Samstag, 26. Juli 2014

Das Trauma mit dem Trauma

Wieder so ein Artikel, der nur auf meinem einsamen Blog verschimmeln darf. Ich habe versucht, eine Zeitschrift anzuschreiben, habe sogar versucht, diesen Beitrag der TAZ vorzuschlagen, aber wie immer bekam ich keine Antwort. Ich habe etwas zu sagen, aber ich und das, was ich sagen möchte, landen nur auf dem Schutt Ablageplatz der Zeit. Ich möchte zumindest, wenn ich einmal nicht mehr da bin, dass irgendwann mal einer gelesen hat, was hier ein sozial frühzeitig beseitigter und aus der Gesellschaft ausgeschlossener Mensch einmal geschrieben hat. Ich finde es eine Sauerei, dass die Fähigkeiten, Ideen, Gedanken und Beiträge und die gesamte Intelligenz eines ganzen Menschen einfach so ins Klo gespült werden. Welches Land kann sich eigentlich leisten, seine Ressourcen so dermaßen zu verschwenden?

 

Die traumatische Suche nach dem Trauma

 

Eine Expertin in eigener Sache

 

Vor ca. 30 Jahren, als es den Begriff Trauma noch kaum zu geben schien, war ich als fast Blinde an einer Schule für Sehende und wurde dort mit Mobbing (was schon eher zum Psychoterror tendierte) konfrontiert. Damals wurde mir gesagt, ich bilde mir alles nur ein, oder mir wurde die Schuld daran gegeben, denn irgend einen Grund wird es ja wohl haben, wenn andere somit mir umgehen. Was mit „so“ gemeint ist, konntet Ihr in einem früheren Post lesen.

 

Bis vor einigen Jahren wurde der Begriff Mobbing auf diese Beschreibungen nicht einmal angewendet, sondern diese Aktionen wurden als Hense Laien bezeichnet.  Die meisten Psychologen und Therapeuten waren und sind zum Teil noch der Ansicht, das Mobbingopfer habe einen Anteil an der Situation, und man müsse sich dies in einer Therapie anschauen. Die schwer wiegenden psychischen Folgen, die Mobbing hinterlässt, sind meines Erachtens eher therapiebedürftig als die so genannten „Gründe“, die zu Mobbing geführt haben. Es ist zumindest schon beruhigend, dass mir einige Leute die neuesten Forschungsergebnisse zugetragen haben, dass es keine typische Mobbing-Persönlichkeit gibt. Und es ist gut, dass es für diese Taten nun einen übergeordneten handfesten Begriff gibt. Ich bin somit schon einen Schritt weiter, das es zumindest ein paar Psychologen und Ärzte gibt, die dies so nennen. Zuvor hieß es sogar: sie fühlte sich gemobbt. Und das bringt mich schon zum Kern dieses Artikels.

 

Wenn ich auf meiner Suche nach Anerkennung für dieses Trauma anfrage, ob solche Gewalttaten, wenn sie auch „nur“ emotionaler Natur waren, zu einem Trauma führen können, erhalte ich zumeist sehr vage Aussagen. Der Tenor lautet: für den einen ist das ein Trauma, für den anderen nicht. Ob man sich traumatisiert fühlt, hinge von der eigenen Person ab und der Widerstandsfähigkeit, der eine könne also etwas locker wegstecken, für den anderen sei es der blanke Horror. Jeder erlebe ein Trauma anders, jeder ginge anders damit um. Victor Frankl sei sogar im KZ gewesen, und er habe keine Schäden davongetragen. Andere Menschen seien schon traumatisiert, wenn man sie Idiot nennt. Wenn man natürlich so ein breites Spektrum an Reaktionen ansetzt, wird man nie zu einer Antwort kommen. Ich gehe einmal davon aus, dass abgesehen von diesen Ausnahmen die Menschen sich ziemlich eng beieinander auf diesem Spektrum bewegen. Es mag tolerant klingen, wenn einem ein Diagnostiker zugesteht, dass es für diese Person schlimm war. Dies reduziert aber die Wertung nur auf diese eine Person. Es bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass es wohl für die meisten Menschen dann nicht schlimm gewesen wäre. Dies ist aber objektiv gesehen keine Bestätigung eines Traumas, denn dies stellt keine Entlastung dar, da der Fokus auf die Person und nicht auf die Tat gelegt wird. Im Grunde genommen wird damit nicht gesagt, dass die Tat schlimm war, sondern nur, dass dieses Individuum sie eben schlimm empfand. Würde man bei einer Vergewaltigung zu einer Frau sagen: „für Sie war diese Tat schlimm.“? Würde man zu einem Menschen, der Folter erlitten hat, sagen: „jeder Mensch reagiert eben anders?“ Spontan würde jeder mit nein antworten. Weniger tolerante Menschen würden sogar sagen: „Mobbing oder Hense Laien sind kein Verbrechen, sind daher auch nicht schlimm, und ein Trauma ist ein einmaliges Ereignis, welches lebensbedrohliche Züge haben muss.“ Dies wäre zumindest eine ehrliche Antwort. Denn eigentlich kann man mit der Aussage, dass es für einen selbst schlimm war, nicht viel anfangen, denn das weiß man ja ohnehin schon, bevor man sich Hilfe gesucht hat. Zur Anerkennung eines Traumas gehört meines Erachtens daher auch, dass die Tat als solche unabhängig von der Person als schwerwiegend und verletzend angesehen wird. Nun werden viele Fragen: „was nützt es dem Opfer, wenn es weiß, dass die Tat schlimm war, und was hat das Opfer davon, wenn man ihm bestätigt, dass sein Erlebnis schlimm war?“ Wenn man auf bestimmte Art reagiert, seine Persönlichkeit verändert, misstrauischer wird, Ängste entwickelt und sich nicht mehr als derselbe fühlt, der man mal war, sich irgendwie als gezeichnet empfindet, und das Gefühl hat, irgendwie in seinem Erleben von den anderen getrennt zu sein, ist es eventuell beruhigend zu wissen, dass der Grund dafür etwas gewesen ist, was gemeinhin als schlimm angesehen wird, eine Tat, die real passiert ist und real dazu geeignet ist, einen Schaden bei einem Menschen entstehen zu lassen. Die Beruhigung, das, was Du empfindest, ist vor dem Hintergrund dieser Situation ganz normal, Du bist kein Exot, Du bist nicht verrückt, diese Tat wird von der Gesellschaft als gemeinhin schlimm angesehen, kann entlastend wirken. Das Gefühl dagegen, es sei reine Geschmackssache und (nur) die subjektive Empfindung des Individuums, ob es eine Tat selbst schlimm findet, kann einen in die Isolation treiben. Die wesentlich härteren Beispiele, die ich weiter oben angeführt habe, demonstrieren, dass Mobbing und emotionale Gewalt noch nicht wirklich als schwer wiegende Eingriffe in ein Leben betrachtet werden. Wirklich eindeutig als schädlich und traumatisch können sie irgendwie doch noch nicht angesehen werden, bestenfalls dann eben halt für das einzelne Individuum. Selbstverständlich ist Folter noch um wesentlich viele Kategorien härter als Mobbing und Psychoterror. D.h. aber nicht, dass Letzteres nicht auch schon die Psyche zerstören kann und zwar nicht nur von Menschen mit geringerer Resilienz sondern ganz bestimmt auch von  ganz durchschnittlichen Menschen.

 

Zerstörerisch wirkt sich aber auch aus, dass man in der Beurteilung seines Traumas immer nur auf sich selbst zurückgeworfen wird. Die Anerkennung, sei es  in Form einer ärztlichen Diagnose für den Geschädigten  oder die Sanktionierung der Täter, dass die Gesellschaft solche Taten nicht hinnimmt, und dass es sich hier eindeutig um psychische Gewalt handelt, gibt einem Opfer schon das Gefühl, mit seiner Ansicht und seinen Empfindungen nicht alleine zu sein. Alleine schon das Gefühl, nicht einfach nur besonders verletzlich oder lediglich überempfindlich zu sein, kann den ersten  Schritt zur Heilung bedeuten. Die oben gemachten Aussagen, es sei völlig individuell und subjektiv, wie man etwas empfindet, können zusätzlich ein Trauma bedeuten, da man wieder mit seinen Erlebnissen alleingelassen und nicht ernst genommen wird, da wieder die Tat an sich nicht anerkannt wird, man wieder zu einem besonders sensiblen Zeitgenossen abgestempelt wird. Die Aussagen, man müsse sich doch einfach selbst glauben, was andere sagen, sei doch völlig egal, treiben einen in die Isolation, denn man bekommt das Gefühl, als einzige diese Ansicht zu haben, dass diese Erlebnisse wirklich schlimm waren. Mir sind diese Aussagen und Ansichten, die für mich auch eine verkappte Bagatellisierung von Mobbing und Psychoterror darstellen, auf meiner Suche nach einem Traumatherapeuten oder einer Traumadiagnostik zu 99 % begegnet. Ich fühle mich an damals erinnert, als ich während dieser traumatisierenden Umstände Hilfe suchte, mir aber alle nur sagten, das sei alles nicht so schlimm, da müsse man durch, es passiert doch jedem. Auch Äußerungen wie: wir sind doch alle irgendwie zerbrochen, habe ich auf meiner Suche nach Anerkennung meines Traumas gehört. Dies schiebt den schwarzen Peter irgendwie dem Opfer zu: wir erleben alle unsere schlimmen Dinge, es kommt nur darauf an, wie man damit umgeht, und der eine kann es eben besser, der andere eben nicht. Sprich: Du kannst es eben nicht so gut. Eigentlich sollte es angebracht sein, im Sinne von Psychoedukation dem Opfer zu erklären, warum es so reagiert, wie es reagiert, und dass die Reaktionen völlig normal sind, dass die Empfindungen verständlich sind, dass diese Erlebnisse außerordentlich waren, und dass daher auch die Reaktionen, die zuweilen außerordentlich ausfallen, gemessen an der Situation normal und nachvollziehbar sind. Dies zeigt, dass man das Opfer wirklich versteht, dass man die Geschehnisse  per se als gravierend ernst nimmt, dass man die Gefühle des Opfers nachempfinden kann, und dass man sie zumindest den negativen Erlebnissen zuordnen kann. Dies hätte ich mir gewünscht, in einer annehmenden, wohlwollenden Atmosphäre, in der auch Feedback und Resonanz hinsichtlich der erlittenen Qualen und dazu passenden Gefühle gegeben wird, und eine  sachgemäße Aufklärung stattfindet, welche Prozesse bei diesen Taten in einem Menschen ablaufen können, auf was man sich als Opfer einstellen muss, und dass man mit seinen Symptomen nicht alleine ist, sondern es auch andere Menschen gibt, die unter solchen Dingen gelitten haben und auch nicht immer stark waren und alles nur weggesteckt haben. Ich habe viele Bücher über Traumatisierung gelesen, in denen eigentlich genau das drin steht. Ich habe mich teilweise sogar an namhafte Buchautoren gewandt, zuweilen aber nur solche bis gar keine Antworten erhalten. Es gab einige wenige, die den Standards, die sie in ihren Büchern gesetzt haben, gefolgt sind. Leider kommt man aber auf der Suche nach Diagnostik nicht an diese Menschen heran, die sich ganz besonders mit dem Thema Trauma beschäftigen, da sie meistens überlaufen sind. Ob diese Bücher auch von anderen Fachleuten gelesen werden, frage ich mich manchmal. Zumindest sollte klar sein: ein Mensch, der traumatisiert ist, verhält sich in manchen Situationen nicht so wie jemand, der so etwas nicht mitgemacht hat. Daher sollte jemand, der einen solchen Menschen diagnostizieren will, darauf vorbereitet sein, es mit jemandem zu tun zu haben, der im Kontakt manchmal nicht ganz einfach ist. Hätte dieser Mensch diese psychischen Probleme nicht, würde er ja schließlich auch den Fachmann nicht aufsuchen. Daher sollte dieser sich nicht abschrecken lassen und dann wiederum negativ auf das Opfer reagieren, was ja wieder Ablehnung bedeutet. Das Schlimmste, was einem bereits traumatisierten Menschen passieren kann ist, wenn ihm gesagt wird, das, was er erlebt habe, sei doch wohl kein Trauma, da gäbe es doch VIEL Schlimmeres,  oder: das ist doch nun nicht wirklich so schlimm, und andere würden das viel besser wegstecken.

 

Romantisch oder pragmatisch veranlagte Menschen werden nun sagen, es ist doch egal, wie man es nennt, Hauptsache man hört demjenigen zu. Ich halte es aber für sehr wichtig, zu wissen, ob man es mit einem Menschen zu tun hat, der ein psychisches Trauma erlitten hat, da dann oft andere Vorgehensweisen vonnöten sind, und da sich einige Störungen dann besser einordnen und erklären lassen. Außerdem, wie oben erläutert, tut es zumindest einmal gut, wenn die Ereignisse als schlimm genug anerkannt werden, dass sie im Normalfall potenziell traumatisierend sein können, und zwar nicht nur für Überempfindliche sondern für ganz normale Menschen. Wie man mir  häufig sagte, mag es einen Unterschied geben darin, ob man etwas Traumatisches erlebt hat, oder ob man tatsächlich auch traumatisiert ist. In beiden Fällen sollte aber die Tat per se als schlimm angesehen werden und nicht die Reaktion des Opfers als eine rein individuelle und subjektive Geschmackssache oder gar als pathologisch dargestellt werden. Dies wird weder einem traumatisierten Menschen noch einem Menschen, der traumatische Dinge erlebt hat, gerecht. Und noch kurz dazu, dass viele jetzt wiederum nicht glauben werden, wie häufig mir diese Aussagen begegnet sind, und dass das doch wohl an meinem auftreten gelegen hat: auch dies birgt wieder die Aussage in sich, dass man selbst zu diesen Äußerungen beigetragen habe, oder dass man bei diesen Erfahrungen einfach nur übertreibt. So setzt sich die Traumatisierung von damals weiter fort. Auch bei einem physischen Trauma würde schließlich niemand sagen: der eine, der sich den Arm gebrochen hat, braucht einen Gips, der andere kommt auch ohne Gips aus. Wenn man einen Schlag auf den Kopf bekommt, ist das für den einen verletzend, der andere steckt das locker weg. Der eine läuft nach einem Beckenringbruch sofort wieder einen Marathon, der andere bleibt drei  Monate im Bett. Auch hier gibt es eindeutige Standards und eindeutige Skalen, wie man das eindringende Ereignis einschätzt, und wie man die Folgen  dementsprechend einordnet und behandelt . Nachdem man heute den Anspruch hat, psychische Traumata genauso ernst zu nehmen wie körperliche Verletzungen, sollte man auch die gleichen Standards dafür anlegen. Denn auch bei einem körperlichen Trauma wünscht man sich doch, dass andere die Schmerzen und die Schwere der Verletzungen und die erlittene Tat als solche würdigen. Hier würde keiner auf die Idee kommen, dass dieses Bedürfnis per se wiederum ein Zeichen von psychischer Labilität ist.

 

Der geneigte Leser wird sich nun fragen, wie kommt eine einzelne  Person darauf, für alle anderen zu sprechen, schließlich empfindet dies  doch jeder unterschiedlich. Na, da haben wir's ja schon wieder!  Nun, ich kann zumindest mit Sicherheit sagen, dass niemand seine Erlebnisse und die dazugehörigen Empfindungen relativiert, individualisiert, und bagatellisiert haben will.  Schließlich bin ich Expertin in eigener Sache.

 

Ich habe gezahnt!

Endlich ist es soweit! Es fehlen noch zwei Wochen, dann jährt sich der Tag, an dem mir mein ERSTER  Zahn aus meinem Erwachsenengebiss gezogen wurde.  Am 25. Juli erhielt ich nun endlich die Krone.

 

Vor zwei Wochen hatte ich die ersten Abdrücke. Ich hatte furchtbar Angst, da ich dachte, der ganze Mund würde mit Masse voll gestopft. Es war aber nur ein Löffel, der die Form eines Hufeisens hatte, so dass er nur an das Gebiss gedrückt wurde. Am Zäpfchen hat man überhaupt nichts gespürt. Der Arzt hat extra einen sehr kleinen Löffel genommen. Das Zeug ist aus Algen hergestellt, und so schmeckt es auch. Es ist ziemlich kalt, damit es nicht sofort hart wird. Das hat etwas an den Zahn helfen geschmerzt, aber es war wirklich gut auszuhalten. Dasselbe Spiel wurde oben und unten gemacht. Eine Woche drauf erhielt ich dann einen Abdruck mit Silikon. Zunächst wurde einmal das so genannte Gingiwa, ein Zahnfleisch-Form, der die ganze Zeit in meinem Mund war, herausgeschraubt. Das dauerte ein bisschen, der Arzt musste zwei verschiedene Schlüssel nehmen, bis es klappt. Dann steckte er einen langen Spieß in dieser Schraube hinein. Danach förderte er den Löffel mit dem Silikon so ein, dass der Spieß durch den Abdruck hindurchging. Offenbar muss das Labor wissen, wo das Loch der Schraube ist, die im Implantat steckt. Es dauerte etwas länger als bei der Algen-Masse, bis das Silikon halb wurde. Dann kam ein Moment der Panik, als er das Silikon fast nicht mehr von meinen Zähnen weg bekam. Ich dachte schon, er würde mir meine Zähne herausreißen. Da fing ich fast an zu weinen, da ich dachte, was passiert, wenn er wirklich das Silikon nicht mehr abbekommen? Den Spieß hatte er zuvor schon wieder rausgezogen, somit war ein Loch in dem Silikon-Abdruck an der Stelle, wo dann die Schraube hin musste. Nun bestellte er die Krone. Er konnte mir zunächst nicht einmal sagen, wann diese fertig sei. Dann rief er an, und bereits am Freitag den 25. sollte die Krone geliefert werden.

 

Gestern kam ich also in die Praxis, und das Ganze verlief reibungslos. Es wurde ziemlich viel geschraubt, geöffnet, gedreht und wieder hineingeschraubt. Zu meiner Verwunderung drückte er dann einen Wattebausch dazwischen, und setzte dann erst die Krone auf. Er erklärte mir, dass man ansonsten nie wieder an die Schraube käme, da diese sonst mit Zement gefüllt würde, und man sie dann nicht mehr ab bekäme. Falls einmal die Krone erneuert werden müsste, was wir natürlich nicht offen, muss dieser Wattebausch drin bleiben, um zu verhindern, dass die Schraube mit Zement gefüllt wird. Der Wattebausch wird dann luftdicht eingeschlossen. Dann drückte er die Krone auf, und ich musste zu beißen, bis der Zement hart war. Nun kam der einzige schmerzhafte Moment, als er mir den Zement von der Krone ab kratzte, der an den Seiten etwas herausgekommen war. Das zwickte ziemlich stark im Zahnfleisch und in den Zwischenräumen zu den Nachbarzähnen. Dann war auch dies überstanden. Nun sollte ich auf ein Blaupapier beißen, welches er immer ein Stück weiter schob. Dies zeigte an, dass die Krone richtig saß. Beim vor-und zurückgehen mit dem Unterkiefer war es noch etwas ungewohnt, und ich hatte das Gefühl, der Zahn bleibt überall hängen. Aber über Nacht ist dieses Gefühl verschwunden. Der Zahn ist richtig schön, als sei es mein echter. Nun habe ich ein ganzes Jahr weniger zwei Wochen gebraucht, um einen neuen Zahn zu bekommen. Ich Eis nicht, wie lange ein Baby braucht, um seine ersten Zähne zu erhalten, aber die Prozedur war ähnlich schmerzhaft.

 

Beim Kauen knackt mein Kiefer immer noch etwas an der rechten Seite. Ich hoffe, dass dies auch noch auffällt, und sich das Ganze noch ein pendelt.

 

Ich hoffe, dass dies nun erst einmal der letzte Zahn war, der aufgebaut werden musste. Aber nun weiß ich ja, wie es läuft, und dass es irgendwann auch mal zu Ende ist. Jetzt kenne ich die Schritte, und ich weiß, dass sie eigentlich nicht schlimm sind. Die Angst davor und das ewige warten war eigentlich am schlimmsten nun habe ich also zum dritten Mal gezahnt.

Montag, 23. Juni 2014

Ich will nicht sterben! Ich will nur (so) nicht mehr leben


Wieder ist einer meiner Wünsche, die ich mir für dieses Jahr vorgenommen habe, daneben gegangen. Ich habe in meinem Erpresserbrief an das Leben und an Gott geschrieben, dass ich die Konsequenzen ziehen werde, wenn nicht mindestens einer meiner Wünsche dieses Jahr in Erfüllung geht. Ich wollte diese Konsequenzen eigentlich erst Ende des Jahres ziehen, aber ich werde wohl wahrscheinlich diesen Weg schon ein paar Monate früher einschlagen.

Heute wollte ich endlich die Ergebnisse der ADHS-Diagnostik haben. Stattdessen hat man mir eine Diagnose erteilt, die ich überhaupt nicht wollte. Dies ist eine Diagnose, die sehr unbeliebt ist, und mit der man eigentlich nie behandelt wird. Keiner nimmt einen mit so einer Diagnose. Es ist ein Makel, den man nie wieder los wird.

Außerdem hätte ich nun endlich die Möglichkeit, eine Traumadiagnostik in Mannheim machen zu lassen. Ich habe also dorthin geschrieben und angefragt, wie sie zum Thema Trauma steht, ob ich dann auch wieder nur solche Sätze höre wie: ob man traumatisiert ist, hinge davon ab, wie gut man etwas wegsteckt, oder: es sei doch nicht so wichtig, ob man eine Diagnose bekommt, nur man selbst könne sich diese Bestätigung geben. Sie hat mir keine Antworten darauf geben wollen. Dies bedeutet, dass ich dann, wenn ich dort hinfahre, wieder nur enttäuscht werde. Ich habe sie nun angefleht, mir doch diese Fragen zu beantworten. Wenn ich dort wieder hingehe und wieder enttäuscht werde, überlebe ich das nicht. Außerdem muss jedoch Verständnis haben, dass jemand, der bereits traumatisiert ist, nicht noch einmal verletzt werden möchte.

Ich habe an Leitmedien geschrieben, um dort den Text über Kabarettisten anzubringen, und die Leute davon zu informieren, dass hier diskriminierende Sprache gegenüber Behinderten benutzt wurde. Ich habe diesen Mann mehrfach angebettelt, mir doch zu schreiben, dass er mit meinem Text etwas anfangen kann. Er wiederholte immer nur, dass er solche Texte nicht abdruckt, und dass er nicht viel damit machen könne, und dass der Text aber gut sei. Ich erklärte ihm mehrfach, ich bräuchte lediglich einen Satz wie: „danke für den Hinweis, wir werden den Text archivieren, uns ist jeder Hinweis wichtig, den wir in diesem Zusammenhang erhalten. Ich habe ihm gesagt, dass ich mein Leben so nicht mehr leben will, wenn ich niemandem nütze, und wenn niemand etwas von mir brauchen kann. Er meinte, ich solle mir helfen lassen. Ich finde das Heuchelei, denn er hätte mir in dem Moment helfen können. Ich sagte ihm nämlich, dass der gefallen, den ich von ihm möchte, so klein ist, und er mein Leben damit retten würde, wenn er mir sagt, dass er das gebrauchen kann, was ich geschrieben habe.

Ich habe nämlich auch an die Zeitschrift Menschen-das Magazin geschrieben und die gebeten, meinen Texte veröffentlichen. Man hat ein Jubiläum, die Juni-Ausgabe sei bereits voll, erst im Dezember könne man darüber nachdenken, meinen Text zu veröffentlichen. Und er gab mir eben der Hinweis, mich an Leitmedien zuwenden. Ich bitte alle diejenigen, die diesen Eintrag gelesen, sich den Blockeintrag „Stille Post an Kabarettisten“ durchzulesen und diesen heraus zu kopieren und an Leitmedien zu senden. Vielleicht kann man ihn so dazu bringen, zumindest zu sagen, dass mein Beitrag hilfreich war. Ich würde alles tun, damit endlich einmal jemand sagt, dass er etwas von mir brauchen konnte.

Außerdem wollte ich mich für einen Fernstudiengang in Disability studies anmelden. Leider hat man mir gesagt, in Deutschland gäbe es diesen Studiengang noch nicht. Ich habe allerdings gelesen, dass die Professorin, die mir sehr nett zurück geschrieben hat, für eben dieses Fachgebiet einen Lehrstuhl hat. Wahrscheinlich gibt es keinen Hauptstudiengang dafür. Sie hat mir die Adresse einer Uni in Leeds in England gegeben, wo man einen Fernstudienkurs belegen kann. Als ich aber hin schrieb, dass ich zu den zwei Wochenenden Präsenzstudium, nicht kommen könne, und dass ich ein Stipendium bräuchte, bekam ich keine Antwort mehr. Ausgerechnet in dem Studiengang, indem über Diskriminierung Behinderter geforscht wird, werde ich einmal wieder aufgrund meiner Behinderung (und vielleicht auch wieder wegen meiner Art) diskriminiert. Wieder eine Enttäuschung! Gott will nicht, dass ich in meinem Leben noch irgendetwas ändern kann, das Leben hat für mich keine Überraschungen mehr parat.

Ich möchte nicht, dass mir irgendjemand schreibt oder sagt, ich solle mir Hilfe holen. Für was soll ich mir Hilfe holen, wenn mich jeder, den ich um Hilfe bitte, nur wegschickt und sagt, ich solle zu meinem Hausarzt gehen oder zu einem anderen Arzt oder in eine Klinik? Wenn mir jemand zeigen würde, ja, Du bist mir wichtig, ich helfe dir, ich gebe dir, was Du dir wünschst, weil ich dich mag, und weil mir etwas an dir liegt, oder wenn ein Therapeut sagen würde, ich diagnostiziere Sie, ich helfe Ihnen, dann wäre das schon ein Grund, weiterzuleben. Aber nur zu sagen, holen Sie sich doch Hilfe vom Hausarzt, damit man aus dem Schneider ist und keine Verantwortung mehr hat, ist für mich ein Zeichen, dass ich diesen Leuten im Grunde egal bin. Für was soll ich mir dann also Hilfe zum weiterleben holen?

 

Zumindest haben wir erreicht, dass unsere Radiosendungen jetzt auch von einem anderen Webradio abgespielt werden. Und eine Sendung wird sogar von einem ganz bekannten Webradio für blinde angenommen. Allerdings habe ich mich schon wieder zu früh gefreut, denn ein Bekannter von mir sagte mir, als er den Namen des Radio-Machers des neuen Webradios hörte, dass dessen Ex-Freundin ihm erzählt habe, dass dieser schon mehrere Projekte angefangen und in den Sand gesetzt hätte. Natürlich, da freut man sich, aber dann komme ich doch nur wieder wo unter, wo niemand zuhört, oder was sowieso gleich im Sande verläuft.

Von meinem Katzennetz habe ich noch nichts gehört. Ich glaube auch, dass dieser Wunsch ebenso nicht in Erfüllung geht wie alle anderen. Ich werde keine neue Autismusdiagnose erhalten, sie wird nicht bestätigt werden, und es wird kein Trauma bestätigt, stattdessen bekomme ich nur Diagnosen, die einen Menschen er stigmatisieren  als alles andere.

Ich möchte nicht sterben, ich will leben, nur möchte ich dieses Leben nicht mehr! Da ich aber dieses Leben nicht ändern kann, so sehr ich mich auch bemüht habe, soviel ich auch getan habe, muss ich irgendwann die Konsequenzen ziehen. Ich werde so lange mit dem Kopf gegen dieselbe Scheibe knallen, bis sie endlich zerbricht. Ich werde notfalls mit Gewalt erreichen, dass ich noch etwas von diesem Leben bekomme. Ich werde Gott erpressen, und ich werde ihm mit Gewalt abtrotzen, dass er mir doch noch mehr zuteilt, als das, was ich erhalten habe. Andere, auch Behinderte, haben ein erfülltes Leben und so viele Dinge, die Sie machen können. Andere haben gleich mehrere Gebiete, auf denen sie gut sind und ankommen. Ich hingegen kann machen, was ich will, aber ich erhalte nichts, und es kommt nichts zurück. Für mich ist nichts vorgesehen. Ich werde es mir mit Gewalt nehmen! Warum soll es mir nicht genauso zustehen wie jedem anderen? Gott hat mich als üblich-Mensch auf die Welt gesetzt, der nur Ersatzspieler sein darf. Ich werde nicht zugeben, dass ich an allem selbst schuld bin, und dass ich gescheitert bin, weil ich selbst alles falsch gemacht habe. Ich habe getan, was ich konnte und mich redlich bemüht. Ich glaube nicht, dass andere so viel besser sind. Und ich habe keine zu hohen Erwartungen. Ich bin von Anfang an für die Schattenseite bestimmt gewesen. Ich hasse Gott!!!

Wenn mir jemand wirklich helfen will, dann setzt er sich dafür ein, dass ich endlich all diese Wünsche erfüllt bekomme, oder mindestens einen, den ich in meinem Erpresserbrief erwähnt habe.

Ich möchte einmal sehen, dass auch das Leben für mich noch positive Wendungen, Überraschungen und Lösungen parat hat. Ich möchte, dass mich jemand versteht, dass ich endlich die passende Diagnose will, damit ich endlich zu einer richtigen Gruppe dazugehöre, und nicht ein bisschen dies, ein bisschen das, ein bisschen jenes und ein bisschen solches bin. Niemand versteht, dass ich endlich zu einer bestimmten Gruppe dazugehören will, und dass ich endlich jemanden sagen hören will, dass ich nicht einzigartig bin, dass meine Symptome bei vielen Menschen vorkommen, und dass ich nicht alleine damit bin. Stattdessen werde ich immer gefragt, was ich denn davon hätte, eine Diagnose zu erhalten. Ich würde vielleicht endlich denken, dass ich nicht verrückt bin, sondern dass es einen handfesten Grund für all das gibt. Ich möchte, dass das Kind endlich einen Namen bekommt. Und ich möchte als aller erstes, dass dies jemand versteht.

Letztes Jahr im Dezember habe ich mich so über eine Frau geärgert, dass ich etwas ganz Böses ausgesprochen habe. Ein halbes Jahr später ist sie gestorben. Ich fühle mich schuldig an ihrem Tod. Außerdem habe ich eine Bekannte, die mit 35 Jahren bereits Krebs hat, der schon ins Rückenmark gestreut hat. Ich möchte mit ihr tauschen, ich möchte lieber sterben anstatt sie. Mein Leben ist sowieso nichts wert, dann könnte ich ihr wenigstens diesen Dienst erweisen. Ich würde liebend gern mein Leben geben. Sie wird noch gebraucht, sie hat einen Mann, sie arbeitet, und sie ist jünger als ich. Was soll ich noch hier auf dieser Erde?

Sollten hie zugeben müssen r nun blöde Kommentare kommen, wie ich sie letztes Jahr gelesen habe, bestätigt mich dies nur in meinem Weg auf meiner langen Reise. Ich wünschte, ich müsste diese nicht antreten! Ich will nicht sterben, ich will leben, aber ich will anders leben, aber der liebe Gott lässt es nicht zu. Am Ende habe ich wieder verloren.

Montag, 16. Juni 2014

Elfchen

Neulich gab es einen internationalen Wettbewerb, bei dem man ein "Elfchen" schreiben sollte. Dies ist ein japanisches Gedicht mit elf Wörtern. In der ersten Zeile ist ein Wort, in der zweiten zwei, in der dritten drei, in der vierten vier und dann in der letzten noch eines, welches aber ein Adjektiv sein muß. Das Elfchen sollte zum Thema Punktschrift, also Blindenschrift geschrieben werden.

Meines lautet so:

Punktschrift,
wie schwierig!
Ich hasste Braille!
Nun bin ich angesteckt,
dankbar!

In diesen elf Worten soll meine anfängliche Ablehnung und die später folgende "Bekehrung" ausgedrückt werden, und der Umstand, dass ich heute dankbar bin, dass es Louis Braille gegeben hat, der diese geniale Schrift erfunden hat.

Einen Beitrag hierzu gibt es auch auf meinem Blog mit dem Titel "Wenn Papier die Pickel kriegt".

Mittlerweile lese ich sehr gerne, muss aber  immer sehr lange auf die Zusendung der Bücher warten, da die Bücher, die ich will, häufig begehrt sind, und es nur wenige Exemplare zum Verleih gibt.  Lieber wäre den  Verlagen natürlich, man würde sie gleich kaufen, aber ich bin eigentlich nur selten bereit, die ziemlich teuren und platzraubenden Bücher käuflich zu erwerben, die ich ohnehin nur einmal lese. Ich lese  ein Buch selten zweimal, das habe ich auch zu meinen Schwarzschriftzeiten nicht anders gemacht, aber da waren die Bücher billiger und sahen in ihren bunten Einbänden auch recht hübsch aus. Ein Bücherregal strahlt doch etwas sehr Gemütliches  aus. Aber diese klobigen und dunklen Bände, oder gar die  Leitz-Ordner,  in denen die Literatur verpackt ist, machen in puncto Ästhetik nun wirklich wenig her und verbreiten eher eine ungemütliche Atmsophäre. Das sollte mir dann ja eigentlich egal sein, da ich es eh nicht mehr richtig sehe, aber so viel kann ich dann doch noch erkennen.

Sind wir wirklich frei?

In einer Ausgabe der Verbandszeitschrift des  Deutschen Blinden- und Sehbehindertenbundes gab es eine Debatte über den Fall von einem taubblinden Zwillingspaar, welches sich gemeinsam umgebracht hat, offenbar mit  Hilfevon außen.  Hierzu habe ich einen Leserbrief geschrieben, der dort in wesentlich gekürzter Form erschienen ist. Nun dachte ich, ich könnte ihn auch einmal hier in voller Länge einstellen. 

In der  Zeitschrift "Die Gegenwart"  hat sich eine Psychologin zu dem Fall der taubblinden Zwillinge geäußert, die aktive Sterbehilfe in Anspruch genommen hatten.  Sie hat auf das Entsetzen und die Empörung der Behinderten reagiert, die den Akt der Sterbehilfe als "Vergiften statt Helfen" bezeichnet haben und es lieber gesehen hätten, wenn diesen Menschen die Möglichkeit der Kommunikation trotz Taubblindheit mittels z.B. des Lormens nahegebracht worden wäre.  Es stimmt zwar, wie sie sagt, daß man nicht den Stab über Menschen brechen sollte, die diesen Ausweg  gewählt haben, doch denke ich, daß niemand ein moralisches Urteil über diese beiden zusätzlich auch noch schwerkranken Menschen gefällt hat sondern eher über diejenigen, die diesem  Todeswunsch vielleicht zu schnell nachgekommen sind.

Es wird  hier angedeutet, daß die Behindertenbewegung -- vielleicht traumatisiert durch die Vorgänge im dritten Reich -- sehr emotionalisiert über die Frage der aktiven Sterbehilfe urteilt.  Nun, was ist eigentlich auch so schlimm daran, aus einem Trauma heraus bestimmte Schlußfolgerungen zu ziehen, ob verarbeitet oder nicht, ein Trauma bedingt immer eine Einstellungsänderung, und diese ist doch hier nicht ganz so verkehrt.

Natürlich ist es ein Unterschied, ob Menschen gegen ihren Willen getötet werden, oder ob sie aus freien Stücken diesen Weg wählen.  Hier aber genau ist der Knackpunkt. Die Frage ist, ob wir wirklich frei sind.   Darüber streiten sich Psychologen und Philosophen noch heute.  Wir unterliegen sehr vielen Notwendigkeiten und Zwängen in unserem Leben, alleine schon durch unsere Biologie, wir müssen essen, schlafen, haben viele andere Bedürfnisse, die wir nur schwer unterdrücken können.  Uns ist selbst gar nicht bewußt, wie sehr unser Gehirn bestimmten Zwängen unterliegt, da diese völlig ohne unser Wissen ablaufen.

Ebenso unbewußt sind uns oft gesellschaftliche Zwänge, z.B., daß wir nicht auffallen dürfen, anderen nicht zur Last fallen dürfen, möglichst viel alleine tun können sollten, und um sich anderen zuzumuten, dazu gehört eben, wie das Wort schon sagt, viel Mut.  Im Zuge der sich umkehrenden Alterspyramide habe ich die Sorge, daß das sogenannte "sozialverträgliche Frühableben" immer mehr Schule macht, wenn dies auch nicht offen so kommuniziert wird.  Aber wie oft hört man von alten Menschen, wenn auch eher etwas emotional erpresserisch den Satz: "Es wäre wohl das Beste, ich wäre nicht mehr da." Wie schnell kann ein solches Klima wenn auch unbewußt die Entscheidung beeinflussen, ob man auf dieser Erde noch verweilen möchte.

Ich denke, daß nicht nur in Fällen, bei denen die Entscheidungsfreiheit offensichtlich eingeschränkt ist, wie z.B. bei psychischen Erkrankungen, die Gefahr besteht, daß Entschlüsse nicht wirklich selbständig   getroffen werden können und eher Kurz-Schlüsse sind, sondern, daß jeder Mensch gewissen Manipulationen unterworfen ist.  Zum einen ist die Grenze zwischen psychisch gesund und krank sehr fließend,  und es kann auch bei vorher psychisch Gesunden  in Extremsituationen, wie sie eine Behinderung oder schwere Krankheit nunmal darstellen,  zum sogenannten Tunnelblick kommen, in dem sie nur noch einen Ausweg sehen.  Auch hier ist ein besonderer Schutz notwendig und vorallem die Aufklärung, was noch alles möglich ist,  wo es (auch finanzielle) Hilfen zu holen gibt, daß Betroffene nicht alleine gelassen werden, und daß andere Möglichkeiten und Auswege existieren können.  Ich behaupte einmal ganz axiomatisch, daß kein Mensch per se Todessehnsucht hat, sondern daß man einfach nur so nicht mehr leben will.

Ich selbst als Blinde und Dialysepatientin habe schon oft mit dem Gedanken gespielt, daß ich diese Situation nicht mehr länger erdulden will.  Darum bin ich die Allerletzte, die moralisch den Stab über jemanden brechen würde, der diese Entscheidung trifft.  Nur stört mich der Begriff der "Freiheit".  Kann mir wirklich jemand ganz sicher beweisen, daß Menschen, die diesen Weg gewählt haben, tatsächlich aus freien Stücken gehandelt haben?  Mein Motto ist immer: Love it, change it or leave it.  Nun ist die Frage: Kann ich es lieben?   Nein!  Kann ich es ändern?  Nein!  Bin ich also frei, habe ich also zwei Möglichkeiten, die ja per definitionem das Wesen der Freiheit sind?  Nein!  Die Entscheidung, sich in so einer Situation umzubringen ist genauso frei wie die eines Menschen, der im zwanzigsten Stock eines brennenden Hochhauses steht und die Wahl hat, an Rauchvergiftung zu sterben oder ohne Sprungtuch auf dem Pflaster aufzukommen.  Bildlich gesprochen müssen wir also ein Sprungtuch aufspannen, um eine echte Wahlfreiheit zu gewährleisten.  Gibt es Hilfen, kann man die Lage ändern, kann man die Schmerzen palliativ behandeln, gibt es finanzielle Möglichkeiten, um den Spielraum zu erweitern?  Wenn dies alles gegeben ist, und dann ein Mensch immer noch sagt, daß er nicht mehr leben will, dann muß man seinen Willen wohl respektieren.  Freitod ist für mich der Begriff für einen Menschen, der ein langes und zufriedenes, erfülltes Leben hatte und dann einfach sagt: "Nun ist es genug!"  Und selbst da stellt sich mir die Frage, ob derjenige nicht große Angst vor dem drohenden Autonomieverlust hat, den das Alter mit  sich bringt, aber vielleicht hätte dieser hypothetische Mensch  dann genug Geld, um sich die Hilfe einzukaufen, die er benötigt und wählt dennoch diesen Weg nach reiflicher Überlegung.

Ich bekomme Bauchschmerzen bei dem Gedanken, daß jemand ans Bett eines Schwerkranken tritt und ihm das Angebot macht: "Übrigens, Du kannst auch die Euthanasie wählen, wenn Du willst."  Irgendwie muß er ja diese Information dann bekommen, aber könnte darin nicht schon der Gedanke mitschwingen, daß man dieses Angebot  dann auch bitte schön annehmen sollte?!  Wer kann ausschließen, daß Angehörige, die vielleicht sogar mehr unter der Situation leiden, jemanden hilflos daliegen zu sehen, nicht doch irgendwie durchblicken lassen, daß sie erleichtert wären, wenn alles nun endlich vorbei wäre, und der Betroffene sich aus Loyalität zu seinen Angehörigen verpflichtet sieht, diese zu entlasten?

Meiner Meinung nach ist es auch nicht die Aufgabe von Ärzten, ein Leben zu beenden.  Ärzte sind dazu da, das Leben zu erhalten, zu verbessern oder, wenn keine Verbesserungsmöglichkeit besteht, den Patienten palliativ zu begleiten.  Ärzte sind dafür da, richtig zu dosieren, das haben sie gelernt, um dem Patienten zu  helfen.  Ich  finde es für mich nur dann legitim, das Leben aktiv zu beenden, wenn der Tod ohnehin irreversibel vor der Türe steht, und ein qualvolles Sterben verhindert werden soll, oder wenn bei nicht mehr erträglichen Schmerzen so starke Schmerzmittel gegeben werden, daß auch der Tod mit in Kauf genommen werden kann, wie eben bei der terminalen Sedierung.    (Aktueller Hinweis: In einem Buch über  Palliativmedizin habe ich gelesen, dass es gar nicht möglich sei, jemandem so viel Morphium zu geben, dass er dran stirbt, bzw. es gab Beispiele von 10facher Dosierung, wo nichts passiert sei.)

Die Erfüllung eines Sterbewunsches gehört für mich in die Hand eines gesetzlichen Betreuers oder eines Juristen, wobei zuvor einwandfrei abgeklärt werden muß, auch mit Hilfe von Psychologen oder geistlichen Seelsorgern, ob es wirklich der freie Wille des Betroffenen ist, und dieser  zuvor  auch wirklich umfänglich über alle tatsächlich in die Praxis umsetzbaren Alternativen aufgeklärt wurde.  Und genau bei der Beantwortung dieser Frage, inwieweit eine zweifelsfreie Abklärung diesbezüglich möglich ist, und wie frei jemand wirklich ist, so eine unumkehrbare Entscheidung zu fällen, da habe ich große  Zweifel.   

Auch der Einwand, daß es besser ist, etwas  zu legalisieren, was ohnehin getan wird, wobei bei diesen Handlungen dann obendrein noch andere -- wie z.B. Lokführer, Angehörige oder Angestellte, die denjenigen dann auffinden, mit reingezogen werden, ist damit zu entkräften, daß  nicht einfach folgenschwerste Handlungen wie  Sterbehilfe oder assistierter Suizid durch ihre Legalisierung weniger problematisch werden.  Auch die präimplantive Diagnostik, wo bereits vorgeburtlich selektiert wird, ist in der BRD nicht erlaubt, und diese sowie andere problematische Verfahren werden dann immer mit dem Argument gerechtfertigt: "wenn wir's nicht tun, dann machen's andere".  Schließlich werden auch bei der legalen aktiven Sterbehilfe Menschen mit hineingezogen, z.B. diejenigen, die sie dann ausführen müssen.  Auch beim assistierten Suizid muß einer da sein, der das Gift besorgt.  Das einzige, was daran noch beruhigend wirkt,  ist die Tatsache, daß man handlungseingeschränkten Betroffenen eine für sie durchführbare Möglichkeit zur Verfügung stellt, sich selbst umzubringen und es selbst in der Hand zu haben.  Nur wäre es danach unterlassene Hilfeleistung, denjenigen liegen zu lassen, und es müßte  ohnehin wieder gehandelt werden. Weiterhin bleibt immer noch die Frage, ob derjenige dann noch den Mut hat, seine vorher geäußerte Entscheidung dann doch wieder rückgängig zu machen und er die Kraft aufbringt, sich dann im letzten Moment doch noch umzuentscheiden, oder  ob die Versuchung nicht doch zu groß ist,  in der Situation  möglicherweise dem Druck nachzugeben, weil doch nun soviel Aufwand betrieben wurde, um ihm diesen Ausweg zu ermöglichen, und es  für ihn somit "kein Zurück" mehr gibt.

 Ich möchte keineswegs moralisieren, und ich finde es anmaßend, einem  Leidenden zu sagen: "Du mußt Dein Kreuz tragen."     Das Hintertürchen offen zu haben, jederzeit aus dem Leben scheiden zu können, kann auch beruhigend sein, seinen Weg weiter zu gehen, und mit dem Wissen, sich  dann immer noch umbringen zu können, wenn's wirklich nicht mehr geht, kann man vielleicht sogar noch mutiger sein und noch größere Strapazen auf sich nehmen, als man es ohne dieses Hintertürchen tun würde.   Daher sehe ich Selbstmord auch nicht unter moralischem Gesichtspunkt.  Jemand, der eine Krankheitsdiagnose mit fortschreitender  Prognose erhält, wird eventuell länger durchhalten, wenn er sich darauf verlassen kann, daß jemand diesen "Liebesdienst" für ihn erledigt, den er dann später nicht mehr selbst tun kann, anstatt sich schon gleich zu Anfang der Erkrankung umzubringen.  Dennoch bleibt die Frage, ob er, sobald er dann tatsächlich in der Situation ist, noch genauso denkt, da er diese  zuvor ja lediglich gedanklich vorweggenommen hatte.  Was ist, wenn er dann in der konkreten Lage ganz anders entscheiden würde, es aber dann nicht mehr äußern kann? 

Es wäre natürlich ungerecht, jemandem, der sich selbst kein Gift mehr besorgen kann zu sagen: "Du  hast gefälligst leben wollen zu müssen."   Dennoch ist es so, daß wir bei jedem anderen Menschen, der  -- aus welchen Gründen auch immer -- Selbstmordabsichten äußert, doch genauso alles tun, um dies zu verhindern, somit müssen wir es hier ebenso tun.    Der Wunsch,  nicht mehr leben zu wollen, ist ein Hilferuf nach Verbesserung.  Solange wir auf Todeswünsche  und Selbstmordäußerungen nur entweder so reagieren, daß wir denjenigen in die Geschlossene stecken oder im anderen Extremfall seinem Wunsch barrierefrei nachkommen, anstatt ein barrierefreies Leben zu gestalten, verpassen wir die Chancen,  die Nöte desjenigen zu hören und unsere Gesellschaft  dementsprechend versuchen zu verändern.  Da der Tod zum Leben gehört, gehört zur Lebenshilfe irgendwie auch die Hilfe zum und beim Sterben dazu.  Aber solange die Hilfe zu einem selbstbestimmten und freien Leben noch so extrem ausbaubedürftig ist, kann  die Option, dann lieber zu sterben, keine freie Entscheidung sein.  Ich befürchte, wenn wir den ermöglichten Selbstmord bzw. die aktive Sterbehilfe zulassen, wird weniger  dafür getan, die Lebensbedingungen von Behinderten und Schwerstkranken zu verbessern, da es ja eine bequemere Lösung gibt.  Mir macht, um es kurz zu sagen, die Vorstellung, daß einem Kranken die Möglichkeit der Sterbehilfe angeboten wird, große Angst.  Es ist keine Frage des moralischen Zeigefingers sondern die große Sorge in einer sozial eher kälter werdenden Umwelt.

Wer Lust hat, sich mit diesen Gedanken näher zu befassen, der lese z.B. das Buch von Klaus Dörner: "Tödliches Mitleid"

Stille Post an Kabarettisten

In der Zeitschrift "Menschen -- Das Magazin" werden häufig Briefe geschrieben, die nie abgeschickt werden.  Daher habe ich nach diesem Muster nun einen Brief an Kabarettisten geschrieben, die z.B. auch gerne mal von unbeugsamen Politikern als  Autisten reden, oder die in früheren Jahren Gags brachten wie: "Das haben sich wohl der Lambsdorf und der Scheuble beim Joggen ausgedacht."  An diese Wort- und Witzakrobaten ohne Seil und Sprungnetz habe ich nun diese Stille Post verfaßt und sie sogar an die Redaktion von "Menschen -- Das Magazin" geschickt. Mal sehen,  wie still diese Post dann ist, oder ob sie vielleicht dann von den gehörlosen Kabarettisten vernommen wird.
 
 
Stille Post an Kabarettisten

Liebe Kabarettisten, neulich hörte ich einige Preisträger der kleinen Kunst, von denen einer sagte: „Das Privatfernsehen bringt die Paralympics der Sprache.“ Ein anderer meinte: „bei manchen Fernsehsendungen meint man, man sei bei Aktion Mensch.“ Ich nehme einmal stark an, dass dies nicht als Kompliment gemeint war. Aber woher nehmen Sie eigentlich die Ansicht, dass Sportler, die bei der Behindertenolympiade mitwirken, automatisch ein niedriges Niveau haben? Und was bringt Sie dazu, anzunehmen, dass Leute, über die bei Aktion Mensch berichtet wird, nichts im Kopf haben? Oder wollten Sie etwa damit sagen, dass das Privatfernsehen ein ausgesprochen hohes Niveau hat?
 
Sind Sie schon einmal mit einem Bein Ski gefahren? Haben Sie schon einmal mit verbundenen Augen Fußball gespielt? Haben Sie schon einmal im Sitzen eine Kugel gestoßen? Können sie mit einem Arm Posaune spielen?

Selbstverständlich dürfen Sie Witze über einen Behinderten machen, zum Beispiel, wenn jemand Ihrer Meinung nach politischen Unsinn redet, oder wenn jemand sich bei "Deutschland sucht den Superstar"  oder in einer Talkshow blamiert, oder wenn sich jemand sonst wie negativ hervorgetan hat. Warum sollen Behinderte hier geschont werden?

Aber schlechte Qualität automatisch mit Behinderung gleichzusetzen oder als Metapher für unmögliches Verhalten herzunehmen, finde ich schlichtweg diskriminierend.

Gerade Sie, die Sie häufig gesellschaftliche Missstände anprangern, sollten sich einmal mehr mit Behinderten und deren wahren Leistungen  beschäftigen. Wenn Sie dies getan haben, dürfen Sie gerne auch einmal einen Witz mit oder über einen Behinderten machen

Ihre Kabarett-begeisterte
Humorna Los!

Sonntag, 1. Juni 2014

Warteschleilfe -- Zeitschleife


Vor einigen Wochen habe ich nun an unsere Hausverwaltung geschrieben und sie gebeten, mir doch wegen des Katzennetzes Bescheid zu geben, oder mir zu sagen, wann nun die Eigentümerversammlung stattfindet. Bisher habe ich weder das eine noch das andere erfahren.
Letztes Jahr im August wurde mir ein Zahn operativ gezogen. Im November wurde das Implantat eingesetzt. Am 7. April wurde das Implantat freigelegt. Danach sollte ich einen Kostenvoranschlag für eine Krone vom Zahnarzt einholen, um dann mit diesem Heil- und Kostenplan bei der Kasse die Kostenübernahme zu beantragen. Am 2. Mai hatte ich einen Termin. Hier wurde mir außerdem noch eröffnet, dass ein Abdruck gemacht werden muss, dass der Arzt danach, sobald die Krone fertig ist, diese erst einmal probehalber einsetzt, und erst dann die fertige Krone auf geschraubt wird, eventuell auch mit Zement.
Der Arzt sagte mir auch, dass er zusammen mit der Masse des Abdruckes den Stutzen für das Implantat in meinem Mund halten muss. Da ich sehr schnell würgen muss, und schlecht Luft bekomme, könnte es sein, dass ich Panik bekomme und dies nicht aushalten werde. Daher müssen wir nun überlegen, ob ich eventuell eine Beruhigungsspritze bekommen muss. Ich werde es erst einmal so versuchen, aber es könnte sein, dass ich kurz schlafen gelegt werden müsste. Auch dies müsste man separat bei der Kasse beantragen.
Bis heute habe ich keinen Kostenvoranschlag des Zahnarztes erhalten. Ich habe bereits zweimal angerufen, beim ersten Mal sagte man mir, es sei vom Dentallabor noch kein Kostenvoranschlag beim Zahnarzt eingegangen. Beim zweiten Mal hieß es, der Kostenvoranschlag des Labors sei nun da, der Zahnarzt müsse diesen aber noch prüfen. Ich weiß nicht, wie lange diese Prüfung dauern wird. Der Kostenvoranschlag soll direkt an meine Betreuerin gehen. Sie muss dann die Kostenübernahme beantragen und auch ein geringes Einkommen geltend machen, da bei der Krone 400-500 € Eigenbeteiligung vorgesehen sind. Auch dies wird sicher noch einmal vier Wochen dauern.
Am 26. Juni sollte eigentlich die Nasen-OP sein. Der Kieferchirurg, der auch Gesichtschirurg ist meinte, bis dahin werden wir ja wohl das Implantat mit der Krone fertig haben. Nun muss ich leider die OP verschieben. Denn es ist unwahrscheinlich, dass das Implantat bis dahin überkront ist. Wenn ich gewusst hätte, wie schwierig das Ganze werden würde, hätte ich lieber die Zahnlücke gelassen. Eine Brücke kam für mich nicht infrage, da hier die beiden benachbarten gesunden Zähne abgeschliffen werden müssten. Sollte die Brücke dann heraus brechen, und sollte sie nicht halten, hätte ich dann eine Lücke mit links und rechts zwei Zahnstümpfen.  Außerdem dachte ich, so viele Brücken und Lücken im Mund bilden ein schlechtes Fundament, falls einmal eine Teilprothese notwendig würde. Da ist ein festes Implantat, welches tief im Kieferknochen steckt, vielleicht die sichere Variante. Aber nun stellt sich heraus, dass jedes Mal, wenn ich einen Schritt vollzogen habe, und wenn ich glaube, dem Ziel näher gekommen zu sein, ein weiterer Schritt angekündigt wird, der mich wiederum von meinem Ziel entfernt. Ich wollte eigentlich an Ostern wieder auf beiden Seiten kauen können. Dann dachte ich, es könnte zu Pfingsten klappen. Jetzt habe ich ein endgültiges Ultimatum gestellt: sollte bis August dieser Zahn nicht fertig sein, breche ich ab, egal, wo die Behandlung gerade ist. Das Motto: Jetzt sind wir schon so weit gekommen, jetzt hören wir nicht auf, wäre unsinnig, denn am Schluss muss ich vielleicht sowieso aufgeben, und dann ärgern mich die vielen Schritte, die ich umsonst gemacht habe umso mehr. Ich glaube nicht mehr daran, dass dieses Implantat jemals überkront  wird. Außerdem besteht wahrscheinlich die Schutzkappe aus Nickel, so dass ich dauernd mit Neurodermitis zu kämpfen habe. An der rechten Hand ist es besonders schlimm, da ich hier zusätzlich auch noch meine Uhr mit einem metallenen Zugarmband trage. Die ganze Zeit hatte ich das vertragen, aber mit dem zusätzlichen Faktor Nickel im Mund ist dies doch zu viel. Nun laufe ich die ganze Zeit ohne Uhr herum. Bei Zugfahrten mache ich da aber eine Ausnahme. An den anderen Tagen ist es egal, da an der Dialyse genug Uhren sind. Meine Taxifahrerin ist sowieso immer pünktlich.
Ich komme keinen Schritt weiter, weder mit dem Katzennetz noch mit meinem Implantat. Daran hängt so viel. Ich hätte jetzt am 26. Juni die Besprechung wegen der Ergebnisse bezüglich der ADHS-Diagnostik gehabt. Da aber hier die Nasen-OP sein wird, musste ich den Termin absagen. Ich hätte ihn aber auch genauso gut annehmen können, da die OP mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ohnehin verschoben werden muss.
Ich fühle mich wie in einer Zeitschleife. Natürlich erzählt mir mal wieder jeder, es ginge ihm genauso. Wie hätte es auch anders sein können. Dann werden die Highlights aller Wartezeiten herausgekramt, zum Beispiel, dass eine Frau mir erzählte, sie habe zwei Jahre auf das Ergebnis ihrer Mammographie gewartet. Nur ist das bei mir so, dass ich auf jeden Mist viel länger warten muss. Dieses Labor hat sicher nicht zum ersten Mal eine Krone angefertigt, somit könnten Sie einen Kostenvoranschlag innerhalb von zwei Tagen an den Arzt faxen, der mir dann innerhalb von zwei Wochen einen Kostenvoranschlag schicken kann. Vom Gefühl her hätte ich nicht erwartet, dass es länger dauert als zwei Wochen. Aber ein Monat ist einfach zu viel.
Vor einigen Tagen war dann auch meine Karte mit den Kilometern voll, die wir als Behinderte erhalten.  Ich habe noch viele Freikilometer, aber da ich sehr viele kleine Fahrten gemacht habe, gibt es keinen Platz mehr auf der Tabelle, und ich muss eine neue Karte beantragen. Beim letzten Mal bin ich einfach in die Außenstelle gefahren, wobei ich mich zuvor angemeldet hatte, obwohl man angeblich keinen Termin machen müsste. Als ich ankam, war der "Spezialist", der normalerweise die neuen Karten herausgibt, nicht da. So hat ihn jemand angerufen und mit Mühe und Not eine neue Karte für mich ausgefüllt, damit ich sie mit den übertragenen Restkilometern mitnehmen konnte. Diesen Ärger wollte ich mir dieses mal ersparen und habe daher die Karte direkt an das Amt geschickt. Da ich noch zwei alte abgelaufene und fertig ausgefüllte Karten da hatte, dachte ich, die könnte ich auch gleich mit schicken, damit ich sie los habe. Es ist zwar nicht Pflicht, diese Karten zurückzuschicken, aber stichprobenartig wollen die diese Karten vielleicht irgendwann haben, und so lange liegen sie dann bei mir in der Schublade herum. Nun warte ich auch hier wieder, wobei mir klar ist, dass unter zwei Wochen sicher nichts passieren wird. Eigentlich müsste die Dame die verbleibenden Kilometer nur auf die neue Karte übertragen und sie mir zurückschicken. In der Zwischenzeit habe ich nun keine Karte und kann nicht meine Freikilometer nutzen. Ich bin gespannt, wie sehr ich hier wieder kämpfen muss, wie sehr ich hier wieder für Verwirrung gesorgt habe, dass ich die alten Karten mitgeschickt habe, obwohl ich in meinem Anschreiben extra erklärt habe, welches die aktuelle Karte ist. Ich bin gespannt, ob der Name der Dame überhaupt stimmt, oder ob da niemand den Brief erhält, da es eine Dame dieses Namens vielleicht gar nicht gibt. Er lautet so ähnlich wie Gutdiensthuber, nur eben anders, , aber diesen darf  ich ja hier  zur Wahrung der Privatsphäre nicht erwähnen. Auch hier werde ich sicher wieder auf die Warteschleife gesetzt.
Ich kann nur hoffen, dass irgendwann einmal wieder etwas weitergeht. Ich kann es aber gar nicht mehr glauben und es MIR gar nicht mehr vorstellen.