Montag, 24. Mai 2021
Nix zu melden
Pünktlich zu Bob Dylans Geburtstag, obwohl ich den gar nicht wusste, hatte ich eine Idee, dieses unten stehende Lied zu übersetzen. Den Originaltext habe ich jetzt nicht mit eingefügt, den findet man aber im Internet. Das ist wohl eine Synchronizität, dass mir das vor ein paar Tagen einfiel, und dann genau zwei Tage später der Geburtstag von Bob Dylan ist. Ich habe das Lied von Ringsgwandl gehört und wusste gar nicht, dass es im Original eigentlich auf Englisch ist und von Bob Dylan stammt. Ich hab da mal gehört, dass Ringsgwandl erzählt hat, er hätte länger überlegt, wie er den Text übersetzen könnte. Ich hab dann als Übersetzerin gedacht, man könnte ja einiges umstellen, und dann kommt das mit dem Dienen auch noch rein. Offenbar ist mir das nicht gut gelungen, denn jemand aus meiner Familie, der das Lied gehört hatte, fragte dann, und was soll mir dein Text jetzt sagen? Gib mir mal Nachhilfe. Es hat auch auf meine musikalische Darbietung über WhatsApp bei Freunden und bei Musikrunden noch keiner reagiert. Scheinbar war es so komisch, dass niemand wusste, was er jetzt mit dem Ding anfangen soll. Oder man hat es als Angriff auf die eigene Person verstanden. Von einem bockigen Wesen, so nach dem Motto, ihr habt mir nichts zu sagen. So sollte es aber nicht gemeint sein.
Ich will auch nicht irgendwo abschreiben, ich hoffe, dass ich damit keine Straftat begehe, wenn ich in Anlehnung an sowohl Bob Dylan als auch an Georg Ringsgwandl das Lied noch mal in meine eigenen Worte gefasst habe. Aber ich fand, es ist ein recht demokratisches Lied, denn man kann es auf viele Personen und immer wieder auf die aktuelle Zeit anwenden. Und hier ist es nun:
Got to serve somebody
So wie ich es verstehe, und wie ich es übersetzen würde:
Nix zu melden
Du bist ein Politiker
mit allem Pipapo,
Du sitzt fett im Bundestag
oder anderswo,
aber Du hast nix zu melden!
Nein, Du hast nix zu melden.
Neben Dir sitzt der Teufel,
über Dir sitzt Gott,
und Du hast nix zu melden.
Hey Du kannst ein Pfarrer sein,
mit und ohne Doppelbett,
Du bist bei der Bundeswehr
mit Orden und Barett,
aber Du hast nix zu melden,
Nein, Du hast nix zu melden!
Dienst Du auch dem Teufel,
oder dienst Du Gott,
aber Du hast nix zu melden!
Du kannst Unternehmer sein
mit Kohle und Besitz.
Du kannst Unterhalter sein
mit und ohne Witz,
aber Du hast nix zu melden!
Nein, Du hast nix zu melden!
Über Dir lacht der Teufel,
über Dir lacht Gott,
aber Du hast nix zu melden!
Hey Du kannst Professor sein
und trotzdem dumm wie Brot.
Du sitzt fest im Hamsterrad
und ackerst Dich halbtot,
aber Du hast nix zu melden!
Nein, Du hast nix zu melden!
Irgendwem musst Du dienen,
dem Teufel oder Gott,
aber Du hast nix zu melden!
Und Du kannst ein Denker sein,
ob gradaus oder quer,
Und Du kannst ein Nazi sein
wünschst Dir den Führer her.
Zum Glück hast Du nix zu melden!
Nein, Du hast nix zu melden!
Über Dir schwafelt der Volksmund,
der Teufel und auch Gott,
aber Du hast nix zu melden!
Und kommt Ihr auch alle an,
im Rudel oder im Heer
Seid Ihr Hunderttausend
oder einer Mehr,
aber Ihr habt nix zu melden!
Nein, Ihr habt nix zu melden!
Über mir wacht der Teufel,
über mir lenkt Gott,
aber Ihr habt nix zu melden!
Sonntag, 23. Mai 2021
Voll durchgeimpft
eigentlich wollte ich ja nach der Erfahrung mit AstraZeneca nicht noch mal geimpft werden. Meine Hausärztin hat sich alle Symptome aufgeschrieben, aber meine anderen Ärzte waren auf das Thema Impfreaktionen bei AstraZeneca nicht ansprechbar. Ich hab dann noch mal ans Gesundheitsamt geschrieben, und tatsächlich haben sie mich angerufen. Ich bat um die Sicherheit, dass ich dann auch notfalls die 112 wählen dürfte, und mich dann auch jemand abholt, wenn es mir nach der 2. Impfung mit AstraZeneca wieder so schlecht geht. Denn ich hatte guten Grund zu befürchten, dass man mich dann einfach nicht mitnimmt. Ich habe das von anderen gehört, die sogar einen Zucker von 900 hatten, und die dann, nachdem sie mit dem Taxi hingebracht wurden, auf der Intensivstation laden. Aber der Krankenwagen hatte sie nicht mitgenommen. Das konnte sich die Dame vom Gesundheitsamt nicht vorstellen. Ich habe aber insistiert, dass ich das unabhängig von ihrem Vorstellungsvermögen bitte geklärt haben möchte. Tatsächlich rief dann der Leiter des Impfzentrums bei mir an, es war derselbe Arzt, der mich damals geimpft hatte. Ich konnte mir gar nicht vorstellen, dass er bereits der Leiter des Zentrums war, denn er war noch sehr jung. Er meinte, ich könne mich getrost auf ihn berufen, wenn ich einen Krankenwagen rufe, dass er dies befürwortet, und dass ich dann mitgenommen werde. Denn die Transplantationsstation würde mich natürlich aufnehmen müssen, da sie keinen Transplantierten abweisen können. Aber ich müsste ja erst mal hinkommen, und mit dem Taxi wäre ich dann zu schwach gewesen, hinzufahren.
Einen Tag, nachdem ich diesen Wirbel veranstaltet hatte, wurde das Zeug sowieso für unter 60-jährige nicht mehr empfohlen. Mein Neurologe meinte, er habe sogar zuvor etwas gegen Kopfschmerzen eingenommen, und trotzdem sei es ihm mit dem AstraZeneca so schlecht gegangen. Ich dürfte das wohl nicht mehr kriegen, denn ich sei noch unter 60. Ein anderer Arzt meinte nämlich auch noch, ich könne doch froh sein, jüngere Menschen hätten viel stärkere Immunreaktionen, und ich nehme ja Immunsuppressiva ein, und da wäre die Immunantwort sowieso nicht mehr so hoch. Ich hätte am liebsten gesagt, seine Sprechstundenhilfen, die er damit meinte, könnten ja gerne mit mir tauschen, und sie könnten sich auch eine Niere transplantieren lassen, damit sie nicht so starke Nebenwirkungen beim Impfen hätten. Aber nachdem der Impfstoff sowieso nicht mehr für Menschen unter 60 zugelassen war, waren dann auch meine Ärzte etwas zugänglicher bei diesem Thema. Ich ging also dann ganz zuversichtlich zur nächsten Impfung.
Ich hatte eine andere Assistentin dieses Mal, und die war eine leidenschaftliche Gegnerin des Impfens. Sie meinte, wenn man seinen Körper pflegt, Sport treibt und sich gut ernährt, bekommt man sowieso kein Corona. In meinem Fall sei das natürlich was anderes, aber prinzipiell bräuchte man keine Impfung. Sie würde ihrem Körper so etwas niemals antun. Ich würde meinem Körper lieber kein Corona zumuten wollen. Das Taxi kam, und es ging im Impfzentrum wie beim 1. Mal wieder sehr schnell. Wir warteten dann eine Weile vor dem Zimmer, in welches wir dann zum Impfen aufgerufen werden sollten. Irgendwann holte uns dann die noch sehr junge Ärztin. Sie meinte, sie teile sich die Patienten mit einer anderen Kollegin, das würde schneller gehen. Wir müssten jetzt noch warten, bis diese kommt, um mich dann zu spritzen. Während dessen hatte sie dann eine Diskussion mit meiner Assistentin, da diese sofort etwas gegen das Impfen sagte. Die Ärztin meinte, es gehe hier nicht um hedonistische Selbstoptimierung sondern um Solidarität mit der Gesellschaft. Die Ausdrucksweise fand ich toll. Allerdings hatte ich auch etwas einzuwenden, denn Menschen, die geimpft sind, tragen ja das Virus noch auf der Haut oder in Rachen, Nase und an den Händen durch die Gegend, daher fällt es mir etwas schwer zu glauben, dass ich andere nicht mehr anstecken kann. Ich selbst bin zwar immun, zumindest zu 95 %, aber das Virus klebt ja doch noch irgendwie an mir dran, das weiß ja nicht, dass ich geimpft bin. Ich hatte zuvor irgendwo im Radio von einem Arzt gehört, der trotz Impfung in seinem Rachenraum immer noch eine Viruslast hatte, die hoch genug war, um ansteckend zu sein. Sie meinte aber, es stünde ja so viel im Internet, und man sei geschützt. Natürlich, wann immer man ein Argument bringt, das andere nicht passt, hat man den Quatsch natürlich aus dubiosen Quellen. Das ist natürlich das beste Argument, die Quellen des anderen einfach zu demontieren. Das zeigt aber auch, dass man selbst keine mehr hat. Ich fragte sie, warum muss ich denn dann eigentlich noch eine Maske tragen. Sie meinte, die Maske würde ja auch für andere Viren helfen. Ja, deswegen würde ich auch vorschlagen, dass man in der Grippesaison immer eine Maske trägt. Denn seitdem die Menschen alle eine Maske tragen, stecke ich mich auch nicht mehr an. Zuvor war ich mindestens 2 bis dreimal im Jahr krank. Daher finde ich das schon praktisch. Vor Corona durfte ich, wenn meine Leukozyten zu niedrig waren, nicht aus dem Haus. Oder ich musste eine Maske tragen, und so wäre ich niemals rausgegangen. Jetzt aber muss jeder eine Maske tragen, da würde ich gar nicht auffallen. Daher ist das Tragen einer Maske für mich sogar sehr praktisch.
Danach kam dann die Kollegin. Sie war schon älter und hatte eine Stimme wie eine Krähe. Sie stellte mir einige Fragen, welche Medikamente ich nehmen würde, und warum ich Atropin nicht vertrüge. Meine Erklärungen hörte sie aber dann gar nicht mehr an. Ich hatte den Eindruck, sie wollte testen, ob ich tatsächlich transplantiert bin, oder ob ich mir die Dokumente vielleicht illegal beschafft hätte. Denn es gibt im Moment ziemlich viele Menschen, die betrügen, um schnell geimpft zu werden. Sie klärte mich noch darüber auf, welche Schmerzmittel ich nehmen dürfte, was ich aber schon wusste, aber dennoch stellte ich fest, dass sie ziemlich viel wusste. Wenige Ärzte wissen so viel über Menschen mit Niereninsuffizienz, das habe ich auch schon festgestellt. Sie rammte mir aber dann die Nadel wirklich so rein, dass mir 3 Tage lang der Arm weh tat. Aber das ist auch eine Nebenwirkung der Impfung. Ich habe darauf bestanden, dass ich kein AstraZeneca mehr wollte. Dem wurde ohne weiteres stattgegeben, ich bekam dann Biontech. Ich fühlte mich nur etwas schlapp, der Arm tat mir weh, aber das war alles. Das war um Weltklassen besser. Nun bin ich gespannt, ob diese 2. Impfung ausreicht, oder ob wir noch eine 2. Impfung mit Biontech brauchen. Irgendwann im Herbst oder Winter soll es in jedem Fall eine Auffrischung geben.
Zumindest war ich sehr froh, dass ich nicht mehr AstraZeneca bekommen musste. Die Ärztin war sich aber nicht sicher, ob ich die Nebenwirkungen haben würde, wie bei der 2. Impfung mit Biontech, oder ob, da ich dieses Medikament zum 1. Mal bekommen hatte, die Nebenwirkungen so wären, wie bei der 1. Impfung mit Biontech. Ich lag wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Nach 3 Tagen ließen auch die Schmerzen im Arm nach. Ich war wirklich überglücklich, dass ich keine solchen Beschwerden mehr hatte wie nach AstraZeneca.
Nun bin ich vollständig geimpft, die 14 Tage sind rum, in denen man sich noch anstecken könnte. Dennoch habe ich einen Tag nach der Impfung schon meine Taxifahrerin begrüßt, und sie hat mich gleich umarmt, da ich ja jetzt geimpft bin. Man ist halt doch unvernünftig und vergisst dann, dass man ja noch 14 Tage warten muss. Denn wir haben ja alle so sehnsüchtig darauf gewartet, wieder ein normales Leben zu führen. Zumindest kann ich jetzt einige Utensilien im Baumarkt besorgen, nachdem ich mir einen Termin über ein Ticket im Internet reserviert habe. Das war schwer, denn meine Begleitperson hat erst eine Viertelstunde später einen Termin erwischt. Jetzt hoffen wir, dass wir trotzdem gemeinsam rein dürfen. Denn das Zeitfenster beträgt 90 Minuten. Vielleicht kann man sicher irgendwo in der Mitte treffen. Dann gehen wir eben nicht um 10:00 Uhr und auch nicht um 10:15 Uhr, sondern um 10:10 Uhr. Vielleicht klappt das.
Ich kann nur hoffen, dass all diese Maßnahmen endlich was bringen, und dass die Zahlen nicht nur immer um denselben Wert herum schwanken, sondern dass sie endlich mal weiter herunter gehen. Warten wir aber erst mal den Winter ab, denn das ist der Lackmustest, ob die Maßnahmen wirklich greifen. Im Sommer, wo die Menschen sich mehr draußen aufhalten, war es ja letztes ja auch ohne Impfung besser. Daher muss sich die Wirkung der Impfung erst noch im Winter beweisen. Hoffen wir also, dass wir nicht die indische Variante noch bekommen, die sich noch schneller ausbreitet, und dass wir nicht gegen die Zeit impfen.
Hier noch kurz meine Ansicht darüber, ob Menschen, die jetzt geimpft sind, wieder ihre alten Grundrechte zurückbekommen sollten. Ich finde, wir sollten noch alle warten, bis alle Menschen die Möglichkeit haben, sich impfen zu lassen. Denn man kann keinen Anreiz schaffen, wenn nicht einmal alle die gleichen Möglichkeiten haben. Es ist zwar nicht so, dass die Rückgabe der Grundrechte als Anreiz gedacht ist, dennoch wirkt es so. Das fördert natürlich auch den Betrug. Und der Druck auf die Ärzte oder Zentren, die impfen, wird unheimlich stark. Auch wenn ich zu einer Gruppe gehöre, die eine höhere Priorität hat, ist die Impfung doch ein Privileg. Jetzt habe ich schon ein Privileg, und dann krieg ich auch noch mehr Rechte. Mehr Rechte sind aber normalerweise auch immer mit größeren Pflichten gekoppelt. Demnach müssten jetzt alle, die geimpft sind, für diejenigen, die nicht geimpft sind, die Dinge besorgen, die sie wegen ihres Status als Ungeimpfte noch nicht selbst erledigen dürfen. Es sind aber sehr viele Menschen geimpft, die sehr alt oder krank sind. Natürlich sollte man in Altenheimen, wo die Menschen wirklich auf Besuch angewiesen sind, Lockerungen einführen. Das gilt meiner Meinung nach auch für Krankenhäuser, wenn dort zum Beispiel Menschen liegen, die keinen Besuch kriegen dürfen, und die auf den Besuch angewiesen sind. Wer geimpft ist, sollte auch rein dürfen.
Sich impfen zu lassen ist zwar auch eine Pflicht, die man erfüllt hat, demnach würde das wiederum die Rückgabe von Rechten, die man sowieso von Grund auf hat, begründen. Aber aufgrund der Knappheit des Impfstoffes ist die Impfung eben nun mal auch ein Recht. Grundrechte sind freilich nichts, was man vom Staat geschenkt bekommt, sondern sie sind selbstverständlich. Aber im Staat hat man natürlich auch Pflichten, wenn es darum geht, andere zu schützen oder dazu beizutragen, dass sich ein Zustand im Land wieder bessert. Daher finde ich, man sollte jetzt nicht gleich alle Rechte wieder ausnutzen, denn man kann nicht kontrollieren, wer nun tatsächlich berechtigt ist, sich wieder normal zu bewegen. Zum einen würde man das nicht schaffen, und zum anderen wird dies auch durch Betrugsmaschen oder gefälschte Dokumente vereitelt. Das erfordert einen hohen Aufwand an Kontrollen. Dies schafft Unruhe und Neid. Aus Gründen der Solidarität sollten daher diejenigen, die geimpft sind, dass nicht so demonstrativ ausleben sondern weiterhin solidarisch mit denen sein, die aus welchen Gründen auch immer (noch) nicht geimpft sind.
Samstag, 15. Mai 2021
Vollautomaten für Volldeppen
ein Vollautomat wieder ganz normal funktioniert, nachdem er während des Entkalkens zunächst ausgestiegen war, um dann am nächsten Tag wieder ganz normal zu funktionieren. Aber natürlich nicht, es wäre ja nicht ich, wenn das so einfach gewesen wäre. Ein paar Tage später bemerkte ich, dass das Symbol, welches anzeigt, dass der Vollautomat entkalkt werden möchte, blinkte. Entweder war das schon die ganze Zeit so, und ich hatte es mit meinem kleinen Gesichtsfeld nicht bemerkt, oder es ging eben einfach wieder los mit dem Entkalkungsalarm, da der Prozess zuvor nicht ordentlich abgeschlossen worden war. Auf jeden Fall dachte ich, jetzt muss es eben noch einmal gemacht werden.
Ich rief bei der Firma an, bei der ich eigentlich den Kundendienst in Anspruch nehmen wollte, und wo ich schon 6 Filter für je 2 Monate zurücklegen ließ, damit ich das Ding nicht dauernd entkalken muss. Diese schreckliche Arbeit wollte ich mir nämlich künftig ersparen. Ich fragte dort nach, was es kosten würde, wenn sie den Vollautomaten einfach einmal für mich entkalken würden, und danach würde ich dann die Filter einsetzen. Es würde ganze 100 € kosten, denn man würde das Gerät komplett warten und zerlegen. Ich dachte mir, 100 €, nur, um einen Kaffeevollautomaten zu entkalken, das finde ich ziemlich viel, da wird die Lage eines hilflosen Mütterchens einfach ausgenutzt. Da ich das Gerät sowieso erst 3 Monate hatte, musste es mit Sicherheit noch nicht auseinandergenommen und gewartet werden. Daher dachte ich mir, das mache ich doch am besten selbst.
Ich sprach mir das Kapitel mit der Entkalkung auf meinen Milestone, um dann eben Schritt für Schritt den Prozess durchzuziehen. Da man ja mit Säure hantiert, setzte ich eine Maske auf, streifte mir Gummihandschuhe über und zog meine Küchenschürze an. Meine Brille habe ich ja sowieso immer auf, demnach war ich gut geschützt. Es sah eben aus wie auf meiner Geräte Intensivstation. Es ging also los, und das Gerät sollte eigentlich 25 Minuten im Ruhezustand bleiben, ehe die ganze Sauce wieder aus dem Milchschäumer und den Düsen für die Kaffeeausgabe herauskommen sollte. Aber schon nach 5 Minuten legte das Gerät los, und ich hatte alle Hände voll zu tun, die beiden Gefäße, die das Wasser auffangen sollten, nicht überlaufen zu lassen. Da der Prozess jetzt sowieso schon durcheinandergeraten war, vergaß ich dann auch noch, den Hebel der Dampfdüse wieder nach oben zu stellen, sodass das ganze Wasser, das ich in den Wassertank einführte, umgehend wieder herauskam. Das ging mehrere Male so, und dann zeigte sich wieder auf dem Display die rote Kanne, und das Gerät bockte und stieg aus. Es tat nichts mehr, und das gleich für mehrere Tage.
Meine Fußpflege kam, und ich wollte ihr gerade demonstrieren, dass mein Kaffeeautomat nicht mehr ging, da lief er wieder wie gehabt. Nur die Anzeige für die Entkalkung blinkte weiterhin. Daraufhin rief ich eben noch einmal bei dem Service an, wo ich das Gerät eigentlich für 100 € hätte entkalken lassen können. Nach mehrmaligen Anrufen wurde ich dann auch endlich zum Techniker durchgestellt. Der erklärte mir, dass der Prozess entweder nicht ordentlich durchgelaufen war, dass das Gerät mit einer Entkalkung einfach noch nicht zufrieden war, oder dass ein Defekt vorlag. Er habe mal ein größeres Gerät für den industriellen Gebrauch gehabt, da sei eine Dichtung defekt gewesen, sodass das Wasser immer wieder in den Stromkreis geraten war, und nach einigen Tagen, nachdem die Elektrik wieder trocken war, funktionierte das Gerät wieder. Diese Symptomatik war mir irgendwie vertraut. Er meinte, ich könne das Gerät ja herbringen, dann könnte er die Dichtung auswechseln, und alles sei wieder in Ordnung. Aber dafür hätte ich ja zahlen müssen, daher sagte ich ihm, das ist ein Garantiefall, denn das Gerät habe ich ja erst seit 3 Monaten. Er meinte, das sei sogar noch besser, dann könne ich das Gerät ja einfach bei dem Händler, bei dem ich es gekauft hatte, zurückgeben.
Demnach fuhr ich also mit meiner Taxifahrerin dorthin, und sowohl sie als auch ihr Chef, der über die Bordlautsprecher eine scheinbare Dauerstandleitung mit uns hatte, erklärten mir, dass die das Gerät sicher nicht zurücknehmen und mir das Geld so ohne weiteres erstatten würden. Ich dachte mir, das kann doch wohl nicht sein, das werden wir ja wohl sehen. Wir gingen also mit dem Gerät hin, und die Frau hinter dem Schalter meinte, das ginge nicht, ich könne das Gerät lediglich einschicken lassen, man würde es reparieren. Ich bat sie, ihren Vorgesetzten zu holen. Während sie diesen holte, sagte ich zu meiner Taxifahrerin, jetzt erschrick nicht, ich werde jetzt alle Register ziehen, die mir zur Verfügung stehen. Manchmal klappt es, wenn ich einfach immer wieder denselben Satz sage und mich auf keine Diskussion einlasse, indem ich immer wiederhole: "das mag ja alles sein, aber das Gerät geht nicht, und ich möchte mein Geld wieder, " aber dieses Mal hat das leider nicht funktioniert. Ich erklärte also meine Situation, ich beharrte darauf, mein Geld wieder haben zu wollen, nichts half. Ich sagte ihm schließlich, dass ich aufgrund von Corona nicht dauernd, wenn alle Nase lang was an dem Gerät kaputtginge, wieder zu dem Händler zurückkommen könnte, denn ich sei Nieren transplantiert, und wenn ich wieder, wieder und wieder dorthin käme, würde ich irgendwann Corona kriegen. Dabei wurde ich dann immer lauter und schrie ihn dann an, ich will jetzt endlich mein Geld zurück! Da meinte er, wenn sie sich jetzt nicht beruhigen, hole ich dem Geschäftsführer. Ich sagte, ja, bitte tun sie das. Da meinte er wiederum, der Geschäftsführer sei heute nicht da, ich könne ja das Gerät wieder mitnehmen und am nächsten Tag wiederkommen. Der dachte wohl, er könne mich einfach einschüchtern, und am Ende hat es gar nicht mal gestimmt. Beides war falsch, sowohl, dass er mich nicht einschüchtern konnte, als auch, dass der Geschäftsführer kommen würde. Er selbst blieb komplett unbeeindruckt. Ich sagte dann, gut, nehmen Sie das Gerät, aber schreiben Sie bitte drauf, dass ich das Gerät nicht zurückhaben möchte, sondern dass ich das Geld will. Er gab mir dann noch die Adresse des Herstellers und dessen Service Hotline. Als wir dann im Auto waren, meinte der Chef, die Schwester der Taxifahrerin (auch sehbehindert), hätte wahrscheinlich so viel geredet, dass der Verkäufer aus lauter Verzweiflung das Gerät zurückgenommen und ihr das Geld erstattet hätte. Ich weiß auch, dass meine Taxifahrerin, mit der ich schon häufig beim Einkaufen war, alles bekommt, selbst die unmöglichsten Dinge. Sie hat tatsächlich einmal einen Blumenstock zur Dekoration mitnehmen dürfen, nur, um zu Hause auszuprobieren, ob er hin passt, ohne ihn zuvor bezahlen zu müssen. Manche bekommen einfach alles, andere können versuchen, was sie wollen, ich glaube, das ist ein kosmisches Gesetz, welches ich wohl nie herausfinde. Gerade diese Taxifahrerin meinte dann auch noch zu mir, nun ja, wenn er es doch nicht zurücknehmen darf, dann darf er das doch nicht entscheiden. Im Auto gab sie dann schon zu, dass er eigentlich schon Spielraum hätte.
Ich schrieb dann an den Hersteller, dass ich ein Gerät gekauft hätte, welches Fehler aufgewiesen hatte, und welches nun nicht zurückgenommen werden könne, welches ich aber auf keinen Fall wiederhaben wollte, da ich blind bin, und wenn das Display irgendetwas anzeigt, dass das Gerät irgendwas hat, könnte ich den Fehler noch nicht mal selbst ermitteln. Ich hatte das Gerät eigentlich in dem Glauben gekauft, dass es auch funktioniert. Ein bereits repariertes Gerät möchte ich eigentlich nicht haben. Ich schrieb denen da noch etwas, was ich in dem Laden nicht sagen wollte, nämlich, dass ich von einer Blindenhilfsmittelfirma ein Gerät aus dem Hause desselben Herstellers kaufen könnte, welches bereits mit Markierungen für blinde und einer sprechenden Gebrauchsanweisung im MP3-Format versehen ist. Somit würde das Geld ja in ihrem Hause bleiben. Wenn ich das bei dem Händler gesagt hätte, hätte es so ausgesehen, als sei mit der Maschine überhaupt kein Problem aufgetreten, sondern, als wolle ich einfach nur ein anderes Gerät haben. Ich habe längere Zeit nichts von dem Hersteller gehört, daher habe ich dort noch mal angerufen. Bei der Hotline konnten sie mir auch nicht viel sagen, außer, dass die Zentrale selbst das entscheidet.
Nach einer Woche rief dann tatsächlich der Händler an, das Gerät sei zurückgekommen. Einige Teile seien schlampig montiert worden, und ein Teil hätte man austauschen müssen. Ich versicherte mich noch mal, ob das meine Schuld gewesen wäre, denn es hätte ja sein können, dass ich bestimmte Teile, die man selbst anbringen muss, wie zum Beispiel die Auffangschale, den Tresterbehälter oder andere Dinge so ungeschickt angebracht hätte, dass das Gerät dabei beschädigt wurde. Aber nein, die Teile, auf die er sich bezog, waren im Gerät. Und die Tatsache, dass auch ein Teil komplett ausgetauscht werden musste, zeigt ja, dass sich offenbar ein Montags-Gerät erwischt hatte. Ich bin übrigens eine zuverlässige Detektoren von Montagsgeräten. Ich würde wahrscheinlich ein Spitzengehalt bekommen, wenn es diese Berufsgruppe gäbe. Ich erklärte dem man nun noch einmal, dass ich das Gerät nicht wiederhaben wollte, und er erklärte mir, dass der Hersteller sich bei ihm gemeldet hätte, um ihm mitzuteilen, dass das Gerät noch nicht in der Firma eingetroffen sei. Daraufhin dachte ich, die wollten mir nun das Geld wiedergeben, sobald der Händler es zurückgeschickt hätte. Aber die meinten damit, dass das Gerät noch nicht zur Reparatur bei dem Hersteller eingetroffen sei, aber das war ja mittlerweile schon wieder eine veraltete Information, denn das Gerät Weihe repariert bereits wieder an den Händler zurückgeschickt worden. Er meinte, er würde sich wieder bei mir melden, sobald er vom Hersteller etwas hört. Außerdem gab er mir noch seine direkte Durchwahl, sodass ich, sobald ich etwas vom Hersteller hören würde, ihn kontaktieren könnte.
Nach einer Weile kam dann eine E-Mail vom Hersteller, wobei die mich wegen ihrer automatischen Antworten gleich mit meiner E-Mail-Adresse ansprachen anstatt mit meinem Namen. Ich konnte es mir da nicht verkneifen, die Frau direkt mit sehr geehrte Frau und dem Herstellernamen anzusprechen. Ich habe aber dahinter ein Smiley gemacht und ihr dann erklärt, dass mein Name anders lautet. Ich hab ihr dann auch noch mal den Sachverhalt dargelegt, inklusive dem Vorschlag, dass ich sowieso eine Maschine aus Ihrem Hause bei einer anderen Firma kaufen wollte. Daraufhin kam dann wieder eine E-Mail, man würde auf die Antwort des Händlers warten. Ich sendete ihr daraufhin die Telefonnummer des Händlers und bat sie, dass aus Ihrem Hause eine Entscheidung kommen müsste. Ich rief dann noch mal bei dem Händler unter dieser Durchwahlnummer an und gab ihm weiter, dass ich eine E-Mail von dem Hersteller erhalten hatte, und dass er sich doch bitte mal mit dem Hersteller in Verbindung setzen möge. Dies ist dann wohl passiert, und da muss wohl der Hersteller dem Händler mitgeteilt haben, dass sie das Gerät nicht zurücknehmen. Vom Hersteller selbst habe ich auch nichts mehr gehört. Als ich dort anrief, wurde mir erklärt, dass die Willenserklärung zwischen mir und dem Händler gelaufen sei, und daher sei dieser mein Ansprechpartner. Der Händler wiederum meinte, er könne überhaupt nichts entscheiden, das sei Sache des Herstellers. So schob mich einer zum anderen. Ich sagte dann zum Händler, irgendeiner muss doch im Unrecht sein, und bei irgendeiner muss ich doch im Recht sein. Da meinte er, eigentlich muss ihnen keiner von uns beiden das Geld wiedergeben. Damit war die Sache gelaufen. Ich versuchte noch, zu argumentieren, dass ich doch die Wahl zwischen Garantie und Gewährleistung hätte, da sagte mir aber der rechtlich sehr bewanderte Mann der Hotline des Herstellers, ich hätte lediglich das Recht, das Gerät auf Garantie nachbessern zu lassen. Und erst dann, wenn der Fehler dreimal aufgetreten sei, würde ich das Geld zurückbekommen.
Zwischenzeitlich habe ich mir eine Kapselmaschine zugelegt. Ich dachte, wenn ich mal wieder ins Krankenhaus muss, und wenn ich dort wieder jedes Mal betteln muss, dass die Krankenschwester mir einen Kaffee bringt, bin ich jetzt einfach autark und habe eine eigene Kaffeemaschine dabei. Wie immer habe ich mir sämtliche YouTube Videos über Kapselmaschinen angeschaut. Ich hatte nämlich dann auch noch an den Kundendienst geschrieben, der mir das Gerät für 100 € entkalken wollte, und ich habe Ihnen das Problem geschildert, dass ich aufgrund meiner Mehrfachbehinderung offenbar Schwierigkeiten mit einem Kaffeevollautomaten hätte, und was sie mir denn raten könnten. Das war noch, bevor ich wusste, dass es nicht meine Schuld war, sondern dass bei der Maschine ein Defekt vorlag. Dennoch ist ja die Entkalkung von Vollautomaten offenbar ein riesengroßer Akt. Der Kundenservice, der ebenfalls solche Maschinen vertreibt, riet mir zu einer Kapselmaschine. Der Mann, der den Vollautomaten für blinde verkauft, meinte, es würde ihn zwar nicht glücklich machen, aber vielleicht wäre eine Pad-Maschine für mich das beste. Ich finde aber, das ist so ziemlich das unterste Niveau, falls alle Stricke reißen. Ich kenne viele Behinderte, die so eine Maschine haben, und ich kenne auch 2 blinde, die jahrelang einen Vollautomaten hatten, den Ärger damit aber leid waren und sich daher eine Pad- Maschine zugelegt hatten. Der Kaffee dieser Geräte schmeckt aber eigentlich nicht sehr gut, das war zumindest mein Stand von vor etlichen Jahren. Dieser Kundendienst meinte nun, dass er nur Kapselmaschinen und Vollautomaten aber keine Pad-Maschinen verkauft. Ich fragte ihn, wie man dieses Problem mit der Umwelt lösen könnte. Er erklärte mir, dass es auch Kapseln aus Recycling-Produktion gäbe. Ich habe aber jetzt einige Filme darüber gesehen, und das Ganze ist ein ziemlicher Betrug. Zu Anfang hatte ich nicht verstanden, warum er einerseits Kapseln einer bestimmten Firma verkauft, die Maschinen dann aber von verschiedenen Herstellern stammen. Da er mich offenbar nicht verstand, weil ich irgendwie nach verschiedenen Maschinen fragte, wurde er ungeduldig und meinte, sie können sich auch bei Tchibo eine Kapselmaschine kaufen, ich habe sie jetzt beraten, das wollten sie, mehr kann ich jetzt auch nicht tun. Hinterher habe ich mir dann eben diese YouTube Videos angeschaut, sodass ich erfuhr, dass es 5 verschiedene Kapselsysteme gibt, hinter denen verschiedene Hersteller stecken, und die Verträge mit unterschiedlichen Marken von Kapselmaschinenherstellern haben. Die Entkalkung schien auch sehr einfach zu sein. Jetzt blieb nur noch das Problem mit dem Umweltschutz. Ich fand dann sogar Mit hilfe meines Fire-Stick einige Videos über wiederverwendbare Edelstahlkapseln. Das schien gar nicht so kompliziert zu sein. Ich bestellte also einmal ein Starter-set, denn ich dachte, wenn ich es nicht kann, kann ich die Kapsel immer noch an jemand anderen verschenken, da ich mindestens 2 Personen kenne, die eine Kapselmaschine haben. Es hätte noch eine einzelne Kapsel des gleichen Herstellers des Starter-Sets gegeben, aber ich dachte, nimm erst mal das Set, bestehend aus einer Kapsel, einem Löffel und einem Tamper. Die Kapsel wird dann auf den Löffel geschraubt, und dieser sehr schwere Stempel wird dann verwendet, um den Kaffee in der Kapsel an zu drücken. Danach schraubt man den Deckel der Kapsel drauf. Man braucht einige Übung, damit die Kapsel in der Maschine auch verschwindet. Zunächst hieß es, es gebe nur wenige Kapseln, die bei allen Maschinen desselben Kapseltyps funktionieren. Mittlerweile gibt es aber für diesen Typ viele Kapseln verschiedener Hersteller, die bei jeder dieser Maschinen dieses einen Kapseltyps funktionieren. Somit ging ich in den Laden des Kundendienstes, denn ich wollte mir die Maschine nicht im Internet bestellen. Ich wollte mir so ein Gerät anschauen, und ich dachte, jetzt habe ich ihn so häufig belästigt, dann nehme ich eine kleine Maschine bei ihm. Er hatte eine ganz kleine Kapselmaschine dar, welche man locker einmal in den Rucksack oder in die Reisetasche stecken kann, wenn man verreist. Er gab sie mir um einige Euro billiger, denn die Auffangschale für die Kapseln hatte einen Riss. Ich nahm das Gerät also mit nach Hause, und zunächst schenkte er mir mal 3 Einwegkapseln, damit ich es ausprobieren konnte. Die Edelstahlkapsel wurde dann auch sofort mit ihrem set bestellt, die traf dann einige Tage später ein. Tatsächlich schaffte ich es beim 2. oder 3. mal, dass die Kapsel in das Gerät eingelegt werden konnte. Der Kaffee schmeckte erst einmal ganz komisch. Aber es klappte zumindest. Ich bestellte noch 3 billige Kapseln aus Plastik, mit denen ging es auch einigermaßen. Das Gerät selbst ist extrem praktisch. Das Licht, welches anzeigt, dass das Gerät aufgeheizt ist, blinkt sehr grell, und um die Auffangschale für die Kapseln leuchtet eine LED-Lichterkette, sobald die Maschine bereit ist. Es gibt nur 2 Knöpfe, einen für eine kleine Tasse, einen für eine große Tasse. Am Anfang habe ich den etwas seltsam gestalteten Schalter nicht gefunden, wo man die Maschine einschaltet. Ich tue mir immer sehr schwer, Dinge von alleine zu finden, meine Nachbarin hat ihn aber spontan entdeckt. Die Reinigung ist auch extrem einfach. Das Gerät quietscht, sobald es aufgeheizt ist, das ist kein elektronischer oder eingebauter Ton, sondern irgendwie aus physikalischen Gründen sondert sie dieses Geräusch ab, das klingt irgendwie total niedlich. Ich habe mir dann noch andere Kapseln gekauft. Leider habe ich die einzelne Kapsel, die zudem Starter-set gepasst hätte, ums verrecken nicht mehr wiedergefunden. Daher habe ich mir dann noch 2 Kapseln aus Edelstahl von anderen Firmen bestellt. Nun ist natürlich bei jeder dieser Kapseln wieder ein kleiner Plastiklöffel dabei. So edel wie der aus dem Set sind diese Löffel aber nicht, denn dieser Löffel des Starter-setz besteht nur aus einem Ring, in dem man die dafür passende Kapsel ein schraubt. Dann baut man daraus einen Löffel, den man dann bequem in die Kaffeedose eintauchen kann. Auch die anderen Kapseln kann man auf diesen Ring aufschrauben. Mit etwas Übung kann man die Kapsel auch ohne viel Sauerei wieder abdrehen, um dann den Deckel drauf zu schrauben. Das Gewinde bleibt auch schön sauber, da es ja in den Löffel eingeschraubt war, während man das Konstrukt in das Kaffeepulver eintaucht. Es hat einige Male gedauert, bis ich das korrekte Timing herausgefunden hatte, bis der Milchschaum fertig ist, den ich in meinem induktiven Kännchen mit einer Schraube produzieren kann. Öfter mal blieben die Kapseln hängen, oder die Maschine lief und lief, die Kapsel fiel nicht mehr nach unten in den Aufwandbehälter, oder es gab sonst irgend eine Panne. Keine Kanne ohne Panne. Aber mittlerweile läuft es ganz gut, ich habe die Reihenfolge und die Routine im Griff. Routine ist alles. Mittlerweile bin ich auch dazu übergegangen, die Kapseln schon nach dem Frühstück zu präparieren, sodass ich, wenn ich am Nachmittag Kaffee trinken möchte, sofort 2 fertige Kapseln habe, die ich hintereinander einlegen kann. Das ergibt genau eine große Tasse für Cappuccino, dann kommt noch der Milchschaum drauf, fertig ist die Laube.
Ein Freund von mir hat eine Kapselmaschine übrig, er wollte mir er mir diese noch verkaufen. Aber leider ist es ein anderer Kapseltyp. Den Vollautomaten muss ich jetzt wieder vom Händler abholen. Dann kann ich den wiederverwenden. Die kleine Kapselmaschine stecke ich dann gleich in meine Reisetasche, und für das Krankenhaus kaufe ich mir dann biologisch abbaubare Einwegkapseln, denn dort kann ich die Edelstahlkapseln nicht befüllen oder aus leeren. So wird aus einer Umweltsau doch noch ein ökologisch hochwertiges und praktisches Gerät. Am Ende bleibe ich vielleicht einfach bei der kleinen Maschine. Vielleicht brauche ich dann diesen Vollautomaten gar nicht, denn ich nehme dann einfach gemahlenen Espresso wie früher, als ich die elektrische Mokkakanne hatte. Das ist eigentlich die schönste Art, Kaffee zu machen. Jetzt gehe ich gleich mal Kaffee trinken.
Mittwoch, 7. April 2021
Neues aus der "Geräteintensivstation"
Ich habe ja schon von meinem technischen Pflegefall erzählt. Mittlerweile habe ich viel Übung darin, die auf Fangschale und den Kaffeesatzbehälter aus zu lehren und meistens auch die Reihenfolge der Knöpfe einzuhalten, die ich drücken muss. Ich höre auch meistens, was genau fehlt, da ich ja die roten Signale nicht interpretieren kann. Für mich sehen diese Zeichen alle gleich aus. Aber am Klang kann ich schon hören, dass die Bohnen fehlen, und wenn ich den Wassertank herausnehme, weiß ich ja, wie schwer er ist. Das einzige, was noch schwer ist, alleine zu reinigen und wieder einzusetzen, ist die Brühgruppe. Daher regeln wir das immer so, dass an dem Tag, an dem meine Assistenz kommt, entweder ich alleine oder wir zusammen die Brühgruppe entnehmen, sie säubern und trocknen lassen, unsere anderen Dinge erledigen, und danach setze ich sie unter der Aufsicht meine Assistenz wieder ein. Dieses Mal habe ich schon zuvor die Brühgruppe entnommen, meine Assistentin kam, und wir holten meinen neuen Personalausweis ab. Das war auch nicht sehr einfach, obwohl wir schnell dran waren, hätte ich meine PIN an einem Touchscreen eingeben und ändern müssen, und unter dem Verweis auf die EU Behindertenrechtskonvention habe ich dann darauf bestanden, dass meine Assistentin das machen darf. Die Sachbearbeiterin meinte, sie müsse nur darauf hinweisen, aber selbst verständlich könne diese das machen. Nur mal so am Rande, die Dinge sind wirklich bei weitem noch nicht barrierefrei.
Als wir dann nach Hause kamen, setzte ich die Brühgruppe vorschriftsmäßig ein. Wir hatten einige Bilderrahmen für meine Ahnengalerie bestellt, meine Assistenz packte sie aus und setzte die Bilder ein, und in dem Moment klingelte das Telefon. Die Firma, bei der ich eines der Bilder hatte rammen lassen, rief an, das Bild sei fertig. Meine Schwester hatte mir ihre Katze vor dem Fenster in Acryl gemalt, während sie Vögel beobachtet. Sie erzählte mir, dass diese Katze, solange das Bild an der Wand meiner Schwester hing, laufen Vögel ins Haus brachte. Und ich fand das Bild so toll, dass ich es unbedingt haben wollte. Daher schickte sie es mir in einer Rolle, und dadurch war das Leinen etwas kaputt gegangen, und es musste relativ kostenaufwändig auf ein Holzbrett gespannt und gerahmt werden. Ich dachte, das ist super, jetzt kann ich gleich das Bild abholen, und meine Assistentin kann dieses Bild dann auch gleich an die Wand nageln. Dann ist alles auf einmal erledigt worden. Somit sagte ich der Dame am Telefon, wir kommen. Es war sowieso aufregend, in dieses Geschäft zu kommen, denn wir hatten unser erstes click & meet. Dafür mussten wir ziemlich umständlich über das Büro einige Treppen hinunter gehen, bis wir im Laden waren. Empfangen wurden wir von einem großen roten Kater, der sehr zutraulich auf mich zu stürmte und mich gleich lautstark begrüßte. Den hätte ich am liebsten gleich mitgenommen. Ich sagte der Dame also zu, dass wir jetzt vorbeikämen, da ich ja nicht wusste, wie lange sie im Büro wäre. Meine Assistenz meinte, sie hätte zuvor gerne noch einen Kaffee, denn sie habe ihren zu Hause vergessen. Ich drückte also auf den Knopf, und es leuchtete eine rote Lampe mit irgendeinem für mich nicht definierbaren Symbol auf. Meine Assistentin meinte, die Aufwandschale sei voll, aber ich hatte sie doch gelehrt. Daher dachte ich, ich bin scheinbar schon dement. Sie lehrte sie noch mal, und es war fast nichts drin. Sie drückte, aber nichts passierte. Da ich gerade so viel Ärger mit meinem Computer habe und dann auch noch mit dem Impfstoff AstraZeneca so übel dran gewesen war, war ich völlig aufgelöst, dass jetzt auch noch die Kaffeemaschine schlapp machen würde. Meine Assistentin wechselt gerade ihre Arbeitsstelle und meinte, dass eine kaputte Kaffeemaschine in keinem Verhältnis zu ihrem Existenzsorgen stünde. Allerdings muss ich dazu sagen, wenn man meinen Blog aufmerksam gelesen hat, stellt man fest, dass meine gesamte Existenz oftmals eine einzige Sorge ist. Denn wenn man bei jeder Berührung irgendein Gerät kaputt macht, und wenn man jedes Mal 5 verschiedene Gegenstände ausprobieren muss, damit man einen findet, der mit den Behinderungen kompatibel ist, und dann sämtliche Geräte durch sprachgesteuerte Geräte ersetzen muss, kann das ziemlich zermürbend sein. Als wir also dort waren, konnten wir sogar durch die Ladentür, damit wir nicht wieder die vielen Treppen rauf und hinunter mussten. Das Bild ist wirklich gelungen, es sieht sehr gut aus. Wir brachten es also nach Hause und stellten es zunächst einmal neben alle anderen gerahmten Bilder. Der Nachhauseweg war allerdings noch mit ziemlich vielen Hürden gespickt. Denn während wir Kaffee trinken wollten, wollte meine Assistentin eigentlich die App durchschauen, in der ich meine Einkaufsliste für eine Drogeriekette hatte. Und wir wollten dann schauen, was wir in der Drogerie direkt kaufen und was ich online bestellen müsste. Somit würden wir dann in die Drogerie gehen, um das zu holen, was es online nicht gäbe. Ich schlug ihr also vor, den Parkplatz aufzugeben und in die Nähe der Drogerie zu fahren, denn das Geschäft mit den Rahmen war 2 Straßenbahnhaltestellen weiter weg von der Drogerie. Ich wusste aus Erfahrung, dass der Weg ziemlich weit war. Sie schimpfte, sie müsse jetzt noch ewig herumkurven, um dann wieder einen neuen Parkplatz zu finden. Irgendwann hatten wir dann wieder einen Parkplatz. Der sei ja jetzt nur 200 m näher an dem Geschäft, usw. und sofort. Ich sagte, du kannst gerne das Maßband rausholen, ich streite mich mit dir nicht herum. Von mir aus hast du recht. Zumindest gingen wir dann in die Drogerie, und dort wurden wir auch erst einmal von einer Verkäuferin stehen gelassen, die keine Ahnung von dem hatte, was wir wollten, und da sich eine andere Kundin einfach dazwischen gedrängelt hatte. Die Hälfte der Sachen hatten wir dann, das kann man jetzt als halbvolles oder halbleeres Glas ansehen. Danach wollten wir wieder zum Auto zurück. Wir holten uns aber erst einen Kaffee, den meine Assistentin mir spendierte, und dann klingelte ihr Telefon. Sie hat ein Vorstellungsgespräch, sie sollte zu Hause interviewt werden. Wir liefen also zum Auto, aber das Auto war weg. Wir fanden es nicht, und wir liefen ewig lange durch die Gegend. Sie zeterte, hätten wir an dem Rahmengeschäft den Parkplatz nicht aufgegeben, hätte sie den sicher wieder gefunden. Ich sagte, ja, du hast recht, es war meine Schuld, pell die ein Ei drüber, ich bin schuld. Meine Schuld. Aber ich konnte nicht umhin, ihr zu sagen, hättest du nicht so herum geschimpft, als wir ausgestiegen sind, hättest du dir den Parkplatz auch gemerkt. Irgendwann meinte sie, ich solle da jetzt stehen bleiben, sie würde das Auto jetzt erst mal alleine suchen und mich dann abholen. 5 Minuten später kam sie schon mit dem Auto und ließ mich einsteigen. Es war gar nicht weit weg gewesen, warum wir es nicht gefunden hatten, keine Ahnung. Wir stiegen also in das Auto ein, und dann wollten wir uns dem Kaffeeautomaten widmen. Aber sie musste ja dann auch schon schnell wieder weg. Denn das Vorstellungsgespräch wartete ja. Es stellte sich heraus, dass der Kaffeeautomat verkalkt war. Ich meinte, wie soll ich denn jetzt mitten im Durchlauf alleine bleiben, ich weiß doch gar nicht, was ich tun muss, denn ich kann ja die Gebrauchsanweisung nicht mal lesen. Sie konnte aber nicht einfach wegen einer blöden Kaffeemaschine ihren Vorstellungstermin absagen. Wir versuchten also, eine Vertretung zu bekommen. Ich rief auch noch einen Bekannten an, der war aber weg. Zwischendurch viel laufen die Sicherung raus. Wir mussten also einen Neustart des Entkalkungsprozesses laufend erzwingen. Wie das geht, stand natürlich nicht in der Gebrauchsanleitung. Sie musste dann gehen, einige meiner Nachbarn liefen vorbei, aber keine hatte Zeit, alle mussten zur Arbeit, und ich blieb also mit dem Pinkelnden Kaffeeautomaten allein. Meine Assistentin hatte zwischendurch ihren Kaffee, den sie vermeintlich am Morgen vergessen hatte einzupacken, in ihrem Rucksack wieder gefunden. Sie war dann weg, zumindest verlief ihr Vorstellungsgespräch im Nachhinein gut. Ich füllte immer wieder den Wassertank, und die Maschine pinkelte weiter. Ich kam gar nicht hinterher, die Behälter zu wechseln. Alles war klatschnass. Irgendwann flog wieder die Sicherung raus. Ich rief den Kundendienst an, aber vor Dienstag war da nichts zu machen. Ich landete dann sogar in einer ganz anderen Stadt, der Mann versuchte dann verzweifelt, jemanden zu finden, der in meiner Stadt arbeitet. Er kannte da jemanden, aber der konnte nicht. Ich hätte dann sogar jemanden gefunden, der am Tag drauf hätte kommen können. Ich sagte, gut, ich lasse beide Termine mal bestehen, notfalls kann ich immer noch absagen. Freitag und Dienstag waren also vorgemerkt. Ich holte dann einen meiner Nachbarn, der Italiener ist. Er meinte, diese Vollautomaten sind sowieso Quatsch, sie haben doch noch Garantie, bringen Sie doch das Ding einfach wieder zum Laden zurück und holen sich eine neue Maschine. Meine Nachbarin von gegenüber schaute sich das Gerät auch noch mal an und meinte, der Sensor für den Füllstand der Auffangschale könnte defekt sein. Ich hatte mittlerweile dem Kundendienst eine SMS geschrieben, dass er nicht mehr zu kommen brauchte, da das Gerät einen Defekt hatte, und ich es umtauschen würde. Er meinte, das sei eine Sache für den Umtausch und keinesfalls eine Sache für eine Reparatur, das sei der richtige Weg. Am Samstag hatten ja die Läden wieder offen, und ich hatte das Gerät ja aus einem großen Supermarkt, der eben auch andere Artikel führte. Wir schalteten also die Steckdose ab und trennten somit die Maschine vom Netz. Ich schaute mir dann bis tief in die Nacht reihenweise Videos von verschiedenen Kaffeeautomaten und deren Handhabung und Bewertung an. Dann ging ich ins Bett. Am nächsten Morgen dachte ich, ich schalte jetzt einfach zum Spaß mal den Netzstecker wieder an. Mal sehen, was passiert. Auf einmal leuchteten alle Symbole auf, und das Symbol, welches zuvor immer dann auf dem Display zu sehen war, wenn wir den Strom wieder einstellten, und was sich nicht mehr wegbewegen wollte, war tatsächlich verschwunden. Das Aufleuchten aller Symbole habe ich schon häufiger bemerkt, wenn die Maschine ans Stromnetz geht. Ich drückte also einmal auf Start, und siehe da, das grüne Licht leuchtete, die Maschine reagierte so, als sei nichts gewesen. Es war alles wie immer. Ich dachte, das kann doch jetzt nicht wahr sein. Am Freitag waren ja alle Läden zu, ich dachte, ich probiere sie am Nachmittag einfach mal aus, wenn sie tatsächlich ganz normal läuft, brauche ich am Samstag nicht ins Geschäft zu gehen, um sie umzutauschen, und wenn sie doch wieder ihren Dienst versagte, könnte ich sie am Samstag einfach bequem umtauschen. Am Mittag wollte ich einen Kaffee beziehen, und wieder ging es nicht. Ich schaute dann genau hin, und ich stellte fest, dass der Regler für die Stärke des Kaffees ganz auf 0 gedreht war, was man ja nur dann tun darf, wenn man in den Schacht für das Pulver die vordosierte Menge einfüllt, wobei man dann ja die Stärke des Kaffees nicht einstellen kann. Das war ja mein Fehler zu Anfang, dass ich diesen nicht auf 0 gestellt hatte, wenn ich Pulver benutzte, und das Pulver dann durch die ganze Maschine rieselte und diese beschmutzte. Jetzt hatte ich den umgekehrten Fehler gemacht. Ich stellte also eine gewisse Stärke ein, und tatsächlich stellte sich die Lampe um, und das Display gab mir somit grünes Licht. Die Kaffeemaschine lief. Sie meckerte auch nicht mehr, dass sie verkalkt wäre. Offenbar hatte ich doch alles geschafft. Bei der Prozedur am Vortag hatte ich nur vergessen, den Knopf für die Schaumdüse auch noch zu drücken, der irgendwann hätte aufleuchten müssen, aber vielleicht hat er auch gar nicht geleuchtet, da irgendwie durch die Sicherung sowieso alles durcheinander ging. Ich vermute einmal, dass diese Sicherung sehr schwach ist, denn bei meinem alten Espressokocher flog sie auch alle Nase lang raus. Vielleicht war dieser gar nicht kaputt, aber für die Zubereitung und den Bezug von Kaffee aus diesem Automaten reicht die Sicherung noch, für die Entkalkung muss man ihn halt an eine anderen Steckdose anschließen. Ich hatte noch, als ich die Brühgruppe einsetzte, die Maschine gepriesen, dass sie so robust sei. Aber wenn man etwas beschreit, dann bekommt man gleich wieder einen Dämpfer. Dass die Maschine aber all diese Aktionen und die vielen Stromausfälle bisher überlebt hat und danach wieder „tut“, als wenn nichts gewesen wäre, weist sie schon als besonders robust aus. Aber eine Lehre habe ich gezogen, ich werde jetzt, egal, wie teuer diese Dinger sind, immer einen Kalkfilter einsetzen. Der 1. war schon seit einem Monat abgelaufen, und ich hatte ihn einfach nur drin gelassen und nicht durch einen neuen ersetzt, und schon war die Maschine so schnell verkalkt. Das wird mir nicht noch mal passieren, denn das Theater mit der Entkalkung möchte ich mir ersparen. Aber ich bin froh, dass das Ding wieder läuft, auch wenn der Vollautomat einer hohen Intensivpflege bedarf. Und noch eines habe ich gelernt, billiger gekauft ist teurer bezahlt. Bei einer Hilfsmittelfirma gibt es fast denselben Typen dieses Herstellers, aber er wird mit Markierungen auf den Tasten versehen und bringt eine hörbare Gebrauchsanweisung mit. Damit hätte vielleicht sogar ich Schritt für Schritt die Maschine entkalken können. Aber ich wollte mal wieder Geld sparen und dachte mir, nur, weil die das mit Folie beklebt haben, kostet das Ding gleich fast das Doppelte. Ich kaufe die Maschine im normalen Laden um die Hälfte billiger und merke mir die Tasten. Das geht zwar, aber es darf dann halt nichts abweichen. Und Dinge, die man nur ab und an tun muss, kann ich mir sowieso nicht merken. Daher hoffe ich, dass ich das nächste Mal vernünftig genug sein werde, etwas mehr Geld in die Hand zu nehmen, um dann am Ende vielleicht kein bequemeres Leben, aber einen bequemeren Umgang mit den Dingen zu haben. Aber der Mensch kann halt oft nicht aus seiner Haut.
Sonntag, 14. März 2021
Mein Radio friert
Vor einiger Zeit wurde eine Weltneuheit bekannt gegeben. Eine Firma brachte ein Radio heraus, welches komplett sprachgesteuert ist, und dies sogar unabhängig vom Internet. Für alle diejenigen, die die A-Dame, sprich Alexa nicht haben wollten, war dies nun eine passable Alternative. Ich habe auch für unseren Sender ein Interview mit der Firma gemacht. Dieses Radio mit CD Player wurde schon vielfältig besprochen und auch beworben. Es ist nun schon bei zahlreichen Hilfsmittelfirmen erhältlich.
Ich hatte mir auch überlegt, ob ich dieses Radio haben wollte, denn obwohl ich die A-Dame habe, gibt es doch einige Sender, vor allem den, bei dem ich mitmache, die nicht über diese Smartspeaker gestreamt werden. Außerdem kann dieses Radio sogar die Sendernamen ansagen, sobald man einen Sender anwählt. Der Klang soll auch sehr beeindruckend sein.
Ich brauchte allerdings ein Radio, welches lediglich ein oder 2 Sender abspielt, die ich noch nicht anderweitig erreichen kann, und ich möchte auf jeden Fall ein Radio, welches man leicht transportieren kann, wenn man damit mal in ein anderes Zimmer möchte. Außerdem brauche ich kein CD-Laufwerk, da ich genügend Möglichkeiten habe, CDs abzuspielen.
Während einer Redaktionskonferenz erzählte ich von dem Interview mit der Firma und der Möglichkeit, ein Radio zu erwerben, welches über Sprachsteuerung bedient werden kann, und welches zumindest teilweise sprachliche Rückmeldungen gibt.
Daraufhin meinte dann einer unserer bestinformierten Redaktionsteilnehmer, das gäbe es doch schon längst, es gebe ein sehr kleines Radio, welches teilweise eine Sprachausgabe hat. Man könne es zwar nicht über die eigene Stimme ansteuern, aber es würde einige Dinge aussprechen, die es tut. Es kostet nur 77 €, also 1/5 dessen, was die Weltneuheit im Moment kostet. Es ist von derselben Firma wie das große Radio, von der ich übrigens auch schon andere Geräte besitze, und die mir ganz gut gefällt.
Also recherchierte ich sofort und fand auch über den großen Versanddienst mit dem großen A dieses Gerät und bestellte es umgehend. Die Möglichkeit, es zurückzusenden, wenn es mir doch nicht zusagt, beschleunigte meine Entscheidung.
2 Tage später war das Gerät dann dar. Angeblich hätte man sogar erst einen sehenden Helfer gebraucht, der die Sprache einstellt. Aber das Ding legte sofort los zu sprechen und erklärte mir, ich solle die richtige Sprache wählen. Bislang stand es auf Englisch, und ich griff intuitiv den großen Drehknopf, der im retro-Design angebracht war, der aber offenbar Digital funktioniert. Das Gerät war also sogar für meine Begriffe sehr intuitiv bedienbar. Leider sagt es aber nicht die Sender an, die man mit demselben Drehknopf finden konnte. Wenn man aber auf die Knöpfe drückte, sprach es die Funktionen dieser Knöpfe aus. Es gibt 3 Favoriten, und in einem Video wurde beschrieben, dass man eine Klappe mit weiteren Knöpfen öffnen konnte. Einer dieser Knöpfe schaltet zwischen DAB, UKW und USB um. Man kann also auch einen Stick anhängen. Das Gerät hat einen Kopfhörerausgang, mit dem ich es auch leicht einmal an die Stereoanlage anhängen kann. Aber der eigene Klang des sehr kleinen Geräts ist beachtlich für seine Größe. Es sollte noch ein Thermometer besitzen, dem Maß ich aber keinerlei Bedeutung zu.
Irgendwann holte ich dann meine Lesebrille und stellte fest, dass ich mit dieser zumindest die Anzeige der Sender auf dem Display erkennen konnte. So suchte ich mir meine 3 Favoriten heraus. Eigentlich ist nur einer der Favoriten wirklich notwendig, da ich die anderen Sender auch über andere Geräte empfangen kann. Daher war ich im Nachhinein auch froh, dass ich das große teure Gerät nicht gekauft hatte. Denn ich hätte es auch nirgendwo hin tragen können mit seinen ausgewiesenen 6 Kilo.
Die Premiere war dann die nächste unserer Sendungen, die ich sehr schnell mit dem Knopf für den Favoriten einstellen konnte. Damit war ich zufrieden.
Eines Morgens hörte ich das Radio sprechen, aber als ich hinkam, war nichts Wesentliches passiert, es hatte sich nicht selbst eingeschaltet, das Display zeigte Datum und Uhrzeit, sonst nichts.
An einem anderen Vormittag dachte ich, jetzt hörst du schon stimmen, du wirst verrückt. Ich habe allerdings sehr viele sprechende Geräte, daher zweifelte ich nicht lange an meinem Verstand. Ich rannte aber ins Wohnzimmer und hörte noch die letzten 3 Worte, die Heizung an.
Ein paar Tage später hörte ich ganz deutlich das Radio rufen: „Es ist zu kalt, schalten Sie die Heizung an!" Offenbar hatte das Gerät nicht nur ein Thermometer sondern auch einen Alarm, der auf eine gewisse Temperatur voreingestellt war und dann diese Worte von sich gab. Sobald ich das Fenster öffnete und das Zimmer lüftete, hörte ich das Radio jammern, es ist zu kalt, schalten Sie die Heizung an. Ich dachte mir noch, eigentlich muss man ja selbst merken, wann es einem zu kalt ist, es ist schon wunderlich, dass man von außen noch daran erinnert wird. Allerdings ist es praktisch, falls man doch mal vergisst, das Fenster zu schließen. Aber es ist schon witzig, denn sobald das Fenster zu ist, schließe ich auch noch die Tür, damit es im Zimmer wieder warm wird, damit mein Radio nicht friert. Aber dies ist auch praktisch, wenn man Energie sparen möchte. Man wird immer daran erinnert, die Zimmertür wieder zuzumachen, um nicht so viel Kälte im wahrsten Sinne des Wortes zur Tür hinaus zu lassen und damit Geld aus dem Fenster zu werfen. Somit habe ich also in doppeltem Sinne gespart, das Radio ist wesentlich billiger als das große, und ich spare auch noch Energie.
Bei Anschaffungen ist man ja immer am Anfang total stolz, was das Ding alles kann, und man freut sich eine Zeit lang darüber, aber am Ende macht man gar nicht so viel damit, und es ist dann gar nicht mehr so interessant. Daher frage ich mich immer, brauche ich dieses oder jenes wirklich, ist das nur eine Spielerei, oder ist es wirklich nützlich? Freue ich mich auch nach einigen Monaten noch daran, oder will ich dann schon wieder was Neues? Bei dem Thermometer ist das fraglich, aber ich glaube nicht, dass dies den Preis des Geräts wesentlich in die Höhe getrieben hat, denn mit 77 € erfüllt es wirklich seinen Zweck. Vielleicht sollte man ihm ein Mäntelchen häkeln, vielleicht ist dann auch der Sensor für das Thermometer abgedeckt. Aber es muss ja belüftet werden, und es hat ja seinen Sinn. Es ist das 1. Radio, welches mir mitteilt, dass es ihm zu kalt ist. Mal sehen, was meine anderen Geräte noch für Wünsche und Beschwerden haben.
Die Hölle aus Dosen -- Astra ad acta
Nachdem am Freitag den 5. März alles so toll gelaufen war, und ich ganz begeistert von der logistischen Höchstleistung unseres Impfzentrums geschwärmt hatte, muss ich natürlich auch von den schlimmen Nebenwirkungen berichten, die ich dann zu erleiden hatte.
Schon beim Warten auf das Taxi bemerkte ich, dass rechts unten an der Unterlippe alles taub und pelzig wurde und zu kribbeln begann. Das ging aber schnell wieder weg. Dann stellten sich immer stärkere Kopfschmerzen ein. Ich hatte nur einmal im Leben wirklich starke Kopfschmerzen, das war mit einem Blutdruck von 240 mm Quecksilbersäule. Diese Kopfschmerzen, die ich aber jetzt hatte, überstiegen alles.
Nach einer Weile stellten sich starke Gliederschmerzen ein, und auch meine Brust tat mir total weh. Bis zum Nachmittag war alles noch recht erträglich. Ich konnte noch einiges erledigen, zum Beispiel meinen Blogeintrag verfassen oder Kaffee trinken. Danach wurde ich aber immer müder. Ich stellte fest, dass ich zu frösteln begann, aber mein Kopf glühte. Normalerweise bekomme ich nie Fieber, und am Anfang hatte ich auch nur gering erhöhte Temperatur. Ich schaute mir noch den Nockerberg im Fernsehen an, aber dabei merkte ich, dass sich immer mehr Übelkeit einstellte. Ich hatte schon gar keinen Appetit mehr und keine Kraft, um mir noch etwas für das Abendessen herzurichten. So habe ich lediglich ein Stück Hefezopf und einen sehr heißen Yogi Tee zu mir genommen. Danach legte ich mich in eine Decke gewickelt auf das Sofa.
Bevor ich zu Bett ging, habe ich noch mal Fieber gemessen, da ich mittlerweile glühend heiß war. Die Kopf- und Gliederschmerzen waren auf ein unerträgliches Maß angestiegen. Die Temperatur lag bei 37,9°, was für einen normalen Menschen nicht viel ist, aber in Anbetracht der Tatsache, dass ich nie Fieber bekomme, ist das eine ziemlich hohe Temperatur. Wenn ich schon mal annähernd in Richtung Fieber komme, will das schon was heißen. Ich bekomme nicht einmal bei der stärksten Grippe Fieber. Ich hatte aber leider kein Paracetamol im Haus. Man hatte mir gesagt, man solle sich vorsorglich schon mal welches besorgen, denn man würde ziemlich starke Gliederschmerzen kriegen. Ich dachte mir noch, das hält man doch einfach aus und wartet, bis es wieder vorbei ist. Ich hatte schon häufiger Gelenkschmerzen oder auch Gliederschmerzen, vor allem, wenn ich einen Infekt hatte. Ich hatte aber nicht damit gerechnet, dass Gliederschmerzen so schlimm werden könnten.
Das Problem war auch, dass ich nichts trinken konnte, zum einen hatte ich gar nicht die Kraft, um aufzustehen, damit ich mir etwas hätte holen können, und zum anderen hätte ich alles wieder erbrochen. Dann hätte ich auch meine Medikamente wieder ausgespuckt, die ich für die Immunsuppression brauche, damit meine Spenderniere nicht abgestoßen wird. Andererseits brauche ich aber viel Flüssigkeit, denn als Nierenpatient muss man viel trinken. Denn die Niere darf nicht ausgetrocknet werden, was bei erhöhter Temperatur schnell der Fall ist. Hätte ich aber getrunken, hätte ich mich erbrochen. Mir war so übel, dass ich nicht mehr wusste, was ich noch tun sollte.
Den Krankenwagen konnte ich nicht rufen, denn die wären nur in einem akuten Notfall gekommen. Bei der Nummer 1 16117 bin ich schon in früheren Fällen abgewimmelt worden, daher wollte ich da auf keinen Fall anrufen. Und was hätten die schon tun können? Ich hätte auch ein Taxi nehmen und ins Krankenhaus fahren können, denn in der Transplantationsstation hätten sie mich nicht abweisen dürfen. Wenn man nämlich die Medikamente erbricht, und wenn man nichts trinken kann, müssen die Medikamente und Kochsalzlösung notfalls über die Vene infundiert werden. Aber ich hatte nicht einmal mehr die Kraft, um mich anzuziehen und im Taxi zu sitzen. Und die Stationen sind voll mit Patienten mit Corona. Da hätte ich im Krankenhaus eine weitaus schlimmere Situation vorgefunden, als die, die ich gebraucht hätte. Daher entschied ich mich, zu Hause auszuharren.
In der Nacht wachte ich mehrfach auf und weinte vor Kopfschmerzen. Irgendwann stellte ich dann das Kopfteil von meinem Lattenrost etwas schräg, denn hauptsächlich kamen die Kopfschmerzen vermutlich von den Nebenhöhlen und von Spannungen, die man ja bei Gliederschmerzen auch immer hat. Nach einer Weile konnte ich dann für einige Stunden schlafen. Am Morgen war ich aber völlig erledigt und blieb den Rest des Tages im Bett.
Zum Glück kam dann der Appetit etwas wieder zurück und auch die Kraft, um zumindest Wasser ohne Kohlensäure trinken zu können, welches ich nicht gleich wieder ausgespuckt habe. Daher konnte ich meine Medikamente nehmen und der Niere wieder genügend Flüssigkeit bieten. Das Fieber war mittlerweile auch wieder gesunken, sodass ich mir keine weiteren Sorgen mehr machen musste. Ich brauche also jetzt keine ärztliche Versorgung mehr.
Ich rief dann in der Apotheke an und bat darum, dass sie mir eine Packung Paracetamol vorbeibringen möchten, dass konnte erst gegen Mittag geschehen, denn sie hatten ja Betrieb. Und ich war froh, dass sie überhaupt zu nett waren, dass für mich zu tun. Bis dahin waren dann die Beschwerden schon relativ gut wieder abgeklungen, aber ich nahm trotzdem noch eine Tablette, um den Rest auch noch in den Griff zu bekommen.
Am Sonntag ging es mir schon wieder wesentlich besser, ich konnte schon wieder aufstehen und mich anziehen. Am Montag schaffte ich es dann auch zum Hautarzt, denn mein jährliches Hautkrebsscreening stand an.
Ich erschrak allerdings nicht schlecht, als der Hautarzt, der mich allerdings noch nie zuvor gesehen hatte, da es der Nachfolger meines alten Hautarztes war, mir erklärte, dass ich eine leichte gelbe Färbung der Haut und somit einen leichten Ikterus hätte. Daraufhin machte ich umgehend einen Termin zur Blutabnahme mit meiner Hausarztpraxis aus. Die Nierenwerte sind super, sie haben sich sogar im Vergleich zum letzten Mal gebessert. Die Sprechstundenhilfe meinte, ich sehe etwas gelblich aus, aber nicht so schlimm wie früher an der Dialyse, als ich total grau-gelb war. Aber es sei schlimmer als die Wochen zuvor. Die Wochen zuvor hatte ich auch bemerkt, dass mein Blutdruck und mein Gewicht gestiegen waren, und dass ich Wasser eingelagert hatte. Das wurde natürlich nicht gerade besser durch die Impfung mit all ihren Folgen. Aber all das hat sich mittlerweile gebessert, und die Wassertabletten konnte ich mittlerweile auch schon wieder absetzen. Die Leberwerte haben wir auch gleich mit untersucht. Da war auch alles in Ordnung. Meine Mutter meinte, du warst doch schon immer etwas gelb. Das Foto, welches ich über WhatsApp herum geschickt hatte, war offenbar auch nicht sehr auffällig. Wahrscheinlich lag es wirklich nur daran, dass der Hautarzt mich nicht kannte.
Am Mittwoch rief ich dann bei unserem Impfzentrum an, nachdem die Hausärztin all meine Symptome dokumentiert hatte. Bei der Hotline sagte man mir, ich soll ein ärztliches Attest mitbringen, dass ich nicht mit AstraZeneca geimpft werden dürfte. Aber das bringt nicht viel, wenn ich es am Tag der 2. Impfung mitbringe, denn dann ist der Impfstoff ja bereits für mich aufgetaut und vorbereitet. Ich fragte also, ob es möglich wäre, dass ich zuvor schon Kontakt mit den Ärzten im Impfzentrum aufnehmen könnte, aber man meinte, ich würde dann sowieso wieder nur hier bei der Hotline landen. Ich finde das ungeheuerlich, wie die sich abschotten.
Ich schrieb also an das Robert-Koch-Institut ein Fax und bat sie darin, dieses Zeug abzusetzen, denn selbst wenn die Vorfälle mit den Thrombosen nichts mit dem Impfstoff zu tun haben, kann es doch nicht angehen, dass jedes Jahr, wenn die Impfung stattfindet, dann reihenweise selbst Kern gesunde Menschen für einige Tage oder gar Wochen flach liegen. Ich schilderte denen meine gesundheitliche Situation und bat sie, mir zu helfen, dass ich nicht wieder diesen Impfstoff bekäme.
Ich habe dann auch noch ein Einschreiben mit Rückschein an unser Gesundheitsamt gesendet und hoffe, dass sie reagieren und mir helfen. Meine Hausärztin ist natürlich nicht sicher, ob man über AstraZeneca einen anderen Impfstoff drauf impfen kann, aber nachdem sich hier die Angaben und Anweisungen permanent ändern, und morgen das möglich ist, was gestern noch unmöglich schien, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass es in ein paar Wochen heißt, dass man jeden Impfstoff auf jeden anderen drüber impfen kann, und dass man den Impfstoff auch bei Zimmertemperatur lagern könne, da hier offenbar die Nachfrage und der Mangel die Handhabung diktiert.
Prinzipiell bin ich überhaupt nicht dagegen, sich impfen zu lassen. Aber es ist eben nicht jeder Impfstoff für jeden geeignet und nicht in jeder Situation. Ich kenne einige Nierenkranke, denen hat man, obwohl sie auch noch nicht über 65 sind, Pfizer gegeben, aber mich hält man offenbar nicht für so krank, dass es bei mir nötig wäre. Irgendwie rutsche ich bei solchen Dingen immer durch die Maschen. Ich glaube, als mehrfach behinderte Frau, die sich obendrein schlecht durchsetzen kann, hat man hier schlechte Karten.
Ich finde generell, dass dieses Zeug in die Runde Ablage gehört. Daher mein Fazit: ceterum censeo astram esse iactam ad acta. Übrigens bin ich der Meinung, dass Astra zu den Akten geworfen gehört. Was rund heißt, hab ich vergessen. Aber ist ja auch egal, Hauptsache weg mit dem Zeug. Wenn ich das wieder kriege, lass ich mich nicht noch einmal impfen, denn beim 2. Mal soll es noch schlimmer sein, und das werde ich oder zumindest meine Niere nicht überleben.
Freitag, 5. März 2021
Geimpft und entwurmt
Schon am 14. Januar hatte ich mich für die Corona-Impfung registriert. Da offenbar zu viel von dem unbeliebten Impfstoff AstraZeneca übrig war, bekam ich dann ganz plötzlich eine E-Mail, dass ich jetzt einen Termin für die Impfung ausmachen könnte. Ich würde dann ein Terminpaar für beide Impfungen erhalten. Die Anmeldung konnte ich sogar mit dem Smartphone machen. Es war etwas schwierig, von dem Angebot am 1. März zu dem Angebot am 5. März zu gelangen, aber man konnte die Zeit, in der man den Termin hätte auswählen sollen, verlängern. Man hatte jeweils 10 Minuten Zeit, die aber beliebig häufig ausgedehnt werden konnte. Da sag noch jemand, in Zeiten von Corona sei es den Menschen langweilig, da sie immer nur zu Hause sitzen würden. Ich entschied mich also für den 5. März, da ich am 1. März einen Arzttermin hatte, am 2. März musste ich meinen Putzmann reinlassen, am 3. März musste der Personalausweis verlängert werden, am 4. März hatte ich den heiß ersehnten Friseurtermin, somit blieb mir dann eben der 5. März übrig als frühester Termin. Der 7. Mai sollte dann als Termin für die 2. Impfung eingetragen werden. Ich konnte auch diesen Bogen sehr schnell online ausfüllen, ich konnte die Aufklärung sehr schnell lesen, und danach schickte ich alles an meine Betreuerin. Entweder, sie hätte selbst unterschreiben müssen, oder sie hätte mir einen Wisch mitgeben können, der bestätigt, dass ich selbst unterschreiben darf. Eigentlich lächerlich, denn das ist dann auch gehüpft wie gesprungen. Wir stellten also alles zusammen, denn ich hatte ja noch keinen Personalausweis. Der Antrag für die Abholung des neuen Personalausweises und die bezahlte Rechnung für den Personalausweis, meinen Schwerbehindertenausweis und der alte Personalausweis, alles landete in einer Mappe zusammen mit den Unterlagen für die Impfung. Außerdem musste ich noch einen Transportschein organisieren und eine Bestätigung, dass ich eine Niere transplantiert bekommen habe. Denn das war ja die Eintrittskarte dafür, dass ich bereits in Runde 2 geimpft werden würde.
Plötzlich konnten sämtliche anderen Menschen, die zuvor um einen Impftermin kämpfen mussten, teilweise schwerstbehinderte Menschen, die bei Corona gestorben wären oder deren Pfleger, die nicht in einem Heim arbeiteten,, und denen man zuvor keinen Impftermin geben wollte, sowie Lehrer, Erzieher usw., sich auf einmal impfen lassen. Der Blindenverband hatte zuvor vergeblich versucht, dass blinde Menschen, die einem höheren Risiko ausgesetzt sind, sich anzustecken, weil sie ja mehr tasten müssen, in Gruppe 2 gelangen. Da man aber zu wenig Impfstoff für die Gruppe über 65 hatte, der für die Leute unter 65 aber nun mal da war und nicht schlecht werden sollte, hieß es plötzlich, es könnten sich nun auch andere Menschen impfen lassen, die das wollten. Auf einmal ist dieser Impfstoff auch für Leute über 65 zugelassen, der zuvor nur an Menschen getestet wurde, die zwischen 16 und 65 Jahre alt waren. Jetzt waren auf einmal brauchbare Testergebnisse dar, dass AstraZeneca wohl auch bei älteren Leuten wirkt. Wohl gemerkt, als es noch wenig Masken gab, hieß es, man könne die FFP 2 Masken im Backofen wieder nutzbar machen. Jetzt, da es genügend FFP 2 Masken gibt, heißt es, man solle sie wirklich nur einmal verwenden oder eben 7 Tage aus lüften lassen.
Ich habe also bei meiner Nierenambulanz angerufen, man riet mir, die Impfung mit dem Medikament von AstraZeneca machen zu lassen, besser als nichts, sagte man mir. Ich hatte einige sehr negative Berichte über diesen Impfstoff gehört, nämlich, dass es vielen Menschen schlecht wurde, oder dass sie ziemlich lange danach krank waren. Aber ich dachte mir, ich werde es jetzt eben machen, den anderen Impfstoff kriege ich ja nicht.
Da ich fürchtete, keine Hilfe dort zu erhalten, weil ja jeder vom Personal an seiner Station bleiben müsste, wenn man wie durch eine Waschstraße geführt würde, habe ich mir eine Begleitperson mitgenommen. Das Taxi war bestellt, meine Assistentin war da, und los ging es. Im Taxi erklärte uns dann der Taxifahrer, er habe einige Patienten erlebt, die mehrere Stunden dort gewartet hätten, da angeblich der Impfstoff erst 30 Minuten lang aufgetaut werden müsste. Ich hatte aber gelesen, dass es extra hieß, man müsse rechtzeitig da sein oder absagen, da extra für diese Person der Impfstoff aufgetaut würde, und da es sonst verfiel. Demnach war mir schon klar, dass die nicht erst den Impfstoff auftauen, wenn ich auf der Matte stehe. Aber mir glaubt ja immer keiner. Als wir dort ankamen, zeigten wir meine vorbereitete Mappe, und die Frau klärte uns etwas schnippisch auf, da ist es doch schon, als wir nach dem Impfbogen suchten. Die Beschilderung war wirklich super, wenn man auch etwas im Slalom herumgeführt wurde. Aber man konnte sich nicht verlaufen. Wir warteten auch nirgendwo sehr lange. Dann wurden wir weitergeleitet, es war dort noch etwas kalt. Irgendwann kamen wir dann auch ins Gebäude rein. Es ging alles relativ schnell. An 3 verschiedenen Stationen mussten wir meine Sachen vorlegen. Da ich ja noch keinen gültigen Personalausweis hatte, reichte zum Glück der Behindertenausweis, das hatte ich mir auch schon vorher gedacht. Aber sicherheitshalber hatte man mir eben dazu geraten, meinen alten Personalausweis und den Antrag auf einen neuen mitzunehmen. Dann mussten wir auch noch zu einem Aufklärungsfilm. Spätestens jetzt, während wir auf den Filmstart warteten und der Film abgespielt wurde, wäre der Impfstoff sowieso längst schon aufgetaut gewesen. Wir wurden dann zur nächsten Station geleitet, und meine Assistenz meinte, dass da ein anderer blinder großer und kräftiger Mann von jemandem aus dem Personal von einer Station gebracht wurde, von dort brachte ihn dann wieder jemand zur nächsten Station. Wir standen 10 Minuten, er war innerhalb 1 Minute weitergekommen. Aber am Ende ging es auch bei uns relativ schnell. Also war es nicht verkehrt, dass ich mir eine eigene Assistenz mitgenommen hatte. Meine Assistentin meinte schon zurecht, dass Menschen, die groß und kräftig und vor allem männlich sind, mehr betütelt werden. Das ist mir auch schon häufig aufgefallen. Der Film wäre vollkommen unnötig gewesen, denn wer die Informationen, die dort geliefert wurden, bisher noch nicht gehört hat, der ist sowieso schon tot. Der Mann sprach ohnehin so undeutlich, dass jemand mit einer Schwerhörigkeit ihn nicht verstanden hätte. Ein professioneller Sprecher wäre hier vielleicht angebracht gewesen, denn es war eigentlich nichts anderes als ein klingender Beipackzettel.
Dann waren wir beim Arzt drin. Der Arzt war total jung. Ich zeigte ihm alle meine Unterlagen, und dann suchte ich hektisch meinen Impfpass. Zum Glück hatte ich da noch festgestellt, dass er ja nicht im Geldbeutel sondern in der Brieftasche aufbewahrt wird. Ich hatte ihn neulich erst in einer anderen Praxis vorzeigen müssen, daher hatte ich befürchtet, dass ich ihn vielleicht dort habe liegen lassen, wo sie ihn kontrolliert hatten. Der Arzt stellte noch einige Fragen, und ich konnte ihn noch einige Dinge fragen. Er meinte, die Wirksamkeit sei nur minimal schlechter als die der anderen Impfstoffe, und ich müsse nicht unbedingt starke Impfreaktionen haben, und trotzdem wirkt es. Während er alles noch ausfüllte, machte ich meinen Arm frei. Der Stich war so kurz und so schmerzlos, als hätte er mich mit dem Finger kurz angetippt. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Impfung so schmerzlos ist. Normalerweise brennt es fürchterlich, wenn das Zeug in einen rein läuft, und hinterher tut die Stelle W.. Ich habe aber absolut nichts gespürt. Das einzige, was bei mir los ging, waren Kopfschmerzen. Ich habe normalerweise in meinem Leben noch niemals Kopfschmerzen gehabt. Normalerweise hätte ich nur 15 Minuten warten müssen. Ich bekam einen Zettel, auf dem die Uhrzeit vermerkt war, zu der ich hätte rausgehen dürfen. Wenn ich also früher gegangen wäre, hätte man mich nicht rausgelassen. Das war etwas sowie in einem Parkhaus, wo die Uhrzeit vermerkt ist, wann man reinkam und wann man wieder rausgeht. Ich setzte mich also mit meiner Assistentin in einen Warteraum, in dem ein Film in einer Schleife lief, in dem Szenen von Enkel Tricks und anderen Betrugsmaschen liefen. Nach 30 Minuten gingen wir hinaus, ich zeigte meinen Zettel vor, und dann warteten wir einfach auf das Taxi. Meine Lippe wurde etwas taub, besonders auf der rechten Seite, aber das war dann relativ schnell wieder weg. Das Taxi kam, und wir fanden, dass es sehr schnell ging, und dass die wahrscheinlich einen Schwung an Dosen von Impfstoff auftauen, und wenn dann jeder einfach kommen und gehen würde, wann er will, würden die eben verfallen. Es ist absoluter Blödsinn meines Erachtens, dass die für jeden einzelnen Menschen separat und individuell den Impfstoff auftauen. Meines Wissens kann man den Impfstoff sowieso ein paar Stunden draußen lassen, bevor er schlecht wird. Es ärgert mich immer, dass mir keiner glaubt. Ich glaube, das ist jetzt wesentlich besser organisiert, da man ja mittlerweile schon Routine hat. Der Taxifahrer erzählte laufend, dass alle anderen stundenlang warten müssten. Und außerdem würden es ja jetzt immer mehr, da jetzt mehr in die Breite geimpft würde. Natürlich hieß es bei meinen Erzählungen, dass ich ganz andere Erfahrungen gemacht hatte, gleich wieder, bei mir wäre das ja anders, das sei bei jedem Menschen unterschiedlich, das hinge davon ab, welche Erkrankungen man hätte. Da machen die keinen unterschied, wenn man in einer Kategorie ist, laufen alle durch dieselbe Maschinerie. Und ich fand, dass es so gut wie nur irgend möglich organisiert war, dass es nicht besser hätte laufen können, und das wir wirklich zügig von einer Station zur anderen gelangten und wirklich sehr schnell durchkamen. Um 10:15 Uhr war mein Termin, um 10:43 Uhr wäre normalerweise die Zeit gewesen, wann ich hätte rausgehen dürfen, und ich bin um 11:00 Uhr rausgegangen. Also haben wir gar nicht wirklich warten müssen. Wir waren ja auch etwas früher da. Das Taxi hatte ich auf diese Zeit bestellt, und ein paar Minuten nach 11 war er auch dar. Also nichts von wegen Chaos oder schlechter Organisation. Ich war sehr zufrieden. Nun kann ich nur hoffen, dass die befürchteten Reaktionen ausbleiben, die man mir bisher geschildert hatte, dass ich aber nun einen guten Schutz gegen Corona habe. Die 1. Impfung wurde in meinen Impfpass eingetragen. Meine Assistentin meinte, dass der Arzt mehrere Spritzen und mehrere Schälchen nebeneinander hatte mit der 1. und der 2. Impfung. Wahrscheinlich lagen die bereits für die nächsten Patienten in seinem Zimmer, und man musste angeben, ob es die 1. oder die 2. Impfung war, und er arbeitete einfach den Impfstoff ab. Er hat wunderbar gespritzt, wir befanden, dass er bestimmt einmal Tropenmediziner werden könnte. Da kann er dann sein Talent bei den Impfungen ausüben. Er meinte, er mache das den ganzen Tag. D. h. meines Erachtens aber nichts, denn es gibt Leute, die ihr ganzes Leben lang Blut abnehmen oder Spritzen geben, und bei denen es furchtbar weh tut, und ich habe schon 19-jährige Schwestern erlebt, die auf Anhieb einfach ein Talent dazu haben. Ich glaube, mit meiner Erfahrung als chronisch Kranke habe ich da einen Blick dafür. Ich hoffe, dass die 2. Impfung auch so glimpflich und reibungslos verläuft. Schade, dass ich kein extra Blatt Papier mit der Bestätigung erhalten habe, um es mir an die Wand zu hängen. Aber es steht in meinem Impfpass, es ist dort dokumentiert, ich finde schon, dass das ein historischer Moment ist, einen Impfstoff zu bekommen, der erst ganz aktuell für eine ganz neue Krankheit entwickelt wurde. Das war eigentlich nur in den letzten Jahrhunderten der Fall. Wer hätte gedacht, dass unsereins das mal erleben würde. Ich hoffe nur, dass der Spuk bald vorbei ist.
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