ich solle doch eine größere Tasche nehmen, in welche die Brotzeit und meine Sachen rein passen, warum ich den unbedingt zwei Taschen mitschleppen wollte. Obwohl ich ihr, was sicher nicht muss, darlegte, dass ich den Rucksack mitgenommen hatte, falls ich bei der Hilfsmittelausstellung etwas schönes finde, was ich vielleicht kaufen und heimbringen muss, kam sie irgendwann wieder um die Ecke mit ihrer Kritik, dass ich doch keine zwei Gepäckstücke mitnehmen sollte, und wir müssten doch mal zusammen eine größere Tasche kaufen gehen, in die dann alles reinpasst. Ich mag es nicht so gerne, wenn meine Brotzeit und mein Geldbeutel oder die Brieftasche zusammen sind, falls doch mal die Thermoskanne ausläuft oder die Papiertüte aufweicht, und hinterher dann meine Sachen , inklusive der Handtasche, vollgeschmiert sind. Eigentlich finde ich sowieso nicht, dass jemand mit mir irgendetwas Kaufen gehen muss, es sei denn, ich bitte ihn darum. Ich kam mir vor wie ein zehnjähriges Heimkind aus dem Waisenhaus , mit dem man mal einen Schlafanzug kaufen gehen muss oder ein paar neue Schuhe. Ich fühle mich manchmal etwas so, als sei ich geistig nicht so ganz in Ordnung. Als wir dann wieder im Heimatort ankamen, nachdem die Rückfahrt ja wirklich dafür, dass es die Deutsche Bahn war, sehr reibungslos verlief, hat sie mich dann noch nach Hause gebracht. Während der Straßenbahnfahrt bemerkte sie, dass eine Frau mich permanent anstarrte. Das passiert mir sehr häufig, und ich weiß nicht, woran es liegt. Im Großen und Ganzen hatten wir aber doch einen ganz schönen und interessanten Tag. Ein paar Wochen später hatten wir dann bei uns auch eine eigene Hilfsmittelausstellung unserer Bezirksgruppe. Dieses Mal hatte ich auch Assistenz dabei. Denn zum einen schaffe ich es nie, mich durchzusetzen, damit ich auch einige Fragen stellen kann und bis zu dem Tisch mit den ausgestellten Gegenständen überhaupt durchkomme. Zum anderen möchte ich ja auch einige Leute interviewen und vor allem die Orientierung behalten. Denn wenn dann die Räume miteinander verbunden werden, und wenn die Zwischentüren offen stehen, dann auch noch so viele Menschen und so viele verschiedene Stände im Raum sind, komme ich mit der Orientierung Durcheinander, denn dann gibt es zu den Räumen auch zahlreiche Ausgänge und Eingänge, was mich dann völlig verwirrt. Wir fanden ein Hilfsmittel, welches ich Wert fand, darüber ein Interview zu führen, es war so brandneu, dass es noch nicht mal eine Hilfsmittelnummer gab. Vielleicht hat es mittlerweile eine. Kleiner Tipp, wenn man mal bei verschiedenen freien Radiosendern schaut, es gibt eine Sendung, in der wir dieses Hilfsmittel vorstellen. Mit dieser Assistenz war ich in 20 Minuten durch, denn weiter gab es nichts Neues, und da ich es gewohnt bin, sonst ewig auf dieser Ausstellung zu verweilen, um zum Zuge zu kommen, hatte ich natürlich ganz andere Relationen. Denn meistens war mir dann schon fast schlecht, weil es heiß war, die Luft stickig, und weil ich die ganze Zeit stehen musste. Dieses Mal ging alles sehr gemütlich zu, und wir konnten danach noch einen kleinen Snack im Bistro zu uns nehmen. Dort habe ich dann noch eine Freundin getroffen, mit der ich mich noch etwas unterhalten konnte. Wenn ich vergleiche, während Corona durften wir nur 2 Stunden in die Ausstellung, und da die Aussteller darauf keine Rücksicht nahmen und sich ewig sogar mit Leuten unterhielten, die gar nichts kaufen wollten sondern lediglich als Rehalehrer Konversation machen wollten, hatte ich damals eine denkbar schlechte Ausbeute. Außerdem hat mich noch eine Frau geboxt, weil ich ein Interview machte und dann noch einige persönliche Fragen stellte, anstatt dass sie einfach höflich nachfragte, wann ich denn mit meiner Konsultation oder vielleicht eher Audienz jetzt endlich mal fertig bin. Zusätzlich gab es dann auch noch Stress, weil ein Blindenhund zu mir kam und mich beschnupperte. Zu mir kommen alle Hunde, die wissen, da gibt es Liebe, Zuwendung und Zuneigung. Und es ist schwierig, den Hunden dann zu erklären, geh weg, dein Herrchen oder dein Frauchen will das nicht. Im Führgeschirr darf man den Hund nicht streicheln, das weiß ich, aber was macht man, wenn der Hund mich berührt? Ich sprach den Hund also an, woraufhin mich dann die blinde Frau sehr harsch anfuhr, dass es schließlich auf dem für Geschirr des Hundes zu lesen sei, dass man ihn nicht anfassen dürfte. Selbst der Mann, der den Hilfsmittelstand betreute, war auf meiner Seite und versuchte ihr klarzumachen, dass ich das als blinde ja schließlich nicht lesen konnte. Er sagte mir dann , passen Sie auf, sie sind heute Zielscheibe von Gewalt. Das war schrecklich. Deswegen war ich umso überraschter, dass dieses Mal alles so locker und "chillig" vonstatten ging. So konnten wir dann noch zu der anderen Veranstaltung, die wir für diesen Tag geplant hatten.