Freitag, 5. März 2021
Geimpft und entwurmt
Schon am 14. Januar hatte ich mich für die Corona-Impfung registriert. Da offenbar zu viel von dem unbeliebten Impfstoff AstraZeneca übrig war, bekam ich dann ganz plötzlich eine E-Mail, dass ich jetzt einen Termin für die Impfung ausmachen könnte. Ich würde dann ein Terminpaar für beide Impfungen erhalten. Die Anmeldung konnte ich sogar mit dem Smartphone machen. Es war etwas schwierig, von dem Angebot am 1. März zu dem Angebot am 5. März zu gelangen, aber man konnte die Zeit, in der man den Termin hätte auswählen sollen, verlängern. Man hatte jeweils 10 Minuten Zeit, die aber beliebig häufig ausgedehnt werden konnte. Da sag noch jemand, in Zeiten von Corona sei es den Menschen langweilig, da sie immer nur zu Hause sitzen würden. Ich entschied mich also für den 5. März, da ich am 1. März einen Arzttermin hatte, am 2. März musste ich meinen Putzmann reinlassen, am 3. März musste der Personalausweis verlängert werden, am 4. März hatte ich den heiß ersehnten Friseurtermin, somit blieb mir dann eben der 5. März übrig als frühester Termin. Der 7. Mai sollte dann als Termin für die 2. Impfung eingetragen werden. Ich konnte auch diesen Bogen sehr schnell online ausfüllen, ich konnte die Aufklärung sehr schnell lesen, und danach schickte ich alles an meine Betreuerin. Entweder, sie hätte selbst unterschreiben müssen, oder sie hätte mir einen Wisch mitgeben können, der bestätigt, dass ich selbst unterschreiben darf. Eigentlich lächerlich, denn das ist dann auch gehüpft wie gesprungen. Wir stellten also alles zusammen, denn ich hatte ja noch keinen Personalausweis. Der Antrag für die Abholung des neuen Personalausweises und die bezahlte Rechnung für den Personalausweis, meinen Schwerbehindertenausweis und der alte Personalausweis, alles landete in einer Mappe zusammen mit den Unterlagen für die Impfung. Außerdem musste ich noch einen Transportschein organisieren und eine Bestätigung, dass ich eine Niere transplantiert bekommen habe. Denn das war ja die Eintrittskarte dafür, dass ich bereits in Runde 2 geimpft werden würde.
Plötzlich konnten sämtliche anderen Menschen, die zuvor um einen Impftermin kämpfen mussten, teilweise schwerstbehinderte Menschen, die bei Corona gestorben wären oder deren Pfleger, die nicht in einem Heim arbeiteten,, und denen man zuvor keinen Impftermin geben wollte, sowie Lehrer, Erzieher usw., sich auf einmal impfen lassen. Der Blindenverband hatte zuvor vergeblich versucht, dass blinde Menschen, die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sich anzustecken, weil sie ja mehr tasten müssen, in Gruppe 2 gelangen. Da man aber zu wenig Impfstoff für die Gruppe über 65 hatte, der für die Leute unter 65 aber nun mal da war und nicht schlecht werden sollte, hieß es plötzlich, es könnten sich nun auch andere Menschen impfen lassen, die das wollten. Auf einmal ist dieser Impfstoff auch für Leute über 65 zugelassen, der zuvor nur an Menschen getestet wurde, die zwischen 16 und 65 Jahre alt waren. Jetzt waren auf einmal brauchbare Testergebnisse dar, dass AstraZeneca wohl auch bei älteren Leuten wirkt. Wohl gemerkt, als es noch wenig Masken gab, hieß es, man könne die FFP 2 Masken im Backofen wieder nutzbar machen. Jetzt, da es genügend FFP 2 Masken gibt, heißt es, man solle sie wirklich nur einmal verwenden oder eben 7 Tage aus lüften lassen.
Ich habe also bei meiner Nierenambulanz angerufen, man riet mir, die Impfung mit dem Medikament von AstraZeneca machen zu lassen, besser als nichts, sagte man mir. Ich hatte einige sehr negative Berichte über diesen Impfstoff gehört, nämlich, dass es vielen Menschen schlecht wurde, oder dass sie ziemlich lange danach krank waren. Aber ich dachte mir, ich werde es jetzt eben machen, den anderen Impfstoff kriege ich ja nicht.
Da ich fürchtete, keine Hilfe dort zu erhalten, weil ja jeder vom Personal an seiner Station bleiben müsste, wenn man wie durch eine Waschstraße geführt würde, habe ich mir eine Begleitperson mitgenommen. Das Taxi war bestellt, meine Assistentin war da, und los ging es. Im Taxi erklärte uns dann der Taxifahrer, er habe einige Patienten erlebt, die mehrere Stunden dort gewartet hätten, da angeblich der Impfstoff erst 30 Minuten lang aufgetaut werden müsste. Ich hatte aber gelesen, dass es extra hieß, man müsse rechtzeitig da sein oder absagen, da extra für diese Person der Impfstoff aufgetaut würde, und da es sonst verfiel. Demnach war mir schon klar, dass die nicht erst den Impfstoff auftauen, wenn ich auf der Matte stehe. Aber mir glaubt ja immer keiner. Als wir dort ankamen, zeigten wir meine vorbereitete Mappe, und die Frau klärte uns etwas schnippisch auf, da ist es doch schon, als wir nach dem Impfbogen suchten. Die Beschilderung war wirklich super, wenn man auch etwas im Slalom herumgeführt wurde. Aber man konnte sich nicht verlaufen. Wir warteten auch nirgendwo sehr lange. Dann wurden wir weitergeleitet, es war dort noch etwas kalt. Irgendwann kamen wir dann auch ins Gebäude rein. Es ging alles relativ schnell. An 3 verschiedenen Stationen mussten wir meine Sachen vorlegen. Da ich ja noch keinen gültigen Personalausweis hatte, reichte zum Glück der Behindertenausweis, das hatte ich mir auch schon vorher gedacht. Aber sicherheitshalber hatte man mir eben dazu geraten, meinen alten Personalausweis und den Antrag auf einen neuen mitzunehmen. Dann mussten wir auch noch zu einem Aufklärungsfilm. Spätestens jetzt, während wir auf den Filmstart warteten und der Film abgespielt wurde, wäre der Impfstoff sowieso längst schon aufgetaut gewesen. Wir wurden dann zur nächsten Station geleitet, und meine Assistenz meinte, dass da ein anderer blinder großer und kräftiger Mann von jemandem aus dem Personal von einer Station gebracht wurde, von dort brachte ihn dann wieder jemand zur nächsten Station. Wir standen 10 Minuten, er war innerhalb 1 Minute weitergekommen. Aber am Ende ging es auch bei uns relativ schnell. Also war es nicht verkehrt, dass ich mir eine eigene Assistenz mitgenommen hatte. Meine Assistentin meinte schon zurecht, dass Menschen, die groß und kräftig und vor allem männlich sind, mehr betütelt werden. Das ist mir auch schon häufig aufgefallen. Der Film wäre vollkommen unnötig gewesen, denn wer die Informationen, die dort geliefert wurden, bisher noch nicht gehört hat, der ist sowieso schon tot. Der Mann sprach ohnehin so undeutlich, dass jemand mit einer Schwerhörigkeit ihn nicht verstanden hätte. Ein professioneller Sprecher wäre hier vielleicht angebracht gewesen, denn es war eigentlich nichts anderes als ein klingender Beipackzettel.
Dann waren wir beim Arzt drin. Der Arzt war total jung. Ich zeigte ihm alle meine Unterlagen, und dann suchte ich hektisch meinen Impfpass. Zum Glück hatte ich da noch festgestellt, dass er ja nicht im Geldbeutel sondern in der Brieftasche aufbewahrt wird. Ich hatte ihn neulich erst in einer anderen Praxis vorzeigen müssen, daher hatte ich befürchtet, dass ich ihn vielleicht dort habe liegen lassen, wo sie ihn kontrolliert hatten. Der Arzt stellte noch einige Fragen, und ich konnte ihn noch einige Dinge fragen. Er meinte, die Wirksamkeit sei nur minimal schlechter als die der anderen Impfstoffe, und ich müsse nicht unbedingt starke Impfreaktionen haben, und trotzdem wirkt es. Während er alles noch ausfüllte, machte ich meinen Arm frei. Der Stich war so kurz und so schmerzlos, als hätte er mich mit dem Finger kurz angetippt. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Impfung so schmerzlos ist. Normalerweise brennt es fürchterlich, wenn das Zeug in einen rein läuft, und hinterher tut die Stelle W.. Ich habe aber absolut nichts gespürt. Das einzige, was bei mir los ging, waren Kopfschmerzen. Ich habe normalerweise in meinem Leben noch niemals Kopfschmerzen gehabt. Normalerweise hätte ich nur 15 Minuten warten müssen. Ich bekam einen Zettel, auf dem die Uhrzeit vermerkt war, zu der ich hätte rausgehen dürfen. Wenn ich also früher gegangen wäre, hätte man mich nicht rausgelassen. Das war etwas sowie in einem Parkhaus, wo die Uhrzeit vermerkt ist, wann man reinkam und wann man wieder rausgeht. Ich setzte mich also mit meiner Assistentin in einen Warteraum, in dem ein Film in einer Schleife lief, in dem Szenen von Enkel Tricks und anderen Betrugsmaschen liefen. Nach 30 Minuten gingen wir hinaus, ich zeigte meinen Zettel vor, und dann warteten wir einfach auf das Taxi. Meine Lippe wurde etwas taub, besonders auf der rechten Seite, aber das war dann relativ schnell wieder weg. Das Taxi kam, und wir fanden, dass es sehr schnell ging, und dass die wahrscheinlich einen Schwung an Dosen von Impfstoff auftauen, und wenn dann jeder einfach kommen und gehen würde, wann er will, würden die eben verfallen. Es ist absoluter Blödsinn meines Erachtens, dass die für jeden einzelnen Menschen separat und individuell den Impfstoff auftauen. Meines Wissens kann man den Impfstoff sowieso ein paar Stunden draußen lassen, bevor er schlecht wird. Es ärgert mich immer, dass mir keiner glaubt. Ich glaube, das ist jetzt wesentlich besser organisiert, da man ja mittlerweile schon Routine hat. Der Taxifahrer erzählte laufend, dass alle anderen stundenlang warten müssten. Und außerdem würden es ja jetzt immer mehr, da jetzt mehr in die Breite geimpft würde. Natürlich hieß es bei meinen Erzählungen, dass ich ganz andere Erfahrungen gemacht hatte, gleich wieder, bei mir wäre das ja anders, das sei bei jedem Menschen unterschiedlich, das hinge davon ab, welche Erkrankungen man hätte. Da machen die keinen unterschied, wenn man in einer Kategorie ist, laufen alle durch dieselbe Maschinerie. Und ich fand, dass es so gut wie nur irgend möglich organisiert war, dass es nicht besser hätte laufen können, und das wir wirklich zügig von einer Station zur anderen gelangten und wirklich sehr schnell durchkamen. Um 10:15 Uhr war mein Termin, um 10:43 Uhr wäre normalerweise die Zeit gewesen, wann ich hätte rausgehen dürfen, und ich bin um 11:00 Uhr rausgegangen. Also haben wir gar nicht wirklich warten müssen. Wir waren ja auch etwas früher da. Das Taxi hatte ich auf diese Zeit bestellt, und ein paar Minuten nach 11 war er auch dar. Also nichts von wegen Chaos oder schlechter Organisation. Ich war sehr zufrieden. Nun kann ich nur hoffen, dass die befürchteten Reaktionen ausbleiben, die man mir bisher geschildert hatte, dass ich aber nun einen guten Schutz gegen Corona habe. Die 1. Impfung wurde in meinen Impfpass eingetragen. Meine Assistentin meinte, dass der Arzt mehrere Spritzen und mehrere Schälchen nebeneinander hatte mit der 1. und der 2. Impfung. Wahrscheinlich lagen die bereits für die nächsten Patienten in seinem Zimmer, und man musste angeben, ob es die 1. oder die 2. Impfung war, und er arbeitete einfach den Impfstoff ab. Er hat wunderbar gespritzt, wir befanden, dass er bestimmt einmal Tropenmediziner werden könnte. Da kann er dann sein Talent bei den Impfungen ausüben. Er meinte, er mache das den ganzen Tag. D. h. meines Erachtens aber nichts, denn es gibt Leute, die ihr ganzes Leben lang Blut abnehmen oder Spritzen geben, und bei denen es furchtbar weh tut, und ich habe schon 19-jährige Schwestern erlebt, die auf Anhieb einfach ein Talent dazu haben. Ich glaube, mit meiner Erfahrung als chronisch Kranke habe ich da einen Blick dafür. Ich hoffe, dass die 2. Impfung auch so glimpflich und reibungslos verläuft. Schade, dass ich kein extra Blatt Papier mit der Bestätigung erhalten habe, um es mir an die Wand zu hängen. Aber es steht in meinem Impfpass, es ist dort dokumentiert, ich finde schon, dass das ein historischer Moment ist, einen Impfstoff zu bekommen, der erst ganz aktuell für eine ganz neue Krankheit entwickelt wurde. Das war eigentlich nur in den letzten Jahrhunderten der Fall. Wer hätte gedacht, dass unsereins das mal erleben würde. Ich hoffe nur, dass der Spuk bald vorbei ist.
Sonntag, 28. Februar 2021
Du bist vermaledeit unter den Jacken
Vor mindestens 30 Jahren hab ich eine braune schöne wild Lederjacke bekommen. Die war von unserem Second-Hand-Shop, einem Wohlfahrtsladen, in dem meine Mutter vom Frauenbund aus tätig war. Ich bin damals sogar noch zum Schneider und habe sie umarbeiten lassen. Diese Jacke habe ich zwar nicht oft tragen können, denn entweder es ist zu heiß, oder es regnet, oder es ist zu kalt, aber ich habe sie über viele Jahre hinweg immer wieder getragen. Die Jacke hatte schon Kultstatus. Sie war ziemlich lang, fast schon ein Mantel. Sie wurde häufig bewundert. Irgendwann war sie dann so abgetragen, dass eine meiner Assistentinnen meinte, ich solle der Jacke doch jetzt endlich mal die Freiheit schenken. Wir haben sie dann über die Straße zum Altkleidercontainer gebracht und sie dort zu Grabe getragen.
Meine Mutter hat auch eine Wildlederjacke besessen, eine blaue, die sie nie getragen hat. Diese hat sie mir dann vermacht. Allerdings war der Schnitt ziemlich altmodisch, sie war mir wesentlich zu groß und zu weit, und die Knöpfe waren aus blauem Kunststoff, Ton in Ton mit der Jacke. Das sah fürchterlich aus. Somit haben wir die Jacke zum Schneider gebracht, um sie für mich ändern zu lassen. Die Taschen hingen so weit unten, dass ich die Arme eines Schimpansen gebraucht hätte, um etwas hinein zu stecken oder herauszuholen. Daher kürzten wir einfach die Länge an der Taille, sodass die Jacke kürzer und schmäler wurde.
Die Knöpfe wollte ich mir auch ändern lassen. Wir suchten also schöne hellbraune Knebelknöpfe aus, ähnlich denen, die ich an meiner braunen früheren Wildlederjacke hatte. Als ich dann die Jacke abholte, stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass die Knöpfe nicht durch die Löcher gingen. Wir hatten das aber zuvor ausprobiert. Die Schneiderin behauptete steif und fest, es sei dieselbe Größe, aber ich war mir sicher, dass die Knöpfe, die sie angenäht hatte, größer waren. Ich suchte mir also andere Knöpfe aus und gab noch einmal Geld dafür aus, dass diese angenäht wurden, die dann besser durch die Löcher gingen. Es waren dunkelbraune runde lederne Knöpfe, ebenfalls recht hübsch, aber eben nicht so schön wie Knebelknöpfe. Als ich dann mit einer Bekannten in einem Konzert saß, fasste ich zufällig in die Innentasche meiner blauen Jacke. Und dort fand ich dann die Tüte mit den Knöpfen, die zuvor an die Jacke angenäht werden sollten. Die Schneiderin hatte also die ausgesuchten Knöpfe in eine Tüte gesteckt und diese in die Innentasche gepackt, den Reißverschluss zugemacht, und alles an ihren Sohn zum Nähen weitergegeben. Der hatte aber nicht in die Innenseite der Jacke geschaut und dann ähnliche Knöpfe eine Nummer größer angenäht, daher hatten sie damals nicht gepasst. Meine Bekannte schwor mir, nachdem wir uns in dem Konzert für die anderen Gäste aus unerfindlichen Gründen halb tot gelacht hatten, dass sie mit mir zu dem Geschäft gehen würde, und dass sie dort mit mir ordentlich auf den Putz hauen würde. Ich habe ihr dann alles übersetzt, da sie kein Deutsch konnte, was die Schneiderin sagte. Diese behauptete, die Knöpfe seien genauso groß, und würden nicht durch passen. Ich bestand aber darauf, hätte sie die richtigen Knöpfe genommen, die in der Innentasche verborgen waren, dann hätte es gepasst. Natürlich ist meine Bekannte eingeknickt, wie das ja immer bei mir der Fall ist. Erst spucken die anderen große Töne, aber dann lassen Sie mich hängen. Auf jeden Fall habe ich es durchgesetzt, dass die Knöpfe angenäht wurden. Wir einigten uns darauf, dass der Faden mit den Knebelknöpfen etwas länger gelassen würde, damit die Knöpfe mehr Spiel hatten und damit besser durch die Löcher passten. Ich habe ihr dann noch mal Geld gegeben, obwohl ich eigentlich ihrem Mann, der mir damals die fertige Jacke gebracht hatte, schon mal 5 € Trinkgeld gegeben hatte. Dass er mir die Jacke damals gebracht hatte, schien mir mehr als gerechtfertigt. Denn zuvor war ich mehrfach umsonst in den Laden gekommen, als ich die Reparatur der Knöpfe aus Leder veranlasst hatte, und alles noch nicht fertig war, sodass wir darum baten, dass ihr Mann die Jacke bringen sollte. Und damals hatte ich ihm eben dann noch das Trinkgeld gegeben. Außerdem habe ich ihr dann noch etwas gegeben, da ich dies als Kompromiss verstand, weil sie die ursprünglich gewünschten Knöpfe nun annähte. Und sie hatte zuvor auch nicht von selbst bemerkt, dass die Taschen auch Knöpfe hatten, obwohl ich mehrfach gefragt hatte, ob die Knöpfe an der Knopfleiste die einzigen waren, oder ob es sonst an der Jacke noch Knöpfe gebe. Daher musste das noch separat hinterher gemacht werden. Für die Leder-Knöpfe hatte sie dann noch einen Aufschlag verlangt, da diese teurer waren als die Knebelknöpfe. Die durfte ich aber dann zumindest behalten, konnte aber sowieso nichts mehr damit anfangen. Und sie wollte noch mehr Geld, da das Leder so hart zu nähern gewesen sei, sie hätte nicht gewusst, dass das echtes Leder ist. Normalerweise gehe ich davon aus, dass ein erfahrener Schneider das sieht. Endlich sah die Jacke gut aus, und nachdem sie laufend geändert wurde, und ich zig mal beim Schneider war, konnte ich sie auch tragen.
Irgendwann kam ich aber auf den Gedanken, ich könnte mal wieder meinen ledernen Rucksack einwachsen lassen. Denn ab und zu muss dieser neu eingefettet werden, da er schon sehr alt ist. Er stammt noch aus der Schulzeit meiner Schwester. Und er sieht ziemlich „vintage" aus. Und dann war ich noch so blöd und setzte das Ding sofort auf. Und das mit der blauen Wildlederjacke an. Als ich dann einmal mit Leuten im Restaurant saß, stellten diese fest, dass ich 2 große und dicke Flecken auf meiner Wildlederjacke hatte. Ich beschloss also, die Jacke zur Reinigung zu bringen.
Bei der Reinigung sagte man mir, man müsse die Reinigung der Jacke einem speziellen Lederexperten überlassen, und das kostet 60 €. Die 60 € habe ich auf mich genommen und per Vorkasse bezahlt. Ich sollte in 3 Wochen wieder anrufen. 3 Wochen später sagte man mir, die Jacke sei noch nicht wieder von dem Experten zurückgekommen. Dies wiederholte sich mehrere Male. Irgendwann kam dann die Jacke wohl zurück, aber die Flecken waren nicht raus. Sie wollten sie noch mal zu dem Lederfachmann geben, das würde aber nichts extra kosten. Ich habe auch mehrfach angerufen, und wieder hieß es, die Jacke sei noch nicht zurück.
Irgendwann war es dann soweit, ich hatte die Jacke wohl irgendwann im September oder Oktober dort abgegeben, und im Dezember sollte ich dann die Jacke holen. Jedes Mal hatte ich keine Zeit. Dann schneite es, da wollte ich nicht den schwierigen Weg dorthin laufen. Mein Navigürtel hat mir dabei übrigens gute Dienste geleistet. Aber im Schnee wäre mir das trotzdem zu gefährlich gewesen. Denn die Straßen sind dort ziemlich krumm und schief.
Irgendwann gingen dann meine Assistentin und ich mal dort vorbei, aber der Laden war zu, wegen Corona seien die Öffnungszeiten reduziert worden. Sie hat mir gesagt, merk dir einfach, dass du jeden Tag zwischen 10 und 12 dorthin kannst. Sie wollte dann noch mal für mich dorthin, als sie später wieder mal bei mir war, aber dann haben wir es nicht mehr geschafft. Das war an einem Donnerstag.
An einem anderen Dienstag bin ich dann selbst noch mal dorthin gelaufen. Zuerst war ich im Supermarkt, und mein Navigürtel wies mir den kürzesten Weg vom Supermarkt dorthin. Als ich dort stand, war der Laden geschlossen. Zum Glück kam gerade eine Frau mit ihrem Hund vorbei und lass mir die Öffnungszeiten genauer vor. Ich sprach mir diese auf mein Diktiergerät, und am Dienstag sowie donnerstags war der Laden geschlossen. Ich dachte mir, wenn ich es jetzt diese Woche nicht schaffe, dieses Teil abzuholen, lasse ich es dort und erkläre denen schriftlich, dass sie die Jacke der nächsten Obdachlosen Frau schenken dürfen. Aber tatsächlich, am Mittwoch hörte ich dann mein Diktiergerät ab, und ich wollte am Vormittag hin, schaffte es aber wegen anderer Dinge nur zum Hausarzt, um ein Rezept abzuholen, ging aber dann am Nachmittag tatsächlich noch mal los. Und der Laden war geöffnet, oh Wunder! Die Zeiten haben gestimmt. Ich hatte zuvor aber vorsichtshalber lieber noch mal angerufen, dass ich jetzt kommen würde.
Man übergab mir also die Jacke zusammen mit einem weißen T-Shirt, welche sich wegen 2 rosa Flecken ebenfalls dorthin getragen hatte. Meine Abholnummer war 88, manchen Menschen sagt ja diese Zahl etwas, ich fand diesen Code ziemlich Bedeutung tragend. Die Jacke war etwas rauer als zuvor, und die Flecken waren nicht ganz rausgegangen, das hatte man mir aber schon zuvor am Telefon gesagt. Aber sie würden nicht mehr so auffallend sein. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es niemandem auffällt, wie aufgeraut die Jacke war, und dass die Flecken immer noch bestanden.
Noch immer sehne ich mich nach meiner guten alten fuchsbraunen und langen Wildlederjacke zurück, denn die neue würde dieser das Wasser niemals reichen können. Ob ich da jemals reinwachse, ist die Frage.
Samstag, 6. Februar 2021
Midas oder Medusa
König Midas soll ja jemand gewesen sein, bei dem alles zu Gold wurde, was er anfasste. Am Ende war das aber eher ein Nachteil, denn er ist vor dem vollen Teller verhungert, da sein Schnitzel zu Gold wurde, und das kann man wahrscheinlich nicht so gut beißen. Medusa ist ja irgendwie eine Göttin. Auf jeden Fall spricht man immer vom Schrecken der Medusa. Das ist mir noch erinnerlich. Es gab mal einen Film, bei dem jemand immer wieder Katastrophen heraufbeschwor, wenn er nur an eine bestimmte Sache dachte. Er ging damit zu einer Ärztin, und erzählte ihr, was er bis jetzt schon alles bewirkt hatte. Am Ende hat sie ihn umgebracht, aber die Katastrophen gingen weiter.
Als ich neulich zur Tür rausging, um die Post zu holen, habe ich natürlich selbst verständlich den Schlüssel mitgenommen, sonst hätte ich ja auch den Briefkasten nicht aufschließen können. Als ich aber wieder zurück kam, um die Wohnungstür auszusperren, kam ich nicht mehr in die Wohnung. Da ich bloß einige Minuten draußen war, konnte das sicher nicht damit zu tun haben, dass irgendjemand das Schloss ausgewechselt hatte, denn ich habe auch keinen wütenden Partner zu Hause sitzen. Vor einigen Wochen ist es mir schon einmal passiert, dass ich, nichts Böses ahnend, vom Einkaufen zurück kam, und ich kam nicht mehr zur Haustür rein. Ich war dann völlig verwirrt und dachte, ich hätte mich womöglich in der Tür geirrt, denn unsere Türen sehen alle gleich aus. Da wir eine hohe Stufe am Eingang haben, überlaufe ich mit dem Blindenstock häufig meine Tür, denn so hoch kann ich gar nicht pendeln, damit ich mit dem Stock in die Lücke der Mauer komme. Daher muss ich immer erst so laufen, dass ich die 1. Tür erwische, dann zähle ich 20 Schritte, dann bin ich an meiner Haustür, und dann kann ich an meinem Klingelschild die Blindenschrift lesen, dann weiß ich, dass ich zu Hause bin. Ich fasste also mehrfach an mein Klingelschild, aber das war meines, ohne Zweifel. Der Schlüssel ging aber nicht mehr ins Schloss. Ich war total erschrocken und klingelte bei meinem Nachbarn. Bis der dann herauskam, da er offenbar noch geschlafen hatte, hatte ich es irgendwie doch noch geschafft, den Schlüssel ins Schloss zu bekommen. Er meinte, wahrscheinlich klemmt das Schloss, weil es kalt ist. Ich rief dann bei unserer Genossenschaft an, und danach kam ich wieder mühelos zur Haustüre rein.
Am letzten Wochenende war das anders, somit rannte ich in meiner Panik erst mal durchs ganze Haus, um Hilfe zu finden. Eine Nachbarin aus dem 2. Stock versuchte dann, meine Tür aufzuschließen, aber sie hatte genauso wenig Erfolg wie ich. Sie rief dann den Schlüsseldienst an, der mit der Genossenschaft unter Vertrag war. Es wurden 70 € ausgemacht, das war noch ein moderater Preis, aber dafür, dass sich gar nicht schuld war, hat es mich trotzdem gewurmt. Irgendwann kam dann der Schlüsseldienst, während ich mit meinen sehr warmen Lammfellhausschuhen im Hausflur wartete. Die Nachbarin wollte auch einmal sehen, wie so etwas geöffnet wird, daher blieb sie bis zum Schluss dabei. Der Mann versuchte es mit 3 verschiedenen Werkzeugen, und ich zitterte schon, dass es nicht klappen würde. Meine Nachbarin hatte sich dann mental schon mit ihm verbündet und meinte, auf ihnen lastet jetzt ein großer Druck, und ich hatte etwas den Eindruck, dass sie meine Panik gar nicht verstand. Irgendwann öffnete sich dann die Tür, und er meinte, das Schloss sei hinüber. Ich sollte mir ein neues zu 35 € einbauen lassen. Ich hatte zuvor ein Not- und Gefahren Schloss, bei dem man den Schlüssel innen stecken lassen kann, und trotzdem kann noch jemand von außen reinkommen. Das hatte damals 65 € gekostet. Dieses Mal hat er mir dann auch ein solches für 35 € verkauft. Warum das bei dem anderen so teuer war, weiß ich gar nicht. Der Mann war dann noch so nett, und machte mir 2 der Schlüssel auf die entsprechenden Schlüsselbunde, und er markierte noch meinen eigenen Schlüssel mit der roten Kappe. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald hatte mir mal erzählt, dass es elektronische Schlösser gäbe, die sich, nachdem man einen Finger auf ein Feld für den Fingerabdruck gehalten oder einen Code eingegeben hat, von selbst öffnen. Damals dachte ich noch, so etwas brauche ich nicht, das ist Luxus. Jetzt dachte ich mir aber, eigentlich wäre das doch eine gute Sache. Ich erkundigte mich also gleich bei diesem Mann, ob er mir so etwas empfehlen und auch einbauen könnte. Er meinte, er würde mir eine E-Mail zusenden mit einem Angebot. Ich hatte bei ihm und meiner Nachbarin immer das Gefühl, als ob er und sie sich über meine Eilfertigkeit und mein kindliches Auftreten etwas amüsieren würden, als sei ich ein altkluges Kind. Denn ich sagte ihm, dass es ganz gut sei, dass der Zylinder, den er mir eingebaut hatte, nach innen etwas weiter heraus steht, denn dann kann ich einmal einen Schlüsselbund stecken lassen, ohne, dass das Türblatt zerkratzt wird. Er grinste und meinte, das werde ich mir merken. Ich rannte dann nach innen, um das Geld zu holen, und ich hörte, dass die beiden dies irgendwie kommentierten. Es muss wohl ziemlich kindlich naiv gewirkt haben. Ich sehe zwar nichts, aber ich merke, wenn 2 Erwachsene sich zu grinsen. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass ich etwas auf den Arm genommen werde. Auf jeden Fall hat er sich nicht mehr mit einem Angebot für ein elektronisches Schloss gemeldet.
Mit meiner Assistentin zusammen suchte ich dann eines aus dem Internet. Das hatte eine Tastatur, einen Motor und eine Fernbedienung. Man konnte mehrere Codes eintragen, man würde dann einen Schlüssel stecken lassen, und mit der Fernbedienung könnte man auch von innen einmal kurz die Türe öffnen, wenn man nicht schnell genug zur Tür käme. Die Tür würde auch etwas aufspringen, damit man mit Einkaufstaschen oder auf andere Art beladen schnell in die Wohnung kommen würde. Das haben wir dann bestellt. Zunächst dachte ich, mit 104 € ist das Schloss recht billig. Aber dann kam eben immer mehr und mehr dazu. Das war wie bei einem Glas Whisky, das man im Flugzeug bekommt, das Glas kostet extra. Erst einmal kostete der Motor nur 104 €, aber ohne die Tastatur und ohne eine Fernbedienung wäre er nichts wert. Somit kam man dann auf 244 €. Einem Inhaber einer gewissen Fluggesellschaft soll man mal einen Whisky auf den Tresen gekippt haben mit dem Hinweis, dass Glas kostet noch mal 3 € extra. Aber wir haben trotzdem alles bestellt. Denn Whisky ohne Glas bringt auch nicht viel.
Da ich nun mein Hilfsmittel genehmigt bekommen hatte, und noch etwas gut hatte, sollte meine Schwester mir dann die Rechnung für das Schloss bezahlen. Daher schrieb ich ihr, aber ich bekam erst mal keine Antwort. Ich hab ihr dann noch mal eine Nachricht geschickt, dass sie doch mal antworten möge, und da war sie offenbar so verärgert, dass sie dann schimpfte, ich solle doch erst mal warten, bis das Geld überhaupt bei ihr sei. Ich dachte, eigentlich könnte sie es mir auch vorstrecken. Es hatte nämlich auch nicht geklappt, dass ich die Lieferadresse unter meinem Namen und die Rechnungsadresse unter ihrem Namen angebe. Außerdem hatte sie dann noch jemanden an der Hand, der ihr sagen konnte, ob man ohne Fachkenntnisse so ein Schloss selbst einbauen könnte, oder welcher Spezialist das dann machen müsste, falls notwendig. Sie schrieb mir dann und meinte, es sei zu schwierig, das Schloss selbst einzubauen. Ich habe dann herum gefragt und auch wirklich niemanden gefunden. Da ich die Rechnungsadresse sowieso nicht mehr ändern konnte, dachte ich mir, pfeif doch drauf, dann suche ich mir jetzt einen anderen Schlüsseldienst, der mir ein Angebot macht, und dann bestelle ich alles dort und bekomme alles aus einer Hand. Ich sagte nämlich zu meiner Schwester, dass der Typ vom Schlüsseldienst sich so bitten lässt, und dass ich den Eindruck hatte, er nimmt mich gar nicht für voll, weil ich ihn auch noch zum Jagen tragen muss, weil er offenbar kein Geld verdienen will. Sie erklärte mir dann lang und breit, dass solche Leute nicht immer jemanden im Büro sitzen haben, der solche Angebote rausschickt, und dass man einen Handwerker schon bitten und notfalls auch auf einen Kaffee einladen muss, und ihm am besten noch schön tut, damit er etwas für einen macht. Das ginge jedem so. Ich dachte mir, so ganz kann ich das nicht glauben. Ich habe dann einfach mal herumtelefoniert, und eine Firma hat sogar sofort zurückgerufen, da er nicht schnell genug am Hörer war, und ich bereits aufgelegt hatte. Er wollte sofort einen Termin mit mir ausmachen, aber ich bat ihn, noch eine Weile zu warten, ich würde erst einmal Rücksprache mit einigen besonders klugen Leuten halten, die hinterher wieder alles besser wissen, wenn ich die falsche Entscheidung getroffen hätte. Daher schickte ich dann an unsere Familie die Website dieser Firma und erzählte von deren Bereitschaft, mir ein solches Schloss einzubauen. Ja, mach das doch. So habe ich ihn sofort zurückgerufen, und ein paar Tage später war er schon da. Tatsächlich kam er dann auch, und ich musste ihn noch nicht mal zum Kaffee einladen, ihn bitten oder ihm schön tun. Aber die anderen wissen ja immer alles besser, und deren Erfahrungen sind immer repräsentativ für alles im Leben. Auf jeden Fall hat er mir dann einige Varianten vorgeschlagen. Es gäbe zum Beispiel Schlüssel mit einem Transponder, wenn man den an ein Schloss hält, dreht sich der Schlüssel um. Der Nachteil ist aber, dass jeder, der rein will, so einen Transponder haben muss. Ich kenne das von der Katzenklappe, die Katze bekommt einen Chip, und die Katzenklappe öffnet sich nur dann, wenn die richtige Katze davor steht. Dann bekommt man keinen ungebetenen Besuch, zumindest nicht von Katzen. Es gibt ja so viele Menschen, die Angst haben, dass man mit der Impfung gegen Corona auch noch einen Chip eingeschleust bekommt. Das wäre dann keine gute Idee, wenn die dann alle in meine Wohnung kämen. Nein, Spaß beiseite.
Mein Ansinnen war ja auch, dass mir, falls ich mal ins Krankenhaus muss, jemand etwas aus der Wohnung holen kann, ohne dass er sich erst umständlich einen Schlüssel oder einen Transponder besorgen muss. Ich könnte dann meinen Kot an einen Assistenten oder an die Vertretung eines Assistenten geben, der könnte dann rein, und hinterher ändere ich einfach wieder den Code. Es gebe auch noch die Möglichkeit, dass ihm Knauf ein Ring mit Zahlen ist, den man immer zu der richtigen Zahl dreht und danach den Knauf kurz eindrückt. Allerdings muss man dazu die Zahlen sehen können. Es war etwas schwierig, einem sehenden die Frage zu stellen, ob sich nun der Ring oder der Zeiger dreht. Denn wenn sich der Zeiger dreht, kann man vielleicht ertasten, auf welcher Zahl der Zeiger steht. Wenn es ein Ring ist, wären die Zahlen zu eng beieinander, um sie mit Blindenschrift zu beschriften. Wenn sich aber nur der Zeiger dreht, könnte man einfach nur für jede Zahl einen Punkt anbringen, und ich könnte die Punkte dann abzählen. Ich zeigte ihm dies bei meiner Mikrowelle und bei meinem Herd. Bei meinem Herd dreht sich der äußere Ring, aber die Symbole sind unterschiedlich. Der Pfeil ist ganz oben und deutlich zu ertasten. Bei meiner Mikrowelle dreht sich der Knebel, und der Zeiger deutet auf eine bestimmte Zahl. Da ich die Z. 30 oder die Z. 20 nicht dorthin kleben kann, haben wir ab der 15 nur noch eine 5 für 25 und 35, und wir haben eine 2 und eine 3 für 20 und 30. Die Position macht ja schließlich deutlich, dass es sich hier nicht um die 2 oder 3 handelt. Dieser Knauf würde also wegfallen, da der Pfeil außerdem nicht zu tasten wäre, der oben auf der Position fix bleibt, und ich könnte dann nicht genau feststellen, welche Zahl nun genau unter dem Pfeil ist. Es gibt auch noch die Möglichkeit, dass in dem Knauf ein Tastenfeld eingearbeitet ist. Dieses ist aber dann recht klein, außerdem müsste ich bei beiden Varianten den Knauf auswechseln. Er schaute dann eine Weile im Internet, und was fand er da? Er fand genau dieselbe Lösung, die ich bereits selbst einmal bestellt und wieder storniert hatte. Ich konnte ihm sogar noch den Preis nennen. Ich habe nun 4 Fernbedienungen bestellt, die wie Autoschlüssel funktionieren. Dann können die Leute entweder auf Knopfdruck oder nach Eingabe einer PIN in die Wohnung kommen. Er meinte, er müsse aber jetzt etwas aufschlagen, denn er wolle ja auch noch was dran verdienen. Ich sagte, er würde ja an dem Service verdienen, aber er hat auch etwas mehr für die Gerätschaften verlangt. Ich fragte mich hinterher, ob es klüger gewesen wäre, alles vorher zu bestellen und dann jemanden zu suchen, der es einbaut. Aber eine Schlüsselfirma hätte wahrscheinlich nur ihr eigenes Zeug verwendet. Auch wenn sie nichts anderes nehmen als das, was man auch selbst im Internet findet, würden sie dann behaupten, das sei wegen der Gewährleistung nicht möglich. Ich dachte zunächst, dass die Untervertrag mit bestimmten Firmen sind, die ihnen solche Schlösser dann günstiger verkaufen, da sie alles ja beim Großhandel bestellen können. Insgesamt habe ich 3 normale Schlüssel, einen muss er noch zurechtschleifen, damit er in das elektronische Schloss passt, um dann immer automatisch umgedreht zu werden. Ich kann mein altes Schloss weiterverwenden, falls einmal der Strom ausfällt, oder falls die Batterie leer ist. Ich möchte mir dann aber noch 2 normale Schlüssel nachmachen lassen, damit ich alle Varianten habe. Dann kann ich dementsprechend an einen Nachbarn, an meine Assistenten und eine Betreuerin einen Schlüssel vergeben, einer hängt dann noch bei mir, wenn der Haushaltshelfer mal raus muss, und ich gerade weg bin. Dann kann er diesen zwischenzeitlich nehmen, um wieder ins Haus zu kommen. Denn er weigert sich, einen Schlüssel fest zu haben, da er mal früher des Diebstahls verdächtigt worden war. Der Vorteil ist auch, wenn er jetzt die Türe zumacht, und ich bin schon weg, könnte er vielleicht auf Knopfdruck an der Tastatur die Türe verschließen. Ich weiß aber nicht, ob man dann auch die PIN eingeben muss, oder ob man nur auf "Verriegeln" drücken muss. Die PIN wird er sicher auch wieder nicht annehmen, denn das wäre ja dasselbe wie ein Schlüssel. Auf jeden Fall war meine Assistentin schon begeistert, denn sie meinte, sie müsse dann nicht extra zu mir fahren, wenn sie keinen Schlüssel hätte, falls ich mal ins Krankenhaus müsste. Denn nicht jede Assistentin hat ja einen eigenen Schlüssel, er wäre dann lediglich bei der Organisation irgendwo deponiert. Also habe ich mich für dieses Angebot entschieden, und insgesamt zahle ich jetzt knapp 500 €. Dafür habe ich aber jetzt auch alles beisammen. Ich habe ihm also alles unterschrieben, und nun wird er alles bestellen. Ich muss nur darauf schauen, dass mich niemand beobachtet, während ich die PIN eingebe. Als Blinde ist das vielleicht etwas schwierig, daher muss man die Tastatur so anbringen, dass niemand sieht, wie man die Hände bewegt. Außerdem muss man sie irgendwo festkleben, da sie nur über Funk mit dem Motor verbunden ist. Ich dachte, sie hätte vielleicht einen Ring, den man um den Knauf hinten am dünneren Teil wickeln und dann anschrauben könnte. Aber diese Konstruktion konnte ich dem Schlüsseldienst nicht verklickern. So etwas scheint es nicht zu geben. Vielleicht könnte ich ja einfach abschloss um den Knauf machen und die Tastatur dort irgendwie verschrauben lassen.
Auf jeden Fall habe ich jetzt wieder eine Sache mehr, die man nicht mit den Händen anfassen muss. Alles, was ich nicht anfasse, wird zwar nicht zu Gold, aber es geht zumindest nicht kaputt. Ich hoffe, dass ich dann reibungslos in die Wohnung komme.
Der Witz war der, dass ich schon mehrfach Angebote für bestimmte Geräte bekam, und hinterher dann genau dieses Gerät kaputt gegangen war. Einmal hatte ich einen Artikel über Mikrowellen in der Stiftung Warentest vorgelesen bekommen, die wir als Hörzeitschrift bekommen. Ich dachte noch, deine Mikrowelle geht ja noch, aber 3 Tage später war sie hinüber. Mit dem Kaffeeautomaten war es ähnlich, kaum hatte ich das Angebot, ging 3 Tage später mein Espressokocher kaputt. Darüber hatte ich ja hier in diesem Blog bereits geschrieben. Neulich hatte ich in unserem Heft einen Beitrag über Staubsauger. 3 Tage später, klar: wie sollte es anders sein. Es ist auch noch ein guter alter Vorwerk, warum hat er nicht einfach die Zeit bis nach dem Lockdown noch abgewartet, um kaputt zu gehen!? Wir haben jetzt einen Interim-Staubsauger für 60 € bestellt. Der wird ja hoffentlich durchhalten, bis die Sache mit Corona irgendwann mal in diesem Leben überstanden ist. Ich hatte schon Angst, dass ich bald einen Artikel über Waschmaschinen erhalten würde. Und 3 Tage später öffnete ich mein WhatsApp, und was schickte mir da eine Freundin? Miele, barrierefreie Waschmaschine mit taktiler und akustischer Bedienhilfe! Ich hoffe, meine Waschmaschine hält dieses Angebot aus, aber auf jeden Fall wird es diese werden, wenn meine das Zeitliche gesegnet hat, denn sie ist auch schon seit 1998 in Dienst. Der Staubsauger war aus dem Jahre 2008, ich hatte ihn 2011 bei einem freien Händler gekauft, der Staubsauger aufkauft und diese dann mit einem Jahr Garantie weiterverkauft. Von 2002-2008 wurde das Modell EB 135 hergestellt. Ab dem Modell 400 hätte ich es bei Vorwerk einschicken können. Die Niederlassungen sind im Moment geschlossen, auch die freien Werkstätten sind nicht zu erreichen. In der heutigen Zeit werden ältere Modelle leider nicht mehr repariert. Ich glaube aber nicht, dass hier ein Bericht über einen Saugroboter eingestellt werden wird, denn meine Altbauwohnung hat viel zu viele Schwellen. Es stehen viel zu viele Dinge mit Beinen wie Tische, Stühle, Schränke, Sofas oder ein Sitzwürfel herum. Das Gerät würde wahrscheinlich ohne Hundeleine oder Blindenstock nicht weit kommen. Das wäre auch nur eine Möglichkeit, zwischen den Besuchen meines Putzmannes mal sauber zu machen, damit nicht so viel Dreck anfällt, bis er kommt. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald hat so ein Ding, aber er hat eine ganz andere Wohnung, er wohnt im Dachgeschoss und hat schräge Wände, das stört aber den Saugroboter wenig. Denn durch die schrägen Wände hat er mehr Wohnfläche, da ab einer gewissen Deckenhöhe die Fläche nicht mehr oder nur noch zur Hälfte zählt. Das Ding fuhr durch die Wohnung und knabberte sogar an meinen Sandalen und an meinen Zehen herum. Es fuhr sogar von selbst in seine Ladestation, wenn es leer wurde, oder wenn man es mit einer Fernbedienung dorthin beorderte. Ich habe sogar gehört, es gebe Staubsauger, die über eine App zu bedienen sind, und wenn sie irgendwo fest hängen, schicken Sie eine Meldung: „ich stehe jetzt vor einer Stufe, was soll ich machen?" Ich fand das äußerst witzig, vielleicht bekäme ich dann eine Nachricht von meinem Staubsauger: "ich stehe jetzt vor einer Ampel, was soll ich machen?" Mit so einem Bericht käme ich wahrscheinlich in die Bild-Zeitung. Dann würde mein Blog auch noch berühmt. Aber Kishons Bericht über seine wandernde Waschmaschine wird wohl so schnell nichts übertreffen. Ich glaube aber, dass Staubsaugen überlasse ich lieber noch der menschlichen Hand. Alles kann man eben doch noch nicht durch Elektronik ersetzen.
Dienstag, 2. Februar 2021
48-Stunden-EEG
Da bei uns in der Familie jemand mit Epilepsie ist, und wir die gleiche Grunderkrankung haben, wurde endlich einmal auch jemand hellhörig, als ich über nächtliche Zustände von Verwirrtheit mit pelziger Zunge, Muskelspannung und ähnlichen merkwürdigen Symptomen berichtete. Ich habe das seit meinem 21 Lebensjahr. Das tritt immer dann auf, wenn ich wenig Schlaf hatte, wenn ich irgendetwas zu mir genommen hatte, was ich nicht vertragen hatte, zum Beispiel auch einmal, als ich an meinem Geburtstag ein Glas Champagne getrunken hatte, wenn ich mich körperlich zu sehr angestrengt hatte, und einmal sogar, als bei mir die Küche mit neuer Farbe gestrichen wurde. Denn damals hatte ich Schnupfen und roch nichts und hatte vergessen, das Fenster zu öffnen. Ich habe sogar schon einmal ein Nasenspray bekommen, und der Arzt versicherte mir, dass da nichts drin sei, was anregend wirkt, was ja in diesen Nasensprays häufig der Fall ist. So hatte ich das in dem Glauben, es sei total harmlos, eingenommen. In der Nacht hatte ich wieder diese Beschwerden, und als ich danach den Beipackzettel gelesen hatte, war genau das drin, was ich so schlecht vertrage. Demnach war das keine Einbildung. Ich hatte einmal wochenlang einen Crosstrainer, und immer, nachdem ich da drauf war, hatte ich ebenfalls nächtliche Episoden von Übelkeit und anderen Symptomen. Das Ding habe ich dann gegen einen Heimtrainer umgetauscht, ich sagte einfach, ich würde davon seekrank, denn ich kann ja nicht in ein Sportgeschäft gehen und sagen, ich bekomme da immer so komische Zustände in der Nacht, wenn ich auf ihrem Crosstrainer stehe. Vielleicht war das Schaukeln zu viel für mich, oder die intensiven Bewegungen in der Diagonale. Beim Heimtrainer ist das nicht wieder vorgekommen. Ich war schon häufiger einmal beim Arzt deswegen, aber bislang hatte man der ganzen Sache nicht viel Beachtung geschenkt. Zuvor wurde das immer als Panikattacke abgetan. Aber da bei uns Epilepsie im Rahmen der Grunderkrankung vorkommen kann, wurde es eben jetzt endlich mal in Angriff genommen, mich daraufhin zu untersuchen.
Vom 15. bis zum 17. Januar war ich also im Krankenhaus. Einige äußerten ja bedenken, inklusive Manieren Arzt, dass man doch in Zeiten von Corona nicht unbedingt ins Krankenhaus gehen müsste. Ich hatte aber schon die Einschätzung, da die Plätze für ein 48 Stunden EEG ohnehin limitiert sind, dass wahrscheinlich nicht sonderlich viel Umtrieb auf dieser Station herrschen würde. Außerdem durfte niemand auf Station, ehe er nicht auf Corona getestet wurde. Somit fand ich die Sicherheit gewährleistet, Corona hatte so wenig Zugang wie zu Fort Knox.
Als ich also dort war, stand schon ein Sicherheitsdienst da, der uns bat, die Hände zu desinfizieren. Danach kam ich erst einmal zur Anmeldung, und nachdem mein Test auf Corona negativ war, wurde ich untersucht. Danach ging es erst einmal für mindestens 45 Minuten zur Aufnahme. Dort habe ich denen dann erzählt, wo ich Hilfe brauche. Das ist jedes Mal dasselbe, nämlich, dass sie mir zusagen, mir wegen meiner Blindheit zu helfen, und dass das doch selbst verständlich sei. Ich sagte, dass ich aufgrund von atypischen Autismus häufig einmal Schwierigkeiten habe, etwas zu begreifen, und das es dann häufig Missverständnisse gibt. Mir wurde dann der Ratschlag gegeben, einfach noch mal nachzufragen. Ich dachte mir, ich bin eigentlich nicht auf den Kopf gefallen. Das wäre ja so, als wenn jemand sagt, ich bin schwerhörig, und die Krankenschwester sagt, einfach noch mal nachfragen. Das Problem ist eben, wenn man dann so häufig fragt, werden die Leute ärgerlich und ungeduldig. Ich sagte, dass dies eben ein Problem sei, wenn man dann zu oft fragt. Da wurde mir dann erklärt, dass das doch schließlich bei jedem Menschen selbstverständlich sei, dass man eben sich genügend Zeit für die Menschen nimmt. Das müsse man doch bei jedem machen. Ich sagte, offenbar ist das bei mir noch mal was anderes, sonst hätte ich ja keine Diagnose. Ich möchte bitte, dass sie dies ernst nehmen. Bei den anderen Dingen, die sie sich notiert hat, versicherte sie mir, dass sie dies extra unterstrichen oder mit einem Textmarker hervorgehoben hätte. Bei diesem Thema jedoch wurde nicht mehr weiter darauf Bezug genommen. Für so eine Fantasiediagnose hat man nun mal kein Verständnis.
Danach wurde ich aufs Zimmer gebracht, und mir wurde wie versprochen kurz der Raum erklärt, wo das Bad ist, wo die Lichtschalter sind usw. Und es war nun soweit, nun sollte ich mich also umziehen, denn für die nächsten 2 Tage würde ich nicht mehr in der Lage sein, meinen Pullover über den Kopf zu ziehen, da ich dann verkabelt wäre. Ich wurde dann in den EEG-Raum gebracht, ich fühlte mich, als sei ich in der Maske im Theater. Der Arzt war auch da, und das war auch ganz gut so. Denn auf einmal zogen sie mir, nachdem sie mir die Kabel auf dem Kopf mit Paste befestigt hatten, 2 Strümpfe über den Kopf, und ich geriet total in Panik. Der Arzt meinte, das wird gleich ausgeschnitten. Die Ohren ließ man dann auch noch frei, damit man die Maske noch drüber ziehen konnte. Die Brille passte dann auch noch auf die Nase. Wahrscheinlich sah ich aus wie eine Frau mit einer Burka. Ich wurde außerdem noch in eine Art Geschirr gesteckt, um die Brust hatte ich einen Gürtel, daran waren einige Stellen mit Klettverschluss, an welche mehrere Geräte gehängt wurden, zum einen das Kästchen, welches alles aufzeichnete, zum anderen irgendetwas, was mit der Kamera zu tun hatte, und dann noch ein Akku. Zu Anfang hatte ich schon ziemliche Beklemmungen, da über die Schulter dann auch noch ein Gurt lief, und ich mich ziemlich eingeengt fühlte. Irgendwann konnte ich aber dann damit leben. Danach wurde ich aufs Zimmer gebracht, und man bat mich, die nächsten 30 Minuten ruhig auf dem Bett zu liegen. Wahrscheinlich wollte man einfach mal wissen, wie mein EEG ist, wenn ich gar nichts mache. Vielleicht hat da jeder seinen eigenen Grundrhythmus. Nach einer gefühlten halben Stunde bin ich dann wieder aufgestanden und meinen normalen Beschäftigungen nachgegangen. Ich solle jetzt hier „wohnen“. Zum Glück hatte ich immer für 2 Stunden WLAN, welches ich nach einer Weile wieder erneuern musste. Und das WLAN war auch noch kostenlos. An der Wand gegenüber meines Bettes hing eine Kamera, die mich die ganze Zeit aufnahm, denn man sollte bestimmte Ereignisse, Symptome oder ähnliche Dinge notieren mit dem entsprechenden Zeitpunkt, damit der Arzt dann den Film an dieser Stelle abspielen konnte. Notfalls war auch ein Ton zu Schaltbar. Es gäbe auch Schwestern, die ab und zu einmal auf den Monitor schauen. Ich konnte natürlich nicht selbst mit der Hand und einem Kugelschreiber das Formular ausfüllen, aber ich würde hinterher alles dem Arzt zusenden, wenn mir etwas aufgefallen wäre.
Ich beschäftigte mich dann mit WhatsApp, mit Musik und Hörspielen auf meinem Notizgerät und ähnlichen Dingen. Zu Anfang wollte erst einmal mein E-Mail-Programm nicht funktionieren. Eine der Krankenschwestern kam dann, um mir zu helfen, aber eigentlich schaute sie mir nur zu, viel konnte sie auch nicht machen. Nach einer Weile ging es aber auf einmal. Sie war dann auch so nett und brachte mir einen Kaffee. Mittagessen hatte ich schon, bevor ich ins Zimmer konnte.
Zumindest hatte ich genügend Beschäftigung. Am Abend kam auch jemand, die mir mit dem Tablett half und mir alles zeigte, was es zu essen gab,. Dann wurde vorgelesen, was es am nächsten Tag geben würde. Ich hatte mir vorgenommen, die nächste Zeit kein Fleisch mehr zu essen, da ich die schrecklichen Zustände auf den Schlachthöfen und den mit dem zynischen Namen Schweinestau belegten Skandal nicht mehr länger mittragen wollte. Daher wollte ich schon wissen, was es gibt, um mir dann etwas auszusuchen. Ich habe sogar meinen heiß geliebten Leberkäse abgelehnt und dafür einen wahrscheinlich genauso guten Apfelstrudel gewählt.
Am Morgen kam dann auch mein Vollkornbrötchen , aber ich wartete vergebens darauf, dass mir jemand wieder vorliest, was es am nächsten Tag zu essen geben sollte. Der Apfelstrudel kam dann auch, und die Suppe, die ich mir ausgesucht hatte, war auch dabei. Ich fragte dann auch, ob ich nach dem Essen einen Kaffee bekommen würde, da wurde mir mehr oder weniger freundlich erklärt, dass es am Nachmittag eigentlich keinen Kaffee mehr gebe, ich hätte ja zum Frühstück Kaffee bekommen, das sei dann eigentlich nicht mehr möglich. Man würde mir aber in der nächsten Viertelstunde einen bringen. Nach einer Viertelstunde kam noch nichts, und nach einer halben Stunde fragte ich danach. Als nach 1 Stunde immer noch nichts kam, suchte ich über mein Handy einen Lieferservice, aber leider fand ich keinen. Da ging dann zum Glück die Türe auf, und eine der Schwestern kam herein, die ich dann noch mal um einen Kaffee bat. Meine Schlussfolgerung daraus ist, dass ich mir künftig eine kleine Kaffeemaschine mitnehmen werde. Das mit dem Kaffee passiert mir jedes Mal. Früher gab es die Grünen Damen, die regelmäßig nach dem Mittagessen mit einem Wagen herumfuhren, um Kaffee auszuteilen. Schon vor Corona war das nicht mehr üblich. Nicht, dass ich den ganzen Tag Kaffee trinken möchte, aber am Morgen und am Mittag möchte ich schon meine 2 Tassen haben. Und wenn man schon sonst nichts zu tun hat, die Cafeteria wegen Corona geschlossen ist, und man nur dasitzt und sich auf nichts freuen kann, möchte ich schon meine Gewohnheit weiter beibehalten, am Nachmittag einen Kaffee zu haben. Zuvor war ich mit meiner Assistentin noch im Supermarkt gewesen, um einige Packungen Kekse oder kleine Kuchen zu besorgen, von denen ich einige mit ins Krankenhaus genommen hatte für einen Nachmittagskaffee.
Am Abend kam dann noch mal jemand, um mir das Abendessen zu bringen. Ich fragte sie, was denn auf dem Tablett sei, aber mein Hinweis, dass ich nichts sehen könnte, war völlig neu für sie. Warum war ich eigentlich gefühlte 45 Minuten in der Aufnahme? Ich fuhr dann irgendwie mit der Hand über den Teller, und alles war schon geschmiert, und ich hätte fast in ein paar Schnitten mit Frischkäse gefasst. Das ist eben das Problem, gut Meinen ist oft das Gegenteil von Gut, denn für jemanden, der nichts sieht, mag es oftmals einfacher sein, wenn ihm einfach die Packungen in die Hand gegeben werden, damit man sich alles selbst zubereitet, sodass man nur gezeigt bekommt, wo das Besteck ist, und wo der Rest liegt, damit man eine grobe Orientierung hat. Ich fragte dann noch mal, was ist denn morgen zu essen gebe, und ob sie mir das vorlesen könnte, aber meine Bitte, dass mir jemand das Essen vorliest, wurde wieder verschoben, das würde dann die Krankenschwester machen. Die Krankenschwester sagte, das würde die Stationshilfe am nächsten Morgen machen, und am nächsten Morgen meinte die Stationshilfe wieder, das würde die Krankenschwester machen. Als mir das dann zu bunt wurde, rief ich einfach in der Küche an und sagte, ich bin blind, und ich möchte wie jeder andere auch mein Essen aussuchen können, ich möchte jetzt wissen, was es gibt. Da hieß es, eigentlich ist dafür die Stationshilfe zuständig. Ich konterte, und uneigentlich macht es aber auf Station keiner. Sie versprach mir, in den nächsten 15 Minuten noch mal anzurufen, sie sei jetzt am Band, was auch immer das bedeutet, sie würde aber nachschauen. Tatsächlich hielt sie Wort, sonst hätte ich einfach noch mal angerufen. Ich bin ja gewohnt, dass ich kämpfen muss. Gut, dass ich wusste, was es gibt, denn außer das vegetarische Gericht hätte mir sowieso nichts geschmeckt. Das waren Schupfnudeln, das war so ganz nach meinem Geschmack. Ich finde, es sollte keine Frage sein, ob es genügend Zeit dafür gibt, dass jemand mit einer Behinderung etwas vorgelesen bekommt, denn eigentlich sollte alles zugänglich sein. Heute ist man eigentlich nicht mehr der Bittsteller, sondern das sollte eigentlich automatisch ermöglicht werden. Sonst würde es davon abhängig gemacht, ob Zeit, Lust und Ressourcen vorhanden sind. Inklusion ist nichts, was man nur mal eben so macht, wenn das Wetter schön ist.
Als es dann zu ungefähr 14:00 Uhr war, dachte ich, eigentlich müsste ich jetzt langsam von meiner Haarverlängerung befreit werden. Ich klingelte also und fragte, ob man jetzt jemanden holen würde, um die Elektroden abzumachen. Ja, jetzt sei es Zeit. Da hörte ich tatsächlich jemanden aus dem Nebenzimmer um einen Kaffee bitten. Blitzschnell ergriff ich natürlich die Gelegenheit und schloss mich an, und tatsächlich bekam ich auch noch einen Kaffee, obwohl es ja schon Nachmittag war, und man mir am Tag zuvor erklärt hatte, dass es am Nachmittag normalerweise keinen Kaffee mehr gebe. Vermutlich gab es also womöglich gegenüber von meinem Zimmer sogar einen Kaffeeautomaten, genau weiß ich das aber nicht, wo Menschen, die das können, sich einfach bedienen können. Ich habe dann auch ein Geräusch gehört, welches darauf schließen ließ, dass die K raffen für das Wasser mit und ohne Sprudel offenbar genau gegenüber von meinem Zimmer waren. Denn ich hatte häufig die Frau, die das Essen brachte, um eine neue Karaffe gebeten. Die kam immer auffallend schnell. Ich habe ja immer viel Durst und muss ja sowieso viel trinken. Ein Glas musste ich dann meistens aber noch extra erfragen, denn ich wollte nicht direkt aus der Karaffe trinken. Man weiß ja nie, wer diese Teile alles schon angefasst hat, zumal ich ja auch transplantiert bin und auf Hygiene achten muss. Oft hatte ich schon irgend eine gebrauchte Tasse dastehen, aber die wurde manchmal im Eifer des Gefechts weggeräumt. Normalerweise macht es mir nichts aus, aus der Flasche zu trinken, wenn man sie aus einem Kasten holt und selbst frisch aufgeschraubt hat. Teilweise dachte ich wirklich, wenn man hier Anfälle kriegt, dann höchstens Kampfanfälle, manchmal mit und manchmal ohne Schaum vor dem Mund. Aber das bin ich aus Krankenhäusern gewohnt, da war es hier ja noch relativ erträglich. Mein Fazit lautet aber, dass ich mich künftig mit allem eindecken werde, um was ich keine Lust habe, dauernd zu bitten. Zu Anfang bekam ich einige Blätter in die Hand gedrückt, ich würde zwar nichts sehen, aber ich könne das doch trotzdem mal mitnehmen. Warum man alle Informationen nicht einfach online stellt, sodass Menschen mit einer Behinderung sich das barrierefrei aus dem Internet ziehen können, um dann zum Beispiel barrierefrei das Essen aussuchen können, verstehe ich nicht. Soweit ist man dann halt doch noch nicht. Zwischendurch ist das Internet dann gerade in dem Moment, als ich am Abend die Nachrichten schauen wollte, wieder abgestürzt, und als ich laut schimpfte, kam eine Schwester herein, und als sie drauf drückte, ging es wieder. Manchmal reagieren diese Haken nicht, wenn man die Einstellung für Blinde benutzt. Das ist in manchen Krankenhäusern noch schlimmer. Aber ohne WLAN kommt man ja fast nicht mehr aus. Meine ganzen Bücher, die ich mir ausleihe, meine ganzen Hörzeitschriften, die ich abonniert habe, oder andere Dienste, die ich nutze, kann man offline gar nicht mehr verwenden.
Die Kabel an den Elektroden hingen noch an mir, aber das Netz und alles andere war weg. Ich Somit hing die schöne Haarverlängerung in Form von lauter Kabeln immer noch an mir herunter, als ich in die Dusche stieg. Irgendwann fiel dann alles von selbst ab, nachdem ich gefühlte 30 Minuten Wasser darüber gehalten hatte. Die ganze Pampe mitsamt den Kabeln und der klebrigen Masse um die Elektroden herum landete dann als ein einziges Knäuel in der Dusche. Die Elektroden und die Watte warf ich weg, und das Klebrige wusch ich von den Kabeln, und ich versuchte sogar, die Kabel zu entwirren, was mir aber fast nicht mehr gelungen war. Wahrscheinlich hätte man die Kabel vorher von den Einwegelektroden abmachen müssen. Aber meine Haare waren wieder halbwegs sauber, es fehlen nur im Laufe der Woche ab und zu noch einige Batzen von der Paste als trockene Klumpen heraus.
Nachdem ich dann fertig war, kam auch mein Taxi, welches ich schon vorbestellt hatte, da die Klinik etwas weiter von meinem Heimatort entfernt ist. Die Taxifahrerin durfte nicht mit hinauf auf Station, aber eine der Schwestern war so nett und begleitete mich nach unten. Und so stieg ich ins Taxi und fuhr nach Hause.
In der 1. Nacht um 2 hatte ich sehr laute Ohrgeräusche, das passiert manchmal, wenn irgendwelche merkwürdigen Dinge in der Nacht bei mir losgehen. Manchmal wache ich dann noch auf und sehe alles taghell und wundere mich, dass es doch mitten in der Nacht ist, und vor meinen Augen trotzdem die Sonne scheint. Aber das Licht bleibt immer gleich, egal, ob ich mich zum Fenster oder vom Fenster wegdrehe. Und dann noch das laute Gebrumm in den Ohren, das ist schon irgendwie eine Erfahrung der 3. Art. Das kann aber auch mit der Netzhaut zu tun haben. Daher bin ich total erschrocken und hochgefahren. Alles das hab ich dann in mein Diktiergerät gemurmelt und dem Arzt weitergeleitet. Er hat sich auch alles angeschaut, aber außer, dass ich mich aufgerichtet hatte, konnte man nichts erkennen. Es seien nur irgendwelche nicht krankheitswertigen "Wicket"Spikes gefunden worden, das hört sich an wie the three wicked witches" aus Lady MacBeth. Die treten wahrscheinlich immer dann auf, wenn ich mich so richtig ärgere und so richtig aufrege. Eben wie eine richtig kleine böse Hexe. Aber das Ergebnis lautete: keine Epilepsie. Das freut mich zwar, aber, was das Augenflimmern angeht, welches wir auch einmal genauer ergründen wollten, sind wir nun auch wiederum keinen Schritt weiter. Selbst wenn es eine Form von Epilepsie gewesen wäre, hätte das ja nichts an meinem Zustand geändert, denn seit Jahren ist das gleich geblieben, somit hätte mich das nun auch nicht sonderlich erschreckt. Es hätte nur einen Namen bekommen, den es halt vorher nicht hatte. Andererseits bin ich natürlich froh, dass es keine Epilepsie ist, denn so etwas kann sich auch ganz schön schnell mal eben verschlimmern.
Auf jeden Fall war das ein schönes Geburtstagsgeschenk, dass mir diese Krankheit erspart geblieben ist. Mein Fazit lautet jedoch, dass ich beim nächsten Besuch in einem Krankenhaus möglichst viel mitnehmen will, und wenn ich mit einem halben Schrank Anreise. Vielleicht habe ich bis dahin schon mein Tablet, dann erübrigt sich vielleicht das WLAN. Denn ich möchte ein Tablet, in welches man eine Speicherkarte mit 512 GB stecken kann. Da passt dann schon meine halbe Festplatte mit Büchern, Musik und Filmen drauf, das reicht dann für die nächste Ewigkeit im Krankenhaus.
Mittwoch, 6. Januar 2021
2021 -- Ein turbulentes Jahr
Begonnen hatte das Jahr 2020 für mich eigentlich relativ normal. Im November war ich krank, im Januar war ich auch schon wieder krank. An Silvester waren wir in einem Restaurant zusammen gesessen, einige hatten schon die „Rüssel-Seuche“, das nahmen wir nicht so ganz ernst. Dann fiel mir auf, dass in meiner Umgebung ziemlich viele mit einem ziemlich schlimmen Husten krank waren. Auch meine Eltern hatte es ganz schön erwischt, mein Vater war sogar wegen Blutdruckschwankungen aufgrund seines schlimmen Hustens im Krankenhaus.
Im Januar hatte ich einen so schlimmen Husten, dass ich nur noch bei Licht schlafen konnte, mich nicht mehr flach hinlegen konnte sondern sitzen musste, und die Schlafzimmertür nicht mehr zumachen konnte, da ich auf einmal nicht mehr in einem geschlossenen Raum schlafen konnte. In einem meiner Blogeinträge habe ich das alles geschildert. Es war damals sehr schwer, ärztliche Hilfe zu bekommen, und ich wurde dann mit dem Arbeitstitel „schlimmer Husten“ in die Transplantationsabteilung geschickt, denn es bestand der Verdacht, dass dies ein Pilz in der Luftröhre oder in der Speiseröhre sein könnte. Wir steckten in den Endproben für unser Theaterstück, und unsere Theaterpädagogin bearbeitete mich am Telefon so lange, bis ich dann einwilligte, mitzumachen, auch mit der Zusage, nicht noch in den Fundus rennen zu müssen, um mir ein Kostüm auszusuchen, sondern dass ich mich zu Hause umziehen und dann mit meinen aus meinem eigenen Kleiderschrank ausgesuchten Klamotten spielen könnte. Das erleichterte die Sache wesentlich. Das Theaterstück machte auch riesengroßen Spaß, am nächsten Tag war ich noch fit genug im Gegensatz zum Jahr davor, dass ich sogar zu dem Geburtstag meiner Freundin fahren konnte.
Bei dem Geburtstag meiner Freundin hat man schon von diesem chinesischen Virus gesprochen, und wie schnell doch die Chinesen ein Krankenhaus hochziehen konnten. Dass das einmal zu uns kommen würde, daran hatte niemand gedacht. Ich war noch zu sehr beschäftigt mit meinen zu niedrigen Leukozyten. Nach einer Virusinfektion ist das bei mir immer die Folge. Das mit Corona habe ich noch nicht wirklich ernst genommen.
Am 2. März rief dann mein Hausarzt an, ich solle unbedingt zu Hause bleiben, meine Leukozyten seien so niedrig, dass ich das Haus nicht mehr verlassen und niemanden mehr reinlassen dürfte, und jetzt gebe es doch auch dieses Corona. Ich dachte, was macht er für eine Welle, aber ich hielt mich weitestgehend an seine Anweisungen. Als wir dann einmal wieder zum Arzt gingen, meinte meiner Assistentin, morgen müssen wir alle drin bleiben, da beginnt die Ausgangssperre, gehen wir jetzt lieber noch mal einen Kaffee trinken. Danach kam der harte Lockdown. Zeitweise war niemand bei mir, ich musste mich mit meiner ganzen Elektronik und Technik zu Hause selbstständig herumschlagen, was mir mehr oder weniger gut gelang. Kommentar eines unserer Redaktionsmitglieder: „du wächst über dich hinaus“. Das klang wie die Kopfnote in einem Zwischenzeugnis. Lisa wächst über sich hinaus. Aber ich nahm es mit Gelassenheit.
Die Zeit ohne viele Kontakte nutzte ich sinnvoll, indem ich massenhaft Bücher las. Irgendwann kam ich aber doch in Bedrängnis, denn normalerweise gehe ich aufgrund meiner Behinderung zur Fußpflege und auch zur Kosmetik, da ich all diese Sachen nicht alleine bewerkstelligen kann. Unter vielen Mühen und auch mit dem Gefühl, dass das nicht ganz ungefährlich ist, machte ich mich dann selbst ans Werk. Das brachte mir einen meiner ab und zu auftretenden nächtlichen Anfälle von Unruhe, pelzigem Gesicht und Verwirrtheit und außerdem noch eine dicke Hornhaut unter der rechten großen Zehe ein, die jetzt leider nicht mehr ganz weg geht. Da hatte ich mit der Feile zu grob hin gefasst. Ich hatte vergeblich versucht, hier Hilfe zu bekommen, aber mir kam es noch nicht in den Sinn, dass die eine Fußpflege, bei der ich einmal in einem Friseurgeschäft war, ja auch zu den Leuten ins Haus kommt. Ich dachte, in diesen Zeiten macht sie das sicher auch nicht. Später erfuhr ich dann, dass sie in einem Zentrum für Podologie arbeitet, das immer auf haben muss, da ja auch Menschen mit Diabetes immer dringend dorthin müssen. Die nehmen auch alle anderen Kundinnen.
Zunächst kam ich ganz gut mit der Isolation zurecht. Wir hatten dann auch unsere Theatergruppe über Skype, und ich hatte ziemlich viel Kontakt über WhatsApp. Wir wurden auch reichlich mit Videos zu Corona oder auch zu diversen Verschwörungstheorien versorgt. Außerdem war es ganz schön, mal eine Zeit lang alleine zu sein, und niemand wollte was von einem . Ich konnte in Ruhe all die Dinge tun, zu denen ich sonst nicht kam. Das einzige Problem war eben die fehlende Assistenz, aber mit dem Gefühl, dass dies nicht für ewig dauern würde, ließ es sich doch gut aushalten. Manchmal habe ich gerade zum Trotz mein allerbestes Parfüm aufgelegt, dass ich nur zu besonderen Anlässen wie Theaterbesuche oder kulturelle Veranstaltungen verwende, nur, damit ich mal wieder etwas Schönes riechen könnte. Wenn ich wochenlang krank bin, mache ich das auch manchmal. Einfach zum Genuss. Das hebt die Moral ungemein. Daher habe ich das Geschrei zu Beginn nicht verstanden, welches die Leute erhoben, nachdem eine Woche vorbei war. Ich war schon seit dem 2. März nach drinnen verbannt. Als aber dann Ende April wieder grünes Licht kam, dass man sich mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen konnte, da wollte ich natürlich auch mal wieder vor die Tür. Aber es fand sich niemand, der mit mir gehen wollte, da die Assistenten angehalten wurden, sich nicht mit mir nach draußen zu begeben, da ich den Abstand von 1,50 m nicht einhalten konnte, wenn ich geführt werden musste. Dagegen habe ich heftig protestiert, ich habe mich auch an unseren Verband gewendet, dort erntete ich aber nur Achselzucken. Den anderen würde das auch nichts ausmachen, ich sei die 1., die sich beschwert. Und das sei jetzt eben mal so, das müsse man halt aushalten, sagte mir eine sehende Werktätige Person, die wahrscheinlich auch in einer Partnerschaft lebt und erst zum Zeitpunkt wie alle anderen auch Ausgangsbeschränkungen erfahren hatte. Ich fühlte mich ziemlich in meiner Ehre gekränkt, als könne ich nichts aushalten, aber meine Bedingungen waren ja um ein Vielfaches härter. Eine aus unsere Theatergruppe erbarmte sich dann, mit mir und ihrem Hund Gassi zu gehen, und so unternahmen wir viele längere Spaziergänge oder kehrten einmal dort ein, wo es möglich war. Die Theatergruppe hat sich dann leider zerschlagen, da es aufgrund von Corona immer schwerer wurde, einen gemeinsamen Ort und einen gemeinsamen Termin zu finden, als es wieder möglich war. Es gab daher, auch während der Zeit, als wir nur über Skype miteinander kommunizierten, ziemlich viele Missverständnisse, Querelen und Ärger zwischen einigen Mitgliedern und unserer Leitung, und so verließen einige im Zorn unsere Gruppe, und das wurde dann zum Anlass genommen, darüber nachzudenken, ob wir überhaupt noch Theater spielen oder uns nur noch in organisatorischen Streitigkeiten verstricken. Daraufhin kam es dann zum Zerwürfnis mit unserer Theaterpädagogin, die das, was ihr zugetragen wurde, sehr als Kritik und als Stimmungsmache gegen sich aufgefasst hat. Die Gruppe trifft sich ab und zu noch sporadisch, aber da ich mehr Interesse an vereinzelten Personen habe, nehme ich nicht so gern an den Gruppentreffen teil. Bisher hat sich noch keine Theaterpädagogin gefunden, und die Leute haben sich in andere Gruppen eingetragen. Ich hoffe aber, dass ich mit einigen Mitgliedern noch in Kontakt bleiben kann. So ganz habe ich mich zur Gruppe nie wirklich zugehörig gefühlt. Da gab es so einen harten Kern, bei denen ich den Eindruck hatte, dass sie das Wort führen, und es war immer schwierig, wirklich dazuzugehören. Darum hatte ich dann auch kein so großes Interesse mehr und wollte schon öfter wieder raus, bin aber immer wieder von einzelnen überredet worden, drin zu bleiben. Nun hat sich das sowieso erledigt.
Anfang des Jahres hatten wir auch geplant, dass ich automatisierte Rollos und von mir selbst steuerbare Heizkörper Thermostate bekommen sollte. Auch eine neue Küche war im Gespräch, denn ich hatte alles einzeln, und ich wollte eine durchgehende Arbeitsplatte, damit nicht zu viel Schmutz zwischen den einzelnen Schränken nach unten fällt. Vor Corona hatten wir dies noch alles geplant. Allerdings hatten wir einige Dinge anders vorgehabt, da ich eigentlich nicht die gesamte Küche austauschen wollte. Als es sich aber als zu schwer herausstellte, in eine bereits bestehende Küche Teile einzupassen, habe ich mich dann dafür entschieden, lieber etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, alles aus einer Hand zu bestellen und dann von einer einzigen Firma einbauen zu lassen. Hierüber habe ich auch ausführlich in mehreren der Blogeinträge berichtet. Corona hat dem Ganzen erst einmal einen Riegel vorgeschoben. Danach ging es weiter, trotz und mit Corona.
Auch kam schon ein Architekt vorbei, der mir erklärte, was bei dem neuen Balkon, der im Jahr 2021 kommen sollte, in meiner Küche verändert würde, sodass ich die Planung meiner Küche dementsprechend anpassen konnte. Zum Glück stellte sich heraus, dass ich nicht sehr viel anpassen musste. Auch hierüber habe ich berichtet. Es kam schon ein Brief von der Genossenschaft Anfang dieses Jahres, den werde ich mir noch vorlesen lassen, und darin steht wahrscheinlich, wie der Ablauf der Arbeiten für die Balkone dieses Jahr stattfinden wird. Ich freue mich schon sehr auf den Balkon.
Im Sommer war dann alles wieder fast wie normal. Ich freute mich, dass ich unter Einhaltung der Mastenpflicht alles mögliche an kulturellen Unternehmungen tätigen konnte. Ich fand es sogar toll, und finde es nach wie vor sehr praktisch, dass die Menschen eine Maske tragen, denn ich bin dieses Jahr noch nicht krank geworden. Normalerweise stecke ich mich bei jedem an, der irgendetwas hat. Im Winter sollten wir dies alle auch nach Corona weiter beibehalten. Meine Mobilität war dadurch sogar zeitweise erhöht, denn es gab schon Momente, in denen die Ärzte mir sagten, ich dürfe nur mit Mundschutz vor die Tür. Da mir das peinlich war, blieb ich dann immer zu Hause. Jetzt brauchte mir das nicht länger peinlich zu sein, denn ich war nicht mehr die einzige, jawohl, juhu!! Die Leukozyten waren nämlich nach meiner Infektion im Januar so niedrig, dass sie auch mit Spritzen nicht mehr hochgingen. Daher haben wir eines meiner Immunsuppressiva reduziert. Ich war damit überhaupt nicht einverstanden und kämpfte mit aller Kraft dagegen. Ich hatte schon einmal die Immunsuppression reduzieren müssen, und danach hat dann die Niere etwas gestrichelt. Das war während meines Umzugs im Jahr 2017, über den ich hier auch hinlänglich berichtet habe. Schließlich musste ich mich aber den Anordnungen des Arztes beugen und die Immunsuppressiva reduzieren. Die Niere reagierte prompt, aber zunächst tat niemand etwas. Daher habe ich dann einen Brandbrief an meine Nephrologen geschrieben, der mich dann zur Punktion auf die Transplantationsstation geschickt hat. Es war im Gespräch, die Immunsuppressiva umzustellen. Bei der Punktion kam aber nichts Wesentliches heraus. Wie ich auch in einem der Blogeinträge schon berichtet hatte, wurde dann wieder mal alles auf die Psyche geschoben, meine Erwartungshaltung, dass die Niere schwächer würde, hätte das beeinflusst. Das ist ja schon ein Meisterstück der Selbsthypnose. Ich bin doch so eine richtige Zauberkünstlerin. Damit könnte ich im Fernsehen auftreten. Ich war hinterher so niedergeschlagen, dass ich am liebsten alles hingeschmissen hätte. Aber nach und nach erholte sich die Niere wieder, die kleine Kampfsau, und sie lief besser denn je. Mittlerweile war der Spiegel auch von dem anderen Medikament zu hoch, den wir jetzt auch reduzieren konnten. Auch andere Tabletten konnte ich inzwischen weglassen, die nichts mit der Niere zu tun haben. Die Schilddrüsenmedikamente konnte man auch reduzieren, obwohl die Schilddrüse komplett draußen ist, brauche ich ziemlich wenig im Moment. Zuvor hatte ich für alle Dinge immer ziemlich hohe Dosen benötigt. Das ist natürlich eine erfreuliche Entwicklung. Im Januar werde ich dann noch ein Wochenende ein 48 Stunden-EEG bekommen, denn beim medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung haben wir überlegt, ob es sich bei den oben erwähnten Zuständen um eine Form von Epilepsie handeln könnte, da ja mein Bruder im Rahmen seiner Grunderkrankung auch Epilepsie hat. Und er hat ja die gleiche Grunderkrankung wie ich. Hierauf hatte ich bei anderen Ärzten zuvor immer vergeblich hingewiesen. Daher wurden diese Symptome bei mir immer als Panikattacken abgetan. Ich hoffe, dass man etwas findet, was man gut beheben kann. Wenn man nichts findet, macht es auch nicht viel, da ich das nur ein paarmal im Jahr nach größerer Anstrengung bekomme. Da lohnt es sich auch nicht, das ganze Jahr über starke Medikamente zu nehmen. Es wäre natürlich schön, wenn man auch etwas finden würde, was im Zusammenhang mit diesem quälenden Augenflimmern steht. Der Arzt meint sogar, man könne beide Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich hatte aber gegen diese Symptomatik schon einiges ausprobiert, unter anderem eben auch Antikonvulsiva, die ja auch gegen Epilepsie wirken. Wir werden sehen.
Die Rollos und die Heizkörper Thermostate kamen mit all den Schwierigkeiten, über die ich berichtet hatte. Aber weitestgehend funktioniert jetzt alles, bei den Heizkörpern müssen wir noch einiges nachfragen und regulieren. Da ist es noch sehr schwer.
Im Herbst ging es dann in die Vollen mit der Küche. Ich habe dann schon geplant, wann jemand kommen sollte, der die alte Küche mitnimmt und die andere Seite noch streicht. Der finanzielle Rahmen war gesetzt, und der konnte auch eingehalten werden. Und ich habe mir eine geistige Liste von Dingen gemacht, die ich mir nach und nach anschaffen würde, wenn wieder neues Geld gespart war.
Mit Verwandtenbesuchen war es dieses Jahr sehr eingeschränkt, bis gegen Null gehend. Eigentlich wollte ich meine Familie im Sommer besuchen, aber mein Vater wollte niemanden da haben wegen Corona. Ich habe mich dann alleine mit einer Freundin in meiner alten Gegend getroffen. Die andere wollte oder konnte leider nicht mit. Mein Bekannter aus dem Schwarzwald kam dann auch im Herbst wieder. Er war dieses Jahr noch gar nicht da gewesen, denn während meines Geburtstags war ich ja ziemlich krank mit diesem schrecklichen Husten. Spontan fiel es dann Anfang September meiner Mutter ein, dass sie am 20.. Nun doch ihren 85. Geburtstag feiern wollte. Ich sagte ihr, da sie jetzt so knapp dran war, und da sie im Sommer keine Zeit hatten, zu der ursprünglich mein Bekannter und ich zu Ihnen fahren wollten, und er jetzt aber kommt, hätte er natürlich den Vortritt, aber glücklicherweise löste sich das Problem, denn er hatte sich für später angesagt. Dem Geburtstag meiner Mutter stand also nichts im Wege. Theoretisch, aber dann rief meine Schwester an, dass sie krank geworden sei. Es stünde nun in meiner eigenen Entscheidung, ob ich dennoch kommen wollte oder nicht. Ich dachte mir, es ist der Geburtstag meiner Mutter und nicht der meiner Schwester, also wäre ich schon gekommen. Aber dann rief mein Vater an und blies alles ab, zur Sicherheit, man wisse ja nicht, und man wolle ja keinen Ärger haben. Am 14. November wollte dann mein Neffe heiraten. Dies konnte natürlich nur im kleinsten Kreis stattfinden, es durften nur maximal 15 Leute ins Standesamt. Und dann kam der nächste Lockdown, dieses Mal in angeblich leichter Form. Für mich war es noch erträglich. Aber dennoch war es schade, dass mein Neffe nicht seine Hochzeit feiern konnte. Ich dachte, er würde sich zumindest eintragen, die Feier könnte man ja nachholen, aber nun findet die gesamte Hochzeit später statt. Ein anderer Neffe von mir ist Vater geworden, nun bin ich zum 3. Mal Großtante. Der 1. Großneffe kam 2018, ein Jahr darauf kam von meinem anderen Neffen die 1. Großnichte, und nun kam im Sommer 2020 der 3. Großneffe. Ob diese Kinder jemals erleben werden, dass man ohne Maske herumlaufen kann, oder ob sie staunend zuhören, wenn die alten Leute ihnen erzählen, dass man früher ganz anders gelebt hat, das frage ich mich. Vielleicht können die sich gar nicht mehr vorstellen, dass wir alle mal ohne Maske rausgegangen sind, dass wir ziemlich viel offline gemacht haben, dass es große Konzerte gab, dass sich Menschen in größeren Gruppen versammeln konnten, und dass man das ganze ja überall herumlaufen, verreisen und sich überall hin bewegen konnte. Ob das je wieder so selbstverständlich wird, wie es vor Corona war? Ob wir das noch erleben? Es wird zumindest anders als vor Corona, aber diese Kinder werden es nie anders gekannt haben, als es künftig sein wird. Klingt banal, ist aber in dieser Situation von größerer Tragweite.
Hilfsmitteltechnisch hat sich auch einiges getan. Der Wartungsvertrag, der immer 5 Jahre lang dauert, wurde für mein Lesegerät wieder verlängert.
5 Jahre zuvor hatte man es vergessen, und auf einmal riefen sie an und wollten, dass ich einen Antrag auf Verlängerung des Wartungsvertrag bei der Kasse stelle. Zum Glück war die Sachbearbeiterin der Hilfsmittelabteilung gerade im Urlaub, und die Vertretung war sehr friedlich und handzahm und hat sofort alles genehmigt. Die Hilfsmittelfirma hätte es tatsächlich fertig gebracht, dass Lesegerät, welches ich 2006 schon erhalten hatte, wieder mitzunehmen und mir dann privat ein neues (gebrauchtes) zu verkaufen. Was hätten die denn mit meinem 15 Jahre alten Lesegerät noch machen wollen? Mir leistet es noch gute Dienste. Dann hatte ich ja eine Erweiterung für Dragon beantragt, mit der man unter Einsatz der anderen blinden technischen Hilfsmittel gut diktieren kann, denn Dragon ohne diese Erweiterungen verheddert sich permanent mit dem Vergrößerungsprogramm und der Sprachausgabe. Ich habe die Skripte bereits ausprobiert, es geht wunderbar. Aber die Krankenkasse weigert sich, es zu bezahlen. Zunächst wurden medizinische Gründe angeführt, ein Gutachten vom medizinischen Dienst besagte, dass ich ja geistig fit sei, dass ich nicht mehr an der Dialyse sei, und dass ich ja auch telefonieren könnte, und es gäbe ja auch Radio und Fernsehen. Dies wurde zunächst von meinem Nephrologen widerlegt, denn er schrieb, ich müsse ja auch meine Selbstständigkeit erhalten, ich müsse in der Lage sein zu tippen, und aufgrund des noch bestehenden Dialyseshunts und der zusätzlichen motorischen Schwierigkeiten aufgrund meines Gendefekts sei ich eben auf dieses Programm angewiesen. Lange hörte man dann nichts mehr von der Krankenkasse. Ich war ja dann noch beim medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung, und dort hat dann der Neurologe ebenfalls sehr offen reagiert und mir ein weiteres Attest ausgestellt. Alle anderen Versuche, von Spezialisten für meine seltene Erkrankung etwas zu erhalten, scheiterten. Die hatten mir damals zwar bestätigt, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass all meine Beschwerden von meinem Gendefekt herrühren, aber sie wollten dafür nicht den Kopf hinhalten. Die Sache ging dann das 2. Mal zu medizinischen Dienst, und nun heißt es auf einmal, ich hätte auch Dragon von der Krankenkasse bezahlt bekommen müssen, und da ich mir Dragon selbst gekauft hätte, könne man mir die Erweiterungen nicht von der Kasse finanzieren. Das wäre so, als wenn jemand keine Sprachausgabe und keine Vergrößerung bekäme, weil er den Computer selbst gekauft hätte. Oder es wäre so, als wenn jemand eine bestimmte App, die er für seine medizinischen Belange braucht, nicht von der Kasse bekommt, da er das Handy selbst gekauft hatte und auch für private Zwecke nutzt. Das läd ja dazu ein, sich das nächste Mal auch gleich Dragon von der Kasse finanzieren zu lassen. Die sollen doch froh sein, wenn man das Grundprogramm, welches sich auch Sehende besorgen können, selbst besorgt. Ich habe Dragon seit 2013, aber es beißt sich laufend mit meinen anderen Hilfsmitteln, und das Diktieren macht damit dann keinen Spaß, denn nach einigen Monaten steigt das Programm dann vollständig aus. Mit diesen Skripten läuft es aber, da sie speziell für blinde programmiert sind. Wäre es kategorisch juristisch im Grundsatz nicht möglich, dieses Hilfsmittel zu finanzieren, hätten sie meinen Antrag nicht zweimal durch den medizinischen Dienst geschleust. Da sie aber medizinisch nicht gegen die Verordnung argumentieren konnten, da diese von 2 ärztlichen Attesten gestützt wird, wird es nun halt auf die juristische Art probiert. So ziehen sie dann ein Register nach dem anderen, bis man als kranker und behinderter Mensch mit seinen Ressourcen am Ende ist. Ich hoffe, dass der Verein RBM, Rechte für behinderte Menschen, der unserem Verband angeschlossen ist, mir hier weiterhelfen kann. Die werden wohl entscheiden können, inwieweit die Sache Aussicht bei einer Klage hat. Ich habe aber noch von einem anderen Bekannten gehört, dass er zum Beispiel ein System wollte, bei dem er seinen Blutzucker nicht mehr durch Stechen in den Finger messen muss, sondern ein Chip in den Arm gedrückt wird, der dort 2 Wochen verbleibt, um den Blutzucker zu messen und vor Unterzuckerung zu warnen, und dies wurde ihm auch bisher nicht bezahlt. Mittlerweile gibt es hierzu ein Gerichtsurteil, welches ich ihm auf Anraten eines Arztes zugeschickt hatte, aber dennoch ist die Sache ebenfalls schon zweimal beim medizinischen Dienst gelandet. Ich glaube, in diesem Jahr 2020 wollten sie wegen Corona nicht viel an Hilfsmitteln finanzieren. Aber Fusion habe ich bekommen. Fusion besteht ja aus der Vergrößerung und der Sprachausgabe. Man muss jedes Jahr ein Update nehmen, denn wenn man einmal keines nimmt, und sich dann bei Programmen für Sehende etwas ändert, könnte es sein, dass man das Programm nicht mehr bedienen kann. Wenn man dann wieder ein Update möchte, muss man die Updates dazwischen sowieso kaufen. Nach 5 Jahren sind die Updates dann insgesamt so teuer wie das ganze Programm selbst. 2019 habe ich das letzte Update bekommen. Daher habe ich hier das update für 2020 und 2021 für die Sprachausgabe und das Vergrößerungsprogramm aufs Rezept schreiben lassen. Zuvor hatte man mir immer nur die Sprachausgabe bezahlt, da man der Ansicht ist, dass ein Lesegerät ja auch schon vergrößert, und eine Vergrößerung am Bildschirm sei damit eine Doppelversorgung. Mittlerweile sind aber die Sprachausgabe und die Vergrößerung in ein System verschmolzen, und man kann ja nicht das gesamte Internet ausdrucken und unter das Lesegerät legen, weil man keine Vergrößerung hat. Dies ging problemlos durch, aber im selben Bescheid wurde eben erwähnt, dass Dragon aus oben genannten Gründen nicht finanziert werden kann. Ich bin gespannt, ob ich da dieses Jahr doch noch Glück habe.
Auch online hat sich eine Menge getan. Zum einen habe ich einige Kommunikationssysteme kennengelernt, mit denen man über Video oder auch nur über Ton an Seminaren teilnehmen kann. Mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten habe ich es dann geschafft, das Mikrofon einzuschalten oder wieder stumm zu schalten, etwas in den Chat zu schreiben oder bei einer Gruppe mitzumachen, zu der ich spontan zugeteilt wurde. Manchmal klappt es besser, manchmal auch gar nicht. Bei einem Vortrag über ein anderes System, das ich zuvor noch nicht benutzt hatte, war ich besonders wagemutig und wollte etwas in den Chat schreiben und flog aus dem System und kam nicht wieder rein. Viele andere Teilnehmer seien laut Administrator zu selben Zeit rausgeflogen. Ich hatte schon Angst, dass ich hier durch mein Herum spielen etwas zerstört hatte, aber er meinte, dass sei absolut unmöglich.
Es gibt aber jetzt auch ein ganz einfaches System für blinde und Sehbehinderte, welches aus einer bereits bestehenden Plattform hervorgegangen ist. Dort kann man über eine speziell für blinde konzipierte App in verschiedenen virtuellen Räumen mit ziemlich originellen Namen zu unterschiedlichen Zeiten Vorträge hören, an Seminaren oder Workshops teilnehmen oder ein Konzert genießen. Ich habe einige Vorträge über die Heimatländer einiger Teilnehmer angehört, ich habe auch ein wunderschönes Adventskonzert mitbekommen, und ich habe zum Beispiel auch wieder mal Esperanto gesprochen, da es einen Kurs für Anfänger gab, an dem ich, so glaubte ich zumindest, unterstützend teilnahm, damit die Anfänger einmal hören konnten, wie das so klingt. Man kann hier auch selbst Angebote einstellen, man kann auch Dateien dort streamen , damit die anderen sie hören können, und unsere Radiosendung wird nun auch regelmäßig dort in einen der längeren Podcasts eingestellt. Die Idee war schon vor Corona geboren, aber zunächst stießen sie offenbar nicht auf großes Interesse, und als dann Corona wütete, und man sich nicht mehr treffen konnte, zeigten sich die Vorteile dieser Erfindung. Wir haben einen ziemlich genialen und chaotischen und kreativen Kopf in unseren Reihen, der sich solche Dinge sehr schnell ausdenkt und sie auch in die Tat umsetzen kann. Den habe ich dann auch in einem unserer Radiobeiträge interviewt. Es geht um Blindzeln, in dieser Plattform gibt es Mailinglisten, WhatsApp Gruppen und auch Treffen in dem oben erwähnten online Veranstaltungszentrum. Ich bin dort auch einer Gruppe beigetreten, die sich mit Android Telefonen befasst, und dort habe ich schon manch nützlichen Tipp erhalten.
Und als Finale in dem ohnehin schon turbulenten 2020 bekam ich ja dann noch meine neue Küche. Sie ist wunderbar geworden, nach all den Kämpfen und den Mühen, die ich auch in mehreren Blogeinträgen geschildert hatte, und jetzt hoffe ich, dass die Arbeitsplatte noch korrigiert wird. Als Krönung kam dann auch noch ein Kaffeevollautomaten hinzu. Von dem habe ich auch schon berichtet, mittlerweile habe ich schon festgestellt, dass ich am Anfang alles falsch gemacht habe, was man nur falsch machen kann. Nachdem ich diese Kardinalfehler nun behoben habe, funktioniert das Gerät einwandfrei. Milchschaum muss ich halt weiterhin mit meinem bisherigen Milchschäumer machen, denn ich habe jetzt nach einigen Recherchen über Videos und Wikipediaeinträge herausgefunden, dass es 2 Arten von Möglichkeiten gibt, dass an einem Kaffeeautomaten Milch aufgeschäumt wird. Entweder mit einem Cappuccnertore, bei dem die Milch aus einem Gefäß über eine Art Strohhalm angesaugt und dann als Schaum ausgegeben wird, oder mit einem Pannarello, aus dem nur Dampf herauskommt, und unter welches man dann einen Becher mit Milch halten muss, sodass die Dampfdüse in die Milch eintaucht, dort muss sie dann minutenlang verbleiben, währenddessen muss man dann auch noch den Becher drehen, und dann bekommt man Schaum. So etwas habe ich. Sonst wäre das Gerät wahrscheinlich wesentlich teurer geworden. Aber ich habe ja sowieso schon ein schönes Gerät, um Milchschaum zu machen. Den Schaum kippe ich dann einfach vorher in die Tasse und halte diese unter die Ausgabe für den Kaffee. Das Gerät lässt sich auch gut reinigen. Wie der Filter für die Wasserenthärtung reingeht, wissen wir immer noch nicht. Aber ich habe mehrfach die Gebrauchsanweisung gelesen, es gibt davon auch eine Ausgabe im Internet. Da steht dann, was ich alles hätte machen müssen, und was ich alles falsch gemacht habe. Ich hoffe, wenn meine Assistentin im neuen Jahr, also morgen wieder kommt, dass wir das noch hinkriegen. Einstweilen geht es aber ganz gut damit.
Kommunikationstechnisch hat sich auch einiges getan. Ende 2019 oder Anfang 2020 bekam ich ja ein Kästchen, welches mir sagen sollte, wer anruft. Denn es rufen ja häufig mal irgendwelche Werbefirmen an oder Betrüger, die sich als Mitarbeiter von Microsoft ausgeben. Zu Beginn hat dieses Gerät auch gut funktioniert. Es ist mit meinen Smartboxen über WLAN gekoppelt. Als dann aber die Smart Home Box kam, kamen sich offenbar beide Geräte ins Gehege. Dies glaubt mir zwar niemand, aber Geräte haben wahrscheinlich auch ihre Vorlieben, mit wem sie sich vertragen oder nicht. Wir haben jetzt mal den 13. Kanal gesperrt, da Geräte aus USA und China damit nichts anfangen können, damit die FRITZ!Box sich nicht diesen Kanal aussucht. Viel hat das aber noch nicht gebracht. Es hätte dann noch die Möglichkeit gegeben, sich eine Smart Box von Gigaset mit gleicher Funktion zu besorgen, aber die hat leider dieselbe Technik integriert, wobei dieses Kästchen alleine als solches schon nicht mehr vertrieben wird. Das wird wohl seine Gründe haben. Wenn also dieses Kästchen bei mir nicht geht, der Echo Connect, dann geht eben auch der Smartspieker von Gigaset nicht. Bei mehreren Telefonkonferenzen über Hilfsmittel habe ich dann herausgefunden, dass es eine Liste mit sprechenden Telefonen gibt, die ich anfordern konnte. Dort war auch von einem sprechenden Telefon die Rede, von einer Firma, die schon einmal ein schnurloses Telefon mit Sprachausgabe verkauft hatte. Davon habe ich noch eines aus dem Jahr 2000, welches man aber direkt an seine Basis anschließen muss, damit es die Nummern ansagt, und die Basis muss dann mit der FRITZ!Box über Kabel verbunden werden.
Die neue Variante kann man direkt mit dem schnurlosen Telefon über DECT mit der FRITZ!Box verbinden, und trotzdem sagt sie noch die Nummern an. Dies haben wir nun auch nach 1 Stunde Herumprobieren geschafft. Ich dachte schon, dass geht auch nicht, denn eine Basis hatte ich mir gar nicht mitschicken lassen, denn die musste man nicht mit bestellen. Es gab eine Variante mit und eine Variante ohne Basis mit unterschiedlichen Gerätebezeichnungen. Ich war dann froh, dass wir es zumindest hinbekommen haben, dass jetzt die Nummer angesagt wird. Man könnte auch einen Eintrag im Adressbuch machen, sodass es den dort bestehenden Namen mit ansagt, aber soweit sind wir noch nicht gekommen. Das macht dann hoffentlich meine andere Assistentin, die sehr fit am PC ist. Im Moment funktioniert sogar der Echoconnect, sodass jetzt alles spricht. Ich hoffe nicht, dass dann immer auch alles zur gleichen Zeit ausfällt. Eine gewisse Nachrangigkeit wäre hier schön.
Wir werden morgen noch mal wegen der Heizungen telefonieren, denn der Hersteller hat angeboten, wenn wir es nicht schaffen, könnte ich die Heizkörper Thermostate umtauschen. Aber es soll ein neues Update der Smart Home Box geben, und darauf setzen wir noch. Momentan lasse ich die Einstellungen noch über Routinen mit der Alexa laufen und nicht über die für blinde unzugängliche App vom Hersteller. Vielleicht nützt das auch schon etwas, aber das Ding ist ziemlich launisch, wie eben alle elektronischen Geräte.
Und auch unser Radioprojekt ging weiter. Wir durften ja nicht mehr ins Studio, und anfangs sah es so aus, als ob ich die technischen Hürden nicht überwinden könnte. Mit den neuen Videoplattformen kam ich nicht so gut zurecht, dass ich damit hätte aufnehmen können. Einige davon lassen es nur am Computer zu, Mitschnitte zu machen. Ich habe einmal jemanden interviewt und hinterher erst festgestellt, dass zwar ein Haken bei der Aufnahme gesetzt war, dies aber über die App am Smartphone nicht funktioniert hat, und somit die Aufnahme nicht abgespeichert wurde. Am PC war es sehr mühsam, dieses Programm zu bedienen. Mittlerweile habe ich aber gehört, dass es ein Verzeichnis mit Tastenkombinationen für dieses Programm gibt, die blinde benutzen können. Die müsste ich mir dann mal zu Gemüte führen und auswendig lernen. Aber im Moment gibt es noch Alternativen. Die Telefonkonferenz ist das einfachste Mittel, denn telefonieren kann jeder. Ich habe eine Plattform gefunden, auf die man einen gewissen Betrag monatlich einzahlen muss, dann aber bei der Premium Version auch Mitschnitte machen kann. Wenn man eine gewisse Tastenkombination am Telefon drückt, und zwar nur als Host, da man hier eine spezielle PIN hat, kann man mit schneiden und den Mitschnitt hinterher von deren Homepage herunterladen. Zum Glück ist er in einem MP3 Format, sodass ich ihn bequem mit meinem Schnittprogramm bearbeiten kann. Über mein Headset kann ich dann auch Aufnahmen ein sprechen, um einen Beitrag noch mit eigenen Kommentaren aufzupeppen. Und auf meinem Handy sind ja auch Möglichkeiten gegeben, etwas auf zu sprechen und dann über die Dropbox auf meinem Handy an unsere Redaktion zu schicken. Ich war so glücklich, dass ich weiter mitmachen konnte. Eines unserer Mitglieder war zu Beginn der Pandemie im Krankenhaus, und es war fraglich, ob er noch mitmachen würde können. Die Tonqualität hat natürlich gelitten, da das Meist über Telefon stattfindet, aber im Sommer haben wir uns öfter mal in einem Restaurant getroffen und dort unsere Aufnahmen gemacht, das war natürlich super, die Atmosphäre dann auch noch mit zu liefern. Die Hintergrundgeräusche waren aber leise genug, sodass man uns noch gut verstehen konnte. Biergarten, Italiener, all das hat unsere Aufnahmen sogar noch aufgewertet. Wir haben uns tapfer geschlagen.
Ich habe sogar eine Übersetzung für eine Freundin machen können, denn sie hat einen Lehrgang zu einem Programm gefunden, welche aber nur in englischer Sprache verbreitet wird, und sie muss ein neues Schnittprogramm haben, da ihr PC ein Update erhielt, sodass ihr altes Programm nicht mehr läuft. Ich habe die Beiträge über mein Diktiergerät abgehört und dann Satz für Satz über mein Headset in mein eigenes Schnittprogramm ein gesprochen, dort bearbeitet und dann Kapitel für Kapitel an Sie geschickt. Zeitweise war das sehr schwer, aber insgesamt hat es viel Spaß gemacht. Sie darf es natürlich nur für sich selbst nutzen, das ist klar. Meine Übersetzungen, die ich regelmäßig für ein Stadtmagazin mache, sind zum Glück auch weitergelaufen, denn wegen Corona stand dies schon auf dem Spiel. Zu anfangs waren diese Übersetzungen extrem langweilig, schwierig, speziell und aufwendig. Mittlerweile habe ich mich aber gut eingearbeitet. Es macht auch inzwischen richtig Spaß.
Trotz der Einschränkungen im letzten Jahr hat sich bei mir doch eine Menge getan. Ich konnte eine Menge an Dingen realisieren, die ich vorhatte. Viele technische Neuerungen und teilweise auch Verbesserungen haben bei mir Einzug gehalten. Teilweise fühlte ich mich sehr eingeschränkt, da Assistenten und Assistentinnen nicht im vollen Umfange kommen konnten, und da man als Mensch mit Behinderung nicht so gut improvisieren kann, wenn es nicht so läuft wie sonst, wenn Begleitung fehlt, oder wenn die bekannten Orte, die man auf den bekannten Wegen sonst erreichen kann, geschlossen sind. Aber ich habe noch nie so viele Bücher gelesen wie in diesem Jahr. Ich habe mich auch wieder erneut bei unserer Blinden-Hörbücherrei angemeldet, denn ich war rausgeflogen, da ich länger nichts bestellt hatte. Ich nutze auch online die Zeitschriftenangebote und Ausleihemöglichkeiten, ich bekomme ziemlich viel in Blindenschrift, dieses Jahr hat zum Beispiel die Evangelische Blinden- und Sehbehindertenseelsorge ihre Bücher ausgemistet, und ich habe einiges aus ihrem Bestand erhalten, nachdem wir es erst unter einander ausgeliehen hatten. Denn bei der Räumung hatten sich natürlich mehrere Personen auf ein- und dasselbe Angebot gemeldet. In diesem Zusammenhang hatte ich eben auch die Mitarbeiterin kennengelernt, die mir dann später den heißen Tipp mit der Möbelfirma für meine Küche gab. Treffen fanden ja nicht viele statt, aber durch Onlinekonzerte, Theaterstücke und Radioangebote konnte man sich doch kulturell gut über Wasser halten. Deswegen habe ich mir dann auch noch einen sprechenden Stick angeschafft, um mir Filme online auszuleihen, wenn ich nicht ins Kino gehen konnte. Denn mit meiner App, die mir Filme ansagt, ist das nicht immer ganz einfach. Daher bleibt auch nach Corona, falls es dies einmal geben wird, diese Möglichkeit bestehen, zu Hause bequem Filme anzusehen, ohne den Stress zu haben, den ich sonst im Kino jedes Mal erleben muss. Im Zuge der Barrierefreiheit ist die von der großen Firma für den Fernseher besagte Firma nun auch gezwungen, bei der Ausleihe sofort eine Tonspur mit Audiodeskription mit zu liefern. Das macht alles natürlich noch einfacher. So habe ich mich auch technisch immer weiterentwickelt.
Bisher nahm man ja immer an, dass Corona eine vorübergehende Sache ist. Nachdem jetzt aber 2 neue Varianten aufgetreten sind, habe ich schon die Befürchtung, dass wir der Sache trotz der Entwicklung der neuen Impfstoffe hinterherhinken. Bis ist mal so wird wie bei der normalen Influenza, wird es noch länger dauern. Dann muss man sich halt jedes Jahr auch gegen Corona impfen lassen. Im Moment bin ich ziemlich sauer, dass die Impfungen so schleppend anlaufen, und dass dies alles so schlecht organisiert ist. Ich hoffe, dass ich bald dran bin, und das bis aller spätestens im Frühsommer die Zahlen sinken.
Ein weiteres Jahr in diesem Zustand fände ich schon unangenehm. Bisher hat man sich ja gut über Wasser halten können, aber die Vorstellung, sich vielleicht dauerhaft an diese Situation anpassen zu müssen, ist schon schräg.
Auch habe ich etwas Bauchschmerzen, was unser Land angeht, denn diejenigen, die Corona leugnen, werden womöglich immer mehr werden. Verschwörungstheorien und diese Querfront gab es ja vorher schon, sie wurden aber durch Corona noch befeuert. Wie weit dies unser Land spalten wird, bleibt ungewiss. Manchmal habe ich mehr Angst vor dem, was die Pandemie mit den Menschen macht, als vor dem Virus selbst. Ich hoffe nur, dass es nicht einmal dazu kommen wird, dass Mediziner in das Dilemma geraten, was man Triage nennt. Ich hoffe, dass die Leute vernünftiger werden und sich nicht überall da tummeln, wo sie das Virus verbreiten, und dass man halt auch mal auf seinen Urlaub verzichtet. Mir fällt es auch zusehends schwer, so eingeschränkt zu leben, aber nur so bekommen wir das Virus in den Griff. Ich hoffe nur, dass dadurch die ganzen politischen Veränderungen und Verwirrungen, die zeitweise auftreten, nicht noch schlimmer werden. Es häufen sich ja die ganzen Anschläge oder Angriffe gegen Moslems oder Flüchtlinge oder jüdische Einrichtungen, und es gibt auch öfter mal Scharmützel zwischen denen, die Corona leugnen und den Gegendemonstranten. Wie lange werden wir das noch ohne größere Unruhen aushalten?
Neulich habe ich online einen Vortrag über die Lage der Flüchtlinge auf Lesbos gehört. Die Journalistin hat sehr plastisch über die Menschen dort berichtet, sodass die Leute dort ein Gesicht bekamen. Während der Quarantäne, unter die das gesamte Lager gestellt wurde, gab es unter anderem einen herzkranken Mann, der nicht nach draußen durfte, um behandelt zu werden. Sonst hatte er immer diese Möglichkeit. Die Polizisten unterstellten ihm einfach, dass er lediglich einkaufen wollte. Nur mit viel Bitten und Flehen haben es die Leute dort geschafft, dass er raus konnte. Während dann der Krankenwagen kam, um ihn, dem es zusehends schlechter ging, ins Krankenhaus zu bringen, starb er unterwegs. Eine Krankenschwester aus Äthiopien berichtete dies der Journalistin und meinte, er habe sie laufend angefleht, ihr zu helfen, aber sie konnte ja selbst nichts tun. Ihr Fazit geht mir noch heute nah: „Wenn ich auf die Frau zurückblicke, die vor 2 Jahren aus Äthiopien gekommen ist, bin ich stärker geworden. Aber mein Herz ist gebrochen, und ich habe einen schärferen Blick auf die Welt.“ Es ist eine Schande für das aufgeklärte Europa, für die Demokratie, und für die Humanität, was dort passiert ist und immer noch passiert.
Es wäre schön, wenn dieses Jahr das Ende der Pandemie wäre, und dass Corona irgendwann in die Geschichte eingeht, aber ich vermute, wir werden mit dem Virus für immer leben müssen, auf die eine oder die andere Art.
Ich hoffe, dass ich in persönlicher Hinsicht noch einige Schritte nach vorne tun kann. Ich möchte, dass das Augenflimmern und die anderen Dinge abgeklärt werden, und ich möchte noch einmal der Sache auf den Grund gehen, warum ich so begriffsstutzig bin. Ich vermute eine Lernschwäche dahinter, denn in vielen Situationen fällt dies sehr stark auf. Es belastet meinen Alltag zunehmend. Darüber habe ich auch im medizinischen Zentrum für Erwachsene mit Behinderung gesprochen. Und ich möchte einiges an der Beziehung zwischen mir und den Assistenten ändern, sodass ich mehr die Rolle einer Arbeitgeberin und nicht so sehr die Rolle einer zu erziehenden Person habe. Dies stört mich nämlich manchmal sehr. Wir haben hier jemanden gefunden, der eventuell in diesem Gesichtspunkt weiterhelfen kann und einiges zu erarbeiten versucht.
Ich möchte mir für 2021 vornehmen, nicht so viel anzuschaffen, und ich würde gerne einmal so eine Art Konsumfasten veranstalten. Zuvor brauche ich aber noch eine neue Matratze, und ich möchte gerne noch ein Tablet, da mein Handy keine Speicherkarte hat, damit ich meine MP3-Musik abspielen kann, und um das Tablet dann auch mal ins Krankenhaus oder vielleicht mal auf Reisen mitnehmen zu können. Dann hoffe ich doch, dass mir dann nichts mehr fehlt zu meinem materiellen Glück. Die große Herausforderung dieses Jahr wird der Anbau eines Balkons sein, mit viel Dreck, Ärger, Verzögerungen, Veränderungen, Provisorien, Chaos und Sucherei. Ich hoffe doch, dass dann meine Wohnung endlich mal soweit fertig eingerichtet ist. Ich möchte da nicht wieder von vorne beginnen. Es steht ja auch noch die Arbeitsplatte der Küche aus, die hoffentlich auch bald kommt. In Sachen Kultur möchte ich auch wieder viel unternehmen, mit und ohne Corona, auf die eine oder die andere Art, ob online oder offline. Und wenn vielleicht doch wieder mal ein Haustier meinen Weg kreuzen würde, wäre ich bereit. Ich habe immer mehr und häufiger geträumt, dass ich eine Katze hätte, was nach dem Tod meines treuen Freundes lange anders aussah. Da habe ich immer geträumt, dass eine Katze gekommen wäre, und ich weder Lust noch Futter noch Katzenklo hatte, um das Tier aufzunehmen. Diese Träume haben sich nach und nach geändert. Menschliche Beziehungen werden hoffentlich auch wieder eine positive Rolle in meinem Leben spielen. Und in Sachen Gesundheit hoffe ich, dass meine Niere weiterhin hält. Am 12. April wird sie die 5-Jahres-Marke erreicht haben. Ich hoffe, dass dies so wird, denn dann habe ich die Halbzeit meiner 10 Jahre Dialyse erreicht. Jedes weitere Jahr ist dann ein Geschenk. Ich werde sicher wieder einige Familienfeste erleben, denn die Hochzeit meines Neffen steht noch aus, und ich hoffe, dass ich bald meine Großneffen und Großnichten in natura kennenlernen werde. Somit wird sicher auch das Jahr 2021 wieder ein ereignisreiches Jahr.
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