Samstag, 7. April 2018

Grippe im Maßanzug


Am 15. Februar wollte ich eigentlich einige Dinge unternehmen, aber ich habe gemerkt, dass ich was ausbrüte. Am Tag zuvor habe ich es in der Physiotherapie ziemlich übertrieben. Denn wir wollten besonders das linke beinkräftigen, da ich häufig etwas schräg laufe, und wir vermuteten, dass vielleicht das eine Bein etwas schwächer ist als das andere. Das kommt zwar bei vielen Leuten vor, aber bei mir ist ja das Nierentransplantat an die linke Beinarterie angenäht, vielleicht liegt es auch daran. Zumindest hatte ich auf dieser  Seite schon immer Wadenkrämpfe, besonders dann, wenn ich lange nichts gegessen hatte. Es stört mich sehr, dass ich häufig etwas diagonal laufe, weil  ich das  ja mangels  ausreichendem Sehvermögen  kaum noch korrigieren kann, und genau das wollten wir eben beheben. Wir haben auch festgestellt, dass mein Becken etwas schief steht, und so haben wir überlegt, das beim nächsten Mal nachzumessen, ob  entweder das eine Bein etwas kürzer ist, was bei vielen Leuten  vorkommt, oder  ob  ich die Hüfte verdrehe, woran man ja arbeiten könnte. Zumindest haben wir an diesem Tag dann die Beinpresse nur mit einem Bein gemacht, und anstatt 40 habe ich nur 20 Kilo , aber  das nur auf einer Seite, gestemmt. Das habe ich aber dann auch mal mit dem anderen Bein gemacht, um das schwächere etwas ausruhen zu lassen. Dann haben wir noch ziemlich viele andere Übungen gemacht, und schon da begannen die Glieder mir weh zu tun. Häufig ist es bei mir so, dass ich, wenn ich mich über anstrenge, dann eine Erkältung bekomme. Das habe ich, seitdem ich das Pfeiffer'sche Drüsenfieber hatte. Somit hoffte ich, dass mir die Erkältung und längere Bettruhe erspart blieben, aber leider war dem nicht so.

 

Am Donnerstag den 15. wollte ich eigentlich noch zum gemeinsamen Singen der evangelischen Blinden Seelsorge, aber da musste ich schon absagen. Am Freitag war ich dann so kaputt, dass ich sogar fast erbrochen hatte, als ich ein Glas Wasser trinken wollte. Das hat sich dann zum Glück gelegt, denn ich muss ja meine Medikamente einnehmen können.

 

So habe ich die nächsten Tage und auch die nächste Woche im Bett verbracht. Ich dachte eigentlich, da bei mir Krankheiten meistens zwei Wochen dauern, dass es damit getan sein würde, und ich die zweite Woche dann wieder langsam auf die Beine kommen könnte.

 

Da ich häufig  schlecht schlafe, mitten in der Nacht aufwache, auf  die Toilette gehe, und dann nicht mehr einschlafe , habe ich mich Anfang des Jahres in ein Schlaflabor begeben. Denn ich hatte über die Erkrankung von Blinden bezüglich zirkadianer Rhythmusstörungen gehört, die sich Non24 nennt. Dabei kommt es zu einer mangelnden oder fehlenden Weiterleitung des  Lichts seitens lichtempfindlicher, nicht für das Sehen verwendeten Netzhautzellen , die normalerweise das Licht über die Sehbahn an einen bestimmten Knoten senden, der den Tag-nach-Rhythmus regelt. Dies kann sowohl bei sehenden als aber auch vermehrt bei Blinden vorkommen. Darüber gab es einen telefonischen Vortrag, nach welchem man sich dann an zwei Krankenpfleger wenden konnte, die telefonisch die Koordination für die Diagnostik übernehmen. Somit bin ich bei uns im Klinikum zu einer Ärztin, die sich schon  mit  diesem noch relativ neu  entdeckten  Krankheitsbild  auskannte,  recht verständnisvoll war, auch schnell auf E-Mails antwortete, und die mich zu einem psychophysischen Labor auf dem Klinikgelände schickte, wo man mir eine Armbanduhr, ein sogenanntes Aktimeter,  anlegte, das die Aktivitäten über eine Zeit lang aufzeichnen sollte. Die Batterien dieser Uhr reichen aber nur für zwei Wochen. Somit musste ich alle zwei Wochen eine neue Uhr erhalten, da wir diese Aktigraphie über mehrere Wochen durchführen wollten, um dann eben zu sehen, ob sich der Tag-nach-Rhythmus verschiebt, weil  jeder Mensch  24  Stunden plus  x läuft,    dies aber  wie bei einer Funkuhr  bei gesunden  Menschen  immer wieder  entsprechend den 24 Stunden justiert  wird.  Bei  Menschen ohne  diese  Justierungsmöglichkeit  verschiebt  sich  so der 24-Stunden-Rhythmus  immer um  x  Minuten, so dass  sie irgendwann müde sind, wenn  man eigentlich wach sein sollte und umgekehrt.  Das Aktimeter zeichnet die Bewegungen und den Puls auf. Da ich aber nun die ganze Zeit im Bett lag, und die Uhr abgedeckt war und somit kein Licht über  ihren  Lichtsensor empfangen konnte, waren die Aufzeichnungen über diese Zeitperiode verfälscht und somit unbrauchbar. Daher brachte meine Assistentin die Uhr zum vereinbarten Zeitpunkt zurück, allerdings erhielt ich dann keine neue. Wir wollten dann mit diesen Aufzeichnungen weitermachen, sobald ich wieder gesund wäre.

 

Während ich im Bett lag, hat mir auch jemand den Tipp gegeben, dass es eine App gibt, mit der man Fernsehsendungen vor programmieren und aufzeichnen und hinterher dann aus einer klaut herunterladen und auf dem Handy anschauen kann. Das gibt es auch für Hörfilme, man kann also bei der Auswahl der Filme bewusst Filme mit Bildbeschreibung  auf dem zweiten Tonkanal aussuchen. Somit konnte ich mir im Bett etwas die Zeit vertreiben.

 

Nach zwei Wochen war aber noch keine Besserung in Sicht. Ich war froh, wenn ich überhaupt mal ein paar Stunden einfach so auf dem Sofa in eine Decke gewickelt legen konnte. Danach zog es mich sofort wieder ins Bett. Wenn ich mal irgendetwas Anstrengenderes machte, wie zum Beispiel Kaffee kochen und trinken, war ich hinterher total kaputt und erschöpft. Die Fenster machte ich in der Zeit überhaupt nicht auf, denn ich fürchtete, mir noch eine Erkältung zusätzlich einzufangen. uZu der Zeit  waren es draußen  -6-  -8°.  

 

Da ich Angst um meine Niere hatte, und da ich sowieso einen Termin in der Transplantationssprechstunde hatte, den ich schon wegen Krankheit um eine Woche verschoben hatte, bat ich meine Assistentin, mit mir zusammen ein Köfferchen zu packen, sprich meine Reisetasche, um diese dann gleich in die Ambulanz mitzunehmen, falls man entschied, mich im Klinikum zu behalten. Vorher hatte ich schon telefonisch mit einem Arzt dort gesprochen, der riet mir aber ab, da das Krankenhaus ziemlich voll sei. Viele Leute hatten zu dieser Zeit die Grippe, und ich hätte nur einen Platz auf dem Gang bekommen, das wäre meiner Erkältung nicht gerade zuträglich gewesen. Dennoch dachte ich, sicher ist sicher, ich nehme mal alles mit, was ich für ein paar Tage brauche. Mein Arzt meinte aber ebenso, ich würde mich dort nur noch zusätzlich anstecken, ich hätte ja sowieso schon genug, aber wenn ich schon seit dem 15., also am Tag des Termins am 28. Februar, schon 13 Tage krank sei, und jetzt auch Schwindel und Kopfschmerzen dazugekommen waren, sollte ich mich mal beim HNO vorstellen, um eine Nebenhöhlenentzündung abzuklären. Ich meinte, ich sei ja gegen Grippe geimpft gewesen, daher hatte ich keine Angst, mich im Krankenhaus anzustecken, aber der Arzt meinte, ich sei zu Hause besser aufgehoben.

 

Am Freitag den 2. März ging ich also zum HNO, der feststellte, dass die Nebenhöhlen komplett voll seien, zumindest die rechte Seite. Er empfahl mir, nachdem ich immer Nasenduschen mache, das Wasser künftig ab zu kochen, denn es bestehe die Gefahr von Pseodomonaden in den Leitungen, die doch manchmal recht alt seien, insbesondere in unserem Stadtteil. Man hat ja sonst nichts zu tun, daher musste ich notgedrungen versprechen, mein Wasser künftig ab zu kochen. Womöglich hatte ich mir die Keime auch noch selber eingeladen, da ich es gut mit mir meinte und die Nasenduschen mit Salzwasser wieder angefangen hatte, gerade, um mich vor Erkältungen zu schützen. Er meinte, wenn es nicht besser würde, müsste ich ins CT, denn es könnten sich Polypen in den Nebenhöhlen befinden. Diese wurden ja 2006  extra  entfernt  und die Nasennebenhöhlen daher  ja gefenstert, bevor man mich auf die Transplantationsliste setzen konnte, um genau solche Probleme während einer Zeit der Transplantation mit Immunsuppression zu vermeiden. Daher war ich schon etwas besorgt, doch der HNO meinte, dass nur bei 10 % der Patienten die Polypen wieder nachwachsen, die bei mir 2006 aus den Nebenhöhlen entfernt worden waren.

 

Ich war jetzt schon wirklich in Sorge, da ich überhaupt nicht mehr auf die Beine kam. Zu dieser Zeit rief ausgerechnet meine Schwester an und klagte mir ihr leid, dass sie so starken Schnupfen und so starke Allergien hätte, und dass sie doch endlich mal wieder durch zwei Nasenlöcher atmen können wollte. Ich dachte, die hat wirklich Sorgen. Ich lag da mit einer wahrscheinlich abgeschwächten Form der Grippe, vielleicht sogar der klassischen Influenza, kam  einfach  nicht mehr auf die Beine, nachdem ich zehn Jahre auf eine Niere gewartet hatte, das erste Jahr der Transplantation ziemlich hart verlaufen war, und ich nun endlich aus dem gröbsten raus war, und sie klagte und jammerte, dass sie nur durch ein Nasenloch atmen kann. Nach meinem Befinden hat sie sich nur ganz kurz und lapidar erkundigt, um dann gleich ihr Klagelied anzustimmen. Ich hatte insgesamt vier Nasenoperationen gehabt, und ich erzählte ihr, dass ich unter Umständen noch einmal gefenstert werden müsste, weil sich eventuell wieder Polypen in den Nebenhöhlen angesiedelt hatten. Die hätte man extra vor der Listung für eine Transplantation entfernt, um derartige Komplikationen zu vermeiden. Statt aber nun auch etwas besorgt zu sein, erkundigte sie sich nur danach, wie so eine Operation verläuft, da bei ihr ja die Polypen lediglich in der Nase entfernt worden seien, und sie wollte genau wissen, wie so eine Operation denn abläuft, vermutlich eher  mit dem Tenor, falls Sie selbst mal in so eine Lage kommen würde. Der Hammer war dann auch noch, als sie mir sagte, sie käme jetzt in die Wechseljahre, sie sei schon fast mittendrin, und erst wenn man alt würde, würde man ja wissen, wie es sei, krank zu sein. Ich warf ein, dass manche Menschen das auch schon in jungen Jahren erfahren würden, aber das quittierte sie nur mit einem Ja ja, das stimmt, sowas gibt's auch, und jammerte dann weiter. Ich sei ja noch jung, ich wüsste ja noch nicht, wie das sei, aber erst dann, wenn man alt würde, würde man wissen, wie es sei, krank zu sein. Nun denn, wenn ich mal in die Wechseljahre komme, werde ich dann am eigenen Leibe erfahren, wie das ist, wenn man krank ist. Kein Mensch im gesamten Universum kann meine Verzweiflung darüber verstehen, wie sehr mich diese Äußerungen quälen.

 

So lag ich tagaus tagein herum. Die Assistentin, die mir geholfen hatte, meine Tasche zu packen, meinte, ich sähe doch ganz gesund aus, was ich denn wolle, ich sei doch nicht krank, ich  würde doch hier herumlaufen. Während des Packens war ich allmählich so kaputt, und sie saß mitten auf meinem Bett, sodass ich mich nicht reinlegen konnte, und notgedrungen in meiner Schwäche legte ich mich mitten auf meinen Bettvorleger, weil ich einfach nicht einmal mehr sitzen konnte. Da endlich hat sie gemerkt, dass ich nun  langsam mal wieder ins Bett zurück muss. Dennoch meinte sie, mach Dir keine Sorgen, Du bist doch gesund. Als ich zwei  Wochen später dann noch verzweifelter war, da ich überhaupt nicht mehr auf die Füße kam, hat eine Bekannte von mir in ihrer Panik Kontakt mit meiner Assistentin aufgenommen, da sie sie auch einmal als Assistentin hatte, sodass diese mich dann anrief. Statt mich aber konkret zu fragen, was ich brauche, und wie sie mir helfen könnte, beschwichtigte sie mich nur permanent, das sei das Wetter, das hätten jetzt alle, das ginge allen Menschen so, auch den gesunden und dann  natürlich  erst recht mir. Dass ich 15 verschiedene Medikamente nehme, immunsupprimiert bin, eine Transplantation hinter mir habe und eine Niere zu verlieren habe, und wahrscheinlich mit einer Grippe im Bett liege, die einfach nicht verschwindet, liegt dann wohl auch am Wetter. Da wurde ich dann wütend, aber verstanden hat sie das nicht.

 

Im Altenheim, wo ich eine Zeit lang Gitarre spielte, und wo ich mir wahrscheinlich die Grippe vermutlich eingefangen hatte, ohne nun falsche Mutmaßungen anzustellen, habe ich dann ebenfalls angerufen, um abzusagen. Dort wurde mir dann auch gleich wieder erklärt, man habe ja schließlich auch schon mal eine Erkältung über mehrere Wochen gehabt, dass ginge jedem so, und da bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen. Andere seien ja auch so  anfällig usw…. Das hörte ich dann noch von mehreren Leuten. Es ist halt wesentlich besorgniserregender, wenn man nur durch ein Nasenloch Luft kriegt, oder wenn man in die Wechseljahre kommt, als wenn man  als  Nierenpatient nach  einer Infektion einfach  nicht mehr hochkommt.

 

Meine Putzfrau war dann auch noch da, und sie jammerte mir die Ohren voll, dass sie sich niemals ins Bett legen durfte, als sie krank war, denn sie hat ja zwei Kinder, und sie hat arbeiten müssen, da hätte sie es sich nicht leisten können, sich auch noch ins Bett zu legen. Ich entgegnete ihr, dass bei mir die Frage eher darin bestünde, ob ich es mir leisten kann, mit meiner Niere mit einer Grippe herumzulaufen. Ich meinte dann, gut, ihr seid alle wesentlich tapferer als ich, ihr geht auch noch mit Krankheit arbeiten, ich bin eben eine faule Sau, ich gebe es zu, ihr verdient alle den Tapferkeitsorden. Sie meinte nur, nein nein, Du bist nicht faul, das stimmt nicht. Das ist aber genau das, was mir gespiegelt wird, wenn mir alle immer erzählen, es ginge ihnen genauso, aber sie würden sich nicht ins Bett legen, und sie würden unter Umständen noch wesentlich länger mit einer Grippe herumlaufen als ich . Denn sie dürften sich ja nicht hinlegen, weil sie arbeiten müssen und Kinder haben, das habe ich jetzt von einigen so gehört. Wie hab ich es doch gut.

 

So ging das tagelang hin und her, manchmal ging es mir etwas besser, dann war ich schon froh, wenn ich mal im Wohnzimmer eine Weile sitzen konnte, dann zog es mich wieder ins Bett. Ich konnte anfangs noch nicht einmal am Telefon meiner Spanierin mit ihren Deutschaufgaben helfen, so  geschwächt  war ich.   Allmählich  ging das dann aber wieder ,wobei ich dann vor meinem Besuch bei der Transplantationsambulanz mit meiner Helferin telefonierte, die mir alles Mögliche über ihren Hund erzählte, und die mit mir absprach, dass wir jetzt ein Training machen, wo uns jemand zeigt, wie wir mit ihrem Hund spazieren gehen können. Das hätten wir zwar auch noch ein andermal besprechen können, aber ich hatte keine Ausrede, ich konnte schlecht sagen, ich hab jetzt keine Lust zu telefonieren, denn ich war ja schließlich da und hatte ja Zeit. Und irgendwann möchte ich auch mal mit ihrem Hund und ihr zusammen rausgehen können, ohne, dass er an der Leine zieht. Nach dem Telefonat fragte sie mich dann auch noch, wie oft hast Du jetzt an Deine Krankheit gedacht? Als ich sagte, überhaupt nicht, meinte sie, siehst Du, das war ein Test, ich habe Dich abgelenkt, ich wollte nur mal sehen, ob Du dann auf andere Gedanken kommst. Ich machte ihr ziemlich deutlich klar, dass ich nun mal jetzt krank bin, und ob ich da abgelenkt werde oder nicht, die Krankheit bleibt trotzdem. Ich habe den Eindruck, dass man mich eher für psychisch krank hielt oder für eine Hypochonderin, die man nur etwas auf andere Gedanken bringen muss, und wo dann gleich alle Symptome verschwinden, sobald sie nicht mehr dran denkt. Hinterher ärgerte ich mich nur, dass ich die Zeit nicht damit verbracht hatte, auf dem Sofa auszuruhen und Kräfte zu sammeln und mir einen schönen Hörfilm reinzuziehen.

 

Ein Bekannter von mir rief dann auch noch an, und ich äußerte meine Befürchtung, bettlägerig zu bleiben. Er meinte, ich gehöre ins Krankenhaus, aber ich sagte ihm, dass die Ärzte davon lieber Abstand nehmen würden, da ich mir sonst noch mehr Viren einfangen würde. Ein paar Wochen später, nachdem ich dann so um den 15. März herum wieder  einigermaßen  fit am  Kaffeetisch saß, rief mich dann besagter Bekannter an und meinte mit etwas spöttischem Unterton, na, bist Du noch bettlägerig? Daran hatte ich auch gemerkt, dass er sich über meine Ängste nur lustig gemacht hatte.

 

Irgendwann schaffte ich es dann auch wieder, mich ab und zu mal anzuziehen, besonders dann, wenn ich zum Arzt musste. Dann legte ich mich wieder aufs Sofa und wickelte mich in der Decke ein. Meine Erkältungssymptome waren schon längst weg, und mein HNO war begeistert und meinte, die Nebenhöhlen sehen super aus. Die CT blieb mir also erspart. Dennoch fühlte ich mich total schlapp und kam einfach nicht auf die Beine. Somit machte ich einen Termin bei meiner Hausärztin, um den Kreatininwert, der die Nierenfunktion anzeigt, messen zu lassen, um auszuschließen, dass die Niere etwas abgekriegt hat. Zum Glück hat mir ja der HNO auch ein Antibiotikum gegeben, was manchmal auch den Heilungsprozess etwas beschleunigt, und dem Körper hilft, mit den Bakterien fertig zu werden, die sich unter Umständen angesiedelt haben. Dieses Mal half das Antibiotikum wenig, entweder war die Grippe so stark, oder waren es hauptsächlich Viren, die an der Erkrankung beteiligt waren. Hätte man aber nichts gemacht, wäre ich wahrscheinlich jetzt noch im Bett. Auf jeden Fall hat die Hausärztin festgestellt, dass die Nierenwerte ganz gut sind, sie hatten sich ganz gut gehalten, aber das Hämoglobin war ziemlich niedrig geworden, der rote Blutfarbstoff. Es muss noch erwähnt werden, dass ich zuvor bei uns in der Uniklinik anrief, wo die Hauptzentrale der Transplantationsambulanz ist, und dort riet man mir, bei der Hausärztin eben noch mal den Kreatininwert messen zu lassen, und diesem Arzt gegenüber sagte ich dann auch ziemlich temperamentvoll, ich habe doch nicht zehn Jahre auf eine Niere gewartet, um jetzt nur im Bett herum zu liegen. Er hatte sogar Verständnis und meinte, absolut! Er schickte mich also zu Hausärztin, die aber zum Glück am Kreatinin nichts auszusetzen hatte, doch das ohnehin schon geringe HB war noch weiter gesunken. Ich machte sie auf einen Eisenmangel aufmerksam, der bereits im Schlaflabor im Rahmen einer größeren Blutuntersuchung festgestellt worden war. Und das war schon Anfang Februar, als ich dort wegen Schlafstörungen und dem Verdacht auf non 24, einer zirkadianen Rhythmusstörung, vorstellig geworden war. Aber die Hausärztin meinte nur, das müssen die entscheiden, mit die waren wahrscheinlich die Nephrologen gemeint, und als ich ihr sagte, dass dieser Wert nicht von den Nephrologen sondern aus dem Schlaflabor kam, hat sie mich trotzdem abgeblockt. Dabei kann doch eine Hausärztin auch mal den Eisenwert nachmessen, um mir dann ein ordentliches Eisenpräparat zu geben, es sei denn  die Hausärzte  degradieren  sich  wirklich langsam  zu  Lotsen im Gesundheitswesen. Ich hatte meinen Nephrologen schon einmal auf das niedrige HB hingewiesen und ihm auch gesagt, dass ich einen Eisenmangel habe. Doch meinte er, die roten Blutkörperchen seien noch recht groß, und es sei noch genug drin, man müsse noch nichts machen. Außerdem bräuchten Menschen mit einer Nierentransplantation nicht so einen hohen HB-Wert. Ich frage mich dann immer, was passiert, wenn die Niere genügend Erythropoetin produziert, um ein gutes HB herzustellen, wird einem dann das HB rausgezogen, wenn es über zwölf ist, weil der Richtwert bei Nierenpatienten  nur zwölf ist? Manchmal denke ich auch, dass diese Erypo-Präparate  wie Aranesp  oder Epo  oder Neorecommon recht teuer sind, und daher wollen die das HB möglichst niedrig halten. Aber  bei  mir lag es ja am Eisen. Was nützt denn  die Anregung der Blutbildung mit Epo und Co., wenn  kein Eisen da ist?  Ich überlegte schon, mir Kräuter Blutsaft aus der Apotheke zu holen, doch dachte ich, dann ist mein Eisenwert  wieder gut, und die wissen nicht, dass ich was genommen habe, und denken, ich hätte kein Problem, und ich bekomme dann kein Eisen mehr verschrieben. Bei meiner Indikation kriege ich nämlich das Eisen auf Rezept, denn Eisenmangel gehört zu einer Niereninsuffizienz dazu.

 

Somit rief ich noch einmal in der nephrologischen Ambulanz an und bat sie, dem Arzt zusätzlich zu dem Fax, dass ich Ihnen mit den aktuellen Werten der Hausärztin geschickt hatte, auch die Eisenwerte vom Schlaflabor vorzulegen, um ihn zu bitten, mir ein Eisenpräparat zu verordnen. Sie schauten noch nach, ob denn die Blutwerte vom Schlaflabor bei  ihnen vorhanden sein, dann würden sie sie dem Arzt  mit vorlegen. Nach einer Weile kam dann ein Anruf, nein, der Arzt hätte gemeint, ich bräuchte noch kein Eisen. Ich fragte nach, ob sie denn auch die Eisenwerte aus dem Schlaflabor dem Arzt mit dem Laborbefund der Hausärztin gezeigt hätten, oder ob er nur das aktuelle Laborblatt der Hausärztin gesehen hätte. Da fragte mich die Sprechstundenhilfe, "ja, hätte ich denn das mit vorlegen sollen?"   Ich blieb ruhig und meinte, ja, wir hatten doch noch extra nachgeschaut, ob sie den Befund vom Schlaflabor haben. Wir fanden dann heraus, dass er bereits vom 5. Februar war, wo das HB allerdings noch bei 10,3 war. Mittlerweile war es bei 9,8. Und da wundert man sich, dass man nach einer Grippe nicht mehr auf die Beine kommt. Nach einer Weile rief sie dann wieder an und meinte, der Arzt hätte nun zugestimmt, ich würde ein Eisenpräparat kriegen. Während ich krank war, hatten wir es immer so gehalten, dass sie die Rezepte direkt an die Apotheke schicken, damit diese mir die Medikamente gleich vorbeibringen können. Denn diese nephrologische Ambulanz ist ziemlich weit weg von mir, und aufgrund meiner schlechten Mobilität schaffe ich es auch nicht, mit dem öffentlichen Nahverkehr dorthin zu kommen. Die Sprechstundenhilfe fragte noch, ob sie vorab das Fax mit dem Rezept schon mal an die Apotheke schicken sollte, damit die Apotheke das Medikament vorbestellen kann, doch ich meinte, nein, es eilt ja nicht. Auf  drei Tage  hin oder her kam  es jetzt  auch  nicht mehr an.  Wenn mir ein Medikament recht knapp zu Ende geht, dann bitte ich immer um ein Fax vor ab, damit die Apotheke schon mal bestellen kann, bis das Rezept dann per Post ankommt. Diesmal erschien mir dies nicht notwendig, denn ich dachte, auf einen Tag hin oder her kommt es nun mit dem Eisen auch nicht mehr an. Ich rief in der Apotheke an, um die Ankunft des Rezepts für das Eisen zu avisieren, und sie meinten, sobald das Rezept da sei, und sie das Eisen hätten, würden sie sich bei mir melden, dann könnte ich es abholen. Mittlerweile hatte ich es schon wieder geschafft, den Weg zur Apotheke zu bewältigen, war aber hinterher komplett außer Atem und kaputt, wenn ich zu Hause wieder ankam, obwohl die Apotheke wirklich nur um die Ecke war. Ich war schon froh, dass ich mich immerhin schon wieder anziehen und ein bisschen rausgehen konnte. Während meiner Grippe hat mich dann meine Spanierin immer zu Hause besucht, denn ich konnte ja nicht zu ihr kommen, und wir saßen dann bei mir in der Küche und machten Spanisch und übten Deutsch. Dann kam meine Assistentin, nahm die Bestellung für den Einkauf entgegen und brachte dann später die Sachen.  Bald  darauf war ich auch schon wieder in der Lage, zu Carmen zu fahren.

 

Ich ahnte schon, dass das mit dem Rezept und der Apotheke wahrscheinlich nicht geklappt hat, und so hatte ich keine Kraft mehr, nach all diesem Kampf, das Rezept  überhaupt  durchzuboxen, jetzt schon wieder in der Apotheke anzurufen und nachzuharken. Somit schrieb ich eine Mail an meine Betreuerin und bat sie, dass für mich zu übernehmen. Tatsächlich rief sie mich dann an und sagte mir, dass leider die Apotheke kein Rezept erhalten hatte. Ich war total verzweifelt, obwohl ich mir so etwas schon gedacht hatte. Die Betreuerin hatte erst am Nachmittag in der nephrologischen Ambulanz anrufen können, und da waren die Sprechstundenhilfen schon weg. Am nächsten Tag sei sie nicht in ihrem Büro, sie könne also lediglich ein Fax an die nephrologische Ambulanz schicken mit der Bitte, mir doch das  versprochene Rezept über  Ferrosanol  duodenal auszustellen, und dass sie dieses Rezept wie  besprochen bitte direkt an die Apotheke schicken sollten. DAS hatte ich ja alles auch schon gemacht, ich hatte mir eigentlich gewünscht, dass sie einfach der Sache noch mal nachgeht und anruft und so lange dran bleibt, bis es klappt. Ich schrieb an Facebook und war total verzweifelt und fragte nach, ob mir jemand helfen könnte, und ich sei wirklich am Ende, ich hätte einfach keine Kraft mehr, jetzt schon wieder einem meiner 15  Medikamente nachzulaufen und schon wieder und wieder irgendwo anzurufen. Lediglich eine gleich Betroffene hat sich dann ziemlich wütend gemeldet und gemeint, ich solle doch bitteschön meinen Arsch heben und mich in ein Taxi setzen und gefälligst dieses Rezept dort selber abholen. Ich schrieb ihr dann zurück, wenn Du mir das Taxi zahlst, mache ich das. Denn nur, um ein Rezept abzuholen, bekomme ich keinen Transportschein von der Kasse, und über den Bezirk darf man keine Krankenfahrten machen. Mir hat zwei jetzt jemand gesagt, dass dies unter Bürokratie fällt, wenn man nur ein Rezept abholt, aber mir war das dann etwas zu riskant. Außerdem hat mich diese Art geärgert, mich dermaßen ohne jedes  Mitgefühl  und Verständnis aufrütteln zu wollen, als sei ich einfach nur passiv und würde jammernd in der Ecke hocken und  meinen  Hintern  nicht  hochbekommen. Ich schrieb außerdem, Du kennst ja gar nicht die Vorgeschichte, Du weißt ja gar nicht, wie viel ich jetzt schon gekämpft habe. Einige nette und liebe Kommentare kamen auch, wie können wir Dir helfen, ich bin leider kilometerweit weg, meine Ärztin kann Dir das Rezept ausstellen usw. Hauptsächlich kamen aber lauter solche Ratschläge wie, ruf halt noch mal dort an, und als ich dann sagte, ich bin wirklich fertig, ich schaff das nicht mehr, wurde mir dann auch gleich zu einem Psychologen geraten. Als ich meinte, das sei kein Fall für einen Psychologen, schließlich geht es hier um Entlastung, und ich habe einfach manchmal die Arbeit von einer Mutter mit Drillingen, das ist kein seelisches Problem oder eine Frage von Depressionen, ich  sei  einfach  ausgebrannt, aber dann hieß es nur, ich würde mich bemitleiden und nach Mitleid suchen, und ich wolle nur, dass die anderen mich bedauern. Ich möchte einfach nur, dass die schwere meiner Situation endlich mal gesehen wird, und dass jemand auch mal sieht, wie sehr ich kämpfe, und dass es manchmal einfach nicht mehr geht, und ich daher Hilfe brauche. So einfach, wie manche Leute denken, man bräuchte doch einfach nur in die Apotheke zu gehen, warum stellt die sich so an, ist es manchmal nicht.

 

Irgendwann hatte ich dann doch die Kraft, noch mal in der nephrologischen Ambulanz anzurufen. Denn ich hatte auch Angst, dass ich denen auf die Nerven gehe, und dass ich irgendwann dort als schwierige Patientin gelte. Tatsächlich hatte sich herausgestellt, dass es der Teufel wollte, und das Rezept bei der Apotheke nicht angekommen war. Auf das Fax meiner Betreuerin hin haben sie also eine Zweitschrift an die Apotheke gesendet. Als ich darum bat, dieses Mal nun doch lieber ein Fax vorab an die Apotheke zu senden, meinte aber die Sprechstundenhilfe, jetzt sei das Original schon im Umschlag und auf dem Weg, jetzt können sie es nicht mehr faxen. Sie gab mir aber Packungsgröße, Dosierung, Namen und Firma und Darreichungsform des Medikaments durch, sodass ich alles vorab der Apotheke telefonisch durchgeben konnte. Das Präparat habe ich dann noch am Abend erhalten. Ob die nun das Original mittlerweile gekriegt haben, ist mir egal, nicht, dass mich das nicht kümmern würde, aber meine Kraft reicht auch nur bis hierhin. Wenn die es nicht bekommen haben, werden die sich schon noch mal melden. Auffällig war halt nur, dass die Nierenambulanz schon  mindestens zwei oder drei Mal nachfragte, ob es immer noch dieselbe Apotheke sei, und ich erklärte ihnen schon zum  gefühlten  zehnten  Mal, da ich ja mittlerweile umgezogen bin, dass ich jetzt bei einer anderen Apotheke bin. Die Adresse hatte ich Ihnen auch schon mehrfach durchgegeben. Und dabei muss man natürlich immer noch ruhig, geduldig und gelassen bleiben, sonst gilt man gleich als Querulant oder als Stinkstiefel.

 

Ich wollte eigentlich alles nach meiner Grippe etwas langsamer angehen lassen, aber ich wurde wieder voll in den Stress hineingeworfen. Ich war schon wieder auf Veranstaltungen und Vorträgen, ich bin froh, dass ich wieder so weit hergestellt bin, dass alles wieder klappt. Meine Ergotherapie und Physiotherapie musste ich in der Zeit absagen  und daher verschieben, sodass ich noch 4 Stunden übrig hatte. Leider haben wir es nicht mehr geschafft, einen Termin für beide Therapieformen hintereinander zu kriegen, damit ich mir den Weg mit dem Taxi das eine Mal spare und alles in einem Aufwasch machen kann. Ich entschied also, die letzten vier Termine für die Physiotherapie sausen zu lassen und nur noch die Ergotherapie wahrzunehmen. Ich sagte, mir sei das sonst zu viel, und die Rezeptionistin meinte, vielleicht ist das auch insgesamt zu viel für sie. Wir haben dann also die letzten vier Termine für die Ergotherapie noch ausgemacht, und jetzt habe ich auch noch die Nachricht erhalten, dass meine Ergotherapeutin, an die ich mich so gewöhnt habe, mit der ich eine gute Bindung aufgebaut habe, nun in Mutterschutz geht. Somit ist die Entscheidung, ob ich mit der Ergotherapie noch weiter mache oder nicht, so gut wie gefallen. Normalerweise muss man nämlich nach einer bestimmten Stundenzahl eine Pause von drei Monaten einlegen, ehe man wieder weitermachen darf. Daher musste ich mehrmals dahinter her sein, dass sie das Kreuz auf dem Rezept für außerhalb des Regel falls an der richtigen Stelle machen, und dann bei Korrektur das Fax noch einmal an das Rehabilitationszentrum senden, um nahtlos weitermachen zu können. Denn ich fürchtete, eine zu lange Pause würde mich in meinen Fertigkeiten wieder zurückwerfen. Jetzt aber denke ich, eine Pause kann mir nicht schaden, ich habe sowieso immer so viel um die Ohren, meine Therapeutin ist nicht mehr da, und ich muss mit Physiotherapie sowieso noch vorsichtig sein und langsam  tun, somit fällt beides flach, und da tut eine Pause auch mal ganz gut zur  beginnenden  Ferienzeit  im Frühling  und Sommer. Das erspart mir dann wieder die Lauferei nach weiteren Rezepten.

 

Den Beförderungsschein zu diesem Rehabilitationszentrum hätte ich nämlich am 3.  April schon holen müssen, da ich an  diesem Tag schon einen Termin gehabt hätte, der aber ausfiel. Normalerweise darf man ohne einen Beförderungsschein in Händen überhaupt nicht mit dem Taxi eine Krankenfahrt machen, somit hätte ich noch gar nicht fahren dürfen, da meine Hausärztin erst um 10:00 Uhr aufmacht, die Ergotherapie aber schon um 9:45 Uhr gewesen wäre. Ich habe aber zum Glück einen kulanten Taxifahrer, der Chef  des  Taxiunternehmens entschied, dass wir das Rezept auf der Rückfahrt von der Ergotherapie schnell abholen. Diesen Schlenker zu meiner Hausärztin hätte ich mir eigentlich auch mit einem Transportschein von der Hausärztin genehmigen lassen müssen, aber nur, um einen Beförderungsschein abzuholen, bekommt man keinen Transportschein. Das wäre dann ein Antrag auf den Antrag eines Antragformulars. Daher hat er entschieden, diesen kleinen Umweg jetzt mal so zu machen. Das Problem hat sich aber zum Glück in Wohlgefallen aufgelöst, da meine Therapeutin krank war, und ich sowieso nicht hin konnte.

 

So kann ich auch mit Kranksein einen ganzen Arbeitstag ausfüllen. Entweder ich liege im Bett, oder ich renne irgendwelchen Formularen wegen meiner Erkrankungen hinterher. Zum glück  bin  ich jetzt wieder  auf.  Und dann gibt es noch die Beschäftigung, meinen Rezepten hinterher zu jagen. Eines habe ich aber gelernt, jedwede Sicherheitsvorkehrung, die nur irgendwie zu treffen ist, muss getroffen werden. Das nächste Mal werde ich immer ein Fax vorab schicken lassen, egal, ob es notwendig ist oder nicht. Meine Betreuerin hat jetzt zumindest schon mal veranlasst, dass meine Überweisung an die nephrologische Ambulanz von meiner Hausärztin dorthin gefaxt wird, obwohl der Termin erst am 18. April ist. So  konnte ich mir den Beförderungsschein und die Überweisung im Original und noch ein Rezept bei der Hausärztin  in Ruhe abholen.

 

Zum Glück bin ich dann doch nicht bettlägerig geworden, aber ich hatte berechtigte Ängste, schließlich hatte ich früher schon einmal das Pfeiffer'sche Drüsenfieber, und da hatte ich alle vier Wochen einen Schub mit Erkältungen, sodass ich über mehrere Jahre hinweg dauernd krank war, und heute habe ich noch Gelenkschmerzen und Muskelprobleme davon, und ich werde bei Anstrengungen wesentlich schneller krank, weil wahrscheinlich noch dieses persistente Virus sich irgendwo versteckt  und  bei  geschwächtem  Immunsystem  dann  gleich arbeitet. Es war zwar jetzt nicht erhöht, und auch nicht das CMV, aber seitdem ich das EBV hatte, bin ich laufend krank. Ganz langsam habe ich dann auch immer mehr machen können, und jetzt merke ich so gut wie gar nichts mehr  von der Grippe . Ob es tatsächlich die Influenza war, da der Impfstoff dieses Jahr nicht ganz so gut gepasst hat, oder ob es ein fieser grippaler Infekt war, der mich so lange lahmgelegt hat, weiß ich nicht. Meine Hausärztin meinte, diesesmal würde es bei allen drei mal so lange dauern. Das hat mich dann irgendwie beruhigt, da ich wusste, wenn es normalerweise zwei Wochen dauert, darf es jetzt auch wirklich etwas länger dauern, es liegt also nicht an meiner Niere, aber bei meiner Konstitution dauert es dann wahrscheinlich länger als bei einem gesunden Menschen, was also dann nicht unbedingt gleich bedeutet, dass meine gesamte körperliche Verfassung für immer so schlecht bleiben würde. Endlich ist es überstanden, die Grippe ist wieder im Abzug, manchmal habe ich noch das Gefühl, es kommt wieder was, ich brüte wieder was aus, aber solange ich es nicht übertreibe mit dem mich Bewegen, und solange ich nicht zu viel mache, bleibe ich konditionell gesund, also bedingt gesund, abgesehen von meiner Grunderkrankung.

Sonntag, 7. Januar 2018

Vorhang auf für das neue Jahr


Letztes Jahr habe ich als Krönung meines Umzugs meine Vorhänge bekommen. Das war wirklich der krönende Abschluss, und die Vorhänge sind wunderschön. Sie sind in dunklem orange gehalten und gehen von der Decke bis zum Boden. Ich habe 3 m hohe Decken. Ich wollte Vorhänge, die ganz zu zuziehen sind und keine Schals. Denn im Sommer, wenn Sehende bei mir sind und einmal fernsehen möchten, können Sie einfach den Vorhang zu ziehen. Im Winter empfiehlt sich dies nicht, denn dann würde man die Heizung verdecken. Daher habe ich meinem Besuch immer eingeschärft, erst dann die Vorhänge zu zuziehen, wenn man nach Mitternacht ins Bett geht, denn da schaltet die Heizung herunter. Dann muss man auch nicht mehr an die Rollläden, das ist wesentlich einfacher. Da der Fernseher über Eck steht, kommt man nicht direkt an den Vorhang, sodass wir Schleuderstäbe kaufen mussten. Ich wollte Geld sparen, und da ich im Baumarkt sowieso noch einige Dinge brauchte, fuhren wir dorthin. Dort hatten sie nur Schleuderstäbe von 1 m 25. Ich dachte, wenn die Decken 3 m hoch sind, müsste ich bis auf 1,75 m greifen können, um die Vorhänge zu schließen oder zu öffnen. Somit fuhren wir in ein Gardinengeschäft in der Hoffnung, dort hätten sie vielleicht längere Modelle. Genau das Gegenteil war der Fall, dort hatten sie nur noch kürzere. Da ich noch etwas im Baumarkt vergessen hatte, fuhren wir noch einmal zum Baumarkt zurück, um dann diese Schleuderstangen zu kaufen. Wir waren überrascht, dass die Schleuderstäbe von 1,25 m doch niedrig genug waren, dass ich sie mit meinen 1,56 m leicht erreichen kann. Die Gardinen haben ebenfalls Schleuderstäbe, denn auf einer Seite möchte ich lüften können. Da möchte ich schon die Gardine zurückziehen, damit sie sich beim Öffnen und Schließen des Fensters nicht jedes Mal ein zwickt. Das Fenster kann ich nur bis zum Fernseher öffnen, und wenn der Wind geht, würde der Flügel des Fensters dauernd gegen den Fernseher schlagen. In der Mitte der beiden Fenster habe ich bewusst keinen Vorhang gemacht, denn das würde das Zimmer erdrücken, und so wirkt es, als sei es ein einziges großes breites Fenster. Hätte man in die Mitte noch einen Vorhang gemacht, würden sich beide Fenster lang und schmal in die Höhe ziehen. Auf der anderen Seite habe ich nur Pflanzen, da habe ich bewusst verhindert, dass man den Fensterflügel öffnen kann, denn bei geöffnetem Fenster würde ich mich laufend stoßen oder gar aus dem Fenster fallen. Nun haben wir beschlossen, dass ich eine Wandhalterung für den Fernseher brauche, damit ich ihn, wenn ich das Fenster öffne, bequem zurückschieben kann. Allerdings befürworte ich eher eine Halterung, die man an das Tischchen des Fernsehers montieren kann, so das ich den Tisch ganz und gar in die Ecke schiebe, und bei Bedarf nur den Fernseher vorziehe, der an einer Halterung an einem Schwenkarm angebracht ist. Ich habe ihn schon einmal fast hinuntergeworfen, als ich einen kleinen Wagen mit Blumen beiseite schob, und sich dieser im Fernseher verhakt hatte. Dann fiel beinahe der Fernseher herunter, und als ich den gerade noch gerettet hatte, krachte fast das Wägelchen mit den Blumen zusammen, sodass ich den großen Blumentopf mit der Yucca Palme gerade noch festhalten und auf den Boden stellen konnte. Das war, kurz bevor ich fortgehen wollte und noch einmal die Fenster zum Lüften öffnen musste. Es kam mir vor, als sei ein Poltergeist in der Wohnung, da eines nach dem anderen zusammenfiel. Leider sind ja meine Wände aus Sandstein, so das eine Wandhalterung eines Fernsehers nicht möglich ist. Aber wir können ihn entweder an dem Fernsehtischchen befestigen oder an einem Brett an einem Regal. Zumindest sieht es jetzt wunderschön aus, und es halt auch nicht mehr so, auch die Stereoanlage und der Fernseher haben einen wesentlich besseren Klang. Insgesamt fühlt es sich jetzt viel gemütlicher an. Da das ganze Zimmer in Erdtönen gehalten ist, passen die Vorhänge wunderbar dazu. Schade, dass ich durch das Augenflimmern oft Farbschleier vor den Augen habe und daher die schönen Vorhänge gar nicht immer wirklich sehen kann. Aber ich bin gut beraten worden. Wir waren gerade dabei, die zweite Sorte Plätzchen zu backen, als der Mann kam, der sie montierte. Die ganze Angelegenheit war nicht billig, denn wir mussten noch eine zweiläufige Schiene an der Decke anbringen lassen, die Gardinen und die Vorhänge, deren Stoff natürlich auch nicht gerade günstig war, mussten ja genäht werden, und es wurde schließlich  auch viel Material gebraucht, da ja die Übervorhänge sehr lang sind. Die Gardinen wollte ich nur bis über die Fensterbank haben und nicht bis zum Boden. Das hätte nicht gut ausgesehen, da dahinter genau die Heizkörper sind.

 

So schön wie das alte Jahr aufgehört hatte, so blöd fing das neue Jahr an. Wir waren auf einem Festival und mussten von einer Spielstätte zu anderen Rennen, da wir den Weg nicht wussten und uns erst einmal durch fragen mussten, bis wir die verschiedenen Veranstaltungen besuchen konnten. Mein Bekannter hatte kein Geld dabei, und ich hatte gerade noch zehn Euro, da ich immer noch viel in der Wohnung machen muss und daher sparen muss. Somit konnten wir nicht mal einen Sekt kaufen, und wir saßen irgendwo und warteten auf den Beginn eines Konzerts, da die Dachterrasse schon überfüllt war, und der Sicherheitsdienst keinen mehr rauf ließ. Als das neue Jahr anfing, gab mir mein Bekannter lediglich förmlich die Hand und meinte, ich wünsche Dir alles, was Du Dir selbst wünscht. Ich hätte mir den Beginn des neuen Jahres wirklich etwas herzlicher vorgestellt. Danach sind wir dann nach Hause gelaufen, das war ein schöner Spaziergang.

 

Am 2. Januar ging der Ärger schon los, besser gesagt am ersten, um eine Assistenz zu finden, die mit mir am zweiten einkauft, und dann musste ich ja, wie in dem anderen Blogeintrag bereits beschrieben, diese ganzen Angelegenheiten mit Überweisungen und Rezepten regeln.

 

Das ging dann gerade so weiter, denn ich bekam zwar beim Nierenarzt mein Rezept für das Medikament, aber für die Ergotherapie und Physiotherapie, deren Rezepte an das Behandlungszentrum gefaxt wurden, hieß es, das Kontingent sei ausgeschöpft, ich müsste eine Pause machen, die Ärzte hätten ein Kreuzchen bei dem Vermerk außerhalb des Regel falls machen müssen. Jetzt müssen wir hier noch einmal zur Ärztin laufen und alles klären. Es hört einfach nicht auf.

 

Dann hatte ich noch Ärger mit einem Bekannten, der sich fürchterlich aufgeregt hat, weil ich ihm eine Fernsehsendung nicht aufgenommen hatte. Denn sein Gastgeber bekommt bestimmte Programme nicht, und ich wusste nicht, dass dies bedeutet, dass ich das aufzunehmen habe. Nun würde er drei Jahre warten müssen, bis diese Sendung wiederholt wird, und bis dahin würde er doch gar nicht mehr leben. Ich sei seine letzte Hoffnung gewesen, nachdem ein anderer die Aufnahme schon  verpeilt hätte. Ich dachte schon, es ginge um eine Knochenmarkspende oder um  eine Herztransplantation. So eine Szene hatten wir vor ein paar Jahren schon einmal, als ich eine Aufnahme versehentlich gelöscht hatte, die er unbedingt haben wollte, und er fürchterlich am Telefon getobt hatte. Ich dachte, dieses Jahr fängt wirklich gut an. Mittlerweile habe ich aber einen Link zu einer allgemeinen Mediathek gefunden, wo selbst ich bequem eine Sendung nach hören kann, wenn ich sie wirklich einmal verpasst habe. Diesen habe ich jetzt auch an meinen Bekannten weitergegeben, damit ist jetzt sein Leben gerettet.

 

Zu allem Überfluss wollte dann auch noch meine Stereoanlage den Geist aufgeben.

 Während des Umzugs ist sie heruntergefallen. Über diesen turbulenten Umzug hatte ich ja berichtet, wir wollten eigentlich genau dies vermeiden, daher hatten wir die Stereoanlage selbst rüber gebracht und in der Umzugskiste ins Regal gestellt. Sie rutschte aber immer weiter nach vorn, und ich reagierte zu spät, und als oben jemand ziemlich heftig über den Boden rannte, rutschte sie ganz und gar herunter und knallte direkt auf die Vorderfront. Dabei wurden die Eingangswahltasten des Verstärker so zusammengedrückt, als hätte die Stereoanlage jetzt ein schiefes Gebiss. Gestern drückte ich dann auf den Knopf für die Eingangswahl für Kassette, und als ich dann etwas anderes hören wollte, klemmte dieser Knopf. Somit war der Monitor eingeschalten, sozusagen die Hinterbandkontrolle, und man konnte alle anderen Eingänge nicht mehr auswählen. Die Taste klemmte, und ich rief in meiner Verzweiflung einen Bekannten vom Tauschring an, der mir während des Umzugs ziemlich viel mit der Einrichtung von elektronischen Dingen geholfen hatte. Ich hatte mein ganzes Kontingent an Tauschring Stunden bereits erschöpft. Er kam aber trotzdem, ich dachte, er wüsste das, würde aber dennoch kommen. Als er kam, zog er erst einmal die kaputte Taste etwas heraus, und dann ging es wieder. Dann nahm er die ganze Stereoanlage, bzw. den Verstärker, baute ihn auseinander, zerlegte ihn und schweißte einige Tasten wieder an. Dann baute er alles ordnungsgemäß wieder zusammen, nachdem er auch noch alles mit dem Handstaubsauger gereinigt hatte. Wir holten dann Nagellackentferner mit Aceton und reinigten auch die Blende, so dass die Stereoanlage jetzt wieder aussieht wie neu. Sie funktioniert auch wieder, zum Glück. Das hätte man schon längst mal tun sollen, aber es wäre ziemlich teuer gewesen, dies in einem Radiogeschäft zu machen. Eine meiner Helferinnen schlug daher vor, einfach einen neuen Verstärker gebraucht zu kaufen, denselben, den ich schon habe. Den gäbe es bei eBay für 60 EUR. Daher war ich auch nicht sonderlich verängstigt, ob die Sache nun klappt oder nicht, da ich immer im Hinterkopf hatte, notfalls gibt es halt für 60,00 EUR einen neuen. Aber er hat es geschafft. Als ich im Geld geben wollte, meinte er, er nimmt prinzipiell kein Geld. Ich sagte ihm, dass ich ja keine Stunden mehr hätte, ich hoffe, dass er das vorher wusste, denn das ist bei uns öffentlich angegeben. Sonst wäre er in dem Glauben gekommen, Stunden zu kriegen und hätte keine erhalten. Ich hatte mir schon überlegt, wie viel Geld ich ihm geben würde, aber er wollte ja keines. Das war mir dann unangenehm, denn ich konnte ihm ja vom Tauschring keine Stunden mehr geben. Ich hoffe, mir wird noch irgendetwas einfallen, dass ich ihm eine Freude machen kann. Auf jeden Fall bin ich froh, dass die Sache geregelt ist. Einige Dinge sind jetzt anders mit dieser Anlage, und ich hatte wohl einiges auch vergessen. Früher habe ich noch besser gesehen, hatte ein besseres Gedächtnis und ein besseres Verständnis. Er versuchte, mir noch einmal die Tasten zu erklären, die ich mittlerweile vergessen hatte, deren Bezeichnung ich nicht mehr lesen kann, und bei deren Bedienung ich mich aufgrund meiner Probleme mit dem Verständnis auch schwertue. Mittlerweile habe ich kapiert, was ein Monitor ist, und dass eigentlich dieser dazu da ist, damit man kontrollieren kann, ob eine Aufnahme funktioniert. Daher könnte man rein theoretisch den Kopfhörerausgang des Kassettendecks benutzen, um bei eingeschaltetem Monitor alle anderen Eingänge abzuhören. Außerdem steckte früher alles, was in einen Hilfseingang gehört, auf dem Wahlschalter Tape zwei, der unsinnigerweise links ist, und Tape eins ist rechts daneben . Daher kam ich total durcheinander, da ich das nicht mehr im Display lesen kann und vergessen hatte. Nun musste ich mir die Tastenbelegung noch einmal ganz neu merken, und außerdem hab ich jetzt verstanden, dass ganz früher alles, was von außen kam, wie zu Beispiel Bluetooth oder Dinge, die ich an einem Klinkenstecker gesteckt hatte, immer am Monitor gehangen hatte, und deshalb konnte man es nur hören, wenn man dieses kleine Zeichen mit dem Kästchen auf den Bildschirm sah. Ich dachte, das sei einfach nur die Eingangswahl für den ersten Schalter, und das Zeichen würde nur bedeuten, dass da einfach kein Tapedeck dranhängt sondern irgendwas anderes. Ich musste schon immer ein zweites Mal draufdrücken, damit das Kästchen weg war, und ich stellte nur fest, als ich noch besser sah, dass alle anderen Geräte , die  gerade ausgewählt waren, zwar  angezeigt wurden, und dennoch dieses Kästchen zu sehen war, und man halt dann nur die  Sachen  vom  Klinkenstecker hören konnte. Dem Maß ich aber keine Bedeutung zu, jetzt weiß ich, dass es lediglich der Monitor war, der alles andere stumm geschaltet hatte. Da aber an diesem Monitor immer die Sachen  vom Klinkenstecker wie Bluetooth, Walkman etc. hingen, war mir das nie klar. Ich fand das alles ziemlich verwirrend, zumal Tape eins der zweite Schalter ist und umgekehrt. Somit werde ich nachher noch etwas damit üben, um noch  besser rauszufinden, welche Funktionen man mit w e lcher Taste erzielen kann. Früher konnte man zum Beispiel auch den Hauptschalter ausschalten, wobei sich dann das Doppeltapedeck automatisch mit ausschaltete. Das geht jetzt leider nicht mehr. Warum, weiß ich nicht. Früher konnte man auch einfach ein Gerät einschalten, und am Verstärker veränderte sich die Eingangswahl automatisch, jetzt muss ich das von Hand machen. Es geht nur noch beim CD Player, bei allen anderen Geräten muss ich es selber wählen. Das ist aber kein Problem, die Hauptsache, alles funktioniert. Es war mir nur einfach ein Rätsel. Jetzt kann man zum Beispiel das Radio einschalten und gleichzeitig das Kassettendeck, und beides spielt gleichzeitig. Wenn ich früher das Radio einschaltete und dann die Kassette einschaltete, schaltete das Radio automatisch ab. Seitdem das Kassettendeck jetzt nicht mehr an der zwei sondern an der eins hängt, ist es auch wesentlich lauter. Wenn ich es noch direkt einschalte, ohne, dass ich vorher eine Eingangswahl getroffen habe, geht es zwar noch an, aber es ist auch wesentlich leiser. Dies sind alles merkwürdige Rätsel. Das Kuriose ist aberfolgendes:  Ich habe die Stereoanlage mit dem Fernseher verbunden. Dabei ist eine weiche am Ausgang des Kopfhörers des Fernsehers. In einem Schenkel steckt ein paar Computerlautsprecher mit Bass, damit der Fernseher nicht so flach klingt wie er aussieht. Am anderen Schenkel ist das Kabel, welches direkt zur Stereoanlage geht, damit ich den Fernseher auch mal über die Stereoanlage laufen lassen kann. Wenn ich jetzt in die Stereoanlage eine CD einlege, kommt die Musik nicht nur aus den Boxen sondern auch aus dem Computerlautsprecher am Fernseher. Das Signal gehta also auch  in die andere Richtung. Ich vermute mal, dass das Geräusch einfach durchgeschleift wird. Außerdem habe ich einen Bluetooth Sender an der Stereoanlage, damit ich alles in die Küche senden kann. Ich habe aber auch einen Bluetooth Empfänger an der Stereoanlage, damit ich Sachen, die ich auf dem Handy habe, auf der Stereoanlage hören kann. Ich hatte nicht gewusst, dass ich diesen Empfänger ausschalten muss, ich hatte es zwar vermutet, aber man sagte mir, das macht nichts, den kann man anlassen. Auf einmal fing es an, furchtbar zu Hallen, und der Hall wurde lauter und lauter und lauter und schwoll immer mehr an. Bis ich festgestellt habe, dass es koppelt, der Sender von der Stereoanlage sendet nicht in die Küche, sondern er sendet direkt an den Empfänger, und dieser spielt es dann über die Stereoanlage ab, was dann wieder über den Sender geht, der dann wieder an den Empfänger sendet, sodass sich alles im Kreise dreht und immer weiter koppelt und koppelt. Dies ist auch ein kurioses Phänomen. Als ich dann auch noch diesen Bluetooth Empfänger an das Stromnetz angeschlossen hatte, hatte ich laufend das Phänomen, dass der Kopfhörerausgang an der Kabel-Fernbedienung der Computerboxen unter Strom stand. Oder wenn ich die 3,5  Klinke der Computerboxen an den Schenkel der weiche am Kopfhörerausgang vom Fernseher stecken wollte, bekam ich eine gewischt. Somit ist der Strom durch den Bluetooth Empfänger in die weiche gegangen, die an der Stereoanlage hängt, denn ich habe dort zwei Dinge, zum einen den Bluetooth Empfänger und zum anderen das Kabel, das zum Fernseher führt. Somit ging der Strom also über diese weiche wieder an das Kabel vom Fernseher zurück und wurde dann über die weiche am Fernseher zu dem Computerlautsprecher durchgeschleift. Jetzt lasse ich den Bluetooth Empfänger ganz ausgesteckt, wenn ich ihn nicht brauche, so hängt er weder an der weiche der Stereoanlage, um dort zu empfangen, noch ist er an den Stromkreis angeschlossen.

 

Das neue Jahr fing auch insofern blöd an, dass ich mit meiner Betreuerin eine Debatte darüber hatte, inwieweit Ausnahmeregelungen machbar sind oder nicht. Ich hatte nämlich überlegt, ob wir an den medizinischen Dienst der Krankenkassen herantreten sollten, um anzufragen, ob ich meine Rezepte nicht direkt vom Hausarzt anstatt immer vom Nephrologen kriegen kann. Da meinte sie, da könnte ja jeder kommen, wo ist dann die Grenze, dann würde auch ein gehbehinderter sagen, mir fällt es schwer, zum Hausarzt zu gehen und dort erst die Überweisung für den Nephrologen zu holen usw. Wäre ich jetzt gehbehindert, würde ich mir ein Liegerad oder ein Fahrrad für Behinderte anschaffen, oder ich würde einen Führerschein machen. D.h. nicht, dass gehbehinderte es besser haben, aber in dieser Hinsicht halt schon. Dafür haben wir vielleicht in der Freizeit wieder mehr Möglichkeiten. Aber ich finde diesen Kindergarten, wenn der eine etwas will, dann kommt der andere auch, ziemlich blöd. Ich sagte ihr, jeder blinde mit Krückstock von hinten sieht, dass wer wenn nicht ich eine Ausnahme brauche, da ich mir wirklich extremschwertue, und meine Situation extrem komplex ist. Sie fragte, wo ist dann die Grenze, und ich sagte ganz frech, bei mir. Ich glaube nicht, dass sich irgendjemand um das zweifelhafte Privileg reißt, seine Medikamente nicht beim Facharzt sondern direkt beim Hausarzt zu bekommen, wenn er dies nicht lebensnotwendig braucht und  mobil genug  ist,  sie  ohne größere  Umstände   und  mit gewährleisteter Kontinuität  zu bekommen. Wenn man so denken würde, hätte ich während meiner Schulzeit als blinde keine Zeitverlängerung bekommen, denn dann könnte ja jeder kommen, und ich hätte auch während des Studiums meine Klausuren und meine Prüfungen nicht auf dem Computer schreiben dürfen, denn da könnte ja auch jeder kommen. Ich glaube schon, dass jemand, der für ein paar Cent Verstand hat, ermessen kann, wem er so eine Ausnahme gewährt und wem nicht, und dies ist nun mal eine Ermessenssache. Dasselbe Problem hatte ich schon einmal, da ich vor meiner Transplantation zur Tafel ging. Das geht jetzt nicht mehr, denn dort bekommt man häufig Lebensmittel, die grenzwertig sind, und aus hygienischen Gründen darf jemand mit unterdrücktem Immunsystem dies besser nicht essen. Bei uns ist es so, dass man nicht jeden Tag dort hingehen kann, um günstige Lebensmittel zu kaufen, sondern man wird einer bestimmten Tafel zugeteilt, wobei man an festen Tagen immer zu unterschiedlichen rotierenden Uhrzeiten bestellt wird. Wenn man aber Assistenz braucht, ist dies nicht machbar, denn die Assistenz hat ja noch andere Kunden und  ist daher  nicht so flexibel, ihre Zeiten  nach  den Vorgaben der Tafel zu planen. Somit hatte ich vorgeschlagen, dass ich immer zu einer festen Zeit kommen kann, und dass ich gleich dran komme, damit ich mit der Assistenz nicht ewig lang warten muss, da diese ja nicht unbegrenzt Zeit hat. Da hieß es dann, dass kriegen sie niemals durch, denn da könnte ja jeder kommen, alle, die arbeitslos sind, sind doch irgendwie behindert, sonst hätten sie ja Arbeit. (Es sei hier mal angemerkt, dass deswegen nicht alle Menschen Arbeit haben, da nicht genügend Bereitschaft besteht, genügend bezahlte Arbeit zur Verfügung zu stellen, und daher der Selektionsdruck immer größer wird, und nur noch diejenigen Arbeit kriegen, die 100 % fit sind. Das bedeutet aber nicht, dass diejenigen, die keine Arbeit haben, deswegen per Definition behindert sind.) . Meine Helferin erzählte mir von einem Fall, wo eine Frau weder sitzen, liegen noch stehen kann, zumindest nicht sehr lange, und selbst die hätte eine Ausnahmeregelung nicht durchgekriegt, und ich würde das dann schon gar nicht durchbekommen. Ich rief daraufhin jemanden an, der im Behindertenrat ist, und der sprach mit dem Vorsitzenden der Tafel, und prompt erhielt ich diese Ausnahmeregelung. Als ich das dann meiner Helferin sagte, wurde ich nicht etwa gelobt, sondern dann hieß  es auf einmal, das war ja auch nicht schwer, das war ja klar, dass sie das durchkriegen. Als ich sie an den Fall erinnerte, dass nicht einmal die Frau, die weder sitzen, stehen noch liegen kann, dass geschafft hatte, und man  mich daher  sehr  entmutigt und mir keine Aussichten auf  Erfolg  gemacht hatte, meinte sie auf einmal, die hat sicher auch nicht sonderlich angestrengt. Dieses Beispiel erzählte ich meiner Betreuerin mit dem Hinweis, dass sehr wohl auch Ausnahmeregelungen gemacht werden, und das bei der Tafel alle mich entmutigt hatten, und ich es doch geschafft hätte, und dass ich es daher auch hier schaffen würde. Da meinte sie dann, ja, bei der Tafel, da ist das ja auch was anderes, das  ist ja auch  ein kleines Unternehmen  im Vergleich zum MdK. Ich verliere langsam wirklich die Achtung vor den Menschen, dass sie alles so drehen, wie sie es brauchen. Ich habe irgendwie wenig Solidarität in meinem Umfeld, die Pädagogen und Betreuer und all diese Leute könnten doch einfach mal sagen, ich sehe ein, dass sie das brauchen, und bei ihnen ist es wirklich nötig, wir sehen ja den Stress und den Ärger, den sie haben, ich kann Inen natürlich nicht versprechen, ob der medizinische Dienst das genauso sieht. Aber ich habe das Gefühl, dass diese Leute noch nicht einmal dahinter stehen. Ich habe dann auch selbst den Brief an den medizinischen Dienst formuliert und ihn an meine Betreuerin geschickt und sogar auch noch die Adresse herausgesucht, wo man den MDK kontaktieren kann.

 

Ich habe schon manchmal eine richtige Wut, dass die Leute nicht verstehen, dass ich nicht aus Mitleid lauter Ausnahmeregelungen will, weil ich zu allem zu faul bin, sondern dass dies eindeutig Nachteilsausgleiche sind, um mir die objektiv  sehr  komplexe Sache etwas zu erleichtern. Eigentlich sollte man das in meinem Fall schon einsehen, und es sollte einmal diese Unart aufhören, dass man immer behauptet, allen ginge es genauso, und dass alle Schwierigkeiten nivelliert und über einen Kamm gezogen werden. Es sind halt leider nun mal nicht alle Päckchen gleich groß. Wenn jemand neidisch ist, dass ich so gute Ausreden habe, wobei dies keine Ausreden sind, kann er gerne mit mir tauschen.

 

Mir hat jemand erzählt, es gäbe sogenannte Raunächte , und alles das, was in diesen Nächten vom 24. Dezember bis zum 6. Januar geschieht, würde einem übers Jahr hin geschehen. In der Esoterik steht ja immer irgendetwas für etwas anderes, die haben ja diese simplen Entsprechungen und Analogien . Somit steht jeder Tag für einen der zwölf Monate, und daher ist das eine Vorhersage, da sie ja in der Esoterik immer gerne alles vorhersagen, was im nächsten Jahr alles passiert. Wir saßen gemütlich beim Essen, und ich hab mal wieder dummerweise zugegeben, dass ich nicht weiß, was Raunächte sind. Da hat mein Tischnachbar sich dann natürlich wieder wie ein Geier auf mich gestürzt und geschrien, was, Du weißt nicht, was Raunächte sind? Bei mir ist das immer so, wenn ich zugebe, etwas nicht zu wissen, dass andere sich wie ein Geier darauf stürzen. Ich bin dann immer tot unglücklich, zum einen darüber, dass dies so ausgeschlachtet wird, und zum anderen, dass ich immer so blöd bin, das zuzugeben. Ich lebe halt einfach nicht in einer vertrauensvollen Umgebung, wo man sich einfach mal fallen lassen und etwas zugeben kann, was man nicht weiß. Bei mir wird das immer ganz besonders hämisch aufgenommen. Warum ich das auslöse, weiß ich nicht, aber ich weise hier die Verantwortung von mir. Zumindest denke ich mir, wenn das wirklich stimmt, dann erwartet mich kein sehr schönes Jahr. Das Jahr 2008 war fürchterlich, damals ist mein Kater überfahren worden, die erste Nasen-OP ist misslungen, ich hatte zwei Wasserschäden, aber ich hatte am Ende meinen ersten festen Freund. 2013 war auch so ein Jahr, wo so viele Pechsträhnen hintereinander aneinanderhingen, dass ich sogar einen Beitrag hier darüber gemacht hatte. Jetzt haben wir 2018, ich hoffe, dass hier keine so simplen Analogien wie bei der Esoterik vorkommen. Oder steht dann die acht wieder für irgendein komisches Symbol, was dann wieder dies oder jenes  bedeutet. Manchmal glaube ich schon, dass Zahlen eine gewisse Bedeutung haben. Die sieben ist bei mir immer eine Pechzahl, genauso wie die vier. Die fünf bringt mir immer mehr Glück, aber das kann auch reiner Zufall sein. Ich kann nur hoffen, dass dieses Jahr trotzdem ein schönes Jahr wird.

 

Vielleicht klappt das ja mit dem Film, aber ich hätte noch ein schönes anderes Projekt: ich habe mich immer für Disability Studies  interessiert, konnte aber aufgrund meiner Dialyse früher nie einen solchen Studiengang verfolgen, da ich ja nicht so flexibel war. Nun gibt es im September ein Seminar zu diesem Thema, und ich dachte mir, vielleicht kann ich ja doch noch irgendwie eine Arbeit darüber schreiben, wie komplexe Sprache, wie ich sie jetzt mal nenne, in leichte oder einfache Sprache übersetzt wird, was man hierbei beachten muss, wie dies in anderen Ländern, zum Beispiel im englischsprachigen Raum gehandhabt wird. Das würde mich reizen, vielleicht kann ich ja dann doch noch einmal mit irgendeiner Sache durchstarten. Das wäre toll. Vielleicht wird ja das ja doch noch ganz gut.

Mittwoch, 3. Januar 2018

Aus der Reihe Alltagsdramen, oder: Das geht doch allen so!


Anfang Dezember hatte ich einen Zahnarzttermin, da ich mir meine neue elektrische Zahnbürste genauer erklären lassen wollte. Als ich dort war, war ein junger Mann hinter dem Tresen, und ich dachte, weil er von den Sprechstundenhilfen eingewiesen wurde, dass er vielleicht neuer Sprechstundenhelfer werden würde. Ich hatte mal eine Praxis gesehen, wo dies der Fall war. Als der Zahnarzt ihm dann sagte, dass er mich einweisen sollte, bin ich schon erschrocken, aber er sollte mich lediglich in die Benutzung der elektrischen Zahnbürste einweisen. Ich war schon ganz enttäuscht, dass keine der Prophylaxehelferinnen mich in die Benutzung der elektrischen Zahnbürste einweisen würde. Geschlafen.  Er nahm mich dann bei der Hand und führte mich ins Behandlungszimmer, und ich fragte ihn, ob er denn der neue Lehrjunge sei. Er meinte, nein, er sei der neue Zahnarzt. Er wolle mal einen Tag hinter dem Tresen verbringen, um das zu lernen. Er sei seit November hier, der Chef hätte ihn  als neuen Kollegen dazu genommen. Das war mir dann sichtlich peinlich, aber er nahm es sportlich. Nachdem er mir dann alles gezeigt hatte, führte er mich sogar, wie es sein Kollege auch getan hatte, in das benachbarte Café, in dem ich dann immer auf das Taxi warte. Ich finde das total nett, gerade deshalb bin ich zu diesem Zahnarzt gegangen, weil er früher in einer anderen Praxis war und seine eigene nun eröffnet hat, und ich ihn schon dort so nett fand, dass ich ihm sozusagen gefolgt bin. Er meinte damals, er führt mich jetzt rüber, er hätte den besten Job, die Sprechstundenhilfen würden die Arbeiten machen, und er würde dann nur noch nachschauen müssen. Das fand ich total klasse. Sein junger Kollege war genauso drauf. Denn dort kaufe ich immer gute Sachen, und dann muss der Taxifahrer nicht so lange warten, bis ich mit dem Kauf von Brot, Kuchen und Plätzchen fertig bin. In der Zwischenzeit kann ich dann auch einen schönen Kaffee trinken. Ich schrieb also dem  Disponenten, dass ich schon in dem Café  säße und dort auf die Heimfahrt warten würde. Ich erhielt eine merkwürdige Nachricht über WhatsApp, dass eine gewisse Petra, Name geändert, keine Zeit hätte. Daraufhin rief ich ihn an, da meinte er, diese Nachricht sei nicht für mich bestimmt, es würde jemand geschickt werden. Nach einer Weile rief er dann an und bat mich, ein Taxi über die Zentrale zu nehmen, man könne nicht kommen, alles sei dicht. Eigentlich hatte ich einen Transportschein, aber jetzt musste ich eben erst einmal selbst zahlen, um dann das Geld wieder zu kriegen. Ich rief also bei der Zentrale an, aber leider rührte sich dort gar nichts. So rief ich nochmals bei dem Disponenten meines festen Unternehmens an, bei dem ich immer bin, und bat ihn, auf jeden Fall zu kommen, denn ich könnte ja bis 18:00 Uhr im Café sitzen bleiben. Eigentlich war ich um 17:00 Uhr mit einem Assistenten verabredet, um mit ihm Einkaufen zu gehen. Zuvor sollte er in einem anderen Geschäft die Zutaten für die Plätzchen kaufen, wobei ich ihm das Rezept bereits über WhatsApp zugeschickt hatte. Denn ich fürchtete, wenn wir jetzt einkaufen gingen, würde es dann die Zutaten vielleicht in meinem Laden wieder nicht geben. So schrieb ich ihm, dass er auch die anderen Lebensmittel alleine kaufen müsste, denn ich käme hier nicht weg und hinge fest. Er fragte mich, wo er denn jetzt mit der anderen Tüte hin solle, denn er hätte ja jetzt schon die  Zutaten für die Plätzchen eingekauft, und er könne diese ja nicht mit in den anderen Laden schleppen. Ich bat ihn, doch bei einem Nachbarn zu klingeln und die Tüte einfach vor meiner Wohnungstür abzustellen. Dies klappte aber nicht. Ich bat ihn, trotzdem für mich einkaufen zu gehen, denn ich konnte ja schließlich nichts machen und brauchte ja die Lebensmittel. Somit schrieben wir hin und her, welche Lebensmittel es denn sein mussten. Mittlerweile war es schon fast 18:00 Uhr, und irgendwann warf mich dann die Bäckerin hinaus, denn sie müsste den Laden schließen. So stand ich mitten auf der Straße, aber kein Taxi war in Sicht. Ich war völlig verzweifelt, und ich wusste nicht, was ich jetzt machen sollte. Ich rief nochmals an, aber es war besetzt. Dann rief eine andere Frau über ihr Handy bei der Zentrale an, und es hieß, ein Taxi würde bald kommen. Aber ich wartete vergebens. Ich hatte jetzt die Wahl, irgend jemanden nach dem Weg zur Haltestelle zu fragen und dort hinter der nächsten Ecke links ins Gebüsch gezerrt zu werden, per Anhalter nach Hause zu fahren oder zu erfrieren. Ich machte erst einmal meine Jacke fest zu, da ich um meine transplantierte Niere fürchtete, die ja noch ein paar Jahre halten sollte, und eine Blasenentzündung hätte ihr bestimmt nicht gut getan. Drinnen war immer noch Licht , die Bäckerin saugte fleißig Staub, aber ich musste draußen stehen. Ich wollte schon die Polizei rufen oder das Rote Kreuz, denn irgendwie hätte ich ja Heim gemusst. Mittlerweile hatte der Assistent alles eingekauft und wollte die Tüten abgeben. Das Geld hatte er mir zwischenzeitlich vorgestreckt. Ich bat ihn, doch noch mal bei einem anderen Nachbarn zu klingeln, denn meine Nachbarin sei alt, sie würde wahrscheinlich die Tür einfach nicht aufmachen, da normalerweise nur der Pflegedienst zu ihr kommt oder ihr Sohn. Er hatte das Glück, konnte einen Nachbarn erreichen, der die Türe öffnete, und er stellte alle Tüten inklusive tiefgekühltem Fisch neben meiner Wohnungstür ab. Das Geld würde er sich dann irgendwann später bei mir holen. Mandarinen hat er nicht gekriegt, die hätte es in dem Laden gegeben, wo er auch die Zutaten für die Plätzchen gekauft hat, normalerweise gibt es die immer in meinem Geschäft, wo ich sonst einkaufe, aber dieses Mal halt nicht. Ansonsten hatte er alles sogar extrem günstig bekommen. Ich war schon den Tränen nah und völlig am verzweifeln, als dann um 18:30 endlich das Taxi von der Zentrale kam. Ich rief dann meinen Disponenten an und sagte ihm, dass jetzt ein Taxi von der Zentrale käme, und ich sein Taxi nicht mehr bräuchte, denn ich müsste jetzt mit irgend einem Taxi nach Hause fahren, egal, welches kommt. Um 19:00 Uhr war ich endlich zu Hause, der Fisch war zum Glück immer noch genießbar, ich konnte ihn in die Tiefkühltruhe packen, er war noch nicht aufgetaut. Als ich später einen der Taxifahrer wieder traf, erklärte er mir, dass irgend ein Taxifahrer einen Bock geschossen hatte, und der Chef ziemlich sauer war, und daher dieses Chaos entstanden sei, und zusätzlich auch aufgrund unseres berühmten Weihnachtsmarktes leider kein anderes Taxi in der Zentrale verfügbar gewesen war, und die ganze Stadt dicht war. Somit kam eins zum anderen, deshalb war die lange Wartezeit entstanden. Ich war um 16:30 Uhr fertig gewesen und wurde um 18:30 Uhr abgeholt. Der Taxifahrer erzählte mir auch, als er um 19:00 Uhr zu der Bäckerei kam, brannte dort immer noch Licht. Sie hätte mich gut und gerne in den Laden sitzen lassen können, ich fand es einfach grausam, dass sie mich einfach hinausgeworfen hatte. Es gibt Vorschriften, doch hätte sie einfach sagen können, ich sei eine gute Freundin oder eine Bekannte oder Verwandte, schließlich bin ich doch gute Kundin.

 

Am nächsten Tag wollte ich dann zu einer Selbsthilfegruppe fahren, und für 17:30 Uhr hatte ich das Taxi bestellt.  Um 17:35 Uhr war immer noch kein Taxi dar, somit rief ich an und erfuhr, dass noch nicht einmal ein Taxi gefunden worden war. Da ich fürchtete, um 19:00 Uhr dann in der Pampa herumzustehen und kein Taxi nach Hause zurück zu bekommen, sagte ich kurzerhand den Termin ab, wobei ich noch nicht einmal die Handynummer der Leiterin der Gruppe hatte, und ihr lediglich eine Mail schreiben konnte in der Hoffnung, dass sie nicht sauer sein würde. Sie schrieb mir dann, dass das nächste Mal ein Gruppenmitglied mich nach Hause fahren könnte, wenn ich wieder bedenken hätte, kein Taxi zu kriegen. Diese Tage war es extrem schwierig, überhaupt ein Taxi zu bekommen, dies nahm schon wirklich dramatische Ausmaße an.

 

Normalerweise muss ich bei jedem Quartalswechsel eine Überweisung zu meinem Nephrologen bringen, denn ohne Überweisung werde ich in der Transplantationssprechstunde nicht genommen. Ich bekomme zwar eine Untersuchung oder eine Blutabnahme, aber Rezepte bekomme ich nur nach Vorlage eines gültigen Überweisungsscheins. Es fügt sich aber jedes Mal so, dass genau nach Beginn des neuen Quartals ein Termin ansteht, und ich zwischendurch erst zum Hausarzt rennen muss, um noch eben schnell eine aktuelle Überweisung zu bekommen, wobei ich zunächst einmal mein Kärtchen beim Hausarzt einlesen lassen muss, um die Überweisung zu bekommen, um dann mit ihr zum Nephrologen zum Termin zu kommen. Da ich selbst nicht Auto fahren kann, gestaltet sich dies recht schwierig, denn die Krankenkasse bezahlt keinen Transport, wenn es sich nur darum handelt, eine Überweisung oder ein Rezept bei einem Arzt abzuholen. Unsere Fahrten vom Bezirk bekommen wir nicht zum Arzt, denn diese sind nur für die Teilhabe am öffentlichen Leben gedacht und nicht für Arztbesuche. Meine Assistenten haben größtenteils kein Auto, so müssen wir die meiste Zeit dafür vergeuden, mit dem öffentlichen Nahverkehr durch die Gegend zu gondeln. Das wäre mir dann auch zu viel. Ich habe schon einen Packen Briefmarken bei meinem Nephrologen hinterlassen, falls ich Rezepte brauche. Aber bei Quartalsbeginn muss sich ja erst einmal einen Überweisungsschein dorthin schicken, was ja auch einige Tage dauert, dann muss das Rezept zu mir kommen, und dies dauert auch wieder einige Tage, bis dahin ist das Medikament meistens schon zu Ende. Im Oktober, als das Quartal begann, hätte ich am 2. Oktober zu meinem Hausarzt gehen können, um für den 4. Oktober einen Termin beim Nephrologen zu bekommen. Aber meine Hausärztin hatte Brückentag, sodass dies nicht möglich war. Zum Glück gab es einen gewissen Doktor Notnagel, den ich hier nur erwähne, da der Name so schön passt. Dort bekam ich dann zumindest die Überweisung zum Nephrologen und einen einmaligen Beförderungsschein für die Ergotherapie und Physiotherapie. Dieses Mal sollte der Termin am 10. Januar 2018 für die Nephrologie sein, daher freute ich mich schon, dass mehr Zeit und Raum dazwischen war, gemütlich beim Hausarzt die Überweisung zu holen, um sie dann am 10. Januar den Nephrologen vorzulegen. Aber der Teufel wollte es, dass eines meiner wichtigsten Medikamente, welches ich nur beim Nephrologen bekomme, vier Tage vor dem Termin leer werden würde. Bei 250 Pillen dieses Medikamentes, also fünf  Packungen à  50  Tabletten, von denen ich vier pro Tag nehmen muss, schaffe ich es nicht, im Voraus zu berechnen, wann genau die Tabletten denn zu Ende sein würden. Daher ist es mir schon einmal so gegangen, dass drei Tage vor dem nächsten Termin genau diese Tabletten zu Ende waren, sodass dann der Nephrologe ein Fax an die Apotheke schicken musste mit dem Rezept, damit ich zumindest schon einmal das Medikament bekommen sollte, so das ich dann später das Original nachreichen konnte. Ein drittes Mal wird mir dies nicht passieren, dann werde ich schon dann, wenn das Medikament zur Hälfte aufgebraucht ist, ein neues Rezept verlangen. Somit musste ich auch dieses Mal wieder schnellstmöglich zum Hausarzt hetzen, um dort eine Überweisung zum Nephrologen zu bekommen. Ich wollte diese nicht per Post an den Nephrologen schicken, da ich nicht wusste, wie lang sie unterwegs sein würde. Somit schickte ich schon am 1. Januar ein Fax mit allen Wünschen an meinen Hausarzt, damit die Rezepte, Transportscheine und Beförderungsscheine und Überweisungsscheine die ich alle brauchen würde, schon fertig gemacht werden konnten. Denn wenn ich zur Ergotherapie und zur Physiotherapie möchte, muss sich das Rezept innerhalb von zehn Tagen antreten. Bei der Terminvergabe hat aber dieses Zentrum eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Wochen. Daher muss das Rezept immer etwas später datiert werden, wann es beginnen kann. Das ist immer recht kompliziert, denn letztes Mal bin ich dann auch noch ins Krankenhaus gekommen, und der Beginn hatte sich wieder verzögert, so das ich beinah noch einmal ein neues Rezept mit einem neuen Datum für den Beginn hätte beantragen müssen. Die Sprechstundenhilfe meinte, sie könne das alles nicht auf einmal machen, sie müsse es erst an einem späteren Tag erledigen, aber ich erklärte ihr, dass ich zumindest die Überweisung für den Nephrologen dringend schon am 2. Januar brauche, da ich sie so schnell wie möglich dorthin bringen möchte, um ein Rezept für  ein Medikament zu erhalten. Somit ging ich dann am 2. Januar direkt dorthin, um zumindest einmal die Überweisung abzuholen. Die anderen Dinge soll ich dann am Donnerstag erhalten, bzw. würde die Sprechstundenhilfe die Verordnung für die Physiotherapie und Ergotherapie schon einmal an das Zentrum hinfaxen, damit diese mit der Terminvergabe beginnen könnten. Normalerweise hätte ich am 2. Januar schon eine Assistenz, doch musste diese auf Mittwoch  verschoben werden, da sie erst einmal die Termine bei den Kunden abarbeiten musste, die über Weihnachten und Neujahr keine Assistenz hatten. Ich  brauchte ja  zwischen den Jahren niemanden, da ich Besuch hatte.  Eine Assistentin hatte sich vor Weihnachten  von  sich aus angeboten, dass ich sie kontaktieren könnte, und ich sagte ihr, ich wüsste noch nicht, ob ich sie am Dienstag brauche, da ich ja am Mittwoch dieser andere Assistenz hätte, die zwar am zweiten nicht könnte, aber dann eben am 3.  Das hinge nun davon ab, ob  ich  am Dienstag schon  eine  Einkaufshilfe brauchte oder bis  Mittwoch damit warten könnte. Da ich Besuch hatte, wusste ich ja nicht, wann meine Lebensmittel zu Ende gehen würden. Der Teufel wollte es, dass am Montag fast alles aufgebraucht war bis auf ein paar Gläser und eine Scheibe Brot und etwas Butter. Somit brauchte ich am Dienstag auf jeden Fall Assistenz, zumal ich jemanden benötigte, der mit mir zusammen die Überweisung zum Nephrologen schaffen und das Rezept  mit mir dort abholen  würde. Ich rief also die junge Dame an, und sie meinte, das sei doch etwas kurzfristig, sie habe keine Zeit. Als ich sie daran erinnerte, dass sie mir selbst diesen Termin angeboten hatte, sagte sie, das sei für Mittwoch gewesen. Somit rief ich mehrere über WhatsApp an, wobei ich dann endlich eine fand, die ab 14:00 Uhr Zeit hatte. Ich war erleichtert, zumal diese ein Auto hatte. Somit konnten wir sehr schnell zu Nephrologie fahren. Ich rief also am Vormittag nicht nur bei meinem Hausarzt sondern auch bei meinem Nephrologen an, da die Transplantationssprechstunde nur bis 13:00 Uhr sein würde, wir aber erst um 14:00 Uhr kommen konnten. Sie sollten das Rezept an der Dialyse abgeben, wo wir dann hingehen würden, um dort die Überweisung gegen das Rezept einzutauschen. Zum Glück hatte ich das alles organisiert, die Überweisung hatte ich auch schon geholt, und um 14:00 Uhr konnte es dann losgehen. Auch dies hat gut geklappt, ich hatte das Rezept in Händen und rief bei der Apotheke an, um dann die Bestellung für das wichtige Medikament zu machen, wobei ich dann auch noch zwei andere Medikamente gleich mit bestellt hatte. Dann gingen wir noch zum Einkaufen, wobei wir Mühe hatten, die Lebensmittel alle zu finden, die ich brauchte. Ich suchte auch ganz bestimmte Vorlagen, wobei meine Assistentin nicht wusste, was ich wollte, und meinte, die gebe es nicht. Somit gingen wir noch in eine Drogerie, und dort stellte sich dann heraus, dass sie nach der falschen Sache gesucht hatte. Mittlerweile hatte sie schon wieder eine andere Kundin und musste schnell machen, lieferte mich mit meinen Habseligkeiten und Einkäufen schnell zu Hause ab und fuhr weiter. Ich räumte dann alles alleine ein, fand aber dann die Flüssigseife nicht, weil ich ja nicht weiß, wo die Assistenten die Sachen hingestellt haben. So reichen sie mir die Dinge an, und ich packe sie dann dahin, wo ich sie wieder finde. Das war aber aus Zeitgründen jetzt nicht möglich, ich war ja froh, dass sie überhaupt eingesprungen war. Dann stopfte ich mir noch schnell ein paar Kekse und Kaffee hinein, denn ich hatte den ganzen Tag nichts als ein Frühstück mit einem Brot mit Erdnussbutter, mehr nicht. Um 17:30 Uhr sollte dann alles in der Apotheke geliefert sein, so rannte ich noch einmal los. Für die Helligkeit hatte ich gelernt, dass dann, wenn die Bank an der Bushaltestelle kommt, die Apotheke genau gegenüber ist. Im Dunkeln sehe ich das aber nicht, und ich kann schlecht tasten und würde wahrscheinlich mit dem Stock nicht gegen die Bank stoßen, um dann zu wissen, wann ich abbiegen muss. Somit bin ich noch zu weit gelaufen, sodass mich jemand aufgefischt und in die Apotheke gebracht hat. Da ich laut rief, weil ich den Eingang nicht fand, und einen Passanten ansprach, öffnete die Frau vom Haushaltswarenladen die Tür und rief hinaus, dass sie dachte, ich wollte zu ihr. Endlich war ich dann in der Apotheke und reichte ganz verwirrt die Rezepte an den Apotheker. Der suchte dann erst einmal in seinem Computer, was ich nicht mitbekam, und ich wunderte mich, warum er nicht wieder mit den bestellten Medikamenten zurück kam. Auf einmal meinte die Apothekerin böse: Anführungsstriche die hat doch längst alles telefonisch bestellt.“ Dann maulte sie mich an, dass ich doch das nächste Mal bitte sofort dazu sagen sollte, dass ich schon alles bestellt hätte, der Kollege hätte jetzt noch einmal alles in den Computer eingegeben, das sei alles doppelte Arbeit. Ich sah das ein, fand aber den Ton irgendwie nicht sehr nett. Es klang so, als hätte sie Haare auf den Zähnen. Dann sagte er, es sei kein Haken bei der Befreiung gemacht, und ich sagte, ich sei doch befreit. Da fuhr sie mich wieder an, ich solle doch bitte das neue Kärtchen mit der Befreiung für 2018 zeigen. Das tat ich dann auch und sagte zu ihm ganz demonstrativ laut, er soll bitte die Befreiung eintragen, damit die Kollegin nicht wieder schimpft. Dann bekam ich meine Medikamente und ging. Wegen der Flüssigseife rief ich dann noch mal meine Helferin an und fragte sie, wo sie denn die Flüssigseife hingepackt hätte, und sie meinte, sie habe sie in einen der beiden Wasserkästen gelegt, die sie hereingeschleppt hätte. Da fand ich sie dann auch und war froh, dass ich jetzt nicht noch einmal zur Drogerie dackeln musste. dort hätte ich nämlich wieder eine Verkäuferin bitten müssen, mit mir durchzugehen, zumal ich erst einmal mit der Straßenbahn dort hätte hinfahren müssen,  Und dann hätte ich noch den richtigen Weg finden müssen.

Ich schildere das nur, um zu zeigen, dass all diese Aktionen mit wesentlich höheren organisatorischen Aufwand behaftet sind, und dass sich keiner vorstellen kann, wie aufwendig es für mich ist, einen Schritt vorwärts zu gehen oder vorwärts zu kommen. Ich gehöre zu den Blinden, die nicht so fit sind, da ich eben auch mehrfach behindert bin. Andere blinde sind wesentlich fitter, nicht, dass hier ein falsches Bild entsteht. Aber dennoch ist für uns der Aufwand wesentlich höher.

 

Ich hatte einmal bei dem Oberarzt der Nephrologie angefragt, ob es nicht möglich wäre, dass mir das mit der Überweisung erspart bliebe, und ich er klärte ihm und schilderte ihm den Aufwand, den ich hatte, um diese Überweisungen zu erhalten und dann rechtzeitig vorlegen zu können, wenn ich in der Nephrologie etwas haben wollte. Er meinte, das ginge nicht, das sei Vorschrift, und außerdem würde ich doch Blut abgenommen kriegen, die Sprechstundenhilfen hätten das mir doch auch gesagt, und er hätte sie gefragt, sie hätten mich doch trotzdem behandelt. Aber Rezepte bekomme ich eben nicht, es sei denn, ich habe eine gültige Überweisung dabei. Und genau das ist eben das Problem. Außerdem fragte ich noch beim medizinischen Dienst der Krankenkassen an, ob man nicht eine Sondergenehmigung  erteilen könnte, dass ich auch spezielle Medikamente beim Hausarzt kriegen kann, die man normalerweise nur beim Nephrologen bekommt, da der Hausarzt hierfür kein Budget hat. Der medizinische Dienst der Krankenkassen ließ mich aber gar nicht erst zu einem Arzt vor, Kunden würden nicht mit einem Arzt verbunden. Außerdem sagte man mir, man sei hier kein Arzt, man könne nicht entscheiden, ob ich ein Medikament bräuchte oder nicht. Ich sagte, dass die Entscheidung, ob ich das Medikament brauche, längst getroffen sei, die Frage sei nur, wie ich das Medikament bekomme, ob über den Hausarzt oder nur über einen Facharzt. Man verwies mich zur Krankenkasse, und dort rief ich dann wiederum an, um dort eine Genehmigung zu erhalten, dass das Medikament, welches ich ja sowieso brauchte, auch vom Hausarzt und nicht nur vom Facharzt verordnet werden könnte. Die Sachbearbeiterin meinte, das müsse der Hausarzt selbst entscheiden, sie käme in Teufels Küche, wenn sie das genehmigt, denn dann würde der medizinische Dienst der Krankenkassen ihr aufs Dach steigen. Notfalls müsse sogar sie das Medikament bezahlen. Die Sprechstundenhilfen beim Hausarzt meinten, das könne nur der medizinische Dienst entscheiden, schließlich würde ja sonst der Hausarzt in Regress genommen, wenn er sein Budget überschreitet. Somit schiebt es der eine auf den anderen, und niemand ist zuständig. Das ist ja alles ganz normale Bürokratie, das mag ja sein, aber mich trifft sie eben in einer existenziellen Notlage. Mich nervt es wirklich, dass nicht jeder immer nur erzählt, dass es doch allen so geht, aber bei mir ist eben die Konstellation eben auch besonders heikel. Das kann man aber niemandem klarmachen, es sei denn, man verbindet jemandem die Augen, zieht ihm dann noch Handschuhe an undpumpt  ihm vielleicht noch Wasser in die Ohren, damit er möglichst noch ein schlechtes Gleichgewicht hat. Und dann würde man ihm noch einen Bildschirm mit Augenflimmern oder verschiedenen Farben vor den Augen einspielen, und vielleicht könnte man da noch hinkriegen, dass es denjenigen nicht ganz so gut ist, und er vielleicht weniger Kondition hat, kurzatmig ist oder schneller die Kraft verliert, wie das bei mir eben der Fall ist. Ja, und Autofahren  darf er dann auch  nicht  sondern muss dann  mit dem ÖPNV  durch die Gegend  taumeln. Aber das liegt ja alles nur am Alter, man nimmt ja nur 14 verschiedene Medikamente und hat mehrere Operationen hinter sich und mehrere chronische Erkrankungen. Alt werden ist halt nichts für Feiglinge, wie mir eine meiner Assistentinnen mal erklärt hat. Finde den Fehler, ich habe diese Erkrankungen schon seit meiner frühesten Jugend.

 

Ich habe außerdem noch drei Onlinebestellungen gemacht. Die eine war wirklich mein Fehler, im Alter werden die Füße größer. Meine Mutter hatte für mich Hausschuhe bestellt, und ich bestand auf Größe 38. Sie fand nur Schuhe in Größe 39, aber es gab dann doch noch einen Versandhandel, der meine geliebten Filzpantoffeln in Größe 38 hatte, die ich wollte. Als die Hausschuhe kamen, stellte sich heraus, dass sie nicht passten. So rief ich bei meiner Mutter an, diese bestellte dann Hausschuhe in Größe 39 von dieser Firma, aber die waren dieses Mal nur in Größe 38 lieferbar, also genau umgekehrt. Jetzt darf ich weitere vier Wochen mit kaputten Hausschuhen herumlaufen und hoffen, dass ich nicht an meinen Türschwellen oder Teppichen hängen bleibe und stolpere, bis  die  Filzpantoffeln  DIESER  Firma in 39 lieferbar  sind. Dann hatte ich noch vier verschiedene Läufer bestellt, zwei Schmutzfänger und  zwei Läufer, wobei zwei Schmutzfänger sofort geliefert wurden, ein Läufer wurde für später angesagt, und der vierte Läufer kam einfach gar nicht. Ich dachte, es kämen drei Sachen und das vierte nicht, und ich hatte befürchtet, dass dritte Teil einfach beim Auspacken irgendwo verloren gehabt zu haben. So stellte ich die Küche auf den Kopf und suchte den Läufer. Es stellte sich dann heraus, dass die schlichtweg vergessen hatten, dazu zu schreiben, dass er später geliefert wird. Ich musste mehrfach dort anrufen und nachfragen, wo er denn jetzt bleibt, eine Entschuldigung wurde natürlich nicht geliefert. Dann bestellte ich noch ein Panzerglas für mein Handy, und wir haben genau die richtige Nummer eingegeben, welche das Modell meines Handys hat. Als dann mein Bekannter aus dem Schwarzwald kam und  mir dabei half, das Panzerglas aufzukleben , welches wir für vier Euro im Internet bestellt hatten, wobei dann gleich zwei kamen, und ich sogar eines weiter verschenken wollte an jemanden, der dasselbe Handy hat wie ich, bemerkten wir, dass die Aussparung auf der falschen Seite war. Kommentar meines Bekannten: bei mir klappt im Internet auch nicht immer alles. Nun ja, von immer war auch nicht die Rede. Es hätte gereicht, wenn mal überhaupt was reibungslos  funktioniert hätte. Immerhin kamen die beiden Gutscheine, die ich an meine beiden Freundinnen verschickt hatte, ordnungsgemäß an. Zum Glück hatte ich einen Bonus von meiner Krankenkasse für meine fleißige Mitarbeit erhalten und konnte es mir daher leisten, meinen beiden Freundinnen einen Gutschein zu schicken. Daher war ich auch ganz stolz, dass dies alles ohne Porto klappte, und dass ich die Panzergläser auf frei Haus geliefert bekommen würde. Umso ärgerlicher bin ich jetzt, da ich eines  davon auch noch einem anderen angeboten hatte, der dasselbe Handy hat, ihm jetzt auch noch sagen zu müssen, dass wir die falschen Gläser bekommen haben. Jetzt müssen wir wieder herum rennen und suchen, wo wir ein Panzerglas für mein Handy bekommen. Aber es kann ja nicht immer alles klappen, es wäre ja langweilig, wenn immer alles glattgehen würde. Ich habe allerdings bessere Beschäftigungen, mir wäre auch so nicht langweilig, keine Sorge. Und zur Abwechslung kann ja auch mal was reibungslos funktionieren, dann wäre es auch nicht langweilig.

Dies war wieder einmal ein Mitleid heischender Bericht darüber, wie es allen Menschen so geht.

 

Heiße Luft statt Heißluft


in meiner neuen Wohnung habe ich zwar von der Genossenschaft einen Herd, doch kann ich diesen nicht nach Belieben markieren, so das immer die Gefahr besteht, dass ich nicht weiß, ob er eingeschaltet oder ausgeschaltet ist. Denn egal, ob man ihn auf 12:00 Uhr oder auf 6:00 Uhr dreht, der Griff fühlt sich dann immer gleich an. Es gibt Drehknöpfe, die nur dann ausgeschaltet sind, wenn der Drehknopf ganz nach oben auf 12 Uhr zeigt, der Drehknopf  an einer Seite anders ist als  an  der  entgegengesetzten Seite, und nur ein schmaler Drehschalter da ist und kein ganzer runder Knopf, bei dem man dann nicht weiß, wo oben und unten ist. Aber ich kann einen fremden Herd nicht einfach mit Kerben versehen. Wir hatten versucht, mit Heißklebermarkierungen um die Rädchen herum zu machen, und dann auch noch einen taktilen Punkt Auf die optische Markierung an dem Rad zu kleben, damit immer klar ist, wo das Rad hin zeigt. Durch das Fett beim Kochen und Backen und Braten geht aber diese Markierung ab. So muss ich immer mitdenken, auf welcher Stufe ich die Herdplatte eingeschaltet habe. Außerdem kann ich mir nicht merken, welcher Drehknopf für welche Herdplatte ist. Zusätzlich muss ja auch die Gradzahl am Backofen eingestellt werden können. Wir hatten überlegt, ob wir vielleicht einfach für diesen Herdknöpfe im Internet kaufen und sie draufschrauben. Für dieses Modell gibt es aber leider keine mehr, es gehen zwar alle Knöpfe drauf, aber sie würden dann die Zahlen an der Front des Herdes überdecken, wenn sie zu groß wären. Dann könnte niemand anderer mehr den Herd einstellen. Zuerst haben wir überlegt, einfach eine Feile zu nehmen und Kerben einzuritzen, denn ich hatte nicht vor, so schnell wieder auszuziehen, und bis ich ausgezogen wäre, wäre der Herd wahrscheinlich sowieso längst kaputt.

 

Dann habe ich zufällig bei Facebook auf dem Marktplatz einige Angebote für Haushaltsgeräte gesehen, unter anderem einen Herd für 50 EUR. Ich dachte mir, da ist nicht viel verloren, wenn ich einen Satz neuer Drehknöpfe kaufe, muss ich ebenso viel bezahlen. Somit meldete ich mich und fragte nach, ob der Herd zusätzlich auch Heißluft hätte. Ja, Heißluft sei ebenfalls vorhanden, laut der spärlichen

grammatikalischen Kenntnisse der Inserentin hieß es, es hat Heißluft, es funktioniert und es ist in gutem Zustand. Ich gab dann über den Messenger meine Handynummer durch, und wir telefonierten. Ja, der Herd hätte Heißluft, hätte kein Cerankochfeld, und dies ist ebenfalls wichtig für Blinde. Denn die erhabenen Herdplatten zeigen, wo die Hitze herkommt, und ob man die Gegenstände und Utensilien, die man zum Kochen braucht, auf die Flamme legt oder neben die Herdplatte. Bei einem Cerankochfeld ist das gefährlich, denn man kann ja nicht mal soeben mit der Hand abtasten, wo die Hitzequelle ist, oder ob man vielleicht seinen Pfannenwender aus Plastik mal eben auf die Feuerstelle gelegt hat, und er dann vor sich hin schmilzt, das würde man halt lediglich riechen. Dann wäre es aber zu spät. Ein Cerankochfeld ist zwar praktisch zu reinigen, aber es ist eben für blinde ungeeignet. Somit war ich froh, dass der Herd noch richtige Platten hatte. Ich fragte, warum denn der Herd so günstig abzugeben sei. Sie Meinte, man sei umgezogen und habe nun eine Kochzeile, und da bräuchte man ihn nicht mehr. Dies klang für mich erst einmal plausibel.

 

Nun suchte ich jemanden, der mit mir ging, um den Herd anzusehen, da ich fürchtete, allein würde man mich wahrscheinlich über den Tisch ziehen, da ich ja den Herd im wahrsten  Sinne nicht in Augenschein nehmen kann. Und es ist halt heutzutage leider immer noch so, dass Frauen unterschätzt werden, und man glaubt, man könne sie betrügen, da sie sowieso nichts von Technik verstehen. Daher wollte ich auf jeden Fall, dass mich ein männliches Wesen begleitet. Ich fragte also nach, ob ein Assistent zur Verfügung stehen würde, man  wollte  nach jemandem suchen, aber ich erhielt keine Antwort. Einer war Elektriker, aber der war leider nicht verfügbar, er hatte vor einem Vierteljahr abgesagt, da es einen Todesfall in der Familie gegeben hatte, und er würde sich wieder bei mir melden. Dies ist leider auch  nach drei Monaten auf  vorsichtige Anfrage hin nie geschehen. Ein anderer ist ebenfalls Elektriker, aber der wollte mich nicht über die Organisation haben sondern nur privat, da ich ihn da mehr zahlte, als er von der Organisation kriegen würde. Das hat mich gestört, so dachte ich mir, da kann ich mir auch jemanden nehmen, den ich dann über das persönliche Budget auch bezahlt kriege. Ich möchte nicht noch einmal zusätzlich ein paar Stunden zahlen, nur, damit jemand mit mir einen Herd besichtigen geht.

 

Da sich bis um 15:00 Uhr niemand bei mir gemeldet hatte, weil entweder alle im Urlaub oder krank waren, überlegte ich mir, dass eine Taxifahrerin mit mir mitgehen könnte, ich kannte eine, die sehr resolut und erfahren war, mit der ich einfach hinfahren, den Herd ansehen und dann wieder heimfahren konnte. Sie war auch dazu bereit, bis spätestens 17:00 Uhr mit mir den Herd anzusehen, da sie dann das Auto abgeben müsste. Ich rief also an, stattdessen war aber ein Mann am Handy, der überhaupt von nichts wusste. Ich schrieb dann noch einmal über den Messenger, und da erhielt ich dann Antwort, ich solle bei diesem und jenem Namen klingen. Als wir ankamen, öffnete uns eine sehr junge Frau mit einem jungen, und sie verwies uns sofort auf den Keller. Dort musste sie erst einmal eine Menge an Gerümpel vom Herd herunter holen, damit wir ihn überhaupt besichtigen konnten. Selbst ich als blinde mit Krückstock hätte festgestellt, dass dieses Modell wahrscheinlich nur noch für den Schrotthändler von Wert sein würde. Er klebte an allen Ecken, ich hätte mich geschämt, so ein Teil überhaupt noch zum Verkauf anzubieten. Die Griffe waren das einzig gute, die hätte ich sofort für 20 EUR mitgenommen. Aber es hätte einen wirklich geekelt , dieses Gerät überhaupt zu benutzen, falls es überhaupt noch benutzbar gewesen wäre. Somit treten wir um und gingen, und die Frau war sichtlich verärgert.

 

Als wir im Auto saßen, äußerte die Taxifahrerin die Vermutung, dass diese Frau wahrscheinlich ihren Genossenschaftsherd aus dem Keller los haben wollte, obwohl eigentlich die Genossenschaft dazu verpflichtet ist, diesen kostenlos zu entsorgen. Aber sie wollte wahrscheinlich einfach noch etwas Geld machen mit irgendwelchen dummen Leuten, die auf ihr Geschäft reinfallen.

 

Ich fragte dann die Taxifahrerin, ob prinzipiell solche Angebote zu vermeiden wären, da ich jetzt 7 km von meinem Budget verbraucht hatte, oder ob ich ohne naiv zu sein damit hätte rechnen können, hier möglicherweise auch ein Schnäppchen machen zu können. Die Taxifahrerin meinte, das sei jetzt gelaufen, ich solle mir doch hierüber keinen Kopf mehr machen. Es ging mir ja auch nicht darum, irgendjemandem Vorwürfe zu machen oder mir selbst, sondern lediglich einmal zu hören, dass mir jemand sagt, für diesen Preis würde ich überhaupt nicht mehr losziehen, oder ja, es war durchaus berechtigt, anzunehmen, dass ihre Aussage stimmt, und sie den Herd einfach nur für 50 EUR loswerden wollte, und er gut in Schuss war, und sie einfach einen neuen hatte und keine Lust hatte, für die Entsorgung eines Herdes zu bezahlen. Ich kann nie einschätzen, ob ich einfach nur naiv bin, und ob ich vielleicht alles glaube, was mir Leute erzählen, oder ob es tatsächlich auch mal solche Schnäppchen geben kann, und man auch einmal damit rechnen darf , Glück zu haben. Das war eigentlich das einzige, was ich wissen wollte.

 

Die Taxifahrerin meinte, wahrscheinlich hat  die Frau gar nicht gewusst, was Heißluft ist. Ich sagte ihr, normalerweise weiß dass jeder, selbst ich weiß, was das ist. Sie meinte, ich hätte fragen müssen, hat der Herd Oberhitze und unter Hitze und Heißluft. Dann hätte die Frau gewusst, dass Heißluft noch einmal eine gesonderte Technik ist, so hätte sie wahrscheinlich gedacht, dass Heißluft lediglich die heiße Luft ist, die im Herd ist, denn wenn man einen Gasherd hätte, hätte man ja schließlich auch heiße Luft. Ich finde das ziemlich weit hergeholt, denn wenn ich gefragt hätte, hat der Herd Oberhitze und unter Hitze, hätte sie vielleicht vermuten können, die Oberhitze sind die Herdplatten, die unter Hitze ist der Ofen. Somit hätte ich es machen können, wie ich es will, ich hätte immer einen Fehler machen können. Es kann nicht immer sein, dass die Antworten, die ich kriege, immer nur mit meiner falschen Fragetechnik zusammenhängen. Manchmal antworten Leute auch willentlich und mutwillig falsch. Die Taxifahrerin meinte, wenn man natürlich fragt, hat  der Herd Heißluft, sonst nehme ich ihn nicht, würde man immer eine positive Antwort kriegen. So hatte ich aber auch gar nicht gefragt, denn Heißluft war für mich keine Grundbedingung. Es war nur ein schönes zusätzliches Merkmal, welches ich liebend gerne mit in Kauf genommen hätte. Ich kann mir so vor, als sei ich selbst schuld, dass die Frau so geantwortet hat, weil ich irgendwie falsch gefragt hätte. Dabei hat sie wahrscheinlich einfach gelogen, das hätte sie wahrscheinlich immer so gemacht. Wie soll man am Telefon, wenn man mit irgendjemandem spricht, erreichen, dass er die Wahrheit sagt, und wie soll man das merken? Es sei denn, für dieses Geld dürfte man niemals mit irgendetwas rechnen, dann sollte einem das aber auch irgendwann mal jemand sagen, was so ein  Ding kosten muss, und  was man für welchen Preis  gebraucht  erwarten darf und was nicht. Eine meiner Helferinnen meinte schon, das wird schon nichts gescheites sein, jetzt hat sie wahrscheinlich wieder recht. Zum Glück haben wir das Ding nicht genommen, aber blöd kam ich mir trotzdem vor. Das war mal wieder nur heiße Luft, aber auf jeden Fall war es keine Heißluft. Aber die Taxifahrerin hatte schon recht, wenn ich nicht hingegangen wäre, hätte ich mich immer geärgert. Somit war ich beruhigt, dass zumindest mein Gedankengang diesbezüglich nicht ganz unnachvollziehbar war. Der Schlechtigkeit und Skrupellosigkeit der Menschheit sind wirklich keine Grenzen gesetzt, niemand hätte doch damit rechnen können, dass jemand so link ist und seinen Genossenschaftsherd verhökert. Ich kann  genauso wenig  damit rechnen, dass es Leute gibt, die bei dem Wort Heißluft nicht wissen, von was man redet. Ich hätte auch Umluft sagen können, aber dann hätte es einen anderen Grund gegeben, dass sie es nicht versteht.

 

Mein Traum wäre, einen Herd zu haben, der in eine Arbeitsplatte versunken  oder eingelassen ist. Es gibt Herde mit normalen schwarzen Herdplatten und einer Oberfläche aus Metall  oder Edelstahl, und drum herum ist dann eine Resorpalplatte , möglichst in der Farbe wie meine restliche Küche. Der untere Teil des Herdes wäre dann in dunkler Farbe, und die Scheibe ist braun getönt, diese Herde gab es früher mal in den neunziger Jahren oder so Anfang der Jahrtausendwende. Die Knöpfe sind aus Plastik und schwarz. Das sind nicht mehr die neuesten Modelle, denn heute hat man Induktion oder eben ein Cerankochfeld, daher rechne ich damit, ein billiges Modell zu finden. Das Beste wäre, wenn neben dem Herd auch noch eine Spüle wäre, und unter der Spüle dann ein Schrank. Wenn alles  dann zusammen hinge , sozusagen ein Block wäre, der in eine Arbeitsplatte eingearbeitet ist, könnte man ihn mit Hilfe von Zapfen links und rechts an der Arbeitsplatte auf der Spülmaschine und an der Arbeitsplatte meines einen Küchenschrankes befestigen, und so hätte man eine saubere Zeile.

 

Als mein Bekannter aus dem Schwarzwald da war, meinte er, die Leute, die mir geholfen hätten, die Arbeitsplatten zu besorgen, hätten wohl gedacht, die sieht nichts und merkt nichts. Denn die Arbeitsplatten haben nicht dieselbe Farbe wie der Schrank mit der Arbeitsplatte, die wir bereits gekauft hatten. Ich hatte extra erst den Schrank mit der Arbeitsplatte gekauft, damit ich mir dementsprechend dann die Arbeitsplatten dazu aussuchen könnte, anstatt umgekehrt erst eine Farbe auszusuchen und dann keinen Unterschrank mit der passenden festen Arbeitsplatte zu finden. Schade, dass die Leute so wenig darauf geschaut haben, ich selbst hab es wirklich nicht gesehen. Wir werden auch noch mal andere Sockelleisten hin machen, denn um die Spüle herum war kein Silikon, und es wäre schöner, anstatt der Sockelleisten aus Plastik lieber Sockelleisten aus Aluminium zu haben, die dann wenigstens zu den Türgriffen passen. Das sind zwar kleine Sorgen, aber wenn man sie beheben kann, umso besser.

 

Ich habe immer noch den Herd der Genossenschaft, und ich habe mich auch schon etwas dran gewöhnt. Während der Weihnachtszeit haben wir Plätzchen gebacken. Leider konnte ich nicht sehen, welches die Oberhitze, die unter Hitze oder der Grill ist. Somit bat ich eine meiner Helferinnen, die zur Vertretung da war und erst 20 Jahre alt ist, den Herd auf Oberhitze und unter Hitze zu stellen. Stattdessen muss sie wohl den Grill erwischt haben, denn die Plätzchen kamen total weich heraus. Die erste Ladung ist noch was geworden, die zweite aber nicht mehr. Wir wussten auch nicht, dass man den Teig kühl stellen muss, und ich habe Mandelsplitter anstatt gemahlene Mandeln genommen, wobei letztere das Fett wesentlich besser hätten aufgenommen. Somit ist es ein mittleres Wunder, dass trotz der drei gravierenden Fehler eine Ladung Plätzchen überhaupt was geworden ist. Aber hätte ich die Plätzchen beim Becker gekauft, wäre es billiger gewesen, da ich ja somit die doppelte Menge an Material zahlen musste und dann auch noch den Zeitaufwand hatte. Dennoch haben wir dann noch eine andere Sorte Plätzchen hinbekommen, allerdings war das ziemlich schwierig. Ich habe eine Ausstechform mit mehreren Figuren, die man auf einmal auf einen Teig drückt, und dann muss man die einzelnen Figuren, die so perforiert sind, voneinander ablösen. Das sei angeblich ein blinden Hilfsmittel, da ich es von einem Hilfsmittelversand gekauft habe, aber ich komme nicht damit klar. Vielleicht ist es nicht für blinde mehrfachbehinderte. Meine Helferin musste immer erst den Anfang machen, damit ich die Figur herauslösen konnte. Dann haben wir noch einen Zuckerguss gemacht, wobei wir nicht einmal wussten, wie das geht, aber irgendwann war doch eine zähflüssige Masse entstanden, und ich habe dann noch die restlichen Mandelsplitter rein gekippt. Die Plätzchen sind halbwegs etwas geworden. Allerdings stimmt mit der Hitze des Herdes vielleicht etwas nicht, denn meine Helferin, diesmal eine andere als die 20-jährige, musste dauernd  die Hitze nachkorrigieren. Bei der zweiten Sorte Plätzchen war nämlich eine andere Assistentin dabei, und wir hatten zuvor den Teig einen Tag im Kühlschrank gelassen. Eine meiner Assistentinnen ist die Tochter der anderen, und am nächsten Tag war der Teig steinhart. Sie war entsetzt, dass ihre Tochter das gemacht hatte, aber das war meine Idee, denn da wir zuerst den Teig nicht gekühlt hatten, wollte ich es dieses Mal besonders gut machen und stellte ihn einen Tag lang in den Kühlschrank. Dann war der Teig so hart, dass wir ihn erst einmal in die Mikrowelle stellen mussten. Ich werde niemals die Erfahrung haben, die man zum Backen braucht, ich glaube, das nächste Mal kaufe ich entweder die Plätzchen beim Becker, oder ich lasse meine Helferin erst einmal zu Hause welche machen, damit sie weiß, wie es geht. Ich bin gespannt, ob ich dann nächstes Jahr die Plätzchen schon in einem anderen Herd machen werde, und ob bis dahin überhaupt meine Küche noch steht, Scherz beiseite, oder ich vielleicht schon irgendwelche falschen Knöpfe gedreht habe. Aber das Ganze war erst einmal im wahrsten Sinne des Wortes ein Schuss in den Ofen mit heißer Luft.